Aktuelle Meldungen der GfBK

Aktuelle Meldungen

Mehr Lebensqualität, Linderung der Nebenwirkung aggressiver Therapien: Misteltherapie hat sich in den Krebstherapie bewährt. Eine aktuelle Studie gibt Hinweise auf eine verlängerte Lebenszeit bei fortgeschrittenem Lungenkrebs.

Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom leben länger, wenn sie ergänzend zur konventionellen Therapie eine Misteltherapie bekommen haben. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Beobachtungsstudie am anthroposophischen Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe. Ein bemerkenswertes Ergebnis angesichts der schlechten Prognose für ein fortgeschrittenes Bronchialkarzinom, so die Autoren der Studie. Das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom, das rund 85 Prozent der Lungenkrebsfälle ausmacht, gilt als besonders aggressiv.

Für die Studie haben die Forscher die Daten von 158 Patienten im Stadium IV (mit Metastasen) ausgewertet. 108 Erkrankte erhielten eine konventionelle Therapie, also Chemotherapie, und gegebenenfalls zusätzlich Bestrahlung. 50 Patienten wurden zusätzlich mit der weißbeerigen Mistel (Viscum album L.) behandelt. Das Ergebnis: Das durchschnittliche Überleben in der dieser Gruppe betrug 17 Monate, in der Vergleichsgruppe ohne Mistel lediglich acht Monate. Die Ärzte weisen einschränkend darauf hin, dass die Studie lediglich eine Korrelation zeige, sehen aber ein positives Signal für weitere Forschung.

Misteltherapie wirkt, das ist vielfach belegt

Zur Mistel sind weit mehr als 100 klinische Studien veröffentlicht, 39 sind wissenschaftlich besonders hochwertig („prospektiv-randomisiert“). In der Mehrzahl belegen die Studien die Wirksamkeit der Mistelpräparate. Misteltherapie verbessert die Lebensqualität und hilft die Nebenwirkungen belastender Therapien wie Müdigkeit (Fatigue), Depression, Angst, Schmerzen und Übelkeit/Erbrechen zu verringern. Einige Studien dokumentieren auch günstige Auswirkungen auf das Überleben, etwa in einer Studie mit 240 Patienten, die an Bauchspeicheldrüsenkrebs im Stadium IV erkrankt waren. Durch die Kombination von Chemotherapie und Mistel verlängerte sich das Gesamtüberleben von 7,3 (Chemo ohne Mistel) auf 12,1 Monate.

Streit um Misteltherapie
Sehr viele Krebspatienten entscheiden sich für die ergänzende Misteltherapie, um das Immunsystem positiv zu beeinflussen. Doch Schulmediziner sprechen immer noch der Mistel die Wirksamkeit ab. Ein Beispiel ist ein Team um Dr. Jutta Hübner, Professorin für Integrative Onkologie an der Universitätsklinik Jena, das nach einer Literaturrecherche zum Ergebnis kam: Mistelpräparate würden weder mit Blick auf das Überleben noch hinsichtlich Lebensqualität und therapiebedingten Nebenwirkungen irgendeinen Vorteil ergeben. Die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr und andere qualifizierte Verbände halten dies für eine ungerechtfertigte Stimmungsmache. Eine Gruppe anthroposophischer Ärzten und Onkologen um den Gastroenterologen Professor Dr. Harald Matthes vom Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe übte scharfe Kritik an der Arbeit Hübners. Sie enthalte gravierende methodische Mängel.

Behandlung mit Mistelpräparaten
Die Wirkstoffe der Mistel sind die Mistellektine, die zellzerstörende Eigenschaften haben. Viscotoxine, die in jungen Blättern und Trieben die höchste Konzentration haben, stimulieren das Immunsystem. In der Krebstherapie werden Spritzen eingesetzt, die Behandlung mit Mistelextrakten wird in Intervallen durchgeführt: Auf zwei bis drei Monate Therapie folgt eine Pause von vier bis sechs Wochen. In der Regel wird das gewählte Präparat zwei bis dreimal pro Woche direkt unter die Haut gespritzt.  Eine individuelle Betreuung durch einen erfahrenen Therapeuten ist immer nötig, um das Vorgehen dem Patienten individuell anzupassen.

