Forschung / Studien

Hier finden Sie Meldungen, die von der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V. regelmäßig in der Deutschen Zeitschrift für Onkologie veröffentlicht wurden.

Im Gegensatz zu den FAQ für Patienten werden hier vor allem medizinische Fachbegriffe verwendet. Daher bitte für die Suche vor allem Fachbegriffe verwenden.




Orthomolekulare Medizin

Vitamin C macht Chemotherapie wirksamer

Hochdosiertes Vitamin C kann die Wirksamkeit einer Chemotherapie erhöhen, wie eine tierexperimentelle Studie der University of Kansas zeigen konnte (Ma Y et al. / Sci Transl Med 2014). Die Forscher injizierten im Labor Vitamin C in Eierstockzellen und in Mäusen, denen menschliche Ovarialkarzinome transplantiert worden waren. Das Ergebnis: Die Vitamin-C-Injektionen zeigten unter einer zytostatischen Therapie mit Carboplatin und Paclitaxel synergistische Wirkungen. Zusätzlich erhielten auch 27 Patientinnen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs Injektionen mit Vitamin C, bei denen sich eine Verringerung der Chemotherapie-Nebenwirkungen, allerdings keine Anti-Tumor-Wirkung zeigte.
GfBK-Kommentar: Diese Studie bestätigt andere Untersuchungen, die zeigen konnten, dass bei einer intravenösen Gabe von Vitamin C im Gegensatz zu einer oralen Gabe ganz andere Wirkungsmechanismen auftreten können. So wirkt Ascorbinsäure in hohen Dosierungen von 1-3 g/kg KG i.v. als Prooxidans und induziert die Bildung von zytotoxischem Wasserstoffperoxid. Diese kann Tumorzellen im Gegensatz zu gesunden Zellen selektiv schädigen, da Tumorzellen meistens einen stark erniedrigten Gehalt an Superoxid-Dismutase aufweisen und deshalb Wasserstoffperoxid schlecht entgiften können (Chen Q et al. / Proc Natl Acad Sci USA 2005 und Chen Q et al. / Proc Natl Acad Sci USA 2008).

Vitamin C hochdosiert wirkt antitumoral: Neue Studenergebnisse

Eine im Jahr 2005 veröffentlichte Studie bestätigt die bisherigen positiven Erfahrungen zur hoch dosierten Vitamin-C-Gabe bei Krebspatienten. So zeigte sich in dieser Laborstudie (Chen / PNAS 102, 2005), dass bei Konzentrationen von über 4 mmol/l Vitamin C die meisten Zellen von zehn unterschiedlichen Krebszelllinien abstarben. Diese Konzentrationen sollen im menschlichen Organismus erreicht werden, wenn etwa 8 bis 10 Gramm Vitamin C als Infusion verabreicht werden. Die Forscher beobachteten außerdem, dass normale Zellen selbst bei fünffach höheren Konzentrationen nicht beeinträchtigt wurden. Ein möglicher Wirkungsmechanismus könnte sein, dass sich unter Vitamin-C-Einfluss in Krebszellen vermehrt zellschädigendes Wasserstoffperoxyd bildete.

GfBK-Kommentar: Bereits vor etwa 30 Jahren haben erste klinische Studien ergeben, dass Krebspatienten von intravenös verabreichtem Vitamin C profitieren können. Eine kur mäßige hoch dosierte Verabreichung von Vitamin C als Infusion hat sich insbesondere zur Stärkung des Allgemeinbefindens und zur Tumorabwehr bewährt. In der Nachsorge und bei Metastasen wird hoch dosiertes Vitamin C insbesondere bei stark geschwächten Patienten wöchentlich über zunächst 8-10 Infusionen eingesetzt. Während Chemotherapie sollte jedoch darauf geachtet werden, 2 Tage Abstand zur Chemotherapie einzuhalten, um eventuelle Beeinflussungen zwischen Chemotherapie und Vitamin-C-Infusionen auszuschließen.

Vitamin B6 kann Hand-Fuß-Syndrom nicht verhindern

Unter dem Hand-Fuß-Syndrom versteht man entzündliche Hautveränderungen an den Handinnenflächen und an den Fußsohlen. Es tritt meist infolge einer bestimmten Chemotherapie, insbesondere unter Capecitabin (Xeloda), aber auch unter 5-Fluorouracil und liposomalen Doxorubicin auf. Häufig finden sich zusätzlich ein Abschuppen der Haut, Taubheit, Kribbeln und eine Überempfindlichkeit für Wärme. Unbehandelt kann das Hand-Fuß-Syndrom schwere Funktionseinschränkungen auslösen, die zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen können.
On sich Vitamin B6 zur Prävention einem Hand-Fuß-Syndrom unter pegyliertem liposomalem Doxorubicin eignet, untersuchte eine Studie mit 29 Patientinnen (von Grüningen V et al. / Cancer 2010). Dabei betrug die Inzidenz in der Placebogruppe 50% und in der Vitamin-B6-Gruppe 53%. Auch in der Ausprägung des Hand-Fuß-Syndrom konnte kein Unterschied festgestellt werden.

GfBk-Kommentar: Sicherlich war die Anzahl der Patienten in dieser Studie zu gering, um endgültige Aussagen treffen zu können. Es bestätigt sich aber die in der Praxis häufig gemachte Erfahrung, dass die Gabe von Vitamin B6 alleine keinen Einfluss auf das Auftreten eines Hand-Fuß-Syndroms hat. Tritt ein Hand-Fuß-Syndrom auf, kann außerdem eine Dosisreduktion der Chemotherapie, in schweren Fällen auch ein Absetzen der Therapie notwendig sein. Begleitend ist eine lokale Behandlung mit Feuchtigkeitslotionen, Cremes und Harnstoffhaltigen Salben sowie kühle Bäder sinnvoll. In der biologischen Medizin haben einige Ärzte gute Erfahrungen mit der Einnahme von ß-Carotin, Vitamin D und E sowie der Einnahme und der lokalen Anwendung von Hanföl gemacht.

Vitamine und Krebs

Eine Auswertung der sogenannten Physicians' Health Study II an 14.700 US-Ärzten kommt zu dem Schluss, dass vor allem Männer mit einer zusätzlichen Vitamingabe ihr Krebsrisiko minimal um 8 Prozent senken können (Gaziano JM/JAMA 2012). Außerdem scheinen besonders Männer, die älter als 70 Jahre sind, von einer Vitamineinnahme zu profitieren. Dabei war der Schutzeffekt bei den Männern besonders deutlich, die bereits zu Studienbeginn an Krebs erkrankt waren. Hier konnte das Risiko, erneut an Krebs zu erkranken, sogar um 27 Prozent gesenkt werden.

GfBK-Kommentar: Es gibt inzwischen viele Studien zur Krebsprävention mit Vitaminen, die jedoch in ihren Ergebnissen widersprüchlich sind. Forscher weisen darauf hin, dass dies daran liegen könnte, dass in diesen heterogenen Studien unterschiedliche Dosierungen in unterschiedlich langen Zeiträumen verwendet wurden und es so zu keinen einheitlichen Ergebnissen kam. Außerdem wird der Lebensstil nicht immer ausreichend berücksichtigt; das heißt, ob sich die Studienteilnehmer z.B. gesund ernähren oder regelmäßig Sport treiben.
Inzwischen ist auch bekannt, dass Menschen vor allem dann von einer zusätzlichen Vitamingabe profitieren, wenn ein Mangel an Vitaminen oder Spurenelementen vorliegt. So gibt zum Beispiel eine aktuelle Untersuchung erneut Hinweise, dass Selen doch vor Prostatakrebs schützen kann und dass dieser Effekt vom gemessenen Selenspiegel abhängt (Hurst R/Am J Clin Nutr 2012). Daher raten wir gesunden und kranken Menschen, bestimmte Blutspiegel (z.B. die von Selen, Vitamin B12 und Vitamin D) vor einer Gabe untersuchen zu lassen.

Haifischknorpel wirkungslos

Haie erkranken erstaunlich selten an Krebs, weshalb von vielen Herstellern Haifischknorpelextrakte angeboten werden. Ob der Haifischknorpelextrakt Neovastat® bei Lungenkrebspatienten wirksam ist, wurde in einer Phase-III-Studie mit 379 Patienten mit neu diagnostiziertem NSCLC im Stadium III geprüft (Lu et al. / Journal of the National Cancer Institute 2010). Dabei erhielten alle Patienten eine Standardbehandlung mit einer Induktionschemotherapie gefolgt von einer Radiochemotherapie. Zusätzlich wurden die Patienten auf die Einnahme von Neovastat® oder Placebo randomisiert. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben. Ergebnis: Zwischen den beiden Gruppen ergab sich bezüglich des Geamtüberlebens kein Unterschied. Im Neovastat-Arm überlebten die Patienten im Mittel 14,4 Monate, im Placebo-Arm 15,6 Monate. Auch im progressionsfreien Überleben (11,3 vs. 10,7 Monate) gab es keine signifikanten Unterschiede. Für die Autoren gibt es daher keine Hinweise, dass Neovastat oder andere wissenschaftlich nicht untersuchte Haifischknorpelextrakte eine Wirkung haben.

GfBK-Kommentar: Problematisch am Handel mit Pulver aus Haifischknorpel ist, dass dadurch der natürliche Bestand der beiden Haifischarten, aus denen der Knorpel gewonnen wird, bedroht ist. Auch in dieser Studie konnte die Prognose der Patienten wie in anderen Untersuchungen nicht eindeutig verbessert werden. Unser Fazit: Da aussagekräftige klinische Studien, die die Wirksamkeit von Haifischknorpelextrakten belegen, bisher nicht vorliegen, möchten wir davor abraten, Haifischknorpel als komplementäre Begleittherapie bei Krebserkrankungen zu empfehlen.

Antioxidantien während Chemotherapie?

Eine Auswertung mehrerer randomisiert durchgeführter Studien, die Antioxidantien während Chemotherapien eingesetzt hatten, zeigte den Nutzen einer Therapie mit Antioxidantien (Keith / Cancer Treatment Reviews, 2007). Hierbei wurden insgesamt 19 Studien mit mehr als 1554 Krebspatienten einbezogen, bei denen der Einfluss auf den Tumor und/oder die Überlebensraten dokumentiert waren. In den untersuchten Studien wurde die Wirksamkeit verschiedenster Antioxidantien untersucht, darunter Glutathion, Melatonin, Vitamin A, N-Acetylcystein, Vitamin E und Vitaminkombinationen. Die Ergebnisse zeigten, dass Antioxidantien die Wirksamkeit einer Chemotherapie nicht beeinträchtigten und in einigen Fällen die Wirkung der Chemotherapie sogar noch verbessern halfen. Außerdem vertrugen die Patienten die Chemotherapie mit Antioxidantien besser als die Patienten, die keine Antioxidantien erhalten hatten.

GfBK-Kommentar: Die von vielen Schulmedizinern pauschale Ablehnung von Antioxidantien ist in Anbetracht dieser Studienergebnisse nicht nachvollziehbar. So gibt es bezüglich dieser kontrovers diskutierten Thematik einen weiteren interessanten Übersichtsartikel, in dem gezeigt wurde, dass wahrscheinlich der Stoffwechsel der Tumorzelle über die antioxidative oder oxidative Wirkung eines Antioxidans mitentscheidet (Sagar / Focus on Alternative and Complementary Therapies, 2004). Es kann daher nicht pauschal gefolgert werde, dass die antioxidative Wirkung von Vitaminen der Wirkung einer Chemotherapie oder Strahlentherapie entgegenwirkt. So weiß man durch Studien, dass z.B. durch die Gabe von Selen gesunde Zellen vor Strahlung geschützt, Tumorzellen hingegen strahlensensibler werden.

Wir können daher der Empfehlung nicht folgen, unter laufender Therapie keine Antioxidanzien einzunehmen. Vorsicht gegeben ist lediglich bei der Einnahme von hochdosierten Gaben von Vitamin B12 aber auch Folsäure während laufender Chemotherapie, da Vitamin B12 und Folsäure an Zellteilungsprozessen beteiligt sind und dadurch sich schnell teilende Zellen, wie z.B. Blutzellen oder Krebszellen unterstützen kann. In den hier in Deutschland erhältlichen Nahrungsergänzungspräparaten sind Vitamin B12 und Folsäure aber meist nur in niedrigen Dosierungen enthalten. Unterstützt werden sollte die Gabe von Vitaminen außerdem durch eine vitalstoffreiche Ernährung bevorzugt mit Vollkorngetreide und -produkte (nicht zu grob!); Rohkost (in kleinen Mengen); Biogemüse; naturbelassene pflanzliche Öle und Fette (insbesondere Olivenöl und Leinöl).

 

Vitamin D beeinflusst das Überleben von Brust -und Hautkrebspatienten

Dass Brustkrebspatientinnen mit niedrigen Vitamin-D-Spiegeln ein erhöhtes Risiko für Fernmetastasen haben, konnte in einer prospektiven Kohortenstudie dargelegt werden (Goodwin et al. / J Clin Oncol 2008). Dabei wurden 512 Frauen mit einem Mammakarzinom im Frühstadium untersucht, wobei aus den Blutproben bei der Erstdiagnose unter anderem die 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel bestimmt wurden. Die Frauen waren im Durchschnitt 50 Jahre alt. 192 Frauen von den im Durchschnitt 50-jährigen Frauen hatten einen Vitamin-D-Mangel (unter 50 nmol/l) und 197 Frauen einen verringerten Vitamin-D-Spiegel (50 bis 72 nmol/l). Einen ausreichenden Vitamin-D-Spiegel (über 72 nmol/l) hatten nur 123 von 512 Studienteilnehmerinnen. Auffallend war auch, dass Frauen mit höhergradigen Brusttumoren (G3) signifikant niedrigere Vitamin-D-Spiegel als Frauen mit G1-Tumoren hatten.

Bei den Nachuntersuchungen fiel auf, dass bei Frauen mit einem verminderten Vitamin-D-Spiegel das Risiko für eine Fernmetastasierung nahezu verdoppelt war im Vergleich zu Frauen mit ausreichender Vitamin-D-Versorgung. Außerdem war bei den Frauen mit einem Vitamin-D-Mangel die Sterberate um das 1,73-fache erhöht. Die schlechte Prognose bei zu niedrigem Vitamin-D-Spiegel war dabei unabhängig von Faktoren wie Alter, Body Mass Index (BMI) und Tumorstadium.

GfBK-Kommentar: Die Erkenntnis, dass der Vitamin-D-Spiegel bei Brustkrebspatientinnen einen Einfluss auf die Prognose hat, unterstreicht die bisherigen Erkenntnisse, die im Rahmen von Präventionsstudien gemacht werden konnten. Auch Untersuchungen einer norwegischen Forschergruppe zeigen erneut, dass die in Richtung Äquator ansteigende hautinterne Produktion von Vitamin D mit einer graduellen Abnahme der Wahrscheinlichkeit für solide Tumoren mit überwiegend schlechter Prognose einhergeht.

In anbetracht des durch die Sonnenexposition erhöhten Hautkrebsrisikos sind auch Daten einer weiteren Untersuchung erstaunlich, die zeigte, dass sich bei 872 Patienten mit Hautkrebs bei höheren Vitamin-D-Werten dünnere Tumore sowie ebenfalls ein geringeres Rezidivrisiko und ein verbessertes Gesamtüberleben zeigten (Newton et al ./ J Clin Oncol 2009). Insofern wieder ein Baustein, der zeigt, wie wichtig eine regelmäßige Sonnenexposition, d.h. Aufenthalt im Freien ist und dass Vitamin D als Redifferenzierungsfaktor eine nicht zu unterschätzende Bedeutung hat.

SELECT-Studie- Bedenken zur Empfehlung von Vit. E und Selen ungerechtfertigt

Ende Oktober 2008 wurde die SELECT-Studie (Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial) unter großem Medienecho abgebrochen, eine groß angelegte Studie, mit der untersucht werden sollte, ob durch Gabe von Vitamin E und Selen die Häufigkeit von Prostatakrebs verringert werden kann.

Der Grund für den vorzeitigen Abbruch: Eine im September 2008 vorgenommene Zwischenauswertung von SELECT ergab, dass weder Selen noch Vitamin E, noch beide Substanzen kombiniert das Risiko auf ein Prostatakarzinom signifikant senken. Außerdem zeigten sich zwei Trends: Im Studienarm mit der alleinigen Vitamin E-Gabe kam es zu einem leichten Anstieg der Erkrankungen am Prostatakrebs und im Studienarm mit der alleinigen Selen-Gabe stieg die Zahl der Diabeteserkrankungen.

Aufgrund dessen gab das US-National Cancer Institute (NCI) vor kurzem bekannt, dass die SELECT-Studie vorzeitig beendet wird. An SELECT hatten an mehr als 400 Orten in den USA, Puerto Rico und Kanada rund 35.000 Männer im Alter ab 50 Jahren teilgenommen. Sie waren auf vier Studienarme randomisiert worden, in denen sie mit 400 mg Vitamin E oder 200 µg Selen oder beiden Präparaten oder mit Placebo behandelt wurden.

GfBK-Kommentar: Die häufig zu lesende Schlussfolgerung, dass der Abbruch der SELECT-Studie quasi die Bedenklichkeit von Antioxidantien belege, kann so nicht nachvollzogen werden, da die gemessenen Effekte gering und statistisch nicht signifikant waren. So gibt selbst das NCI zu, dass beide Trends durchaus Zufallsergebnisse gewesen sein könnten.

Darüber hinaus ist es sehr fraglich, inwieweit eine standardisierte Zufuhr Sinn macht, ohne dass man diese dem wirklichen Versorgungszustand anpasst. Gerade beim Selen besteht die Gefahr einer Überdosierung, weshalb viele Therapeuten eine vorherige Bestimmung des Selenspiegels im Vollblut empfehlen. Diese Problematik zeigt sich auch in der Publikation der Zwischenergebnisse: Während bei uns in Deutschland Serum-Selenwerte von etwa 60 - 80 Mikrogramm pro Liter gemessen werden, lagen die Probanden bei Selenwerten von 135 Mikrogramm, also etwa 170 Mikrogramm bei Messung im Vollblut - weit über dem deutschen Referenzbereich von 100 - 140 Mikrogramm! Diese Probanden hatten ganz sicher keinen Selenmangel! Durch die Gabe von grundsätzlich 200 Mikrogramm Selenomethionin wurden sie aber sogar bis auf 250 Mikrogramm angehoben!

Außerdem geben Experten zu Bedenken, dass die falsche Molekülform von Vitamin E  sowie von Selen gegeben und es versäumt wurde, eine ausreichende Versorgung mit Vitamin C sicherzustellen, um das Vitamin E zu regenerieren.

Insofern sollte der Abbruch der SELECT-Studie nicht dazu führen, die Supplementation mit Antioxidantien bei Krebspatienten oder Gesunden verallgemeinernd in Frage zu stellen. Vielmehr ist es erforderlich, dass jeder eine auf ihn abgestimmte individuelle Antioxidantiengabe erhält und dass natürlich auch eine gesunde Ernährung dazu beiträgt, Defizite auszugleichen.

Vitamin C schwächt Chemotherapie?

Krebspatienten sollten während der Chemo- oder Strahlentherapie keine zusätzlichen Antioxidantien einnehmen, weil das die Wirksamkeit der Behandlung beeinträchtigen könnte. Dies rät eine amerikanische Forschergruppe nach Bewertung unterschiedlicher Studien (Lawenda / J Natl Cancer Inst 2008).

Die Diskussion um den Nutzen von Antioxidantien wurde durch eine praeklinische Studie noch verschärft (Heaney / Cancer Research 2008), in der gezeigt wurde, dass Vitamin C die Wirkung verschiedener Chemotherapeutika abschwächen kann. Untersucht wurde die Wirksamkeit verschiedener Zytostatika (Doxorubicin, Cisplatin, Vincristin, Methotrexat u.a.), indem hämatogenen Tumorzelllinien Dehydro-Ascorbinsäure zugesetzt wurde. Dadurch wurde die zytotoxische Wirkung aller Wirkstoffe dosisabhängig herabgesetzt.

GfBK-Kommentar: Absolut unverständlich bleibt, warum bei der Veröffentlichung von Lawenda die Autoren vor einer Antioxidantieneinnahme warnen, obwohl  es bei den von Lawenda analysierten 16 Studien keine Hinweise gab, dass Antioxidantien den Behandlungserfolg einer konventionellen Therapie reduzieren.

Kritikpunkt bei der Veröffentlichung um Lawenda ist außerdem, dass die Autoren bei ihrer Empfehlung lediglich die größte placebokontrollierte Studie berücksichtigten, bei der Vitamin E und ß-Carotin (nicht Vitamin C) für drei Jahre supplementiert wurde. Nach dem Beobachtungszeitraum von 8 Jahren gab es bezüglich der Sterblichkeit jedoch in dieser Studie keine Unterschiede zwischen Antioxidantien- und Placebogruppe. Ein Follow-up stellte allerdings fest, dass die Kombination aus Rauchen und Antioxidantiensupplementierung (Vitamin E und ß-Carotin) zu einer erhöhten Sterblichkeit führte (Meyer, Bairati / Int J Cancer 2008).

So ist es auch kein Wunder, dass andere Wissenschafler aufgrund der Studienlage zu anderen Ergebnissen gelangen und die zeitgleiche Gabe von Antioxidantien zur Chemotherapie positiv bewerten (Bjelakovic, Nikolova / Jama 2007 und Keith / Cancer Treatment Reviews 2007). Insofern kann die GfBK der Empfehlung nicht folgen, unter laufender Therapie keine Antioxidanzien einzunehmen.

Außerdem könnte ein entscheidender Gesichtspunkt in der Kontroverse „Antioxidantien – ja oder nein“ die Dosierung sein. Denn andere Wissenschaftler kommen nach Durchsicht der Literatur zu dem interessanten Schluss, dass niedrig dosierte Antioxidanzien, die in dieser Dosierung keinen zytotoxischen Effekt gegenüber Tumorzellen aufweisen, zu einem Wirkverlust der Radiatio führen könnten (Prasad, Cole / J Am Coll Nutr 2002). Insbesondere die Gabe von hochdosiertem Vitamin C ruft jedoch eine eindeutige zytotoxische Wirkung hervor (Chen, Espey / Proc Natl Acad Sci 2005).

Auch die Studie um Heaney wirft viele Fragen auf. Denn die Autoren wählten nicht die aktive Vitamin-C-Form Ascorbat (wie sie in den meisten Präparaten enthalten ist), sondern die oxidierte quasi verbrauchte Form Dehydroascorbat. Außerdem ist bekannt, dass im Gegensatz zu soliden Tumoren, einige Leukämiezelllinien experimentell durch physiologische und subphysiologische Vitamin-C-Konzentrationen im Wachstum stimuliert werden können, wohingegen höhere Vitamin-C-Konzentrationen tumorzytotoxisch wirken. Leider wurden in der vorliegenden Studie jedoch keine hohen Vitamin-C-Dosierungen getestet, so dass offen bleiben muss, ob die Ergebnisse der Studie um Heaney überhaupt auf den Menschen übertragbar sind.

Neue Studie: Multivitamine verdoppeln Risiko auf tödliches Prostatakarzinom?

Eine Beobachtungsstudie des Journal of National Cancer Institute (JNCI 2007; 99: 754-764), in der laut einem Kommentar des Ärzteblattes angeblich gezeigt werden konnte, dass die regelmäßige Einnahme von Multivitaminen das Risiko auf die Entwicklung eines tödlichen Prostatakarzinoms verdoppelt, fand in den Medien viel Beachtung.

Von den seit 1995/95 befragten 300.000 männlichen Teilnehmern waren 10.241 zwischenzeitlich an Prostatakarzinom, 8765 an lokalisierten Tumoren und 1476 an einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom erkrankt. Interessant ist, dass bei der Auswertung von Frau Karla Lawson vom NCI die Erkrankungsraten für das lokalisierte Prostatakarzinom bei den Vitaminanwendern gar nicht häufiger waren als bei den Nichtvitaminkonsumenten, sondern nur die Inzidenzrate bei einem tödlichen Prostatakarzinom von 11,4 auf 18,9 pro 100.000 Personenjahre zunahm.

GfBK-Kommentar: Ohne Zweifel müssen wir zugeben, dass hinsichtlich der Anwendung orthomolekularer Substanzen und Nahrungsergänzungsmittel noch Vieles ungeklärt und zu untersuchen ist. Dennoch wissen wir, dass für einzelne Spurenelemente wie beispielsweise Selen und Zink oder einige Vitamine wie beispielsweise Vitamin C und E ganz eindeutige wissenschaftliche Ergebnisse vorliegen, die ihre Anwendung bei Patienten unter ärztlicher Beratung rechtfertigen.

Letztendlich ist diese Studie ein gutes Beispiel, dass man sich das Design der Studien, deren Ergebnisse und auch die verwendeten Präparate genauer anschauen muss, um daraus Schlussfolgerungen ziehen zu können. So interessierte bei der Endauswertung der Studie lediglich die Tatsache, ob die befragten Männer irgendein Multivitaminpräparat mindestens mehr als siebenmal über einen längeren Zeitraum die Woche eingenommen hatten. Außerdem wurde die Zusammensetzung und Dosierung der Multivitaminpräparate und ein Vergleich mit der Einnahme von Einzelpräparaten nicht adäquat ausgewertet. Auch die genaue Dauer der Einnahme des Multivitaminpräparates wurde nicht evaluiert. Immerhin gesteht das deutsche Ärzteblatt, das diese Studie kommentiert hat, am Ende seines Kommentars zu: das absolute Risiko ist indes gering, für bisherige Anwender besteht sicher kein Grund für übertriebene Ängste.....

 

Neue Daten zur Frage: Schützt Vitamin D vor Krebs?

In zwei Metaanalysen zum Mamma -und Kolonkarzinom konnte gezeigt werden, dass die Inzidenz beider Tumorarten abhängig vom Vitamin-D3-Spiegel im Blut ist. Je höher der Vitamin-D3-Spiegel im Blut desto geringer war das Auftreten beider Krebsarten. So war zum Beispiel in den Kolon-Karzinom-Studien bei einer Serumkonzentration von 37 ng/ml die Inzidenz halb so hoch wie bei weniger als 6 ng/ml (Am J Prev Med 2007). Umgerechnet auf Tagesdosierungen von Vitamin D3 wären das für die Brustkrebsstudie etwa 4000 IU und für die Kolon-Ca-Studie etwa 2000 IU pro Tag. Wer diese Größenordnung durch Sonnenlichtexposition erreichen möchte, müsste sich täglich etwa zwölf Minuten in die Sonne begeben.

GfBK-Kommentar: Es ist schon lange bekannt, dass Vitamin D indirekt die Immunabwehr und Zelldifferenzierung beeinflusst und somit Krebs vorbeugen hilft. Betrachtet man die Forschungsergebnisse vergangener Jahre zu diesem Thema, bleibt allerdings unklar, ab welcher Menge durch Vitamin D eine krebsvorbeugende Wirkung erreicht werden kann. So zeigten frühere Studien, in denen Vitamin D in geringerer Menge aufgenommen worden war, keine Effekte. Die hier präsentierten Ergebnisse geben erste Hinweise auf eine effektive Dosis. In Anbetracht des erhöhten Hautkrebsrisikos durch UV-Strahlung halten wir die angegebenen zwölf Minuten täglicher Sonnenexposition für empfehlenswert und durchführbar. Lediglich bei älteren Menschen, die sich zu wenig im Freien aufhalten, und bei Patienten mit Knochenmetastasen, sollte über eine zusätzliche Einnahme von Vitamin D meist in Kombination mit Kalzium nachgedacht werden.

 


Immunmodulation

Misteltherapie bei Melanomen

Durch eine mindestens sechsmonatige Misteltherapie kann die Überlebenszeit von Patienten mit Melanomen verlängert werden. Dies und eine gute Verträglichkeit einer Misteltherapie unterstreicht eine deutsch-schweizerische Kohortenstudie, die mit insgesamt 686 Melanompatienten im Stadium UICC/AJCC II-III durchgeführt wurde (Augustin / Arzneimittelforschung 2005). Dabei wurde 329 Patienten zwei- bis dreimal wöchentlich ein standardisierter fermentierter Mistelextrakt über durchschnittlich 30 Monate verabreicht. Die Patienten wurden nach der Behandlung mindestens 3 Jahre lang nach beobachtet. Es zeigte sich eine signifikante Reduktion der tumorbedingten Mortalität (8,9 vs. 10,7 Prozent) sowie keine erhöhte Inzidenz von Hirnmetastasen oder anderen Metastasen in der Behandlungsgruppe.

GfBK-Kommentar: Diese Daten bestätigen die Ergebnisse anderer Studien, dass die Misteltherapie auch bei Melanomen eine wirksame komplementäronkologische Behandlungsform darstellt. Dies gewinnt insbesondere unter dem Aspekt an Bedeutung, dass die meisten adjuvanten sehr teuren Standardtherapiekonzepte (z.B. mit Roferon) die Überlebenszeit von Melanompatienten nicht wesentlich verlängern konnten. Allerdings sollten die Ergebnisse dieser retrolektiven Studie durch randomisierte und prospektive Studien bestätigt werden.

Mistel verbessert Lebensqualität bei Brustkrebs während Chemotherapie

Eine prospektive randomisierte offene Pilotstudie ergab eine Verbesserung der Lebensqualität bei zusätzlich zur Chemotherapie mit Iscador M 5 mg spezial (anthroposophisches Mistelpräparat) behandelten Brustkrebspatientinnen (Tröger W et al. / Breast Cancer: Basic and Clinical Research 2009).

Es wurde eine prospektive randomisierte offene Pilotstudie mit 95 Patientinnen durchgeführt, die in drei Behandlungsgruppen randomisiert wurden. Eine Gruppe erhielt lscador® M spezial und eine Gruppe ein anderes Mistelpräparat zusätzlich zur Chemotherapie mit sechs Zyklen Cyclophosphamid, Adriamycin und 5-FU (CAF). Die Kontroll-Gruppe erhielt CAF ohne zusätzliche Therapie. In der Veröffentlichung wird leider nur über den Vergleich von Iscador (n=30) mit der Kontrolle (n=31) berichtet.

Bei zwölf Scores zeigte sich anhand des EORTC-QLQ-C30-Fragebogens ein signifikanter Unterschied, der in neun Scores auch klinisch relevant war (Rollenfunktion, emotionale Funktion, soziale Funktion, Übelkeit und Erbrechen, Schmerzen, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Durchfall). Außerdem trat die durch Chemotherapie induzierte Neutropenie in der Iscador-Gruppe tendenziell weniger häufig auf als in der Kontroll-Gruppe: Neutropenie trat bei 3 von 30 Iscador-Patientinnen und bei 8 von 31 Kontroll-Patientinnen auf.

GfBK-Kommentar: Brustkrebspatientinnen, die eine Chemotherapie erhalten, klagen häufig über eine verminderte Lebensqualität und erhöhte Müdigkeit. Diese Untersuchung zeigt, dass Mistelpräparate die Lebensqualität während Chemotherapie verbessern und dass darunter weniger häufig Neutropenien auftreten.

Es gibt außerdem keinerlei Hinweise, dass eine Misteltherapie die Wirkung einer Chemo- oder Strahlentherapie verringert, so dass diese Ergebnisse unterstreichen, dass eine Misteltherapie bereits während einer Chemo- und Strahlentherapie durchgeführt werden kann. Um einen ausreichend hohen Immunstatus zu erreichen, sollte mit einer Mistelbehandlung idealerweise schon 3 - 4 Wochen vor einer belastenden Therapie begonnen werden.


Diagnostik

Krebspatienten fühlen sich bei Therapieentscheidungen nicht ausreichend informiert

Laut einer Umfrage bei 5000 Krebspatienten aus 49 deutschen onkologischen Fachpraxen und Tageskliniken bemängelte fast jeder dritte Patient, dass die Mitbestimmung bei Diagnostik- und Therapieentscheidungen unzureichend sei.
Die häufigste Kritik an der onkologischen Versorgungssituation war ein verbesserungsbedürftiger Umgang mit Nebenwirkungen (39 Prozent). Am zweithäufigsten bemängelten immerhin 30 Prozent der Befragten eine unzureichende Mitbestimmung bei Diagnostik- und Therapieentscheidungen.
Dass der Wissenstand der Krebspatienten auch für die weitere Therapie der Patienten wichtig ist, zeigt übrigens eine amerikanische Untersuchung des Dana-Farber-Institutes, bei der gezeigt werden konnte, dass informierte Patienten häufiger modernste Arzneimittel erhalten als Uninformierte.

GfBK-Kommentar: Häufig fühlen sich Krebspatienten nicht ausreichend in Therapieentscheidungen einbezogen oder nicht genügend informiert. Es ist daher nicht verwunderlich, dass dieser Missstand von Patienten wie in der obigen Umfrage beklagt wird. Vielen onkologisch tätigen Ärzten fehlt es im Praxis –und Klinikalltag an Zeit und leider oft auch an Kompetenz, die Fragen der Patienten einfühlsam, verständlich und umfassend zu beantworten.
Der Vorschlag der Autoren der Studie, dass insbesondere Psychoonkologen dazu beitragen können, die Versorgungssituation zu verbessern und daher das psychoonkologische Angebot ausgebaut werden müsse, ist zweifelsohne ein wichtiger Schritt. Ob er aber wirklich dazu beitragen kann, Patienten stärker mit einzubeziehen, bleibt abzuwarten, da die Patienten sich ja häufig wünschen, dass Ärzte sich Zeit nehmen und die meist sehr fachspezifischen Fragen beantworten.

Koloskopien bei Älteren doch nicht so ungefährlich?

Perforationen der Darmwand sind eine bekannte, seltene, aber lebensgefährliche Komplikation der Darmspiegelung. Insbesondere bei über-75-Jährigen steigt laut einer Studie des weltweit größten Endoskopie-Zentrums in Bangkok (Lohsiriwat / BMC Gastroenterology 2009) das Risiko für eine Darmperforation an.

Dabei war der wichtigste Risikofaktor in dieser Studie nicht die Unerfahrenheit des Arztes, sondern das Alter des Patienten. So kam es bei über-75-Jährigen mehr als sechsfach häufiger zu einer Darmperforation. Vorsicht geboten ist außerdem beim Abtragen größerer Polypen. Nach therapeutischen Endoskopien kam es fast dreifach häufiger zu einer Darmperforation. Der Studienleiter vermutet, dass auch eine Sedation das Risiko erhöhen könnte, da es dem Arzt nicht mehr möglichst ist, auf Schmerzreize des Patienten zu reagieren.

GfBK-Kommentar: Diese Untersuchung zeigt, dass unter bestimmten Bedingungen eine Darmspiegelung nicht ungefährlich ist. Da inzwischen durch öffentliche Kampagnen mit bekannten Größen aus Show und Sport immer wieder verstärkt auf Darmspiegelungen als Mittel zur Früherkennung von Darmkrebs hingewiesen wird, ist es umso wichtiger, auch auf die möglichen Nebenwirkungen aufmerksam zu machen, damit keine unnötigen Komplikationen auftreten. Schließlich sind die Schätzungen, wie sehr die Darmspiegelung die Heilungschancen erhöhen, widersprüchlich.

Außerdem sollte es bei großen Aufklärungskampagnen auch darum gehen, die Achtsamkeit der Menschen für Vorgänge im eigenen Organismus zu stärken. Wichtig ist auch, auf das, was im Darm geschieht, zu achten: Verstopfungen oder andere Funktionsstörungen sind Warnsignale, auf die reagiert werden muss. Zudem hilft regelmäßiger Sport und eine ausgewogene Ernährung, das Erkrankungsrisiko zu minimieren. Pflanzliche Kost wie Obst, Gemüse und Getreide neutralisiert Schadstoffe und stärkt die körpereigenen Abwehrkräfte gegen entartete Zellen. Positiv auf das Darmmilieu wirken außerdem milchsaure, vergorene Produkte wie Sauerkraut, Gemüsesäfte oder Joghurt.


Hyperthermie

Weichteilsarkome: Hyperthermie erfolgreich

Weichteilsarkome sind schwierig zu behandeln. Ob mit einer zusätzlichen Hyperthermie die Wirkung von Zytostatika verstärkt werden kann, untersuchte eine aufwändige Phase-III-Studie an der Universitätsklinik München (Issels R et al. / Lancet Oncology 2010). Dabei wurde die Wirksamkeit von vier Zyklen präoperativer Chemotherapie aus Etoposid, Ifosfamid und Doxorubicin alleine oder in Kombination mit regionaler Hyperthermie verglichen.
Zwischen Juli 1997 und November 2006 wurden in neun Zentren 341 Patienten mit Hochrisiko-Weichteilsarkomen randomisiert: 169 wurden präoperativ zusätzlich zur Chemotherapie mit regionaler Hyperthermie behandelt; 172 erhielten nur die Chemotherapie. Sekundäre Endpunkte waren krankheitsfreies Überleben, Gesamtüberleben, Tumoransprechen Verträglichkeit und Langzeitkomplikationen. Die mediane Nachbeobachtungszeit lag bei 34 Monaten.
Ergebnis: In der Hyperthermie-Gruppe kam es bei 56 Patienten zu einem lokalen Fortschreiten, in der Vergleichsgruppe ohne Hyperthermie bei 76 Patienten. Damit wurde das Risiko durch die zusätzliche Hyperthermie um 42% gesenkt. Das Therapieansprechen betrug 28,8% bei der Hyperthermiegruppe gegenüber 12,7% bei alleiniger Chemotherapie. Das Gesamtüberleben war in einer vorläufigen Analyse in der Hyperthermie-Gruppe besser als in der Gruppe ohne Hyperthermie. Nebenwirkungen traten bei der Hyperthermie-Gruppe als Grad-3/4-Leuopenien erwartungsgemäß häufiger auf.

GfBK-Kommentar: Diese randomisierte Untersuchung belegt, dass eine regionale Hyperthermiebehandlung die Wirkung einer Chemotherapie bei Weichteilsarkomen verstärkt. Insofern sollte die Hyperthermie bei Weichteilsarkomen zur Standardbehandlung gehören, zumal auch andere Studien deren zusätzlichen Nutzen während einer Chemotherapie gezeigt haben.
Bei der Hyperthermie wird eine Überwärmung von Tumorzellen mittels hochfrequenter Wellen angestrebt, wodurch es zu einer Tumorhypoxämie (Sauerstoffmangel) und Entwicklung eines sauren Zellmilleus sowie zu einer Nährstoffverarmung im Tumor kommt. Hierdurch wird der Zellstoffwechsel gestört und es kann zu Zelltod kommen.
Wird gleichzeitig eine Chemo und/oder- Strahlentherapie verabreicht, so erfährt diese durch die Hyperthermie eine Wirkungsverstärkung. In Einzelfällen kann dadurch eine bislang unwirksame Chemotherapie und/oder Strahlentherapie so erst zur Wirksamkeit gebracht werden.
Über die verschiedenen Methoden der Hyperthermie liegen inzwischen über 40.000 umfangreiche Untersuchungen vor. Dabei wurden in mindestens 21 randomisierten kontrollierten klinischen Studien deutlich bessere Ergebnisse durch die Kombination mit Hyperthermie hinsichtlich der Ansprechraten und der Überlebensraten demonstriert. Besonders deutlich konnte dies bei Tumoren der Blase, des Gehirns der Leber, der Lunge, des Ösophagus, des Rektums, der Vagina, der Vulva und der Zervix gezeigt werden.

Lokale Überwärmung hilft bei fortgeschrittenem Zervixkarzinom

Bei fortgeschrittenen Zervixkarzinomen, bei denen sich der Tumor bereits über die Gebärmutter hinaus ausgebreitet und das umliegende Gewebe oder Teile der Scheide befallen hat, gelingt es oftmals nicht, durch eine alleinige Strahlentherapie oder Chemotherapie diesen effektiv zu behandeln. In diesen Fällen kann eine Kombination aus Strahlentherapie und Tiefenhyperthermie bessere Erfolge erzielen. Dies unterstreichen Ergebnisse zweier Untersuchungen aus Rotterdam, die zeigen, dass mithilfe einer Kombinationstherapie die Ansprechraten und die Überlebensraten der Patienten verbessert werden können (Franckena et al / International Journal of Radiation Oncology Biology Physics 2008 und 2009).

Dabei hatten Frauen teilgenommen, bei denen der Krebs entweder lokal fortgeschritten war oder sich bereits in Lymphknoten, andere Organe im Becken und an das Becken angrenzende Organe ausgebreitet hatte (Stadien II bis IVA). Wenn eine Radiotherapie mit einer Hyperthermie-Behandlung kombiniert wurde, wurde bei 114 Patientinnen eine Ansprechrate von 83 Prozent erreicht. Ohne Hyperthermie lag die Ansprechrate nur bei 57 Prozent. Nach drei Jahren lebten in der Hyperthermie-Gruppe noch 51 Prozent, in der Kontrollgruppe nur 27 Prozent.

GfBK-Kommentar: Bei fortgeschrittenem Zervixkarzinom zeigen inzwischen mehrere Studien die erhöhte Wirksamkeit der Kombination von Radiotherapie und Hyperthermie. So gehört in den Niederlanden die Kombinationstherapie bereits zur Standardbehandlung. Zu fordern ist, dass diese Methode auch in Deutschland mehr Patientinnen angeboten wird, da durch den zusätzlichen Einsatz der Hyperthermie eine deutliche Verlängerung der Überlebenszeit nachgewiesen werden konnte.

Lokale Tumorkontrolle durch Hyperthermie verbessert

In einer prospektiven randomisierten Studie (Jones / J Clin Oncol 2005) erhielten 122 Patienten mit oberflächlich gelegenen Tumoren (< 3cm) zusätzlich zur Bestrahlung eine lokale Hyperthermiebehandlung. Es wurden die unterschiedlichsten Tumorentitäten behandelt: hauptsächlich waren es Mammakarzinome, Kopf-Hals-Tumoren und Melanome. Alle Patienten erhielten zunächst eine Testdosis und wurden dann in zwei Arme randomisiert. Die einen erhielten zweimal wöchentlich insgesamt maximal zehn weitere Hyperthermiebehandlungen während der Strahlentherapie, die anderen nicht. In der Gruppe, die zusätzlich zur Strahlentherapie eine Hyperthermie erhielten, sprachen 66,1% der Patienten an. Bei alleiniger Strahlentherapie sprachen 42,3% der Patienten an. Ebenso hielt die lokale Tumorkontrolle in der Hyperthermiegruppe länger an; Effekte auf das Gesamtüberleben hatte dies allerdings nicht. Besonders stark von der zusätzlichen Hyperthermie profitierten die Patienten, die bereits zuvor bestrahlt worden waren. Hier konnte eine Ansprechrate von 68,2% gegenüber 23,5% erreicht werden.

GfBK-Kommentar: Eine Studie, die die Erfahrungen in der Praxis bestätigt, dass Hyperthermie bei oberflächlich gelegenen Tumoren wirksam ist und die Wirkung einer Strahlentherapie noch verstärkt. Leider weist die Studie trotz der Randomisierung einige Mängel auf (Einschluss verschiedenster Tumorentitäten, zu geringe Fallzahl), so dass weitere Studien wünschenswert wären, die der Frage nachgehen, wie die Hyperthermie in ein adjuvantes Setting parallel zur Strahlentherapie eingesetzt werden kann.

 

Hyperthermie verbessert den Therapieerfolg bei Sarkomen

Hyperthermie in Kombination mit Chemotherapie verbessert die Heilungs- und Überlebenschancen von Hochrisikopatienten mit tiefliegenden Weichteilsarkomen im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie. Diese Ergebnisse einer randomisierten Phase-III-Studie wurden von Prof. Issels (Leiter der Klinischen Kooperationsgruppe "Tumortherapie durch Hyperthermie", GSF-Institut für Molekulare Immunologie, München) auf dem ASCO vorgestellt (ASCO Annual Meeting Proceedings / Journal of Clinical Oncology, 2007). Eingeschlossen wurden insgesamt 341 Patienten mit tiefliegenden mäßig bis gering differenzierten Weichteilsarkomen. 169 Patienten wurden im Hyperthermiearm, 172 Patienten im Kontrollarm behandelt. Beide Gruppen erhielten 4 Zyklen einer Chemotherapie mit kumulativen Dosen pro Zyklus von Etoposid 250 mg/m², Ifosfamid 6 g/m² und Adriamycin 50 mg. Ergebnis der Behandlung: Das mittlere krankheitsfreie Überleben war in der Hyperthermiegruppe mit 30 Monaten signifikant besser als nach reiner Chemotherapie mit 16 Monaten. Auch beim mittleren lokalen progressionsfreien Überleben schnitt die Hyperthermie mit 38 Monaten gegenüber 26 Monaten besser ab. Die Ansprechrate mit Hyperthermie betrug 37%, die in der Kontrollgruppe lediglich 12%. Daten in Bezug auf das Gesamtüberleben wurden noch nicht veröffentlicht.

GfBK-Kommentar: Die Hyperthermie, die Überwärmung von Tumorzellen, ist eine wirksame Erweiterung der Krebstherapie und wurde schon vor knapp 100 Jahren wissenschaftlich beschrieben. So ist bekannt, dass sich die Behandlungsergebnisse von Chemo- und Strahlentherapie durch gleichzeitigen Einsatz der Hyperthermie deutlich verbessern lassen. Diese bereits 1999 begonnene und erste randomisierte Studie zur Hyperthermie bei tief liegenden Weichteilsarkomen kann dies bestätigen und zeigt eine signifikante Verbesserung des Tumoransprechens und des krankheitsfreien Überlebens, wenn zusätzlich zur operativen Entfernung mit einer Kombination aus Chemotherapie und regionaler Tiefenhyperthermie behandelt wurde. Daten zum Gesamtüberleben liegen bislang jedoch noch nicht vor. Dennoch sollte die Hyperthermie unserer Ansicht nach stärker ins Augenmerk der Behandlung rücken, da die Behandlungserfolge bei Sarkomen durch eine alleinige Chemotherapie nur sehr unbefriedigend sind.

Hyperthermie bei Pleuramesotheliom

Eine noch unveröffentlichte Phase-II-Studie aus der Universitätsklinik Lübeck belegt den Nutzen der Ganzkörperhyperthermie (41,8°C) bei Pleuramesotheliom in Kombination mit einer zytostatischen Therapie (Ifosfamid/Carboplatin/VP-16). Von 25 Patienten hatten fünf eine partielle Remission, bei weiteren drei reduzierte sich der Tumor um mehr als ein Viertel. Bei elf Patienten blieb die Erkrankung stabil; nur sechs zeigten kein Ansprechen. Die mittlere Überlebenszeit aller 25 Patienten lag bei 19 Monaten; die Patienten, bei denen die Therapie ansprach, lebten im Mittel sogar 20 Monate. Deutlich profitierten die Patienten in punkto Schmerzmittelverbrauch, so dass hochdosierte Schmerzmittelgaben teilweise ganz abgesetzt werden konnten.

GfBK-Kommentar: Endlich erhält die Hyperthermie Einzug in schulmedizinische Behandlungsansätze. So ist schon lange bekannt, dass Tumorzellen durch eine Überwärmung Zellgiften gegenüber empfindlicher werden. Zytostatika wirken in Verbindung mit der erhöhten Körpertemperatur vier- bis sechsmal stärker und können oft in der Dosierung bei gleichem Behandlungserfolg reduziert werden. Leider wurde nicht untersucht, wie gut die Hyperthermie ohne Chemotherapie wirksam ist.


Nebenwirkungen

Bewertung von Therapieeffekten

Die Lebensqualität steht immer mehr im Zentrum, wenn die Befindlichkeit durch belastende Therapien vermindert wird. 100 Patienten wurden zur Bewertung der Schwere von Therapieeffekten befragt (Carelle et al. / Cancer 95, 2002). Folgende drei Hauptprobleme wurden als am stärksten belastend angegeben: Dass die Krankheit Familie bzw. Partner beeinträchtigt, sowie Haarverlust und ständige Müdigkeit.

GfBK-Kommentar: War früher Übelkeit und Erbrechen eine häufig beklagte Nebenwirkung, so steht heute aufgrund verbesserter antiemetischer Beleitbehandlungen aber nicht weniger aggressiver Therapieschemata das Fatigue-Syndrom bei vielen Patienten im Vordergrund. So multifaktoriell die Ursachen von Fatigue, so unterschiedlich sind auch die Vorgehensweisen bei der Behandlung. Wir empfehlen, immer auch an komplementärmedizinische Maßnahmen (z.B. Mistel, Thymus, Sauerstoff, Nahrungsergänzung etc.) zur Behandlung des Fatigue-Syndroms zu denken.

Kieferentzündungen unter Bisphosphonaten

Bisphosphonate, die häufig in der Behandlung aber auch Vorbeugung von Knochenmetastasen eingesetzt werden, können Knochenentzündungen und -defekte im Kieferbereich hervorrufen. Nach der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft warnt nun auch das BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) vor Knochenschädigungen des Kiefers in Verbindung mit Bisphosphonaten, vor allem von Pamidronat (Aredia) und Zoledronat (Zometa), die als Infusionen verabreicht werden. Der genaue Wirkungsmechanismus ist noch ungeklärt. Eine deutsche Fallstudie aus Rostock (Steiner / DMW 130, 2005) bestätigt die Ergebnisse amerikanischer Ärzte, dass es bei Patienten unter Bisphosphonatgabe zu entzündlichen, teilweise antibiotisch nicht beherrschbaren Schwellungen im Kieferbereich kommen kann. Die Autoren geben als wahrscheinlich begünstigende Faktoren für diese Komplikation zahnmedizinische Eingriffe wie Extraktionen und intravenöse Therapien über lange Zeit sowie eventuell auch die Kombination von Chemotherapie plus hoch dosierter intravenöser Bisphosphonat-Therapie an. Das BfArM empfiehlt jetzt eine zahnärztliche Untersuchung vor Therapiebeginn. Und: Unter der Behandlung mit Bisphosphonaten sollten zahnmedizinische Eingriffe möglichst zu vermieden werden.

GfBK-Kommentar: Bisphosphonate werden inzwischen bei vielen Krebspatienten angewandt. In der Frage, ob die Bisphosphonat-Therapie nach Vorliegen von Knochennekrosen fortgeführt werden soll, muss stets individuell Risiko und Nutzen für den Patienten abgewägt werden, da laut Expertenangaben Bisphosphonate Monate bis Jahre, eventuell lebenslang im Knochen verweilen können und in seltenen Fällen die Ausbildung weiterer Nekrosen trotz Absetzens beobachtet wurde. Liegen Knochenmetastasen vor, so halten wir angesichts des eher seltenen Auftretens dieser Nebenwirkung die Fortführung der Bisphosphonatgabe unter engmaschiger zahnärztlicher Kontrolle für gerechtfertigt und weiterhin empfehlenswert.

Verursachen orale Bisphosphonate Oesopaguskarzinome?

Immer häufiger wird das Auftreten von Ösophaguskarzinomen in Verbindung mit einer oralen Bisphosphonat-Therapie gebracht. Dies war der Anlass zu zwei Analysen der General Practice Research Database, die Daten aus 500 Hausarztpraxen und zu mehr als 4 Millionen britischer Hausarztpatienten gesammelt hat. Dort werden neben den Krankheitsdiagnosen auch die Verordnungen von Medikamenten dokumentiert, was eine Risikoanalyse ermöglicht. Dabei kamen die beiden Analysen jedoch zu unterschiedlichen Ergebnissen.
So berichtet Chris Cardwell von der Queen's University Belfast im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2010), dass es unter den Bisphosphonat-Anwendern nur unwesentlich häufiger zu Ösophaguskarzinomen kommt. Genauer gesagt: Von 41.826 Patienten erkrankten nach einer Anwendung von durchschnittlich 4,5 Jahren gerade einmal 79 Patienten an einem Ösophaguskarzinom. In der Kontrollgruppe der Nicht-Anwender von Bisphosphonaten waren es 72 Patienten.
Jane Green von der Universität Oxford ermittelte hingegen im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2010) ein erhöhtes Risiko, das im Unterschied zur anderen Studie signifikant ausfiel. Patienten, die zehn oder mehr Rezepte für Bisphosphonate erhalten hatten, erkrankten der Fall-Kontroll-Studie zufolge mehr als doppelt so häufig an einem Ösophaguskarzinom.

GfBK-Kommentar: Schon 2009 wurden insgesamt 54 weltweit beobachtete Fälle von Ösophaguskarzinomen im Zusammenhang mit Bisphosphonaten gemeldet und dokumentiert (NEJM 2009). Auch wenn bisherige Berichte im Jahr 2009 keinen Zusammenhang herstellen konnten, so muss darauf hingewiesen werden, das das erhöhte Karzinomrisiko wahrscheinlich erst nach längerer Einnahme von über 5 Jahren auftritt. Dies zeigt sich auch im unterschiedlichen Ergebnis beider Studien, die doch beide auf Daten derselben Datenbank beruhen. So liegt der Cardwell-Studie ein deutlich kürzerer Beobachtungszeitraum zugrunde, so dass Experten vermuten, dass auch die Cardwell-Studie einen Zusammenhang nachgewiesen hätte, wenn der Beobachtungszeitraum länger gewählt worden wäre.
Insofern mag das Risiko, durch orale Bisphosphonate ein Ösophaguskarzinom zu bekommen, zwar gering sein. Bei einigen Risikogruppen, wie Patienten mit einer Ösophagitis oder Gastritis sollte man jedoch mit dem Verschreiben von oralen Bisphosphonaten vorsichtig sein. Außerdem gibt es einfachere Maßnahmen, um einer Osteoporose vorzubeugen, wie z.B. durch die orale Gabe von Vitamin D und eine Säure-Basen-Regulation.

Vitamin B6 kann Hand-Fuß-Syndrom nicht verhindern

Unter dem Hand-Fuß-Syndrom versteht man entzündliche Hautveränderungen an den Handinnenflächen und an den Fußsohlen. Es tritt meist infolge einer bestimmten Chemotherapie, insbesondere unter Capecitabin (Xeloda), aber auch unter 5-Fluorouracil und liposomalen Doxorubicin auf. Häufig finden sich zusätzlich ein Abschuppen der Haut, Taubheit, Kribbeln und eine Überempfindlichkeit für Wärme. Unbehandelt kann das Hand-Fuß-Syndrom schwere Funktionseinschränkungen auslösen, die zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen können.
On sich Vitamin B6 zur Prävention einem Hand-Fuß-Syndrom unter pegyliertem liposomalem Doxorubicin eignet, untersuchte eine Studie mit 29 Patientinnen (von Grüningen V et al. / Cancer 2010). Dabei betrug die Inzidenz in der Placebogruppe 50% und in der Vitamin-B6-Gruppe 53%. Auch in der Ausprägung des Hand-Fuß-Syndrom konnte kein Unterschied festgestellt werden.

GfBk-Kommentar: Sicherlich war die Anzahl der Patienten in dieser Studie zu gering, um endgültige Aussagen treffen zu können. Es bestätigt sich aber die in der Praxis häufig gemachte Erfahrung, dass die Gabe von Vitamin B6 alleine keinen Einfluss auf das Auftreten eines Hand-Fuß-Syndroms hat. Tritt ein Hand-Fuß-Syndrom auf, kann außerdem eine Dosisreduktion der Chemotherapie, in schweren Fällen auch ein Absetzen der Therapie notwendig sein. Begleitend ist eine lokale Behandlung mit Feuchtigkeitslotionen, Cremes und Harnstoffhaltigen Salben sowie kühle Bäder sinnvoll. In der biologischen Medizin haben einige Ärzte gute Erfahrungen mit der Einnahme von ß-Carotin, Vitamin D und E sowie der Einnahme und der lokalen Anwendung von Hanföl gemacht.

Tee-Extrakte lindern Hautschäden bei der Strahlentherapie

In einer Studie der Universitätsklinik Freiburg (Pajonk / BMC Medicine 2006) wurde der Frage nachgegangen, ob Extrakte aus grünem und schwarzen Tee aufgrund ihrer bekannten entzündungshemmenden Wirksamkeit Strahlenschäden der Haut verringern können. Es nahmen dabei 60 Patienten mit verschiedenen Tumoren, die durch eine Strahlentherapie Hautschäden erlitten hatten, an der Studie teil. Die Hautläsionen wurden dabei zusätzlich zu üblichen Pflegemaßnahmen mit äußeren Anwendungen von Tee-Extrakten (Aufgüsse aus Teebeuteln mit grünem oder schwarzem Tee) behandelt. Das Ergebnis: Beide Extrakte verringerten die Hautschäden und förderten die Regeneration der Haut. Die Extrakte aus dem grünen Tee schnitten dabei teilweise besser ab. Die entzündungshemmende Wirkung der im Tee enthaltenen Polyphenole zeigte sich auch in den entnommenen Zellkulturen der Patienten, in denen die Ausschüttung von entzündungsfördernden Substanzen gehemmt werden konnte.

GfBK-Kommentar: Im Rahmen einer Strahlentherapie kann es zu Hautreaktionen kommen, die teilweise nur schwer behandelbar sind. Bis allerdings neuere wirksame Methoden wie die Auflage von Tee-Extrakten Bestandteil der Standardbehandlung werden, vergeht meistens viel Zeit. Sollten bei Patienten Strahlenschäden auftreten, halten wir nach Rücksprache mit dem Strahlentherapeuten auch unkonventionelle Methoden (wie die lokale Applikation von Tee-Extrakten, Ringelblume oder Aloe vera Gel) für empfehlenswert.

 

Appetitsteigerung: Nutzen von Dronabinol umstritten

Dronabinol, Hauptwirkstoff der Cannabispflanze wird hierzulande gerne als wirksames Therapeutikum zur Appetitsteigerung umworben. In der einzigen veröffentlichten Studie zu diesem Thema konnte jedoch ein klinischer Effekt nicht hinreichend nachgewiesen werden. Es wurden 469 Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren in drei Gruppen randomisiert (Jatoi et al. / J Clin Oncol 20, 2002) und erhielten entweder einmal täglich 800 mg Megestrolacetat, zweimal täglich 2,5 mg Dronabinol oder eine Kombination der beiden. Ergebnis war, dass in Bezug auf Appetit –und Gewichtszunahme Dronabinol in der Monotherapie signifikant schlechter abschnitt als Megestrolacetat. Auch die Kombination beider Substanzen wirkte nicht besser als Megestrolacetat alleine.

