Patienten fragen

Ich habe Brustkrebs und trinke gerne meinen Nachmittagskaffee. Nun hat mir eine Bekannte davon abgeraten. Was meinen Sie dazu?

Neuere Forschungsergebnisse bestätigen die prinzipiell sogar gesundheitsfördernde Wirkung von Kaffee. Eine schwedische Studie zeigt, dass der Genuss des Heißgetränks die Wirkung von Tamoxifen verstärkt (Simonsson M/Cancer Causes Control 2013). In dieser Untersuchung wurden 600 Patientinnen über einen Zeitraum von fünf Jahren beobachtet. Die Hälfte der Frauen nahm gleichzeitig Tamoxifen ein. Das Ergebnis: Frauen, die zwei oder mehr Tassen Kaffee am Tag tranken, hatten halb so viele Rückfälle, wie die Frauen mit einem täglichen Kaffekonsum von maximal einer Tasse. Eine Erklärung für diese Beobachtung findet sich in einer anderen Studie (Schliep KC/American Journal of Clinical Nutrition 2012), die belegt, dass bei weißen US-Amerikanerinnen der Östrogenspiegel durch Kaffee gesenkt wird.
Dass ein moderater Kaffeekonsum sich hemmend auf das Wachstum von Brustkrebs auswirken könnte, legen bereits Studien aus den Jahren 2006 und 2011 nahe. Interessanterweise gilt dieser Effekt nicht nur für Östrogenrezeptor-positive Tumore, sondern auch bei Östrogenrezeptor-negativen (Li J/Breast Cancer Research 2011). Warum das so ist untersuchte eine experimentelle Studie (Geraets L/Biochem Pharmacol 2006). Sie offenbarte, dass Kaffee (ohne Filter) wie ein PARP1-Hemmer wirkt. Diese Substanzen werden u. a. bei Triple-negativen Tumoren eingesetzt. Zusammengefasst ergibt sich das Bild, dass Kaffee nicht nur Genuss bringt, sondern auch eine heilsame Wirkung bei Brustkrebs erzielen kann. Wir empfehlen Kaffee ohne Filter und ohne Milch als Espresso zu genießen.