Kostenerstattung der Misteltherapie
Mistel wird auf Kassenrezept in der sogenannten palliativen Therapie erstattet, wenn zum Beispiel bei Patienten Fernmetastasen auftreten oder die Krebserkrankung inoperabel ist. In der unterstützenden, adjuvanten Therapie bei einer heilbaren Krebserkrankung sind Mistelpräparate nach einem Urteil des Bundessozialgerichtes zwar arzneimittelrechtlich zugelassen, nur nicht mehr auf Kassenrezept. Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen die Kosten auf Antrag übernehmen, müssen es aber nicht. Leider lehnt die Mehrzahl der Gesetzlichen Krankenkassen die Erstattung der Mistelpräparate in der adjuvanten Situation ab, dennoch sollte im Einzelfall nichts unversucht bleiben.

GfBK-Info Misteltherapie
Lesen Sie mehr zur Wirksamkeit und Anwendung der Misteltherapie sowie verschiedenen Präparaten.

Informationen zur Kostenerstattung
Die Kostenerstattung der Misteltherapie und anderer ganzheitlicher und naturheilkundlicher Behandlungsmethoden in der Gesetzlichen Krankenversicherung ist in im GfBK-Info Sachleistungs- und Kostenerstattungsanspruch in der Gesetzlichen Krankenversicherung zusammengefasst.

Patientin Ivelisse Page
Die US-Amerikanerin Ivelisse Page begegnete mit einer Kombination von Operationen und Misteltherapie einer Darmkrebserkrankung im Stadium IV mit Metastasen in der Leber und ist bis heute krebsfrei. Mit ihrer Nonprofit-Organisation Believe Big hat sie die erste klinische Studie in den USA auf den Weg gebracht, die die Wirkung intervenöser Misteltherapie untersucht. In Kürze veröffentlichen wir hier ein Interview mit Ivelisse Page, die im Mai 2019 einen Vortrag beim GfBK-Kongress in Heidelberg hielt.

Die Original-Publikation der Studie zu Mistelterhapie bei fortgeschrittenem Lungenkrebs
Schad F, Thronicke A, Steele M, Matthes B, Grah C, Merkle A, Matthes H: Overall survival of stage IV non-small cell lung cancer (NSCLC) patients treated with Viscum album L. in additon to standard care, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6110500/

Die GfBK hatte im Herbst 2018 wesentlich den Antrag für die Anhörung von Frau Dr. rer. nat. Claudia Friesen beim Petitionsausschuss der Deutschen Bundestages unterstützt. Der Petitions-ausschuss hat am 4. Juli 2019 den einstimmigen Beschluss zur klinischen Erforschung zum Einsatz von D,L-Methadon in der Krebstherapie gefasst und dieses Anliegen an das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) weitergeleitet. „Mit der Überweisung als Material an das Bundes-ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) muss dieses dem Petitionsausschuss spätestens nach einem Jahr darlegen, was es in der Sache konkret vorgenommen hat “, so Timon Gremmels, Mitglied des Ausschusses.
Pressemitteilung des MdB Timon Gremmels: Petitionsausschuss unterstützt Forderungen nach Forschung bei Methadon in der Krebstherapie

Viele der rund 800 Patienten, Ärzte und Therapeuten, die sich zum 19. Patienten-Arzt-Kongress der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V. (GfBK) in Heidelberg eingefunden haben, wissen aus eigener Erfahrung, wie komplex Entscheidungen sein können. Der Verstand irrt eilig hin und her und findet kaum Wegweiser. Er versucht sich zu orientieren, doch nirgendwo sind deutliche Pfade. Vermeintliche Wege entpuppen sich als Sackgassen, Hindernisse, hoch wie Berge, versperren die Sicht. Die Vorträge, Kurse und Gesprächsangebote des Kongresses wirkten hier wie eine Art Kompass, um sich das Rüstzeug für den Weg durch den Dschungel zu bahnen. Sie sprachen den Verstand und das Herz an und ließen Raum für heilsame Gespräche in der Verbundenheit eines gemeinsamen Erlebens.