GfBK-Kommentar: Dronabinol ist in Deutschland zwar verkehrsfähig, jedoch nur in den USA für die Indikation zur Appetitsteigerung zugelassen. Angesichts der umstrittenen Wirksamkeit zur Appetitsteigerung und des in der Literatur beschriebenen Nebenwirkungspotentials sollte die Anwendung zurückhaltend erfolgen. Da sowohl unter der Gabe von Megestrolacetat (erhöhte Thromboseneigung, Müdigkeit, Hitzewallungen, Ödeme) als auch von Dronabinol (Somnolenz, Schwindel, Angstzustände, Verwirrtheit, Halluzinationen, Tachykardien) vermehrt mit Nebenwirkungen zu rechnen ist, sollten nebenwirkungsarme Maßnahmen der Naturheilmedizin vorrangig eingesetzt werden. Bewährt haben sich zur Verhinderung einer Tumorkachexie spezielle Ernährungsmaßnahmen, Appetitanregung durch Artischockenfrischpflanzensäfte oder Pepsinwein, sowie eine gezielte Mikronährstoffsubstitution und ggf. Eiweißsubstitution. Zur Bekämpfung von chronisch spastischen Schmerzen hingegen kann die Anwendung von Dronabinol jedoch eine wertvolle Hilfe sein.

EPO-Doping verringert die Überlebenschancen

Die Ergebnisse mehrer Studien (Lappin / Oncologist 2007) weisen darauf hin, dass Erythropoetin bei Brustkrebs und Kopf-Hals-Tumoren die Prognose der Patienten verschlechtert. Eine dieser Studien bestätigte dies bei Patienten mit NSCLC (Wright / J Clin Oncol 2007), wobei in einer Zwischenauswertung, die dann zum Abbruch der Studie führte, gezeigt wurde, dass die Überlebenszeit in der EPO-Gruppe um die Hälfte kürzer als in der Kontrollgruppe war.

GfBK-Kommentar: Zu Recht warnen inzwischen auch immer mehr Schulmediziner davor, bei anämischen Krebspatienten ein zu starkes Doping mit Erythropoetin zu betreiben, sondern vielmehr nicht mehr als das empfohlene Hämoglobinsoll von 12 g/dl anzupeilen. Grund für die Verringerung der Überlebensraten ist wahrscheinlich die indirekte Aktivierung anderer Wachstumssignalwege über den  Erythropoetinrezeptor. Wir raten deshalb zusätzlich, Erythropoetin nicht allein zur Hb-Wert-Korrektur, sondern nur bei zusätzlich vorliegenden auf die Anämie zurückzuführenden Beschwerden einzusetzen. Bei dem durch eine Anämie mit ausgelöstem Fatigue-Syndrom helfen außerdem das Einbeziehen biologischer Therapiekonzepte, wie z.B. Sauerstoffinhalationen, Stärkung des Immunsystems, Ausgleich von Nährstoffdefiziten, Stärkung der Entgiftungsorgane, spezielle Nahrungsergänzung.

Natriumselenit bei Lymphödemen im Mundbereich

An 20 Patienten mit Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle wurde untersucht, inwieweit Natriumselenit nicht nur zur Reduktion von Lymphödemen der Extremitäten, sondern auch von Lymphödemen im Mundbereich eingesetzt werden kann. Die Wirksamkeit von Natriumselenit wurde hierbei in einer randomisierten Doppelblind-Studie an 20 Patienten überprüft (Zimmermann / Biol Trace Elem Res 2005). Dabei erhielten die Patienten prä-, intra- und 3 Wochen postoperativ nach Durchführung einer bilateralen Neck-Dissection jeweils täglich 1000 µg Natriumselenit intravenös oder peroral. Die Patienten in der Kontrollgruppe erhielten 0,9%ige Kochsalzlösung. Die Ausprägung der operativ bedingten Lymphödeme wurde durch Vermessen bestimmter anatomischer Punkte bestimmt. Außerdem wurden 1 Jahr lang nach der Operation in Plasma und Vollblut reaktive Sauerstoffverbindungen, sowie die Selenkonzentration und die Aktivität der Glutathion-Peroxidase gemessen. Bei den Patienten, die Natriumselenit erhielten, klangen die Lymphödeme deutlich schneller ab. Dies konnte auch laborchemisch verifiziert werden: So war bei den Patienten das Lymphödem am geringsten ausgeprägt, die die höchsten Selenspiegel und bei denen die Glutathion-Peroxidase am aktivsten war. Die Autoren empfehlen deshalb, Natriumselenit hochdosiert möglichst frühzeitig zur Verhinderung von Lymphödemen im Mundbereich nach Neck-Dissection einzusetzen.

GfBK-Kommentar: Lymphödeme können ohne frühe Behandlung ernste Folgen haben und sind für die Betroffenen sehr belastend. Es ist durch Studien bereits bekannt, dass Patienten mit Lymphödemen einen Selenmangel aufweisen. Durch hoch dosierte Gabe von Natriumselenit wird der Rückgang des Ödemvolumens unterstützt und sogar das Entstehen von Entzündungen (Erysipelen) verhindert. Unterstützt werden kann dies durch die gleichzeitige Gabe von Enzymen. Interessant ist der hier untersuchte Ansatz, Selen quasi prophylaktisch einzusetzen, um Lymphödeme zu verhindern. Zukünftig sollte Patienten mit geplanter Neck-Dissection diese Supplementation empfohlen werden, um Ödeme im Gesichtsbereich schneller zum Abheilen zu bringen.

Glukokortikoide hemmen Zytostatikawirkung

Erstaunliches zeigt sich in einer vom Krebsforschungsinstitut in Heidelberg durchgeführten Untersuchung (Herr et al. / Cancer Res 63, 2003): Zellen solider Tumoren wie Zervix- und Lungen-Ca wachsen unter dem Einfluss von Glukokortikoiden schneller. Der Effekt sei unabhängig von der Art des Zytostatikums aufgetreten. Offenbar werden Enzyme, die den natürlichen Zelltod (Apoptose) forcieren, durch die Gabe von Kortison verstärkt inaktiviert. Bei Leukämiezellen war dies nicht der Fall. Die Forscher gehen davon aus, dass dieser Effekt nicht nur Plattenepithelkarzinome, sondern auch Adenokarzinome betrifft, also wahrscheinlich bei allen soliden Tumoren auftritt.

GfBK-Kommentar: Diese Ergebnisse regen insofern zum Nachdenken an, als dass Glukokortikoide bei den meisten chemotherapeutischen Regimes als Antiemetika eingesetzt werden. Klinische Studien zu dieser Frage sind dringend notwendig, in deren Folge vielleicht sogar eine Änderung der gängigen Begleittherapie bei Chemotherapien.

Schutz vor Mukositis durch Glutamin

In einer klinischen Studie konnte durch Verabreichung von Glutamin in einer speziellen Galenik gezeigt werden, dass Glutamin entgegen der bisherigen enttäuschenden Daten doch bei oraler Mukositis hilfreich sein kann. Dabei wurde das Präparat in einer Phase-III-Studie bei 326 Brustkrebspatientinnen, die unter anthrazyklinhaltiger Chemotherapie eine orale Mukositis WHO-Grad 2 oder mehr entwickelt hatten, geprüft (Peterson / Cancer 2007) Unter randomisierten Bedingungen erhielt dabei die eine Hälfte der Patientinnen während des nächsten Chemotherapiezyklus Glutamin als Suspension dreimal täglich, während die anderen Placebo erhielten. Ergebnis: Die Inzidenz klinisch signifikanter oraler Mukositiden betrug 38,7% statt 49,7%, die von schweren oralen Mukositiden 1,2% statt 6,7%.

GfBK-Kommentar: Mukositiden (Entzündungen der Mundschleimhaut) können als Nebenwirkungen einer Chemotherapie auftreten. Als prophylaktische wie auch lindernde Möglichkeiten bei bereits bestehender Entzündung haben sich aus naturheilkundlicher Sicht folgende Therapieansätze bereits bewährt: Gurgeln mit z.B. Salbei-Extrakt, Kamillen-Extrakt, Silicea Balsa, Lutschen von z.B. Traumeel Tabletten und Ölkauen. Um einen möglichst guten Therapieerfolg zu erreichen, ist es sinnvoll, einige Empfehlungen zeitgleich durchzuführen; häufig reichen aber auch einzelne Maßnahmen.

Zink mildert Radiatio-induzierte Mukositis

Eine Mukositis ist eine häufige Nebenwirkung unter Radiatio z.B. bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren. Eine taiwanesische Arbeitsgruppe untersuchte den Einfluss einer Zink-Supplementation auf die Entwicklung von Mukositiden (Lin / Int J Radiat Oncol Biol Phys 2006). Dabei erhielten 100 Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren anhand eines doppelblinden Studiendesigns entweder ein Zinkpräparat oder Placebo bis zum Ende der Strahlentherapie. Ergebnis: Patienten der Interventionsgruppe entwickelten eine Grad-2-Mukositis verzögerter und später als die Patienten, die kein Zink erhielten. Außerdem kam es bei den Patienten, die zusätzlich Zink erhielten, zu milderen Mukositisverläufen, ohne dass allerdings die Ausheilung der Läsionen durch die Zinkgabe beschleunigt werden konnte. Ob die Gabe von Zink auch einen Einfluss auf das Überleben hat, wird in dieser Studie noch weiter untersucht.

GfBK-Kommentar: Diese Studie ist insofern auch aufgrund der geringen Patientenzahlen aussagekräftig genug, da die Gruppen hinsichtlich demographischer Daten, Tumorcharakteristika und Therapie sowie auch hinsichtlich der Serum-Zink- und –Transferrin-Spiegel vergleichbar waren. Da bereits einige Studien zu diesem Thema vorliegen, bestätigt diese Untersuchung die auch von Anwendern gewonnen Erfahrung, dass vor allem die durch Radiatio oder Chemotherapie erzeugte Mukositis auf Zinkgabe anspricht. Wir empfehlen zur Vorbeugung und Behandlung schmerzhafter Entzündungen im Mund-Rachenraum geeignete Zinkpräparate in Dosierungen von 10-25 mg täglich

 

Vitamin E lindert Neurotoxizität

Eine neuroprotektive Wirkung von Vitamin E konnte bisher nur bei Cisplatingaben festgestellt werden. In einer randomisierten Studie mit 32 Patienten wurde untersucht, inwieweit Vitamin E auch unter Taxol neuroprotektiv wirksam ist (Argyriou / J Pain Symptom Manage 2006). Dazu erhielten die Patienten entweder ausschließlich eine taxolhaltige Chemotherapie oder zusätzlich 2 x täglich 300 mg Vitamin E. Um den Therapieeffekt zu überprüfen, wurde während und drei Monate nach der Chemotherapie neurologische Untersuchungen durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass bei den Patienten, die täglich 600 mg Vitamin E erhielten, deutlich weniger periphere Neuropathien als im Placeboarm auftraten (18,7 versus 62,5%).

GfBK-Kommentar: Bestimmte Chemotherapeutika (z.B. Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin, Taxol, Taxotere) können eine Polyneuropathie auslösen, die die Lebensqualität der Betroffenen bis hin zu stechenden Schmerzen erheblich einschränken können. In der Schulmedizin werden zur Behandlung von Polyneuropathien vor allem Schmerzmittel, aber auch Antidepressiva und Antikonvulsiva eingesetzt, die wiederum ihre Nebenwirkungen haben. Umso erfreulicher sind die Ergebnisse dieser Studie mit Vitamin E einzuschätzen, da effektive Therapieoptionen zur Behandlung der zytostatika-induzierten Polyneuropathie bisher kaum zur Verfügung stehen. In der komplementären Medizin haben einige Ärzte ebenfalls gute Erfahrungen mit der Anwendung von Magnesium, B-Vitaminkomplex, L-Carnitin und alpha-Liponsäure gemacht. Diese können je nach Ausprägung der Beschwerden auch miteinander kombiniert werden. Alpha-Liponsäure muss allerdings intravenös verabreicht werden. Eine große Bedeutung haben auch krankengymnastische Maßnahmen, z.B. Massagen und Wechselbäder. Und schließlich kann auch die lokale Anwendung eines Peelings schmerzlindernd sein.

 


Psyche

Patienten mit optimistischer Grundeinstellung leben länger

Patienten mit Lungenkrebs und einer optimistischen Einstellung leben länger als pessimistische Lungenkrebspatienten. Diese Erkenntnisse gewannen Forscher (Novotny et al. / Journal of Thoracic Oncology 2010). In der Studie identifizierten die Forscher pessimistische und optimistische Persönlichkeitsstile unter Patienten, indem sie die Optimismus-Pessimismus-Skala (PSM) des Minnesota Multiphasic Personality Inventory (MMPI) verwendeten. Sie untersuchten rückblickend 534 Lungenkrebspatienten, die circa 18 Jahre vor ihrer Diagnose einen MMPI vollendet hatten. Als optimistisch klassifizierte Patienten, lebten im Durchschnitt sechs Monate länger als Patienten mit einer pessimistischen Einstellung. Die fünfjährigen Überlebens-Raten für die zwei Gruppen lagen bei 33 Prozent für Optimisten und 21 Prozent für Pessimisten. Dieser Zusammenhang war unabhängig von Rauchen, dem Krebs-Stadium, dem Therapieverfahren, Komorbiditäten, dem Alter und dem Geschlecht der Betroffenen.

GfBK-Kommentar: Dass psychologische Faktoren einen Einfluss auf den Verlauf von Krebserkrankungen haben können, ist keine neue Erkenntnis, sondern wird seit Jahren von Forschungsbemühungen der sog. Psycho-Neuro-Immunologie gestützt. So konnte z. B. bestätigt werden, dass positive Gefühle, Freude und Lachen die Aktivität der Abwehrzellen erhöhen, während Ängste, Trauer oder Dauerstress die Abwehrleistung des Organismus beeinträchtigen. Umso wichtiger ist es, neben allen therapeutischen Bemühungen auch die psychische Stabilisierung in das Behandlungskonzept von Krebspatienten zu integrieren.

Krebspatienten fühlen sich bei Therapieentscheidungen nicht ausreichend informiert

Laut einer Umfrage bei 5000 Krebspatienten aus 49 deutschen onkologischen Fachpraxen und Tageskliniken bemängelte fast jeder dritte Patient, dass die Mitbestimmung bei Diagnostik- und Therapieentscheidungen unzureichend sei (PASQOC-Studie 2004).

Die häufigste Kritik an der onkologischen Versorgungssituation war ein verbesserungsbedürftiger Umgang mit Nebenwirkungen (39 Prozent). Am zweithäufigsten bemängelten immerhin 30 Prozent der Befragten eine unzureichende Mitbestimmung bei Diagnostik- und Therapieentscheidungen.

Dass der Wissenstand der Krebspatienten auch für die weitere Therapie der Patienten wichtig ist, zeigt übrigens eine amerikanische Untersuchung des Dana-Farber-Institutes, bei der gezeigt werden konnte, dass informierte Patienten häufiger modernste Arzneimittel erhalten als Uninformierte.

GfBK-Kommentar: Häufig fühlen sich Krebspatienten nicht ausreichend in Therapieentscheidungen einbezogen oder nicht genügend informiert. Es ist daher nicht verwunderlich, dass dieser Missstand von Patienten wie in der obigen Umfrage beklagt wird.

Vielen onkologisch tätigen Ärzten fehlt es im Praxis –und Klinikalltag an Zeit und leider oft auch an Kompetenz, die Fragen der Patienten einfühlsam, verständlich und umfassend zu beantworten.

Der Vorschlag der Autoren der Studie, dass insbesondere Psychoonkologen dazu beitragen können, die Versorgungssituation zu verbessern und daher das psychoonkologische Angebot ausgebaut werden müsse, ist zweifelsohne ein wichtiger Schritt. Ob er aber wirklich dazu beitragen kann, Patienten stärker mit einzubeziehen, bleibt abzuwarten, da die Patienten sich ja häufig wünschen, dass Ärzte sich Zeit nehmen und die meist sehr fachspezifischen Fragen beantworten.

Psychotherapie verbessert Überlebenschancen beim Mammakarzinom

In einer randomisierten Studie konnte gezeigt werden, dass eine psychologische Intervention die Prognose von Brustkrebspatientinnen verbessert (Andersen /Cancer 2008), wobei die Autoren die positiven Ergebnisse auf die günstigen immunologischen Auswirkungen der Entspannungsübungen zurückführten.

An der Studie hatten 227 Patientinnen mit Mammakarzinom im Stadium II oder III teilgenommen. Bei allen Frauen war der Tumor entfernt worden, und alle Frauen erhielten eine adjuvante Therapie. Zusätzlich wurden sie in zwei Gruppen randomisiert: entweder erhielten sie eine reguläre medizinische Betreuung oder eine spezielle psychologische Intervention. Dabei erlernten die Patientinnen nicht nur ein Entspannungstraining (Progressive Muskelentspannung), sondern sie wurden auch zu sportlichen Tätigkeiten ermuntert und erhielten Ernährungstipps. Außerdem boten die Therapeuten Unterstützung bei therapiebedingten Symptomen (z.B. Fatigue) und im sozialen Umfeld an.

Die Intervention senkte sowohl die Rezidivrate als auch das Risiko, an Brustkrebs zu sterben. Die Gesamtsterblichkeit war im Interventionsarm nur halb so hoch wie in der Vergleichsgruppe. Rezidive traten im Interventionsarm der Studie durchschnittlich sechs Monate später auf. Die Überlebenszeit der verstorbenen Teilnehmerinnen wurde von durchschnittlich 4,8 auf 6,1 Jahre verlängert.

GfBK-Kommentar: Dass Entspannungsverfahren vielen Krebspatienten helfen können, die Situation besser zu verkraften, ist naheliegend und konnte auch schon in den 80er- und 90er-Jahren gezeigt werden sowie im Jahr 2007 in einer weiteren randomisierten Langzeitstudie (Küchler / Journal of Clinical Oncology 2007). Auch hier lebten Krebspatienten, die während ihrer Diagnose von Psychotherapeuten betreut wurden und psychosoziale Unterstützung erhielten, deutlich länger als unbetreute Patienten. Dabei wurden Langzeitdaten von 271 Patienten verglichen, die in den Jahren 1991-93 eine positive Krebsdiagnose erhielten. Von den psychotherapeutisch betreuten Patienten lebten nach 10 Jahren noch 29 von 136 Patienten, wohingegen in der anderen Gruppe nur 13 von 135 Patienten überlebten. Das bedeutet, dass Krebspatienten, die sich psychotherapeutisch betreuen lassen, etwa eine mehr als doppelt so hohe Überlebenswahrscheinlichkeit haben, wie normal therapierte Patienten.

Insofern ist eine Psychotherapie kombiniert mit einer gezielten und bewussten Entspannung in der Lage, neben der seelischen Stabilisierung und dem Abbau von Ängsten den Verlauf einer Krebserkrankung positiv zu beeinflussen. Als Entspannungsverfahren für Krebspatienten geeignet sind beispielsweise Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder Visualisierungsübungen.

Jeder zweite Patient will die Therapie mit entscheiden

Ob Patienten bei ihrer Therapie mit entscheiden wollen, wurde in einer groß angelegten Studie an über 3000 Patienten untersucht (Floer / Dt. Med. Wochenschr. 129, 2004). Mehr als die Hälfte der Patienten gaben an, dass sie sich an der Therapieentscheidung beteiligen möchten. Vor allem jüngere Patienten wünschten sich eine partnerschaftliche Entscheidung mit ihrem Arzt; 40 % der älteren Patienten wollten die Entscheidung lieber dem Arzt überlassen. Einen Einfluss auf die Antwort hatte auch der derzeitige Gesundheitszustand. So stieg der Anteil der Patienten, die sich wünschen, dass der Arzt entscheidet, mit der Schwere der Erkrankung.
Die Autoren der Studie fragten auch, welche Rolle das Arzt-Patienten-Gespräch in der gemeinsamen Entscheidungsfindung hat. Dabei waren Mehrfachnennungen möglich. Hier zeigte sich, dass immer noch zu wenige Patienten das Gefühl haben, gut beraten zu sein. Weniger als die Hälfte (49 %) der Patienten erklärten, dass ihr Arzt ihnen Behandlungsalternativen vorgeschlagen und die Vor- und Nachteile erklärt hat. Nur jeder Dritte (37 %) wurde nach seinen Vorstellungen zum Behandlungsergebnis gefragt. Nur jeder vierte Patient (27 %) wurde aufgefordert, Fragen zu stellen. Nur jeder Fünfte (20 %) erhielt Informationsmaterial oder Tipps, wo er sich sonst noch umfassend informieren konnte.

GfBK-Kommentar: Diese Untersuchung bestätigt die Erfahrung, dass Betroffene in die ärztlichen Entscheidungen mit eingebunden werden wollen. Leider scheint dies in der Praxis nicht immer umsetzbar zu sein. Dabei versteckt sich hinter diesem Wunsch der meisten Patienten nichts anderes, als in ihrem subjektiven Krankheitserleben von ihrem Arzt ernst genommen zu werden. Allerdings muss dies nicht nur an den behandelnden Ärzten liegen. Die Autoren einer anderen Studie vermuten, dass vielen Patienten noch der Mut oder die Gelegenheit fehlt, ihre Wünsche und Erwartungen ihrem Arzt offener mitzuteilen. Umso mehr eine Auforderung an die Ärzteschaft, aktiv zuzuhören und bei seinen Patienten gezielt nachzufragen, wenn Therapieentscheidungen anstehen.


Bewegung

Sport reduziert Gelenkschmerzen unter Einnahme von Aromatasehemmern

Durch regelmäßige sportliche Aktivität lassen sich Gelenkbeschwerden reduzieren, die unter der Einnahme von Aromatasehemmern auftreten. Zu diesem Ergebnis kommt die HOPE (HOrmone and Physical Exercise) - Studie, die den Effekt von sportlicher Aktivität auf das Ausmaß der Gelenkbeschwerden untersucht hat (Irwin MI et al.; Abstr. S3-03; 36th San Antonio Breast Cancer Symposium, 10.-14.12.2013, San Antonio, USA).
Dabei nahmen 121 durchschnittlich 60 Jahre alte Patientinnen mit HR-positivem Brustkrebs an der HOPE-Studie teil, die bereits seit 1,5 Jahren mit einem Aromatasehemmer behandelt wurden und unter mindestens leichten Arthralgien litten. Sie wurden in zwei Studienarme randomisiert: die eine Gruppe erhielt ein einjähriges Sportprogramm (n=61), die andere Gruppe nur die übliche Betreuung ohne Sportprogramm (n=60). Das Sportprogramm bestand aus einem überwachten Krafttraining zweimal wöchentlich und einem Ausdauertraining, z.B. auf dem Laufband, über 2,5 Stunden wöchentlich.
Durchschnittlich trieben die Frauen mit wöchentlich 159 Minuten rund dreimal mehr Sport als die Frauen des Kontrollarms (49 min). Das hatte nicht nur einen positiven Effekt auf das Körpergewicht und auf die maximale Sauerstoffaufnahme. Auch die mittels BPI (Brief Pain Inventory) erfassten Schmerzen nahmen bei den sportlich aktiven Frauen um etwa 1,25 Punkte ab, während in der Kontrollgruppe die Schmerzen im gleichen Zeitraum leicht angestiegen waren. Ähnlich fielen die Veränderungen beim stärksten Schmerz und bei den Schmerzauswirkungen aus. Insgesamt besserten sich die Arthralgien durch den Sport um 30%. Auffällig war auch, dass die Besserungen im BPI-Score umso ausgeprägter waren, je aktiver sich die Frauen am Sportprogramm beteiligten.

GfBK-Kommentar: Auch wenn die Patientinnen nur über ein Jahr am Sportprogramm teilnahmen, so zeigt diese Studie deutlich, dass häufig als nicht therapierbar geltende Gelenkschmerzen unter Aromatasehemmern durch körperliche Aktivität gelindert werden können. Leider konnte durch die Studie nicht geklärt werden, ob der positive Effekt auf das Ausdauer- oder eher auf das Krafttraining oder auf beide Übungsarten zurückzuführen war.
Raten Sie daher Ihren Patientinnen zu mehr körperlicher Aktivität, zumal die meisten Patientinnen körperliche Aktivitäten aufgrund der Gelenkschmerzen eher vermeiden. Im Vergleich zu schulmedizinischen Therapien schneidet Sport sogar mindestens gleichwertig und bei steigender Trainingsstärke sogar besser ab; diesen Effekt zeigen mehrere großangelegte prospektive Studien (Holmes et al / JAMA 2005). So reduzierte circa eine Stunde schnelles Gehen pro Woche im Vergleich zu Frauen mit weniger Bewegung das Rezidivrisiko um 20 Prozent, bei zwei bis drei Stunden wöchentlich betrug die Risikoreduktion 40 und bei mehr als drei Stunden 50 Prozent.

Sport verdoppelt Überlebenschancen bei Darmkrebs

Dass Frauen, die sich viel körperlich bewegen, nur halb so häufig an der Brustkrebs-Diagnose versterben, haben neuere Studien klar gezeigt. Doch offenbar kann moderater Sport auch die Überlebenschancen von Männern mit Darmkrebs verbessern, berichten US-Forscher aus Boston (Meyerhardt et al. / Arch Intern Med 2009).

Dabei wurde der Krankheitsverlauf bei knapp 670 Männern ohne Metastasen aus der Health Professionals Studie anhand eines Follow-Ups über eine Zeit von im Mittel 8,6 Jahren analysiert. Außerdem wurde mithilfe von Fragebögen bestimmt, wie viel Sport die Männer nach der Krebsdiagnose durchführten. Daraus ermittelten die Forscher das metabolische Äquivalent (MET). Ein MET entspricht dabei dem Energieverbrauch von einer Kilokalorie je Kilogramm Körpergewicht pro Stunde.

Das Ergebnis: Von den Männern ohne jegliche körperliche Aktivität (weniger als 3 MET-Stunden pro Woche) starben etwa 17 Prozent an Darmkrebs, von den Männern mit mehr als 27 MET-Stunden pro Woche waren es dagegen nur 9 Prozent. 27 MET-Stunden entsprechen dabei etwa vier bis fünf Stunden gemütlich Radeln oder Schwimmen in der Woche. Wurden Faktoren wie Tumorstadium, Alter und Krankheitsdauer berücksichtig, so war bei den sportlich Aktiven die tumorbedingte Sterberate um 53 Prozent reduziert, und die Gesamtsterberate war um 41 Prozent niedriger als bei den trägen Darmkrebskranken.

Auch hier vermuten die Forscher ebenso wie bei Brustkrebs, dass kolorektale Tumore insulinabhängig wachsen. Sport reduziert dabei offenbar die Insulinkonzentration und damit auch potentielle Wachstumsfaktoren wie z.B. den Insulin-like-growth-factor (IGF) im Gewebe.

GfBK-Kommentar: Diese Studie zeigt wieder einmal, dass nicht immer Medikamente notwendig sind, um die Überlebenschancen zu verbessern. Zum Vergleich: Eine adjuvante Behandlung mit einer nebenwirkungsreichen Chemotherapie erreicht bei Darmkrebspatienten gerade mal einen Überlebensvorteil von maximal 20 Prozent. Daher ist die Empfehlung, als Krebspatient regelmäßig Sport zu treiben eine sinnvolle Ergänzung und sogar noch besser wirksam als die herkömmliche Krebstherapie. Allerdings sollten die Patienten darauf achten, das richtige Maß zu halten und ihre Kräfte nicht zu überschätzen: 4 Stunden moderate Bewegung in der Woche reichen aus, um oben genannte Effekte zu erzielen.

Sport ist bei Krebs ist mindestens so wichtig wie ein Krebsmedikament

Mehrere großangelegte prospektive Studien haben gezeigt, dass körperliche Aktivität Tumorpatienten vor Rezidiven schützt, darunter Daten der Nurses’ Health Study (Holmes / JAMA 2005) So wurden 2987 Frauen mit der Diagnose Brustkrebs bis zu 18 Jahre lang nachbeobachtet. Circa eine Stunde schnelles Gehen pro Woche reduzierte im Vergleich zu Frauen mit weniger Bewegung das Rezidivrisiko um 20 Prozent, bei zwei bis drei Stunden wöchentlich betrug die Risikoreduktion 40 und bei mehr als drei Stunden 50 Prozent – allerdings nur bei Frauen mit hormonrezeptorpositiven Tumoren. Eine zehnjährige Nachbeobachtung von 573 Frauen mit kolorektalen Karzinomen aus derselben Studienpopulation ergab, dass bei regelmäßiger Bewegung (sechs Stunden Gehen pro Woche) die Gesamtmortalität um 43 und die spezifische Mortalität um 39 Prozent niedriger war als bei Frauen, die sich weniger als eine Stunde pro Woche bewegten (Meyerhardt / Journal of Clinical Oncology 2006)

Gründe dafür könnten sein, dass bei postmenopausalen Frauen, die körperlich aktiv seien, möglicherweise durch die Reduktion von Körperfett geringere Konzentrationen von Östrogenvorstufen (die in der Postmenopause v.a. aus dem Fettgewebe gebildet werden) freigesetzt werden als bei Frauen mit wenig Bewegung. Außerdem können ER-Rezeptoren auch durch Wachstumsfaktoren wie z.B. Insulin-like-growth-factor (IGF) aktiviert werden. Deren Konzentration jedoch sinkt bei moderatem Ausdauertraining von beispielsweise 150 Minuten pro Woche signifikant, wie eine in diesem Jahr publizierte Studie mit Brustkrebsüberlebenden ergab (Levin et al. / Cancer Epidemiology Biomarkers & Prevention 2009).

GfBK-Kommentar: Wer Patienten empfiehlt, sich nach einer konventionellen Krebsbehandlung auszuruhen, ist nicht mehr auf dem neuesten Stand der Forschung. Da in mehreren Studien überzeugend gezeigt werden konnte, dass Bewegung und Sport die Heilungschancen verbessert, ist ein breites Umdenken erforderlich. Dabei bedeutet die Empfehlung, sich zu bewegen, nicht gleich zum Hochleistungssportler zu werden. Laut Experten reicht eine moderate sportliche Betätigung mindestens drei Mal in der Woche je 45 Minuten aus, um das Rezidivrisiko zu reduzieren.

Da sportliche Aktivität auch in der primären Prävention effektiv ist (allein für hormonabhängig wachsende Tumoren der Brust beträgt die Risikoreduktion etwa 30 %), sollte außerdem jeder Gesunde daran denken, regelmäßig Sport zu machen.


Brustkrebs

Soja schützt vor Brustkrebs

Ob Sojaverzehr das Brustkrebsrisiko bei prä- und postmenopausalen Frauen senken kann, untersuchte eine große prospektive chinesische Studie (Baglia ML et al. / Int J Cancer 2016). Dazu wurde die Verzehrmenge von 70.578 chinesischen Frauen (40–70 Jahre) analysiert, und die Frauen wurden durchschnittlich 13,2 Jahre nachbeobachtet.
Das Ergebnis: Die täglich verzehrte Sojamenge war umgekehrt mit dem Brustkrebsrisiko assoziiert. Bei Aufnahme von 3,5 g Soja pro Tag als Referenz mit einem Risiko von 1,0, sank das Risiko bei höherer Aufnahme von 16,0 g pro Tag auf 0,78. Am deutlichsten war die Risikosenkung des Brustkrebsrisikos bei prämenopausalen Frauen um 54 Prozent.
Eine Auswertung bezogen auf den Hormonrezeptor-Status zeigte eine Reduktion des Risikos für hormonrezeptor-negative Mammakarzinome bei prämenopausalen Frauen um 54 Prozent und für hormonrezeptor-positive Mammakarzinome bei postmenopausalen Frauen um 28 Prozent. Zwischen HER-Status und Sojaverzehr fand sich kein Zusammenhang.

GfBK-Kommentar: Diese Studie zeigt erneut dass eine hohe tägliche Aufnahme von Soja das Brustkrebsrisiko senken kann und unterstreicht andere Hinweise aus Studien, dass durch die Einnahme von Soja die Prognose bei bereits bestehendem Brustkrebs verbessert werden kann (Guha N/Breast Cancer Research 2009).
Grundlage des antiöstrogenen Effektes von Phytohormonen auf das Brust(krebs)gewebe ist die selektive Wirksamkeit auf bestimmte Rezeptortypen. So haben Phytohormone neben der 1.000-fach geringeren Hormonwirkung als Östrogene eine weitere ganz besondere Eigenschaft. Sie wirken als sogenannte selektive Östrogen-Rezeptor-Modulatoren (SERM), die an vor allem an ER-Beta-Rezeptoren binden und dadurch das Gewebe von Brust und Gebärmutter vor ungesundem Zellwachstum schützen.
Bemerkenswert an dieser Studie ist die Beobachtung, dass besonders prämenopausale Frauen mit hormonrezeptor-negativen Mammakarzinomen von einem hohem Sojaverzehr profitieren. Das könnte bedeuten, dass Soja den Schutz vor Krebs nicht allein über eine hormonähnliche bzw. antihormonelle Wirkung vermittelt. So ist bekannt, dass durch Pflanzenstoffe vielfältige Reaktionen, die krebsvorbeugend wirken, im Organismus ausgelöst werden können (Apoptose, Angiogenesehemmung).
Bei der Diskussion um die gesundheitsfördernde Wirkung von Sojaprodukten ist es allerdings wichtig zu wissen, dass Asiaten sehr früh, meist seit der Kindheit und überwiegend fermentiertes Soja verzehren. Ob dieselbe Wirkung auch von den bei uns erhältlichen stark verarbeiteten und oftmals genmanipulierten Sojaprodukten ausgeht, muss als fraglich eingeschätzt werden.
Außerdem haben Asiaten durch die traditionelle Ernährung eine andere Darmflora als wir, was Einflüsse auf die Umwandlung und Aufnahme von Substanzen aus der Nahrung haben kann. Schätzungen zufolge können nur ein Drittel der westlichen Bevölkerung Isoflavonglykoside aus Soja in die aktiven Endsubstanzen umwandeln, was auch erklärt, warum nicht immer die entsprechenden Äquivalente im Blut nachweisbar sind.
Daher sind wir der Auffassung, dass nicht eine einzelne Substanz aus der Nahrung „herausgepickt“ und „kausal“ dem beobachteten Effekt zugeordnet werden kann. Viel wichtiger ist es, eine vielseitige pflanzenkostreiche Ernährung, die einen natürlichen Verbund an Phytohormonen (Soja, Linsen, Hülsenfrüchte und Leinsamen) und sekundären Pflanzenstoffen (Grüner Tee, Kohlgemüse, Gelbwurz etc.) enthält, zusammenzustellen.

Mamma-Ca: Lymphknoten bestrahlen verlängert nicht das Leben

Werden zusätzlich zur Bestrahlung der gesamten Brust die regionalen Lymphknoten mitbestrahlt, verringert das zwar das Rückfallrisiko, hat aber keinen Einfluss auf das Sterberisiko bzw. das Gesamtüberleben. Dies zeigte die kanadische MA-20-Studie (Whelan TJ et al. / N Engl J Med 2015) anhand von 1832 Frauen, die zwischen 2000 bis 2007 untersucht wurden und nodalpositive oder Hochrisiko-nodalnegative Mammakarzinome im Frühstadium hatten.
Nachdem die Patientinnen mit einer brusterhaltenden Operation und einer adjuvanten Therapie, behandelt wurden, erhielten sie 2:1 randomisiert entweder eine Bestrahlung der ganzen Brust plus eine regionale Lymphknotenbestrahlung (RNI-Gruppe) oder eine alleinige Ganzbrustbestrahlung (Kontrollgruppe). Primärer Studienendpunkt war das Gesamtüberleben, wobei die mediane Nachbeobachtungszeit 9,5 Jahre betrug.
Die Ergebnisse waren eindeutig: Im Gesamtüberleben über 10 Jahre war kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen erkennbar: 82,8% in der RNI-Gruppe und 81,8% in der Kontrollgruppe. Nur in der Subgruppenanalyse zeigte sich, dass Patienten mit ER-negativem Brustkrebs in der RNI-Gruppe mit 81,3% ein signifikant höheres 10-Jahres-Gesamtüberleben als in der Kontrollgruppe (73,9%) hatten.
Beim krankheitsfreien 10-Jahres-Überleben (sekundärer Studienendpunkt) sah es etwas anders aus: Hier schnitt die RNI-Gruppe bei 82,0% im Vergleich zu 77,0% in der Kontrollgruppe um absolut 5% besser ab. Dieser minimale Unterschied zeigte sich auch in den Raten für das krankheitsfreie 10-Jahres-Überleben bis zum Auftreten vereinzelter lokoregionärer Rezidive (95,2% in der RNI-Gruppe versus 92,2% in der Kontrollgruppe) und bis zum Auftreten von Fermmetastasen (86,3% in der RNI-Gruppe versus 82,4% in der Kontrollgruppe).
Eine zusätzliche Bestrahlung der Lymphknoten war allerdings mit mehr Nebenwirkungen verbunden: So litten Patientinnen in der RNI-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe häufiger unter akuter Pneumonitis (1,2% versus 0,2%) und Lymphödemen (8,4% versus 4,5%).

GfBK-Kommentar: An dieser Studie sieht man, wie von Fachgesellschaften und daraufhin auch von der Presse eigentlich eindeutige Ergebnisse auch anders interpretiert werden können. So liest man in einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie vom August 2015 mit Bezug auf die oben beschriebene Studie, das „viele Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium von einer erweiterten Strahlentherapie profitieren, bei der die Ärzte auch die benachbarten Lymphknoten in das Strahlenfeld einbeziehen“. Begründet wird dies vermutlich mit den Zahlen des krankheitsfreien Überlebens, deren Gebrauch in der Medizin aber umstritten ist, da dieser nicht patientenrelevant ist. In der Pressemitteilung heißt es weiter: „... stieg hierdurch der Anteil der Patientinnen, die ohne Tumorrückfall und am Leben blieben, um mehrere Prozentpunkte.“ Die viel wichtigeren Daten zum Gesamtüberleben werden dabei nicht erwähnt und somit der Eindruck erweckt, dass von der erweiterten Bestrahlung auch Frauen profitieren, deren Lymphknoten frei von Krebszellen sind. Es ist unserer Ansicht nach ungeheuerlich, dass eine medizinische Fachgesellschaft solche Schlussfolgerungen formuliert.

Paradontitis erhöht das Krebsrisiko

Ein Zusammenhang zwischen Parodontitis und Krebs konnte jetzt erneut in zwei Studien gezeigt werden. So haben postmenopausale Frauen mit Parodontitis ein erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, insbesondere wenn sie in der Vergangenheit geraucht haben. Dies kam in der Auswertung einer prospektiven Beobachtungsstudie aus Daten der Women's Health Initiative Observational Study von über 70000 Frauen heraus (Freudenheim JL et al. / Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2015). Dabei wurde beobachtet, dass vor allem Frauen mit Parodontitis, die in den letzten 20 Jahren das Rauchen aufgegeben hatten oder die noch aktive Raucherinnen waren, ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben. Bei beiden Gruppen war das Brustkrebsrisiko um über 30 Prozent erhöht.
Der gleiche Zusammenhang wurde auch durch 26-Jahres-Daten der Health Professionals Follow-up Study (HPFS) an 19933 Männern bestätigt (Michaud DS et al. / Ann Oncol 2016). Wichtig ist an dieser Studie, dass nur Daten von Männern ausgewertet wurden, die nie geraucht hatten, da Rauchen als Hauptrisikofaktor für die Paradontitis gilt. Das Ergebnis: Im Vergleich zu Männern ohne Paradontitis lag die Krebsrate bei Parodontitis um 13 Prozent und bei fortgeschrittener Parodontitis um 44 Prozent höher. Dabei betraf der Krebsanstieg jedoch nicht die häufigsten Tumoren (Prostata, Darm und Haut), sondern vor allem die Tumore, für die eigentlich Rauchen ein Risikofaktor ist, nämlich Tumore der Lunge, Blase, Oropharynx, Ösophagus, Niere, Magen und Leber. Diese traten bei den nicht-rauchenden Männern mit Parodontitis um 33 Prozent häufiger auf. Bei fortgeschrittener Parodontitis war das Risiko für einen tabakassoziierten Krebs sogar um das 2,5-Fache gesteigert.

GfBK-Kommentar: Diese beiden Studien bestätigen die Ergebnisse aus früheren Untersuchungen, die zeigen konnten, dass eine Parodontitis mit einer erhöhten Rate von Krebserkrankungen assoziiert ist.
Grund dafür, dass eine Parodontitis verschiedene Krankheiten beeinflusst, ist vermutlich, dass das entzündliche Geschehen sich nicht nur auf die Mundhöhle beschränkt, sondern auch Auswirkungen auf systemische Entzündungsprozesse und das Immunsystem hat.
Auch hier gilt sowohl für Ärzte und deren Patienten ein einfacher Ratschlag: Halten Sie eine gute Mundhygiene ein: 2-3 x täglich Zähne putzen, 1 x inklusive Zahnseide und/oder Interdentalbürstchen und eine professionelle Zahnreinigung einmal jährlich. Denn Menschen mit Paradontitis weisen nicht nur ein erhöhtes Krebsrisiko auf, sondern auch eine erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden oder an einem Diabetes mellitus zu erkranken.
Alternativ ist zu diskutieren, dass primär ein generalisierter entzündlicher Prozess im Körper vorliegt, von dem das Zahnfleisch „lediglich ebenfalls“ betroffen ist. Zusätzlich zu der vorstehend beschriebenen, gezielten Mundhygiene sollte daher bei Parodontitis auch nach einem generalisierten entzündlichen Geschehen im Körper gefahndet und dieses ggfls. beseitigt werden.

Mamma-Ca: Lange Nüchternphasen in der Nacht schützen vor Rückfällen

Frauen, die länger schlafen und dadurch länger nüchtern sind, senken möglicherweise ihr Rückfallrisiko bei Mammakarzinom im Frühstadium. Dies konnten Forscher aus San Diego bei 2413 Brustkrebspatientinnen ohne Diabetes nahelegen, die an der prospektiven Women’s Healthy Eating and Living-Studie zwischen 1995 und 2007 teilgenommen hatten. In der nun veröffentlichten Studie wurde aus den gewonnenen Daten zum Schlaf- und Essverhalten untersucht, ob sich bei den durchschnittlich 52 Jahre alten Frauen durch die Dauer der Nahrungskarenz während der Nacht das Rezidivrisiko verändert (Marinac CR et al. / JAMA Oncol 2016). Die Nachbeobachtungszeit lag bei durchschnittlich 7,3 Jahren, das Alter lag zwischen 27 und 70 Jahren.
Die Dauer der Nahrungskarenz wurde indirekt ermittelt, indem die Differenz zwischen der ersten und der letzten Mahlzeit berechnet wurde. Außerdem wurden die Patientinnen befragt, wie lange sie nachts in den letzten vier Wochen geschlafen hatten.
Die Auswertung ergab, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Rezidiv bei einer Dauer der Nahrungskarenz unter 13 Stunden während des Schlafes im Vergleich zu einer längeren Dauer um 36% erhöht war. Der Zusammenhang zwischen Schlafdauer und krebsspezifischer sowie Gesamtmortalität war dagegen nicht signifikant.
Außerdem zeigte sich ein Zusammenhang zwischen längerem nächtlichen Fasten und dem HbA1c-Wert. Dieser sank mit jeder um zwei Stunden verlängerten Nachtruhe um 0,37 mmol/mol (2,8%). Das C-reaktive Protein blieb hingegen unbeeinflusst und stieg nur bei einer Nahrungsaufnahme nach 20 Uhr an. Eine Nahrungsaufnahme nach 20 Uhr war auch mit einem höheren BMI assoziiert.

GfBK-Kommentar: Schon länger wird vermutet, dass kurzzeitiges Fasten Krebstumore schrumpfen lassen kann. Zuletzt hat dies ein Forscherteam in Versuchen an Mäusen festgestellt, die jeweils zwei bis drei Tage vor einer Chemotherapiegabe nichts zu fressen erhielten, mit dem Ergebnis, dass die Chemotherapie bei diesen Tieren besser wirken konnte (Lee C et al./ Science Translational Medicine 2012).
Durch diese aktuelle Studie am Menschen wird etwas klarer, warum kurzfristiges Fasten einen positiven Einfluss haben könnte, nämlich durch die Beeinflussung von Biomarkern und damit des Stoffwechsels. Schon vor einiger Zeit zeigten Versuche mit Mäusen, dass die Tiere, die eine fettreiche Nahrung erhielten, durch eine verlängerte Schlafphase von bis zu 16 Stunden vor einer Störung des Glukosemetabolismus, Entzündungen und Gewichtszunahme geschützt sind (Hatori M, Panda S et al. / Cell Metabolism, 2012). Dies könnte auch beim Menschen funktionieren. So zeigte eine andere klinische Pilotstudie um Valter Longo, dem Direktor des „Longevity Institute“ an der Universität von Südkalifornien in Los Angeles, dass durch längeres nächtliches Fasten der Spiegel des C-reaktiven Proteins gesenkt werden kann.
Bestätigt wird durch diese Untersuchungen, dass es hilfreich sein kann, vor allem bei übergewichtigen Patientinnen auf das simple Intervallfasten hinzuweisen, bei dem es darauf ankommt, am Tag eine oder mehrere Mahlzeiten auszulassen, so z. B. das Frühstück oder das Abendessen.

Mammakarzinom: Langzeit-Lebensqualität durch adjuvante Therapie eingeschränkt

In der derzeit grössten prospektiven Studie zur Lebensqualität bei Mammakarzinom-Patientinnen wiesen Frauen, die eine adjuvante Therapie erhalten hatten, eine deutlich schlechtere Lebensqualität auf als Frauen ohne adjuvante Therapie (Ganz PA et al. / J Natl Cancer Inst 94, 2002).

GfBK-Kommentar: Dieses Ergebnis ist insofern erstaunlich, da Chemotherapie und/oder antihormonelle Therapie bei den befragten Patientinnen 5-10 Jahre zurücklagen. Nicht nur bei den Autoren, sondern auch bei uns stellt sich daher die Frage, ob eine adjuvante Therapie Frauen mit einem geringen zu erwartenden Nutzen weiter angeboten werden sollte. Zumindest bei Frauen in der Postmenopause sollte über eine Verringerung der Anzahl der Chemotherapiezyklen nachgedacht werden (s.o.). Um die Nebenwirkungen einer adjuvanten Therapie zu verringern und die Langzeit-Lebensqualität bei Patientinnen mit Mammakarzinom zu verbessern, gehören komplementäronkologische Aspekte (Mistel, Vitamine, Spurenelemente, Enzyme) in jedes adjuvante Therapiekonzept.

Mammakarzinom: 3 Zyklen CMF reichen

3 Zyklen CMF sind ebenso effektiv wie die bisher üblichen 6 Zyklen. Dies zeigt die Analyse von zwei Studien mit je 735 und 289 Patientinnen (Colleoni M et al. / Brit J Cancer 86, 2002). Die krankheitsfreien 5-Jahres-Überlebensraten betrugen 54% (bei 3 Zyklen) und 55% (bei 6 Zyklen). Das Gesamtüberleben unterschied sich mit 74% (3 Zyklen) vs. 75% (6 Zyklen) ebenfalls nicht signifikant. Die Analyse der Subgruppen zeigte, dass drei Zyklen CMF bei Patientinnen, die mindestens 40 Jahre alt waren und östrogenrezeptor-positive Tumoren hatten, völlig ausreichten. Jüngere Frauen mit östrogenrezeptor-negativen Tumoren scheinen hingegen 6 Zyklen CMF zu benötigen.

GfBK-Kommentar: Der bisherige CMF-Standard der adjuvanten Mammakarzinomtherapie in der Postmenopause gerät angesichts dieser Ergebnisse ins Wanken. Außerdem ist die Frage zu stellen, ob bei praemenopausalen Patientinnen nicht auch 3 Zyklen CMF in Anbetracht zusätzlicher endokriner Behandlungsregimes genügen.

Mammakarzinom: Chemotherapie in Tablettenform

Capecitabin (Xeloda®), ein orales 5-FU-Präparat, wird in Zukunft wohl nicht nur bei metastasierten Magen-Darm-Tumoren eine interessante Alternative zur rein intravenösen Chemotherapie sein. So zeigte sich in neueren Studien eine verbesserte Prognose bei Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs sowohl in der Monotherapie als auch in Kombination mit Docetaxel, besonders nach vorherigem Versagen von Anthrazyklinen.

GfBK-Kommentar: In der Praxis kann die Verabreichung durch das gehäufte Auftreten eines Hand-Fuß-Syndroms und/oder Mukositiden limitiert sein, so dass Dosisreduktionen erforderlich sind. Insbesondere ist bei der Verabreichung von Capecitabin eine bessere Patientenaufklärung erforderlich, um höhere Toxizitätsgrade im Rahmen des häufig ambulanten Settings rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Mammakarzinom: Bisphosphonate als Adjuvans?

Bekannt ist, dass durch die Gabe von Bisphosphonaten die Beschwerden durch Knochenmetastasen wirksam gelindert werden können. In Zellkulturen konnte inzwischen gezeigt werden, das Bisphosphonate nicht nur die Apoptose von Osteoklasten, sondern auch von Brustkrebszellen induzieren können. Eine placebokontrollierte Studie mit 1076 Patientinnen (Powels et al. / J Clin Oncol 20, 2002) konnte inzwischen die Ergebnisse der ersten Präventionsstudie (Diel et al. / N Engl J Med 339, 1998) bestätigen, dass die Gabe von oralem Clodronat Knochenmetastasen vorbeugen hilft. So zeigte sich unter Gabe von 1600 mg/d Clodronat bei Frauen mit Mammakarzinom ohne besondere Risikokonstellation eine signifikante Reduktion des Auftretens von Knochenmetastasen und eine Senkung der Gesamtmortalität. Die Häufigkeit des Auftretens von viszeralen Metastasen blieb im Vergleich zur ersten Präventionsstudie unverändert. 5 Jahre nach Beginn der Behandlung war der Unterschied der geringeren Inzidenz von Knochenmetastasen allerdings nicht mehr signifikant. Inwieweit eine längere Applikationszeit zur Verbesserung der Wirksamkeit beitragen kann, wird momentan in einer amerikanischen Studie mit ca. 2.400 Patientinnen geprüft.

GfBK-Kommentar: Ob Frauen mit Mammakarzinom adjuvant mit oralen Bisphosphonaten therapiert werden sollten, kann aufgrund der aktuellen Studienlage nicht eindeutig beantwortet werden. Noch ungeklärt ist insbesondere, wie lange eine prophylaktische Gabe erfolgen sollte und ob eine intravenöse Applikation in der adjuvanten Situation ähnlich wirksam ist. Die bisherige, in Studien durchgeführte orale Gabe über 2 Jahre scheint jedenfalls nicht ausreichend zu sein. Ob Patientinnen mit einem erhöhten Risikoprofil besonders von einer Bisphosphonatgabe profitieren und ob der Einsatz von Bisphosphonaten neben der Knochenmetastasenprophylaxe auch unter dem Gesichtspunkt der Osteoporosevorbeugung unter antihormoneller Therapie wichtig ist, sind ebenfalls wichtige noch zu klärende Fragestellungen.

Neuer Metastasierungsmechanismus entdeckt

In einer Untersuchung von Forschern der Universität München wurde der Fragestellung nachgegangen, warum manche Patientinnen mit Brustkrebs auch Jahre nach der Primäroperation noch Sekundärtumore bekommen (Schmidt-Kittler O et al. / Proc Natl Acad Sci 100, 2003). Dazu versuchten die Forscher, bei 371 Mammakarzinom-Patientinnen disseminierte Zellen im Knochenmark zu isolieren und diese auf genetische Aberrationen hin zu untersuchen. Es zeigte sich, dass Zellen von Patientinnen mit metastasierten Tumoren deutlich mehr Gendefekte aufwiesen als die Zellen von Patientinnen ohne Metastasierung. Bemerkenswert war, dass sich die gefundenen Gendefekte in der Mehrzahl der Fälle von denen im Primärtumor unterschieden. Die Autoren gehen davon aus, dass sich die für die spätere Metastasierung verantwortlichen Zellen unabhängig vom Primärtumor entwickeln und nicht wie häufig angenommen aus den am meisten fortgeschrittenen Zellen eines Primärtumors entstehen.

GfBK-Kommentar: Die Annahme, dass Tumore erst dann metastasieren, wenn die Tumorzellen hochgradig genetisch verändert und entdifferenziert sind, wird durch diese Untersuchung in Frage gestellt. Das vom Primärtumor völlig unabhängige Entwicklungsverhalten metastasierter Zellen könnte auch die eingeschränkte Wirksamkeit speziell auf den Primärtumor ausgerichteter Therapien (Chemo- oder Antihormontherapie) erklären. Insbesondere bei Brustkrebspatientinnen könnte dieses Entwicklungsverhalten auch erklären, warum eine radikale Mastektomie gegenüber einer brusterhaltenden Operation die Metastasierungsrate nicht verringert. Es stellt sich für uns auch die Frage, inwieweit zukünftig durch verbesserte molekularbiologische Untersuchungsmethoden an disseminierten Zellen eine bessere Voraussage über die Treffsicherheit z.B. einer zytostatischen Therapie gemacht werden kann.

Nachtarbeit und Brustkrebsrisiko

Blinde Frauen erkranken um 36% seltener an Brustkrebs (Kliukiene J / Br J Cancer 84, 2001). Möglicherweise ist dies auf eine vermehrte Melatoninproduktion durch die absolute Dunkelheit bei blinden Frauen zurückzuführen. Nach Ansicht der Anhänger der „Melatonin-Hypothese“ führt die dauerhafte Dämmerung unserer Zeit zu einem nächtlichen Melatoninmangel und steigert das Mammakarzinom-Risiko. Der Einfluss von Nachtarbeit auf das Mammakarzinom-Risiko wurde in zwei Studien untersucht. So zeigte sich in einer Fall-Kontroll-Studie bei Frauen, die über mindestens drei Jahre einmal wöchentlich nachts gearbeitet hatten, ein um 60% erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken (Davis S et al / J Natl Cancer Inst, 2001). In einer prospektiven Studie (Schernhammer ES et al / J Natl Cancer Inst 93, 2001) zeigte sich, dass Wechselschichten über ein bis vierzehn Jahre mit einem erhöhten Risiko von 8% einhergingen. Bei Frauen vor den Wechseljahren erhöhte sich das Mammakarzinom-Risiko unter Wechselschichten sogar um 23%.

GfBK-Kommentar: Das Signifikanzniveau wurde nur knapp erreicht, so dass weitere Untersuchungen zu diesem sehr interessanten Thema wünschenswert wären. Eine Dauereinnahme von Melatonin kann derzeitig aufgrund der noch unzureichenden Studienlage nicht empfohlen werden.

Pestizidbelastung und Mammakarzinom

Forscher aus Belgien gingen der Frage nach, ob Frauen mit Mammakarzinom höher mit Pestiziden belastet sind (Charlier et al. / Occup Environ Med 60, 2003). Hierzu wurden bei 159 Frauen mit und 250 Frauen ohne Brustkrebs die Konzentrationen von DDT und HCB im Blut bestimmt. Ergebnis: In der Gruppe der Mammakarzinom-Patientinnen wurden deutlich höhere Konzentrationen von DDT und HCB gemessen als in der gesunden Vergleichsgruppe. So betrug bei den Frauen mit Mammakarzinom die Konzentration von HCB durchschnittlich 790 ppt, bei gesunden Frauen hingegen nur 90 ppt. Obwohl DDT und HCB eine Östrogen-ähnliche Wirkung haben, konnte in dieser Untersuchung jedoch kein Zusammenhang zwischen positivem Östrogen-Rezeptor-Status und der Höhe der Pestizidkonzentrationen festgestellt werden.

GfBK-Kommentar: Leider wird die Bedeutung von Umweltfaktoren wie Pestiziden bei der Entstehung von Krebserkrankungen häufig verkannt und in der Forschung nicht ausreichend verfolgt. Umso wichtiger ist es, präventiv tätig zu werden und den Verbraucher auf die Möglichkeit einer Minimierung der Umweltbelastung zu sensibilisieren und z.B. in einem geänderten Kaufverhalten von möglichst saisongerechtem idealerweise biologisch angebautem Obst und Gemüse zu unterstützen. Auch bereits bei Vorliegen einer Erkrankung können eine Ausleitungstherapie, Störfeldsanierung und Stärkung der entgiftenden Organe wertvolle Therapiebausteine sein.

Unerwünschte Nebenwirkungen unter Trastuzumab

Trastuzumab (Herceptin®) ist als monoklonaler Antikörper bei metastasiertem Mamma-Karzinom seit September 2000 in allen EU-Staaten zugelassen. Voraussetzung für die Anwendung ist eine Überexpression des HER2-Rezeptors, was allerdings nur bei etwa 10 Prozent aller Brustkrebspatientinnen der Fall ist. Nun liegt eine randomisierte Phase–III-Studie mit dem monoklonalen Antikörper vor (Slamon et al. / N Eng J Med 344, 2001). In dieser Studie wurde bei 469 Patientinnen gezeigt, dass die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung um 3 Monate verlängert werden konnte. Allerdings traten unter der Gabe von Trastuzumab gehäuft kardiale Nebenwirkungen und Infusionsreaktionen auf, darunter auch lebensbedrohliche Komplikationen mit Todesfolge (9 Patientinnen). Besonders gefährdet waren Frauen, die Trastuzumab mit Anthrazyklinen oder bereits vor Studienbeginn Anthrazykline erhalten hatten.

GfBK-Kommentar: Leider wurde die Überlebenszeit nicht als primäres Zielkriterium geprüft. Ein lebensverlängernder Nutzen ist daher nicht belegt. Dem gegenüber stehen vermehrt auftretende kardiale zum Teil sogar lebensbedrohliche Komplikationen, so dass außerhalb von Studien bei fraglichem klinischen Nutzen von einer Therapie eher abzuraten ist.

Metastasen ändern ihre Rezeptoren

Auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium 2003 wurde von Glass et al. aus Cincinnati eine interessante Untersuchung vorgestellt, in der gezeigt werden konnte, dass bei einigen Mammakarzinom-Patientinnen ein sog. „Switching“ der Hormonrezeptorexpression zwischen Primärtumor und Metastasen auftritt. Das bedeutet, dass sich Metastasen in Bezug auf ihre Hormonrezeptorausprägung deutlich vom Primärtumor unterscheiden können. Es wurden retrospektiv bei 200 Patientinnen die Östrogen -und Progesteronrezeptoren in Primärtumor und Metastasen gemessen. Bei jeder 5. Patientin (20%) war der Primärtumor ER-positiv, die Metastasen jedoch ER-negativ; bei 11% war es umgekehrt. Hingegen verschwanden die Progesteronrezeptoren bei 6% der Patientinnen, während sie bei 34% der Patientinnen in den Metastasen neu auftraten.

