Als Darmkrebspatient möchte ich meine Genesung durch Ernährungsmaßnahmen unterstützen. Ich habe gelesen, dass Nüsse dienlich sein könnten. Ist das ein Mythos oder helfen sie wirklich?

Mit dem Essen von Nüssen können Sie Ihr Rückfallrisiko deutlich verringern. Ein erhöhter Konsum verbessert sogar die Überlebenschancen – und zwar in einem Ausmaß, das den Effekten einer Chemotherapie entspricht! Zu dieser Erkenntnis kam eine Studie mit 826 Patienten im Stadium III (Fadelu T, Niedzwiecki D, Zhang S et al. / Journal of Clinical Oncology 2017).
Patienten, die mehr als zwei Portionen Nüsse (60 Gramm) pro Woche verzehrten, hatten ein um 42% geringeres Rezidivrisiko. Ihr statistisches Sterberisiko war nicht einmal halb so hoch wie das der Probanden ohne Nusskonsum.
Es ist verblüffend, dass derart einfach umzusetzende Maßnahmen einen solchen Nutzen haben, wie der Genuss von zwei Handvoll Walnüssen in der Woche. Daher empfehlen wir, Nüsse regelmäßig auf den Speisenplan zu setzen. Ein Laborexperiment an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena unterstreicht die Bedeutung von Nüssen in diesem Zusammenhang (Schlörmann W et al. / Molecular Carcinogenesis 2017). Hier wurde die Wirkung verschiedener Nusssorten (Macadamia-, Hasel und Walnuss, Mandeln und Pistazien) auf Darmkrebszellen untersucht. Die Forscher fanden heraus, dass Nüsse die Aktivität der beiden Enzyme Katalase und Superoxiddismutase steigerten, wodurch sie die natürliche Entgiftung in Körperzellen ankurbelten. Außerdem bewirkten Nüsse in diesem Experiment, dass Darmkrebszellen ihr natürliches Selbstzerstörungsprogramm einleiten (Apoptose).
Die Anti-Krebs-Wirkung war in den Untersuchungen auf die Baumnussarten beschränkt: Cashew-, Pecan-, Hasel- und Walnüsse sowie Mandeln. Erdnüsse und Erdnussbutter zeigten keinen positiven Effekt auf die Gesundheit. Botanisch gesehen zählen Erdnüsse auch nicht zu den Nüssen, sondern zu den Hülsenfrüchten.

 

Ich habe Darmkrebs im Stadium II und soll eine Chemotherapie bekommen. Was raten Sie mir?