Irmey Kongresseroeffnung 250Erlauben Sie sich, nichts zu müssen“, so die Worte Dr. György Irmeys, Ärztlicher Direktor der GfBK, im einführenden Vortrag zum 19. Patienten-Arzt-Kongress in Heidelberg. Dieser Gedanke begleitet mich den Kongress hindurch. „Selbstbestimmt entscheiden“ – so das Kongressmotto – kann nur, wer es sich erlaubt, sich Zeit zu lassen, zwar Expertenmeinungen einzuholen, dann aber das eigene Herz zu befragen. „Der Verstand, so perfekt er sein mag, ist ein Diener unseres Herzens … Wenn wir lernen, auf unser Herz zu hören“, fährt Dr. Irmey fort, „können wir entscheiden“.

Einen kleinen Eindruck von der Veranstaltung und ihren Mitwirkenden erhalten Sie mit diesem kurzen Video. Und hier haben wir eine kleine Auswahl von berührenden Rückmeldungen hinterlegt.

Das Programm vom 19. Patienten-Arzt-Kongress der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V. steht online. Der Kongress findet in Heidelberg am 18. und 19. Mai 2019 statt. Veranstaltungsort ist wieder die Print Media Academy direkt gegenüber dem Heidelberger Hauptbahnhof. Vorträge und Seminare informieren über Bewährtes und Aktuelles der komplementären/integrativen Krebsmedizin. In zahlreichen Kursen zu bestimmten Themen können Sie viele Übungen kennenlernen und ausprobieren. Unser „Offener Raum der heilsamen Begegnungen“ bietet die Möglichkeit, mit anderen Erkrankten oder ehemals Betroffenen in Austausch zu gehen. Eine Informationsausstellung und Entspannungsangebote runden die Veranstaltung ab. Als Referenten zugesagt haben bereits die Methadon-Forscherin Dr. rer. nat. Claudia Friesen sowie der Medizinethiker und -historiker Prof. Dr. med. Giovanni Maio. Das ausführliche Kongressprogramm erscheint im Februar 2019. Alle Mitglieder und Förderer erhalten das Programm beigelegt in der nächsten Ausgabe von momentum bzw. momentum aktuell (1/2019).

Im ärztlichen Fachorgan der GfBK, „Deutsche Zeitschrift für Onkologie“, haben die Mitglieder des Dialogforum Pluralismus in der Medizin (DPM) erklärt, sich weiterhin mit Nachdruck für den Erhalt und die Weiterentwicklung einer wissenschafts- und wertepluralen Medizin einzusetzen als Grundlage eines freiheitlichen und demokratischen Gesundheitswesen, in dem in personaler Verantwortung unter Berücksichtigung des Gemeinwohls eine gesundheitliche Versorgung praktiziert werden kann, die in kritischer Nutzenabwägung die individuell unterschiedlichen Bedürfnisse und Präferenzen des Bürgers bzw. Patienten berücksichtigt.
Weiter formulieren die Unterzeichner: Entschieden verwahren wir uns deshalb gegen totalitäre, verfassungsrechtlich mit dem Grundgesetz kollidierende Denkstrukturen und Machtansprüche, wie sie dem „Münsteraner Memorandum Homöopathie“ zu Grunde liegen. Beim Informieren der Öffentlichkeit über die therapeutische Wirksamkeit der Homöopathie sollten nicht vorgefasste subjektive Überzeugungen leitend sein, sondern die Bereitschaft zur intellektuellen Redlichkeit.
Gemeinsam mit den Unterzeichnern steht die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V. für dieses Statement.