GfBK-Kommentar: Nicht neu aber durchaus logisch: das teilweise unterschiedliche Entwicklungsverhalten von Primärtumor und Metastasen könnte erklären, warum viele konventionelle Therapien in der adjuvanten und palliativen Erkrankungssituation nicht genügend wirksam sind. Es reicht also nicht immer aus, eine optimale Therapie beim Mammakarzinom alleine auf die Rezeptorbestimmung des Primärtumors zu stützen.

Aromatasehemmer Letrozol im Anschluss an Tamoxifen?

5157 postmenopausale Frauen mit Mammakarzinom, bei denen nach 5 Jahren Tamoxifengabe kein Rezidiv aufgetreten war, erhielten im Anschluss entweder den Aromatasehemmer Femara oder ein Placebo. Aufgrund einer ersten Zwischenanalyse (Goss PE / N Engl J Med 349, 2003) wurde die Studie inzwischen vorzeitig abgebrochen und entblindet, weil sich ein klarer Vorteil für die Letrozol-Gruppe gezeigt hatte. So waren bei Patienten die Letrozol erhielten, 75 Rezidive aufgetreten: in der Placebogruppe allerdings 132. Die Ergebnisse zeigten auch, dass insbesondere nodal-negative Patientinnen von einer Therapie mit Letrozol profitierten.

GfBK-Kommentar: Primärer Studienendpunkt war auch hier nicht das Gesamtüberleben, sondern das rezidivfreie Überleben, so dass eine Aussage über den Überlebensvorteil nicht getroffen werden kann. Insbesondere die frühzeitige Entblindung vermindert die Aussagefähigkeit der Studie. Bezüglich einer generellen Empfehlung zugunsten einer Anschlusstherapie sollten daher weitere Untersuchungen abgewartet werden, da der endgültige Stellenwert einer Therapie mit Letrozol aufgrund dieser Studie noch nicht beurteilt werden kann und auch die antihormonelle Therapie allgemein einigen Kritikpunkten, wie z.B. die Zahl der effektiv profitierenden Patientinnen und breitem Nebenwirkungsspektrum, unterworfen ist. Einer individuellen Entscheidung mit Berücksichtigung von Begleiterkrankungen und Risikofaktoren sollte immer der Vorzug gegeben werden. So erscheint es aufgrund von Studiendaten in der neoadjuvanten Situation (Ellis MJ et al / J Clin Oncol 19, 2001) z.B. sinnvoll, über den Einsatz von Aromatasehemmern bei Tumoren mit ErbB-1- oder HER2/neu-Überexpression nachzudenken.

1 mg Tamoxifen täglich ausreichend?

Um zu klären, ob auch niedriger Dosen von Tamoxifen noch therapeutisch wirksam sind, untersuchte eine europäische Forschergruppe die Wirkungen verschiedener Dosierungen auf Tumor-Biomarker sowie auf kardiovaskuläre Risikofaktoren und Knochenparameter (Decensi / J Natl Cancer 95, 2003). Dabei erhielten 120 ER-positive Patientinnen präoperativ 4 Wochen lang 20, 5 oder 1 mg Tamoxifen. Die Werte wurden mit denen zweier nicht randomisierter Kontrollgruppen verglichen, nämlich Patientinnen mit ER-positiven und ER-negativen Tumoren, die präoperativ kein Tamoxifen erhalten hatten. Das Ergebnis: Tamoxifen reduzierte dosisunabhängig die Expression des Proliferationsantigens Ki-67; die Expression von anderen Tumor-Biomarkern sowie kardiovaskulären Risikofaktoren und Knochenparametern war hingegen dosisabhängig.

GfBK-Kommentar: Die Ergebnisse zeigen, dass Tamoxifen auch in niedrigen Dosierungen, hier allerdings nur kurzfristig verabreicht, eine antiproliferative Wirkung aufweist. In anbetracht des hohen Nebenwirkungspotentials sind weitere Studien wünschenswert, die klären helfen, wie lange und wie hoch bzw. niedrig dosiert eine Therapie mit Tamoxifen überhaupt Sinn macht.

Hirnmetastasen unter Trastuzumab erhöht

Brustkrebspatientinnen erhalten bei Überexpression von HER-2/neu häufig Trastuzumab, einen monoklonalen Antikörper, der gegen den HER-2/neu-Rezeptor gerichtet ist. In einer retrospektiven Analyse (Bendell / Cancer 97, 2003) konnte nun die Beobachtung bestätigt werden, dass nach Gabe von Trastuzumab häufiger Hirnmetastasen auftreten. So wurde während einer Nachbeobachtungszeit von etwa 23 Monaten bei 34% der Patientinnen Hirnmetastasen diagnostiziert, wobei der Beginn der Therapie mit Trastuzumab im Median etwa 6 Monate zurücklag.

GfBK-Kommentar: Da Hirnmetastasen vor der Gabe von Trastuzumab ein Ausschlusskriterium waren, ist weitestgehend gesichert, dass die untersuchten Patienten nicht bereits einen ZNS-Befall vor Therapie hatten. Ungeklärt ist insbesondere die Beobachtung, dass andere Metastasen häufig auf die Gabe von Trastuzumab ansprachen, während Hirnmetastasen vermehrt auftraten. Weitere Studien müssen zukünftig klären helfen, ob Trastuzumab überhaupt über die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn gelangt.

Kein Tamoxifen bei DCIS

Eine neuseeländische Forschergruppe ging der Frage nach, inwieweit die adjuvante Gabe von Tamoxifen bei DCIS sinnvoll ist (Houghton / Lancet 362, 2003). Dazu wurden 1694 Patientinnen im Median 52,6 Monate lang untersucht und nach primärer Exzision behandelt: Primärer Studienendpunkt war eine ipsilaterale invasive Erkrankung. Im Gegensatz zu Tamoxifen konnte durch die Bestrahlung das Auftreten eines ipsilateralen invasiven Karzinoms und eines DCIS gesenkt werden. Das Risiko einer kontralateralen Erkrankung konnte weder durch Bestrahlung noch durch Tamoxifen reduziert werden. Die Autoren schlussfolgern daher, dass Patientinnen mit DCIS von einer Bestrahlung, nicht jedoch von einer Behandlung mit Tamoxifen profitieren. Diese Meinung teilen auch andere Autoren (Yen / Cancer 100, 2004).

GfBK-Kommentar: DCIS ist kein invasiver Tumor und daher auch ohne invasive Behandlungsmethoden therapierbar. Das wichtigste ist eine ausreichende Resektion im Gesunden. Die Deutsche Krebsgesellschaft empfiehlt sogar, bei einer Tumorgröße < 2 cm, low grade und 10 mm Sicherheitsabstand auf eine Bestrahlung zu verzichten. Welchen Einfluss die Strahlentherapie auf das Überleben hat, wurde in der oben genannten Studie nicht gezeigt, auch nicht die Spätfolgen nach einer Bestrahlung.
Auch wir würden in anbetracht der potentiellen Nebenwirkungen und Risiken von einer antihormonellen Behandlung mit z.B. Tamoxifen abraten und empfehlen wegen des erhöhten Risikos für das Widerauftreten eines Karzinoms, eine intensive biologische Nachbehandlung durchzuführen. Biologische Maßnahmen beinhalten z.B. Ernährungsmaßnahmen, eine psychische Stabilisierung und Kräftigung, eine Nahrungsergänzung mit Vitaminen und Spurenelementen, abwehrstärkende Maßnahmen mit Mistel und/oder Thymus sowie die Gabe von Enzymen.

Olivenöl verstärkt die Wirkung von Trastuzumab

Dass die ungesättigten Fettsäuren des Olivenöls, etwa die Ölsaure, wirksam gegen Krebs sind, wird schon lange aufgrund der positiven Eigenschaften der mediterranen Diät vermutet. Nun konnte im Reagenzglas bestätigt werden, dass durch Ölsäure die Expression des Onkogens Her-2/neu bei Brustkrebszellen um bis zu 46 Prozent verringert werden konnte (Menendez / Ann Oncol 15, 2004). Dies wäre ungefähr vergleichbar mit der Wirkung, die durch die Gabe von Trastuzumab erreicht wird. Die kombinierte Gabe von Ölsäure und 5 µg/ml Trastuzumab führte sogar zu einer synergistischen Wirkung mit Down-Regulation der “Her-2/neu” exprimierenden Zellen um bis zu 70 Prozent.

GfBK-Kommentar: Ein Reagenzglasversuch kann nur erste Hinweise über mögliche klinische Wirkungen und Anwendungsgebiete geben. Ob die beschriebenen Effekte auch in vitro nachweisbar sind, müssen weitere tierexperimentelle und klinische Studien klären. Die positive Wirkung von Olivenöl in Hinblick auf Brustkrebserkrankungen gewinnt durch diese Ergebnisse allerdings eine neue Bedeutung, da nun erstmals gezeigt werden konnte, dass durch die Gabe von Ölsäure die Wirkung von Trastuzumab verstärkt wird und bereits Ölsäure alleine eine vergleichbare Wirkung wie Trastuzumab erzielt. Wir empfehlen, dass auch aufgrund der anderen wertvollen Inhaltsstoffe, wie z.B. Antioxidantien ein qualitativ hochwertiges, kalt gepresstes Olivenöl nicht nur bei Brustkrebs ein wesentlicher Bestandteil der täglichen Ernährung sein sollte.

Vitamin D und Brustkrebs in Saudi-Arabien

Ein gemeinsames Forscherteam aus Saudi-Arabien und den U.S.A. konnte zeigen, dass ein Vitamin-D-Mangel im Blut mit einer erhöhten Brustkrebsrate einhergeht (Yousef FM et al./Am J Clin Nutr July 2013). Dabei verglichen die Forscher 120 Brustkrebs-Patientinnen aus Saudi-Arabien mit gesunden Frauen und eruierten die Vitamin-D-Aufnahme anhand eines Fragebogens sowie die Vitamin-D-Spiegel.
Das Ergebnis: Bei den betroffenen Patientinnen lag der durchschnittliche Serum-25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel bei 9,4 ng/ml. Die Kontrollgruppe wies im Durschnitt Spiegel von 15,4 ng/ml auf. Während nur bei 38,3 Prozent der Kontrollgruppe Vitamin-D-Spiegel von weniger als 10 ng/ml auftraten, waren dies in der Patientengruppe 60,8 Prozent. Die Forscher errechneten, dass bei Vitamin-D-Spiegeln weniger als 10 ng/ml im Vergleich zu den Frauen mit mehr als 20 ng/ml das Brustkrebsrisiko um das 6-fache erhöht war.

GfBK-Kommentar: Besonders Menschen aus südlichen Ländern weisen häufiger einen Vitamin-D-Mangel auf, da Menschen mit dunkler Haut weniger Vitamin D bei Sonnenexposition bilden als Menschen mit hellerer Haut. Wenn dann wie in Saudi-Arabien auch noch große Teile der Haut bedeckt werden, ist der Mangel vorprogrammiert. Besonders bei Migrantinnen kann dies ein Problem sein, da die Sonneneinstrahlung in unseren Breitengraden noch geringer ist.
Diese Untersuchung zeigt allerdings auch, dass selbst bei den gesunden Frauen der Vitamin-D-Spiegel erstaunlich niedrig lag, so dass man bei Werten von 20 ng/ml eigentlich ebenfalls von einem Mangel sprechen muss. So gelten inzwischen unter Experten Werte über 40 ng (besser 50 ng) Vitamin D pro ml Blut als optimal, wenngleich von vielen Labors immer noch Werte zwischen 20 und 40 ng/ml als Normalbereich angesehen werden.

Vitamine und Brustkrebs

In einer aktuellen Studie konnte gezeigt werden, dass Brustkrebspatientinnen, die Multivitaminpräparate einnahmen, ein geringeres Sterblichkeitsrisiko hatten (Wassertheil-Smoller S et al./ Breast Cancer Research and Treatment 2013). Dabei untersuchten die Forscher Daten von 7.728 Frauen mit invasivem Brustkrebs aus der Women's Health Initiative, die zur Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln befragt wurden. Die postmenopausalen Frauen, die im Alter zwischen 50 und 79 Jahre bei der Diagnosestellung waren, wurden 7,1 Jahre nach der Diagnose nachverfolgt, währenddessen insgesamt 518 Todesfälle dokumentiert wurden. Dabei zeigte sich, dass die Frauen, die Multivitaminpräparate einnahmen, ein um 30 Prozent geringeres Sterberisiko aufwiesen, als die Frauen, die keine Multivitaminpräparate einnahmen.

GfBK-Kommentar: Diese Studie ist wichtig, da sie zeigt, dass zusätzliche Vitamingaben nicht schädlich sind und sogar einen Nutzen haben können. Voraussetzung ist unserer Ansicht nach, dass Vitamine bedarfsorientiert, am besten nach Blutspiegelbestimmung eingesetzt werden. Daher raten wir gesunden und kranken Menschen, bestimmte Blutspiegel (z.B. die von Selen, Vitamin B12, Zink und Vitamin D) vor einer Gabe untersuchen zu lassen. Außerdem ist es besser, Vitamine miteinander zu kombinieren und pflanzliche Vitamine zu bevorzugen. Am besten, man unterstützt dies durch eine vitalstoffreiche Ernährung bevorzugt mit Vollkorngetreide und -produkten (nicht zu grob!), Rohkost (in kleinen Mengen), Biogemüse und naturbelassenen pflanzlichen Ölen und Fetten (insbesondere Olivenöl und Leinöl).

Kalziumantagonisten erhöhen das Brustkrebsrisiko

In einer bevölkerungsbasierte Fall-Kontrollstudie (Li CI et al./ JAMA Internal Medicine 2013) gaben Frauen, die nach der Menopause an Brustkrebs erkrankt waren, doppelt so häufig wie gesunde Frauen an, Kalziumantagonisten eingenommen zu haben.
Dabei ließen die Forscher vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle 2.851 Frauen im Alter von 55 bis 74 Jahren interviewen, von denen 905 an einem invasiven duktalen Mammakarzinom und 1.055 an einem invasiven lobulären Mammakarzinom erkrankt waren. Das Ziel der Studie war, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Risikofaktoren zwischen den beiden häufigsten Brustkrebsvarianten zu finden.
Zu den Fragen gehörte auch die Einnahme von Medikamenten. Hier zeigte sich eine Assoziation beider Brustkrebsvarianten mit der Einnahme von Kalziumantagonisten, die die Brustkrebspatientinnen mehr als doppelt so häufig wie die Kontrollen eingenommen hatten.
Das Risiko war dosisabhängig und betraf alle Kalziumantagonisten unabhängig von der Wirkungsdauer oder der Wirkstoffklasse (Dihydropyridine oder Non-Dihydropyridine). Andere Antihypertonika wie Diuretika, Beta-Blocker und ACE-Hemmer waren nicht mit einer erhöhten Rate von Brustkrebserkrankungen assoziiert. Dies schließt eine Hypertonie als mögliche Ursache aus.

GfBK-Kommentar: Bereits in den 90er Jahren hatten zwei Studien auf ein möglicherweise erhöhtes Krebsrisiko durch Kalziumantagonisten hingewiesen (Pahor M et al./ Lancet 1996 und Fitzpatrick AL et al./ Cancer 1997). In der Cardiovascular Health Study, einer prospektiven Beobachtungsstudie unter Senioren, war der Zusammenhang sogar signifikant und deutete auf ein mehr als doppelt so hohes Risiko hin (Fitzpatrick AL et al./ Cancer 1997). Da sich in weiteren Studien das Risiko nicht eindeutig bestätigen ließ, gerieten diese Ergebnisse jedoch in Vergessenheit.
Obwohl die Ergebnisse aus epidemiologischer Sicht deutlich sind, wird bisher auch von den Autoren der Studie keine Einschränkung der Verordnung empfohlen. Hauptkritikpunkt der Forscher ist der, dass Fall-Kontrollstudien keine Kausalität beweisen könnten. Dennoch gibt es durchaus Überlegungen zum zugrundeliegenden Mechanismus: So könnten Kalziumantagonisten durch den Anstieg der intrazellulären Kalzium-Konzentration eine Apoptose verhindern.
Es bleibt zu wünschen, dass diese Studie weitere epidemiologische Untersuchungen auslösen wird und dass Allgemeinmediziner und Internisten ihre Patientinnen auf mögliche Zusammenhänge hinweisen. Schließlich gibt es andere blutdrucksenkende Substanzen (ACE-Hemmer, Beta-Blocker), die sogar mit einem verringerten Brustkrebsrisiko in Zusammenhang gebracht werden.

Mamma-Ca: Vorteile der Hypofraktionierung belegt

Dass unter hypofraktionierter Bestrahlung nicht vermehrt lokale Rezidive auftreten, zeigen die 10-Jahres-Daten der START (Standardization of Breast RadioTherapy)-Studie aus Großbritannien (Haviland JS et al./ Cancer Res. 2012 und Lancet 2013). In dieser zweiteiligen Studie (START A und START B) waren zwischen 1999 und 2002 insgesamt 4.451 Patientinnen mit frühem, R0-reseziertem invasivem Mammakarzinom behandelt worden.
In der Studie A wurde der internationale Standard der Bestrahlung (50 Gy in 25 Dosen von jeweils zwei Gy über fünf Wochen) mit zwei Varianten verglichen (41,6 Gy in 13 Fraktionen à 3,2 Gy und 39 Gy in 13 Fraktionen à 3,0 Gy, jeweils innerhalb von fünf Wochen).
In der Studie B mit der Hypofraktionierung wurde das Standardverfahren mit einer Radiatio mit 40 Gy verglichen, die innerhalb von drei Wochen in 15 Fraktionen à 2,67 Gy verabreicht wurde. Ziel der START B-Studie war es, nicht nur die Gesamtstrahlendosis zu reduzieren, sondern auch die Behandlungsdauer zu verkürzen. Primärer Endpunkt war bei beiden Studien die lokoregionale Rezidivrate.
Die Frauen wurden über 9,3 Jahre (START A) bzw. 9,9 Jahre (START B) nachbeobachtet. Bei Studienbeginn betrug das mediane Alter 57 Jahre. Die Mehrzahl der Frauen war brusterhaltend operiert worden. Gut die Hälfte hatte einen Primärtumor < 2cm (pT) und jeweils etwa ein Drittel einen G3-Tumor bzw. befallene Lymphknoten. Eine adjuvante Behandlung mit Tamoxifen hatten 79 % (START A) bzw. 87 % (START B) und eine adjuvante Chemotherapie 36 bzw. 22 % der Patientinnen erhalten.
In der START A-Studie erlitten 139 der 2.236 Patientinnen ein lokales Rezidiv und in der START B-Studie 95 von 2.215 Patientinnen. Nach zehn Jahren betrug die lokale Rezidivrate in der START A-Studie 7,4 % im Standardarm (50 Gy) gegenüber 6,3 % bzw. 8,8 % unter hypofraktionierter Bestrahlung mit 41,6 bzw. 39 Gy. Auch in der START B-Studie traten nach zehn Jahren Lokalrezidive in beiden Therapiegruppen ähnlich selten auf. So erlitten 5,5 % der Patientinnen im Standardarm (50 Gy) ein lokoregionales Rezidiv im Vergleich zu 4,3 % unter der verkürzten hypofraktionierten Bestrahlung mit insgesamt 40 Gy über 15 Fraktionen alle drei Wochen.
Bei den Nebenwirkungen zeigten sich ebenfalls Vorteile für die hypofraktionierte Bestrahlung. Speziell Ödeme, Teleangiektasien, Brustverhärtungen und Einschrumpfungen waren seltener. Auch kardiale Komplikationen traten insgesamt seltener auf (< 3 %). Das gute Abschneiden der hypofraktionierten Bestrahlung erklären die Autoren damit, dass kleine Strahlendosen (Fraktionen ≤ 2 Gy) das Tumorgewebe nicht stärker belasten als das gesunde Gewebe. Fraktionen mit mehr als 2 Gy, wie sie bei der hypofraktionierten Bestrahlung eingesetzt werden, haben dagegen einen stärker antitumorösen Effekt, daher ist die hypofraktionierte Bestrahlung trotz niedrigerer Gesamtdosis mindestens so effektiv wie 50 Gy/25 Fraktionen. Speziell die hypofraktionierte Bestrahlung mit 40 Gy über 15 Fraktionen alle drei Wochen sei, so die Forschergruppe, eine wirksame und gut verträgliche Therapiealternative zur etablierten adjuvanten Bestrahlung mit 50 Gy über 25 Fraktionen alle fünf Wochen.

GfBK-Kommentar: Die Zehnjahresdaten der START-Studien bestätigen, dass die hypofraktionierte Bestrahlung bei Frauen mit frühem Mammakarzinom nicht weniger erfolgreich ist als die konventionelle Bestrahlung. Im Gegenteil: Nach fünf bzw. 10 Jahren zeigte sich sogar ein unerwarteter Überlebensvorteil bei den Patientinnen, die eine Bestrahlung nach dem 40-Gy-Schema erhalten hatten. Die Gesamtsterberate lag bei 15,9 Prozent gegenüber 19,2 Prozent. Außerdem berichten die Forscher, dass ein Jahr nach der Bestrahlung der Anteil der Patientinnen mit Metastasen in der Gruppe mit der Hypofraktionierung deutlich niedriger war. Dies könnte mit dem oben beschriebenen Effekt in Zusammenhang stehen, dass weniger Fraktionen mit mehr als 2 Gy, wie sie bei der hypofraktionierten Bestrahlung eingesetzt werden, einen stärkeren antitumorösen Effekt haben.
Während in Großbritannien seit 2009 die hypofraktionierte Bestrahlung in den Leitlinien des britischen National Institute for Health and Care Excellence (NICE) verankert wurde, ist in den Deutschen Leitlinien die hypofraktionierte Bestrahlung nur als mögliche Option für bestimmte Patientinnen definiert, was zur Folge hat, dass in Deutschland leider die Standardbestrahlung mit 50 Gy in 25 Dosen von jeweils zwei Gy über fünf Wochen die gängige Praxis ist. Dabei sollte man zumindest bei älteren Frauen mit günstigen Tumoreigenschaften (Tumor kleiner als 2 cm, G1 oder G2, hormonrezeptorpositiv, HER2-negativ, kein Lymphknotenbefall) diese Behandlungsoption in Erwägung ziehen.

Yoga verbessert Lebensqualität nach Strahlentherapie

Aktuell wurden die Ergebnisse einer Studie im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht, in der die Wirkungen von Yoga und einfachen Streckübungen auf die Lebensqualität verglichen wurden (Chandwani D et al./JCO 2014). Dabei untersuchten Forscher des Anderson Cancer Centers in Houston 191 Brustkrebspatientinnen, die während einer Strahlentherapie der Brust entweder Yogaübungen, einfache Streckübungen oder gar keine Übungen durchführten. Dabei fanden die Übungen sechs Wochen lang bzw. dreimal wöchentlich statt. Um die Auswirkungen auf die Lebensqualität beurteilen zu können, beantworteten die Patienten spezielle Fragebögen und wurden zu wichtigen Nebenwirkungen der Strahlentherapie befragt (wie zum Beispiel Schwäche, Depression oder Schlafstörungen). Außerdem wurde mithilfe von Speichelproben das Stresshormon Cortisol bestimmt.
Das Ergebnis der Untersuchung ergab, dass der Abfall der täglichen Cortisol-Werte im Yoga-Arm am stärksten ausgeprägt war. Eine wichtige Beobachtung, da angenommen wird, dass ein gestörter Cortisol-Tagesrhythmus den Erkrankungsverlauf ungünstig beeinflussen könnte. Außerdem trat bei den Frauen, die regelmäßig Yoga-Übungen oder Streckübungen durchführten, weniger häufig Schwäche auf. Allerdings schnitten die Frauen, die regelmäßig Yoga-Übungen durchführten, bezüglich körperlicher Lebensqualität besser ab als die Frauen, die nur Streckübungen durchführten. Ein Einfluss auf Depressionen und Schlafstörungen war weder für die Yoga-Sitzungen noch für die Streckübungen nachweisbar.

GfBK-Kommentar: Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Entspannungsverfahren zur Linderung von Nebenwirkungen belastender Therapien. Auch eine andere Studie zu diesem Thema zeigt deren Bedeutung, da durch Meditation und Entspannung entzündliche Reaktionen verhindert werden können (Kaliman P/ Psychoneuroendocrinology 2014).

Mammakarzinom: 6 Zyklen sind nicht besser als vier

Was ist die optimale Dauer einer adjuvanten Chemotherapie bei Frauen mit einem Niedrig-Risiko-Mammakarzinom? Diese Frage wurde in einer aktuellen randomisierten Studie der Cancer and Leukemia Group B (CALGB 40101) untersucht (Shulman LN et al./ J Clin Oncol 2012).
Dabei erhielten zwischen den Jahren 2002 und 2008 3.171 Frauen mit operablem Mammakarzinom (davon 6 % mit 1–3 positiven Lymphknoten) entweder 4 Zyklen AC (n = 1.142; 1.002 in 2-Wochen und 140 in 3-Wochen-Zyklen), 6 Zyklen AC (n = 789; 645 in 2-Wochen und 144 in 3-Wochen-Zyklen), 4 Zyklen Paclitaxel (n = 1.151; 1.005 in 2-Wochen und 146 in 3-Wochen-Zyklen) oder 6 Zyklen Paclitaxel (n = 789; 648 in 2-Wochen und 141 in 3-Wochen-Zyklen). 90 % der Studienteilnehmerinnen hatten keine befallenen Lymphknoten hatten und 77 % waren HER2-negativ.
Primärer Endpunkt war das rezidivfreie Überleben. Nach median 5,3 Jahren war sowohl das rezidivfreie als auch das Gesamtüberleben von der Therapiedauer unbeeinflusst, wobei sich auch hinsichtlich des verwendeten Therapieregimes keine Unterschiede ergaben. Das rezidivfreie 4-Jahres-Überleben betrug 90,9 % in der Gruppe mit sechs Zyklen und 91,8 % in der Gruppe mit vier Zyklen. Beim 4-Jahres-Gesamtüberleben lagen die Werte bei 95,3 bzw. 96,3 %. Auch bestimmte Subgruppen profitierten von einer längeren Therapiedauer nicht.
Fazit der Autoren: Eine Verlängerung der Chemotherapie von vier auf sechs Zyklen kann Frauen mit primärem Mammakarzinom und maximal drei positiven Lymphknoten erspart werden.

GfBK-Kommentar: In der hier vorliegenden Studie konnte gezeigt werden, dass die übliche Therapiedauer von 6 Zyklen adjuvanter Chemotherapie keinen Nutzen gegenüber 4 Zyklen hat. Sicher werden Kritiker einwenden, dass Paclitaxel alleine bisher nicht als Standardtherapie anzusehen ist und diese Therapien meistens in Kombination angewendet werden. Trotzdem sollten diese Ergebnisse zum Nachdenken anregen, zumal schon eine Analyse aus dem Jahr 2002 (Colleoni M et al. / Brit J Cancer 86, 2002) keinen Unterschied im rezidivfreien 5-Jahres-Überleben bei 3 Zyklen (54%) und bei 6 Zyklen (55%) CMF zeigte. Um wirklich jeden Kritiker zu überzeugen, wären zukünftig in diesem Bereich mehr Studien zu fordern, die die üblichen Standardtherapien miteinander vergleichen.

Bisphosphonate nur noch alle 3 Monate

Bei Mammakarzinompatientinnen mit Knochenmetastasen gehört die Therapie mit Zoledronsäure heute zum Standard. Die Studie OPTIMIZE-2 zeigte nun, dass, um Nebenwirkungen bei langfristiger Gabe zu vermeiden, die Dosierung nach einem Jahr von 4 mg alle drei bis vier Wochen auf 4 mg alle drei Monate vermindert werden kann (Hortobagyi GN et al. / Abstr. LBA9500; 50th American Society of Clinical Oncology (ASCO) Annual Meeting 2014).
In dieser Studie zeigte sich an 403 Patientinnen mit Knochenmetastasen nach median zwölfmonatiger Beobachtungszeit die Therapie mit dreimonatigem Dosierungsintervall gegenüber des monatlichen Intervalls als nicht unterlegen: Im Standardarm lag die Rate skelettbezogener Ereignisse bei 22%, im experimentellen Arm bei 23,2%. Auch die Zeit bis zum ersten skelettbezogenen Ereignis war in beiden Studien vergleichbar.
Das Nebenwirkungsprofil der beiden Therapiearme unterschied sich ebenfalls nicht. Allerdings traten bei monatlicher Gabe bei zwei Patienten Kieferosteonekrosen auf, während dies bei dreimonatiger Gabe nicht beobachtet wurde. Auch renale Nebenwirkungen waren bei dreimonatiger Infusion tendenziell seltener (7,9% vs. 9,6%).

GfBK-Kommentar: Eine wichtige Studie, die wieder einmal zeigt, dass weniger auch mehr sein kann. Vor allem für die Patientinnen würde die Umsetzung des dreimonatigen Intervalls erhebliche Erleichterung bedeuten, zumal keine Einbußen in puncto Wirksamkeit zu erwarten sind.

Soja bei Brustkrebs

Um der Frage nachzugehen, ob Soja bei Brustkrebs gefährlich ist, haben US-Forscher 140 Frauen mit einem frisch diagnostizierten Brusttumor im frühen Stadium vor der Operation eine Nahrungsergänzung mit Sojaprotein oder Placebo verabreicht (Shike M et al. / JNCI 2014). Alle Frauen bekamen ein Pulver, das entweder 26 Gramm Sojaprotein oder Milchprotein enthielt. Die tägliche Menge an Sojaprotein entsprach dabei etwa 250 Gramm Tofu.
Die Behandlung dauerte zwischen sieben und 30 Tagen, solange bis die Frauen operiert wurden. Etwa 80% der Frauen hatten einen positiven Östrogen-Rezeptor-Status, ein Drittel der Frauen waren praemenopausal.
Den Frauen wurden vor und während der Studie Blutproben entnommen. Außerdem analysierten die Forscher die Genexpression von über 200 brustkrebsrelevanten Genen im Tumorgewebe.
Das Ergebnis: Bei den Frauen mit Sojaprotein stiegen die Serumwerte für die Isoflavone Daidzein und Genistein um den Faktor vier bis sieben an, nachdem sie mit der Nahrungsergänzung begonnen hatten. Bei den Frauen, die Milchprotein erhielten, zeigten sich keine Veränderungen des Isoflavonspiegels.
Im Tumorgewebe kam es in der Sojagruppe zur verstärkten Expression von zehn Genen, bei vier ging die Expression zurück. In der Kontrollgruppe steigerten fünf Gene ihre Aktivität, bei fünf ging die Expression ebenfalls zurück.
Besonders stark stieg die Aktivität der Gene FANCC und UGT2A1 in der Sojagruppe. FANCC kodiert für ein DNA-Reparatur-Protein, UGT2A1 ist am Östrogenstoffwechsel beteiligt. Außerdem beobachteten die Forscher einen Anstieg der Genexpression beim Rezeptor für den tumorfördernden Wachstumsfaktor FGF2.
GfBK-Kommentar: Dass aufgrund dieser laborchemischer Daten die Studienautoren zur Vorsicht mit Soja bei Frauen mit Brusttumoren raten, scheint uns schlichtweg für übertrieben und wird dem komplexen Wirkungsmechanismus der Phytohormone nicht gerecht.
Außerdem gibt es eindeutige Hinweise aus epidemiologischen Studien, dass sich durch die Einnahme von Soja die Brustkrebsprognose nicht verschlechtert, sondern bei postmenopausalen Frauen sogar verbessert (Guha N/Breast Cancer Research 2009). So schreibt auch der Onkologe Dr. Craig Jordan von der Georgetown University / Washington in einem Kommentar zu dieser Studie, dass ältere Frauen mit Brustkrebs von Soja womöglich eher profitieren, während jüngere Frauen Soja eher zurückhaltend konsumieren sollten.
Immerhin hat erst kürzlich das American Institute for Cancer Research (AICR) aufgrund einer Metaanalyse von 40 Studien festgehalten, dass ein täglicher Sojakonsum, der maximal 160 g Tofu oder 500 ml Sojamilch entspricht, für unbedenklich gilt.
In der hier vorliegenden Studie erhielten jedoch die Patientinnen eine tägliche Menge, die etwa 250 g Tofu, enthielt, also weit über den Empfehlungen des AICR. Außerdem wurde künstliches Sojaprotein und kein sojahaltiges natürliches Nahrungsmittel verwendet und nur anhand von Laborparametern Aussagen getroffen.
So sind wir auch weiterhin der Auffassung, dass gegen eine vielseitig zusammengestellte pflanzenkostreiche Ernährung, die einen natürlichen Verbund an Phytohormonen (Soja, Linsen, Hülsenfrüchte und Leinsamen) enthält, nichts einzuwenden ist.

Bei positivem Sentinellymphknoten Axilla bestrahlen statt operieren?

Die Axilladissektion ist derzeit die Standardtherapie für Brustkrebspatientinnen mit positiven Sentinel-Lymphknoten. Für die lokale Tumorkontrolle und das Überleben scheint es jedoch keinen Unterschied zu machen, ob bei Frauen mit T1/T2-Mammakarzinom ohne klinisch tastbare Lymphknoten nach einer positiven Sentinel-Biopsie die axillären Lymphknoten entfernt oder nur bestrahlt werden.
Dies zeigte sich in der EORTC-AMAROS-Studie (Donker M et al. / The Lancet 2014), an der 4806 Patientinnen aus neun europäischen Ländern beteiligt waren, bei denen zwischen 2001 und 2010 Brustkrebs diagnostiziert worden war (T1–2 cN0).
Wurde ein positiver Sentinel-Lymphknoten festgestellt (dies war bei 30 % der Fall), wurden die Frauen in zwei Gruppen randomisiert: Es erfolgte entweder eine Axilladissektion (n=744) oder eine Bestrahlung der Axilla (n=681). Bei der Axilladissektion wurden durchschnittlich 15 Lymphknoten entfernt. Bei jeder dritten Patientin wurden dabei weitere Metastasen entdeckt.
Die 5-Jahres-Raten an axillären Rezidiven waren mit 0,43% nach Operation und 1,19% nach Bestrahlung nicht signifikant verschieden. Sie lagen in beiden Gruppen unter den zu erwartenden 2%. Die Axilla-Rezidiv-Rate in der Gruppe ohne Sentinel-Lymphknotenbefall betrug auch nur 0,72%.
Beim progressionsfreien Überleben und dem Gesamt-Überleben zeigte sich in den beiden Behandlungsgruppen ebenfalls kein Unterschied: Die 5-Jahres-Raten betrugen beim progressionsfreien Überleben 86,9% vs. 82,7% und beim Gesamt-Überleben 93,3% vs. 92,5%. Ohne Sentinel-Lymphknotenbefall waren es 87,9% (progressionsfreies Überleben) und 95,4% (Gesamt-Überleben).
Lymphödeme entwickelten sich dagegen häufiger nach Axilladissektion; innerhalb von fünf Jahren waren 23% der Frauen betroffen, mit Strahlentherapie waren es 11%.

GfBK-Kommentar: Auch wenn sich Überlebenseffekte bei Frauen mit frühem Brustkrebs erst nach einer Nachbeobachtungszeit von mehr als 10 Jahren überprüfen lassen, bestätigen diese Ergebnisse auch die anderer Studien, die gezeigt haben, dass die Axilladissektion der axillären Bestrahlung nicht überlegen ist.
Leider kann diese Studie nicht die wichtige Frage beantworten, bei welchen klinisch nodal-negativen, aber Sentinel-positiven Patientinnen überhaupt eine zusätzliche Therapie der Axilla notwendig ist. Im klinischen Alltag zeigt sich unserer Ansicht nach leider oft eine Übertherapie, indem die Patientinnen mit klinisch nodal-negativen, aber Sentinel-positivem Befund zusätzlich zur Operation auch noch eine Strahlentherapie erhalten! Dieses Vorgehen widerspricht eindeutig den hier vorliegenden Studienergebnissen.

Brustbestrahlung bei Frauen über 70 unnötig

Im Jahr 2004 wurde eine Studie der Cancer and Leukemia Group B (sog. CALGB-9343-Studie) veröffentlicht, die der Frage nachging, ob Frauen über 70 Jahren mit Mamma-Karzinom im Frühstadium zusätzlich zur brusterhaltenden Resektion und antihormonellen Therapie mit Tamoxifen auch noch eine Strahlentherapie der gesamten Brust erhalten sollten. Nach Auswertung der Daten lag die Rezidivrate nach fünf Jahren mit Strahlentherapie zwar signifikant niedriger als ohne (1% gegenüber 4%), der absolute Unterschied von nur 3% war aber verschwindend gering (Hughes KS et al. / N Engl J Med 2004). Ein Update der Studie nach einer Beobachtungszeit von über zwölf Jahren ergab zwar ebenfalls einen signifikanten Vorteil bei der Rezidivrate (2% gegenüber fast 10%), nicht jedoch bei der krebsspezifischen Sterblichkeit und der Gesamtmortalität (Hughes KS et al. / J Clin Oncol 2010). Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wurden die „National Comprehensive Cancer Network Guidelines“ der U.S.A. (vergleichbar mit den Leitlinien der Deutschen Fachgesellschaften) im Jahr 2005 mit folgender Fußnote geändert: „Eine Bestrahlung der Brust kann bei über 70-jährigen Frauen entfallen, die einen Östrogenrezeptor-positiven, nodal-negativen T1-Tumor haben und die eine adjuvante Hormontherapie erhalten“.
Anhand von Daten des US-amerikanischen SEER-Registers wurde nun geprüft, ob solche Erkenntnisse das Therapieverhalten in der Praxis verändert haben (Palta M et al. / Cancer 2014). Als Grundlage dienten Angaben zu mehr als 40.500 Frauen, bei denen in den Jahren 2000 bis 2009 ein Hormonrezeptor-positives Mammakarzinom im Stadium I nachgewiesen wurde.
Dabei zeigte sich, dass in den Jahren vor Veröffentlichung der CALGB-9343-Studie der Anteil von älteren Mammakarzinompatientinnen und einer Radiotherapie bei etwa 70% lag. Zwischen 2003 und 2005 sank er auf etwa 60% und stieg dann wieder leicht auf 62% an. Der Unterschied bei der Behandlung vor und nach 2004 war zwar signifikant, aber nicht sehr ausgeprägt.
Bei den Bestrahlungsmodalitäten ergaben sich größere Differenzen. So nahm der Anteil der Frauen mit externer Brustradiatio von 66% auf 54% ab, allerdings stieg der Anteil derjenigen mit Brachytherapie im gleichen Zeitraum von 1,4 auf 6,2%. Die Studienautoren um Palta vermuten, der Verzicht auf eine Therapie falle Ärzten schwerer als das Hinzufügen einer neuen Behandlung.

GfBK-Kommentar: Obwohl in frühen Tumorstadien bei älteren Frauen die zusätzliche Radiatio der Brust wenig zu nützen scheint, werden trotzdem immer noch knapp zwei Drittel aller über 70-jährigen mit Mamma-Karzinom im Frühstadium bestrahlt. Und dies, obwohl nicht nur die CALGB-9343-Studie, sondern auch die Daten der PRIME-II-Studie (Kunkler I/San Antonio 2013) zeigen konnten, dass der Nutzen bei älteren Frauen mehr als fragwürdig ist.
Auch über die Risiken einer Bestrahlung aufzuklären, gewinnt besonders in Anbetracht einer aktuellen Untersuchung von Münchener Forschern an Bedeutung. Diese konnten zeigen, dass selbst eine geringe Strahlen-Dosis Erbgutschäden auslösen kann (O’Leary V et al. / Cell Reports 2015).
Da es leider ziemlich lange dauert, bis sich Erkenntnisse aus klinischen Studien in der Praxis durchsetzen, ist es wichtig, frühzeitig die Patientinnen über Nutzen und Risiken aufzuklären und im Zweifelsfall eine zweite Meinung einzuholen, um eine Übertherapie zu vermeiden.

Intrauterine DDT-Exposition erhöht das Brustkrebsrisiko

Frauen, die als Fetus einer erhöhten Konzentration des Pestizids DDT ausgesetzt waren, erkranken im Erwachsenenalter viermal häufiger an Brustkrebs. Zu diesem Ergebnis kommt eine Fall-Kontroll-Studie um Barbara Cohn vom Public Health Institute in Berkeley, Kalifornien (Cohn BA et al. / JCEM 2015).
Das Pestizid DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan), das in den USA bis in die 1960er, in Europa sogar noch bis in die 1970er Jahre eingesetzt wurde, gehört zu den ersten Umweltgiften, für die eine hormonartige Wirkung belegt werden konnte. Als sogenannter „endokriner Disruptor“ kann es in kleinster Menge die fetale Frühentwicklung stören.
In der obigen Studie wurden die Auswirkungen auf die Töchter exponierter Frauen untersucht. Dazu analysierten die Forscher die Daten von 20.754 Frauen, die in den Jahren 1959 bis 1967 an den Child Health and Development Studies teilgenommen hatten und deren Blutproben archiviert worden waren. Insgesamt 9.300 Teilnehmerinnen gebaren während dieser Zeit eine Tochter. Zum Zeitpunkt der Studie waren die Kinder bis zu 52 Jahre alt, von denen einige an Brustkrebs erkrankt waren. Die Forscher setzten die Konzentration eines DDT-Metaboliten im Blut der Mutter mit der Brustkrebsrate bei den Töchtern in Beziehung. Die Ergebnisse zeigten, dass eine erhöhte DDT-Exposition in utero das Brustkrebsrisiko der Töchter fast um den Faktor 4 erhöht. Bei 83 Prozent der Tumore handelte es sich um ein Östrogenrezeptor-positives Mammakarzinom, was die kausale Bedeutung der DDT-Exposition bestätigt.
Außerdem zeigte die Studie, dass die DDT-Exposition mit dem Tumorstadium korrelierte. Frauen, die intrauterin einer höheren DDT-Konzentration ausgesetzt waren, erkrankten häufiger an schnell wachsenden Tumoren. Ihre Tumore waren auch häufiger HER2-positiv, was laut Barbara Cohn mit experimentellen Studien übereinstimmt, in denen das Pestizid die Bildung des HER-Proteins gefördert hat.

GfBK-Kommentar: Diese Studie zeigt eindrucksvoll, dass das Risiko, in späteren Jahren an Brustkrebs zu erkranken, mit der fetalen Exposition von Umweltgiften in Zusammenhang steht. Die Studie um Barbara Cohn ist eine der wenigen Studien, die einen konkreten ätiologischen Zusammenhang darstellen konnte.
Bereits in der Vergangenheit konnte gezeigt werden konnte, dass viele Schwangere gleich mit mehreren Chemikalien exponiert sind, die im Körper des Feten Schädigungen hervorrufen können (Tracey J et al. / Environ Health Perspect 2011), darunter Polychlorierte Biphenyle (PCB), Pestizide, Fluor-Kohlenstoffverbindungen (PFC), polybromierte Diphenylether (PBDE), Phthalate, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH) und Perchlorate. Selbst DDT, das seit 1972 in den U.S.A. verboten ist, wurde immer noch nachgewiesen. Bisphenol A (BPA), das in Plastik und Epoxydharzen enthalten ist und das in einigen Ländern in Babyflaschen verboten wurde, war bei 96% der Schwangeren nachweisbar, so dass fast alle Kinder bereits in utero mit BPA exponiert sind.
Aufgrund der biologisch geringen Abbaubarkeit von Umweltschadstoffen kann man momentan nur zwei Dinge tun: Entweder politisch aktiv werden und/oder bestimmte Haushaltsprodukte meiden. Dies sind vor allem beschichtetes Kochgeschirr, Plastikwaren oder Körperpflegemittel, die schädigende Chemikalien enthalten. Bei der Auswahl von Körperpflegemitteln helfen auch die Testberichte von Stiftung Warentest und Öko-Test weiter. Beim BUND gibt es außerdem eine kostenfreie „ToxFox-App“, damit Kosmetikprodukte mit hormonell wirksamen Schadstoffen nicht mehr im Einkaufskorb landen. Angesichts der hohen Resorptionsfähigkeit der Haut gilt grundsätzlich, dass man/frau nur solche Produkte auftragen sollte, die man/frau auch bereit sind, mit dem Löffel einzunehmen!

Brustkrebs: Stresshormone verursachen Therapieresistenz

Stresshormone wirken sich einer Studie aus den U.S.A. zufolge negativ auf den Verlauf einer Brustkrebserkrankung aus (Goodman CR et al. / Oncogene 2015). Denn einige der Hormone, die sowohl vom Körper ausgeschüttet als auch zur Behandlung von Nebenwirkungen der Krebstherapie verwendet werden, können das Wachstum therapieresistenter Tumorzellen anregen.
Resistenzen, die Frauen mit hormonrezeptor-positivem Brustkrebs auf eine Therapie mit Antihormonen oder Aromatasehemmern entwickeln, werden zum Teil auf eine Untergruppe von Krebszellen, die CK5-Zellen, zurückgeführt. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Progesteron das Wachstum dieser Zellen ankurbeln kann (Axlund SD et al. / Horm Cancer 2013).
Forscher der Thomas Jefferson University in Philadelphia (Pennsylvania) untersuchten jetzt, ob auch andere Hormone aus der Gruppe der häufig bei Stress ausgeschütteten 3-Ketosteroide, wie etwa Glucocorticoide, diesen Vorgang beeinflussen können. Sie exponierten Brustkrebszelllinien gegenüber vier verschiedenen 3-Ketosteroiden und stellten fest, dass Dexamethason und Aldosteron dazu führten, dass sich die Menge der CK5-Zellen vervier- bis versiebenfachte. Versuche mit Mäusen, die an menschlichem Brustkrebs erkrankt waren, ergaben dadurch eine erhöhte Therapieresistenz durch die Hormone.
Durch die Gabe von Prolaktin konnte die Ausbreitung der CK5-Zellen aber verhindert werden, so die Autoren. Allerdings warnen die Autoren vor einem Einsatz von Prolaktin bei Brustkrebs, da das Hormon möglicherweise das Wachstum von anderen Brustkrebsarten stimulieren könne.
GfBk-Kommentar: Schon vor einigen Jahren haben Forscher publiziert (Herr I, Pfitzenmaier J / Lancet Oncol 2006 und Volden PA, Conzen SD), dass die während einer Chemotherapie verwendeten Steroide (z.B. Kortison) die Chemotherapie-Wirkung hemmen und die Tumoren schneller wachsen lassen können, weil eine Apoptose-Resistenz induziert wird. Leider gibt es jedoch bisher keine Alternative zu den Steroiden, die gegen die Nebenwirkungen der Chemotherapie eingesetzt werden.
Diese Steroide werden jedoch nicht nur zeitweise in der Krebstherapie verwendet, sondern auch natürlich vom Körper als Reaktion auf länger anhaltenden Stress produziert. Es werden daher auch Zusammenhänge zwischen endogen erhöhten Kortison-Spiegeln, z.B. bei chronischem Stress oder Tabakkonsum, und einem erhöhtem Krebsrisiko gesehen. Bei Dauerstress kann es auch hilfreich sein, die Cortisolspiegel zu bestimmen.
Ein andere Sichtweise scheint uns hier aber mindestens ebenso wichtig: So sollte in der Betreuung von Krebserkrankten oberstes Gebot sein, zusätzlichen Therapiedruck zu vermeiden, da dadurch Angst und Stress bei den Betroffenen erzeugt wird. Anleitungen zum Stressabbau und weitere Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung sollten spätestens bei Auftreten einer Krebserkrankung in den Vordergrund rücken. Darüber hinaus hilft Stressabbau auch, die Entwicklung zahlreicher Begleiterkrankungen einzuschränken.

Brustkrebs: Multivitaminpräparate verringern Sterblichkeit

Der Einsatz von Multivitaminpräparaten bei Krebs wird äußerst kontrovers diskutiert. Inzwischen haben Studien auch bei Brustkrebspatientinnen Hinweise auf positive Wirkungen gegeben.
In einer Studie aus den U.S.A. wurden 2.236 Frauen von 1997 bis 2000 im Frühstadium (Stadium I ≥1 cm, II oder IIIA) evaluiert und zu Ihren Lebensgewohnheiten mittels Fragebögen befragt (Kwan ML et al. / Breast Cancer Res Treat 2011). So war bei Frauen, die sich gleichzeitig gesund ernährten, die Einnahme eines Multivitaminpräparates mit einer hoch signifikanten Reduktion der Gesamtmortalität verbunden. Ähnliches zeigte sich in dieser Studie an Frauen, die regelmäßig Sport trieben. Verglichen mit den Frauen, die nie ein Multivitaminpräparat eingenommen hatten, war die Einnahme eines Multivitaminpräparates vor Diagnosestellung und danach mit einem allerdings nicht-signifikanten verminderten Rezidivrisiko und einem verminderten Gesamtmortalitätsrisiko verbunden.
Eine andere aktuellere Studie aus dem Jahr 2013 kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Hierzu wurden 7728 Frauen zwischen 50 und 79 Jahren in einer prospektiven Kohortenstudie im Median von 7,1 Jahren beobachtet (Wassertheil-Smoller S et al. / Breast Cancer Res Treat 2013). Dabei war die Brustkrebsmortalität um 30 Prozent geringer, wenn ein Multivitaminpräparat eingenommen wurde.
GfBK-Kommentar: Diese Studien bekräftigen, dass die Einnahme von Multivitaminpräparaten die Prognose bei Brustkrebs nicht verschlechtert, sonder eher noch verbessern hilft. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass vor allem eine gesunde Ernährung mit viel Gemüse und Obst sowie sportliche Aktivität eine wichtige Basis darstellen. Angesichts der weit verbreiteten Defizite in der Ernährung ist es wichtig, die Patientinnen nicht nur zu einem gesunden Lebensstil zu motivieren, sondern ihnen auch Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie solche Erkenntnisse umsetzen können. In diesem Zusammenhang halten wir es für empfehlenswert, Vitamingaben bedarfsorientiert und – soweit möglich - nach vorheriger Bestimmung der Blutspiegel (z.B. bei Vitamin D, Selen und Zink) zu substituieren. Der Einsatz eines am besten pflanzlichen Multivitaminpräparates kann analog der obigen Studienergebnisse ohne Bedenken als Ergänzung zu einer gesunden Ernährung empfohlen werden.

Tamoxifen wirkt bei nächtlichem Licht schwächer

Die Wirksamkeit der Hormontherapie mit Tamoxifen kann nachlassen, wenn Brustkrebspatientinnen nachts in einem hellen Zimmer schlafen. Darauf deuten tierexperimentelle Studien hin (Dauchy RT et al. / Cancer Research 2014). Dabei führten die Forscher Untersuchungen an Ratten durch, denen sie menschliche Mammakarzinome transplantiert hatten. Die Tumore waren östrogenrezeptor-positiv und vergrößerten sich unter dem Einfluss der von den Ratten produzierten Östrogene.
Die Behandlung mit dem Antihormon Tamoxifen verhinderte das Wachstum der Tumore. Bemerkenswert dabei war, dass die Antihormontherapie nicht mehr wirksam war, wenn die Tiere in einem Käfig schliefen, der nachts schwach beleuchtet war. Diese Tamoxifenresistenz konnte überwunden werden, wenn die Tiere abends mit Melatonin behandelt wurden. Die Forscher vermuten daher, dass ein Melatonin-Mangel, ausgelöst durch die Dauerbeleuchtung des Käfigs, für die Tamoxifenresistenz verantwortlich sein könnte.

GfBK-Kommentar: Eine mögliche Erklärung findet sich bereits in anderen experimentellen und epidemiologischen Studien, die der Bedeutung von Melatonin nachgingen und in denen Schichtarbeit bei Frauen mit einem erhöhten Brustkrebs¬risiko assoziiert war (Schernhammer ES et al. / Epidemiology 2006 und Parent ME et al. / Am J Epidemiol 2012).
Ob die Ergebnisse von Ratten auf den Menschen übertragbar sind, ist unklar. Es kann auch noch nicht eindeutig beantwortet werden, ob der Einsatz von Melatonin im Rahmen der Antihormontherapie sinnvoll wäre. Ein einfacher Rat, und einfach umzusetzen ist aber der, den betroffenen Frauen zu empfehlen, nicht im Dämmerlicht zu schlafen. Diesen Rat sollte allerdings jeder beherzigen, da ein ungestörter Schlaf (und dazu gehört eben auch die Dunkelheit) für die Abläufe im Gehirn wichtig ist.

Strahlenschäden der Haut mit Gluathion und Anthocyanen lindern

Eine amerikanische Untersuchung (Enomoto / Am J Surgery 2005) mit 30 Brustkrebspatientinnen zeigt, dass durch eine Creme aus reduziertem Glutathion und Anthocyanen Strahlenschäden der Haut während einer lokregionären Bestrahlung gelindert werden. Der Effekt dieser Creme war in der verblindeten randomisierten Studie sogar besser als eine herkömmliche Standardbehandlung der Haut.

GfBK-Kommentar: Strahlenschäden der Haut treten sehr häufig auf und sind immer noch nicht optimal behandelbar. Insofern sind dies sehr interessante Untersuchungsergebnisse, zumal Glutathion in Verbindung mit Anthocyanen hierzulande bisher nur als Nahrungsergänzung während belastenden schulmedizinischen Therapien angewandt wird.

Yoga verbessert die Lebensqualität

Yoga steigert das Wohlbefinden von Menschen mit schwerer Krankheit. Dies zeigte eine randomisierte Studie vom National Cancer Institute, in der 130 Brustkrebspatientinnen während der Strahlentherapie entweder zweimal wöchentlich ein Yogatraining praktizierten oder auf eine Warteliste kamen (Cohen / Proc Am Soc Cli Oncol 2006).
Dabei stellte sich gegenüber der Kontrollgruppe eine deutlich bessere Lebensqualität ein. Dies wurde mit dem sogenannten SF-36 gemessen, einem Maßstab, der anhand eines ausführlichen Fragebogens u.a. verschiedene Aspekte der Lebensqualität wie körperliche Funktionen, allgemeine Gesundheit sowie Depression und Ängste berücksichtigt. Während sich in bezug auf Depressionen und Ängste durch regelmäßiges Yogatraining keine Besserung erzielen ließ, verbesserten sich der allgemeine Gesundheitszustand und die körperlichen Funktionen. Außerdem litten die Patientinnen, die am Yogatraining teilnahmen, weniger häufig unter Schlafstörungen und Erschöpfung.

GfBK-Kommentar: Dass regelmäßiges Yogatraining das Wohlbefinden verbessern kann, ist allgemein bekannt. In dieser Studie kam übrigens eine spezielle Yoga-Variante zum Einsatz, die sich vor allem auf Atem- und Entspannungsübungen konzentriert und auch für Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit erlernbar ist.
Problematisch an dem Design der Studie ist allerdings, dass die Kontrollgruppe von 61 Patientinnen auf einen Termin nach dem Ende der Strahlentherapie vertröstet wurde. Es soll nun in einer weiteren Studie untersucht werden, wie Yoga im Vergleich zu ergotherapeutischen Dehnungsübungen abschneidet.

Radiatio nach Brust-OP: Wer profitiert?

Erste Daten aus der Nachbeobachtung einer Untersuchung von Valagussa (Studie RT 55-75) deuten an, dass Mammakarzinompatientinnen über 55 Jahren ein relativ geringes Risiko für Lokalrezidive haben. Dabei wurden 749 Patientinnen (55-75 Jahre) mit einer Tumorgröße von maximal 2,5 cm nach der Operation randomisiert einem Bestrahlungsarm oder einem Arm mit alleiniger Nachbeobachtung zugeteilt. Nach einem medianen Follow-Up von 53 Monaten war die Lokalrezidirate bei den nur operierten Patienten mit 2,5% tendenziell höher als bei zusätzlicher Nachbestrahlung (0,7%), wobei der Unterschied statistisch nicht signifikant war. Noch geringer waren die Unterschiede beim progressionsfreien Überleben (96,5 vs. 96%) und beim Gesamt-Überleben (96 vs. 95%). Nach Meinung der Autoren kann man bei über 55-jährigen Frauen die Bestrahlung nach brusterhaltender Operation aufgrund der Studiendaten ersparen.

GfBK-Kommentar: Bisher kamen Studien (EBCTCG-Metaanalyse) zu anderen Ergebnissen, wonach die Strahlentherapie das Auftreten eines frühen Rezidivs verhindert und das progressionsfreie Überleben verbessert. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass lediglich bei bestehenden Lymphknotenmetastasen eine Verbesserung der Überlebenschancen durch eine zusätzliche Strahlentherapie nachgewiesen werden konnte.
Kritikpunkt an der hier vorgestellten Studie ist vor allem die im Median von 4,4 Jahren zu kurze Nachbeobachtungszeit. Trotzdem regen unserer Ansicht nach die Ergebnisse an, die bisherige Bestrahlungspraxis individuell zu überdenken. So spielen zahlreiche Faktoren bei der Rezidiventstehung eine Rolle, dazu gehören ein junges Alter bei der Diagnose, positive Operationsränder und die mammographische Dichte des Brustgewebes. So profitieren Patienten mit einer geringen Brustdichte eher wenig von einer Strahlentherapie (Cil T et al. / Cancer 2009). Insbesondere die Berücksichtigung der Brustdichte könnte mit entscheiden helfen, welchen über 55-jährigen man die potentiell mit Langzeitfolgen assoziierte Radiatio ersparen kann.

Bei DCIS reicht die Teilbrustbestrahlung

Beim Duktalen Carcinoma in situ der Mamma, das mit einer sehr guten Prognose verknüpft ist, stellt sich die Frage, welche Therapie geeignet ist, um eine lokale Tumorkontrolle ohne zu viele Nebenwirkungen zu erreichen. Zur Klärung, ob eine sog. Teilbestrahlung der Brust (APBI) ausreicht, haben amerikanische Kollegen 194 Patientinnen mit DCIS aus der ASBS-Studie mit historischen Kontrollen verglichen (Keisch M et al. / Am J Surg 2009). Das Ergebnis der 4-Jahres-Subanalyse zeigte, dass die klinischen Ergebnisse der Patientinnen unter Teilbrustbestrahlung mit denen vergleichbar sind, bei denen die ganze Brust bestrahlt worden ist.