Bisher wird bei bestimmten Patient*innen mit kolorektalen Karzinomen (Darmkrebs) im Stadium II (pT4, G3, Gefäßinvasion, Operation unter Notfallbedingungen und/oder <10 untersuchte Lymphknoten) eine adjuvante Chemotherapie nach der Operation empfohlen. Eine niederländische Studie zeigte allerdings, dass dieses Vorgehen nur bei T4-Tumoren mit einem längerem Überleben assoziiert war (Verhoeff SR / Int J Cancer 2016).
In die Studie aufgenommen wurden 4.940 Patient*innen aus dem niederländischen Krebsregister mit einem Kolonkarzinom im Stadium II, die zwischen 2008 und 2012 die Diagnose erhielten und operiert worden waren. 16% dieser Gruppe erhielten eine Chemotherapie gleich nach der Operation. Das durchschnittliche Alter der Patient*innen betrug 73 Jahre.
Die Sterbewahrscheinlichkeit konnte nur bei Patient*innen mit einem pT4-Tumor oder mindestens zwei Risikofaktoren durch die Chemotherapie reduziert werden. Das Drei-Jahres-Gesamtüberleben betrug bei einem pT4-Tumor 91% mit Chemotherapie gegenüber 73% ohne Chemotherapie. Eine weitere Unterteilung der Untergruppe mit mindestens zwei Risikofaktoren ergab, dass die adjuvante Chemo nur bei Patient*innen mit pT4-Tumor zu einem verlängertem Gesamtüberleben führte, nicht aber bei mindestens zwei Risikofaktoren und einem Nicht-pT4-Tumor.
Diese Studie dokumentiert, dass in der inhomogenen Therapie der Kolonkarzinome im Stadium II weniger Therapie bei bestimmten Patientenuntergruppen besser ist. Wenn, wie in dieser Studie aufgezeigt, nur die Patient*innen mit pT4-Tumoren von einer adjuvanten Chemotherapie profitieren, sollte besonders im Stadium II bei Kolonkarzinomen kritisch hinterfragt werden, ob dies wirklich im Einzelfall zutrifft, bevor eine solche Behandlung begonnen wird.
Außerdem ist eine kürzere Therapiedauer in der Diskussion, vor allem bei Patient*innen im Stadium III, die eine adjuvante Chemotherapie erhalten. Eigens für diese Frage hat sich die IDEA-Gruppe „International Duration Evaluation in Adjuvant Chemotherapy” gebildet. Das Gremium hat die derzeit übliche sechsmonatige adjuvante Chemotherapie mit FOLFOX oder CAPOX mit einer dreimonatigen Chemotherapie mit den gleichen Substanzen verglichen. Die Ergebnisse dieser Studie mit über 12.000 Patienten (Axel Grothey A / N Engl J Med 2018) sind aufschlussreich: Die krankheitsfreie Überlebensrate nach drei Jahren betrug nach der dreimonatigen adjuvanten Chemotherapie 74,6% und nach der sechsmonatigen adjuvanten Chemotherapie 75,5%. In den weiter fortgeschrittenen Stadien T4 und/oder N2 lag die Drei-Jahres-Rate des krankheitsfreien Überlebens nach der sechsmonatigen adjuvanten Chemotherapie bei 64,4% und nach der dreimonatigen adjuvanten Chemotherapie bei 62,7%. Allerdings müssen die geringen Vorteile der längeren Chemotherapie mit den Nebenwirkungen in Beziehung gesetzt werden, die bei einer dreimonatigen Chemotherapie natürlich deutlich weniger waren. Insofern lautet unser Fazit: Sie profitieren statistisch gesehen nur dann von einer längeren Chemotherapie, wenn Sie ein Kolonkarzinom im Stadium II und gleichzeitigen pT4-Tumoren haben. Doch selbst dann könnte eine dreimonatige Gabe anstelle einer sechsmonatigen Chemotherapie die bessere Wahl sein, insbesondere wenn Sie sehr geschwächt sind und viele Begleiterkrankungen haben. Besprechen Sie das individuelle Vorgehen bitte mit Ihren behandelnden Ärzt*innen.
Übrigens, auch andere Studien sind eher enttäuschend hinsichtlich des Langzeitüberlebens nach einer Chemotherapie. Zehn-Jahres-Daten bei fortgeschrittenem Rektumkarzinom zeigen an 1.011 Patient*innen mit resezierbarem Rektumkarzinom im Stadium T3 oder T4, dass das Gesamtüberleben bei 49,4% in der Gruppe ohne und bei 50,7% in der mit präoperativer Chemotherapie lag; nach zusätzlicher adjuvanter Chemotherapie waren es 51,8%, ohne adjuvante Chemotherapie waren es 48,4% (Bosset JF / Lancet Oncol 2014). Lokalrezidive traten unter Chemotherapie etwas seltener auf, Fernmetastasen traten gleich häufig auf.
Fazit der Autoren dieser Studie: Eine adjuvante Chemotherapie nach präoperativer Radiotherapie (mit oder ohne Chemotherapie) beeinflusst krankheitsfreies und Gesamtüberleben nicht. Somit sollte das Vorgehen, eine adjuvante Chemotherapie im Anschluss an eine präoperative Radio(chemo)therapie zu geben, prinzipiell überdacht werden.

Ich bin 76 Jahre alt und habe ein Rektumkarzinom. Den Krebs möchte ich lieber nicht operieren lassen. Gibt es aus Ihrer Sicht sinnvolle Alternativen?

Die sicherste Behandlungsmethode beim Rektumkarzinom ist eine Operation, sieben bis acht Wochen nach Abschluss der neoadjuvanten Radiochemotherapie. Scheinbar eignet sich für einige wenige Patienten ohne Fernmetastasen die „Waitand-watch“-Strategie (ähnlich wie beim Prostatakarzinom). Voraussetzung ist, dass eine neoadjuvante Radiochemotherapie den Tumor komplett zum Verschwinden gebracht hat, sodass keine Zeichen eines Resttumors zu finden sind. Forscher aus Manchester fanden das in einer Studie an 259 Patienten heraus (Renehan AG et al. / Lancet Oncol 2015).
Bei allen anderen Patienten, die den Wunsch nach einer Kontinenzerhaltung ohne einen dauerhaften künstlichen Darmausgang haben, kommt eventuell eine „Gracilis-Plastik“ in Betracht. Mit diesem experimentellen Operationsverfahren arbeiten allerdings nur wenige Krankenhäuser, so z. B. die Universitätskliniken von Brüssel, Bern, Berlin und Hamburg.