Am 5.11.2018 hat im Deutschen Bundestag die Sitzung des Petitionsausschusses zur Förderung von Studien zur Krebstherapie mit Methadon stattgefunden. Wenn Sie möchten, können Sie die Aufzeichnung der Sitzung in der Mediathek des Bundestages anschauen. SWR Aktuell Baden-Württemberg berichtete am 5.11.2019, dass der Ausschuss nun eine Empfehlung an den Bundestag erstellt, die in den nächsten Wochen im Parlament auf die Tagesordnung kommt. Dort wird entschieden, ob öffentliche Forschungsgelder für klinische Studien zur Verfügung gestellt werden. In der Schwäbischen Zeitung erschien am 6.11.2018 dieser Artikel. Wir freuen uns auf die Mitwirkung von Frau Dr. Claudia Friesen bei unserem Kongress im Mai 2019.

Mit Nachdruck unterstützt die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr eine Petition von Alexander Schaible im Deutschen Bundestag, damit Forschungsgelder für die Anwendung von Methadon bei Krebskranken zur Verfügung gestellt werden. Anstatt die langjährige Grundlagenforschung in Frage zu stellen, ist es aus unserer Sicht nötig, dass Wissenschaftler endlich ernsthafte klinische Studien auf den Weg bringen.

Die GfBK unterstützt die Arbeit der renommierten und engagierten Forscherin Dr. rer. nat. Claudia Friesen am Institut für Rechtsmedizin der Universität Ulm und gibt seit vergangenem Jahr immer wieder differenzierte Informationen zu Methadon weiter. In Anbetracht der großen Not von vielen Krebskranken in fortgeschrittenen Stadien ihrer Erkrankung setzt sich die GfBK für mehr Offenheit und Kooperationsbereitschaft in der Onkologie ein: https://www.biokrebs.de/therapien/weitere-therapieansaetze/methadon

Hier der Zugang zur Petition beim Deutschen Bundestag: https://epetitionen.bundestag.de/content/petitionen/_2018/_04/_30/Petition_78411.html

Die Petition ist seit Dienstag, 12. Juni freigeschaltet und ist vier Wochen, d. h. bis zum 10. Juli 2018 gültig.

Damit die Petition eine Chance hat, im Deutschen Bundestag Aufmerksamkeit zu bekommen, müssen in den kommenden 4 Wochen 50.000 Stimmen zusammenkommen.
Bitte nehmen Sie sich die Zeit, die Petition zu zeichnen und nutzen Sie die Anleitung:
images/download/Newsletter_Links/2018/2018_06_Methadon_Petition_Anleitung_zum_Anmelden.pdf

Mit dem Abstract einer Studie gehen das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) Ende Februar ungewöhnlich früh an die Öffentlichkeit. Dr. Claudia Friesen vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Ulm wirft den Forschern schwere methodische Mängel vor.