GfBK-Kommentar: Da das DCIS der Mamma auch von Schulmedizinern nicht als invasiver Tumor angesehen wird, stellen viele naturheilkundliche Ärzte zu Recht die Frage, ob ein DCIS daher nicht auch ohne invasive Behandlungsmethoden therapierbar ist. Denn bei einem DCIS haben die Zellen nicht die Eigenschaft, sich im Körper zu verteilen und Absiedelungen zu bilden. Dies spiegelt sich auch in den Aussagen der Patientenleitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft wieder. So haben laut DKG bei Brust erhaltend operiertem DCIS nur jüngere Frauen, die als besonders gefährdet gelten (mit Hochrisiko-Läsionen und knappen Resektionsrändern), den größten Gewinn. Wir empfehlen daher als wichtigste Maßnahme eine sorgfältige Resektion im Gesunden. Dies ist auch nach Expertenmeinungen die wichtigste Vorraussetzung, um örtliche Rezidive wirksam zu verhindern.
Inzwischen gibt es übrigens neben der Teilbrustbestrahlung auch andere Methoden, die die Belastung durch eine Strahlentherapie minimieren helfen, da sie während der Operation angewandt werden. So bieten rund zehn Prozent der zertifizierten Brustzentren in Deutschland die sog. intraoperative Strahlentherapie (IORT) an, z. B. Heidelberg, Mannheim, München, Berlin, Frankfurt. Dabei erfolgt die Bestrahlung direkt nach der Tumorentfernung noch während der Operation. Im Vergleich zur herkömmlichen Bestrahlung soll damit die Rückfallrate wesentlich verringert werden. Dies konnte in größeren Studien bereits belegt werden.

Bewegung bei Brustkrebs ist immer sinnvoll

Körperliche Aktivität kann das Risiko für Brustkrebs um 30 bis 40 % senken. In der amerikanischen HEAL-Studie wurde untersucht, inwieweit sich mäßige körperliche Aktivität vor und nach der Erkrankung auf die Sterblichkeit auswirkt. Dabei wurden die körperliche Aktivität von Mammakarzinom-Patientinnen im Jahr vor und zwei Jahre nach der Diagnose erfasst und mit dem Überleben korreliert (Irwin et al. / J Clin Oncol 2008).
Das spannende Ergebnis: Frauen, die sich im Jahr vor der Diagnose mit etwa neun metabolischen Stundenäquivalenten pro Woche körperlich betätigt hatten (das entspricht ungefähr zwei bis drei Stunden flottem Gehen), hatten gegenüber völlig inaktiven Frauen eine Reduktion des Mortalitätsrisikos um 31 %. Bei denjenigen, die zwei Jahre nach der Diagnose ähnlich aktiv waren, betrug die Reduktion gegenüber den Inaktiven sogar 67 %. Das Erfreuliche: Auch wer vor der Diagnose nichts getan hat, kann durch Erhöhung der körperlichen Aktivität hinterher immer noch etwas für sich tun. Gegenüber den Patientinnen, die sowohl vorher als auch hinterher inaktiv waren, erreichten diejenigen, die nach der Diagnose körperlich aktiver waren, eine Risikoreduktion von 45 Prozent. Dagegen stieg das Risiko bei den Frauen, die vorher aktiv waren, nach der Diagnose diese Aktivität aber eingestellt hatten, um etwa das Vierfache.

GfBK-Kommentar: Diese Untersuchung zeigt, dass selbst Frauen, die vorher inaktiv waren, sich durch körperliche Bewegung etwas Gutes tun können. Damit werden Ergebnisse anderer Untersuchungen bestätigt, die gezeigt hatten, dass mäßige körperliche Bewegung bei Brustkrebspatientinnen (zwei bis drei Stunden pro Woche) das Mortalitätsrisiko in hohem Maße senken kann und damit besser wirksam als jegliche schulmedizinische Therapie ist.

Brustkrebspatientinnen mit Schwermetallen überladen – Vitamin C hilfreich

Eine leider nur wenig beachtete Studie zeigt, dass Brustkrebsgewebe mit Quecksilber, Blei, Cadmium, Eisen, Chrom, Zink und Nickel belastet ist (Ionescu / Umwelt Medizin Gesellschaft 2006). In dieser Pilotstudie wurden acht gesunde und 20 Brustkrebsbiopsien untersucht, wobei im Brustkrebsgewebe viel höhere Konzentrationen von Schwermetallen nachgewiesen werden konnte. Laut Autoren erhärten die Untersuchungsergebnisse den Verdacht, dass auch der oxidative Stress durch Umweltschadstoffe eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Brustkrebs spielen kann.

GfBK-Kommentar: Die Autoren schlussfolgern aus den Ergebnissen, dass Brustkrebspatientinnen von hochdosierter Askorbinsäure profitieren könnten, da in Anwesenheit von Schwermetallen Vitamin C Wasserstoffperoxid bildet, was wiederum eine zytotoxische Wirkung auf Tumorzellen ausübt (Chen, Espey / Proc Natl Acad Sci 2005). Ob die Schwermetalle kanzerogen wirksam sind oder ob Krebszellen Schwermetalle nur vermehrt anreichern, müssen weitere Studien zeigen. Zumindest gibt es bezüglich der kontrovers diskutierten Thematik „Vitamingabe: Ja oder Nein" einen weiteren interessanten Übersichtsartikel (Sagar / Focus on Alternative and Complementary Therapies 2004), in dem gezeigt wurde, dass wahrscheinlich der Stoffwechsel der Tumorzelle über die antioxidative oder oxidative Wirkung eines Antioxidans mitentscheidet. Insofern spricht vieles dafür, dass die hoch dosierte Vitamin C Gabe bei Brustkrebs und auch bei anderen Tumorarten sinnvoll sein könnte.

Bisphosphonate bei Brustkrebs umstritten

Bisphosphonate sind Medikamente, die zur Behandlung von Osteoporose und darüber hinaus zur Behandlung von Knochenmetastasen eingesetzt werden. Es handelt sich um Phosphorverbindungen, die, einmal im Knochen angelangt, viele Jahre dort verbleiben und den Knochenabbau verhindern. Außerdem hemmen sie das Anhaften von Tumorzellen im Knochen, so dass Knochenmetastasen verhindert werden sollen. Seit einiger Zeit wird diskutiert, ob die Behandlung mit Bisphosphonaten auch vorbeugend, insbesondere bei Brustkrebspatienten wirksam ist.
Eine große randomisierte Studie (AZURE), die Zoledronsäure nach der Primärbehandlung (OP + Bestrahlung + Chemotherapie) einsetzte, kam jedoch zu dem Schluss, dass damit keine Verbesserung des rezidivfreien Überlebens erreicht werden kann (Coleman R et al. / New England Journal of Medicine 2011). Die Bisphosphonatgabe wurde zunächst begleitend zur Chemotherapie und danach über 5 Jahre fortgesetzt. Das rezidivfreie Überleben betrug nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 59 Monaten in beiden Gruppen 77 Prozent. Lediglich bei einer Subgruppe, den postmenopausalen Patientinnen stieg das rezidivfreie Überleben von 71 auf 78,2 Prozent an. Bei Frauen, deren Menopause bereits mehr als 5 Jahre zurücklag, waren es 84,6 Prozent nach 5 Jahren ohne Rezidiv.

GfBK-Kommentar: Wieder einmal zeigt sich, dass durch die Gabe von Bisphosphonaten Brustkrebspatientinnen nicht länger leben. Warum viele Therapeuten angesichts dieser Studienergebnisse immer noch von der sehr kostenintensiven Therapie überzeugt sind, ist verwunderlich, da Subgruppen-Analysen umstritten sind. So warnen Statistiker vor der Überbewertung von Subgruppen-Analysen, da aus Gründen der Wahrscheinlichkeitsrechnung man immer ein positives Ergebnis findet, wenn man nur lange danach sucht. Aus diesem Grund akzeptieren Zulassungsbehörden in der Regel auch keine Ergebnisse von Subgruppen-Analysen.
Unserer Meinung nach sollte daher die Behandlung mit Bisphosphonaten nicht mehr länger breitflächig empfohlen werden, zumal diese Substanzen auch Risiken bergen: So können Knochenschmerzen, Gelenkschmerzen und Fieber auftreten; und das Risiko an Speiseröhrenkrebs zu erkranken scheint erhöht. In seltenen Fällen (3-10%) können Bisphosphonate sogar Knochenentzündungen und -defekte im Kieferbereich hervorrufen.
Möchte man mit Bisphosphonaten Osteoporose vorbeugen, gibt es einfachere Maßnahmen, wie z.B. die orale Gabe von Vitamin D und Kalzium, eine effektive Säure-Basen-Regulation und ausreichend Bewegung.

Phytoöstrogene gegen Brustkrebs

Forscher am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg konnten nachweisen, dass Phytoöstrogene bei Brustkrebspatientinnen nach den Wechseljahren das Sterberisiko sowie das Risiko, Metastasen oder Zweittumoren zu entwickeln, um bis zu 40 Prozent verringern kann.
Dabei wurden im Rahmen der MARIE-Studie zwischen 2002 und 2005 Blutproben von 1140 Frauen untersucht, die nach den Wechseljahren an Brustkrebs erkrankt waren. Nach einer mittleren Beobachtungszeit von sechs Jahren setzten die Forscher den Enterolakton-Spiegel in Bezug zum klinischen Verlauf der Erkrankung. Das Ergebnis: Frauen mit dem höchsten Enterolakton-Spiegel hatten ein etwa 40 Prozent geringeres Sterberisiko verglichen mit den Teilnehmerinnen mit dem niedrigsten Enterolakton-Spiegel. Wurde das Auftreten von Metastasen und Zweittumoren mitberücksichtigt, kamen die Forscher zu einem ähnlichen Ergebnis. Erstaunlicherweise war das Ergebnis aber nur für die Gruppe der Östrogenrezeptor-negativen Tumoren signifikant (Buck K et al. / JCO 2011).

GfBK-Kommentar: Lignane sind in Samen, Getreide, Gemüse und Obst enthalten und zählen zu den von Europäern am häufigsten verzehrten Phytohormonen. Im Darm werden die Substanzen zu Enterolakton umgewandelt, das von der Schleimhaut absorbiert wird. Besonders bei Brustkrebspatienten empfehlen wir die regelmäßige Einnahme von Leinsamen, der neben viel Lignanen auch wertvolle Ballaststoffe, Vitamine und vor allem Omega-3-Fettsäuren enthält.
Bereits in einer älteren groß angelegten Studie (Suzuki R / British Journal of Cancer 2008) konnte der überzeugende Schutzeffekt bei Brustkrebs vor allem bei den Frauen gezeigt werden, die während der Wechseljahre regelmäßig Hormone einnahmen. Warum in der aktuell vorliegenden Studie der Effekt vor allem bei Tumoren Östrogenrezeptor-negativen Tumoren auftrat, dafür gibt es bisher keine plausible Erklärung. Vielleicht sollte man zukünftig hier auch noch andere hormonelle Faktoren berücksichtigen (wie z.B. Beginn der Wechseljahre, Hormoneinnahme in der Anamnese).

Warum Mammakarzinome tamoxifenresistent werden können

In einer Untersuchung an Brustkrebszellen von Forschern des Robert-Bosch-Krankenhauses in Stuttgart konnte gezeigt werden, dass die natürliche Immunantwort des Körpers lokal in der Tumorumgebung durch einen bestimmten Faktor, den Transforming growth factor ß (TGF-ß) gehemmt wird. Interessant war dabei, dass die Brustkrebszellen diesen bei andauerndem Einsatz von Antihormonen vermehrt produzierten (Joffroy C /Cancer Research 2010). Die Folge: TGF-ß wirkt immunschwächend, so dass der Tumor lokal nicht mehr vom Abwehrsystem bekämpft werden und erneut wachsen kann.

GfBK-Kommentar: Obwohl Ergebnisse aus klinischen Studien für die antihormonelle Therapie positive Resultate aufweisen, zeigt sich in der Praxis immer wieder, dass ursprünglich wirksame Medikamente im Laufe der Zeit Ihre Wirksamkeit verlieren. Daher kommt es auch bei etwa 30 Prozent der Brustkrebspatientinnen trotz antihormoneller Therapie zu Rückfällen.
Diese hier vorgelegten noch experimentellen Forschungsergebnisse betrachten die Entwicklung einer Resistenz gegenüber Antihormonen aus einem völlig anderen Blickwinkel. Die Ergebnisse weisen aber auch darauf hin, dass biologische Maßnahmen während einer antihormonellen Therapie wichtig sind, da z.B. Enzyme in diesen Mechanismus eingreifen können. So ist bekannt, dass Enzyme neben anderen Wirkungen die Freisetzung des Transforming growth factor ß (TGF-ß) unterdrücken. Es wäre daher wichtig, in zukünftigen Studien zu prüfen, ob durch die Gabe von Enzymen die Produktion von TGF-ß in Brustkrebszellen effektiv gehemmt werden kann.

Radiatio der linken Brustwand bei Mamm-Ca erhöht das Risiko der Stenosierung von Koronargefäßen

Schon aus einer anderen Studie weiß man, dass bei Frauen, die zwischen 1970 und 1996 eine Strahlentherapie erhielten, nach 10 Jahren eine deutliche Erhöhung der Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftrat, wenn die linke Thoraxhälfte bestrahlt worden war (Darby S/BMJ 2003). In einer schwedischen Studie wurde diese Thematik anhand zwei Angiographie-Registern erneut aufgriffen, indem die Koronarangiographie-Daten von insgesamt 199 Brustkrebspatientinnen mit 188 nicht an Brustkrebs erkrankten Frauen verglichen wurden (Nilsson G/J Clin Oncol 2011). In die endgültige Analyse gelangten nur die Angaben von Radiologen, die nichts über die Krankengeschichte der Frauen wussten. Dabei wurden die angiographischen Stenosegrade mithilfe einer fünfstufigen Skala (0 = normale Verhältnisse, 5 = Okklusion) beurteilt.
Ergebnis: Im Vergleich von linksseitiger zu rechtsseitiger Bestrahlung ergab sich ein mehr als vierfacher Anstieg der Zahl von Stenosen 3. bis 5. Grades bei Bestrahlung der linken Thoraxhälfte. Wurden nur die Stenosen 4. und 5. Grades betrachtet, lag die Häufigkeit nach linksseitiger Bestrahlung sogar mehr als siebenmal höher.

GfBK-Kommentar: Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass das Risiko einer Stenosierung von Koronargefäßen vor allem bei einer Bestrahlung der linken Brust aber auch bei einer parasternalen Bestrahlung der Lymphknoten erhöht ist. Dies veranlasste die Autoren der Studie sogar zu der Aufforderung, Koronargefäße künftig als Risikoorgane der Strahlentherapie zu betrachten. In jedem Fall wäre es wichtig, im Patientengespräch auf solche möglichen Spätfolgen einer Bestrahlung der linken Brustwand hinzuweisen.

Durch Ginseng weniger Fatigue

Forscher der Mayo Clinic in Rochester stellten auf dem ASCO Meeting 2013 eine Phase-III-Studie über die Linderung von Fatigue-Symptomen durch amerikanischen Ginseng (Panax quniquefolius) vor. Von insgesamt 364 Patienten waren mehr als die Hälfte der Patienten an Brustkrebs erkrankt. Die Patienten wurden in zwei Gruppen randomisiert und erhielten entweder das Ginseng-Präparat oder einen Placebo.
Die Ausprägung der Fatigue-Symptome wurde anhand des MFSI (Multidimensional Fatique Symptom Inventory) gemessen. Nach vier Wochen zeigte sich die Wirksamkeit der Ginseng-Therapie. Der MFSI war mit 14,4 deutlich höher als im Placebo-Arm (8,2). Nach acht Wochen war der Unterschied noch größer und signifikant mit 20,0 versus 10,3. Besonders profitierten Patienten von der Ginseng-Gabe, die die Krebstherapie noch nicht abgeschlossen hatten.

GfBK-Kommentar: Die Gabe von Ginseng bei Fatigue ist nicht neu und hat sich in der Erfahrungsheilkunde und in der asiatischen Medizin bereits bewährt. Außerdem soll es Immunzellen aktivieren und antientzündlich wirksam sein sowie die Gefäßneubildung in Tumoren unterdrücken.
Kritiker warnen allerdings vor einer Einnahme bei hormonabhängigen Tumoren (z.B. Brustkrebs oder Prostatakrebs), da Ginseng östrogenähnliche Wirkungen haben soll. Vorsicht auch bei gleichzeitiger Einnahme von Ginsengpräparaten und Koffein, was zu Schlafstörungen und Nervosität führen kann. Außerdem sind Wechselwirkungen mit verschiedenen Arzneimitteln möglich, so z.B. eine erhöhte Blutungsneigung unter Cumarin oder ASS, eine Unterzuckerung unter Antidiabetika sowie Herzrhythmusstörungen unter Digoxin.

Aromatasehemmer werden durch Vitamin D verträglicher

Bei vielen postmenopausalen Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs, die sich einer adjuvanten Therapie mit einem Aromatasehemmer unterziehen, treten Knochen- und Gelenkschmerzen (sog. Arthralgien) sowie Fatigue-Symptome auf, was zu einem Therapieabbruch führen kann. Forscher der University of Kansas untersuchten, ob eine zusätzliche Vitamin-D-Gabe helfen kann, diese Nebenwirkungen zu mindern (Khan QJ et al./J Clin Oncol 2012; 30; suppl; abstr 9000).
Dabei konnten 147 von 160 Patienten ausgewertet werden und erhielten eine Therapie mit Letrozol plus 600 IU Vitamin D3 und 1.200 mg Calcium täglich sowie zusätzlich randomisiert entweder weitere 30.000 IU Vitamin D3 p.o. pro Woche oder Placebo.
Das Ergebnis: Von den Patientinnen, die zusätzlich hochdosiert Vitamin D3 erhalten hatten, litten nach 24 Wochen signifikant weniger unter Arthralgien (38 versus 61 Prozent). Auch die Fatigue-Symptome besserten sich unter der Vitamin-D-Supplementierung.

GfBK-Kommentar: Schon länger ist bekannt, dass die meisten Brustkrebspatienten einen Vitamin-D-Mangel haben. Neu ist die Beobachtung dieser Studie, dass durch die zusätzliche Gabe von Vitamin D auch die Nebenwirkungen einer Therapie mit Aromatasehemmern gelindert werden können. Interessant wäre in diesem Zusammenhang die Frage, ob sich die zusätzliche Vitamin-D-Gabe auch auf den Therapieerfolg auswirkt. Denn bisher lässt sich durch die Gabe von Aromatasehemmern zwar das rezidivfreie Überleben, nicht jedoch das Gesamtüberleben verlängern.
Unser Fazit: Da durch Vitamin D der ungünstige Einfluss der Aromatasehemmer auf die Knochendichte und anderer Nebenwirkungen minimiert werden kann, sollte bei jeder Brustkrebspatientin die Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels zur Standard-Untersuchung gehören. Bei einer Substitution sollte der 25-OH-D-Spiegel einen Zielwert mehr als 40 ng/ml erreichen.

Bevacizumab bei Brustkrebs - enttäuschend

Bevacizumab, ein Angiogenesehemmer, der den Tumoren den Nährstoffhahn abdrehen soll, wird zunehmend bei metastasierten Mammakarzinomen eingesetzt. Ob dies erfolgreich ist, untersuchte eine Metaanalyse der Cochrane Collaboration (Wagner A et al/Cochrane Database Syst Rev 2012). Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass sich mit Bevacizumab zwar das progressionsfreie Überleben nicht jedoch das Gesamtüberleben verlängern lässt. Außerdem kam es unter Bevacizumab häufiger zu schweren Nebenwirkungen vom Grad 3 und 4. Die Autoren selbst bezeichnen deshalb den Gesamtnutzen allenfalls als moderat. Bestimmte Subgruppen, wie Patientinnen, die eine wöchentliche Taxan-haltige Chemotherapie erhalten, und Patientinnen mit Hormonrezeptor-negativem Tumoren, scheinen eher zu profitieren.

GfBK-Kommentar: Häufig werden neue Substanzen, wie Angiogenesehemmer aufgrund fehlender Therapiemöglichkeiten zu rasch von den Arzneimittelbehörden zugelassen. Jüngstes Beispiel ist Bevacizumab. Dieser wurde aufgrund einer Studie zugelassen, die gezeigt hatte, dass Bevacizumab das Wachstum von Brustkrebs fünfeinhalb Monate lang anhalten kann, wenn es gemeinsam mit einer Chemotherapie eingesetzt wird. Nachfolgende Studien korrigierten die Verzögerung auf ein bis drei Monate und fanden dabei keine Erhöhung des Gesamtüberlebens, weshalb die amerikanische Zulassungsbehörde die Zulassung wieder aufgehoben hat. Die neuen Daten der Cochrane Collaboration bestätigen die insgesamt enttäuschende Wirksamkeit von Bevacizumab beim Mammakarzinom.

Hasenfutter gegen Brustkrebs

Hohe Carotinoid-Spiegel im Blut vermindern das Brustkrebsrisiko (Eliassen AH/ J Natl Cancer Inst 2012). Aus den Daten von circa 7000 Teilnehmern ließ sich eine signifikant inverse Korrelation zwischen den zirkulierenden Carotinoid-Spiegeln und dem Brustkrebsrisiko nachweisen. Bei dem Vergleich der Gruppen mit der höchsten und der niedrigsten Aufnahme konnten folgende Verringerung des relativen Risikos festgestellt werden: Alpha-Carotin -13 %, Beta-Carotin -17 %, Lutein + Teaxanthin -16 %, Lykopin -22 %, Gesamt-Carotinoide -29 %. Für einige Carotinoide wurde eine stärkere Assoziation mit Estrogen-Rezeptor-negativem (ER-) Brustkrebs festgestellt.

GfBK-Kommentar: Das sekundäre Pflanzenstoffe Krebs vorbeugen helfen, wird nun auch in dieser Studie bestätigt. Wir plädieren dafür, auch bei bereits bestehender Krebserkrankung die Vorteile einer vitalstoffreichen „bunten" Pflanzennahrung zu nutzen. Carotinoidreich sind zum Beispiel gelbe bis orangefarbene Obst -und Gemüsesorten (Karotten, Paprika, Süßkartoffel, Kürbis, Aprikosen, Papaya, Mango, Pfirsiche, Sanddorn, aber auch Tomaten) oder auch grüne Gemüsesorten (Spinat, Brokkoli, Kresse, Endivien etc.).

...und auch ein wenig Alkohol tut gut

Nicht nur Kaffee wirkt gegen Krebs. Jetzt soll auch moderater Alkoholkonsum vor Brustkrebs schützen können. Das ergab zumindest eine US-amerikanische Studie mit 23.000 Brustkrebs-Patientinnen, die länger lebten, wenn sie moderat Alkohol (30 bis 60 Gramm) tranken (Newcomb PA/Journal of Clinical Oncology 2013). Zur Info: 1 Glas Wein (200 ml, 11 Vol.-%) enthält 17,6 g Alkohol.
Hintergrund war eine Befragung der Frauen zu ihrem Alkoholkonsum vor der Diagnose. Außerdem gaben 4900 Frauen an, wie viel Alkohol sie nach der Diagnose zu sich genommen hatten. Das Ergebnis: Bei der Krebsdiagnose waren 19 Prozent der Frauen abstinent. Von diesen starben in einem elfjährigen Folgezeitraum 16,5 Prozent an Brustkrebs. Etwa die Hälfte der Versuchspersonen trank vor der Diagnose pro Woche zehn bis 20 Gramm Alkohol. 15,4 Prozent von ihnen – als etwa ein Prozent weniger – starben im Vergleichszeitraum. Am niedrigsten war die Sterberate bei Frauen, die 30 bis 60 Gramm Alkohol pro Woche konsumierten (13,6 Prozent). Noch mehr Alkohol wirkte sich dagegen wieder gegenteilig aus: 15,5 Prozent der Frauen, die 100 Gramm pro Woche tranken, starben im Folgezeitraum. Damit hatten die stärkeren Alkoholkonsumenten aber immer noch eine geringere Sterberate als die Abstinenzler.

GfBK-Kommentar: Da erhöhter Alkoholgenuss auch mit einer Vielzahl anderer Risikofaktoren verbunden ist, wird wohl keiner bei Krebserkrankungen zum Trinken von Alkohol raten wollen. Es zeigt aber, dass vieles, was vermeintlich gesundheitsschädlich ist, wenn man es genauer unter die Lupe nimmt, nicht immer Schaden anrichtet. Leider wurde in dieser Studie nicht unterschieden, welche Art von Alkohol die besten Ergebnisse erzielt. Das wäre interessant gewesen, zumal die Unterschiede mit knapp 3 Prozent ja nicht sehr hoch waren. Insofern lautet unsere Empfehlung, ab und zu die gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe von Bio-Rot- oder Weißwein mit gutem Gewissen zu genießen.

Kaffee verstärkt Wirksamkeit von Tamoxifen

Der Genuss von Kaffee verstärkte in einer schwedischen Studie die Wirkung von Tamoxifen (Simonsson M/Cancer Causes Control 2013). Dabei wurden 600 Patientinnen, die täglich zwei oder mehr Tassen Kaffee tranken, über einen Zeitraum von fünf Jahren beobachtet, wovon die Hälfte gleichzeitig Tamoxifen einnahm. Das Ergebnis: Frauen, die zwei oder mehr Tassen Kaffee am Tag tranken, hatten halb so viele Rückfälle, wie die Frauen, die nur eine Tasse oder weniger am Tag tranken.

GfBK-Kommentar: Dies ist die erste klinische Studie, die die Wirkung von Kaffee in Verbindung mit Tamoxifen untersucht. Allerdings gab es schon erste Hinweise in der Vergangenheit, dass ein moderater Kaffekonsum Einfluss auf das Brustkrebswachstum haben könnte. Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang bisher bei östrogen-rezeptor-negativen Tumoren (Li J/Breast Cancer Research 2011). Als mögliche Ursache für die Wirkung von Kaffee bei diesen Tumoren konnte in einer experimentellen Studie gezeigt werden, dass Kaffee (ohne Filter) wie ein PARP1-Hemmer wirkt (Geraets L/Biochem Pharmacol 2006). Diese Substanzen werden u.a. bei triple negativen Tumoren eingesetzt.
Zusammengefasst ergibt sich das Bild, dass regelmäßiger Kaffeegenuss (unserer Ansicht nach am besten mit Bio-Kaffee ohne Filter und ohne Milch als Espresso) nicht nur Genuss bringt sondern auch heilsame Wirkung bei Brustkrebs erzielen kann.

Überlegenheit von FEC gegenüber CMF ohne HER2-Überexpression nicht nachgewiesen

Im Rahmen der sog. MA.5-Studie (Pritchard / N Engl J Med, 2006) konnte gezeigt werden, dass Brustkrebs-Patientinnen mit Lymphknotenbefall nur dann von einer Chemotherapie nach dem FEC-Schema profitierten, wenn der HER2-Rezeptor überexprimiert war. Bei Frauen ohne HER2 Überexpression konnte kein Vorteil sowohl im rezidivfreien als auch im Gesamtüberleben durch eine zusätzliche Anthrazyklingabe erreicht werden. Hier war das CMF-Schema ebenso gut wirksam.

GfBK-Kommentar: Das „alte“ CMF-Schema ist wohl doch nicht so obsolet wie immer wieder gerne behauptet wird. Wir vermuten, dass insbesondere die pharmazeutische Industrie einen Vorteil davon hat, die preislich teureren Anthrazykline zu bewerben und einzusetzen. Schließlich handelt es sich bei dem früher gängig angewandten CMF-Schema um eine relativ preiswerte Kombination. Anzumerken und wichtig für die betroffenen Patientinnen ist außerdem, dass das CMF-Schema besser verträglich als das FEC-Schema ist. Da in der vorliegenden und auch in anderen Studien gezeigt werden konnte, dass Patientinnen ohne HER2-Überexpression keinen zusätzlichen Nutzen von einer anthrazyklinhaltigen Chemotherapie hatten, halten wir es für wichtig, den generellen Einsatz anthrazyklinhaltiger Schemata zu hinterfragen und den Nutzen bei jeder Patientin neu zu überdenken.

 

 

Viel Soja nützt bei Brustkrebs

Brustkrebspatientinnen können ihr Risiko, zu sterben oder erneut zu erkranken, wahrscheinlich verringern, indem sie Sojanahrungsmittel essen. Dies konnte in einer Studie von Forschern aus den USA und China an über 5042 Brustkrebs-Patientinnen gezeigt werden (Shu et al. / JAMA  2009), wobei die Forscher Daten aus der Shanghai Breast Cancer Survival Study, einer großen, bevölkerungsbasierten Studie in China untersuchten.

Und zwar zeigte der Konsum von Sojanahrungsmitteln einen engen Zusammenhang zur Sterblichkeit und zur Rezidivneigung: Patientinnen, die am meisten Sojaprotein aufnahmen, hatten ein 29 Prozent niedrigeres Risiko, während der Studienperiode zu sterben, und ein um 32 Prozent geringeres Risiko, dass der Brustkrebs zurückkehrte, als die Betroffenen mit dem geringsten Sojakonsum. Nach vier Jahren war die Sterblichkeitsrate in der Quartile mit dem niedrigsten Konsum bei 10,3 Prozent, in der Quartile mit dem höchsten Konsum dagegen bei 7,4 Prozent. Die Rückfallrate lag bei 11,2 versus 8,0 Prozent.

GfBK-Kommentar: Soja hat eine 1.000-fach geringere Hormonwirkung als Östrogene und wirkt als sog. selektiver Östrogen-Rezeptor-Modulator. Das bedeutet, dass Soja die Hormonwirkung nur an bestimmten Organsystemen entfaltet. Am Brustdrüsengewebe hingegen wirkt Soja als milder Hormonblockierer, so dass eine pflanzenkostreiche phytohormonhaltige Ernährung (mit Soja, Leinsamen) Brustkrebserkrankungen vorbeugen hilft. Diese Studie zeigt erstmals, dass ein moderater Sojakonsum wahrscheinlich auch hilfreich für Frauen mit Brustkrebs ist.

Unwirksamkeit von Tamoxifen bei hoher EGFR-Expression?

In einer Studie mit praemenopausalen Patientinnen, die an einer randomisierten placebokontrollierten Studie zur adjuvanten Tamoxifen-Therapie teilnahmen, wurde das Tumormaterial auf die EGFR-Expression hin untersucht (Giltnane / J Clin Oncol 2007). Damit versuchte man der Frage nachzugehen, ob sich der in Laborversuchen festgestellte „Cross-Talk“ zwischen EGFR und ER auch klinisch im Ansprechverhalten wiederspiegelt. Unter „Cross-Talk“ versteht man, dass die Signalwege von EGFR und ER reagieren und die Tumorzelle bei der medikamentösen Blockade des einen Rezeptors über den jeweils anderen Signalweg das Zellwachstum stimulieren kann. Das würde insbesondere die Beobachtung erklären, warum auch rezeptorpositive Tumore primär therapieresistent sein können.

Das Ergebnis dieser Untersuchung: ER-positive, mit Tamoxifen behandelte Patientinnen mit niedriger EGFR-Expression profitierten von einer zweijährigen Tamoxifen-Einnahme signifikant im Vergleich zu Patientinnen mit hoher EGFR-Expression. Außerdem zeigte sich in der Placebogruppe ein Unterschied bezüglich des rückfallfreien Überlebens über 10 Jahre zwischen den Patienten mit niedriger EGFR-Expression (49%) und hoher EGFR-Expression (57%).

GfBK-Kommentar: Möglicherweise könnte eine hohe EGFR-Expression der Grund dafür sein, dass bei einigen Frauen mit praemenopausalem Brustkrebs eine antihormonelle Therapie nicht wirksam ist. Ob die kombinierte Behandlung mit Tamoxifen und EGFR-Blockern hier Abhilfe schaffen kann, sollte in weiteren Studien geklärt werden. Allerdings gibt es auch noch weitere diskutierte Ursachen für eine Hormonresistenz: So z.B. eine Stimulation des Tumorwachstums durch Tamoxifen und der Verlust des ER-Rezeptors im Laufe der Therapie.

Yoga bessert Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen

Im Rahmen einer Studie, an der 128 Brustkrebspatientinnen teilnahmen, wurde der Effekt von Yoga auf die Lebensqualität, die Stimmung und das Wohlbefinden untersucht (Moadel / J Clin Oncol 2007). Dabei besuchten 84 Frauen einen zwölfwöchigen Yoga-Kurs; eine Vergleichsgruppe von 44 Frauen wurde auf eine Warteliste für einen solchen Kurs gesetzt. Die Ergebnisse zeigen, dass die fernöstliche Meditation die Lebensqualität der Patientinnen verbesserte und auch ein stärkeres Wohlbefinden auf emotionaler, sozialer und spiritueller Ebene bewirkte. Die Frauen, die regelmäßig an den Yoga-Übungen teilnahmen, litten außerdem seltener unter Verzweiflung. Bemerkenswert ist allerdings, dass immerhin 31% der Frauen in der Yoga-Gruppe gar nicht an dem Kurs teilnahmen. Immerhin konnten bei diesen Patienten, die keine Compliance zeigten, folgende statistisch signifikante Parameter ermittelt werden: sie litten stärker unter Fatigue, nahmen häufiger eine Radiotherapie in Anspruch, waren im Durchschnitt jünger und bekamen eine antihormonelle Therapie.

GfBK-Kommentar: Diese Studie bestätigt die Erfahrung, dass Yoga zu mehr Wohlbefinden beiträgt und Patientinnen in ihrer Krankheitsverarbeitung unterstützen hilft. Übrigens gibt es auch spezielle Yoga-Varianten, die sich vor allem auf Atem- und Entspannungsübungen konzentrieren und die auch für Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit erlernbar ist.

 

Akupunktur lindert Nebenwirkungen der antihormonellen Therapie

Die antihormonelle Therapie, bei Brustkrebs löst bei vielen Patientinnen Wechseljahrsbeschwerden aus, die durch Antidepressiva behandelt werden. Häufig kommt es jedoch unter einer antidepressiven Therapie zu sog. vasomotorischen Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Appetitverlust, Nausea und Obstipation, die für viele Patientinnen eine zusätzliche Einschränkung der Lebensqualität bedeuten.

Eine amerikanische Forschergruppe suchte nach einer Alternative und randomisierte dazu 50 Brustkrebs-Patientinnen (Walker et al. / Journal of Clinical Oncology 2009): Dabei wurde bei 25 Patientinnen statt einer antidepressiven Therapie mit Venlafaxin eine Akupunktur (2 Sitzungen in den ersten vier Wochen, danach einmal wöchentlich) durchgeführt; die anderen 25 Frauen erhielten Venlafaxin.

Nach zwölf Wochen wurden beide Therapien beendet. Parallel zu dieser Behandlung und auch in den nachfolgenden drei Monaten führten die Patientinnen ein Tagebuch, in welchem sie Angaben zum Befinden und dem Schweregrad der Nebenwirkungen des Östrogenentzugs und die vasomotorischen Beschwerden notierten.

Ergebnis: Beide Therapien erwiesen sich als gleichwertig. Die Hitzewallungen und auch die depressiven Verstimmungen gingen um etwa 50 Prozent zurück. Viele Frauen empfanden die Akupunktur als die angenehmere Therapie, zumal ihnen die Nebenwirkungen der Antidepressiva-Therapie erspart blieben. Außerdem berichteten die Frauen bei der Akupunktur von positiven Begleiteffekten. Sie betrafen den Erhalt der Libido und der Lebensenergie sowie eine Klarheit im Denken und ein allgemeines Wohlgefühl.

GfBK-Kommentar: Akupunktur hat sich in dieser Untersuchung als eine wirksame Begleitbehandlung zur antihormonellen Therapie bei Brustkrebs erwiesen, um deren Nebenwirkungen abzumildern. In Anbetracht möglicher anderer unerwünschter Interaktionen von Antidepressiva (insbesondere von SSRI) mit Tamoxifen sollten Antidepressiva sowieso nur äußerst zurückhaltend verordnet werden. Bei Vorliegen von starken Wechseljahrsbeschwerden kann neben der Akupunktur eine Linderung der Beschwerden auch durch homöopathische Komplexmittel oder durch Präparate, die Traubensilberkerze enthalten, erreicht werden.

Mistel verbessert die Lebensqualität bei Brustkrebspatientinnen

Bei 352 Brustkrebspatientinnen wurde untersucht, inwieweit die gleichzeitige Misteltherapie während einer Chemotherapie Einfluss auf die Lebensqualität hat (Semiglazov / Anticancer Research 2006). Innerhalb eines randomisierten, plazebokontrollierten doppelblinden Studiendesigns erhielten die Patienten während einer Chemotherapie mit CMF entweder standardisierten wässrigen Mistelextrakt subkutan zweimal wöchentlich oder Plazebo. Bei allen eingesetzten Messparametern zur Einschätzung der Lebensqualität zeigten sich unter der Misteltherapie während und nach Abschluss der Chemotherapie deutlich bessere Werte. Insbesondere die unter CMF-Gabe sehr belastenden Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Übelkeit gingen unter gleichzeitiger Misteltherapie deutlich zurück. Abgesehen von leichten Lokalreaktionen an der Einstichstelle im Rahmen des erwünschten immunstimulierenden Effekts bei knapp 18 Prozent der Studienteilnehmerinnen wurde das Präparat gut vertragen.

GfBK-Kommentar: Dass eine Misteltherapie durchaus bereits während einer Chemo- und Strahlentherapie durchgeführt werden kann, da durch diese Therapie die Nebenwirkungen verringert werden, ist durch zahlreiche Studien bei Brustkrebspatienten belegt worden und wird durch diese aktuelle klinische Untersuchung erneut bestätigt. Um einen ausreichend hohen Immunstatus zu erreichen, sollte mit einer Mistelbehandlung allerdings wenn möglich schon 3 - 4 Wochen vor einer belastenden Therapie begonnen werden.

Neoadjuvante regionale Chemotherapie bei Mammakarzinom

Im Rahmen der neoadjuvanten Behandlung von Mamma-Ca-Patientinnen hat eine deutsche Studie (Aigner / Cancer Therapy 2008) zeigen können, dass eine wirksame präoperative Tumorverkleinerung auch mithilfe einer sog. regionalen intraarteriellen Chemotherapie gelingt. Dabei erhielten 53 Patientinnen über ein arterielles Port-System 6 Zyklen einer Kombination aus Cisplatin, Adriamycin und Mitomycin.

Klinische Ergebnisse: In sämtlichen Fällen konnte die Brust erhalten werden. Bei 26% der Patientinnen war bei der histologischen Untersuchung kein Tumorgewebe mehr nachweisbar, bei 48% war der Tumor stark verkleinert. Die Lokalrezidivrate betrug innerhalb einer 16-jährigen Nachbeobachtungsphase nur 17%. Und es lebten nach demselben Zeitraum noch 87% der Patientinnen. Die Behandlung wurde von den Patientinnen gut vertragen, wobei die meisten Patientinnen zwischen den Behandlungszyklen voll arbeitsfähig waren.

GfBK-Kommentar: Unter regionaler Chemotherapie versteht man die örtliche, also auf eine Körperregion beschränkte Chemotherapie. Das Medikament wird dabei stets über die den Tumor oder die Tumorregion versorgende Arterie zugeführt. Dies führt wiederum zu einem konzentrationsbedingt höheren Übertritt der Zytostatika in die Tumorzellen und folglich zu einer besseren Wirkung vor Ort bei einer gleichzeitigen Minderung der Nebenwirkungen auf den gesamten Organismus. Vermeiden lassen sich Schäden am Blutbild, Schleimhautentzündungen und Haarausfall.

Diese Untersuchung zeigt, dass die regionale Chemotherapie, die bisher vor allem bei fortgeschrittenen Tumoren angewandt wird, sich auch zur neoadjuvanten Behandlung von Mammakarzinomen mit dem Ziel einer lokalen Tumorverkleinerung eignet.

Zeitpunkt der adjuvanten Chemotherapie bei Brustkrebs

Um herauszufinden, wann eine adjuvante Chemotherapie bei frühem Mammakarzinom beginnen sollte und ob eine Wartezeit von bis zu drei Monaten das Überleben verschlechtert, untersuchte eine retrospektive dänische Studie (Cold / Brit J Cancer, 2005). Hierzu wurden Daten von 7501 Frauen ausgewertet, die zwischen 1977 und 1999 eine Chemotherapie erhalten hatten. Die meisten der Patienten erhielten eine Chemotherapie nach dem CMF-Schema, nur 1084 Patienten erhielten eine Therapie mit Anthrazyklinen (FEC). Die Wartezeit bis zu Beginn der Chemotherapie wurde dabei in vier Gruppen unterteilt: 1 bis 3 Wochen, 4 Wochen, 5 Wochen und 6 bis 13 Wochen. Es zeigte sich, dass einer früher Beginn innerhalb der ersten drei Wochen keinen Überlebensvorteil bedeutet. Auch für Patientinnen mit einer schlechteren Prognose (wie befallene Lymphknoten, höhergradige Tumoren und Hormonrezeptornegativität) konnte keine Beeinflussung des Überlebens durch einen frühen Chemotherapiestart nachgewiesen werden.

GfBK-Kommentar: Endlich eine Studie, die Frauen beruhigt, die z.B. durch medizinische Komplikationen, eine Chemotherapie erst später beginnen können. Auch Patientinnen, die durch möglichst schnelle Einleitung von Chemotherapien verunsichert und unter Zeitdruck gesetzt werden, da sonst ein Tumorwachstum zu befürchten sei, werden durch diese Studiendaten bekräftigt, dass bis zu Beginn der Chemotherapie genügend Zeit ist, um eigene Wege im Umgang mit der Erkrankung zu finden und um Maßnahmen zu ergreifen, die vor Beginn einer Chemotherapie das Immunsystem stärken helfen.

Brustdichte als Risikofaktor für ein Rezidiv

Zahlreiche Daten belegen, dass die durch Mammografie bestimmte Dichte des Brustgewebes eine Rolle bei der Entstehung eines Tumors spielt. Eine kanadische Studie ging der Frage nach, ob die Brustdichte auch einen Einfluss auf die Rezidivgefahr hat (Cil T et al. / Cancer 2009).

Hierfür wurden die Akten von 335 Patientinnen retrospektiv ausgewertet, für die eine Mammographie aus der Zeit vor der Behandlung verfügbar war. Alle Frauen hatten sich wegen eines invasiven Tumors brusterhaltend operieren lassen. Die Patientinnen wurden nach der Wolfe-Klassifikation für mammographische Dichte in drei Kategorien eingeteilt: niedrig ( 50 %). Die Frauen in der Gruppe mit hoher mammographischer Dichte hatten ein erheblich größeres Risiko für ein Lokalrezidiv im Vergleich zu jenen Frauen mit dem am wenigsten dichten Brustgewebe: Das errechnete 10-Jahres-Risiko betrug 21 % gegenüber 5 %. Der Unterschied in den Rezidivraten zwischen diesen beiden Gruppen war nach zehn Jahren für Frauen, die keine Radiotherapie erhalten hatten, noch stärker (40 % vs. 0 %).

GfBK-Kommentar: Nach brusterhaltender Resektion und Bestrahlung eines Mammakarzinoms beträgt das Risiko für einen ipsilateralen Tumor in den folgenden zehn Jahren zehn Prozent. Zahlreiche Faktoren spielen bei der Rezidiventstehung eine Rolle, dazu gehören ein junges Alter bei der Diagnose, positive Operationsränder – aber auch die mammographische Dichte des Brustgewebes. Diese Studie zeigt: Ist die mammographisch erfasste Dichte des Brustgewebes hoch, steigt auch das Risiko für einen Rückfall nach der Operation – v. a. wenn postoperativ nicht bestrahlt wurde. Allerdings zeigt sie auch: Patienten mit einer geringen Brustdichte profitieren eher wenig von einer Strahlentherapie. Zukünftig könnte diese Diagnostik eine einfache Entscheidungshilfe sein, um vorherzusagen, welche Patienten wirklich von einer Strahlentherapie profitieren.

Leberenzym beeinflusst Tamoxifen-Effekt

Das beim hormonrezeptorpositiven Mammakarzinom eingesetzte Tamoxifen entfaltet seine Wirkung über die Metaboliten 4-Hydroxy-Tamoxifen und Endoxifen, die durch das Cytochrom-P450-Isoenzym 2D6 (CYP2D6) gebildet werden. Bekannt ist, dass CYP2D6-Polymorphismen den Behandlungseffekt beeinflussen können. Dieser Zusammenhang wurde mit Daten aus US-amerikanischen und deutschen Kohorten untersucht (Schroth et al. / J Am Med Ass 2009).

1.325 Studienpatientinnen waren zwischen 1986 und 2005 an einem hormonrezeptorpositiven Mammakarzinom der Stadien I–III erkrankt. Aus Tumorgewebe oder Blut wurde das CYP2D6-Gen typisiert (Varianten mit reduzierten Allelen oder fehlender Enzymaktivität). Anhand der Genotypen unterschieden die Forscher Frauen mit ausgeprägter (n = 609, Gruppe 1), heterozygot hoher/ intermediärer (n = 637, Gruppe 2) und geringer CYP2D6-Aktivität (n = 79, Gruppe 3) und korrelierten dies mit der Zeit bis zum Rezidiv, ereignisfreiem, krankheitsfreiem und Gesamtüberleben. Der mediane Follow-up lag bei 6,3 Jahren.

Nach neun Jahren unterschieden sich die Rezidivraten in Abhängigkeit von der Enzymaktivität signifikant – Gruppe 1: 14,9 %, Gruppe 2: 20,9 % und Gruppe 3: 29,0 %. Im Vergleich zu den Patientinnen in Gruppe 1 erhöhte sich das Rezidivrisiko binnen neun Jahren damit für Gruppe 2 signifikant um 40 %, für Gruppe 3 um 90 %. Die Gesamtmortalität lag in den drei Gruppen bei 16,7 %, 18,0 % und 22,8 %. Im Vergleich zur Gruppe 1 ergab sich eine signifikante Verschlechterung des ereignisfreien und krankheitsfreien Überlebens für die Gruppen 2 und 3. Bezüglich des Gesamtüberlebens war aber kein signifikanter Unterschied auszumachen.

Fazit: Für die Langzeitwirkung von Tamoxifen bei rezeptorpositivem Mammakarzinom spielt der CYP2D6-Genotyp eine Rolle. Eine geringe Aktivität des Enzyms verschlechterte die Prognose. Umgekehrt wiesen Patientinnen mit hoher Enzymaktivtät ein ähnlich gutes Ergebnis auf wie Kollektive in Aromatasehemmer-Studien.

GfBK-Kommentar: Seit Jahrzehnten ist nicht eindeutig geklärt, wie das Problem der Resistenz einer antihormonellen Therapie einzuschätzen ist. So wusste man bisher lediglich, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tumor hormontherapieresistent wird, im Laufe der antihormonellen Behandlung kontinuierlich zunimmt.

Durch Bestimmung der Polymorphismen eines bestimmten Enzyms, dem CYP2D6, kann man nun feststellen, ob Tamoxifen in der Leber überhaupt zum aktiven Stoffwechselprodukt umgewandelt und damit wirksam werden kann. Dieser Bluttest (AmpliChip® CYP450) wird in Laboren durchgeführt, die auf humangenetische Analysen spezialisiert sind, und wird insbesondere auch dadurch interessant, dass die Krankenkassen bei nachgewiesenem Non-Responder die hohen Kosten von c.a. 700 Euro meistens erstatten. Dem Argument der Kritiker, dass in der Studie kein signifikanter Unterschied im Gesamtüberleben zwischen den Gruppen auszumachen war, ist entgegenzuhalten, dass es gerade in anbetracht der hohen Nebenwirkungsrate einer antihormonellen Therapie wichtig ist, einschätzen zu können, bei welchen Patienten diese Therapie wirklich wirksam ist.

Antidepressivum vermindert die Wirksamkeit von Tamoxifen

Werden Brustkrebs-Patientinnen gleichzeitig mit Tamoxifen und dem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Paroxetin behandelt, haben sie ein erhöhtes Sterberisiko. Dies haben kanadische Forscher anhand von 2430 Patientinnen in einer Kohortenstudie über einen Zeitraum von 12 Jahren analysiert (Andersohn et al. / BMJ 2010). Alle Frauen waren mit Tamoxifen behandelt worden; etwa jede dritte Frau erhielt zusätzlich ein Antidepressivum, die meisten davon Paroxetin. Dabei zeigte sich für die Kombination aus Tamoxifen und Paroxetin - aber für keinen anderen SSRI - ein erhöhtes Sterberisiko. Wurde zum Beispiel Paroxetin 41 Prozent der Zeit der Tamoxifen-Therapie eingenommen, dann gab es binnen fünf Jahren pro 20 Patientinnen einen zusätzlichen Brustkrebs-Todesfall. Dauerte die Paroxetin-Einnahme noch länger, steigt auch das Todesrisiko.

Die Interaktion erklären sich die Forscher folgendermaßen: Um zu wirken, muss Tamoxifen in der Leber durch Enzyme des Cytochrom-P450-Systems in den aktiven Metaboliten Endoxifen umgewandelt werden. Dieser Prozess wird durch Paroxetin gestört, so dass die Wirksamkeit von Tamoxifen herabgesetzt wird.

GfBK-Kommentar: Die Ergebnisse dieser Studie sind alarmierend, da viele Patientinnen zur Behandlung von Depressionen (die meist eine Folge der Tamoxifenbehandlung sind) mit SSRI behandelt werden. Warum diese Interaktion nur für Paroxetin gilt, muss zunächst unklar bleiben. Vielleicht wirken andere SSRI ähnlich. Da aber die meisten der Patientinnen in dieser Studie Paroxetin nahmen, ist der gemessene Effekt für die anderen SSRI vielleicht zu klein gewesen, um wirklich Aussagekraft zu haben. Daher sollten beide Medikamente (Tamoxifen und SSRI) unserer Ansicht nach nicht zusammen verordnet werden. Wie andere aktuelle Untersuchungen zeigen, gibt es auch andere gute Behandlungsalternativen, wie z.B. Akupunktur, die genauso gut die Begleiterscheinungen der antihormonellen Therapie abschwächen können – und das ganz ohne zusätzliche Nebenwirkungen.

Beta-Blocker verhindern die Bildung von Metastasen bei Brustkrebs

Beta-Blocker können möglicherweise die Bildung von Metastasen bei Brustkrebs vermindern und somit die Überlebensrate verbessern. Dies berichteten Forscher der Universität Nottingham und deutsche Forscher um Prof. Dr. Frank Entschladen von der Universität Witten/Herdecke auf der siebten Europäischen Brustkrebskonferenz (EBCC7) in Barcelona 2010 (European Journal of Cancer Supplements 2010).

Die Forscher analysierten die Krankheitsdaten von Patientinnen mit verschiedenen Arten von Brustkrebs und teilten diese in drei Gruppen ein: Eine Gruppe, die aufgrund von Bluthochdruck bereits mit Betablockern behandelt wurde, eine zweite, deren Hypertonie mit anderen Wirkstoffen behandelt wurde, und eine dritte mit Normotonen ohne jegliche Antihypertonikatherapie.

Von insgesamt 466 Patientinnen nahmen 43 Betablocker ein. In dieser Gruppe bildeten sich deutlich weniger Fernmetastasen und lokale Rezidive aus. Insgesamt hatten diese Patientinnen im Vergleich mit den anderen Teilnehmerinnen der Studie ein um 71 Prozent reduziertes Risiko, an Brustkrebs zu sterben.

Dass Beta-Blocker quasi antitumoral wirken, interpretiert Prof. Entschladen wie folgt: „Tumorzellen können besonders dann gut und schnell wachsen und metastasieren, wenn viele Stresshormone im Körper unterwegs sind. Beta-Blocker verhindern, dass diese Hormone an Tumorzellen andocken.“

GfBK-Kommentar: Interessante Ergebnisse, die Erkenntnisse aus Laborversuchen jetzt auch klinisch bestätigen, dass Beta-Blocker auf verschiedene Krebsarten Einfluss haben können, indem die Medikamente verhindern, dass Stresshormone an Wachstumsrezeptoren von Krebszellen andocken können. Allerdings weiß man nicht, inwieweit Brustkrebs-Patientinnen ohne Bluthochdruck von Beta-Blockern profitieren könnten und in welcher Dosierung diese Medikamente verabreicht werden müssen, um Effekte zu erzielen. Zusammenfassend sicherlich interessante Ergebnisse, denen laut Aussage der Forscher weitere Studien folgen werden, in denen geprüft werden soll, ob sich diese Ergebnisse auch bei anderen Krebsarten bestätigen lassen.

Vor zuviel Euphorie möchten wir jedoch warnen, da Beta-Blocker ein breites Nebenwirkungsprofil haben. Ob ein bestimmter Betablocker-Subtyp, der Beta-2-Blocker, der zwar keine blutdrucksenkende Wirkung habe, aber in Laborexperimenten ebenfalls gut antitumorös funktioniere, eine Alternative sein kann, muss abgewartet werden, da dieser bisher nicht als Arzneiwirkstoff zugelassen ist.

Spontanremissionen beim frühen Mammakarzinom sind eher möglich als bisher angenommen

Spontanheilungen von Mammakarzinomen galten bisher als extrem seltene Ausnahme. Nach den Ergebnissen einer Studie (Per-Henrik Zahl / Archives of Internal Medicine 2008) mit fast 230.000 Teilnehmerinnen könnte jedoch jeder fünfte bei der Mammographie entdeckte Tumor nicht zur manifesten Krebserkrankung fortschreiten.

Wissenschaftler um Per-Henrik Zahl vom Norwegian Institute of Public Health in Oslo wollten eigentlich herausfinden, ob Brustkrebs durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen frühzeitiger entdeckt wird. Sie verglichen die Anzahl der jährlich neu diagnostizierten Mammakarzinome in zwei Gruppen von Frauen im Alter zwischen 50 und 64 Jahren: Dabei wurde eine Gruppe von 109.784 Frauen im Zeitraum zwischen 1992 bis 1997 beobachtet und in diesem Zeitraum nur eine einzige Mammografie, nämlich am Schluss, durchgeführt (Kontrollgruppe). Die zweite Gruppe aus 119.472 Frauen wurde über den Zeitraum von 1996 bis 2001 beobachtet, wobei während dieser Zeit drei Mammografien durchgeführt wurden. Erwartungsgemäß war die Zahl der durch die regelmäßige Mammografie entdeckten Brusttumore höher. Doch am Ende hätte die Anzahl der Brustkrebsfälle eigentlich in beiden Gruppen annähernd gleich groß sein müssen – der einzige Unterschied hätte darin bestehen dürfen, dass die Erkrankungen in der Mammographie-Gruppe früher festgestellt wurden.

Insgesamt fanden sich jedoch bei den regelmäßig mammographierten Frauen nach sechs Jahren 22 Prozent mehr Brusttumore als bei den Teilnehmerinnen, die nur einmal am Schluss mittels Mammographie untersucht wurden. So kamen auf 100.000 Frauen nach mehrfachem Screening 1.909 invasive Brustkrebserkrankungen statt 1.564 in der Kontrollgruppe. Die wahrscheinlichste Erklärung ist laut den Autoren die, dass es sich bei den „fehlenden“ Krebserkrankungen um Spontanremissionen kleinerer Tumoren handelt.

GfBK-Kommentar: Es gibt kaum sichere Angaben darüber, wie häufig Menschen spontan von einer Krebserkrankung geheilt wurden. Diese Untersuchung ist die erste Studie, die nahelegt, dass die Rate von Spontanremissionen bei Brustkrebs im Frühstadium wesentlich höher sein könnte, als bisher angenommen. Leider gibt es zu diesem Thema bisher keine verwertbaren Studien, die den Erkrankungsverlauf auch bei den Patientinnen untersuchten, die nach einer Brustkrebsdiagnose die Therapie verweigerten. Man muss daher zur Diskussion stellen, ob eine derart häufige Überdiagnose und Übertherapie des Mammakarzinoms auf Dauer ethisch vertretbar wäre. In diesem Zusammenhang ist es unserer Ansicht nach dringend erforderlich, dass weitere Untersuchungen zu diesem wichtigen Thema in Zukunft durchgeführt werden.

Tamoxifen-Resistenz bei Mamma-Ca

Die Resistenz von Tumorzellen auf eine antihormonelle Therapie stellt ein wichtiges Problem in der Brustkrebstherapie dar. Nun konnte ein weiterer Baustein gefunden werden, warum Brustkrebszellen nicht immer empfindlich auf eine antihormonelle Therapie mit Tamoxifen reagieren. Und zwar liegt dies laut einer Untersuchung von Forschern des Cambridge Research Institute am Wachstumsrezeptor ErbB2 und deren Aktivierung bzw. Deaktivierung durch ein bestimmtes Protein Pax2 (Hurtadol / Nature 2008). Ist Pax2 durch eine Mutation nicht in der Lage, ERbB2 zu deaktivieren, so ist die Krebszelle weiterhin ungehemmt Wachstumsimpulsen ausgesetzt, so dass Tamoxifen keine Wirksamkeit entfalten kann. Die Forscher hoffen, dass ihre Ergebnisse zur Entwicklung eines Tests führen, mit denen eine Tamoxifen-Resistenz vorhergesagt werden könnte.

GfBK-Kommentar: Diese Untersuchung beschreibt eine Möglichkeit, wie es zur Tamoxifen-Unwirksamkeit kommen kann. Inzwischen sind auch noch andere Mechanismen bekannt, wie z.B. die Umwandlung des wirksamen Tamoxifen-Metaboliten in der Leber. So kann man durch Bestimmung eines bestimmten Enzyms, dem CYP2D6, heute schon feststellen, ob Tamoxifen in der Leber überhaupt zum aktiven Stoffwechselprodukt umgewandelt und damit wirksam werden kann. Ein Bluttest (AmpliChip® CYP450) kann darüber Auskunft geben und wird in Laboren durchgeführt, die auf humangenetische Analysen spezialisiert sind. Bei nachgewiesener Behandlungs-Resistenz werden die Kosten von ca. 700 Euro häufig von den Krankenkassen übernommen.