Vor etwa sechs Monaten wurde ich wegen Darmkrebs kontinenzerhaltend operiert. Nach sorgfältiger Abwägung hatte ich mich seinerzeit gegen die vom Arzt empfohlene Chemotherapie entschieden. Die große Bauchnarbe ist äußerlich gut verheilt. Jedoch leide ich nach jeder Mahlzeit unter krampfartigen Bauchschmerzen und starken Blähungen. Bei der endoskopischen Kontrolle war alles in Ordnung. Haben Sie einen Tipp für mich, wie ich diese Beschwerden in den Griff bekommen kann?

Zur inneren Wundheilung benötigt der Organismus etwa drei Monate Zeit. Die damals länger bestehende Tumorbelastung, der Operationsstress und die operationsbedingten anatomischen Veränderungen haben Ihre Darmmotorik gestört und Ihre Verdauungsleistung (das »Innere Milieu«) nachhaltig geschwächt. Um Ihre Beschwerden zu lindern, brauchen Sie jetzt ein bisschen Zeit und Geduld. Wir empfehlen Ihnen eine hochwertige, vollwertige und dennoch leicht verdauliche Ernährung: Verspeisen Sie Ihr Essen in der Regel gegart, genießen Sie Rohkost nur in sehr kleinen Mengen, verdünnen Sie konzentrierte Säfte mit Wasser und trinken Sie sie nicht pur, verwenden Sie Vollkorn als Feinkorn, nicht als Grob- bzw. Mehrkorn.
Bewährte Ballaststoffhilfen für den Darm sind Flohsamenschalenpulver und Inulin.
Trennen Sie Essen und Trinken zeitlich voneinander, um die Verdauungssäfte nicht zu »verdünnen«. Setzten Sie vor und nach den Mahlzeiten ein Bitterstoffpräparat ein, z. B. Bitterstern ®. Kombinieren Sie es mit einem homöopathischen Komplexmittel wie z. B. Spascupreel®, das entkrampfend auf die Hohlorgane wirkt. Nach den Mahlzeiten können feucht-warme Bauchwickel mit Kanne-Brottrunk® bzw. Retterspitz-äußerlich® zusätzliche Linderung der Beschwerden bringen. Empfehlenswert ist auch eine naturheilkundliche Darmsanierung, siehe GfBK-Infoblatt Darmregulation. Lassen Sie zuvor eine laborchemische Stuhlanalyse vornehmen, damit diese Behandlung genau auf Ihre aktuelle Situation angepasst werden kann.

Ich bin 57 Jahre alt und wissentlich von keiner Krebserkrankung betroffen. In meiner Familie gab es bisher keine Krebserkrankungen. Dennoch stehe ich vor der Frage, ob ich eine Darmspieglung durchführen lassen soll. Ich bin verunsichert, da in der Öffentlichkeit regelmäßige Darmspiegelungen zunehmend propagiert werden. Wie stehen Sie dazu und wie risikoreich ist eine solche Untersuchung?