„Methadon verstärkt nicht die Wirksamkeit der Chemotherapie bei Patienten mit Hirntumoren”. Mit dieser Aussage stellten Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) auf dem 33. Deutschen Krebskongress Ende Februar 2018 in Berlin ihre Zellkulturexperimente vor. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) legte am 28. Februar mit einer Presseinformation nach. „Diese aktuellen Daten widerlegen die Hypothese, dass Methadon beim Glioblastom die Wirkung einer Chemotherapie in der Zelle verstärkt”, kommentierte Professor Uwe Schlegel, einer der federführenden Autoren für die Leitlinie „Hirntumoren” der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Die Forscher hatten im Labor den spezifischen Effekt von L-Methadon auf Glioblastomzellen untersucht. Sie behandelten Zellkulturen des Hirntumors mit dem Chemotherapie-Medikament Temozolomid allein, mit Methadon allein oder mit einer Kombination aus beidem. Unbehandelte Zellkulturen dienten als Kontrolle. „Das Opioid hat keinerlei sensibilisierende Wirkung für die bei Glioblastomen eingesetzte Standardtherapie mit Temozolomid. Auch Methadon allein hat keinen nachweisbaren Effekt auf das Überleben oder Sterben der Krebszellen”, so das Resümee von Professor Wolfgang Wick, Direktor der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Heidelberg und Leiter der Arbeitsgruppe. Die Erklärung dafür: In der überwiegenden Mehrzahl der Zellen von humanen Glioblastomen fehlte die spezifische Andockstelle, der Opioidrezeptor, für das Medikament. Ohne Andockstelle an der Krebszelle könne Methadon keine Anti-Tumor-Wirkung entfalten. Diese neuen Erkenntnisse sprechen gegen einen Einsatz von Methadon als unterstützende Behandlung zur Chemotherapie bei Glioblastom. „Außerhalb von klinischen Studien ist von einer „supportiven” Methadon-Therapie des Glioblastoms dringend abzuraten”, so Schlegel.

„Im falschen Zellsystem kann Methadon nicht wirken”

In der Online-Ausgabe der Deutschen Apotheker-Zeitung (DAZ.online) kritisierte Dr. Claudia Friesen vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Ulm die experimentelle Studie: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/03/08/im-falschen-zellsystem-kann-methadon-nicht-wirken. 2007 hatte die Ulmer Chemikerin entdeckt, dass D-L-Methadon auch für Krebspatienten geeignet sein kann. Dr. Friesen beschreibt heute die Wirkung von Methadon bei vielen fortgeschrittenen Krebsarten aufgrund von Patientenberichten.

Die Studie der Arbeitsgruppe von Prof. Wick habe drei Grundvoraussetzungen nicht erfüllt, so Dr. Claudia Friesen: Die erforderlichen Zellsysteme, die erforderliche Substanz und die erforderlichen Konzentrationen.

„Gliome besitzen Opioidrezeptoren, Andockstellen für Methadon, auf der Zelloberfläche. Methadon benötigt diese Opioidrezeptoren für seine Wirksamkeit”, so. Dr. Friesen auf DAZ.online. Deshalb seien Opioidrezeptoren auf einer Zelloberfläche für eine Studie mit Methadon erforderlich. Diese Grundvoraussetzung fehle bei der Studie des Deutschen Krebs-forschungszentrums (DKFZ)

Laut Dr. Friesen solle in Studien D,L-Methadon verwendet werden. D-Methadon biete dem L-Methadon zusätzlich den Vorteil, dass die Herunterregulation der Opioidrezeptoren auf der Zelloberfläche, die durch eine Behandlung mit reinen Opioidagonisten wie L-Methadon auftreten kann, verhindert werde. In der DKFZ-Studie sei laut Abstract nur das L-Methadon verwendet worden.

L-Methadon sei in der Studie zudem nur in einer einzigen Konzentration untersucht worden, nämlich 1 µM. Dr. Friesen verweist darauf, dass eine Dosisfindungsstudie der eingesetzten Substanz nötig sei, um die Wirkung über einen großen Konzentrationsbereich abschätzen zu können. „Die Verwendung einer einzigen beliebig gewählten Konzentration von L-Methadon wie in der Wick-Studie gleicht einem Lotteriespiel, ob man rein zufällig eine wirksame oder unwirksame Konzentration verwendet”, so Dr. Friesen.

Warum Glioblastomzellen in der Wick-Studie in der überwiegenden Mehrzahl keine Opioidrezeptoren besitzen und gerade diese Zellen dann in die Untersuchungen von der Wirkung von L-Methadon eingesetzt wurden, ist aufgrund der bereits vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht nachzuvollziehen. Warum L-Methadon statt D,L-Methadon und auch warum nur eine einzige Konzentration von L-Methadon in dieser Studie verwendet wurde, ist nach den oben dargelegten wissenschaftlichen Aspekten ebenfalls nicht zu verstehen.”