Ballaststoffe reduzieren das Brustkrebsrisiko

Praemenopausale Frauen können ihr Brustkrebsrisiko offensichtlich durch Zufuhr von Ballaststoffen halbieren. So konnten Forscher der University of Leeds nachweisen, dass Frauen, die 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag zu sich nahmen, nur ein halb so großes Risiko aufwiesen, an Brustkrebs zu erkranken, wie Teilnehmerinnen, die weniger als 20 Gramm aßen. Für diese Langzeitstudie (Cade / Int J Epidemiology 2007) wurden die Daten von 35.000 Frauen zwischen 35 und 69 Jahren ausgewertet. Die Essgewohnheiten und die Gesundheit der Teilnehmerinnen wurden insgesamt sieben Jahre lang beobachtet.
Den schützenden Effekt durch Ballaststoffe konnte das Forscherteam nur für die Frauen zeigen, die die Wechseljahre noch vor sich hatten. Grund dafür, dass dieser Effekt bei Frauen nach den Wechseljahren nicht auftritt, könnte sein, dass Ballaststoffe die Art und Weise beeinflussen, wie der Körper das Hormon Östrogen verarbeitet und reguliert. Außerdem hatten die älteren Frauen, die Brustkrebs bekommen hatten, meist einen hohen Body-Mass-Index, was ein Hinweis sein könnte, dass der Risikofaktor Körpergewicht offensichtlich eine größere Rolle für die Krebsentstehung bei postmenopausalen Frauen als die Schutzwirkung der Ballaststoffe hat, so die Autoren.

GfBK-Kommentar: Dieses Ergebnis bestätigt die Ergebnisse anderer Forschergruppen, die gezeigt haben, dass insbesondere jüngere Frauen durch den schützenden Effekt von  Pflanzenstoffen bzw. Ballaststoffen ihr Brustkrebsrisiko senken können. Auch Sport und die Reduktion von Übergewicht (letzteres insbesondere bei postmenopausalen Frauen) können dazu beitragen, das Brustkrebsrisiko zu reduzieren.
Um die empfohlenen 30 Gramm Ballaststoffe zu erreichen, müsste man zum Frühstück ein ballaststoffreiches Müsli essen, regelmäßig Vollkornbrot essen und täglich fünf Portionen Obst oder Gemüse zu sich nehmen.

Lignane senken das Risiko für Brustkrebs

Lignane sind in Getreide, Samen, Gemüse und Obst enthalten und zählen zu den von Europäern am häufigsten verzehrten Phytohormonen. Schwedische Forscher haben im Rahmen einer Mammographie-Studie über 50.000 Frauen nach ihren Essgewohnheiten befragt und anhand des Verzehrs von Getreide, Gemüse und Obst die aufgenommene Menge an Lignanen geschätzt (Suzuki R / British Journal of Cancer 2008). Über einen Zeitraum von acht Jahren wurde beobachtet, wie häufig Brustkrebs auftrat. Das Ergebnis: Frauen nach der Menopause, deren Kost viele Lignane enthält, erkranken um 17 Prozent seltener an Brustkrebs als Frauen, bei denen nur wenig lignanhaltige Lebensmittel verzehrt werden. Auffällig war, dass sich der Schutz durch Lignane bei den Frauen besonders deutlich zeigte, die nach der Menopause regelmäßig Hormone einnahmen. Auch bei Teilnehmerinnen, die gelegentlich Wechseljahrshormone einnahmen, verringerte sich durch eine höhere Lignanaufnahme das Brustkrebsrisiko leicht. Bei Frauen, die noch nie solche Hormone geschluckt hatten, konnte jedoch keine Senkung des Brustkrebsrisikos durch Lignane beobachtet werden.

GfBK-Kommentar: Auch eine große amerikanische Studie konnte bereits zeigen, dass sich Lignane positiv auf die Überlebensrate älterer Brustkrebs-Patientinnen auswirken. Leider wurden in der schwedischen Studie nicht die Plasmaspiegel oder die Lignanausscheidung im Urin bestimmt, so dass objektive Parameter fehlen. Ob die Senkung des Brustkrebsrisikos nur an der erhöhten Aufnahme der weit verbreiteten Lignane lag, kann daher nicht zweifelsfrei beantwortet werden.

Warum die Lignane besonders bei den Frauen wirkten, die Hormone einnahmen, könnte an der phytohormonartigen Wirkung liegen, da Phytohormone bei hohen Östrogenspiegeln eher wie leichte Antihormone wirken. Sicherlich spielen auch noch andere Wirkungsmechanismen eine Rolle, wie z.B. allein die Tatsache, dass bei hohem Ballaststoffgehalt der Nahrung weniger Hormone durch den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden können.

Eine getreide- bzw. ballaststoffreiche Kost enthält besonders viel Lignane. Dabei ist Leinsamen eine besonders reiche Lignanquelle. Lignane sind aber auch sonst weit verbreit und finden sich in vielen Obst –und Gemüsesorten (wie z.B. Kirschen, Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Karotten, Brokkoli, Fenchel, Zwiebel und Knoblauch). Besonders bei Brustkrebspatienten empfehlen wir die regelmäßige Einnahme von Leinsamen, der neben viel Lignanen auch wertvolle Ballaststoffe, Vitamine und vor allem Omega-3-Fettsäuren enthält.

Aromatasehemmer nicht unbedenklich: Mehr kardiovaskuläre Komplikationen unter Letrozol

Da in größeren Studien vermehrt Hinweise gefunden wurden, dass unter der Einnahme von Aromatasehemmern kardiovaskuläre Ereignisse zunehmen, wurde m Rahmen einer Sicherheitsstudie das Auftreten dieser Nebenwirkungen schwerpunktmäßig an 7963 Frauen untersucht (Mouridsen / J Clin Oncol 2007). Ergebnis: Nach durchschnittlich 30 Monaten waren unter den beiden Medikationen kardiovaskuläre Ereignisse vergleichbar häufig mit 4,8% unter Letrozol und 4,7% unter Tamoxifen. Schwere Ereignisse vom Grad 3-5 waren aber unter Letrozol häufiger (2,4% vs. 1,4%), was nur bedingt auf eine bestehende Hypercholesterinämie zurückzuführen war. Unter Tamoxifen hingegen wurde eine Zunahme thrombembolischer Ereignisse beobachtet.

GfBK-Kommentar: Diese Ergebnisse bestätigen die bisherigen Untersuchungen zum Nebenwirkungsspektrum der Aromatasehemmer, dass bei den so behandelten Patientinnen zwar signifikant weniger Vaginalblutungen, Hitzewallungen und Endometriumkarzinome auftreten, aber dass Schlaganfall und andere kardiovaskuläre Ereignisse unter der Behandlung mit Aromatasehemmern häufiger auftreten.

Da die Aromatasehemmer aufgrund fehlender Langzeitergebnisse noch nicht endgültig bewiesen haben, dass sie die Sterblichkeit von Patientinnen mit Brustkrebs vermindern können, empfehlen wir, die Entscheidung zur Therapie in Abstimmung mit der Patientin individuell zu treffen. Insbesondere für den Fall einer starken Einschränkung der Lebensqualität und einer inneren Ablehnung der antihormonellen Präparate halten wir ein kritisches Überdenken der Notwendigkeit für gerechtfertigt, da in diesem Fall die negativen Wirkungen wahrscheinlich überwiegen.

Taxol bei Mehrzahl aller Brustkrebspatientinnen wirkungslos

Eine Studie amerikanischer Wissenschaftler kam zu dem Schluss, dass das bekannte Chemotherapeutikum Taxol für die meisten betroffenen Frauen keinerlei Nutzen hat (Moore / New England Journal of Medicine 2007). Die von der Krebs- und Leukämie-Gruppe B (CALGB Cancer & Leukemia Group B) durchgeführte Studie nutzte modernste genetische Analysemittel um Daten zu analysieren, welche schon 1990 im Zuge einer klinischen Studie gesammelt worden sind. Dabei analysierten die Autoren gefrorene Tumorgewebeproben von 1500 Teilnehmerinnen der Studie von 1990 und führten Tests durch, mit deren Hilfe sie den genetischen Typ des jeweiligen Tumorgewebes identifizieren konnten. Dabei fanden sie große Unterschiede zwischen den Patientinnen die auf Taxol günstig reagierten, und denen, die keine positive Reaktion gezeigt hatten: So führte Taxol bei Frauen mit östrogenrezeptor-positiven und HER2-negativen Tumoren (etwa 80% aller an Brustkrebs Betroffenen) zu keinerlei Vorteil bezüglich ihrer Überlebenschancen. Bei Frauen, deren Krebs hingegen als HER2-positiv und ER-negativ eingestuft wurde, bewirkte Taxol immerhin eine mäßige Verbesserung ihrer Gesamtüberlebenschancen.

GfBK-Kommentar: Dass eine adjuvante Chemotherapie nach dem Gießkannenprinzip nicht sinnvoll ist, zeigt diese Untersuchung, in der gezeigt werden konnte, dass die Verabreichung von Taxol nur bei etwa 20% aller Frauen mit Brustkrebs zu einer Verbesserung der Überlebenschancen führt. So spielen besonders der HER-2- und der Hormonrezeptor-Status eine Rolle, ob eine Chemotherapie überhaupt sinnvoll ist. Bei HER2-negativen und hormonrezeptorpositiven Tumoren scheint dies eher nicht der Fall zu sein. Aber auch andere molekulargenetische Faktoren zeigen an, ob Frauen überhaupt von einer Chemotherapie profitieren. So haben Wissenschaftler herausgefunden (Bazell 2007), dass die Gabe von Anthrazyklinen nur bei 8% aller Frauen mit Brustkrebs von Vorteil ist – und zwar bei den Tumoren, die ein spezielles Gen mit dem Namen topoisomerase II alpha tragen.

Die Komplexität dieser Ergebnisse zeigt, dass in Anbetracht der möglichen Nebenwirkungen eine gründliche Information über Sinn und Zweck einer Chemotherapie unabdingbar ist. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, den Patienten deutlich zu machen, dass bis zu Beginn einer Chemotherapie genügend Zeit bleibt, um eigene Wege im Umgang mit der Erkrankung zu finden und um Maßnahmen zu ergreifen, die das Immunsystem stärken helfen.

Regionaler Lymphknotenbefall bei Nadelbiopsien häufiger

Eine Untersuchung vom John-Wayne-Krebsinstitut in Kalifornien und renommierten Wissenschaftlern wurde in der Vergangenheit leider viel zu wenig beachtet, regt aber dazu an, die bisherige Praxis von Nadelbiopsien bei Brustkrebs neu zu überdenken (Nora M / Arch Surg. 2004).

In dieser Studie mit insgesamt 676 Patientinnen (Durchschnittsalter 58 Jahre) wurde untersucht, ob die Nadelbiopsie die nachfolgende Ausbreitung von Tumorzellen in die Wächterlymphknoten beeinflusst. Dabei wurden 126 Patientinnen einer Feinnadel-Biopsie und 227 einer Dicknadel-Kernbiopsie unterzogen. 323 der Patientinnen hatte den Tumor durch Exzisionsbiopsie oder Lumpektomie im Ganzen entfernt bekommen.

Ergebnis: Die Frauen, die eine Nadelbiopsie erhielten, waren einer um 50% höheren Wahrscheinlichkeit ausgesetzt, Krebs in den Wächterlymphknoten zu entwickeln, als die Frauen, deren Tumor chirurgisch per Exzision entfernt worden war.

Die Autoren bemerken, dass evt. das mechanische Zerreißen des Tumors durch die Biopsiennadel ein Grund dafür sein könnte, dass es zu einer Verschleppung von Tumorzellen und zu einer Zunahme des Befalls der regionären Lymphknoten kommt.

GfBK-Kommentar: Eine Studie, die zum Nachdenken anregt, da bisher bei den meisten Patientinnen zur Diagnosesicherung eine Nadelbiopsie durchgeführt wird. Dass dadurch maligne Zellen auf die Lymphknoten übergreifen können, ist bedenklich, und stellt die Sinnhaftigkeit dieser Methode in Frage. Schließlich kann auch durch eine einfache Tumorexzision festgestellt werden, ob der Tumor bösartig ist oder nicht.

Ob dieses Phänomen auch bei anderen Entnahmemethoden, wie z.B. der Vakuumbiopsie  auftritt, kann nicht bestätigt werden, da hierüber keine Studien vorliegen. Allerdings kommt es auch hier zu einer Manipulation am Tumor, so dass eine Tumorzellstreuung in die Lymphknoten nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann.

Berücksichtigt man, dass Patientinnen mit Lymphknotenbefall als weiter fortgeschritten eingestuft werden und daher eine weitaus ausgeprägtere Behandlung erhalten als Patientinnen ohne Lymphknotenbefall, so sind die Ergebnisse dieser Untersuchung besorgniserregend, da ein Großteil der Lymphknotenmetastasierung durch andere diagnostische Methoden (s.o.) vermieden werden könnte.

Eine hohe glykämische Last erhöht das Brustkrebsrisiko

Erhöht eine ballaststoffarme Ernährung mit leicht aufschließbaren Kohlehydraten das Brustkrebsrisiko? Diese Fragestellung wurde im Rahmen einer Kohortenstudie an 61.433 Frauen aus der Region Uppsala in Schweden untersucht (Larsson C / International Journal of Cancer 2009), die in den Jahren 1987/1990 zusammen mit der Einladung zur Brustkrebsfrüherkennung auch einen Fragebogen zu ihren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten erhielten. Ergebnis der Auswertung: ein hoher glykämischer Index und eine hohe glykämische Last waren in den Folgejahren (17,4 Jahre Nachbeobachtung) mit dem vermehrten Auftreten von östrogenrezeptor-positiven Tumoren assoziiert. Das Fünftel der Frauen mit der höchsten glykämischen Last erkrankte dabei zu 81 Prozent häufiger. Für die Autoren blieb allerdings unklar, warum der Effekt in dieser Studie auf ER+/PR-Tumoren beschränkt war.

GfBK-Kommentar: Es ist schon länger bekannt, dass Diabetikerinnern (Typ-2-Diabetes) ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben (Larsson / Int J Cancer 2007). Auch in einer anderen Arbeit konnte gezeigt werden, dass der Insulinspiegel sowie der endogene Estradiolspiegel positiv mit dem Brustkrebsrisiko assoziiert sind (Gunter et al., J Natl Cancer Inst 2009).

Der glykämische Index misst, wie schnell nach dem Verzehr eines Nahrungsmittels die Glukosekonzentration im Blut ansteigt. Die glykämische Last berücksichtigt zusätzlich noch den Kohlenhydratgehalt. Ein Beispiel: Der Blutzuckereffekt von 100 g Baguettebrot ist (wegen seines hohen KH-Gehalts) demnach trotz identischem glykämischen Index etwa 6 mal so groß wie der von 100 g gekochten Möhren.

Eine hohe glykämische Last geht postprandial mit einer vermehrten Ausschüttung von Insulin einher. Insulin wiederum reguliert nicht nur den Blutzucker, es ist auch ein Wachstumshormon (Verwandtschaft mit dem insulin-like growth factor-1) und stimuliert die Zellproliferation sowohl in Zelllinien von normalem Brustgewebe als auch von Brustkrebszelllinien, weshalb eine ungesunde Fast-Food-Ernährung ohne Ballaststoffe auf Dauer die Entstehung von Krebserkrankungen begünstigen kann.

Vielleicht spielt in diesem Zusammenhang auch die Tatsache eine Rolle, dass bei hohem Ballaststoffgehalt der Nahrung weniger östrogenartige Hormone durch den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden können. Dies könnte auch ein Grund sein, warum in einer anderen Studie durch eine hohe Ballaststoffaufnahme das Brustkrebsrisiko gesenkt werden konnte (Cade / Int J Epidemiology 2007).


Darmkrebs

Darmkrebs: Positiver Einfluss von Kaffee

Ursprünglich wurde anhand der CALBG-89803-Studie bei Patienten mit Kolonkarzinom im Stadium III die Wirksamkeit einer adjuvanten Therapie mit 5-Fluorouracil/Folinsäure (5-FU/FS) alleine und 5-FU/FS plus Irinotecan verglichen. Heraus kam, dass die Wirkungen der beiden Chemotherapien sich nicht unterschieden, dafür aber unter Irinotecan mehr Nebenwirkungen auftraten (Saltz LB et al. / J Clin Oncol 2007). Aktuell wurden die Daten der CALBG-89803-Studie noch einmal untersucht, und zwar dahingehend, ob Kaffee, Tee und Koffein einen Einfluss auf die Rückfallhäufigkeit und Sterblichkeit zeigten.
Zu dieser Fragestellung lagen von 953 der 1.264 Patienten aus der CALGB-89803-Studie Daten zur Auswertung vor. Patienten, die vier oder mehr Tassen koffeinhaltigen oder koffeinfreien Kaffee pro Tag tranken, hatten im Vergleich zu Patienten ohne Kaffeekonsum ein geringeres Rückfall-/Mortalitätsrisiko. Bei Patienten, die vier oder mehr Tassen koffeinhaltigen Kaffee tranken, fiel dieses Risiko sogar noch kleiner aus. Die Risikoreduktion zeigte sich jedoch nicht für den Konsum von Tee und koffeinfreiem Kaffee. Zahlreiche mögliche Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Stadium, Art der Chemotherapie, BMI, körperliche Aktivität und Zuckerkonsum wurden in dieser Studie heraus gerechnet. Trotzdem blieben die positiven Effekte von Kaffeekonsum bei allen prognostischen Untergruppen bezüglich Rückfallrisiko und Sterblichkeit nachweisbar.

GfBK-Kommentar: Schon in anderen Studien konnte gezeigt werden, dass die Wirkung des Kaffeetrinkens früher wohl zu negativ eingestuft worden war. Inzwischen werden dem Kaffee von einigen Forschern entzündungshemmende, antioxidative sowie proapoptotische Eigenschaften zugesprochen. Zumindest konnte durch diese Studie gezeigt werden, dass Kaffee offensichtlich positive Effekte hat, auch wenn noch nicht ganz klar ist, ob die positive Wirkung auf das Colon ascendens beschränkt ist. Denn in einer japanischen Studie zeigte sich in der linken (nicht jedoch in der rechten) Kolonseite ein signifikanter Anstieg der Rezidivhäufigkeit bei allerdings nur kleiner Fallzahl (Nakamura T et al. Eur J Cancer Prev 2015). Immerhin stellt sich die Frage, ob die Ergebnisse aus dem asiatischen Raum überhaupt auf Europäer übertragbar sind, so dass es keinen Grund gibt, Darmkrebspatienten vor dem Genuss von Kaffee (am besten als Biokaffee) abzuraten. Im Gegenteil, PD Dr. Michael Fink aus Fürth stellte in einem Kommentar zur Studie die gleichzeitig provokative und ernst zu nehmende Frage „FOLFOX4 – oder 4 Tassen Kaffee?“ (Quelle: In|Fo|Onkologie 04/2016).

Abwarten als Option beim Rektumkarzinom

Anscheinend eignet sich ähnlich wie beim Prostatakarzinom die „Wait and See” Strategie auch bei Patienten mit Rektumkarzinom ohne Fernmetastasen, die nach einer Radiochemotherapie keine klinischen Zeichen eines Resttumors mehr aufweisen. Dies konnten Forscher aus Manchester in der OnCoRe-Studie anhand einer Kohortenanalyse nachweisen, die 259 Patienten umfasste (Renehan AG et al. / Lancet Oncol 2015). 228 von ihnen hatten dabei nicht vollständig auf die neoadjuvante Radiochemotherapie angesprochen und erhielten eine chirurgische Resektion. 31 der Patienten wiesen acht Wochen oder später nach dem Abschluss der Radiochemotherapie keine residuale Ulzeration, Stenose oder Raumforderung bei digitaler und endoskopischer rektaler Untersuchung auf. Dieser Patientengruppe wurde ein abwartendes Vorgehen angeboten; bei 98 anderen ähnlich beobachteten Patienten wurden die Daten aus Krebsregistern benachbarter Zentren in die Studie mit integriert.
Der primäre Endpunkt der Studie war das Ausbleiben oder das Eintreten eines erneuten Tumorwachstums. Rezidive traten während der median 33-monatigen Nachbeobachtungszeit bei 44 der insgesamt 129 (34 Prozent) abwartend behandelten Patienten auf; dabei waren 42 Läsionen auf die Mukosa beschränkt. 41 Patienten konnten einer Salvage-Therapie zugeführt werden, 36 von ihnen unterzogen sich einer Resektion. Allerdings waren die Unterschiede für das tumorfreie Überleben (88 % für „Wait ans See“ versus 78 % nach Resektion) und das Gesamtüberleben (96 Prozent versus 87 Prozent) statistisch nicht signifikant.
Der eindeutige Vorteil: Durch die abwartende Strategie konnte ein dauerhaftes Kolostoma den Patienten erspart bleiben. Allerdings brauchten 26 % der beobachtend behandelten Patienten in den ersten drei Jahren doch ein Kolostoma (gegenüber 53 % der operierten Patienten).

GfBK-Kommentar: In der Vergangenheit konnte bereits in einer prospektiven Studie aus den Niederlanden gezeigt werden, dass es bei Patienten mit Rektumkarzinom sicher ist, auf eine Operation zu verzichten, wenn mit einer neoadjuvanten Radiochemotherapie der Tumor vollständig zum Verschwinden gebracht werden konnte (Maas M/J Clin Oncol 2011).
Diese Studien zeigen, dass es berechtigt ist, bei vollständiger Remission unter neoadjuvanter Radiochemotherapie auf eine Operation zu verzichten. Dies gilt jedoch nicht für die Patienten, bei denen Tumorreste verblieben sind. Für Patienten mit Tumorrest und explizitem Wunsch nach Erhalt der Kontinenz kommt eventuell die sogenannte „Gracilis-Plastik“ in Betracht. Mit diesem experimentellen OP-Verfahren haben allerdings nur wenige Kliniken Erfahrung, so zum Beispiel die Universitätskliniken von Brüssel, Bern, Berlin und Hamburg.

Magnesiumspiegel während Cetuximabtherapie im Auge behalten

In einer aktuellen prospektiven Studie wurde der Frage nachgegangen, ob Patienten mit kolorektalen Karzinomen, die unter der Therapie mit Cetuximab einen starken Abfall von Serum-Magnesiumspiegeln aufweisen, möglicherweise länger krankheitsfrei leben. Allerdings bestätigten sich die Hinweise aus früheren Studien in dieser Untersuchung nicht. Im Gegenteil: Bei den 511 Patienten mit vorbehandelten, fortgeschrittenen kolorektalen Karzinomen, die entweder „Best Supportive Care“ mit oder ohne Cetuximab erhielten, war ein Schweregrad an Hypomagnesiämie von ≥ 1 oder eine mehr als 20 %-ige Reduktion mit einem schlechteren Gesamtüberleben assoziiert (Vickers MM et al. / Ann Oncol. 2013). Dabei wurden die Magnesiumspiegel vor Therapiebeginn und an Tag 28 bestimmt. Die mittlere prozentuale Reduktion von Magnesium am Tag 28 betrug 10 % für die 260 Patienten der Cetuximabgruppe gegenüber 0 % für die 251 Patienten der Kontrollgruppe.
Auffällig war, dass auch andere Nebenwirkungen wie Dyspnoe und Anorexie bei Patienten mit einem Magnesiumabfall mehr als 20 % häufiger als bei denen mit einem geringerem Abfall auftraten. Dabei hatte das Ausmaß der Hypomagnesiämie sogar einen größeren prognostischen Wert als das Ausmaß des Hautausschlags.

GfBK-Kommentar: Eine Metaanalyse zeigte (Petrelli F et al. / Expert Opin Drug Saf. 2012), dass 36,5 Prozent aller Patienten, die aufgrund verschiedener Tumorerkrankungen Cetuximab erhalten, eine Hypomagnesiämie erleiden, davon 5,6 % vom Grad 3 bzw. 4. Die Ursache dafür ist wohl, dass in den Nieren weniger Magnesium zurückresorbiert wird, weil Cetuximab einen Magnesiumtunnel blockiert.
Der oft drastische Abfall des Serum-Magnesiums unter Cetuximab hatte in der obigen Studie von Vickers MM et al. ein deutlich schlechteres Gesamtüberleben zur Folge. Unklar ist allerdings, ob ein Anheben des Magnesium-Spiegel diesen Effekt wieder umkehren kann. In jedem Fall lohnt es sich aber, bei Patienten, die Cetuximab erhalten, den Magnesium-Spiegel im Auge zu behalten. Dies gilt übrigens auch für Patienten, die Cisplatin erhalten und bei denen nicht selten Magnesiummangeltetanien auftreten können.

Colon-Ca: Laparoskopische Kolektomie überlegen

Besonders Patienten mit Kolontumoren im Stadium 3 (Infiltration in Subserosa) scheinen von einer laparoskopischen Kolektomie (LAK) zu profitieren. Dies ergab eine Studie mit 219 Patienten, die entweder konventionell oder minimal-invasiv operiert wurden und bis zu vier Jahre nach der Operation beobachtet wurden (Lacy AM et al. / Lancet 359, 2002). Im Vergleich zur konventionellen Kolektomie war die perioperative und Tumor-assoziierte Mortalität sowie das Lokalrezidivrisiko nach laparoskopischem Eingriff bei Patienten im Stadium 3 deutlich geringer. Bei Patienten im Stadium 1 und 2 gab es hingegen keine signifikanten Unterschiede.

GfBK-Kommentar: Diese Ergebnisse sind bemerkenswert, da gezeigt werden konnte, dass bestimmte Patientengruppen mit Colon-Ca nach einer laparoskopischen Kolektomie ein geringeres Risiko haben, an einem Lokalrezidiv zu erkranken. Ungeklärt bleibt die Frage, ob sich eine laparoskopische Kolektomie auch auf das Metastasierungsrisiko auswirkt, da vermutlich durch den geringeren Operationsstress das Immunsystem weniger belastet wird.

Kernspintomographie bei jüngeren Brustkrebsrisikopatientinnen?

Die standardmäßige Mammographie ist gerade bei jüngeren Frauen mit genetischer Vorbelastung weniger sensitiv, da sich der häufig dichtere Drüsenkörper mithilfe der Mammographie oft schlecht beurteilen lässt. In einer retrospektiven Studie erwies sich die Kernspintomographie (MRT) als die zuverlässigere Methode. Bei 179 erfaßten Frauen wurden 13 Fälle von Brustkrebs entdeckt. 7 dieser positiven Befunde blieben bei herkömmlicher Mammographie verborgen. Deswegen empfehlen die Autoren, das MRT bei bestimmten Fragestellungen der Mammographie vorzuziehen (Stoutjesdijk et al / J Natl Cancer Inst 93, 2001).

GfBK-Kommentar: Das MRT sollte im Hinblick auf die Kostenintensivität der Untersuchung nur bei speziellen Fragestellungen (zur Unterscheidung von Narbengewebe z.B. nach Operation und Bestrahlung sowie bei genetischer Vorbelastung) angewandt werden. Ein Nutzen darüber hinaus bleibt fragwürdig.

Glutathion als Neuroprotektivum

Glutathion, intravenös verabreicht, verringert das Auftreten von Neurotoxizität unter Oxaliplatin, ohne dass ein negativer Einfluss auf das Überleben der Patienten festgestellt wurde. Hierbei wurde eine kleine Fallzahl von 52 Patienten mit fortgeschrittenen kolorektalen Karzinomen in einer randomisierten, placebo-kontrollierten Studie untersucht (Cascinu et al. / J Clin Oncol 20, 2002). Der Effekt der Neuroprotektion war umso stärker ausgeprägt je länger die Therapie durchgeführt wurde. So trat bei nur 3 Patienten in der Glutathion-Gruppe eine Neurotoxizität > Grad II/IV auf, gegenüber 8 Patienten in der Placebogruppe.

GfBK-Kommentar: Entgegen der häufig oralen Applikation als Nahrungsergänzungsmittel wurde Glutathion hier intravenös (Tationil / Böhringer Milano) verabreicht. Bei der Wahl von oralen Glutathionpräparaten sollte man insbesondere beachten, dass viele Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln Glutathion nicht in der eigentlich wirksamen Form (reduziertes Glutathion) vermarkten. Oral verabreicht ist die hochdosierte Einnahme von Vit. C, E und Selen eine bewährte preiswerte Alternative.

Zink als Wachstumregulator

Die Rolle von Zink auf die Wachstumsregulation von Kolonkarzinomzellen wurde anhand molokularbiologischer Signalwege untersucht (Park et al. / Br J Pharmacol 137, 2002). Es konnte gezeigt werden, dass Zink über die Stimulierung von bestimmten Proteinkinasen (ERK = extracellular signal regulated kinase) eine Aktivierung und Einschleusung von p21 in die Tumorzellen bewirkt. Aktiviertes p21 wiederum hemmt die DNA-Synthese und führte dadurch zu einer Wachstumshemmung der kolorektalen Zelllinien.

GfBK-Kommentar: p21 spielt eine zentrale Rolle bei der Kontrolle des Zellwachstums, der Differenzierung und des programmierten Zelltodes (Apoptose). Kolonkarzinomzellen, bei denen das p21-Gen inaktiviert ist, teilen sich ungehemmt weiter, während eine Einschleusung von p21 in die Tumorzellen das Wachstum von verschiedenen Tumoren hemmt. Insofern ist diese Studie ein wichtiger Hinweis darauf, dass Zink über eine p21-Aktivierung das Wachstums von verschiedenen Tumorerkrankungen kontrollieren kann.

Fermentierter Weizenkeimextrakt wirksam bei kolorektalen Karzinomen

Ausgerechnet in einem aufbereiteten Grundnahrungsmittel, im Weizen, haben ungarische Ernährungswissenschaftler nun ein wirksames Präparat für Patienten mit kolorektalen Karzinomen gefunden und in einer klinischen Studie (Jakab / British Journal of Cancer 89, 2003) getestet. Dabei nahmen 66 Patienten mit kolorektalen Karzinomen den Weizenkeimextrakt für mindestens 6 Monate ein, während 104 Patienten die Kontrollgruppe bildeten. Das Ergebnis war überaus positiv: Fermentierter Weizenkeimextrakt (MSC) hatte bei Patienten, die dieses Präparat mehr als 6 Monate einnahmen, eine statistisch signifikante Verlängerung der Gesamtüberlebenszeit zur Folge. Die Patienten waren auch länger frei von Metastasen als die Patienten in der Kontrollgruppe. Die Wirkung führen die Wissenschaftler auf Chinone zurück, die im Weizen vorkommen. Sie beeinflussen auf komplexe Weise das Immunsystem, hemmen die Bildung von Metastasen, wirken als Zellgift und regen den Stoffwechsel an.

GfBK-Kommentar: Das ungarische Gesundheitsministerium hat fermentierten Weizenkeimextrakt im Jahr 2002 als medizinisches Nahrungsergänzungsmittel für Krebspatienten zugelassen. Abgesehen von dem „unangenehmen Geschmack“ hat das Präparat praktisch keine Nebenwirkungen. Da sich in vorangegangenen Untersuchungen MSC bereits bei Patienten mit Krebs in der Kopf- und Halsregion, der Mundhöhle, im Bereich der Harnwege und bei Brustkrebs als günstig erwiesen hat, kann MSC als ergänzendes Präparat begleitend zur Chemotherapie und im Bereich der Nachsorge empfohlen werden.

Neues Darmkrebs-Screening mithilfe Enzymen

In einer kürzlich veröffentlichten Arbeit konnte an insgesamt 204 Probanden gezeigt werden, dass der Nachweis des Enzyms M2-PK, einem Parameter für vermehrte Zellteilung in Tumorzellen, in Stuhlproben verlässlichere Ergebnisse als der herkömmliche Hämoccult-Test liefert. So lag die Sensitivität der M2-PK-Bestimmung je nach Tumorstadium zwischen 60 und 90%. Im Vergleich dazu besitzt der Hämoccult-Test eine schlechtere Sensitivität von 24-50%.

GfBK-Kommentar: Der Nachteil, dass durch den bisher verwendeten Hämoccult-Test nur Tumoren entdeckt werden können, die bluten, besteht bei dem Nachweisverfahren von M2-PK nicht. Insofern ist dieser Test als ein viel versprechendes diagnostisches Kriterium einzustufen. Ob er sich tatsächlich als Screening-Methode eignet, muss abgewartet werden.

Individuelles Rezidivrisiko vorhersagbar?

Heidelberger Chirurgen untersuchten in einer kleinen Studie mit 37 Kolonkarzinompatienten, ob sich durch Bestimmung von Tumorzellen im Blut und im Knochenmark das individuelle Rezidivrisiko vorhersagen lässt (Koch / Ann Surg 241, 2005). Dabei wurden den Patienten nach Lebermetastasenresektion Blutproben bzw. nach Absprache auch Knochenmark entnommen. Zum Nachweis von Tumorzellen wurde Tumor-RNA mittels Polymerasekettenreaktion bestimmt. Die Patienten wurden im Median 38 Monate nachbeobachtet. Das Ergebnis: Von 37 Patienten hatten 17 Patienten Tumorzellen im Blut; 15 davon bekamen ein Rezidiv (gegenüber 10 in der Vergleichsgruppe ohne Tumorzellen im Blut). 25 Patienten willigten in eine Knochenmarkaspiration ein. Davon hatten vier Patienten Tumorzellen im Knochenmark; diese bekamen alle ein Rezidiv. In der Gruppe der Patienten mit Tumorzellen im Blut betrug die mediane Überlebenszeit 13 Monate gegenüber 25 Monaten bei den Patienten ohne Tumorzellnachweis. In der Gruppe der Patienten mit Tumorzellen im Knochenmark betrug die mediane Überlebenszeit 12 Monate gegenüber 30 Monaten bei den Patienten ohne Nachweis von Tumorzellen im Knochenmark.

GfBK-Kommentar: Da in dieser Studie nur wenig Patienten eingeschlossen wurden, muss sich der klinische Stellenwert einer solchen Untersuchung erst in größeren klinischen Studien bestätigen, bevor Empfehlungen für die Praxis ausgesprochen werden können. Problematisch bei der Anwendung dieser Testverfahren ist außerdem, dass bisher nicht eindeutig geklärt werden konnte, ob die Bestimmung von zirkulierenden Tumorzellen auch eine bessere individualisierte Therapie nach sich zieht. Und man sollte als Therapeut immer bedenken, dass die Kenntnis von zirkulierenden Tumorzellen ohne therapeutische Option negative Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden des Patienten hat.
Interessant dürfte die Auswertung der Ergebnisse einer derzeit noch laufenden Studie der Heidelberger Forschungsgruppe sein, in der geprüft wird, ob man mit schonenden Operationsmethoden das Ausschwemmen von Krebszellen vermeiden kann.

Hohe Selenkonzentrationen im Blut schützen vor kolorektalen Adenomen

Nachträglich wurden von Jacobs et al. drei größere Studien ausgewertet, in denen Patienten beobachtet wurden, die kolorektale Adenome reseziert bekommen hatten. Ursprünglich wurde in diesen Studien nur der Einfluss von Ernährungsgewohnheiten auf das Widerauftreten von kolorektalen Adenomen innerhalb von 3-4 Jahren untersucht. Nachträglich wurde dann bei allen Patienten die Selenkonzentration im Blut ermittelt (Jacobs / J Natl Cancer Inst 17, 2004). Ergebnis: In allen drei Studien zeigten die Patienten mit den höchsten Selenspiegeln das geringste Risiko, an einem Adenom oder Darmkrebs zu erkranken. Allerdings waren die Untersuchungsergebnisse nur in einer der Studien signifikant.

GfBK-Kommentar: In dieser Untersuchung wurde leider nicht untersucht, ob die Patienten mit den höchsten Selenspiegeln auch Nahrungsergänzungsmittel eingenommen hatten. Da Deutschland zu den Gebieten gehört, wo die Ackerböden relativ wenig Selen enthalten, werden mit der üblichen Ernährung nur durchschnittlich 30 bis 50 g täglich aufgenommen. Dies liegt an der unteren Grenze des normalen Bedarfs. Da die tägliche Ernährung oft nur einen Teil des Bedarfs deckt, halten wir je nach individueller Belastungssituation zusätzliche Einnahmen mit z. B. 50 µg Selenhefe für sinnvoll. In Nahrungsmitteln ist Selen vor allem in Innereien (Nieren, Leber), Fisch, Eigelb oder Fleisch enthalten. Fisch enthält pro 100g sogar 30 bis 70 µg Selen, so dass auch aus diesem Grund 1-2 Fischmahlzeiten in der Woche zu empfehlen sind.

Darmkrebs: Tumorresektion auch bei Metastasen?

Eine kanadische Studie ging der Frage nach, ob die Resektion des Primärtumors bei Darmkrebspatienten im metastasierten Stadium auch das Überleben beeinflusst (Ahmed S et al./ Cancer 2013). Dabei wurden 1378 Patienten mit einem kolorektalen Karzinom im Stadium IV in einer Kohortenstudie untersucht.
Bei 944 Patienten der durchschnittlich 70 Jahre alten Patienten wurde der Primärtumor chirurgisch entfernt. Die 30-Tage-Mortalität in der OP-Gruppe lag bei 6,6 Prozent. In dieser Gruppe betrug die durchschnittliche Überlebenszeit nach Diagnose 10,6 Monate - ein deutlicher Vorteil gegenüber den nicht operierten Patienten, die im Schnitt nur drei Monate überlebten. Wer sich zusätzlich einer Chemotherapie auf 5-Fluorouracil-Basis unterzog, lebte durchschnittlich noch 18,3 Monate (gegenüber 8,4 Monate mit einer Chemotherapie allein). Patienten, die Chemotherapeutika der zweiten Generation (Cetuximab oder Panitumumab und/oder Oxaliplatin oder Irinotecan) erhalten hatten, überlebten im Durchschnitt 24,6 Monate, wenn sie vorher operiert worden waren, dagegen nur 11 Monate, wenn dies nicht der Fall war.
Bei 40 Prozent der Patienten lagen Beschwerden durch eine Obstruktion vor. Etwa 60 Prozent der Patienten hatten bei Diagnosestellung noch keine oder nur minimale Beschwerden. Selbst hier machte sich der Nutzen der Tumorresektion bemerkbar: Die Lebenserwartung lag in dieser Untergruppe bei 8,4 Monaten, wenn die Behandlung sich auf die Chemotherapie beschränkte; sie stieg auf 18,3 Monate an, wenn zusätzlich der Primärtumor entfernt wurde. Bemerkenswert ist auch, dass der chirurgische Eingriff die Überlebenschancen im Beobachtungszeitraum fast im selben Maße wie eine Chemotherapie verbessert, nämlich um 51 Prozent.

GfBK-Kommentar: Gänzlich unbekannt ist das Phänomen, dass sich eine Entfernung des Primärtumors auch auf das Überleben auswirkt, ja nicht. So weiß man besonders vom Nierenzellkrebs, dass ein Entfernen des Primärtumors Rückbildungen von Metastasen zur Folge haben kann. Die Autoren diese Studie vermuten, dass der Primärherd im Darm Zytokine produziert, die das Tumorwachstum fördern und das Ansprechen auf zytotoxische Substanzen beeinträchtigen kann.
Fazit: Ob bei einem metastasierten kolorektalen Karzinom der Primärtumor entfernt werden sollte, ist eine Fragestellung, die man nur im individuellen Gespräch mit dem Patienten klären kann. Klar ist, dass bei den Patienten, die lokale Probleme durch Obstruktion, Perforation oder Blutung haben, man eher einen Eingriff empfehlen wird. Dass auch andere Patienten von einem Eingriff profitieren können, zeigt diese Studie. Interessant ist auch die von den Autoren gemachte Beobachtung, dass vor allem jüngere Patienten (um die 65) mit einem guten Performance-Status sowie Patienten, bei denen der Tumor nur an einen Ort gestreut hatte, von einer operativen Tumorentfernung profitieren.

Vitamin-D-Mangel verschlechtert die Prognose beim kolorektalen Karzinom

In den letzten Jahren wird immer deutlicher, dass Vitamin D nicht nur die Kalziumaufnahme und die Knochenmineralisierung fördert, sondern auch eine wichtige Rolle bei der Kontrolle des Tumorwachstums und der Entstehung von Tumoren spielt. Dies bestätigt nun eine große, prospektive Studie, die zeigt, dass der Plasmaspiegel von 25(OH)-Vitamin-D das Überleben von operierten Patienten mit kolorektalen Tumoren (CRC) beeinflusst (Zgaga L et al. J Clin Oncol 2014).
1.598 Patienten mit CRC im Stadium I–III nahmen an dieser Studie teil, wobei der Zusammenhang zwischen dem 25(OH)-Vitamin-D-Plasmaspiegel und dem stadienspezifischen Überleben untersucht wurde. Die Ergebnisse zeigten, dass 49,7 % der Studienteilnehmer initial einen Vitamin-D-Mangel aufwiesen (25(OH)-Vitamin-D <10 ng/ml). Außerdem fand sich eine starke Assoziation zwischen der 25(OH)-Vitamin-D-Plasmakonzentration und der CRC-spezifischen sowie der allgemeinen Mortalität. Außerdem legten die gemessenen Interaktionen zwischen der 25(OH)-Vitamin-D-Plasmakonzentration und dem VDR-Genotyp einen kausalen Zusammenhang zwischen Vitamin D und dem Überleben nahe.

GfBK-Kommentar: Diese Untersuchung bestätigt die bisherigen Erkenntnise aus Meta-Analysen und Studien, dass eine optimale Vitamin-D-Substitution den Krankheitsverlauf von Patienten mit kolorektalen Karzinomen verbessert (Pilz S et al. / Am J Kidney Dis 2011, Jenab M et al. / BMJ 2010, Ng K et al. / Journal of clinical oncology 2008). Jeder Onkologe sollte sich bewusst machen, dass durch höhere Vitamin D-Spiegel die Gesamtsterblichkeit um 48% und die tumorbedingte Sterblichkeit um 39% bei CRC-Patienten erniedrigt wird. Da Vitamin D auch auf andere bösartige Tumore einen positiven Einfluss gezeigt hat (zuletzt beim B-Zell-Lymphom: Bittenbring JT et al. / J Clin Oncol 2014), sollte die Bestimmung der 25(OH)-Vitamin-D-Plasmakonzentration und eine daraufhin abgestimmte Substitution zur täglichen Routine werden.

Rektum-Ca: Sinn bzw. Unsinn einer adjuvanten Chemotherapie

Die wichtige Frage, ob nach einer neoadjuvanten Behandlung eines Rektumkarzinoms eine adjuvante Therapie erfolgen sollte, kann mit einem NEIN beantwortet werden. Dies bestätigen die 10-Jahres-Daten der randomisierten EORTC-22921-Studie (Bosset J-F/Lancet Oncol 2014), in der 1.011 Paltienten mit resezierbarem Rektumkarzinom im Stadium T3 oder T4 entweder präoperativ eine Radiotherapie (45 Gy) mit oder ohne parallele Chemotherapie als neoadjuvante Therapie erhielten. Außerdem wurde postoperativ entweder eine adjuvante Chemotherapie durchgeführt oder nur beobachtet. Die Chemotherapie bestand aus 350 mg/m2 Fluorouracil sowie 20 mg/m2 Folinsäure pro Tag, beides als i. v. Bolus. Die neoadjuvante Chemotherapie wurde in zwei Zyklen während der Wochen 1 und 5 der Radiotherapie verabreicht; die adjuvante Chemotherapie in vier Zyklen im Abstand von drei Wochen.
Das Ergebnis nach median 10,4 Jahren: Das Gesamtüberleben war bei 49,4 % in der Gruppe ohne und bei 50,7 % mit neoadjuvanter Chemotherapie, nach adjuvanter Chemotherapie waren es 51,8 % und ohne adjuvante Chemotherapie 48,4 %. Diese zeigte sich auch darin, dass das Auftreten für ein Lokalrezidiv unter Chemotherapie zwar etwas reduziert wurde, nicht aber das Auftreten von Fernmetastasen. Auffällig war, dass die Patientengruppen in puncto Lokalrezidiv und Metastasen am schlechtesten abschnitten, die nur eine präoperative Strahlentherapie ohne gleichzeitige Chemotherapie erhalten hatten.
GfBK-Kommentar: Auch wenn Kritiker bemerken werden, dass die adjuvante Therapie nicht mehr unbedingt dem heutigen Standard entspricht (heutzutage wird meistens noch aggressiver, nämlich mit Oxaliplatin behandelt), sind die Ergebnisse eindrucksvoll und zeigen wieder einmal, dass mehr Therapie nicht zwangsläufig auch mehr Nutzen für den Patienten bedeutet. Im Gegenteil, eine adjuvante Chemotherapie nach neoadjuvanter Radiotherapie (mit oder ohne Chemotherapie) beeinflusst das krankheitsfreie und das Gesamtüberleben nicht.

Sport verdoppelt Überlebenschancen bei Darmkrebs

Dass Frauen, die sich viel körperlich bewegen, nur halb so häufig an der Brustkrebs-Diagnose versterben, haben aktuelle Studien klar gezeigt. Doch offenbar kann moderater Sport auch die Überlebenschancen von Männern mit Darmkrebs verbessern, berichten US-Forscher aus Boston (Meyerhardt et al./Arch Intern Med 2009).
Dabei wurde der Krankheitsverlauf bei knapp 670 Männern ohne Metastasen aus der Health Professionals Studie anhand eines Follow-Ups über eine Zeit von im Mittel 8,6 Jahren analysiert. Außerdem wurde mithilfe von Fragebögen bestimmt, wie viel Sport die Männer nach der Krebsdiagnose durchführten. Daraus ermittelten die Forscher das metabolische Äquivalent (MET). Ein MET entspricht dabei dem Energieverbrauch von einer Kilokalorie je Kilogramm Körpergewicht pro Stunde.
Das Ergebnis: Von den Männern ohne jegliche körperliche Aktivität (weniger als 3 MET-Stunden pro Woche) starben etwa 17 Prozent an Darmkrebs, von den Männern mit mehr als 27 MET-Stunden pro Woche waren es dagegen nur 9 Prozent. 27 MET-Stunden entsprechen dabei etwa vier bis fünf Stunden gemütlich Radeln oder Schwimmen in der Woche. Wurden Faktoren wie Tumorstadium, Alter und Krankheitsdauer berücksichtig, so war bei den sportlich Aktiven die tumorbedingte Sterberate um 53 Prozent reduziert, und die Gesamtsterberate war um 41 Prozent niedriger als bei den trägen Darmkrebskranken.
Auch hier vermuten die Forscher ebenso wie bei Brustkrebs, dass kolorektale Tumore insulinabhängig wachsen. Sport reduziert dabei offenbar die Insulinkonzentration und damit auch potentielle Wachstumsfaktoren wie z.B. den Insulin-like-growth-factor (IGF) im Gewebe.

GfBK-Kommentar: Diese Studie zeigt wieder einmal, dass nicht immer Medikamente notwendig sind, um die Überlebenschancen zu verbessern. Zum Vergleich: Eine adjuvante Behandlung mit einer nebenwirkungsreichen Chemotherapie erreicht bei Darmkrebspatienten gerade mal einen Überlebensvorteil von maximal 20 Prozent. Daher ist die Empfehlung, als Krebspatient regelmäßig Sport zu treiben eine sinnvolle Ergänzung und sogar noch besser wirksam als die herkömmliche Krebstherapie. Allerdings sollten die Patienten darauf achten, das richtige Maß zu halten und ihre Kräfte nicht zu überschätzen: 4 Stunden moderate Bewegung in der Woche reichen aus, um oben genannte Effekte zu erzielen.

Parenterale Ernährung verbessert die Überlebenschancen bei Darmkrebs

Der Frage, ob eine gezielte Ernährungstherapie bei Darmkrebs messbare Effekte hat, ging eine Studie um Dr. Till Hasenberg, Chirurg am Universitätsklinikum Mannheim, nach, in der 82 Patienten mit kolorektalen Karzinomen im UICC Stadium IV in zwei Gruppen randomisiert wurden (Hasenberg et al. / Colorectal 2010). Voraussetzung war ein unfreiwilliger Gewichtsverlust von mindestens 5% Körpergewicht in 3 Monaten oder ein BMI von kleiner 20 kg/m2. Alle Patienten erhielten eine palliative Chemotherapie mit 5-FU und Folinsäure. Während sich die Mitglieder der Gruppe PN- ausschließlich oral bzw. enteral ernährten, erhielt die Gruppe PN+ eine Mischung aus oraler und parenteraler Ernährung. Die parenterale Ernährung setzte sich zusammen aus Fett, Kohlenhydraten, Aminosäuren und Eiweißen.
Ergebnisse: Die durchschnittliche Überlebenszeit unterschied sich um 6,5 Monate (10,2 vs. 16,7 Monate) zugunsten der zusätzlich parenteral Ernährten Gruppe PN+. Durchfall (9% vs. 24%), Erbrechen /12% vs. 38%), Unterleibsschmerzen (18% vs. 37%) und andere gastrointestinale Beschwerden wie Mukositis (22 % vs. 32%) traten in Gruppe PN+ deutlich seltener auf als bei den oral ernährten Patienten. Obwohl alle Patienten die gleiche Menge an Kalorien und Proteinen erhielten, blieben der Body Mass Index sowie die Körperzellmasse nur bei der Gruppe PN+ konstant.

GfBK-Kommentar: Die Forschergruppe hat in dieser Studie nachweisen können, dass sich eine parenterale Ernährung positiv auf den Gesundheitszustand und auf das Überleben von Darmkrebspatienten auswirkt. Dies ist insofern bedeutsam, da gerade Patienten mit Tumoren im Gastrointestinal-Trakt von starkem Gewichtsverlust und Chemotherapie-induzierten Nebenwirkungen betroffen sind. Dass selbst die Mukositis unter parenteraler Ernährung weniger häufig auftrat, ist erstaunlich. Experten vermuten, dass durch die parenterale Ernährung der Proteinanteil des Körpers stabilisiert wird und sich dadurch die geringe Mukositis-Rate erklären lässt.
Allerdings sind diese Erkenntnisse nicht neu. Bereits im Jahr 2006 konnte in einer großen randomisierten Studie an 468 Patienten mit gastrointestinalen Tumoren gezeigt werden, dass die postoperative Komplikationsrate deutlich geringer war, wenn die Ernährung zusätzlich präoperativ gegeben wurde.
Somit ist es wünschenswert, wenn - wie in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin empfohlen - eine frühzeitige parenterale Ernährung eingesetzt wird, um die Lebensqualität und den Therapieerfolg zu verbessern.

Nun auch Wait and See Strategie beim Rektumkarzinom?

In einer prospektiven Studie aus den Niederlanden konnte gezeigt werden, dass es bei Patienten mit Rektumkarzinom sicher ist, auf eine Operation zu verzichten, wenn mit einer neoadjuvanten Radiochemotherapie der Tumor vollständig zum Verschwinden gebracht werden konnte (Maas M/J Clin Oncol 2011).
Dabei behandelte die niederländische Forschergruppe 192 Patienten mit lokal fortgeschrittenem Rektumkarzinom mit einer Radiochemotherapie. 21 Patienten, bei denen klinisch keine Tumorreste mehr nachweisbar waren (klinisch komplettes Ansprechen, cCR), wurden der Wait-and-See-Gruppe zugeteilt. Als Kontrollgruppe dienten Patienten, bei denen nach der Radiochemotherapie wegen Verdachts auf einen Resttumor eine Standardoperation durchgeführt worden war, wobei auch hier nach der Operation histologisch kein Resttumorgewebe mehr nachweisbar war (pathologisches komplettes Ansprechen, pCR).
Bei allen Patienten wurden zur Nachkontrolle alle drei bis sechs Monate ein Kernspin, eine CT-Untersuchung sowie eine Endoskopie durchgeführt. In der cCR-Gruppe trat während der Nachbeobachtung von 25±19 Monaten bei einem Patienten nach 22 Monaten ein lokales Rezidiv ohne Lymphknotenbeteiligung auf, das nachfolgend operiert wurde. Damit lag die kumulative Wahrscheinlichkeit für ein krankheitsfreies 2-Jahres-Überleben in der cCR-Gruppe bei 89 %, für das 2-Jahres-Gesamtüberleben bei 100 %.
In der Kontrollgruppe starben zwei Patienten, einer nach einem Jahr infolge operationsbedingter Komplikationen, der zweite nach fünf Jahren aufgrund einer Metastasierung. Bei keinem der 20 Patienten trat innerhalb von 35±23 Monaten der Nachbeobachtungszeit ein lokales Rezidiv auf. Die kumulative Wahrscheinlichkeit des krankheitsfreien 2-Jahres-Überlebens lag bei 93 %, für das Gesamtüberleben bei 91 %.
Vorteil für die cCR-Gruppe: Zehn der 21 Patienten hatten endständige Tumoren, die eine permanente Kolostomie erfordert hätten. Durch die abwartende Strategie konnte dies den Patienten erspart bleiben. Erwartungsgemäß traten bei deutlich mehr (nämlich 35 %) Patienten der pCR-Gruppe Operationskomplikationen auf. Außerdem klagten deutlich mehr Patienten der pCR-Gruppe über funktionelle Einbußen in puncto Darmentleerung.

GfBK-Kommentar: Diese Studie unterstreicht den Nutzen der sog. Wait-and-See-Strategie bei Rektumkarzinom-Patienten; ein Vorgehen, das bisher nur bei Prostatakarzinomen angewandt wird. Insbesondere da durch den Verzicht auf eine Operation den Betroffenen unangenehme Begleitfolgen erspart werden und sich keine Unterschiede im Gesamtüberleben zeigten, halten wir es für wichtig, zukünftig bei cCR-Patienten auch an diese Option zu denken. Außerdem wäre es wünschenswert, weitere Studien, die die Patienten länger als zwei Jahre nachbeobachten, zu initiieren.

Bei Darmkrebs auch an Knochenmetastasen denken

Schätzungen einer epidemiologischen Untersuchung zufolge, entwickeln etwa 10 Prozent der Patienten mit Kolorektalkarzinom Knochenmetastasen; das sind mehr als bisher geschätzt. Dies konnte in einer retrospektiven Untersuchung mit 264 Patienten gezeigt werden, die aus einem Pool von etwa 2500 Patienten, an Knochenmetastasen erkrankten (Santini D/Ann Oncol 2012). Etwa die Hälfte dieser Patienten (48 Prozent) erhielt eine Therapie mit Zoledronsäure. Dadurch ließen sich Skelettkomplikationen verzögern, allerdings durchschnittlich nur um etwa einen Monat.

GfBK-Kommentar: Aufgrund der schlechten Prognose von Knochenmetastasen bei kolorektalen Karzinomen ist es ratsam, auch naturheilkundliche Begleittherapien mit zu berücksichtigen. Dies ist vor allem die Gabe von Mistel, Vitaminen, Selen und Enzymen sowie speziell bei Knochenmetastasen die Gabe von Vitamin D und die Durchführung einer Säure-Basen-Regulation. Auch andere Naturheilmittel, wie braune Wildhirse, Ackerschachtelhalm oder schwarzer Sesam-Ursamen haben sich zur Knochenstärkung in der Erfahrungsheilkunde bewährt.

Cetuximab bei kolorektalen Karzinomen

Patienten mit metastasierten kolorektalen Karzinomen (CRC) und KRAS - WildtypTumoren profitieren unabhängig von der Lokalisation der Metastasen von einer Erstlinienbehandlung mit Cetuximab zusätzlich zu einer Standardchemotherapie. Dies wurde in der CRYSTAL-Studie gezeigt, in der Patienten mit metastasiertem CRC und KRAS-Wildtyp-Tumoren entweder nur FOLFIRI (Leucovorin, 5-Fluorouracil, Irinotecan) oder zusätzlich Cetuximab erhielten (Cutsem van E/JCO 2011).
Dabei zeigte sich unabhängig von der Lokalisation der Metastasen in einer neueren retrospektiven Analyse der CRYSTAL-Studie ebenfalls ein besseres Therapieansprechen (Köhne CH/ J Clin Oncol 2011). Bei auf die Leber beschränkter Metastasierung: waren es 70,6 gegenüber 44,4 Prozent; und bei nicht auf die Leber beschränkter Metastasierung waren es 53,6 gegenüber 38,5 Prozent.

GfBK-Kommentar: Hoffnungen wecken Behandlungen mit neuen Substanzen, wie z.B. Cetuximab, seit langem. Antikörper blockieren die Weiterleitung von Wachstumsimpulsen ins Innere der Krebszellen, indem sie an bestimmte Rezeptoren auf der Oberfläche von Krebszellen binden. Diese neuen Substanzen sind jedoch keine Wundermittel. Auch weiß man bislang nur wenig über die Langzeiterfolge dieser neuen Therapieformen. Dies zeigt auch die vorliegende Studie, bei der Cetuximab das Gesamtüberleben auf insgesamt nur 3,5 Monate verlängern konnte. Interessanterweise werden gerne die Zahlen von den Herstellern und einigen Anwendern vor allem im Hinblick auf das Therapieansprechen kommuniziert, obwohl deren Aussagekraft wissenschaftlich recht fragwürdig ist. Die Erfahrung zeigt, dass nur bestimmte Patienten von einer solchen Therapie dauerhaft profitieren und dass es immer noch schwierig ist, den Therapieerfolg zufriedenstellend vorherzusagen.
Außerdem sollte man bedenken, dass Antikörpertherapien meistens nur in Kombination mit einer nebenwirkungsreichen Chemotherapie angewandt werden. Auch wenn Cetuximab im Vergleich zu herkömmlichen Zytostatika relativ nebenwirkungsarm ist, so ist für viele Patienten die häufigste Nebenwirkung von Cetuximab, ein akneartiger Hautausschlag, sehr belastend. Außerdem können bei etwa 5 Prozent aller Patienten Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten, von denen etwa die Hälfte dieser Reaktionen lebensbedrohend ist. Insbesondere bei fortgeschrittenen Tumoren ist daher eine individuelle Abwägung der geeigneten Therapieform wichtig.

Fischverzehr und Fischöle verringern das Risiko für Darmkrebs bei Männern

Im Rahmen einer großen Bevölkerungsstudie (Physician´s Health Study) untersuchten US-Mediziner die Beziehungen zwischen dem Fischverzehr, der Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren und den Vorkommen von Krebs im Colon und Rektum (Megan / Cancer Epidemiology Biomarkers & Prevention 2008). 21.376 Männer aus medizinischen Berufen nahmen ab 1982 bis 2004 an der Studie teil. Sie gaben bei Befragungen auch Auskunft über ihren Fischverzehr, woraus die Aufnahmen von Omega-3-Fettsäuren berechnet wurden. In dieser Zeit traten bei den Teilnehmern insgesamt 500 Fälle von Darmkrebs auf. Beim höchsten Fischverzehr war das Risiko, an Darm- bzw. Rektumkrebs zu erkranken, um 40 Prozent verringert. Wurden die Omega-3-Fettsäuren allein betrachtet, verringerte sich das Darmkrebs-Risiko bei den höchsten Aufnahmen immerhin noch um 26 Prozent. Die Forscher schließen daraus, dass ein hoher Fischverzehr, aber auch die Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren allein, das Erkrankungsrisiko für Darmkrebs bei Männern verringern könnte.