Durch öffentliche Kampagnen mit bekannten Größen aus Show und Sport wird verstärkt auf Darmspiegelungen als Mittel zur Früherkennung von Darmkrebs hingewiesen. Wissenschaftlich ist jedoch nicht erwiesen, ob vermehrte Darmspiegelungen tatsächlich die Darmkrebssterblichkeit senken. Allerdings sind Nebenwirkungen der Untersuchungsmethode bekannt, auf die nur selten hingewiesen werden. Wir möchten Ihnen daher empfehlen, dass vor einer Darmspiegelung immer zwischen Notwendigkeit und möglichen Nebenwirkungen abgewogen werden sollte. Die Schätzungen, wie sehr die Darmspiegelung die Heilungschancen erhöhen, sind widersprüchlich. Gegenwärtig ist noch unklar, wie viele Tumore sich entwickeln, ohne dass sie vorher als Polypen (Veränderungen der Darmschleimhaut) zu erkennen sind. Bekannt ist, dass Koloskopien, so die medizinische Bezeichnung für Darmspiegelungen, auch Risiken bergen. So können bei einer Koloskopie Blutungen und Beschädigungen der Darmwand auftreten. Die Vorbereitung und die Untersuchung selbst können gerade bei älteren Menschen Komplikationen hervorrufen: So kann es insbesondere bei dieser Altersgruppe beim vorhergehenden Abführen zu Kreislaufbelastungen kommen; die ausbleibende Nahrungsaufnahme und medikamentöse Ruhigstellung während der Untersuchung kann zu einer körperlichen Schwächung führen. Wichtig ist es auch, sich einen Arzt zu suchen, der diese Art der Untersuchung regelmäßig durchführt, um Komplikationen zu vermeiden. Selbstverständlich macht bei einer familiären Disposition, Ängsten vor einer Krebserkrankung oder bei einem Verdacht eine Darmspiegelung Sinn. Das gilt natürlich auch für Menschen, die von einer Darmkrebserkrankung betroffen waren.
Bei großen Aufklärungskampagnen sollte es auch darum gehen, die Achtsamkeit der Menschen für Vorgänge in ihrem Organismus zu stärken und sie damit ein Stück unabhängiger von technischen Untersuchungen zu machen. So helfen verschiedene Faktoren, das Erkrankungsrisiko zu minimieren. Wichtig ist auch, auf das, was im Darm geschieht, zu achten: Verstopfungen oder andere Funktionsstörungen sind Warnsignale, auf die reagiert werden muss. Zudem hilft regelmäßiger Sport und eine ausgewogene Ernährung, das Erkrankungsrisiko zu minimieren. Pflanzliche Kost wie Obst, Gemüse und Getreide neutralisiert Schadstoffe und stärkt die körpereigenen Abwehrkräfte gegen entartete Zellen. Positiv auf das Darmmilieu wirken außerdem milchsaure, vergorene Produkte wie Sauerkraut, Gemüsesäfte oder Joghurt.

 

Nach meiner Tumor-Operation im Enddarmbereich heilt die Wunde schlecht zu. Mein Schulmediziner rät mir abzuwarten. Was kann ich naturheilkundlich zusätzlich tun?

In der Akutsituation können im Enddarmbereich Sitzbäder Linderung verschaffen. Naturheilkundlich bewährt haben sich bei Wundheilungsstörungen auch die Gabe von hochdosiertem Zink (mindestens 20 mg am Tag) und Vitamin C (500 bis 1000 mg in drei Einzeldosen verteilt), sowie die Gabe von Enzymen, Selen und eine Säure-Basen-Regulation. Enzyme und Selen können auch helfen, Lymphödeme oder Schwellungen abzulindern. Zusätzlich kommen, insbesondere wenn eitrige Entzündungen im Wundbereich vorliegen, wöchentliche Vitamin-C-Infusionen in Betracht. Bei längerem Verlauf und immer wieder kehrenden Infektionen denken Sie bitte auch an eine Darmregulation (siehe GfBK-Infoblatt: Darm-Regulation).

Ich hatte Darmkrebs, bin operiert und möchte gerne wissen, was ich selbst für meine Gesunderhaltung tun kann.

Da sich bei Darmkrebspatienten oft in der Leber zuerst Metastasen bilden, sollte in der Lebensweise alles vermieden werden, was die Leber unnötig belastet: Alkohol meiden, Zurückhaltung bei Genussmitteln und chemischen Medikamenten. Eine Aufgabe der Leber ist es auch, eine Übersäuerung der Gewebe zu verhindern. Deshalb ist es wichtig, tierisches Eiweiß und andere säuernde Lebensmittel (Fleisch, Süßwaren) zu reduzieren.
Günstig auf den Heilungsprozess wirken alle Arten von pflanzlicher Kost. Mit Obst, Gemüse und Getreideprodukten werden dem Körper die meisten lebenswichtigen Vitalstoffe zugeführt. Die darin enthaltenen bioaktiven Pflanzenstoffe schützen vor Krebs und hemmen seine Entwicklung. Sie neutralisieren und entgiften Schadstoffe und stärken die Abwehr- und Selbstheilungskräfte. Sehr günstig auf das Darmmilieu wirken milchsaure, vergorene Produkte wie Sauerkraut, Gemüsesäfte, Joghurt, Kefir oder Brottrunk bzw. Fermentgetreide.
Mangelnde Bewegung führt außerdem dazu, dass der Darm träge wird und der Nahrungsbrei zu lange im Darm verbleibt. Mehrere Studien haben gezeigt (Meyerhardt JA/Arch Intern Med 2009 und Schmid D/Ann Oncol 2014), dass Sport die Überlebenschancen von Darmkrebspatienten verbessert und dass Männer, die sich vier Stunden in der Woche körperlich bewegen, nur halb so häufig an der Darmkrebs-Diagnose versterben. Daran sieht man, dass nicht immer Medikamente notwendig sind, um die Überlebenschancen zu verbessern. Zum Vergleich: Eine adjuvante Behandlung mit einer nebenwirkungsreichen Chemotherapie erreicht bei Darmkrebspatienten gerade mal einen Überlebensvorteil von maximal 20 Prozent. Daher ist die Empfehlung, als Krebspatient regelmäßig Sport zu treiben und sich gesund zu ernähren eine mehr als sinnvolle Ergänzung zur herkömmlichen Krebstherapie.