Die Replik von Prof. Wolfgang Wick
Am 12. März 2018 beklagte sich Prof. Wolfgang Wick in DAZ.online darüber, dass eine „eine ausgewogene Berichterstattung schwierig scheint und Interessenkonflikte stets auf Seiten der Kritiker und nie auf Seiten der Erfinder des neuen Konzepts gesehen werden.” Außerdem würden Patienten und Angehörige gezielt verunsichert.

Kommentar der GfBK
Wir halten es für ungewöhnlich, dass eine Forschergruppe und eine medizinische Fachgesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN), mit einem Ergebnis einer Studie an die Öffentlichkeit geht, ohne dass diese Daten in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht wurden. Es scheint uns eher darum zu gehen, wieder die Deutungshoheit in der Diskussion um Methadon zu bekommen.

Anstatt die langjährige Grundlagenforschung in Frage zu stellen, ist es aus unserer Sicht nötig, dass Wissenschaftler endlich ernsthafte klinische Studien auf den Weg bringen.

Die GfBK stellt unter https://www.biokrebs.de/therapien/weitere-therapieansaetze/methadon ausführliche Information zu Methadon zur Verfügung.

Am 14.5.2018 gab der Ärztliche Direktor des Instituts für Rechtsmedizin im Universitätsklinikum Ulm diese Stellungnahme zu einer Veranstaltung gegen den Einsatz von Methadon in der Krebstherapie beim 12. Ärzte- und Patientenseminar am 10.3.2018 in Ludwigsburg heraus: Lügen und Rufmord in der Onkologie – Ein Fallbeispiel.

Hier finden Sie die Pressemitteilung zum Beschluss des Landesgerichts Hamburg: Krebsforscherin Dr. Claudia Friesen erringt Sieg gegen Methadon-Gegner vor dem Landgericht Hamburg.

Prof. Dr. Annelie Keil, Gesundheitswissenschaftlerin mit den Schwerpunkten Sozialarbeitswissenschaft, angewandte Biographie- und Lebensweltforschung, sprach beim GfBK-Kongress 2017 über das Thema: Der Mensch ist mehr als sein Befund. Das Video-Interview mit Prof. Keil sehen Sie hier:

Keil Annelie 2017 Video 300

 

 

 

 

 

Ein Kommentar von Dr. med. György Irmey, Ärztlicher Direktor der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V. (GfBK)