GfBK-Kommentar: Fisch ist die Hauptquelle für die Versorgung mit den gesunden langkettigen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure. Aus verschiedenen Zell- und Tier-Untersuchungen gibt es Hinweise, dass Fischöle vor der Entwicklung von Darmkrebs schützen können. Diese Studie bestätigt diesen Schutzeffekt auch beim Menschen, wobei der Wirkungsmechanismus noch nicht genau bekannt ist. Eine mögliche Erklärung ist die, dass Omega-3-Fettsäuren die Aktivität der Omega-6-Arachidonsäure hemmen können, die Entzündungsprozesse fördert und an der Krebsentstehung mitbeteiligt sein kann.

Um den Bedarf an langkettigen Omega-3-Fettsäuren zu decken, wird schon lange von nationalen als auch von internationalen Gesellschaften der Verzehr von mindestens 2 Fischmahlzeiten pro Woche empfohlen. Matjeshering oder Makrele sind die beiden Fische mit dem höchsten Gehalt an Omega-3-Fettsäuren. Andere Fischsorten, die auch viel Omega-3-Fettsäuren enthalten, sind Thunfisch, Ölsardine, Sardelle oder Lachs. Als pflanzliche Öle enthalten besonders Leinöl, Hanföl, Rapsöl oder Walnussöl besonders viel Omega-3-Fettsäuren.

Curcumin und Quercetin als Schutz vor Darmkrebs

In einer amerikanischen Studie (Cruz-Correa / Clinical Gastroenterology and Hepatology 2006) wurde untersucht, inwieweit durch die Gabe von Curcumin und Quercetin das Auftreten von Polypen bei Patienten mit familiärer adenomatöser Polyposis reduziert werden kann. Dazu erhielten fünf Patienten, die bereits eine Entfernung von Teilen des Dickdarms hinter sich hatten, sechs Monate lang jeweils dreimal täglich 480 mg Curcumin und 20 mg Quercetin. Die Zahl der Polypen sank dabei im Verlauf der Studie um rund 60 Prozent; auch die Größe der Polypen verringerte sich.

GfBK-Kommentar: Die Fallzahl der Studie mit nur fünf Patienten ist natürlich viel zu gering, um eindeutige Aussagen zur Wirksamkeit treffen zu können. Es ist zu begrüßen, dass nun die Ergebnisse in einer weiteren Studie überprüft werden sollen. An dieser Studie ist außerdem zu bemängeln, dass die verabreichte Menge an Quercetin etwa der entsprach, die täglich mit Obst und Gemüse aufgenommen werden kann. Ob von den Autoren aufgrund dessen tatsächlich der Schluss gezogen werden kann, dass Curcumin damit für die Hauptwirkung verantwortlich zu machen sei, muss spekulativ bleiben.

Übrigens ist im Reagenzglas oder im Tierversuch für viele sekundäre Pflanzenstoffe in Obst und Gemüse nachgewiesen worden, dass sie entweder die Tumorentstehung verhindern oder das Tumorwachstum hemmen. Man schätzt die Anzahl der sekundären Pflanzenstoffe auf inzwischen etwa 60.000 bis 100.000. Infolge Ihres weit verbreiteten Vorkommens in Obst und Gemüse halten wir es deshalb für besser, eine Krebsvorbeugung in Form von einer ausgewogenen vielseitigen Vitalkost mit viel Obst und Gemüse gegenüber isolierten Einzelextrakten vorzuziehen. Die Palette der sekundären Pflanzenstoffe kommt in einer Vielzahl von Gemüsen (besonders in Broccoli, Knoblauch, Zwiebeln, Kohl, Sojabohnen und Tomaten) bis hin zu Gewürzen, Kaffee, Tee, Wein und Heilkräutern vor. Curcumin, das gelbe Pigment im Wurzelstock Kurkuma, ist ein Inhaltsstoff des Currys (Rezept des „Kurkuma-Tomaten-Cocktails“ erhalten Sie bei der GfBK). Quercetin ist u.a. in Äpfeln und Zwiebeln enthalten.

Vitamin D beugt Darmkrebs vor

Menschen, die hohe Vitamin-D-Spiegel im Blut aufweisen, erkranken seltener an Darmkrebs. Das ergab eine große europäische Studie an mehr als 520.000 Personen aus zehn westeuropäischen Ländern (Jenab et al. / British Medical Journal 2010).

Grundlage dieser Berechnungen war die sogenannte EPIC-Studie, bei der die Teilnehmer zwischen 1992 und 1998 Fragebögen zu ihrem Lebensstil und ihrer Ernährung ausgefüllt und Blutproben abgegeben hatten. In den darauffolgenden Jahren erkrankten 1.248 Teilnehmer an kolorektalem Karzinom. Die Forscher untersuchten die im Vorfeld gesammelten Blutproben dieser Patienten genauer und verglichen sie mit ebenso vielen gesunden Probanden.

Die Auswertung enthüllte einen starken umgekehrten Zusammenhang zwischen der Vitamin-D-Konzentration im Blut und dem Erkrankungsrisiko: Je mehr Vitamin D im Blut eines Teilnehmers enthalten war, desto geringer war das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Die Probandengruppe mit dem höchsten Vitamin-D-Spiegel wies ein um 40 Prozent geringeres Krebsrisiko auf als die Teilnehmer mit dem niedrigsten Vitamin-D-Spiegel. Genauere Analysen ergaben, dass ein hoher Vitamin-D-Spiegel besonders vor Kolonkrebs, aber weniger vor Rektumkrebs schützte.

GfBK-Kommentar: Jedes Jahr erkranken in Deutschland über 70.000 Menschen an Darmkrebs. Er stellt bei Männern und Frauen die zweithäufigste Krebsart dar. Was andere Studien bereits bei anderen Tumorarten zeigen konnten (Lunge, Mamma, Melanom), scheint auch bei Darmkrebs der Fall zu sein: Menschen mit hohen Vitamin-D-Spiegeln im Blut erkranken seltener an Darmkrebs.

Noch ist allerdings unklar, ob sich dieser krebsvorbeugende Effekt auch durch eine gesteigerte Zufuhr von Vitamin D erzielen lässt, da die Forscher in dieser Studie keinen Zusammenhang zwischen der Verminderung des Darmkrebs-Risikos und Vitamin-D-reicher Ernährung finden konnten. Das Sonnenlicht sei offensichtlich sehr viel bedeutender für die Vitamin-D-Versorgung als die Ernährung, so die Autoren. Nur für die Zufuhr von kalzium-reicher Nahrung und Darmkrebs ließ sich ein risikosenkender Effekt nachweisen.

Daher unser Rat: Genießen Sie das „Sonnenvitamin“ Vitamin D möglichst täglich. Gehen Sie an die frische Luft, am besten fünf bis fünfzehn Minuten in der Mittagszeit bei zu rund 40% unbedeckter Haut und lassen Sie sich nicht verunsichern, wenn andere die Sonne als krebserregend einstufen. Denn es gibt andererseits sogar Studien, die gezeigt haben, dass Sonnenexposition mit einer längeren Überlebenszeit bei Patienten mit Hautkrebs assoziiert ist.

Impfung bei Patienten mit Kolonkarzinom erfolgreich

Onkologen aus Berlin und Heidelberg untersuchten, ob bei Patienten mit kolorektalen Karzinomen und Lebermetastasen eine aktiv-spezifische Immunisierung mit einer Virus-behandelten Tumorzellsuspension die Gesamtüberlebenszeit sowie die Metastasen-freie Zeit verlängert wird (Schulze / Cancer Immunol Immunther 2008). Dazu benutzten sie autologe Tumorzellen, die mit einem nicht lytischen und niedrig pathogenen Stamm des Newcastle Disease Virus (NDV) infiziert worden waren.

Im Rahmen dieser Phase-II-Studie erhielten 50 Patienten mit kolorektalen Karzinomen zusätzlich zur üblichen schulmedizinischen Therapie 2 bis 3 Wochen nach chirurgischer Entfernung der Lebermetastasen randomisiert die spezifische Vakzine intradermal in den Unterarm oder eine wirkungslose Spritze (Kontrollgruppe), wobei die Impfung danach in bestimmten Abständen mehrfach wiederholt wurde.

Zunächst war das Resultat enttäuschend: Denn nach durchschnittlich 9,5 Jahren unterschieden sich in der Studienpopulation weder die Raten der Metastasenrezidive noch das Gesamtüberleben. Betrachteten die Onkologen jedoch nur die Kolon-Ca-Patienten, kam ein deutlicher Unterschied zugunsten der Geimpften heraus: Vier von 13 Patienten (31 Prozent) starben im Studienzeitraum in der Vakzinationsgruppe, 9 von 14 Patienten (79 Prozent) in der Kontrollgruppe. Auch die krankheitsfreie Zeit war in der Verumgruppe deutlich verlängert, die metastasenfreie Überlebenszeit war ebenfalls signifikant länger. Dagegen gab es bei den 23 Studienteilnehmern mit metastasiertem Rektumkarzinom keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Warum eine unterschiedliche Wirkung der Vakzine bei beiden Tumorentitäten auftrat, konnte nicht geklärt werden.

GfBK-Kommentar: Sehr häufig sind es die Lebermetastasen, die bei Patienten mit kolorektalen Karzinomen trotz kompletter Resektion die Überlebenszeiten deutlich verkürzen. Bereits 1992 hatte Professor Volker Schirrmacher aus Heidelberg in einer Phase-II-Studie festgestellt, dass Lebermetastasen-Rezidive deutlich seltener auftraten (61 versus 87 Prozent), wenn nach der Operation eine adjuvante Immunisierung erfolgt war.

Hintergrund des Wirkungsmechanismus bei Tumorerkrankungen ist die Beobachtung, dass eine Tumorimpfung unter anderem zu einer verbesserten Interaktion zwischen Tumor- und T-Zellen führt, die zytotoxische Wirkung von T-Zellen, Makrophagen und Monozyten verstärkt und die Bildung bestimmter Zytokine auslöst.

Die beste Wirksamkeit einer Tumorimpfung kann besonders dann erreicht werden, wenn die Impfung gleich nach der Erstbehandlung, also nach der Operation erfolgt. Außerdem sind die Ergebnisse umso besser, je weniger das Immunsystem vorher durch die Zellgifte einer Chemotherapie geschädigt wurde.

Inzwischen bieten mehrere private Labors Tumorimpfungen an. Grundsätzlich kann die Impfung bei allen organbezogenen Krebserkrankungen durchgeführt werden. Voraussetzung ist, dass bei der Operation oder anderen Formen der Gewebeentnahme eine ausreichende Menge an Tumorzellen gewonnen werden kann.

 


Prostatakrebs

Länger leben mit Vitamin D?

Anhand der finnischen ATBC-Studie konnte gezeigt werden, dass das Risiko, an Prostatakarzinom zu sterben, mit dem Vitamin-D-Spiegel assoziiert war. Dabei wurden Daten der US-finnischen ATBC-Studie (Alpha-Tocopherol, Beta-Carotene Cancer Prevention) ausgewertet (Mondul AM et al. / Cancer Epidemiol Biomarkers Prev April 2016).
Bei der Auswertung der Daten zeigte sich, dass das Risiko, an Prostatakarzinom zu sterben, für Männer mit den höchsten 25-OH-Vitamin-D-Spiegeln signifikant niedriger als für Männer mit den niedrigsten Werten war, und zwar um 31 Prozent. Dieser positive Zusammenhang war auch unabhängig vom Stadium der Erkrankung und vom Tumorgrad bei der Diagnose.

GfBK-Kommentar: Auch in anderen Studien bestätigt sich, dass hohe Vitamin-D-Spiegel im Blut mit einer Risikoreduktion von Krebserkrankungen einhergehen (McDonnell SL et al. / PLOS one 2016) In der oben beschriebenen Studie war ein hoher Vitamin-D-Spiegel vor der Diagnose mit einem längeren Überleben der an Prostatakrebs erkrankten Männer assoziiert. Andere aktuelle Studien zeigten auch eine Beeinflussung des Risikos, an Lungenkrebs (Chen GC et al. / Cancer Causes Control 2015) und an Blasenkrebs (Zhao Y et al. / Nutrition 2016) zu erkranken. Beim Blasenkarzinom waren hohe 25-OH-Vitamin-D-Spiegel von mindestens 74nmol/l mit einer um 60 Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit verbunden, an Blasenkrebs zu erkranken. Diese Ergebnisse zeigen deutlich, wie wichtig es ist, bei Krebspatienten den 25-OH-Vitamin-D-Spiegel (optimal ab 40 ng/ml oder 100 nmol/l) zu bestimmen und bei Mangel zusätzlich Vitamin D zu substituieren.

Prostata-Ca: Länger leben mit Vitamin D?

Anhand der finnischen ATBC-Studie konnte gezeigt werden, dass das Risiko, an Prostatakarzinom zu sterben, mit dem Vitamin-D-Spiegel assoziiert war. Dabei wurden Daten der US-finnischen ATBC-Studie (Alpha-Tocopherol, Beta-Carotene Cancer Prevention) ausgewertet (Mondul AM et al. / Cancer Epidemiol Biomarkers Prev April 2016).
Bei der Auswertung der Daten zeigte sich, dass das Risiko, an Prostatakarzinom zu sterben, für Männer mit den höchsten 25-OH-Vitamin-D-Spiegeln signifikant niedriger als für Männer mit den niedrigsten Werten war, und zwar um 31 Prozent. Dieser positive Zusammenhang war auch unabhängig vom Stadium der Erkrankung und vom Tumorgrad bei der Diagnose.

GfBK-Kommentar: Auch in anderen Studien bestätigt sich, dass hohe Vitamin-D-Spiegel im Blut mit einer Risikoreduktion von Krebserkrankungen einhergehen (McDonnell SL et al. / PLOS one 2016) In der oben beschriebenen Studie war ein hoher Vitamin-D-Spiegel vor der Diagnose mit einem längeren Überleben der an Prostatakrebs erkrankten Männer assoziiert. Andere aktuelle Studien zeigten auch eine Beeinflussung des Risikos, an Lungenkrebs (Chen GC et al. / Cancer Causes Control 2015) und an Blasenkrebs (Zhao Y et al. / Nutrition 2016) zu erkranken. Beim Blasenkarzinom waren hohe 25-OH-Vitamin-D-Spiegel von mindestens 74nmol/l mit einer um 60 Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit verbunden, an Blasenkrebs zu erkranken. Diese Ergebnisse zeigen deutlich, wie wichtig es ist, bei Krebspatienten den 25-OH-Vitamin-D-Spiegel (optimal ab 40 ng/ml oder 100 nmol/l) zu bestimmen und bei Mangel zusätzlich Vitamin D zu substituieren.

Prostatakarzinom: Abwarten oder therapieren?

Eine randomisierte Studie (Holmberg et al. / N Engl J Med 347, 2002) beschäftigt sich mit einer der wichtigsten Frage in der Behandlung des Prostatakarzinoms: Ist eine radikale Prostatektomie sinnvoll oder sollte man ein „watchful waiting“ ohne Behandlung vorziehen, um dem Patienten die Komplikationen dieses Eingriffs zu ersparen. 695 Patienten wurden mit Tumoren im Stadium T1b, T1c oder T2 untersucht. Es zeigte sich, dass die radikale Prostatektomie die krankheitsbedingte Sterblichkeit reduzierte, allerdings keinen Einfluss auf die Gesamtüberlebenszeit hatte. Insgesamt war die Zahl der Prostatatodesfällle gering: 16 von 347 (4,6%) im Interventionsast und 31 von 348 Patienten (8,9%) in der Kontrollgruppe.

GfBK-Kommentar: Ein abwartendes Verhalten, das sog. „Watchful waiting” wird vor allem bei gut differenzierten und kleinen Prostatakarzinomen, insbesondere bei Männern mit einer Lebenserwartung von weniger als 10 Jahren in Betracht gezogen. Die Studienergebnisse machen Hoffnung, dass bestimmten Patientengruppen eine radikale Prostatektomie erspart werden kann. Aufgrund des mittleren Follow-up's von 6,2 Jahren kann allerdings anhand der bisherigen Ergebnisse nicht beurteilt werden, wie sich das im Interventionsast festgestellte leicht geringere Risiko für Fernmetastasen in der Überlebenszeit langfristig auswirkt. Männer über 70 Jahren sollten grundsätzlich nicht mehr radikal prostatektomiert werden, da kein Überlebenszeitgewinn besteht. Bei jüngeren Männern bietet die Operation Chance auf Heilung.

Antiandrogene reduzieren Knochendichte

Kiratli und Mitarbeiter (Urology / 57, 2001) konnten bei 36 Männern mit Prostatakarzinom zeigen, dass durch eine antiandrogene Therapie die Knochendichte deutlich abnimmt. Und zwar zeigte sich dieser Effekt umso stärker je länger die Patienten eine antiandrogene Therapie erhalten hatten.

GfBK-Kommentar: Diese Untersuchung zeigt, dass der Einsatz von Bisphosphonaten bei Männern mit Prostatakarzinom neben der Knochenmetastasenprophylaxe auch unter dem Gesichtspunkt der Osteoporosevorbeugung unter antiandrogener Therapie wichtig ist.

Vorbeugung durch Selen

Bei 445 weißen und schwarzen Männern zwischen 40 und 79 Jahren mit (212) oder ohne (233) Prostatakarzinomen wurden die Selenspiegel im Serum gemessen (Vogt TM / Int J of Cancer 103, 2003). Ergebnis: Ab einem Serumspiegel von 135 µg/l besteht ein signifikant niedrigeres Risiko, an einem Prostatakarzinom zu erkranken, und zwar unabhängig von der Hautfarbe. Ein besonders hohes Risiko wiesen zudem Männer auf, die gleichzeitig einen niedrigen alpha-Tocopherolspiegel (weniger als 9mg/l) hatten.

GfBK-Kommentar: Diese Studie bestätigt die Ergebnisse anderer Untersuchungen, dass hohe Selenspiegel mit einer Reduktion der Krebsinzidenz einhergehen. Unbeantwortet musste bei diesem Studiendesign die Frage bleiben, inwieweit die untersuchten Patienten mit Prostatakarzinom bereits vor ihrer Erkrankung niedrige Selenspiegel aufwiesen. Ein weiterer Mangel dieser Studie ist, dass nicht der Selenspiegel im Vollblut bestimmt wurde, der meist zuverlässigere Werte liefert. Gerade hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen niedrigen alpha-Tocopherol -und Selenspiegeln sind weitere Studien zur Klärung von Interaktionen zwischen Vitalstoffen interessant und wünschenswert.

Ultraschall-Therapie bei Prostatakarzinom

Ältere Patienten (> 70 Jahre) und Risikopatienten, bei denen eine radikale Prostatektomie nicht in Frage kommt, sowie Patienten mit Rezidivtumoren können von einer transrektalen Behandlung mit Ultraschall profitieren. Am Akademischen Lehrkrankenhaus München-Harlaching, im St. Josef-Krankenhaus in Regensburg und ambulant in Heidelberg wird hoch intensiver fokussierter Ultraschall (HIFU) bei Prostatakarzinomen im Stadium T1 und T2 eingesetzt. Die Behandlung soll den Vorteil haben, dass das umgebene Gewebe nicht geschädigt wird und die Potenz und Blasenfunktion erhalten bleibt.

GfBK-Kommentar: Eine die Lebensqualität erhaltende experimentelle Methode, über deren Langzeiterfolge noch keine Ergebnisse vorliegen. Die Kosten (ca. 8000 Euro) werden bisher von den Kassen in den meisten Fällen nicht übernommen.

Nur ganze Tomaten helfen als Schutz vor Krebs

In einem Tierversuch konnte jetzt bestätigt werden, dass Ratten, die mit einem Prostata-Karzinogen infiziert wurden, eine um 26 Prozent geringere Sterblichkeit aufwiesen, wenn sie anstelle isoliertem Lykopin Tomatenextrakt in Form von Tomatenpulver erhielten (Boileau / J Natl Cancer Inst 95, 2003).

GfBK-Kommentar: Durch Bioverfügbarkeitsuntersuchungen weiß man, dass das in Tomaten enthaltene stark antioxidativ wirksame Lykopin durch vorheriges Erhitzen der Tomaten wohl besser für den Körper verfügbar gemacht wird. Dadurch ist auch die bessere vorbeugende Wirkung von z. B. Tomatensaft oder wie hier Tomatenextrakt im Gegensatz zu „rohen Tomaten“ zu erklären.

Prostata-Ca: Herzrisiko unter Androgenentzug

Dass es unter Antiandrogentherapie bei bestimmten Risikogruppen vermehrt zu kardialen Ereignissen kommt, bestätigt nun eine Studie mit Daten von 5077 Männern und cT1c-T3N0M0-Tumoren, von denen 30 Prozent neoadjuvant mit GnRH-Agonisten vor einer Brachytherapie behandelt wurden (Ziehr D et al. / Urological Oncology 2014).
Insgesamt ließ sich unter der Androgen-Deprivation keine Häufung von kardial bedingten Todesfällen beobachten. Anders war dies jedoch bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder einem Herzinfarkt vor Studienbeginn: Hier lag die Sterberate mit Hormonentzug bei sieben Prozent und ohne bei zwei Prozent.
Ist der Androgenentzug wirklich ursächlich beteiligt, muss nach Berechnungen der Forscher innerhalb von fünf Jahren mit einem zusätzlichen Herztodesfall gerechnet werden, wenn 20 Patienten mit Herzinsuffizienz oder Herzinfarkt eine Antiandrogentherapie erhalten.
Der Großteil der Prostatakrebspatienten muss sich jedoch unter Antiandrogentherapie keine Sorgen machen. Zur Risikogruppe gehörten in dieser Studie nur etwa 5 Prozent.

GfBK-Kommentar: Da die Ergebnisse in dieser Studie nur knapp signifikant waren, sind die Resultate mit Vorsicht zu betrachten. Außerdem waren die Patienten, die eine Antiandrogentherapie erhielten, älter, was einen Selektions-Bias bedeuten kann. Die Ergebnisse sollten aber dennoch Anlass geben, genauer hinzuschauen, bevor man einem Prostatakrebs-Patienten mit Niedrig-Risiko-Karzinom und einer koronaren Herzerkrankung eine antihormonelle neoadjuvante Therapie empfiehlt.

Nahrungsergänzung senkt den PSA-Wert

37 nicht hormonell vorbehandelte Prostatakarzinom-Patienten mit steigenden PSA-Werten erhielten in einer randomisierten, plazebokontrollierten, doppelblinden Cross-Over-Studie 6 Wochen lang eine spezielle Nahrungsergänzung (Kranse / Int J Cancer 113, 2005). Dabei handelte es sich um eine Margarine bzw. ein Diättrunk, die mit Vitamin E, Phytosterolen, Soja-Isoflavonen, Selen, grünem Tee und Karotinoiden sowie Lykopin angereichert worden waren. Ergebnis: Es zeigte sich, dass in der Behandlungsphase die Spiegel von Testosteron, Dihydrotestosteron, Gesamt-PSA und freiem PSA absanken.

GfBK-Kommentar: Diese Untersuchung bestätigt den Schutzeffekt von bioaktiven Pflanzenstoffen bei Patienten mit Prostatakarzinom. Leider wurde in dieser Studie nicht untersucht, ob sich durch die Nahrungsergänzung auch der klinische Erkrankungsverlauf beeinflussen ließ. Viele Firmen haben sich diese Erkenntnisse inzwischen zunutze gemacht und bewerben Nahrungsergänzungen mit bioaktiven Pflanzenstoffen speziell bei Prostataerkrankungen. Noch besser eignet sich aber unsere Ansicht nach eine entsprechend umgestellte Ernährung, durch die viele der synthetisch angereicherten Pflanzenstoffe in natürlicher Form zugeführt werden können (z. B. gedünstete Tomaten, Olivenöl, Soja). Einige Vitalstoffe sollten jedoch in erhöhter Dosierung aufgenommen werden. Dies betrifft insbesondere Selen (200 µg) und natürliches Vitamin E (200 I.E.). Zur Zufuhr des wertvollen Lykopins eignet sich auch ein selbst hergestellter Gelbwurz-Tomaten-Drink (Das Rezept erhalten Sie bei der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr).

Multivitamine verdoppeln Risiko auf tödliches Prostatakarzinom?

Eine Beobachtungsstudie des Journal of National Cancer Institute (JNCI 2007; 99: 754-764), in der laut einem Kommentar des Ärzteblattes angeblich gezeigt werden konnte, dass die regelmäßige Einnahme von Multivitaminen das Risiko auf die Entwicklung eines tödlichen Prostatakarzinoms verdoppelt, fand in den Medien viel Beachtung. Von den seit 1995/95 befragten 300.000 männlichen Teilnehmern waren 10.241 zwischenzeitlich an Prostatakarzinom, 8765 an lokalisierten Tumoren und 1476 an einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom erkrankt. Interessant ist, dass bei der Auswertung von Frau Karla Lawson vom NCI die Erkrankungsraten für das lokalisierte Prostatakarzinom bei den Vitaminanwendern gar nicht häufiger waren als bei den Nichtvitaminkonsumenten, sondern nur die Inzidenzrate bei einem tödlichen Prostatakarzinom von 11,4 auf 18,9 pro 100.000 Personenjahre zunahm.

GfBK-Kommentar: Ohne Zweifel müssen wir zugeben, dass hinsichtlich der Anwendung orthomolekularer Substanzen und Nahrungsergänzungsmittel noch Vieles ungeklärt und zu untersuchen ist. Dennoch wissen wir, dass für einzelne Spurenelemente wie beispielsweise Selen und Zink oder einige Vitamine wie beispielsweise Vitamin C und E ganz eindeutige wissenschaftliche Ergebnisse vorliegen, die ihre Anwendung bei Patienten unter ärztlicher Beratung rechtfertigen.
Letztendlich ist diese Studie ein gutes Beispiel, dass man sich das Design der Studien, deren Ergebnisse und auch die verwendeten Präparate genauer anschauen muss, um daraus Schlussfolgerungen ziehen zu können. So interessierte bei der Endauswertung der Studie lediglich die Tatsache, ob die befragten Männer irgendein Multivitaminpräparat mindestens mehr als siebenmal über einen längeren Zeitraum die Woche eingenommen hatten. Außerdem wurde die Zusammensetzung und Dosierung der Multivitaminpräparate und ein Vergleich mit der Einnahme von Einzelpräparaten nicht adäquat ausgewertet. Auch die genaue Dauer der Einnahme des Multivitaminpräparates wurde nicht evaluiert. Immerhin gesteht das deutsche Ärzteblatt, das diese Studie kommentiert hat, am Ende seines Kommentars zu: das absolute Risiko ist indes gering, für bisherige Anwender besteht sicher kein Grund für übertriebene Ängste.....

Omega-3-Fettsäuren bremsen das Wachstum von Prostatakrebszellen

Forscher aus Los Angeles haben nachgewiesen, dass die Ernährung das Teilungsverhalten von Prostata-Tumorzellen beeinflusst (Aronson W et al. / Cancer Prevention Research 2011). In dieser ungewöhnlich konzeptionierten Studie bekamen 55 Männer mit Prostatakarzinom vier bis sechs Wochen vor der Entfernung der Primäroperation unterschiedliche Mahlzeiten aufgetischt. Etwa die Hälfte bekam die übliche US-amerikanische Diät, bei der 40% der Kalorien überwiegend aus gesättigten Fettsäuren stammten, das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren betrug 15:1. Die andere Hälfte bekam eine fettreduzierte Diät, hier stammten nur 15% der Kalorien aus Fetten, und das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren lag bei 2:1.
Dabei zeigte sich im Prostataresektat, dass nach der Fischöldiät die Teilungsrate der Krebszellen um ein Drittel geringer ausfiel als bei den Patienten, die sich herkömmlich bzw. Omega-6-lastig ernährten. Außerdem hatte sich bei Männern mit der Fischöldiät in den Zellmembranen das Fettsäureverhältnis zugunsten von Omega-3-Fettsäuren verschoben.
Bemerkenswert ist auch, dass wenn das Serum der Männer mit der Fischöldiät verwendet wurde, dieses die Teilung von Krebszellen in vitro ebenfalls bremsen konnte. Wohingegen dies mit dem Serum der Männer mit der herkömmlichen Ernährung nicht gelang. Wie es zu dem günstigen Effekt kommt, ist den Autoren der Studie noch unklar.

GfBK-Kommentar: Es ist schon länger bekannt, dass durch sinnvolle Ernährungsmaßnahmen (Grüntee, Tomatenmark, Soja, Selen, Vitamin E, Fisch, wenig Fleisch, viel Pflanzenkost, Gemüse, Obst, Granatapfel, Leinsamen, aktuell auch Ingwer) das Fortschreiten von Prostatakrebs verzögert werden kann (Frattaroli et al., 2008). Da eine hohe Teilungsrate von Prostatakrebszellen mit einer ungünstigen Prognose einhergeht, sollte diesen Ergebnissen mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht werden, zumal eine Änderung der Essgewohnheiten keine anderen aufwendigen therapeutischen Maßnahmen erfordert. Manchmal reicht schon die Einnahme von 3 Esslöffeln Leinsamen, wie eine Studie aus dem Jahr 2007 zeigte. Auch hier teilten sich die Prostatakrebszellen langsamer, wobei die Kombination aus Leinsamen plus fettarmer Diät am wirksamsten war. Weitere gute Omega-3-Fettsäuren-Quellen neben Leinsamen sind: Weizenkeime, Walnüsse, Sojabohnen, Fisch und Krustentiere sowie Wild. So senkt zum Beispiel eine fischreiche Ernährung bei Patienten mit Prostatakrebs das Sterblichkeitsrisiko um 63 Prozent (Konrad M et al. / American Journal of Clinical Nutrition 2010)
Eine aktuelle Studie aus Freiburg unterstreicht ebenfalls die Bedeutung der Omega-3-Fettsäuren. Hier profitierten Patienten mit Brust- und Prostatakrebs von einer omega-3-fettsäurehaltigen Spezialnahrung, indem für die Krebsprogression mitverantwortliche Entzündungsparameter herunterreguliert wurden. Insbesondere diese Entzündungsbereitschaft ist laut renommierter Forscher dafür verantwortlich, dass sich um die Tumorzelle herum ein ungünstiges chemotherapieresistentes Millieu entwickelt.

Bewegung reduziert Rezidivrate bei Prostatakrebs

Männer mit frühem Prostatakrebs können den Verlauf der Krankheit durch flottes Gehen bekämpfen. Zu diesem Ergebnis kam eine amerikanische Studie (Richman et al. / Cancer Research 2011), die zeigte, dass Männer, die mindestens drei Stunden pro Woche sog. Power Walking machen, eine um 57% geringere Rezidivrate aufwiesen. Dabei wurden 1455 Männer über 31 Monate beobachtet und befragt, wie viel sportliche Aktivitäten sie durchführten.

GfBK-Kommentar: Dass Sport die Behandlungsergebnisse von Krebserkrankungen verbessert, ist nicht neu und wird inzwischen von vielen Patienten angewandt. Da Spazieren gehen offensichtlich nicht den gleichen Effekt hat, sollten Patienten darauf achten, dass sie flottes Gehen (sog. Power Walking, d.h. intensiviertes Schnellgehen mit etwa 130 Schritten pro Minute) durchführen. Außerdem ist es empfehlenswert, bei Prostatakrebs zur Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte von Anfang an ergänzende Behandlungen mit Mistel- oder Thymusinjektionen durchzuführen, zusammen mit Selen und den antioxidativen Vitaminen A (bzw. Karotin), C und E sowie Vitamin D3.

Wait and See beim Prostatakarzinom

Im Rahmen der sog. Prostate Cancer Intervention versus Observation Trial (PIVOT) wurden von 1994 bis 2002 insgesamt 731 Männer mit lokalisiertem Prostatakarzinom (mittleres Alter 67 Jahre, mittlerer PSA-Wert 7,8 ng/ml) untersucht. Dabei wurden die Patienten randomisiert und zwei Gruppen zugeteilt: 364 Männer erhielten eine radikale Prostatektomie, und 367 Männer wurden im Rahmen einer „Wait and see"-Strategie begleitet (Wilt TJ/NEJM 2012).
Das Ergebnis: Die radikale Prostatektomie bringt bei einem im PSA-Screening entdeckten lokalisierten Prostatakarzinom keinen signifikanten Vorteil im Vergleich zur „Wait and see"-Strategie. In Zahlen ausgedrückt starben innerhalb einer mittleren Beobachtungszeit von zehn Jahren 171 Patienten (47 Prozent) der OP-Gruppe (davon starben jedoch nur 5,8 Prozent an der Prostata-Ca-Erkrankung) und 183 Patienten (50 Prozent) der Wait-and-See-Gruppe (davon starben 8,4 Prozent an der Prostata-Ca-Erkrankung).
Man sieht daran, dass die Operation die prostatakrebsspezifische Mortalität um 2,6 Prozentpunkte senkte, jedoch ohne statistische Signifikanz zu erreichen. Studien mit mehr Patientenzahlen wären hier notwendig, um die Fragestellung endgültig klären zu können.

GfBK-Kommentar: Das Prostata-Karzinom ist die häufigste Tumorerkrankung des Mannes. Im Jahr 2008 wurde es in Deutschland ungefähr 70.000-mal diagnostiziert. Noch höher dürfte allerdings die Zahl derer sein, bei denen es nicht entdeckt wird und die damit bis ans Lebensende ohne ernsthafte Beschwerden leben.
Es ist für Patienten und Therapeuten nicht leicht, den schmalen Weg zwischen radikaler oder abwartender Behandlung und der Erhaltung einer guten Lebensqualität zu finden. Einerseits gilt das Prostatakarzinom im Frühstadium bei älteren Männern oft als relativ harmloser „Alterskrebs" - andererseits kann es vor allem bei jüngeren Männern schnell fortschreitend sein.
Umso wichtiger ist es, schnell wachsende von langsam wachsenden Karzinomen unterscheiden zu können. Hier hilft vielleicht die Subgruppenanalyse der obigen Studie weiter, in der gezeigt werden konnte, dass eher Männer mit einem PSA-Wert über 10 ng/ml, einem Gleason-Score über 7 und einem mittleren bis hohen Risiko nach den Kategorien von d'Amico von einer Operation profitierten.
Bei den vorliegenden Zahlen drängt sich ähnlich wie bei dem so heftig propagierten Mammographiescreening die Frage auf, ob durch ein frühzeitiges Entdecken von gewissen Tumoren durchschnittlich der Volksgesundheit wohl mehr geschadet als genutzt wird. Unbenommen von dieser Aussage sind natürlich Einzelfälle, in denen ein Nutzen der frühzeitigen Diagnose gegeben ist.

Selen schützt möglicherweise doch vor Prostatakrebs

Eine aktuelle Untersuchung gibt Hinweise, dass Selen doch vor Prostatakrebs schützen kann und dass dieser Effekt vom gemessenen Selenspiegel abhängt. Dies zeigen die Ergebnisse britischer Forscher, die in einer Metaanalyse zwölf Studien mit insgesamt über 13.000 Teilnehmern ausgewertet haben (Hurst R et al./Am J Clin Nutr 2012; 96: 111-122).
Das Ergebnis: Innerhalb des Bereichs zwischen 60 und 170 ng/ml nahm das Erkrankungsrisiko mit steigenden Selenwerten um bis zu 25 Prozent ab. Das relative Risiko betrug beispielsweise bei 135 ng/ml 0,85 und bei 170 ng/ml 0,75.
Wurden nur die Daten zum fortgeschrittenen Prostatakarzinom in den Fokus genommen, wurde der Zusammenhang noch deutlicher: Hier sank das relative Risiko bei einer Selen-Konzentration von 135 ng/ml auf 0,60 und bei 170 ng/ml um 0,5 gegenüber dem niedrigsten Plasma-Selen-Wert.
In der Metaanalyse von Hurst wurde der Selenspiegel übrigens neben der Bestimmung im Plasma und Serum vor allem anhand der Konzentration des Spurenelementes in den Zehennägeln gemessen, eine bei uns eher unübliche Bestimmung. Der optimale Bereich von 140 bis 170 ng/ml in den Zehennägeln soll dabei etwa 120 bis 150 ng/ml im Plasma entsprechen.

GfBK-Kommentar: Spätestens seit Abbruch der SELECT-Studie ist vielen Therapeuten klar, dass eine Zufuhr nur dann Sinn macht, wenn man diese dem wirklichen Versorgungszustand anpasst. Bei an Krebs Erkrankten gelten Selenspiegel zwischen 130 und 150 ng/ml als optimal. Zu niedrige aber auch zu hohe Selenwerte können langfristig einen negativen Einfluss auf die Gesundheit haben. Am besten ist es daher, wenn vorher der Selenspiegel im Vollblut gemessen wird. Bei Prostatakrebs kann zusätzlich die Bestimmung der Genvariante Superoxiddismutatse SOD-2 wichtig sein, da hier durch eine Selengabe die Aggressivität des Tumors gesteigert wird.
Es muss übrigens nicht immer ein Nahrungsergänzungspräparat sein: In der Nahrung sind Kokosmilch, Kokosflocken, Kokosfett, Sesam und Paranüsse die beste Quelle für Selen.

Prostatektomie und Strahlentherapie im Vergleich

In einer Studie aus den USA wurden die Langzeitauswirkungen von Operation und Strahlentherapie bei Prostatakarzinom untersucht. Dabei wurden 1655 Männer ein, zwei, fünf und 15 Jahre nach Prostatektomie (n=1164) oder Strahlentherapie (n=491) nach ihren Beschwerden befragt (Resnick MJ et al/N Engl J Med. 2013). Dabei war auffällig, dass sich die anfänglich schlechtere Lebensqualität in der Prostatektomiegruppe nach 15 Jahren dem Niveau in der Strahlentherapiegrupppe wieder angleicht. Allerdings war der Anteil der Patienten, die regelmäßig Einlagen tragen müssen, 15 Jahre nach der Operation noch immer mehr als doppelt so hoch wie bei den strahlentherapierten Patienten. Erektionsstörungen traten bei Männern aus der Prostatektomie-Gruppe nach zwei bzw. fünf Jahren ebenfalls häufiger auf als in der Radiotherapie-Gruppe. Die Autoren schlussfolgern, dass vor allem ältere Patienten von der Strahlentherapie profitieren würden.

GfBK-Kommentar: Das Prostatakarzinom ist die häufigste Tumorerkrankung des Mannes. Jedes Jahr werden nach Angaben des Robert Koch-Instituts etwa 63 400 Neuerkrankungen diagnostiziert. Noch höher dürfte allerdings die Zahl derer sein, bei denen es nicht entdeckt wird und die damit bis ans Lebensende ohne ernsthafte Beschwerden leben. Wie die Bösartigkeit des Tumors einzuschätzen ist und wie am besten behandelt wird, darüber herrscht manchmal selbst bei Experten Uneinigkeit. Für uns stellt sich zunächst auch eher nicht die Frage, mit welcher Methode therapiert werden sollte, sondern, ob überhaupt eine invasive Therapie erfolgen sollte.
Bei konkretem Tumorherd-Verdacht wären bildgebende Verfahren mit dem Kontrastmittel "Cholin", das Cholin-PET/CT, bzw. das MRT/MRS sinnvoll. Wird dadurch der Tumorherd-Verdacht verstärkt, bietet sich statt der üblichen 12 Stanzen-Biopsie eine "Feinnadelaspirationsbiopsie" (FNAB) unter bildgebender Kontrolle an. Durch diese in den skandinavischen Ländern übliche Standardmethode bei Prostatakrebs-Verdacht wird die "DNA-Zytometrie" mit einer Aussage über den Malignitätsgrad des Prostatakarzinoms möglich. Mithilfe der bei uns noch relativ unbekannten "DNA-Zytometrie" kann zum Beispiel Patienten mit einem grenzwertigen Gleason-Score, die sich vielleicht sonst eher gegen eine aktive Überwachung entscheiden würden, bei der Entscheidungsfindung geholfen werden. Detaillierte Informationen zur Durchführung einer FNAB erhalten Sie über www.Sanfte-Krebsdiagnostik.de. 

Prostatakarzinom: Gewebe schonen durch Galvanotherapie

Radiologen des Frankfurter Universitätsklinikums konnten in einer klinischen Studie (Vogl / Radiology 2007) zeigen, dass die mittels MRT gesteuerte Galvanotherapie zur Behandlung des lokalisierten Prostatakarzinoms geeignet ist.

Insgesamt wurden 44 Patienten mit histologisch nachgewiesenem Prostatakarzinom mit der Galvanotherapie behandelt. Die Behandlung erfolgte drei Mal in Intervallen von einer Woche, wobei während dieser Behandlungsphase dem Tumor Gleichstrom in einer Gesamtmenge von maximal 350 Coulomb zugeführt wurde. Dem Patienten werden hierfür unter örtlicher Betäubung und unter MRT-Kontrolle zwei Platin-Elektroden durch die Gesäßmuskulatur (transgluteal) über eine Punktionsnadel in den rechten und linken Prostataanteil eingebracht.

Klinisches Ergebnis: Die Tumorgröße konnte im Schnitt von 1.90 cm auf 1.12 cm reduziert werden, was einer Größenreduktion um durchschnittlich 41 Prozent entspricht. Die Kontrolluntersuchung zwölf Monate nach der Behandlung zeigte folgende Resultate: Ein Patient wies einen vollständigen Tumorrückgang auf, ein partieller Tumorrückgang war bei 18 Patienten festzustellen. Bei 23 Patienten war der Krankheitszustand stabil. Zwei Patienten wiesen ein progressives Größenwachstum auf. Metastasen waren bei keinem Patienten nachweisbar. Außerdem wurde eine Reduktion des prostataspezifischen Antigens (PSA) beobachtet.

Das neue Verfahren eignet sich laut Autoren besonders für Tumore mit einem Durchmesser von maximal 8 cm. Allerdings sollte man das Verfahren nicht anwenden, wenn sich das Tumorgewebe in der Nähe von Hauptschlagadern und Nerven befindet.

GfBK-Kommentar: Die Galvanotherapie zielt auf die elektrophysikalischen Eigenschaften der Tumorzellen, in denen im Gegensatz zu gesunden Zellen die Ionenkonzentrationen sehr viel höher liegen, was einen geringeren Widerstand und dadurch eine Autofokussierung des Stromes auf das erkrankte Gewebe zur Folge hat.

Ob mit diesem Verfahren jedoch tatsächlich das betroffene Organ in seiner Funktion erhalten bleiben kann und sich die positiven Behandlungsergebnisse auch längerfristig bestätigen lassen, müssen wohl noch weitere Studien mit größeren Patientenzahlen klären. Allerdings kann man schon jetzt diese Therapie als eine Option bei Patienten in Erwägung ziehen, bei denen eine invasive Behandlung nicht möglich ist oder vom Patienten abgelehnt wird. Der endgültige Stellenwert dieser Methode ebenso wie bei den anderen noch experimentellen Verfahren wie Hyperthermie, Vereisung oder HIFU ist jedoch noch völlig ungeklärt, da es an langfristigen Erfahrungen fehlt.

Glukosinolate schützen vor Prostatakarzinom

Vielen sekundären Pflanzenstoffen werden antikanzerogene Wirkungen zugesprochen. Eine besondere Aufmerksamkeit erfahren in der Forschung gegenwärtig die Glukosinolate bzw. das Sulphoraphan der Kreuzblütlergewächse– wie Kohlgewächse, Senf und Meerrettich, die in Zell- und Tierversuchen bereits krebspräventive Wirkungen gezeigt haben.

Eine Forschergruppe am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg hat den Einfluss von Glukosinolaten auf die Entstehung des Prostatakarzinoms untersucht, indem sie 11.405 männliche Teilnehmer der EPIC-Heidelberg-Kohortenstudie untersuchte (Steinbrecher A et al. / Int J Cancer 2009). Anhand eines validierten Ernährungsfragebogens wurde die individuelle Glukosinolat-Aufnahme über die Nahrung errechnet. Dabei zeigte sich, dass das Risiko, ein Prostatakarzinom zu bekommen, signifikant sank, je mehr Glukosinolate aufgenommen wurden. In der Gruppe, in der am meisten Glukosinolate verzehrt wurden, war das Risiko um ein Drittel geringer.

GfBK-Kommentar: Allgemein enthalten alle Kohlarten Sulforaphan und dessen Vorläuferstoff Glukosinolat, wobei Brokkoli die höchste Konzentration enthält. Neben seiner Entgiftungsfunktion übt Sulforaphan einen zellteilungshemmenden Effekt auf Krebszellen selbst aus, indem es den programmierten Zelltod, die so genannte Apoptose in Gang setzt. Des Weiteren weisen Untersuchungsdaten des Deutschen Krebsforschungszentrums darauf hin, dass Sulphoraphan widerstandsfähige Tumorstammzellen von Bauchspeicheldrüsenkrebs mehr schwächen kann als herkömmliche Krebsmedikamente.

Interessant ist, dass Brokkoli-Sprossen, die gelegentlich frisch in Naturkostläden angeboten werden, einen bis zu  hundertfach höheren Gehalt an Sulforaphan aufweisen können als reifer Brokkoli, d.h. ein Teelöffel Brokkoli-Sprossen kann soviel Sulforaphan wie ein ausgewachsener Brokkoli-Kopf enthalten. Zur unterstützenden therapeutischen Anwendung ist daher die regelmäßige Einnahme von Brokkoli-Sprossen, die etwa 20 bis 100 mal soviel Sulforaphan wie ausgewachsener Brokkoli enthalten, zu empfehlen.

Antihormonelle Therapie bei Prostatakrebs reduziert Knochendichte

Es ist bekannt, dass bei Prostatakrebs die antihormonelle Therapie zu einem Knochenschwund führen kann. Welche Lebensstilfaktoren das Auftreten der Osteoporose zusätzlich beeinflussen können, wurde in einer Studie an 120 Prostatakarzinompatienten ohne Knochenmetastasen untersucht, die maximal 12 Monate lang eine Androgenentzugstherapie erhielten (Ryan / Urology 2007). Vor Studienbeginn und danach wurde die Knochendichte gemessen sowie Fragen zu möglichen Osteoporoserisikofaktoren (z.B. Alkoholkonsum, Supplementation mit Vitamin D und Kalzium, körperliche Betätigung, Gewicht) gestellt. Ergebnis: Das Ausmaß der Osteoporose korreliert erwartungsgemäß mit der Dauer des Androgenentzuges während des ersten Therapiejahres. Außerdem hatten Männer mit höherem BMI-Index, unter Einnahme von Kalzium und Vitamin D sowie moderatem Alkoholkonsum eine höhere Knochendichte.

GfBK-Kommentar: Diese Studie bestätigt die bisherigen Erfahrungen zu Lebensstilfaktoren und Osteoporoserisiko. Neben der Einnahme von Calcium und Vitamin D können parallel zu einer Therapie mit Antihormonen auch biologische Maßnahmen zur Knochenstärkung durchgeführt werden. Dies sind eine Säure-Basen-Regulationstherapie sowie die Einnahme von mineralstoffreichen Präparaten, wie z.B. brauner Wildhirse mit täglich ca. 3 EL (erhältlich im Reformhaus/Naturkostladen) oder schwarzem Sesam-Ursamen mit täglich 2 TL. Alle genannten Empfehlungen können gleichzeitig oder parallel durchgeführt werden, um ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen, wobei die Einnahme von mineralstoffreichen Präparaten am wichtigsten ist.

 

Sojamilch hilft PSA-Werte senken

Forscher der Universität Florida haben die Wirksamkeit von Soja-Isoflavonen an 20 Prostatakrebspatienten mit PSA-Versagen untersucht (Pendleton / Cancer 2008). Alle Patienten hatten eine Therapie wegen eines lokalisierten Prostatakarzinoms hinter sich (11 Patienten hatten eine radikale Prostatektomie, 9 eine Strahlentherapie) und bei Studieneinschluss ein laborchemisches Rezidiv. Im Rahmen der nicht-randomisierten, nicht-blinden Phase-II-Studie bekamen die Patienten ein Jahr lang dreimal täglich 250 ml Sojamilch zu trinken, wobei dies einer Tagesdosis von 141 mg Isoflavonen entspricht. Der durchschnittliche Anstieg des PSA-Werts hatte bei den Patienten vor Studienbeginn 56% pro Jahr betragen, während der Studie nahm er im Schnitt auf 20% pro Jahr ab. Bei sechs Patienten war der Anstieg der PSA-Serumkonzentration während der Diät niedriger als zuvor, bei zweien höher, und bei zwölf Patienten gab es keine signifikante Veränderung des PSA-Anstiegs.

GfBK-Kommentar: Epidemiologische Daten und In-vitro-Studien lassen schon länger vermuten, dass Isoflavone aus Soja vor Prostatakrebs schützen. Wie sich dies bei bereits an Prostatakrebs Erkrankten auswirkt, wurde nun anhand dieser kleinen Studie untersucht.

Ob sich der PSA-absenkende Effekt auch bei einer größeren Patientenzahl beobachten lässt und wie lange der Effekt anhält, müssen weitere randomisierte Studien klären. Immerhin ist diese Maßnahme einfach und gut verträglich und kann bei einigen Patienten einen weiteren PSA-Anstieg abmildern. Andere Pflanzenstoffe, die - neben der großen Gruppe der Isoflavone, wie sie vor allem in Sojabohnen vorkommen - ebenfalls einen Schutzeffekt in der Rezidivvorbeugung bei Prostatakrebs haben, sind Lycopin, Kurkuma und Granatapfelextrakt.

Nutzen der intermittierenden antihormonellen Therapie bei Prostatakarzinom bestätigt

Um die Stillstandszeit beim Tumorwachstum möglichst lange auszudehnen, kann man die Hormonbehandlung bei Prostatakrebspatienten mit Pausen durchführen. Dass eine intermittierende antihormonelle Therapie wirksam und sinnvoll ist, bestätigt eineStudie (Yamanaka / Prostate 2005) mit 215 Prostatakarzinompatienten von im Durchschnitt 70 Jahren, die nach perkutaner Radiatio entweder kontinuierlich oder intermittierend eine antihormonelle Therapie erhielten. Es zeigte sich dabei über den Nachbeobachtungszeitraum von 17,3 Monaten kein Nachteil der intermittierenden antihormonellen Therapie.

GfBK-Kommentar: Leider war bei der oben zitierten Studie der Nachbeobachtungszeitraum zu kurz, um eindeutige Aussagen z.B. über das Rezidivrisiko treffen zu können. Insbesondere bei älteren Patienten mit fortgeschrittenen Prostatakarzinomen kann der Einsatz einer intermittierenden antihormonellen Therapie sinnvoll sein und wird inzwischen von vielen Therapeuten durchgeführt. Hierbei werden die Antihormone gegeben, bis der PSA-Wert in den Normalbereich absinkt. Dann wird die Behandlung so lange eingestellt, bis der PSA wieder zu steigen beginnt und fortgeführt, bis er wieder absinkt. Vorteil dieser Therapieform ist, dass viele Patienten durch die therapiefreien Intervalle eine bessere Lebensqualität haben.

 

Durch Leinsamen teilen sich Prostatakrebszellen langsamer

Auf dem ASCO (ASCO Annual Meeting Proceedings / Journal of Clinical Oncology, 2007) wurde eine andere vielversprechende Studie vorgestellt, die zeigen konnte, dass Prostatakarzinompatienten von der täglichen Gabe von Leinsamen profitieren. In die randomisierte Studie wurden insgesamt 161 Männer eingeschlossen, bei denen eine Operation wegen Prostatakarzinom bevorstand, und diese in vier Gruppen eingeteilt. In einer Gruppe nahmen die Patienten jeden Tag 30 Gramm Leinsamen (etwa drei Esslöffel) ein. In einer zweiten Gruppe führten die Patienten zusätzlich zur Einnahme von Leinsamen eine fettarme Diät durch. Die dritte Gruppe ernährte sich fettarm, nahm aber kein Leinsamen zu sich, und die Teilnehmer der vierten Studiengruppe erhielten gar keine Intervention.

Nach der Prostatektomie untersuchten die Forscher das Tumorzellwachstum in den resezierten Prostatadrüsen. Sie stellten fest, dass sich die Krebszellen bei den Männern, die zuvor Leinsamen eingenommen hatten, langsamer teilten als in den anderen Gruppen und ein um 40 Prozent geringeres Tumorzellwachstum aufwiesen. Die fettarme Diät hatte dagegen keinen Einfluss auf das Wachstum der Tumorzellen, wobei die Kombination aus Leinsamen plus Diät am wirksamsten war. Das Forscherteam will nun prüfen, ob Leinsamen mit oder ohne Diät das Rezidivrisiko von Männern mit operiertem Prostata-Ca verringern kann.

GfBK-Kommentar: Leinsamen ist reich an Omega-3-Fettsäuren bzw. Phytohormonen und hat antioxidative und proliferationshemmende Effekte auch bei anderen Tumoren, z.B. bei Brustkrebs. Wir empfehlen gerade auch im Hinblick auf die Förderung der Darmregulation die tägliche Einnahme von 2 Esslöffeln mit etwas Jogurt oder im Müsli. Zur besseren Verwertbarkeit sollte der Leinsamen frisch gemahlen werden oder fein aufgebrochen sein (in Reformhäusern erhältlich).

 


Bauchspeicheldrüsenkrebs

Pankreas-Ca – Nutzen durch adjuvante Chemotherapie?

Da die 5-Jahres-Überlebensraten bei Pankreaskrebs im Vergleich zu anderen Tumorarten sehr gering sind, sucht die konventionelle Medizin schon seit Jahren nach effektiveren Therapien. Insbesondere die Frage, ob Patienten nach Tumorresektion eine adjuvante Chemotherapie erhalten sollten, wird unterschiedlich diskutiert. In der offenen und randomisierten Phase-III-Studie CONKO-01 wurde schon vor einigen Jahren der Nutzen einer adjuvanten Chemotherapie mit Gemcitabine untersucht. Über 350 Patienten bekamen nach der Resektion entweder Gemcitabine oder keine adjuvante Behandlung. Die Gemcitabine-Therapie erfolgte zwischen 1998 und 2004 über sechs Zyklen zwischen Tag zehn und Tag 42 nach der Resektion. Nun legen die Mediziner um Oettle aus der Charite in Berlin eine Langzeitauswertung vor (Oettle H et al./ JAMA 2013).
Demnach war es bis September 2012 bei 87% der Patienten zu Rezidiven gekommen. In der Gruppe mit Gemcitabine lag die Rezidivrate bei 81%, in der ohne adjuvante Chemo bei 93%. Die mediane Nachbeobachtungsdauer lag zu diesem Zeitpunkt bei mehr als elf Jahren. Im Median betrug die krankheitsfreie Zeit 13,4 Monate in der Gemcitabin-Gruppe und 6,7 Monate in der Kontrollgruppe. Bei der Überlebensrate zeigte sich folgendes Ergebnis: Nach fünf Jahren lebten noch knapp 21% mit Gemcitabin-Therapie, nur halb so viele (10%) waren es in der Kontrollgruppe. Nach zehn Jahren lebten mit der adjuvanten Therapie noch 12,2% und 7,7% ohne adjuvante Therapie.

GfBK-Kommentar: Sieht man sich die absoluten Zahlen der Studie an, so kann es auch leicht zur Ernüchterung kommen: So starben die Patienten mit adjuvanter Therapie nach 22,8 Monaten, die ohne bereits nach 20,2 Monaten – eine Lebenszeitverlängerung von 2,6 Monaten. Letztendlich bleibt hier dem Therapeuten nur, im Einzelfall abzuwägen, ob eine Chemotherapie wirklich sinnvoll ist, zumal auch andere Maßnahmen aus der biologischen Medizin (L-Acetyl-Carnitin, Brokkoliextrakt, Vitamin C-Infusionen) zur Verfügung stehen.

Schwache Überlebensverlängerung mit adjuvanter Chemotherapie bei Pankreaskarzinomen

Zunehmend wird Patienten mit Pankreaskarzinomen aufgrund von aktuellen Studienergebnissen (Neoptolemos / N Engl J Med 350, 2004) die Durchführung einer adjuvanten Chemotherapie mit Gemcitabine und Oxaliplatin empfohlen. In einer kürzlich auf dem ASCO vorgestellten multizentrischen prospektiven Studie mit 326 Patienten (Louvet / Journal of Clinical Oncology 22, 2004) konnte jedoch eine signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens (5,8 Monate versus 3,7 Monate), nicht aber eine Verbesserung des Gesamtüberlebens nachgewiesen werden.

GfBK-Kommentar: Da die bisherigen Studien keinen Vorteil im Gesamtüberleben für die Kombination Gemcitabine/Oxaliplatin gezeigt haben und zudem die Nebenwirkungen einer Kombinationstherapie (Thrombozytopenie, Neuropathie, Nausea, Emesis) schwerwiegender als die einer Monotherapie sind, kann eine adjuvante Kombinationstherapie mit Gemcitabine und Oxaliplatin nicht empfohlen werden. Generell ist bei Pankreaskarzinomen das Ansprechen auf eine zytostatische Behandlung als eher gering einzuschätzen. Und es ist bisher auch nicht eindeutig geklärt, welche Patienten wirklich von einer adjuvanten Therapie profitieren.

FDA erteilt Zulassung für nab-Paclitaxel bei Pankreas-Ca

Die US-Zulassungsbehörde FDA hat nach Angaben der Celgene Corporation die Zulassung für das an Nanopartikel Albumin-gebundene (nab)-Paclitaxel (Abraxane®) erteilt. Die Zulassung wurde erteilt in Kombination mit Gemcitabin zur Erstlinienbehandlung von Patienten mit metastasierendem Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Die Zulassung stützt sich auf die Ergebnisse der Studie MPACT (Metastatic Pancreatic Adenocarcinoma Clinical Trial), einer randomisierten, internationalen Phase-III-Studie ohne Verblindung. In der MPACT-Studie wurden 861 Patienten mit metastasierendem Pankreaskarzinom behandelt, die vorher keine Chemotherapie erhalten hatten.
Die zusätzliche Gabe von nab-Paclitaxel zur Gemcitabin-Therapie führte zu einer Verbesserung des medianen Gesamtüberlebens im Vergleich zur Monotherapie mit Gemcitabin (8,5 gegenüber 6,7 Monate). Unter der Kombination war das mediane progressionsfreie Überleben um 5,5 Monate länger als unter Gemcitabin-Monotherapie.