Von einem Mitpatienten, der ebenfalls wie ich an Darmkrebs erkrankt ist, habe ich gehört, dass die zusätzliche Einnahme von Vitamin D empfehlenswert ist. Können Sie das bestätigen?

Auch wir halten die zusätzliche Einnahme von Vitamin D bei Krebspatienten insbesondere mit Darmtumoren für sinnvoll. Vitamin ist aber auch bei Gesunden empfehlenswert, da in den letzten Jahren immer deutlicher wird, dass Vitamin D nicht nur die Kalziumaufnahme und die Knochenmineralisierung fördert, sondern auch eine wichtige Rolle bei der Kontrolle des Tumorwachstums und der Entstehung von Tumoren spielt. Somit ist Vitamin D nicht nur ein „Knochenvitamin" zum Schutz vor Osteoporose, sondern auch ein „Anti-Krebs-Vitamin" zum Schutz vor Krebs. Besonders wurde dies nachgewiesen bei Brust- und Darmkrebs, aber auch bei anderen Tumorarten (vor allem Tumoren des Magen-Darm-Traktes). Hier konnten hohe Vitamin D-Konzentrationen im Blut nicht nur das Neuauftreten von Tumoren reduzieren, sondern auch bei vorhandenen Krebserkrankungen das Auftreten von Rezidiven oder Metastasen verhindern und die Überlebenschancen verbessern.
Hinzu kommt noch, dass viele Ärzte bei genauer Blutanalyse sehr häufig Mangelzustände und suboptimale Werte nicht nur bei Krebspatienten sondern auch bei Gesunden feststellen. So weiß man längst, dass das Risiko einer schlechten Versorgung mit Vitamin D ist nicht nur bei älteren Menschen gegeben ist. So kommt die Nationale Verzehrsstudie zu dem Ergebnis, dass insgesamt 82 Prozent der Männer und 91 Prozent der Frauen die empfohlene tägliche Zufuhr von Vitamin D nicht erreichen. Besonders kritisch ist dies in den Wintermonaten, da von Oktober bis April in unseren Breitengraden in der Haut durch die Sonne gar kein Vitamin D gebildet wird, selbst wenn die Sonne einmal scheinen sollte.
Experten bemerken außerdem, dass der „Normwert" von Vitamin D im Blut von 50 ng nicht optimal ist. So konnte in einer Studie gezeigt werden (Jenab M/British Medical Journal 2010), dass Menschen, die leicht über dem Normwert liegen, ihr Dickdarmkrebsrisiko um weitere 12%, bei optimalen Werten über 100 nmol/l um weitere 23% senken konnten. Vergleicht man Menschen mit der besten Versorgung mit denen mit einer sehr schlechten Ausstattung, so wird das Risiko für Dickdarmkrebs damit fast verdoppelt.
Da eine optimale Aufnahme über die Nahrung fast nicht möglich ist, sollten Krebspatienten zumindest im Winter zusätzlich Vitamin D-Präparate mit mindestens 2000 I.E. täglich einnehmen. In Abhängigkeit vom Vitamin D-Spiegel wird von Ernährungswissenschaftlern sogar eine tägliche Zufuhr von 2000-4000 I.E. Vitamin D empfohlen, um bei den meisten Krebspatienten die wünschenswerte Vitamin D-Konzentration von mehr als 75, besser 100 nmol/l zu erreichen. Veranlassen Sie daher am besten eine Bestimmung Ihres Vitamin D-Spiegels im Blut, um die optimale Dosierung festlegen zu können. Als sicher - auch ohne Überprüfung des Laborwertes - gelten übrigens Dosierungen bis 2000 I.E. (Kinder bis 1000 I.E.).
Weitere Informationen zu Vitamin D finden Sie auch im Therapieinfo der GfBK.