Methadon ist ein seit über 70 Jahren angewandtes vollsynthetisches Arzneimittel und gehört zur Stoffklasse der Opioide. Durch die bedeutenden Forschungsarbeiten der Molekularbiologin Dr. Claudia Friesen am Institut für Rechtsmedizin der Universität Ulm kam das Medikament auch im Zusammenhang mit Krebserkrankungen in eine heftige Diskussion. da es eine wachstumshemmende Wirkung auf Krebszellen haben kann. Auch wenn das Medikament kein biologisches Produkt ist, halte ich es für wichtig, dass die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V. (GfBK) sich an der Aufklärung beteiligt und in die Diskussion einbringt. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Weil wir gesehen haben, dass es Patienten mit Krebserkrankungen helfen kann.
Leider wird wie so oft in solchen Situationen das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Die Berichterstattung in den Medien findet keine sachliche Neutralität. Als Beratungseinrichtung werden wir mit Anfragen überschüttet. Teils haben Patienten aufgrund einer oberflächlichen medialen Berichterstattung den Eindruck gewonnen, Methadon sei so eine Art Basismedikation, die allen Krebsbetroffenen zu Gute kommen sollte. Teils erhalten sie von ihren behandelnden Ärzten Aussagen wie „Mit dem Methadon sollen sich die Reporter beschäftigen. Wir beschäftigen uns mit der seriösen Wissenschaft.” Daher will ich zu den Wellen in Presse, Funk und Fernsehen in aller Deutlichkeit Position beziehen:
Methadon ist kein Allheilmittel bei Krebserkrankungen. Es wäre falsch, diesen Eindruck zu vermitteln. Doch es wäre ebenso falsch, Forschungsergebnisse zu ignorieren. Nicht nur im wissenschaftlichen Laborversuch, sondern auch am Patienten hat Methadon gezeigt, dass es bei Krebserkrankungen nützlich sein kann. Zahlreiche gut dokumentierte Genesungsverläufe belegen die Effekte von Methadon bei Krebserkrankten in weit fortgeschrittenem Stadium. Daraus den Schluss zu ziehen, dass man das Arzneimittel bei allen Krebspatienten im Gießkannenprinzip einsetzen sollte, halte ich persönlich für sachlich nicht begründet, möglicherweise verfrüht oder gar unsinnig. Es braucht auf jeden Fall weitere fundierte Dokumentation und vielfältige Forschung auf diesem Gebiet.
Wir wissen aus Fallberichten, dass Methadon bei weit fortgeschrittenen Tumoren hilfreich sein kann. Leider gibt es keine klinischen Studien zu der Frage, wer unter welchen Bedingungen von Methadon profitieren könnte. Hier muss noch geforscht werden. Und genau da liegt das Problem: Wenn sich völlig unerwartet in einem Labor ein Nebeneffekt zeigt, der weitreichende Konsequenzen für die Krebstherapie haben könnte, und viele Fallbeispiele die These erhärten, sollte man erwarten, dass in vielen Universitäten auf der ganzen Welt Wissenschaftler mit großem Eifer weitere Methadon-Forschungen initiieren. Doch das passiert fast gar nicht.
Wer sollte auch an einer solchen Forschung Interesse haben? Die pharmazeutische Industrie sicher nicht. Mit Methadon lässt sich kein Geld verdienen. Die Kosten belaufen sich auf 10 bis 20 Euro im Monat. Da sind moderne, innovative Arzneimittel mit Jahrestherapiekosten zwischen 150.000 und 300.000 pro Patient schon wesentlich attraktiver.
Ein Großteil der etablierten Medizin zieht sich leider in ihren gut geschützten Elfenbeinturm der Wissenschaft zurück und behauptet schlicht, an den Ergebnissen sei überhaupt nichts dran oder der Einsatz von Methadon sei sogar gefährlich. Man wisse wenig über die Neben- und Wechselwirkungen. Möglicherweise gefährde Methadon den Erfolg anderer Therapien. Und das wollen die praktisch arbeitenden Ärzte natürlich nicht.
Methadon wird seit sieben Jahrzehnten erfolgreich in der Schmerztherapie und Drogentherapie angewendet. Vor allem mögliche Neben- und Wechselwirkungen sind aufgrund dieser langjährigen Erfahrungen gut bekannt. Selbstverständlich gehört die Verordnung dieses Medikamentes in die Hand erfahrener Mediziner. Umso bedauerlicher ist es, dass die meisten Ärzte davon nichts wissen wollen. Krebs ist ein auch bei den Behandlern häufig angstbesetztes Thema. Sich an die Leitlinien zu halten, vermittelt vielen Kollegen ein Gefühl von Sicherheit auf maximal unsicherem Terrain. Dass sie den Erfolg ihrer Therapien nicht gefährden wollen, ist verständlich. Für die Patientengruppe, die schulmedizinisch als austherapiert gilt, kann ich den Einwand der Wechselwirkungen – auch bei aktuell unzureichender Studienlage - allerdings überhaupt nicht nachvollziehen. Hier fehlt es an Differenzierung. Es ist einfacher, die Therapie aufgrund „fehlender Datenlage” generell als unbrauchbar abzutun, als beherzt weiter daran zu forschen oder den Einsatz mutig in Erwägung zu ziehen, wenn die konventionelle universitäre Medizin ohnehin keine Hoffnung mehr bieten kann.
Zum GfBK-Kurzinfo Methadon