GfBK-Kommentar: Auch wenn man durch die zusätzliche Gabe von nab-Paclitaxel auf eine Reduktion des relativen Sterberisikos um insgesamt 28 Prozent kommt, so bedeutet dies jedoch nur eine Überlebensverlängerung von 1.8 Monaten! An diesem Beispiel sieht man sehr gut, wie die positive Signifikanz im Überleben von wenigen Monaten und eine verbesserte Ansprechrate (23 gegenüber 7%) dazu führen, dass eine Therapie zugelassen wird, ohne dass ein entscheidender Nutzen für die Patienten belegt wurde.
Letztendlich bleibt hier dem Therapeuten nur, im Einzelfall abzuwägen, ob eine Chemotherapie bei metastasiertem Pankreaskarzinom wirklich sinnvoll ist, zumal auch andere Maßnahmen aus der biologischen Medizin (L-Acetyl-Carnitin, Brokkoliextrakt, Vitamin C-Infusionen) zur Verfügung stehen.

Pankreas-Ca: fraglicher Überlebensvorteil durch Folfirinox / L-Carnitin besser

Das metastasierende Pankreaskarzinom hat eine äußerst schlechte Überlebensrate. In einer Studie wurde untersucht, ob durch das Hinzunehmen neuer zytostatischer Substanzen eine Verbesserung der Überlebenszeit erzielt werden kann (Conroy T / NEJM 2011). Dabei wurden 342 Patienten randomisiert zwei Therapiearmen zugeteilt. Im einen Therapiearm wurde die Therapie mit dem bisher üblichen Zytostatikum Gemcitabin durchgeführt, im anderen Therapiearm wurde die Dreierkombination „Folfirinox" mit 5-FU, Irinotecan und Oxaliplatin verabreicht.
Ergebnisse: Die Gesamtüberlebenszeit war in dem Therapiearm mit Folfirinox um 63% erhöht. Zu einem bestimmten Prüfungszeitpunkt waren im Folfirinox-Arm 48,4%, im Gemcitabin-Arm hingegen 20,6% der Patienten am Leben. Schaut man sich jedoch die absoluten Zahlen an, so relativiert sich dieser Therapieeffekt. So betrug die mittlere Überlebenszeit im Folfirinox-Arm 6,8, im Gemcitabin-Arm 11,1 Monate, was einen Unterschied von 4,3 Monaten ausmacht. Der Zeitpunkt, zu dem der große Überlebensunterschied von 48 gegenüber 21% zu beobachten war, war ein Jahr nach Beginn der Therapie. Nach 3 Jahren zeigten sich in beiden Therapiearmen jedoch absolut gleiche Überlebensraten: so waren dann noch exakt je zwei Patienten von ursprünglich je 171 Patienten am Leben.

GfBK-Kommentar: Die vermeintlich bessere Therapie mit Folfirinox zeichnet sich durch ein deutlich höheres Nebenwirkungspotential aus, mit zum Teil schwerwiegenden Nebenwirkungen, z. B. gefährliche Neutropenien, Erbrechen, Durchfall und Erschöpfung. Dennoch wirbt die Industrie mit dieser Therapie, da sich die neuen Zytostatika zu wesentlich höheren Kosten verkaufen lassen können. Hier kann unser Ratschlag daher nur lauten: Seien Sie kritisch gegenüber relativen Zahlen und lesen Sie die Original-Studien. Nur so kann den Patienten ein wirklich objektives Bild der Erfolgschancen vermittelt werden.
Aktuelle Studienergebnisse der Universität Greifswald (CARPAN-Studie) zeigen übrigens auch, dass bei Patienten mit Pankreaskarzinom die orale Gabe von L-Carnitin nicht nur die Lebensqualität verbessert, sondern auch zu einer deutlichen Verlängerung der Überlebenszeit führen kann. Zwar erreichten die Daten in dieser Studie keine eindeutige Signifikanz, sind aber laut der Forschergruppe mit dem Ergebnis einer Chemotherapie vergleichbar und dieser zum Teil sogar überlegen.

Moringa bei Bauchspeicheldrüsenkrebs wirksam?

In einem Zellexperiment hemmte der Blatt-Extrakt von Moringa Oleifera den sogenannten Nuclear Factor kappa B (NF-kB), der entzündliche Reaktionen hervorruft und eine Rolle bei der Chemotherapieresistenz von Bauchspeicheldrüsenkrebszellen spielen soll. Außerdem konnte bei diesem Laborversuch der zytotoxische Effekt von Cisplatin auf humane Pankreaskarzinomzellen gesteigert werden, was zu einer zahlenmäßig höheren Abtötung der Tumorzellen führte (Berkovich L/ BMC Complement Altern Med 2013).
GfBK-Kommentar: Moringa ist die einzige Pflanzengattung der monogenerischen Familie der Bennussgewächse (Moringaceae). Die deutsche Bezeichnung Meerrettichbaum leitet sich davon ab, dass der Gehalt von Senfölglykosiden in den Wurzeln des Baumes für einen Meerrettich-ähnlichen Geruch sorgt. Die Arten dieser Gattung sind laubabwerfende, kleine Sträucher oder Bäume mit knolligen oder rübenförmigen Wurzeln oder „Flaschenbäume” mit sukkulenten, angeschwollenen Stämmen.
In der Laienpresse wird von der Heimatregion des Himalayas gesprochen. Dabei erstreckt sich das Verbreitungsgebiet von Indien über die Arabische Halbinsel zum Schwerpunkt Ostafrika bis hin ins südwestliche Afrika. Während in diesen Regionen vor allem die Samen (als Öl, zur Wasserdesinfektion) oder die Wurzeln (als Gemüse) verwendet werden, werden hier in Europa die Blätter vermarktet, mit der Begründung, dass die Blätter besonders viele Vitamine und Mineralstoffe enthalten. In der ayurvedischen Medizin übrigens spielen die Bestandteile des Moringa-Baumes, obwohl dieser ja in Indien beheimatet ist, so gut wie keine Rolle.
Übrigens ist in Untersuchungen an Zelllinien für viele Pflanzenfarbstoffe nachgewiesen worden, dass sie entweder die Tumorentstehung verhindern oder das Tumorwachstum hemmen. Dazu gehören eine Reihe von sekundären Pflanzenstoffen, schätzungsweise über zehntausend Substanzen! Am Beispiel Moringa sieht man, dass die Ergebnisse von Laborversuchen allzu leichtfertig auf den Menschen übertragen und im Internet Heilaussagen gemacht werden, die nicht immer nachvollziehbar sind. Dahinter stehen oft Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln, die mit teuren Kapseln werben, ohne dass eine Wirkung am Menschen tatsächlich belegt ist. Im Zweifelsfall würden wir eher loses Pulver empfehlen, das meistens preiswerter angeboten werden kann als Kapseln. Viele rühren sich daher das Moringa-Pulver als preisgünstige Alternative in einen Smoothie. Wie bei vielen Naturstoffen gibt es keine Studien zu möglichen Wechselwirkungen mit anderen Substanzen. Da Moringa sogenannte CYP 450-Enzyme (CYP3A4) hemmen soll, würden wir vor einem übermäßigen Verzehr während einer Chemotherapie eher abraten und hier eine vielfältige bunte Ernährungsweise mit viel Gemüse empfehlen.

Intravenöses Vitamin C erhöht die Überlebenszeit bei Pankreaskarzinom

Eine kleine klinische Phase-I-Studie aus den USA hat ergeben, dass intravenös gespritztes Vitamin C, das zusätzlich zur Standard-Chemotherapie mit Gemcitabine gegeben wird, die Überlebenszeit von Patienten mit Pankreaskarzinom verlängern kann (Welsh JL/ Cancer Chemother Pharmacol 2013).
Dabei erhielten neun Patienten zweimal wöchentlich 15 bis 125 g Vitamin C als Infusion nach einem speziellen Titrationsschema. Das Ergebnis der Studie: Die Kombinationstherapie war sehr gut verträglich. Bei 4 der Patienten trat Durchfall, bei 6 der Patienten Mundtrockenheit auf. Das mediane Überleben war mit 13 ± 2 Monaten im Vergleich zur in der Literatur beschriebenen Überlebenszeit von 5,65 Monaten deutlich verlängert. Noch beeindruckender war, dass am Ende der Studie drei der Patienten noch am Leben waren (bei zweien betrug die Überlebenszeit 15, bei einem 29 Monate). Leider machten die Forscher keine Angaben darüber, wie sich die Größe der Tumoren entwickelte.

GfBK-Kommentar: Die Anwendung von Vitamin C als Infusion ist nicht neu. Bei Laborversuchen hat sich hoch dosiertes Vitamin C nicht nur als zytotoxisch für zahlreiche Krebsarten erwiesen, sondern es hat auch die Zytotoxizität verschiedener herkömmlicher Chemotherapie-Medikamente verstärkt. Bereits vor etwa 30 Jahren haben erste klinische Studien ergeben, dass Krebspatienten von intravenös verabreichtem Vitamin C profitieren können. So berichteten Cameron und Pauling in den 70er Jahren, dass hoch dosiertes Vitamin C die Überlebenszeit von Krebspatienten mit fortgeschrittenen Erkrankungen verlängert.
Vor einigen Jahren hatte eine Studie von Levine (Chen Q/PNAS 2005) den möglichen biochemischen Hintergrund aufgezeigt, warum hoch dosiertes Vitamin C Krebszellen unschädlich macht, während gesunde Zellen unbehelligt bleiben. Ein möglicher Wirkungsmechanismus könnte sein, dass sich unter Vitamin-C-Einfluss in Krebszellen vermehrt zellschädigendes Wasserstoffperoxyd bildete. Offensichtlich wirkt Vitamin C im Tumorgewebe anders als in gesunden Zellen.
Eine kurmäßige hoch dosierte Verabreichung von Vitamin C als Infusion hat sich insbesondere zur Stärkung des Allgemeinbefindens und zur Tumorabwehr bewährt und gewinnt durch diese Studienergebnisse auch für Pankreaskrebspatienten an Bedeutung, zumal andere Behandlungsoptionen fehlen und dieser Krebs als besonders aggressiv gilt.
Bei der Infusion von hochdosiertem Vitamin C ist Folgendes zu beachten: Patienten mit Nierensteinen, Nierenschwäche, Eisenspeichererkrankungen oder einem bestimmten Enzymmangel (G-6-PDH-Mangel) sollten vorsichtig mit der Einnahme großer Mengen von Vitamin C sein und dies mit ihrem behandelnden Arzt besprechen. Hersteller empfehlen außerdem, Vitamin C zeitversetzt zur Chemotherapie zu verabreichen, da klinische Daten über mögliche Wechselwirkungen bisher nicht vorliegen. Wird Vitamin C vor der Chemotherapie als Infusion gegeben, sollte der Abstand mind. 24 Stunden betragen. Bei Vitamin C-Infusionen nach der Chemotherapie empfehlen die Hersteller einen Abstand von mindestens 3 bis 4 Halbwertszeiten der angewendeten Chemotherapeutika. Außerdem sollte Vitamin C nicht zusammen mit anorganischem Selen verabreicht werden, da sich deren Wirkungen sonst gegenseitig aufheben. Hier wird ein Abstand von mindestens 2 Stunden empfohlen.


Hautkrebs

Basalzellkarzinome im Alter: weniger Therapie ist mehr

Für welche Therapien entscheiden sich Ärzte, wenn ihre Patienten nur noch eine limitierte Lebenserwartung haben und was bringt eine Therapie? Dieser Frage gingen Forscher der University of California in San Francisco nach und untersuchten in einer prospektiven Kohortenstudie 1360 Patienten mit Hautkrebs vom Nicht-Melanom-Typ, überwiegend Basalzellkarzinome, die im Median neun Jahre nachbeobachtet wurden (Linos E et al./ JAMA Intern Med. 2013).
Das Ergebnis der Studie ist ernüchternd: Ob ein Patient voraussichtlich bald sterben wird oder nicht, spielt für die Therapieentscheidung keine Rolle: 70 Prozent aller Tumoren wurden herausgeschnitten, 34 Prozent auf dem Wege der Mohs-Chirurgie, einem besonders belastenden Verfahren.

GfBK-Kommentar: Hautkrebs vom Nicht-Melanom-Typ muss bei älteren Menschen vor allem dann behandelt werden, wenn Beschwerden auftreten. Allerdings machen diese Tumore meistens keine Symptome, und die Fünf-Jahres-Rezidivrate liegt bei unter 4 Prozent. In dieser Studie sind jedoch 43 Prozent der Patienten mit limitierter Lebenserwartung bereits nach fünf Jahren und 77 Prozent nach zehn Jahren gestorben; kein einziger durch den Hautkrebs. In der Gruppe mit längerer Lebenserwartung waren es 11 bzw. 33 Prozent. Die Autoren der Studie plädieren daher dafür, die Gesamtprognose des Patienten und die ihm vermutlich noch verbleibende Lebenszeit stärker in die Therapie-Entscheidungen einzubeziehen. Wir sind der Ansicht, dass dies nicht nur für Basaliome, sondern auch für alle anderen Tumorarten gelten sollte. Allzu oft schildern Patienten, dass diese selbst noch in hohem Alter zu aggressiven Therapien gedrängt würden. Vielleicht hilft hier die Definition der Autoren weiter, wann eine limitierte Lebenserwartung vorliegt, und zwar betraf dies Patienten älter als 85 Jahre oder einem Komorbiditätsindex nach Charlson von 3 oder höher. Untätig zu sein ist hier meistens besser als alle Behandlungsoptionen auszuschöpfen.

Test identifiziert Chemotherapie-sensitive maligne Melanome

In einer multizentrischen prospektiven Phase II-Studie wurden Tumore von Patienten mit metastasierten malignen Melanomen auf ihre Chemosensitivität hin getestet (Ugurel / Clin Cancer Res, 2006). Zur Bestimmung der Chemosensitivität wurde der ATP-Tumorchemosensitivitäts-Assay (ATP-TCA) der Hamburger Firma DCS eingesetzt. Im Rahmen dieser in Deutschland durchgeführten Studie erhielten 53 Patienten eine Chemotherapie nach Protokoll, d.h. die für sie wirksamsten Zytostatika-Kombinationen wurden dem Testergebnis entsprechend verabreicht. Die Remissionsrate aller Patienten betrug 24,5 Prozent, die der als sensitiv getesteten 36,4 Prozent. Chemosensitiv getestete Patienten erreichten im Gegensatz zu den chemoresistenten Patienten bei Therapie nach Testergebnis ein deutlich besseres Ansprechen und sogar ein signifikant längeres medianes Gesamtüberleben von 14,6 Monaten im Vergleich zu 7,4 Monaten. Zehn dieser sensitiven Patienten erreichten Gesamtüberlebenszeiten von mehr als zehn bis zu maximal neunundzwanzig Monate.

GfBK-Kommentar: Viele Ärzte sind sich unsicher, ob die in vitro bestimmte Sensitivität oder Resistenz gegen Zytostatika das Ansprechen der Patienten auf Chemotherapie richtig vorhersagt. Durch die vorliegende Studie wird jedoch gezeigt, dass eine Sensitivitätsbestimmung sinnvoll sein kann. Da die Chemotherapie des malignen Melanoms aufgrund der sehr niedrigen Ansprechraten auf Standard-Therapien (DTIC) bislang wenig erfolgreich ist, kann der Therapieerfolg optimiert werden, wenn man weiß, welche Medikamente tatsächlich wirksam sind und gegen welche eine Resistenz vorliegt. Aufgrund der positiven Ergebnisse ist es sehr begrüßenswert, dass die Autoren in diesem Jahr eine weitere randomisiert-prospektive Phase-III-Studie planen. Aber auch bei anderen Tumoren, wie zum Beispiel beim Ovarialkarzinom oder Mammakarzinom, kann mit Hilfe des Tests festgestellt werden, welche Zytostatika bei einzelnen Patientinnen wirksam sind. Bisher allerdings werden Chemosensitivitätstestungen von den Krankenkassen nicht bezahlt.


Eierstockkrebs

Intraperitoneale Chemotherapie verbessert bei Ovarialkarzinom die Behandlungsergebnisse

Erfolgt zusätzlich zur intravenösen Gabe von Paclitaxel auch eine intraperitoneale Gabe von Paclitaxel und Cisplatin, kann die progressionsreie Zeit um mehr als fünf auf fast 24 Monate und das Gesamtüberleben um fast 16 Monate auf fast 66 Monate verlängert werden. Diese Ergebnisse zeigte eine US-amerikanische Studie mit 429 Ovarialkarzinompatientinnen (Armstrong / N Engl J Med 2006), bei denen nach erfolgter Operation noch ein Resttumor von maximal einem Zentimeter verblieben war. Verglichen wurden die Erfolge der intraperitonealen Therapie mit einer Verumgruppe, in denen die Frauen nur intravenös Paclitaxel und Cisplatin erhielten.

GfBK-Kommentar: Die Ergebnisse dieser Untersuchung geben Anlass, die bisherige Praxis einer rein intravenösen Verabreichungsform bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom zu überdenken. Allerdings ist die intraperitoneale Gabe aufwendiger und wird in Deutschland nur von wenigen Zentren qualifiziert durchgeführt. Leider wurde in dieser Studie nicht untersucht, ob Frauen auch von einer rein intraperitonealen Gabe (ohne intravenöses Paclitaxel) profitieren. Insbesondere sollte in weiteren Untersuchungen geprüft werden, ob auch Frauen mit größeren Resttumoren von der intraperitonealen Gabe profitieren. Durch den zusätzlichen Einsatz der Hyperthermie dürfte sich der beobachtete Behandlungserfolg noch optimieren lassen, da Hyperthermie die Wirkung von Zytostatika verstärkt und die Chemotherapieresistenz verringert.

Ovarial-Ca: Erfolge mit intraperitonealer Chemotherapie

Ob eine intraperitoneale Therapie bei Ovarialkarzinom Vorteile bringt, untersuchten zwei Studien der Gynecologic Oncology Group (GOG). Dabei wurden Daten aus zwei Studien verwendet: Erstens die sogenannte GOG-114-Studie mit 589 Patientinnen und zweitens die GOG-172-Studie mit 429 Patientinnen (Tewari D / JCO 2015). Die insgesamt fast 900 Patientinnen hatten ein fortgeschrittenes Ovarialkarzinom im Stadium FIGO III und nach der Operation Resttumoren von maximal 1 cm Durchmesser.
Während in der GOG-114-Studie die Patientinnen entweder intravenös Paclitaxel und Cisplatin oder intravenös Carboplatin und Paclitaxel bzw. intraperitoneal Cisplatin erhielten, bekamen die Patientinnen in der GOG-172-Studie intravenös Paclitaxel und Cisplatin oder intraperitoneal Cisplatin und Paclitaxel. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug fast 11 Jahre.
Dabei ergab die Auswertung der gepoolten Daten eine mediane Überlebenszeit bei Patientinnen mit intraperitonealer Applikation von 62 Monaten gegenüber Patientinnen mit intravenöser Applikation der Chemotherapie von 51 Monaten. Einen schlechteren Verlauf zeigten Patientinnen, die weniger Chemotherapiezyklen bekommen hatten oder bei denen eine größere Tumorrestmenge vorhanden war. Laut der Autoren nahm das Sterberisiko mit jedem intraperitonealen Therapiezyklus um 12 Prozent ab.

GfBK-Kommentar: Schon im Jahr 2006 zeigte eine Studie bei Ovarialkarzinomen mit nicht mehr als 1 cm großen Resttumoren, dass eine zusätzliche intraperitoneale Gabe von Paclitaxel und Cisplatin das Gesamtüberleben um mehr als 16 Monate auf fast 66 Monate verlängern konnte (Armstrong / N Engl J Med 2006). Eine mögliche Erklärung der besseren Wirksamkeit durch die intraperitoneale Gabe könnte sein, dass die Chemotherapeutika länger und gezielter als nach intravenöser Gabe auf die Tumorzellen einwirken können. Verstärkend wirksam sein kann hier die zusätzliche Anwendung der Hyperthermie. Bei peritoneal metastasierten Tumoren wird die Verbindung von Hyperthermie und intraperitonealer Chemotherapie als sogenannte HIPEC-Methode (Hypertherme intraperitoneale Chemotherapie) auch von schulmedizinischen Zentren angewandt. Ein neues Therapieverfahren zur Behandlung von peritonealen Metastasen, die sogenannte PIPAC (Pressurized IntraPeritoneal Aerosol Chemotherapie) wird übrigens am Marienhospital in Herne von Prof. Strumberg angewandt. Dabei wird die Chemotherapie über eine Mikropumpe als feiner Nebel (Aerosol) in die Bauchhöhle geblasen, wodurch die Wirkstoffe besser an die Tumoren gelangen sollen.

Komplette Lymphknotenentfernung bei Ovarialkarzinom nicht sinnvoll

Bisher war unklar, ob bei Ovarialkarzinom immer auch alle retroperitonealen Lymphknoten mitentfernt werden müssen. Dies widerlegt nun eine prospektive randomisierte Studie (Panici / J Natl Cancer Inst 2005), in der zwischen 1991 und 2003 427 Patientinnen mit epithelialem Ovarialkarzinom im Stadium III und IV aufgenommen wurden. Bei 216 Patienten wurden zusätzlich zum Primärtumor systematisch alle retroperitonealen Lymphknoten, bei den übrigen 211 nur vergößerte Lymphknoten entfernt. Das Ergebnis: Die komplette Lymphadenektomie verbesserte zwar das progressionsfreie Überleben auf 29,4 gegenüber 22,4 Monaten in der Kontrollgruppe, hatte jedoch keinen Einfluss auf das mediane Gesamtüberleben.

GfBK-Kommentar: Leider werden drei Viertel der Fälle von Eierstockskrebs erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert. Umso wichtiger ist es, den Tumor vollständig zu entfernen, da dadurch die  Heilungschancen optimiert werden. Dass eine komplette Lymphadenektomie nicht zu einer Verbesserung des Gesamtüberlebens führt, wie in dieser qualitativ gut durchgeführten Studie dargestellt wird, bedeutet in Zukunft hoffentlich für die betroffenen Patientinnen, dass weit weniger radikal operiert wird. Im Übrigen kann eine frühzeitige ergänzende biologische Therapie, am besten schon vor der Operation begonnen, verhindern, dass Rezidive entstehen. In ihrer Wirksamkeit bewährt hat sich die Behandlung mit Mistel oder Organextrakten (Thymus u.a.), Enzymen sowie hoch dosierten Vitaminen und Selen.


Hirntumore

Gefitinib bei Glioblastomen nur moderat wirksam

In einer klinischen Phase-II-Studie wurde bei 53 Patienten das progressionsfreie Überleben und die Verträglichkeit unter einer Therapie mit dem EGF-Rezeptorblocker Gefitinib (Iressa®) untersucht (Rich / J Clin Oncol 22, 2004). Die tägliche Startdosis betrug 500 mg oral, bzw. unter antiepileptischer Therapie auch 750 bzw. 1000 mg. Alle Patienten hatten ein erstmalig rezidiviertes Glioblastom; 80 Prozent der Patienten hatten jedoch infolge chirurgischer Resektion zu Beginn der Behandlung mit Gefitinib keine messbare Tumorerkrankung.
Die Ergebnisse waren leider nicht überzeugend: So kam es bereits bei der Mehrzahl der Patienten innerhalb der ersten acht Wochen zu einem Rückfall, und nur 13% profitierten dahingehend, dass nach 6 Monaten keine Progression auftrat. Laut Aussage der Autoren korrelierten die Ansprechraten zwar mit dem Auftreten von Durchfällen, jedoch nicht wie bei anderen Tumorentitäten mit der EGFR-Expression.

GfBK-Kommentar: Da die Nebenwirkungen relativ mild verliefen (v.a. Hautausschläge, Diarrhoen) sollte zumindest in weiteren Studien geklärt werden, ob die Kombination mit anderen Therapieformen, z.B. Hyperthermie bessere Ergebnisse liefert. Jedenfalls scheint der Tyrosinkinase-Inhibitor Imatinib (Glivec®) bessere Ergebnisse zu liefern. Eine optionale Therapie mit Imatinib halten wir deshalb aufgrund der derzeitigen Studienlage für besser geeignet.

Tumorimpfung bei Glioblastomen viel versprechend ?

Durch eine postoperative Impfung mit virusmodifizierten autologen Tumorzellen konnte in einer Studie aus Heidelberg eine signifikante Verlängerung der 2-Jahres-Überlebenszeit (39% vs. 11%) bei 23 Patienten im Vergleich zu 87 Patienten in der Kontrollgruppe erreicht werden (Steiner / J Clin Oncol 22, 2004)). Hierbei wurden die bei der Operation entnommenen Tumorzellen mit dem Newcastle-Disease-Virus infiziert, durch Bestrahlung inaktiviert und mit Interleukin-2 versetzt. 107 dieser Zellen wurden den Patienten insgesamt bis zu 8mal im Abstand von 2 bis 4 Wochen injiziert.

GfBK-Kommentar: Da diese Pilotstudie nicht randomisiert war, lassen die Ergebnisse nur erste Rückschlüsse auf die Wirksamkeit einer Tumorimpfung bei Glioblastomen zu. Da diese Erkrankungsform jedoch für die meisten Patienten ein sehr kurzes Gesamtüberleben bedeutet, sollte eine Tumorimpfung als mögliche Therapieoption immer mit in die therapeutischen Überlegungen einbezogen werden, zumal viele private Labors diese Tumorimpfungen bereits seit längerer Zeit bei verschiedenen Tumorentitäten durchführen

Avastin bei Hirntumoren wirkungslos?

Der Angiogenesehemmer Bevacicumab (Avastin) hat in einer vom US-National Cancer Institute geförderten Studie (der sog. RTOG 0825 Studie) zur Ersttherapie des Glioblastoms weder einen Einfluss auf das progressions¬freie noch auf das Gesamtüberleben gezeigt. Und dies auch nicht in bestimmten Subgruppen, bei denen nach molekularen prognostischen Markern wie MGMT-Status oder einem 9-Gen-Assay gefahndet wurde.
Hinzu kommt, dass Bevacicumab mit einer höheren Nebenwirkungsrate verbunden war wie Hypertonie, Blutungen, tiefe Venenthrombosen, Lungenembolien und gastrointestinale Perforationen. Dies könnte vielleicht auch erklären, warum das Gesamtüberleben im Placebo-Arm sogar geringfügig länger war (mit 16,1 versus 15,7 Monaten).

GfBK-Kommentar: Bevacicumab hemmt den endothelialen Wachstumsfaktor VEGF-A, der von Tumoren gebildet wird, um genügend Sauerstoff- und Nährstoffe für die Proliferation zu erhalten. Während in Deutschland Bevacicumab meistens als „off-label”-Use bei Hirntumoren in der Zweitlinientherapie eingesetzt wird, hat sich in den U.S.A. diese Therapie bereits als Standard etabliert. Unserer Erfahrung nach ist der Einsatz bei anderen Tumorentitäten (Lunge, Eierstock) ebenfalls fraglich, da es die Gabe wenn überhaupt nur zu wenigen Monaten Überlebenszeitverlängerung führt.

Dioxin-ähnlicher Botenstoff macht Glioblastome aggressiv

Eine Gruppe aus Forschern am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig haben den natürlichen Liganden für den Dioxin-Rezeptor entdeckt. Laut dem Bericht in der renommierten Zeitschrift Nature (Opitz C et al. / Nature 2011) soll er eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von bösartigen Hirntumoren spielen. Dabei ist das Umweltgift Dioxin bereits in kleinsten Mengen für die Tumorentwicklung bedeutsam, indem es im Organismus an einen Rezeptor bindet (sog. AHR), der als Transkriptionsfaktor die Aktivität einer Vielzahl von Genen beeinflusst und u.a. das Immunsystem schwächt. Andere körpereigene Botenstoffe, die an AHR binden, wurden auch gefunden. Und zwar handelt es sich um Kynurenin, einem Abbauprodukt der Aminosäure Tryptophan. Die Experimente zeigen auch, dass Glioblastome Kynurenin sogar selber bilden und auf diese Weise das Tumorwachstum fördern. Aber auch bei anderen Krebsarten, wie z.B. Blasen-, Darm-, oder Lungenkrebs, scheint dieser Zusammenhang zu bestehen.

GfBK-Kommentar: Tumore im Gehirn gehören zu den Krebserkrankungen, bei denen die Behandlung oft noch unbefriedigend verläuft. Vor allem Tumore vom Gliom-Typ wie Glioblastome haben eine schlechte Heilungschance. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt acht Monate bis zwei Jahre. Standardtherapie ist die möglichst vollständige Entfernung des Tumors gefolgt von einer Strahlenbehandlung, meist in Kombination mit Chemotherapie. Eingeschränkt werden die Behandlungsergebnisse bei Gliomen vor allem durch die hohe Rückfallhäufigkeit und durch das aggressive Wachstum der Tumoren. Ein besonderes Augenmerk bei Hirntumoren liegt auf Strategien, die das Immunsystem stärken, da Hirntumoren in hohem Umfang abwehrschwächende Substanzen freisetzen. Erste vielversprechende Erfolge in dieser Richtung konnten mit einzelnen Methoden erzielt werden, z. B. mit der dendritischen Zellimpfung oder der regionalen Tiefenhyperthermie. Auch die Behandlung mit onkolytischen Viren sowie die Gabe von entzündungshemmenden Substanzen (wie z.B. Cox-2-Inhibitoren) kann hier in Zukunft eine mögliche Behandlungsoption sein. Während einer Bestrahlung kann die Gabe von Melatonin oder Grünem Tee sinnvoll sein. Wie immer bei neuartigen Behandlungswegen, müssen klinische Studien klären, welche Verfahren sich am besten eignen. Klar ist aber, dass aufgrund der schlechten Heilungschancen neue Behandlungsoptionen bei Gliomen dringend erforderlich sind. Schon jetzt aber kann den Patienten mit einem integrativen naturheilkundlichen Konzept geholfen werden.


Krebs bei Kindern

Ingwer gegen Brechreiz

Eine Studie aus Neu-Dehli untersuchte den Einfluss von Ingwer gegen Brechreiz und Erbrechen während zytostatischer Therapie bei Kindern und Jugendlichen (Pillai AK / Pediatr Blood Cancer 2011). Dabei wurden 31 Kinder und Jugendliche im Alter von 8-18 Jahren, die wegen malignem Osteosarkom mit Cisplatin und Doxorubicin behandelt wurden, eingeschlossen. Zusätzlich zur Basis-Prophylaxe mit Ondansetron und Dexamethason erhielten die Patienten entweder Ingwerpulver oder Stärkepulver (als Placebo). Bei Patienten, die weniger als 40 kg wogen, betrug die tägliche Dosis 1 g; bei Patienten mit mehr als 40 kg Körpergewicht 2 g. Die Tagesdosis wurde am Tag 1-3 nach Chemotherapie verabreicht und auf drei Einzelportionen am Tag verteilt.
Ergebnis: „Akuter" Brechreiz unmittelbar nach der Chemotherapie trat bei 56 versus 95 Prozent (Verum versus Placebo) auf und „verzögerter" Brechreiz bei 26 versus 73 Prozent der Patienten. „Akutes" Erbrechen trat bei 33 versus 77 Prozent auf und „verzögertes" Erbrechen bei 15 versus 47 Prozent der Patienten auf. Damit zeigte sich ein deutlicher Vorteil der Gabe von Ingwerpulver zusätzlich zur antiemetogenen Standardmedikation.

GfBK-Kommentar: Dass Ingwer bei Brechreiz wirkungsvoll ist, ist schon seit längerem bekannt. Die Ergebnisse von bisherigen Studien zu diesem Thema waren jedoch teilweise widersprüchlich, so dass mit dieser Studie nun erneut der Nutzen von Ingwer zur Emesis-Prophylaxe während Chemotherapie bei Kindern und Jugendlichen bestätigt werden konnte.

L-Carnitin und Fatigue bei Kindern

Krebserkrankungen und die begleitenden konventionellen Therapien gehen häufig mit Müdigkeit und Erschöpfung einher. Welche Rolle der Carnitin-Stoffwechsel hat, wurde in einer Untersuchung mit Kindern näher untersucht (Hockenberry et al. / J Pediatr Hematol Oncol 2009). Dabei wurden in einer Studie aus den USA die Carnitinspiegel von 67 Kindern und Jugendlichen bestimmt, die eine Chemotherapie mit Ifosfamid, Cisplatin oder Doxorubicin erhielten. Das Ausmaß an Fatigue und die Carnitin-Spiegel wurden vor Beginn der Chemotherapie und eine Woche später gemessen. Ergebnis: Frisch als krebskrank diagnostizierte Kinder und Jugendliche hatten signifikant höhere Spiegel an freiem und Gesamt-Carnitin als Kinder und Jugendliche, die bereits eine Chemotherapie erhalten hatten. Außerdem waren nach der Behandlung mit Doxorubicin freies und Gesamt-Carnitin signifikant höher als nach Cisplatin oder Ifosfamid. Eine Woche nach der Chemotherapie waren gesteigerte Fatigue und gesunkene Carnitin-Spiegel signifikant miteinander korreliert. Gesunkene Carnitinspiegel und gesteigerte Fatigue traten im Durchschnitt jedoch erst nach ein bis zwei Zyklen auf. Ursache kann dabei sein, dass das erhöhte Carnitin bei frisch diagnostizierten Patienten mit einem schnellen Übertritt von Carnitin aus dem Gewebe ins Blut verbunden ist. Dadurch scheint das Carnitin ersetzt zu werden, welches durch den Chemotherapie-Metabolisumus verlorengegangen ist.

GfBK-Kommentar: Diese Ergebnisse stützen die These, dass krebsbedingte Fatigue bei Kindern und Jugendlichen Folge eines gestörten Carnitin-Stoffwechsels ist und dass unterschiedliche Chemotherapeutika verschieden großen Einfluss haben. Ursächlich scheinen dabei Störungen in der Synthese des Adenosintriphosphats (ATP) eine Rolle zu spielen, die durch ein Carnitin-Defizit verursacht werden. Carnitin, genauer L-Carnitin, ist eine natürlich vorkommende, vitaminähnliche Substanz und spielt ebenso wie ATP eine essentielle Rolle im Energiestoffwechsel der Zellen.

Dass der Rückgang von Lebensenergie auch bei Erwachsenen mit dem Verlust von Carnitin verbunden ist, konnte bereits in kleineren Studien gezeigt werden. Außerdem weisen (laut Cruciani et al. 2004) 80% der Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen einen Carnitinmangel auf. Insofern ist es ratsam, auch an diese einfache Therapieoption bei der Behandlung des Fatigue-Syndroms zu denken. Weitere mögliche Einsatzgebiete sind die Prävention/Behandlung von Polyneuropathien und von kardiotoxischen Nebenwirkungen z.B. unter Anthrazyklinen.


Leukämien/Lymphome

Sport mindert Fatigue

Nach einer konventionellen schulmedizinischen Behandlung leiden viele Überlebende eines Hodgkin-Lymphoms unter Erschöpfung und Müdigkeit, dem so genannten Fatigue-Syndrom. Eine norwegische Pilotstudie mit 53 Patienten (Oldervoll LM / Eur J Cancer 39, 2003) zeigt nun, dass moderates körperliches Training die mit dem Fatigue-Syndrom verbundenen Symptome, sowie die physischen Funktionen der Betroffenen verbessert.

GfBK-Kommentar: Als obsolet zu betrachten dürfte der Ratschlag sein, körperliche Anstrengungen bei chronischem Fatigue-Syndrom zu meiden. Auch wenn die Teilnehmerzahl dieser Studie niedrig war, bestätigt die praktische Erfahrung diese Ergebnisse, dass nämlich ein individuell angepasstes körperliches Training zu mehr Lebensqualität führt. Gerade einfache Maßnahmen (Motivation zu Bewegung, zu gesunder Ernährung) können zur Verbesserung der Lebensqualität und der Heilungschancen beitragen.

„Wachtful waiting“ auch bei niedrig-malignen Lymphomen

Erstmals wurde in einer prospektiven und randomisierten Studie (Ardeshna KM / Lancet 362, 2003) miteinander verglichen, ob früh therapierte Patienten mit fortgeschrittenen niedrig-malignen Non-Hodgkin-Lymphomen im Gegensatz zu unbehandelten Patienten von einer Therapie mit Chlorambucil profitieren. Dazu wurden 309 Patienten in Bezug auf krankheitsbedingte Beschwerden, Komplikationen und das Gesamtüberleben im Median 16 Jahre lang untersucht. Es zeigte sich dabei kein Unterschied zwischen beiden Gruppen.

GfBK-Kommentar: In anbetracht der schlechten Heilungsaussichten bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphomen bestätigt dieses Studienergebnis die Erfahrung, dass bei asymptomatischen niedrig-malignen NHL-Lymphomen auch im disseminierten Stadium eine frühzeitige Entscheidung für eine Chemotherapie nicht gerechtfertigt ist.


Lungenkrebs

SCLC: Prophylaktische Hirnbestrahlung verlängert nicht das Überleben

Seit Jahren wird bei vielen Patienten mit kleinzelligem Bronchialkarzinom (SCLC) eine prophylaktische kraniale Bestrahlung (PCI) zum Schutz vor Hirnmetastasen durchgeführt. Der Nutzen dieser umstrittenen Methode wurde in zwei prospektiven Studien untersucht (Arriagada R et al. / Ann Oncol 13. 2002), deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Insgesamt wurden 511 Probanden untersucht, wobei die Hälfte der Patienten eine PCI (24 Gy in 12 Tagen und 8 Fraktionen) erhielt. Während nach fünf Jahren 37% der Patienten ohne PCI Hirnmetastasen aufwiesen, waren es in der PCI-Gruppe nur 20%. Die 5-Jahres-Überlebensraten lagen jedoch bei 18% in der PCI-Gruppe und bei 15% in der Gruppe ohne PCI. Ein vermehrtes Auftreten von Spätfolgen nach PCI wurde nicht beobachtet.

GfBK-Kommentar: Die prophylaktische kraniale Hirnbestrahlung reduziert zwar das Auftreten von Hirnmetastasen bei Patienten mit SCLC, jedoch nicht das Gesamtüberleben, so dass die Indikation einer prophylaktischen Hirnbestrahlung aus unserer Sicht nicht länger gestellt werden sollte.

Jetzt auch Laserung von Lungenmetastasen möglich

Seit August 2001 wird am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam ein speziell für das Lungengewebe entwickelter Laser bei Patienten mit solitären oder multiplen Lungenmetastasen eingesetzt. Vorteil der neuen Lasertechnik ist, dass nun bei pulmonalem Befall ein bluttrockenes, organerhaltendes Operieren ohne größere Lungenfunktionsverluste möglich ist. Eine absolute Indikation stellen laut Aussage der Thoraxchirurgen Gnauk und Wagner isolierte multiple Lungenmetastasen nach Entfernung des Primärtumors, z.B. einem Nierenzellkarzinom, dar. Allerdings sei noch nicht genau abgegrenzt, welche Patientengruppen von dem Eingriff prognostisch profitieren. Ein weiteres Problem ist auch, dass wegen des thermisch veränderten Lungengewebes ähnlich wie bei der Laserung von Lebermetastasen der Radiologe nicht genau sagen kann, ob eine vollständige Resektion des Tumors erfolgte.

GfBK-Kommentar: Eine erfolgversprechende palliative Möglichkeit, nicht operable Lungenmetastasen durch Laserung organerhaltend zu behandeln. Inwieweit die Laserung multipler Lungenmetastasen für den betroffenen Patienten auch tatsächlich einen Überlebensvorteil darstellt, muss erst durch klinische Untersuchungen bestätigt werden.

Tyrosinkinasehemmung beim nichtkleinzelligen Bronchial-Karzinom

In zwei randomisierten Phase-II-Studien (IDEAL 1 und 2) konnte an über 400 Patienten mit fortgeschrittenen nichtkleinzelligem Bronchial-Karzinom der Nutzen einer Monotherapie mit dem Tyrosinkinasehemmer Gefitinib (Iressa®) gezeigt werden. Untersucht wurden Patienten, die bereits ein oder mehrere Platin- und/oder Docetaxel-haltige Chemotherapien erhalten hatten. Gefitinib wurde oral mit 250 oder 500 mg täglich verabreicht, wobei sich beide Dosierungen in der klinischen Wirksamkeit nicht unterschieden und die Gabe von 250 mg etwas besser vertragen wurde. Bei 10 bis 18% der Patienten zeigte sich eine Remission, bei 36 bis 54 % der Patienten stabilisierte sich der Krankheitsverlauf. Bei etwa 40 % der Patienten trat eine deutliche Linderung von tumorbedingten Symtomen ein. Etwa ein Drittel der Patienten lebte trotz der sehr schlechten Prognose eines NSCLC noch nach mehr als einem Jahr. Zur Behandlung des fortgeschrittenen NSCLC ist Iressa® bisher in Japan und in den USA zugelassen, die Zulassung in der EU ist bereits beantragt.

GfBK-Kommentar: Gefitinib blockiert über die Tyrosinkinasehemmung den epidermalen Wachstumsfaktor EGFR, der bei der Weiterleitung von Wachstumsimpulsen eine zentrale Rolle spielt. Dieser Mechanismus der Wachstumshemmung scheint auch bei anderen soliden Tumoren eine Rolle zu spielen, was derzeit in mehreren klinischen Studien bei Kolorektal-, Mamma- und Prostatakarzinomen untersucht wird. Aufgrund des in der Literatur beschriebenen geringeren Nebenwirkungspotentials mit Auftreten von leichten Diarrhoen und Hauterscheinungen sehen wir einen Vorteil zu konventionellen zytostatischen Therapieregimen. Interessant ist auch die Tatsache, dass die Kombination von Gefitinib und First-line-Chemotherapie keine Vorteile brachte. Inwieweit eine Monotherapie mit Gefitinib in der First-line-Therapie gegenüber einer Chemotherapie bessere Erfolge zeigt, ist eine sehr interessante aber derzeit noch ungeklärte Fragestellung.

Patienten mit optimistischer Grundeinstellung leben länger

Patienten mit Lungenkrebs und einer optimistischen Einstellung leben länger als pessimistische Lungenkrebspatienten. Diese Erkenntnisse gewannen Forscher einer 2010 veröffentlichten Studie (Novotny et al. / Journal of Thoracic Oncology 2010). In der aktuellen Studie identifizierten die Forscher pessimistische und optimistische Persönlichkeitsstile unter Patienten, indem sie die Optimismus-Pessimismus-Skala (PSM) des Minnesota Multiphasic Personality Inventory (MMPI) verwendeten. Sie untersuchten rückblickend 534 Lungenkrebspatienten, die circa 18 Jahre vor ihrer Diagnose einen MMPI vollendet hatten. Als optimistisch klassifizierte Patienten, lebten im Durchschnitt sechs Monate länger als Patienten mit einer pessimistischen Einstellung. Die fünfjährigen Überlebens-Raten für die zwei Gruppen lagen bei 33 Prozent für Optimisten und 21 Prozent für Pessimisten. Dieser Zusammenhang war unabhängig von Rauchen, dem Krebs-Stadium, dem Therapieverfahren, Komorbiditäten, dem Alter und dem Geschlecht der Betroffenen.

GfBK-Kommentar: Dass psychologische Faktoren einen Einfluss auf den Verlauf von Krebserkrankungen haben können, ist keine neue Erkenntnis, sondern wird seit Jahren von Forschungsbemühungen der sog. Psycho-Neuro-Immunologie gestützt. So konnte z. B. bestätigt werden, dass positive Gefühle, Freude und Lachen die Aktivität der Abwehrzellen erhöhen, während Ängste, Trauer oder Dauerstress die Abwehrleistung des Organismus beeinträchtigen. Umso wichtiger ist es, neben allen therapeutischen Bemühungen auch die psychische Stabilisierung in das Behandlungskonzept von Krebspatienten zu integrieren.

NSCLC: Adjuvante Chemotherapie sinnvoll?

Die britische NSCLC.Metaanalysen-Gruppe veröffentlichte zu der Frage, inwieweit eine adjuvante Chemotherapie bei nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) das Überleben verbessern kann, zwei Metaanalysen mit aktualisierten Studiendaten (NSCLC Meta-analyses Collaborative Group / Lancet 2010).
Dabei wurden Studien eingeschlossen, deren Randomisierung ab 1965 begonnen hatten und in denen folgendes verglichen worden ist: Operation plus adjuvante Chemotherapie vs. Operation; Operation und Bestrahlung plus adjuvante Chemotherapie vs. Operation und Bestrahlung. Primärer Endpunkt war jeweils das Gesamtüberleben. In der ersten Metaanalyse (ohne Bestrahlung) von 34 Studien mit 8447 Patienten ergab sich durch die adjuvante Chemotherapie eine absolute Zunahme der Überlebensrate um 4% nach fünf Jahren (von 60 auf 64%). In der zweiten Metaanalyse (mit Bestrahlung) von 13 Studien mit 2660 Patienten ergab sich durch die adjuvante Chemotherapie eine absolute Zunahme der Überlebensrate um ebenfalls 4% nach fünf Jahren (von 29 auf 33%).

GfBK-Kommentar: Die adjuvante Chemotherapie ist bereits seit Jahren als Standard für Patienten mit NSCLC im Stadium II-III etabliert. Überzeugend sind diese Ergebnisse aus unserer Sicht jedoch nicht, wenn man bedenkt, dass der absolute Vorteil nur 4 % beträgt. Daran kann man sehen, wie gering die Erfolgsquoten ausfallen müssen, damit sich eine nebenwirkungsreiche Chemotherapie als Standard etablieren kann. Erschreckend ist auch, dass eine Strahlentherapie offensichtlich einen ungünstigen Einfluss auf das Überleben hat.
Auch die von Experten häufig gemachte Gegenargumentation, dass moderne Therapieregimes die Überlebensraten um bis zu 15 % steigern können, täuscht nicht darüber hinweg, dass eine Chemotherapie bei NSCLC eine relativ unwirksame Therapieform ist und dass die Verbesserung im Laufe der Jahre auch durch bessere Diagnostik, bessere Patientenselektion und/oder verbesserte supportive Therapien (s.o.) verursacht worden sein kann.

Palliative Zuwendung wirkt lebensverlängernd

Eine frühzeitig begonnene palliative Therapie hat in einer randomisierten Studie (Temel J / New England Journal of Medicine 2010) bei Patienten mit nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC) nicht nur die Lebensqualität verbessert, sondern auch die Überlebenszeiten um mehrere Wochen verlängert.
Die Studie umfasste 151 Patienten, bei denen die Diagnose eines metastasierten NSLCL nicht länger als 8 Wochen zurücklag. Alle Patienten erhielten die vorgesehene onkologische Therapie. Der Hälfte wurde von Anfang an zusätzlich eine sog. integrierte palliative Betreuung angeboten. Diese Patienten trafen sich monatlich mit einem professionellen palliativen Team, das sich aus einem Facharzt für Palliativmedizin und einer Krankenschwester zusammensetzte. Dabei wurde nach Möglichkeiten zur Behandlung der psychischen und körperlichen Beschwerden gesucht.
Wie in anderen Studien bereits belegt werden konnte, kam es erwartungsgemäß durch die palliative Intervention zu einer Verbesserung der Lebensqualität. Ebenso gingen die depressiven Symptome der Patienten zurück, übrigens ohne dass den Patienten vermehrt Antidepressiva verschrieben wurden. Die Patienten, die eine palliative Betreuung erfuhren, unterzeichneten außerdem häufiger Patientenverfügungen und erhielten am Lebensende seltener aggressive Chemotherapien. Umso überraschender war für die Autoren das Ergebnis, dass die Patienten unter der integrierten palliativen Betreuung um 2,7 Monate länger lebten (11,6 vs. 8,9 Monate)!

GfBK-Kommentar: Das NSCLC zählt zu den aggressivsten Krebserkrankungen, und nach dem Auftreten von Metastasen sind die Möglichkeiten von Radio- und/oder Chemotherapie sehr begrenzt. Im günstigsten Fall wird eine Lebensverlängerung um wenige Wochen erzielt. Von einer palliativen Behandlung würde man einen solchen Effekt nicht unbedingt erwarten, weshalb die Ergebnisse dieser Untersuchung bemerkenswert sind und zeigen, dass Zuwendung und Aufklärung einen lebensverlängernden Effekt haben können.
Dass sich auf eine ähnlich lange lebensverlängernde Wirkung auch die Zulassungsanträge für viele, oft kostspielige Krebsmedikamente stützen, gab übrigens selbst den Editorialistinnen Amy Kelley und Diane Meier von der Mount Sinai School of Medicine in New York zu denken.
Da die Angaben zu palliativen Therapie in der Veröffentlichung nicht sehr detailliert ausfallen, muss leider zunächst unklar bleiben, welcher Aspekt der palliativen Therapie für diese Lebensverlängerung verantwortlich gewesen ist. Eines ist aber sicher: Aggressive Therapien sind aus medizinischer Sicht am Lebensende oft unnötig, viel wichtiger ist eine dem Patienten zugewandte palliative Betreuung, die besser ist als manches Krebsmedikament.

Hyperthermie bei Lungenkrebs

Patienten mit inoperablem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs ohne Metastasen, deren Tumor kleiner als drei Zentimeter ist, profitieren offenbar von einer kombinierten Behandlung mit Hyperthermie und Bestrahlung. Dies ergab eine Studie an 41 Patienten, die sieben Jahre lang entweder nur mit Bestrahlung oder mit einer Kombination aus Bestrahlung und Hyperthermie behandelt worden waren (Dupuy / J Vasc Int Rad 2006). Zusammenfassend zeigte sich, dass unter der Kombinationstherapie das Rezidivrisiko verringert und die Überlebensrate verlängert war. Die Autoren begründen die verbesserte Wirkung durch Kombination mit einer Hyperthermiebehandlung damit, dass die herkömmliche Bestrahlung zwar effektiv sei, um Zellen am Rand des Tumors abzutöten, das Zentrum des Tumors hingegen schlechter erreiche. Die Hyperthermie erreiche jedoch laut Dupuy das Tumorzentrum, lasse aber oft Zellen am Rand übrig.

GfBK-Kommentar: Obwohl die Kombination aus Hyperthermie und Bestrahlung hilfreich sein kann, wird in Deutschland die Kombination aus beiden bisher nicht routinemäßig angewandt. Dies ist sehr bedauerlich, da Lungenkrebs in den meisten Fällen eher schlecht therapierbar ist und die schulmedizinischen Therapien von vielen Betroffenen als sehr belastend empfunden werden. Neben der Hyperthermie hat sich in der Behandlung von Lungenkrebspatienten eine begleitende biologische Behandlung mit Mistel, Organpräparaten wie Thymus, mit Vitaminen, Selen, Enzymen und Sauerstoff bewährt.

Sojaverzehr senkt Lungenkrebsrisiko

Ob der Verzehr von Soja die Entwicklung von Lungenkrebs verhindern kann, wurde in einer Metaanalyse von Forschern aus Shanghai untersucht. Dabei wurden acht Fall-Kontroll-Studien und drei prospektive Kohortenstudien berücksichtigt, die insgesamt 8436 Fälle von Lungenkrebs dokumentierten (Wan-Shui Yang/Am J Clin Nutr 2011). Alle Studien verwendeten Fragebögen, um den Sojaverzehr abzuschätzen. Ergebnisse: Das Lungenkrebsrisiko war in den Gruppen mit dem höchsten Soja-Konsum um bis zu 23 Prozent reduziert. Betrachtete man nur die fünf Studien mit höchster Qualität, ergab sich sogar eine 30-prozentige Risikoreduktion, an Lungenkrebs zu erkranken. Interessant ist auch, dass nur unvergorene Soja-Lebensmittel mit einem protektiven Effekt assoziiert waren, nicht jedoch fermentierte Soja-Lebensmittel wie zum Beispiel Miso.

GfBK-Kommentar: Diese Auswertung zeigt, dass ein hoher Soja-Verzehr mit einem geringeren Lungenkrebs-Risiko verbunden ist. Auch in der sekundären Vorbeugung können Betroffene das vielfältige Arsenal der Nahrung für sich nutzen. Neben Soja scheint vor allem Kohlgemüse einen protektiven Effekt bei Lungenkrebserkrankungen zu haben.

Schädelbestrahlung bei Lungenkrebspatienten?

Ob die prophylaktische Schädelbestrahlung das Leben von Patienten mit kleinzelligem Bronchialkarzinom (SLCC) verlängern kann, wurde in einer Studie von Radioonkologen der Mayo Clinic in Scottsdale, Arizona, untersucht (Schild SE et al./Ann Oncol 2012; 23(11): 2919-2924). Dabei wurden die Daten von 318 Patienten mit ausgedehntem und von 421 Patienten mit begrenztem SLCC ausgewertet. 459 Teilnehmer hatten eine prophylaktische Schädelbestrahlung erhalten, 280 nicht. Die Bestrahlungsdosis entsprach entweder 30 Gy in 15 Fraktionen oder 25 Gy in 10 Fraktionen.
Ergebnis: Die prophylaktische Radiatio wirkte sich signifikant auf die Überlebenszeiten der Patienten aus, die Sterblichkeit sank um knapp 40%. Nach einem Jahr lebten noch 56% der bestrahlten und 32% der nicht bestrahlten Probanden. Die Anteile nach drei Jahren betrugen 18% und 5%. Dabei zeigte sich auch, dass die Ergebnisse bei 25 Gy besser als bei 30 Gy waren (die Sterblichkeit war 30% niedriger). Letzterer Effekt zeigte sich aber nur in der Gruppe der Patienten mit begrenztem Tumor.

GfBK-Kommentar: Aufgrund der insgesamt schlechten Heilungschancen und der zu erwartenden Nebenwirkungen unter Ganzhirnbestrahlung (wie Alopezie und Antriebsarmut), ist auch hier eine individuelle Entscheidungsfindung nötig. Zu berücksichtigen ist dabei vor allem die in dieser Studie gemachte Beobachtung, dass nur die Patienten von einer prophylaktischen Schädelbestrahlung profitieren, die nach Chemotherapie bzw. Bestrahlung ihres Tumors einen stabilen Krankheitszustand erreicht hatten. Aufgrund anderer Studienergebnisse sollte auch die konkrete Strahlendosis hinterfragt werden, da eine Hochdosisbestrahlung das Mortalitätsrisiko eher erhöht (Le Pechouy C et al./Lancet Oncol 2009; 10: 467-74). Weniger Bestrahlungsdosis ist hier besser.

Erfolge durch Tumorimpfung bei Lungenkrebs

In einer Phase-II-Studie wurde nach ersten Erfolgen mit der Tumorvakzine L-BLP25, die sich gegen ein Antigen richtet, das bei NSCLC überexprimiert wird, nun untersucht, ob dessen Gabe einen Überlebensvorteil bringt (Butts / J Clin Oncol 2005). Dazu wurden 171 Patienten mit NSCLC im Stadium IIIB oder IV, die unter Erst-Linien-Therpapie nicht progredient waren, randomisiert und erhielten entweder Best Supportive Care oder zusätzlich die Tumorvakzine L-BLP25. Die Vakzinierung erfolgte mit wöchentlichen subkutanen Injektionen über einen Zeitraum von 8 Wochen. Außerdem erhielten die Patienten vor der Vakzinierung einmalig niedrig dosiertes Cyclophosphamid. Eine nennenswerte Toxizität trat unter der Gabe von L-BLP25 nicht auf. Die Lebensqualität blieb bei den Patienten, die eine Vakzinierung erhielten, sogar länger erhalten. Bezüglich des Gesamtüberlebens zeigte sich ein allerdings nicht signifikanter Überlebensvorteil von 4,4 Monaten. In der Subgruppenanalyse zeigte sich ein besonders starker Trend für ein besseres 2-Jahres-Überleben unter der Vakzinationstherapie bei Patienten ohne Metastasen und mit geringer Tumorlast.

GfBK-Kommentar: Immuntherapien bei Krebs gewinnen zunehmend auch in der konventionellen Onkologie an Bedeutung. Diese Studie bestätigt, dass sich die Heilungschancen mit der Tumorimpfung  für viele Patienten verbessern lassen können. Die Ergebnisse der Studie decken sich mit den praktischen Erfahrungen, dass Patienten mit geringer Tumorlast besonders von einer Tumorimpfung profitieren. Die beste Wirksamkeit einer Tumorimpfung dürfte dann erreicht werden, wenn die Impfung als Metastasen-Prophylaxe, gleich nach der Erstbehandlung, also nach der Operation erfolgt.

 

 

NSCLC: Ansprechwahrscheinlichkeit bei Cisplatin vorhersagen?

Ob eine Chemotherapie mit Cisplatin bei Patienten mit NSCLC anspricht, ist durch eine immunhistochemische Bestimmung vorhersagbar. Eine Rolle bei der Ausbildung einer Cisplatin-Resistenz spielt hierbei vermutlich das Enzym ERCC1, das Schäden, die an der DNA durch Cisplatin entstanden sind, erkennt und entfernt. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher im Rahmen einer internationalen Studie (Olaussen / N Engl J Med 2006), indem an 761 vollständigen Tumorresektaten die Expression von ERCC1 bestimmt wurde. Hierbei zeigte sich bei 335 der resezierten Tumoren eine starke Expression von ERCC1, wohingegen bei 426 Resektaten das Enzym nicht nachweisbar war. Das Ergebnis: Nur Patienten mit ERCC1-negativen Tumoren profitierten von der Ciplatin-haltigen Chemotherapie. Ohne adjuvante Chemotherapie zeigte sich hingegen ein signifikanter Überlebensvorteil für Patienten mit ERCC1-positiven Tumoren.

GfBK-Kommentar: Diese Untersuchung zeigt, dass bestimmte molekulare Eigenschaften von Tumorzellpopulationen entscheidend für das Ansprechverhalten von Therapien sind und deren Erfolg oder Misserfolg mitbestimmen. Da eine Chemotherapie immer eine erhebliche Belastung für den Patienten darstellt, sind solche Untersuchungen ein wichtiger Hinweis darauf, ob Lungenkrebspatienten überhaupt von einer Chemotherapie profitieren. Dieser Prognoseparameter sollte daher schon im Vorfeld der Therapie im Tumorgewebe von NSCLC-Patienten mitbestimmt werden, um unnötige Nebenwirkungen unter einer vielleicht wirkungslosen Therapie von vornherein zu vermeiden.