Ich hatte einen bösartigen Tumor des Enddarms und möchte mich nicht operieren lassen, weil der Tumor nach der Erstbehandlung mit Chemotherapie und Bestrahlung verschwunden ist. Was raten Sie mir?

Es ist richtig zu überlegen, ob Sie unter diesen Umständen auch einfach nur abwarten können. Dies entspricht einem Vorgehen, das bisher nur bei Prostatakrebs angewandt wird. Eine aktuelle Studie aus den Niederlanden zeigt, dass bei Patienten mit Enddarmkrebs eine Operation keinen Vorteil für das Zwei-Jahres-Überleben der Patienten brachte, wenn Chemotherapie und Bestrahlung der Tumor vollständig zum Verschwinden gebracht hatten (Maas M/J Clin Oncol 2011). Mit der Operation sind unangenehme Begleitfolgen verbunden, wie ein künstlicher Darmausgang. Wir empfehlen Ihnen, mit Ihrem weiterbehandelnden Arzt ausführlich über das weitere Vorgehen zu sprechen.

Ich habe Darmkrebs und seit einem Jahr Lebermetastasen. Welche biologischen Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach sinnvoll, um die Leberfunktion zu stärken? Können diese Mittel auch schon während einer Chemotherapie angewandt werden?

Das Entgiftungsorgan Leber wird durch eine Chemotherapie, andere Medikamente und durch toxische Abbauprodukte von Tumorzellen stark belastet. In einer so geschwächten Leber können sich leichter Metastasen bilden als in einem voll funktionsfähigem Organ. Um die Leberfunktion zu stärken, raten wir daher auch bei Patienten ohne bereits aufgetretene Lebermetastasen zu einer Stärkung der Entgiftungsfunktion durch naturheilkundliche Maßnahmen. Es ist sinnvoll, diese Maßnahmen bereits während einer Chemotherapie anzuwenden, um der Leber bei der Entgiftung von Schadstoffen zu helfen.
Die Entgiftungsfunktion der Leber wird durch Präparate aus der Mariendistel oder Mittel mit dem Wirkstoff Ornithinaspartat gefördert. Diese Mittel können begleitend zur Chemotherapie und auch anschließend gegeben werden. Eine Übersäuerung der Gewebe lässt sich auch durch Bikarbonate (z. B. Bullrichs Vital® oder Dr. Jacob´s Basenpulver®) mindern. Leberstärkend wirken ferner einige Aufbau- oder Nahrungsergänzungsmittel, z.B. Kombucha-Tee, Papaya-Konzentrat (mit Kombucha-Teepilz) und Kräutertees, die in Reformhäusern angeboten werden. Wenn Obst, Gemüse und Getreideerzeugnisse schlecht vertragen werden, können „Cellagon-Aurum” oder ähnliche komplexe Nahrungsergänzungen helfen. Schließlich sind Bitterstoffe beispielsweise in der Fertigmischung der Bittersterntropfen®, welche über Ihre Apotheke erhältlich ist, empfehlenswert. Der Kräuterbitter basiert auf Rezepturen aus dem Umfeld Hildegard von Bingens. In ihm sind die Auszüge von die 18 Leber und Galle stärkenden Kräutern von Absinth, Engelwurz, Ingwer, Kümmel, Koriander über Scharfgabe, Galgant bis zu Majoran, Lavendel und Löwenzahn zu finden. Bei Bedenken wegen des Alkoholgehaltes der Tropfen kann auch das BitterKraft®Vitalpulver oder das Urbitter-Biogranulat® von Dr. Pandalis empfohlen werden.
Bei Vorliegen von Lebermetastasen ist außerdem auf eine entsprechende Ernährung zu achten. Bewährt hat sich eine Vollwertkost, bei der vorwiegend Gemüse, Obst und Getreideprodukte verzehrt werden. Zu viel tierisches Eiweiß und Fett (auch Quark) belasten die Leber unnötig. Genussmittel wie Süßwaren und Kaffee sind stark einzuschränken, Alkohol ist ganz zu meiden.