Antiangionese bei NSCLC

Kann der Einsatz von Angiogenesehemmern das Überleben von Lungenkrebspatienten verlängern? Diese Frage stellten sich amerikanische Wissenschaftler, indem sie 878 Patienten mit rezidiviertem oder fortgeschrittenen NSCLC im Stadium IIIB oder IV randomisierten (Sandler / N Engl J Med 2006). Die einen erhielten eine Chemotherapie mit Carboplatin und Taxol, die anderen zusätzlich den Angiogenesehemmer Bevacizumab. Die Patienten, die Bevacizumab erhielten, lebten durchschnittlich 12,3 Monate; die Patienten, die nur Chemotherapie erhalten hatten, lebten mit 10,3 Monaten signifikant kürzer. Allerdings traten in der Bevacizumab-Gruppe deutlich häufiger schwere und tödliche Nebenwirkungen auf. Insgesamt verstarben 15 der 434 Patienten unter der Gabe des Angiogenesehemmers (hauptsächlich an Lungenblutungen und febriler Neutropenie), im Vergleich zu 2 von 444 Patienten unter alleiniger Chemotherapie.

GfBK-Kommentar: Diese Studie bestätigt die praktischen Erfahrungen, dass der Einsatz von Angiogenesehemmern im Einzelfall kritisch zu überdenken ist und nicht unbedingt einen Überlebensvorteil für die Betroffenen bringt. Betrachtet man den Unterschied in den Überlebensraten allein (12,3 versus 10,3 Monaten), so ist außerdem nur schwer zu verstehen, warum diese Substanzen bei NSCLC zunehmend Verwendung finden. Außerdem sollte man bedenken, dass die Angiogenesehemmer meistens nur in Kombination mit einer nebenwirkungsreichen Chemotherapie angewandt werden. Insbesondere bei fortgeschrittenen Tumoren halten wir daher eine individuelle Abwägung der geeigneten Therapieform für wichtig, insbesondere da bisher noch weitgehend unklar ist, welche Patienten wirklich von dieser Therapieform profitieren.

Da die Prognose bei Lungenkrebs nicht immer günstig ist und die schulmedizinischen Therapien von vielen Betroffenen als sehr belastend empfunden werden, ist eine begleitende biologische Therapie empfehlenswert, um Beschwerden zu lindern und um eine gute Lebensqualität zu erhalten. Außerdem kann durch eine frühzeitig begonnene biologische Behandlung der Erfolg schulmedizinischer Therapien verbessert werden. In ihrer Wirksamkeit bewährt hat sich die kombinierte Behandlung mit Mistel, Organpräparaten wie Thymus, mit Vitaminen, Selen, Enzymen und Sauerstoff.


Pflanzenstoffe

Grüner Tee als alltagstaugliches Antioxidans

Um freie Radikale im Organismus unschädlich zu machen, werden Antioxidantien benötigt. Forscher untersuchten hierzu an 10 Probanden die Wirkung von grünem Tee (Sung et al. / European J Clin Nutrition 54, 2000) auf die antioxidative Kapazität im Blut. Es konnte gezeigt werden, dass ab täglichem Konsum von zwei Tassen grünem Tee die antioxidative Kapazität deutlich anstieg, wobei durch Konsum von drei Tassen grünen Tees die stärkste antioxidative Kapazität erzielt werden konnte.

GfBK-Kommentar: Diese Studie unterstreicht die ausgeprägte antioxidative Wirkung grünen Tees. Darüber hinaus ist bekannt, dass bestimmte Catechine im grünen Tee (ECGC) sogar eine Förderung des natürlichen Zelltodes (=Apoptose) bewirken. Ein Mechanismus, der bei der primären und sekundären Prävention von Krebserkrankungen eine wichtige Rolle spielt. Dies bestätigen auch zwei aktuelle Studien zur Prävention von Brust- und Prostatakrebs bei über 1000 Patienten (Wu et al. / Int J Cancer 106, 2003) (Jian et al. / Int J Cancer 108, 2004), wobei schwarzer Tee keinen krebsvorbeugenden Effekt zeigte. Bevorzugen sollte man beim Einkauf rückstandskontrollierten grünen Tee, um eine Belastung mit Umweltgiften zu vermeiden.

Johanniskraut schützt vor Umweltchemikalien

In einer Untersuchung Berliner Forscher (Schwarz / Cancer Res 63, 2003) wurde herausgefunden, dass Johanniskraut möglicherweise Krebsformen verhindern hilft, die durch Umweltchemikalien wie Benzpyren ausgelöst werden. In dem Versuchsablauf der Forscher hemmte Johanniskraut den letzten Umwandlungsschritt von Benzpyren in das krebserregend wirkende Stoffwechselprodukt.

GfBK-Kommentar: Durch Untersuchungen weiß man, dass bei Raucherinnen die Brustkrebsrate deutlich erhöht ist und dass Frauen mit Brustkrebs höhere Konzentrationen von Umweltschadstoffen im Blut aufweisen. Da Benzpyren weit verbreitet ist (wie in verkohltem Fleisch, in Autoabgasen, Rauch etc.), könnte in der Praxis die Verabreichung von Johanniskraut neben der Behandlung von Verstimmungen und leichten Depressionen auch bei der Brustkrebsvorbeugung helfen. Weitere groß angelegte klinische Studien müssen jedoch folgen, um die Wirkung beim Menschen zu bestätigen.

Keine Krebsgefahr durch Phytoöstrogene

Extrakte aus Soja, Traubensilberkerze, Hopfen, Rotklee, Leinsamen und andere pflanzliche Östrogene helfen vielen Frauen, auf natürliche Weise durch die Wechseljahre zu kommen. Nachdem die Ergebnisse der Woman-Health-Studie gezeigt haben, dass die künstlichen Hormone in der Menopause eher schaden als nutzen, sind die pflanzlichen Mittel für viele Frauen sogar die einzige Alternative. Um so mehr waren viele erschreckt zu lesen, pflanzliche Östrogene könnten Brustkrebs fördern, bei der Einnahme sei Vorsicht geboten. Holländische Wissenschaftler haben in diesem Punkt nun nach den Ergebnissen einer groß angelegten Studie an 15 555 Frauen zwischen 49 und 70 Jahren Entwarnung gegeben (Keinan-Boker / Am J Clin Nutr 79, 2004). Ihr Fazit: Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Phytoöstrogenen erhöht das Brustkrebsrisiko nicht.

GfBK-Kommentar: Hinter den Schreckensmeldungen, die in verschiedenen Medien für Schlagzeilen sorgten, stehen wie so oft einzelne Ergebnisse aus einigen wenigen Tierversuchen. Bei genetisch manipulierten Mäusen, die völlig östrogenfrei waren, hatte man festgestellt, dass eine bestimmte Brustkrebszelllinie vermehrt wuchs, wenn den Zellen Genistein, ein Östrogen aus Soja, zugeführt wurde. Diese Tests können aber nicht auf den Menschen übertragen werden, da die Verhältnisse im weiblichen Organismus völlig anders sind. Phytoöstrogene sind SERMS, Substanzen, die sowohl östrogene als auch antiöstrogene Eigenschaften besitzen. Wie sie wirken, hängt von der Umgebung ab, in der sie sich befinden. In einer künstlich östrogenfreien Umgebung wie bei den Mäusen, kann es durchaus sein, dass die östrogene Wirkung dominiert. Im Körper einer Frau lassen sich aber selbst nach der Menopause immer noch kleine Mengen Östrogene im Blut nachweisen, die die antiöstrogene Wirkung der Phytoöstrogene fördern. Diese Wirkung ist es, auf die der Schutz vor Krebs zurückgeführt werden kann.

Falcarinol in Möhren gut für die Krebsvorbeugung?

Britische Forscher haben im Tierversuch nachweisen können, dass die in Karotten enthaltene Substanz Falcarinol das Krebsrisiko reduziert (Kobaek-Larsen / J Agric Food Chem 53, 2005). Hierzu bekamen Ratten, die bereits an einer Darmkrebsvorstufe erkrankt waren, Falcarinol direkt unters Futter gemischt oder rohe Karottenstücke. In der Kontrollgruppe beobachteten die Forscher dreimal so häufig manifeste Darmtumoren wie in den beiden anderen Gruppen. Die genaue Wirkung von Falcarinol, ein natürliches Pflanzenschutzmittel zur Abwehr von Pilzen, konnte in dieser Versuchsanordnung allerdings nicht geklärt werden.

GfBK-Kommentar: Dass sekundäre Pflanzenstoffe Krebs vorbeugen können, ist inzwischen durch mehrere Untersuchungen bekannt. Bisher ist jedoch nur ein Bruchteil dieser Substanzen bekannt, so dass mit der Falcarinol ein weiterer Baustein gefunden sein dürfte. Klar ist auch, dass durch das ubiquitäre Vorkommen dieser Stoffe in Obst und Gemüse eine vielseitige Ernährung am besten Krebserkrankungen vorbeugen hilft. Weitere wichtige Fragen sollten in anderen Versuchsanordnungen geklärt werden, so z.B. in welchen Möhrenarten Falcarinol am meisten vorkommt, ob es nach dem Kochen immer noch wirksam ist und ob es auch bei anderen Tumorerkrankungen vorbeugen hilft.

Brokkoliinhaltsstoff DIM schützt vor Röntgenstrahlen

Eine aktuelle tierexperimentelle Untersuchung konnte eine schützende Wirkung von 3,3-Diindolylmethan (DIM) in Bezug auf Strahlenschäden zeigen (Fan S et al./ PNAS 2013). DIM ist eines von vielen Stoffwechselprodukten, das aus Indol-3-Carbinol, einem Bestandteil von Brokkoli und Kohlsorten, umgewandelt wird.
Dabei wurden Ratten einer letalen Dosis Gamma-Strahlen ausgesetzt. Die Tiere der Therapiegruppe erhielten DIM intraperitoneal oder subkutan vor der Bestrahlung, die Tiere der Kontrollgruppe erhielten eine Placebo-Injektion. Während alle unbehandelten Ratten starben, lebten die Hälfte der mit DIM behandelten Ratten noch 30 Tage nach der Strahlenexposition. Auffällig war auch, dass in der behandelten Gruppe der Abfall der weißen und roten Blutkörperchen sowie der Thrombozyten geringer ausfiel.

GfBK-Kommentar: Denkbar wäre, dass das hohe antioxidative Potential der Brokkoli-Inhaltsstoffe ein Grund für die Schutzwirkung sein könnte. So konnte man auch am Beispiel von Selen mehrfach nachweisen, dass mit Selenit behandelte Normalgewebszellen bei Bestrahlung eine höhere Überlebensrate aufwiesen als Nichtbehandelte und Tumorzellen davon nicht beeinflusst wurden. Grund dafür könnten die während einer Strahlentherapie entstehenden freien Radikale sein, die sowohl die Tumorzellen als auch die umliegenden gesunden Zellen angreifen. Während die Tumorzellen jedoch aufgrund der Strahlen-Fokussierung auf das befallene Gewebe vollständig zugrunde gehen, werden die Normalzellen je nach Abstand zum Bestrahlungsfeld mehr oder weniger geschädigt. Bei jeder Zellschädigung entstehen jedoch freie Radikale, die sich über das Plasma im Körper verteilen und so sekundär weitere gesunde Zellen angreifen. Das systemisch verabreichte vierwertige Selen (fängt die Radikale im Extrazellulärraum ab und schützt so vor sekundärer Zerstörung gesunder Zellen. Ob das auch für DIM zutrifft, müssen weitere, am besten klinische Studien klären.
Doch damit nicht genug. DIM soll die Bildung von neuen Blutgefäßen (Angiogenese) hemmen und einen regulierenden Einfluss auf Geschlechtshormone haben. In einer Studie, die 2012 auf der Tagung der American Association of Pharmaceutical Scientists vorgestellt wurde, soll DCIM sogar bei triple-negativen Brusttumoren wirksam sein.
Unser Rat lautet daher, mehr Kohlgemüse zu essen (wegen der Hitzeempfindlichkeit häufiger auch roh) und sich wegen der höheren Konzentration an Inhaltsstoffen Brokkolisprossen zu keimen. Diese sind in guter Qualität als Samen inzwischen über das Internet erhältlich (Anbieteradressen können Sie bei der GfBK erfragen).

Bromelain wirkt antitumoral und antimetastatisch

In einem Tierversuch konnte die in der klinischen Anwendung bekannte antitumorale Wirkung von proteolytischen Enzymen bestätigt werden. Hierzu wurden Sarkomzellen mit Bromelain inkubiert und BALB/c-Mäusen eingeimpft (Beuth / In vivo 19, 2005). Hierbei bewirkte die Behandlung mit Bromelain eine signifikante Reduktion von Tumorgewicht (nach s.c. Inokulation) und Lungenmetastasen (nach i.v. Inokulation). Wurden die Sarkomzellen vorher nicht mit Bromelain behandelt und den Versuchstieren Bromelain systemisch verabreicht, dann konnte das lokale Tumorwachstum signifikant sowie das Auftreten von Lungenmetastasen nicht-signifikant ebenfalls deutlich reduziert werden.

GfBK-Kommentar: Die systemische Therapie mit proteolytischen Enzymen hat sich schon seit langem in der komplementären Therapie von Krebserkrankungen bewährt. Sie ist indiziert als Begleittherapie bei chirurgischen, strahlen- und chemotherapeutischen Maßnahmen; als Langzeittherapie zur Metastasenprophylaxe; als Palliativbehandlung und bei malignen Höhlenergüssen. Die Metastasenhemmung erfolgt wahrscheinlich über Hemmung von Adhäsionsmolekülen und Freilegung antigener Strukturen von Tumorzellen. In klinischen Studien konnten außerdem folgende Effekte am Patienten evaluiert werden: Die Verträglichkeit einer Chemotherapie wird verbessert. Strahleninduzierte Entzündungen und Ödeme klingen rascher ab, Hautreaktionen sind geringer. Lymphödeme nach Brustkrebsbehandlungen lassen sich durch Enzyme in Kombination mit Selen deutlich reduzieren.
Die in dieser Versuchsanordnung gemachte Beobachtung bestätigt die auch in klinischen Studien gezeigte Reduktion der Rezidiv- und Metastasenrate, die durch die frühzeitige, am besten schon praeoperative Anwendung von Enzymen erreicht werden kann. Insofern rechtfertigen die Erfolge, die bislang durch klinische Studien und experimentelle Arbeiten für die Enzymtherapie belegt wurden den Einsatz in einer Reihe von Indikationen - vorwiegend als Ergänzung zu Immunmodulatoren.

Grüner Tee zur Krebsvorbeugung

Eine spanische Forschergruppe (Navarro-Peran / Cancer Research 2005) hat eine Begründung für die vielfach beobachtete prophylaktische Wirksamkeit bei Krebserkrankungen geliefert: Der in grünem Tee hoch konzentrierte Polyphenol, das Epigallocatechingallat (EGCG) fördert unter anderem die Apotose von Karzinomzellen. Dies mag auch erklären, warum andere Studien zeigten, dass grüner Tee das Risiko für verschiedene Krebsarten verringern kann.
In einer Meta-Analyse konnte auch gezeigt werden (Can-Lan / Carcinogenesis, 2005), dass bei einem hohen Konsum von grünem Tee, das heißt von mindestens fünf Tassen täglich, sich das Risiko für Brustkrebs um 22 Prozent verringerte. Dies mag neben regelmäßigem Sojaverzehr auch eine Ursache dafür sein, dass bei europäischen Frauen Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung ist, während Brustkrebs in asiatischen Ländern eher selten vorkommt.

GfBK-Kommentar: Bemerkenswert an der Metaanalyse von Can-Lan ist insbesondere, dass für schwarzen Tee keine Risikosenkung festgestellt werden konnte. Dies mag darauf zurückzuführen sein, dass grüner Tee etwa 30 bis 40 Prozent Polyphenole enthält, während der fermentierte schwarze Tee nur noch 3 bis 10 Prozent dieser wichtigen sekundären Pflanzenstoffe enthält.
Allerdings dürften hierzulande nur wenige Menschen die Menge von täglich fünf Tassen grünem Tee trinken. Ob eine Nahrungsergänzung mit Extrakten aus grünem Tee eine Alternative darstellt, kann derzeit mangels ausreichender Studienlage nicht eindeutig beantwortet werden. Wichtig bei der Auswahl des Tees ist insbesondere, dass Rückstandskontrollen auf Pestizide erfolgen und dass der grüne Tee nicht mit Milch getrunken wird, da sonst eine Wirkungsabschwächung erfolgt.

Brokkoli mehr als vier Mal pro Woche beugt Blasenkrebs vor

Eine Metaanalyse von Studien aus den USA und Europa zeigt, dass der regelmäßige Verzehr von Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler, z.B. von Brokkoli, Blumenkohl und Rosenkohl das Risiko für Blasenkrebs senkt. Dabei wurden von den chinesischen Forschern für die Auswertung insgesamt zehn Studien berücksichtigt, fünf davon Fallkontrollstudien und fünf Kohortenstudien (Liu B/World J Urol 2012). Allerdings kommt der schützende Effekt nach Auswertung der zehn Studien vor allem dann zum Tragen, wenn sehr viel Kohlgemüse verzehrt wird, im Durchschnitt vier Mal pro Woche.

GfBK-Kommentar: Schon länger ist bekannt, dass der Verzehr von Kohlgemüse eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von Krebserkrankungen spielt. Grund für den schützenden Effekt soll vor allem der hohe Gehalt an Glucosinolaten sein, der in Kohlgemüse und vor allem in Brokkoli enthalten ist. Die Studie zeigt aber auch, dass vor allem größere Mengen einen schützenden Effekt bewirken. Damit die Wirkstoffe besser im Darm aufgenommen werden können, sollte man bei der Zubereitung darauf achten, Brokkoli-Sprossen, Senf, Meerrettich, Rucola oder Brunnenkresse dazuzugeben (Cramer JM/Br J Nutr 2011).

Orale Leukoplakie: Chemoprävention mit Tee-Extrakt

Ein Extrakt aus grünem Tee hat in einer klinischen Phase-II-Studie die Remission einer oralen Leukoplakie begünstigt und die Zeit bis zum Auftreten eines Mundbodenkarzinoms verzögert. Dies berichten US-Forscher (Tsao et al. / Cancer Prevention Research 2009), die 41 Patienten über 12 Wochen mit dem Extrakt in drei unterschiedlichen Dosierungen oder mit Placebo behandelt haben. Die in dem Getränk enthaltenen Polyphenole hatten bereits in zahlreichen präklinischen Studien eine Karzinogenese verhindert, weshalb die Forscher nun eine klinische Prüfung durchführten, um die optimale Dosis beim Menschen zu ermitteln. Gleichzeitig lieferte die Studie erste Hinweise auf eine Wirksamkeit des Extrakts: Bei 58,8 Prozent der Teilnehmer kam es (ab einer Dosis von 500 mg/m2) zu Remissionen der Leukoplakie, was im Placeboarm nur bei 18,2 Prozent der Fall war. Auch die Histologie der Läsionen (sie wurden vor und nach der 12-wöchigen Therapie biopsiert) besserte sich bei 21,4 Prozent gegenüber 9,1 Prozent in der Placebogruppe.

GfBK-Kommentar: Die weißen, nicht abwischbaren Effloreszenzen auf der Mundschleimhaut, die als orale Leukoplakie bezeichnet werden, sind zumeist Folge eines langjährigen Alkohol- und Nikotinabusus. Sie bilden den Boden für ein späteres Karzinom und sind schwer zu behandeln. Umso erfreulicher, dass sich jetzt erste Hinweise auf die Wirksamkeit von Grünem Tee auf diese Krebsvorstufe gezeigt haben. Weitere klinische Studien müssen nun folgen. Der wichtigste Ratschlag, den Genussmittelkonsum von Alkohol und Zigaretten auf grünen Tee umzustellen, kann man aber jedem betroffnen Patienten schon jetzt empfehlen.

Grüner Tee behindert die Wirkung von Bortezomib

Mehrere Untersuchungen haben darauf hingewiesen, dass grüner Tee die Chemotherapie unterstützen und die Nebenwirkungen abmildern kann. Die Experimente amerikanischer Forscher (Schönthal / Blood 2009) deuten jedoch auf eine gegenteilige Wirkung hin.

Der Hauptwirkstoff von grünem Tee, EGCG, untergräbt, so die Ergebnisse der Grundlagenforschung, einen Schutzmechanismus von Tumorzellen, der sie vor einer Apoptose, also der vom Körper befohlenen Selbstzerstörung, schützt. EGCG sollte deshalb die Wirkung einer Chemotherapie verstärken, besonders wenn durch Medikamente eine Apoptose der Tumorzellen induziert wird. Zu diesen Medikamenten gehört Bortezomib, das zur Behandlung des multiplen Myeloms zugelassen ist.

Dies veranlasste die Forscher von der Keck School of Medicine in Los Angeles dazu, die gleichzeitige Wirkung von Bortezomib und EGCG zu untersuchen. Erstaunlicherweise gingen die antikarzinogenen Effekte von Bortezomib sowohl in-vitro als auch im Tierversuch mit der Maus verloren, wenn EGCG dazugegeben wurde. Die Forscher beobachteten dabei, dass EGCG an den Borsäure-Rest von Bortezomib bindet, was für die Beeinträchtigung der Wirksamkeit verantwortlich gemacht wird. Denn andere Proteasom-Inhibitoren, die keinen Borsäure-Rest haben, wurden in ihrer Wirkung nicht durch EGCG beeinträchtigt.

GfBK-Kommentar: Ob die Wirkung von Bortezomib auch beim Menschen durch das Trinken von grünem Tee beeinträchtigt wird, lässt sich aus den Experimenten nicht eindeutig ablesen. Sicherheitshalber möchten wir jedoch Patienten, die mit Bortezomib behandelt werden, davon abraten, übermäßige Mengen an grünem Tee zu trinken und hochdosierte  EGCG-Produkte einzunehmen.

 

Traubenkernextrakt löst Apoptose aus

US-Wissenschaftler haben in Laborversuchen herausgefunden, dass Traubenkernextrakt den programmierten Zelltod (Apoptose) von Leukämiezellen auslösen kann (Ning / Clin Cancer Res 2009). Dabei wurde ein kommerziell erhältlicher Extrakt aus Traubenkernen verwendet, mit dem die Leukämiezellen in unterschiedlichen Dosen behandelt wurden. In höheren Konzentrationen zeigte sich, dass der Extrakt bei 75% der mit dem Extrakt behandelten Zellen nach 24 Stunden den programmierten Zelltod bewirkte. Bei gesunden Zellen kam es dagegen nicht zur Apoptoseauslösung; die Gründe dafür sind noch unbekannt.

GfBK-Kommentar: Bereits in anderen Laborversuchen konnte bei Haut-, Brust-, Darm – und Lungenkrebszellen eine ähnliche Wirkung gezeigt werden. Da bisher keine klinischen Untersuchungen vorliegen, ist eine Beurteilung der Wirksamkeit am Patienten schwierig. Weitere Untersuchungen sind somit notwendig, bevor diese Substanz Patienten empfohlen werden kann.

Brokkoli zur Prävention bei Blasenkrebs

Eine Untersuchung aus Texas (Zhao / International Journal of Cancer 2007) zeigt, dass Nahrungsmittel, wie Brokkoli, Rettich, Brunnenkresse und Radieschen der Entstehung von Blasenkrebs vorbeugen können. Die in diesen Gemüsesorten enthaltenen Senföle, auch Isothiocyanate genannt, sollen für den Schutzeffekt verantwortlich sein. Dabei inaktivieren Isothiocyanate im Körper u.a. Enzyme, die an der Aktivierung krebsauslösender Substanzen beteiligt sind. In der Untersuchung von Zhao wurden 700 Blasenkrebspatienten und ebenso viele gesunde Personen über ihre Ernährungsgewohnheiten befragt. Im Durchschnitt hatten die Blasenkrebspatienten weniger senfölhaltige Nahrungsmittel zu sich genommen. Statistisch ermittelten die Forscher ein um 29 Prozent verringertes Risiko für Blasenkrebs, wenn viele senfölhaltige Nahrungsmittel verzehrt wurden. Der schützende Effekt zeige sich, so die Forscher, deutlicher bei Menschen über 64 Jahren, bei Männern sowie bei starken und langjährigen Rauchern.

GfBK-Kommentar: Dieses Ergebnis bestätigt die Vielzahl schon vorliegender Studien, die zeigen konnten, dass sekundäre Pflanzenstoffe in der Lage sind, entweder die Tumorentstehung zu verhindern oder das Tumorwachstum zu hemmen. Auch der Entstehung anderer Krebsarten kann durch eine Ernährung, die reich an Obst und Gemüse ist, vorgebeugt werden. Allerdings sollte man wissen, dass nur durch schonende Zubereitung eine Gemüsemahlzeit auch wirklich ihre positive Wirkung entfalten kann. So werden bis zu 75% aller Substanzen, die vor Krebserkrankungen schützen können, durch das Kochen zerstört. Deswegen bei der Zubereitung  immer daran denken, Kohl und andere Gemüsesorten nur kurz zu braten, schonend im Dampf zu garen oder roh zu essen.

 

Chinesische Heilpflanzen hemmen Krebs

Wissenschaftler um Prof. Efferth im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) analysierten systematisch die Wirkstoffe in 76 chinesischen Medizinalpflanzen aus der traditionellen chinesischen Medizin und wurden dabei fündig: Extrakte aus 18 der untersuchten Pflanzen hemmen deutlich das Wachstum einer speziellen Krebszell-Linie, die durch die Überproduktion eines Transportproteins in der Zellwand besonders resistent gegen viele gebräuchliche Zellgifte ist (Efferth / Molecular Cancer Therapy 2008). Zu diesen potentiell krebsabtötenden Substanzen gehören etwa Substanzen aus dem Rangoon-Schlinger, einer rot blühenden Zierpflanze, oder aus dem Rotwurzel-Salbei. Als nächsten Schritt wollen die Forscher die Hemmwirkung auf 60 Krebszelllinien mit den Genaktivitätsprofilen dieser Zellen vergleichen, um festzustellen, welche Genprodukte das zelluläre Angriffsziel für diese Wirkstoffe sind.

GfBK-Kommentar: Dass sich Wissenschaftler auf der Suche nach neuen Wirkstoffen zunehmend auf Stoffe aus Pflanzen der traditionellen Heilkunde konzentrieren, ist grundsätzlich begrüßenswert, hat aber nicht immer zur Folge, dass infolgedessen auch verträglichere Krebsmedikamente entwickelt werden. Denn viele der in der Schulmedizin verwendeten Chemotherapien gegen Krebs sind Naturprodukte oder wurden anhand natürlicher Ausgangsstoffe entwickelt. So stammen die bei Prostata- und Brustkrebs verwendeten Taxane aus der Eibe. Und die Zytostatika Topotecan und Irinotecan sind Abkömmlinge eines Inhaltsstoffs des in China beheimateten "Happy Tree".

Patienten sollten sich außerdem nicht allzu viel Hoffnung machen, dass aufgrund dieser ersten Ergebnisse bald neue Produkte auf dem Markt erhältlich sind, da diese Versuche bisher nur in der Kulturschale und nicht am Menschen selbst gemacht wurden. Insofern ist es immer noch am besten, wenn man Extrakte aus chinesischen Heilpflanzen einnehmen möchte, sich an einen Therapeuten zu wenden, der Erfahrung mit der Anwendung traditioneller chinesischer Heilkunde hat


Ernährung

Obst und Gemüse verbessern die Genesung

Anhand der Analyse mehrerer Studien (Rock et al./ In. J Clin Oncol 20, 2002) konnte gezeigt werden, dass eine gesunde Ernährung mit reichlichem Verzehr von Obst und Gemüse sowie das Vermeiden von Übergewicht die Genesung bei Brustkrebspatientinnen fördert und die Lebensqualität steigert. Dabei war der vermehrte Verzehr von Obst und Gemüse mit einer längeren Überlebenszeit verbunden. Die rezidivfreie Zeit konnte zudem durch das Vermeiden von Übergewicht verlängert werden. Auch sportliche Aktivitäten wirkten sich positiv auf den Krankheitsverlauf aus.

GfBK-Kommentar: Was schon lange in der primären Prävention von Krankheiten bekannt ist, zeigt sich natürlich auch, wenn eine Krebserkrankung bereits aufgetreten ist und gilt nicht nur für Brustkrebspatientinnen. Deswegen sollte jeder Patient bereits bei Erstdiagnose vom behandelnden Arzt zur Selbsthilfe motiviert werden und im Sinne einer Sekundär- sowie Tertiärprävention wertvolle Hilfestellungen zur allgemeinen Lebensführung erhalten. So unterstützen eine vitalstoffreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse sowie sportliche Aktivitäten die Selbstheilungskräfte des Organismus und tragen zu einer Verbesserung der Heilungschancen bei.

Senkt eine Mittelmeerdiät das Brustkrebsrisiko?

Dass eine Ernährung, die den Verzehr von Obst, Gemüse und Olivenöl sowie Fisch statt rotem Fleisch beinhaltet, das Brustkrebsrisiko senkt, zeigt die Auswertung der spanischen PREDIMED-Studie, eine der wenigen randomisierten Interventionsstudien zur Auswirkung von Diäten auf die Gesundheit (Toledo E et al. / JAMA Intern Med 2015).
An dieser Studie hatten neben 3.165 Männern auch 4.282 Frauen im Alter von 60 bis 80 Jahren teilgenommen. Die Randomisierung erfolgte in drei Gruppen, wobei zwei Gruppen eine intensive Ernährungsberatung erhielten. Ein Studienarm erhielt neben der mediterranen Kost wöchentlich eine Flasche Olivenöl (extra vergine). Die andere Gruppe erhielt täglich eine Nussration mit 15 Gramm Walnüssen, 7,5 Gramm Haselnüssen und 7,5 Gramm Mandeln. Die dritte Gruppe erhielt weder eine intensive Ernährungsberatung noch zusätzliche Nahrungsmittel.
Das eigentliche Ziel der PREDIMED-Studie war der Nachweis einer Prävention kardiovaskulärer Ereignisse durch diese Ernährungsform, weshalb die Teilnehmer ausgewählt worden waren, weil sie an einem Typ 2-Diabetes litten oder mindestens drei kardiovaskuläre Risikofaktoren aufwiesen. Im Jahr 2013 veröffentlichten die Forscher die Hauptauswertung der Studie, dass die Rate von Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herz-Kreislauf-Tod um 30 Prozent gesenkt werden konnte (Estruch R et al. / N Engl J Med 2013).
Während der 4,8 Jahre der Nachbeobachtung wurde bei 35 Teilnehmerinnen ein Mamma¬karzinom diagnostiziert. Davon traten 17 Diagnosen in der Kontrollgruppe auf, zehn in der Gruppe mit einer mediterranen Diät plus Nüssen und acht in der Gruppe mit mediterraner Diät plus Olivenöl.

GfBK-Kommentar: Aufgrund der kleinen Ereigniszahl und des sekundären Studienendpunktes sind die Ergebnisse leider nicht eindeutig genug. Andererseits werden diese Daten von den Ergebnissen der griechischen EPIC-Studie gestützt, bei der die traditionelle Ernährungsweise der mediterranen Küche das Brustkrebsrisiko nach den Wechseljahren um 20 bis 35 % senken konnte (Trichopoulou A, et al. / Am J Clin Nutr 2010 und Buckland G et al. / Int J Cancer 2013).

Paprika und Chili gegen Prostatakarzinom

Capsaicin, die Substanz, die Chilis und Paprikas die Schärfe gibt, stoppte in vitro und im Tierversuch das Wachstum von Prostatakrebszellen (Mori / Cancer Res 2006). Der wahrscheinliche Wirkungsmechanismus scheint das Auslösen des natürlichen Zelltodes, der Apoptose zu sein. So ließ sich durch Capsaicin bei Mäusen das Wachstum von Prostatakrebszellen um 80 Prozent reduzieren. Dabei wurden über die Nahrung Capsaicin-Mengen gegeben, die bei einem Mann drei wöchentlichen Dosen von 400 mg entsprechen, das sind ungefähr drei bis acht der schärfsten Chili-Schoten (mexikanische Habanera), die es weltweit gibt.

GfBK-Kommentar: Schon lange ist bekannt, dass eine Vielzahl von Nahrungsbestandteilen das Risiko an Prostatakrebs zu erkranken, reduzieren helfen können. Neben Curcumin, Granatapfelextrakt etc. wurde hier eine weitere Substanz im Arsenal der sekundären Pflanzenstoffe gefunden, die die Apoptose auslöst. Überbewerten sollte man diese Forschungsergebnisse jedoch nicht, zumal in der Praxis eine wöchentliche Dosis von bis zu acht der schärfsten Chili-Schoten für viele Patienten schwer umzusetzen sein wird.
Infolge des weit verbreiteten Vorkommens von sekundären Pflanzenstoffen in Obst und Gemüse halten wir es sowieso für besser, eine Krebsvorbeugung in Form von einer ausgewogenen vielseitigen Vitalkost mit viel Obst und Gemüse vorzuziehen.

Probiotika reduzieren das Wiedererkrankungsrisiko bei Darmkrebs

Eine japanische Studie hat auch bei Patienten die bisherigen tierexperimentellen Untersuchungen bekräftigt, wonach die Verabreichung von hochdosierten Laktobazillen atypische Mukosaveränderungen im Dickdarm reduziert (Ishikawa / Int J Cancer 2005). Dabei wurde 380 Patienten mit Kolonkarzinom, denen zwei oder mehr Polypen endoskopisch entfernt worden war, vier Jahre lang zusätzlich zu einer fettreduzierten Kost Probiotika (1010 Keime von Lactobacillus casei täglich) verabreicht. Verglichen mit Patienten, die keine Probiotika erhielten, verringerte sich das relative Risiko für Tumoren mit atypischen Mukosaveränderungen nach 4 Jahren signifikant um 35 Prozent. Die Rate von neu aufgetretenen kolorektalen Tumoren blieb allerdings unverändert, wenngleich die Tumoren in der Gruppe der Patienten, die hochdosiert Laktobazillen einnahmen, kleiner waren.

GfBK-Kommentar: Da in diesen Studien auch die Ernährungsgewohnheiten mit berücksichtigt wurden, sind die Ergebnisse als klinisch relevant anzusehen. Weiteren Studienergebnissen zufolge scheint auch die Gabe von Folsäure, Selen und Kalzium die Entstehung von entarteten Darmpolypen zu verhindern. Im Rahmen der Primärprävention ist eine vorwiegend pflanzlich orientierte Kost, die einen hohen Anteil an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten aufweist zu empfehlen, ergänzt um Nüsse, fettarme Milchprodukte, Fischgerichte und Geflügel. Lediglich bei Patienten mit bekannter Neigung zur Bildung von Darmpolypen halten wir eine gezielte Supplementierung mit obigen Substanzen für gerechtfertigt.

Kaffee hat Einfluss auf den Östrogenspiegel: ethnische Zugehörigkeit entscheidend

Ob und wie moderater Kaffeegenuss den Hormonhaushalt beeinflusst, wurde an einer Untersuchung mit 259 prämenopausalen Frauen geprüft (Schliep KC / American Journal of Clinical Nutrition 2012). Dabei wurde von den Frauen über einen Zeitraum von zwei Monatszyklen bis zu drei Mal wöchentlich eine Blutprobe abgenommen und ein ausführlicher Fragebogen zur Nahrungszufuhr in den letzten 24 Stunden ausgefüllt.
Ergebnisse: Bei Asiatinnen und afroamerikanischen Frauen steigern zwei Tassen Kaffee am Tag den Östrogenspiegel, während bei weißen US-Amerikanerinnen die gegenteilige Wirkung eintritt und der Östrogenspiegel gesenkt wird.
Allerdings waren die Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen nur auf das Koffein im Kaffee beschränkt. Alle anderen koffeinhaltigen Getränke und grüner Tee steigerten bei allen Frauen den Östrogengehalt. Die Ausschläge waren jedoch nicht hoch genug, um Zyklusstörungen auszulösen.

GfBK-Kommentar: Warum Kaffee bei weißen Frauen den Östrogenspiegel senkt, bei Asiatinnen aber anhebt, können sich die Forscher bisher nicht erklären. Da bei der Untersuchung auch das Alter, Adipositas, körperliche Aktivität, Stress und Alkoholkonsum mit berücksichtigt wurden, sind die Ergebnisse in Bezug auf die Wirkungen des Kaffees ernst zu nehmen.
Ob die unterschiedliche Beeinflussung des Östrogenhaushaltes langfristig zu Störungen oder Krebserkrankungen in Uterus, Brust und Ovarien führen kann, müssen weitere Studien klären. Momentan ist es noch zu früh, um eindeutige Empfehlungen auszusprechen, da bisherige Studien eher positive Wirkungen von Kaffee und grünem Tee aufgezeigt haben. Der einzige Rat dürfte daher sein, sowohl auf einen moderaten Konsum sowohl von Kaffee als auch von grünem Tee zu achten.

Brokkoli mehr als vier Mal pro Woche beugt Blasenkrebs vor

Eine Metaanalyse von Studien aus den USA und Europa zeigt, dass der regelmäßige Verzehr von Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler, z.B. von Brokkoli, Blumenkohl und Rosenkohl das Risiko für Blasenkrebs senkt. Dabei wurden von den chinesischen Forschern für die Auswertung insgesamt zehn Studien berücksichtigt, fünf davon Fallkontrollstudien und fünf Kohortenstudien (Liu B/World J Urol 2012). Allerdings kommt der schützende Effekt nach Auswertung der zehn Studien vor allem dann zum Tragen, wenn sehr viel Kohlgemüse verzehrt wird, im Durchschnitt vier Mal pro Woche.

GfBK-Kommentar: Schon länger ist bekannt, dass der Verzehr von Kohlgemüse eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von Krebserkrankungen spielt. Grund für den schützenden Effekt soll vor allem der hohe Gehalt an Glucosinolaten sein, der in Kohlgemüse und vor allem in Brokkoli enthalten ist. Die Studie zeigt aber auch, dass vor allem größere Mengen einen schützenden Effekt bewirken. Damit die Wirkstoffe besser im Darm aufgenommen werden können, sollte man bei der Zubereitung darauf achten, Brokkoli-Sprossen, Senf, Meerrettich, Rucola oder Brunnenkresse dazuzugeben (Cramer JM/Br J Nutr 2011).

Prognoseverbesserung durch parenterale Ernährung vor OP von gastrointestinalen Tumoren

In einer großen randomisierten Studie mit 468 Patienten, die mäßig bis schwer unterernährt waren, wurde von Kollegen in Shanghai die Bedeutung einer prae- und postoperativen parenteralen Ernährung in Hinblick auf Prognose, Morbidität und Mortalität untersucht (Wu / World J Gastroenterol 2006). Dabei wurden die Patienten mit Magen –oder Kolorektalkarzinomen in zwei Gruppen randomisiert: die einen erhielten prä- und postoperativ eine parenterale und/oder enterale Ernährung über jeweils 7 Tage (Interventionsgruppe), die andere Gruppe wurde nur postoperativ parenteral und/oder enteral ernährt. Dabei war die postoperative Komplikationsrate deutlich geringer, wenn die Ernährung zusätzlich präoperativ gegeben wurde (18,3 vs. 33,5%) Insbesondere schwere Infektionen wie Pneumonie und Wundinfektionen traten seltener auf. Dies zeigte sich auch in der Rate von Todesfällen: So traten bei den Patienten, die zusätzlich präoperativ ernährt wurden, fünf Todesfälle auf, im Vergleich zu 14 in der Kontrollgruppe. Auch die Dauer des Krankenhausaufenthaltes verkürzte sich in der Interventionsgruppe (22 vs. 29 Tage).

GfBK-Kommentar: Dass auch eine präoperative Ernährung bei Patienten mit Mangelernährung deutliche Vorteile zeigt, wird in dieser Untersuchung sehr gut gezeigt. Leider wird das Thema Mangelernährung in der Praxis noch zu wenig berücksichtigt. Dabei trägt insbesondere der allgemeine Ernährungszustand dazu bei, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren und mehr Lebensqualität zu gewinnen.

So wird z.B. in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin empfohlen, eine frühzeitige postoperative enterale Ernährung und bei größeren chirurgischen Eingriffen eine immunmodulierte Sondennahrung einzusetzen. Vielleicht sollte man diese Empfehlung aufgrund der aktuellen Studie noch dahingehend ergänzen, dass für die Betroffenen bereits der Einsatz einer präoperativen parenteralen Ernährung von enormer Bedeutung sein kann. Es wäre gut, wenn diese Problematik in der Operationsplanung zukünftig mehr Beachtung finden würde.

 


Fatigue

Yoga während Strahlentherapie bessert Fatigue

Ob Yoga einen Einfluss auf die Auswirkungen einer Strahlentherapie bei Mammakarzinom hat, untersuchte eine Studie (Cohen L / Journal of Clinical Oncology 2011), die anlässlich der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology Anfang Juni 2011 veröffentlicht wurde.
An dieser Studie nahmen 163 Mammakarzinompatientinnen mit einem Tumor im Stadium 0-III dreimal wöchentlich über einen Zeitraum von sechs Wochen begleitend zur Strahlentherapie an einem Yoga- oder Entspannungskurs teil. Hinzu kam noch eine dritte Gruppe, die als Kontrollgruppe diente und in der kein zusätzliches Yoga- oder Entspannungsverfahren angewandt wurde. Dabei zeigte sich, dass durch regelmäßiges Yoga- oder Entspannungstraining akut auftretende Symptome wie chronische Erschöpfung (Fatigue) im Vergleich zur Kontrollgruppe effektiv gemindert werden können.
Außerdem war auffällig, dass die Teilnehmerinnen der Yogagruppe einen, drei und sechs Monate nach der Bestrahlung eine bessere körperliche Leistungsfähigkeit und eine bessere Lebensqualität aufwiesen als die Patientinnen der Entspannungs- und Kontrollgruppe. Zudem kam es in der Yogagruppe zu niedrigeren Blutspiegeln von Kortisol, das als Stresshormon gilt, und besseren Herzkreislauffunktionen.

GfBK-Kommentar: Während einer Strahlentherapie machen vor allem die akuten Beschwerden, wie z. B. das Fatigue-Syndrom den Patientinnen zu schaffen. Umso erfreulicher ist es, mit einfachen Methoden hier eine Linderung erreichen zu können. Es wäre wünschenswert, dass diese positiven Effekte durch Yoga in der Therapieplanung berücksichtigt werden, da das Fatigue-Syndrom, wenn es bereits aufgetreten ist, schwer zu behandeln ist.

Bei Fatigue-Syndrom hilft Ginseng

Ginseng könnte ein therapeutischer Ansatz bei der Behandlung des bei Krebspatienten häufig auftretenden Fatigue-Syndroms sein. Mit dieser Thematik beschäftigte sich eine Studie, die auf dem ASCO-Kongreß 2007 vorgestellt wurde (ASCO Annual Meeting Proceedings / Journal of Clinical Oncology, 2007). In diese randomisierte vierarmige Studie wurden insgesamt 282 Krebspatienten mit tumor- oder therapiebedingter Fatigue aufgenommen. Die Patienten bekamen für acht Wochen einen standardisierten Extrakt aus amerikanischem Ginseng in Dosierungen von 750, 1000 oder 2000 Milligramm pro Tag; oder sie erhielten ein Placebopräparat. Dabei zeigte sich, dass in den Gruppen mit den beiden höheren Ginseng-Tagesdosen die Fatigue-Beschwerden bei 25 und 27 Prozent der Befragten mäßig-stark bis deutlich gelindert wurden. Die 750-Milligramm-Dosierung von Ginseng sowie Placebo waren nur bei jeweils zehn Prozent der Patienten Fatigue-lindernd.

GfBK-Kommentar: Diese Untersuchung bestätigt die Ergebnisse anderer Studien, z.B. von Kim JH (J Clin Pharm Ther 2006), in denen bei Krebspatienten eine Verbesserung der Lebensqualität durch Gabe eines Ginsengpräparates gezeigt werden konnte. Allerdings sollte der Stellenwert von Ginseng bei Zeichen von Erschöpfung und Abgeschlagenheit noch genauer untersucht werden: Für die Betroffenen ist insbesondere die Beantwortung der Frage wichtig, welche Ginsengpräparate am effektivsten helfen, zumal es Ginseng-Präparate von unterschiedlicher Qualität gibt und das in der Studie verwendete Präparat sich laut den Forschern von vielen in Drogerien erhältlichen Mittel unterscheide. Um das Fatigue-Syndrom effektiv behandeln zu können, ist außerdem eine ganzheitliche Betreuung des Patienten erforderlich. Dies beinhaltet neben der Behandlung einer eventuell bestehenden Blutarmut das Einbeziehen folgender biologischer Therapiekonzepte: Stärkung des Immunsystems, Stärkung der Entgiftungsorgane, Ernährungsmaßnahmen, individuell abgestimmte Nahrungsergänzung.


Nierenkrebs

Hilfe bei Nierenzellkrebs durch neue Substanzen?

Für das schwer zu behandelnde Nierenzellkarzinom steht derzeit nur die Interferongabe zur Verfügung, die jedoch geringe Ansprechraten aufweist und oft schwere Nebenwirkungen verursacht. Für zwei Substanzen aus der Gruppe der Angiogenesehemmer (Sunitinib und Temsirolismus) konnte in klinischen Studien eine Wirksamkeit und für Temsirolismus sogar ein Überlebensvorteil nachgewiesen werden.
Die Wirksamkeit von Sunitinib wurde in einer Studie an 750 Patienten geprüft (Motzer / Proc Am Soc Cli Oncol 2006). Dabei erhielten die Patienten als Ersttherapie Sunitinib in sechswöchigen Zyklen (vier Wochen lang täglich 50 mg, gefolgt von zwei Wochen Pause) oder Interferon-alpha. In der Sunitinibgruppe kam es erst nach 47 Wochen, in der Interferongruppe nach 25 Wochen zum Fortschreiten der Erkrankung. Eine Reduktion der Tumormasse trat bei 25% der Patienten, die Sunitinib einnahmen und nur bei 5% der Patienten, die Interferon einnahmen, auf. In den USA ist Sunitinib (als Sutent®) bereits zur Therapie bei fortgeschrittenem Nierenzell-Ca zugelassen.
Temsirolismus wurde in einer dreiarmigen Studie an insgesamt 326 Patienten geprüft (Hudes / Proc Am Soc Cli Oncol 2006). Am besten schnitt die Monotherapie mit Temsirolismus ab. Die Patienten, die Temsirolismus erhielten, lebten mit 11 Monaten am längsten, die mit Interferon sieben und die mit einer Kombination aus Interferon und Temsirolismus 8 Monate. Damit konnte für die Therapie mit Temsirolismus eine Verlängerung der Überlebenszeit nachgewiesen werden.

GfBK-Kommentar: Trotz aller Erfolgsmeldungen von Substanzen aus der Gruppe der Angiogenesehemmer ist bisher ungeklärt, wie lange der Therapieerfolg auch tatsächlich anhält. Ähnlich wie bei chemotherapeutischen Substanzen ist auch hier das Problem, dass die Tumoren im Laufe der Therapie unempfindlich gegenüber diesen neuen Substanzen werden können. Außerdem sollte bei jedem Patienten individuell eingeschätzt werden, ob es wirklich sinnvoll ist, immer mehr Zielscheiben in die Therapie aufzunehmen, da unter einer Kombination von mehreren Wirkprinzipien auch vermehrt bedrohliche Wechselwirkungen auftreten können. Immerhin konnte in der Studie mit Temsirolismus bei Patienten mit Nierenzellkrebs gezeigt werden, dass die Kombitherapie mit Interferon nicht besser ist. Insofern möchten wir in anbetracht der potentiellen Nebenwirkungen von sog. „targeted therapies" davon abraten, mehrere Substanzen gleichzeitig einzusetzen.

Talactoferrin: Neue Option beim Nierenzellkarzinom?

Talactoferrin, eine rekombinant hergestellte Form des in der Muttermilch vorkommenden Lactoferrins, aktiviert natürliche oder Lymphokin-induzierte Killerzellen und verstärkt zusätzlich die Toxizität polymorphkerniger Zellen und Makrophagen.

Ob Talactoferrin für die Therapie des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms geeignet ist, wurde in einer offenen Phase-II-Studie getestet (Jonasch / Cancer 2008). Dabei wurden 44 Patienten mit progredientem oder metastasiertem Nierenzellkarzinom behandelt, bei denen mindestens eine systemische Therapie nicht angesprochen hatte. Talactoferrin wurde in einer Dosierung von zweimal täglich 1,5 g für zwölf Wochen eingenommen. Nach weiteren zwei Wochen erfolgte eine Computertomografie, um das Ansprechen der Tumoren zu beurteilen. Nach insgesamt 14 Wochen waren 59% der Patienten ohne Progression; zwei Patienten (4,5%) zeigten eine partielle Response. Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 6,4 Monate, das mediane Gesamtüberleben 21,1 Monate. Die Daten wurden einer kontrollierten Studie mit vergleichbarer Patientenpopulation im Placeboarm gegenübergestellt (Yang / N Engl J Med 2003), wobei dort der Anteil der Patienten mit progressionsfreiem Überleben nach vier Monaten lediglich 20% betrug. Als häufigste Nebenwirkungen traten unter der Talactoferringabe Erschöpfung, Flatulenz und Diarrhoe auf, schwerwiegende therapiebedingte Ereignisse traten nicht auf.

GfBK-Kommentar: Ein interessanter Behandlungsansatz des eher schwer zu therapierenden Nierenzellkarzinom. Ob sich das geringe Nebenwirkungspotential und die Effektivität von Talactoferrin bestätigt, muss allerdings erst noch in größeren randomisierten Untersuchungen bestätigt werden, bevor eine klinische Anwendung erfolgen kann. Bis dahin sind sicherlich andere Maßnahmen wie z.B. der Einsatz Tyrosinkinase-Inhibitoren geeigneter.

Senkt Tumorimpfung die Rezidivrate bei Hypernephrom?

Eine aktuelle prospektive und randomisierte Phase-III-Studie untersuchte die Wirksamkeit einer autologen Tumorzell-Vakzine bei Hypernephrompatienten im Stadium pT2-3 pN0 M0 (Jocham D / Lancet 363, 2004). 379 Patienten wurden in 2 Gruppen eingeteilt: Davon erhielten die Patienten 4 Wochen nach Nephrektomie entweder 6 Vakzinegaben im Abstand von 4 Wochen oder keine adjuvante Therapie. Ergebnis: Nach 5 Jahren lag das rezidivfreie Überleben in der Vakzinegruppe bei 77,4% und in der Kontrollgruppe bei 67,8%. Nach knapp 6 Jahren wurde der Therapieerfolg noch deutlicher: Es lebten dann in der Vakzinegruppe 72% rezidivfrei, in der Kontrollgruppe aber nur 59,3%. Insbesondere bei T3-Tumoren zeigten die Daten eine deutliche Überlegenheit zugunsten der Vakzinegruppe (67,5% vs. 49,7%). Die Autoren empfehlen die Impfung insbesondere bei Patienten, deren Tumor größer als 2,5 cm ist.

GfBK-Kommentar: Auch wenn die Ergebnisse relativ klar erscheinen, weist die Studie einige methodische Mängel auf, die unlängst in Fachkreisen diskutiert wurden. So wurde als Studienendpunkt nicht das Gesamtüberleben, sondern das rezidivfreie Überleben gewählt, so dass eine Aussage über den Überlebensvorteil unter Vakzinierung nicht getroffen werden kann. Kritikpunkte sind auch der nachträgliche Ausschluss von 89 Patienten und die fehlende Verblindung der Studie. Nichts desto trotz weiß man aus Einzelfallberichten und einer Studie mit kleiner Fallzahl (Höltl L / J. Urol. 161, 1999), dass Hypernephrome besonders gut auf Immuntherapien reagieren, so dass eine Tumorimpfung bei Nierenzellkarzinomen zukünftig durchaus eine Behandlungsalternative darstellen kann.


Molekulare Therapien

Angiogenesehemmer können invasives Wachstum und Metastasen fördern

Angiogenesehemmer sind Substanzen, welche die Blutversorgung des Tumors reduzieren, indem sie die Neubildung von Blutgefäßen unterdrücken. Eine Studie der University of California zeigt im Tierversuch unerwünschte Wirkungen: Nach anfänglichem Therapieerfolg dringt der Tumor vermehrt in gesundes Gewebe ein und neigt auch stärker zur Metastasierung (Casanovas et al / Cancer Cell 2005 und Paez-Ribes et al / Cancer Cell 2009).

Dabei wurde Mäusen entweder ein Pankreastumor oder ein Glioblastom implantiert. Bei beiden Tumorentitäten reduzierte sich die Tumorgröße durch Gabe von Sutent eindeutig in den ersten Therapiewochen. Danach jedoch änderte sich das Ansprechen, indem die Tumoren vermehrt in gesundes Gewebe eindrangen und auch stärker zur Metastasierung neigten. Möglicherweise ist dieses Phänomen – laut Ansicht der Autoren - eine Reaktion auf die plötzliche Unterversorgung von Sauerstoff und Nährstoffen.

GfBK-Kommentar: Bestätigen sich diese Ergebnisse auch beim Menschen, wäre genau das Gegenteil von dem erreicht, was die Behandlung bewirken soll. Denn letztlich sind invasives Wachstum und Metastasen die tatsächlich lebenbedrohlichen Umstände einer Krebserkrankung. Widersprüchlich erscheint daher in diesem Zusammenhang die Schlussfolgerung der Studie, wonach Angiogenesehemmer weiterhin als wertvolle Therapeutika bewertet werden, die die Lebensqualität und Überlebenswahrscheinlichkeit positiv beeinflussen können.

Herzschädigung durch Glivec

Imatinib (Glivec®), ein Tyrosinkinasehemmer, der bei Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML) und GIST angewandt wird, kann Herzschäden verursachen. Zu diesem Ergebnis kamen amerikanische Forscher (Kerkelä / Nature Med, 2006), als sie die Daten von zehn Patienten mit CML untersuchten, die unter Glivec-Einahme an einer kongestiven Herzinsuffizienz erkrankten. Außerdem führten sie Labortests an Mäusen und menschlichen Herzzellen durch. Es zeigte sich dort, dass Glivec nicht direkt toxisch wirkt, sondern über die Inaktivierung eines bestimmten Enzyms auch zu einer Schädigung von Herzmuskelzellen führen kann.

GfBK-Kommentar: Dass Glivec in sehr seltenen Fällen eine Herzschädigung hervorrufen kann, ist bekannt. Da geeignete molekularbiologische Untersuchungen fehlen, um vorherzusagen, welche Patienten ein erhöhtes Risiko einer Herzmuskelschädigung haben, sind bislang nur regelmäßige kardiologische Untersuchungen anzuraten. Inwieweit auch andere Tyrosinkinasehemmer, wie z.B. Erlotinib, zu einer Herzmuskelschädigung führen können, sollte in Studien weiter untersucht werden.


Prävention

Nachtarbeit und Brustkrebsrisiko

Blinde Frauen erkranken um 36% seltener an Brustkrebs (Kliukiene J / Br J Cancer 84, 2001). Möglicherweise ist dies auf eine vermehrte Melatoninproduktion durch die absolute Dunkelheit bei blinden Frauen zurückzuführen. Nach Ansicht der Anhänger der „Melatonin-Hypothese“ führt die dauerhafte Dämmerung unserer Zeit zu einem nächtlichen Melatoninmangel und steigert das Mammakarzinom-Risiko. Der Einfluss von Nachtarbeit auf das Mammakarzinom-Risiko wurde in zwei Studien untersucht. So zeigte sich in einer Fall-Kontroll-Studie bei Frauen, die über mindestens drei Jahre einmal wöchentlich nachts gearbeitet hatten, ein um 60% erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken (Davis S et al / J Natl Cancer Inst, 2001). In einer prospektiven Studie (Schernhammer ES et al / J Natl Cancer Inst 93, 2001) zeigte sich, dass Wechselschichten über ein bis vierzehn Jahre mit einem erhöhten Risiko von 8% einhergingen. Bei Frauen vor den Wechseljahren erhöhte sich das Mammakarzinom-Risiko unter Wechselschichten sogar um 23%.

GfBK-Kommentar: Das Signifikanzniveau wurde nur knapp erreicht, so dass weitere Untersuchungen zu diesem sehr interessanten Thema wünschenswert wären. Eine Dauereinnahme von Melatonin kann derzeitig aufgrund der noch unzureichenden Studienlage nicht empfohlen werden.

Die krebsvorbeugende Wirkung von Obst und Gemüse in der Diskussion

In den letzten Monaten stand immer wieder in der Presse zu lesen, dass sich die Erwartungen, durch Verzehr von Obst und Gemüse das Erkrankungsrisiko von Tumoren senken zu können, nicht erfüllt haben. Diese Schlussfolgerung wurde aufgrund der Ergebnisse neuerer prospektiver Studien getroffen, wie der US-amerikanischen "Nurses Health Study", der "Health Professionals´ Follow-up Study" (J Nat Cancer Inst 96, 2004) und der europaweit durchgeführten „EPIC-Studie“ (JAMA 293, 2005), die zeigten, dass die Rate von Tumoren nicht vom Obst- und Gemüsekonsum abhängt.

GfBK-Kommentar: Unserer Ansicht nach ist es nicht sinnvoll, von der Empfehlung, viel Obst und Gemüse zu verzehren, abzuweichen; zumal in diesen Untersuchungen gezeigt werden konnte, dass der häufige Verzehr von Pflanzenkost das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der häufige Verzehr von ballaststoffreicher Kost das Risiko für Darmkrebserkrankungen senkt. Außerdem kann anhand der Studien nicht ausgeschlossen werden, dass für bestimmte Frauen nicht doch eine schützende Wirkung von Obst und Gemüse im Hinblick auf Brustkrebserkrankungen vorliegt.

Brustdichte entscheidend für Aussagekraft der Mammographie

In einer prospektiven Kohortenstudie konnte in über 400.000 durchgeführten Mammographien bei über 300.000 Frauen festgestellt werden (Carney / Ann Intern Med. 138, 2003), welche Faktoren die Interpretation von Mammographieergebnissen erschweren. Zusammenfassend waren Sensitivität und Spezifität der Mammographie am geringsten bei jungen Frauen mit dichten Brüsten, die Hormone einnahmen. In diesem Zusammenhang ist bekannt, dass eine Hormonersatztherapie die Brustdichte erhöht und dadurch die diagnostische Genauigkeit der Mammographie deutlich vermindert wird. Hingegen nahm mit steigendem Alter die Sensitivität der Untersuchung zu, allerdings nur dann, wenn keine Hormone eingenommen wurden.

GfBK-Kommentar: Die Autoren dieser Studie fordern zu Recht, dass jeder Mammographiebefund Angaben über die Dichte des Brustgewebes enthalten sollte. Insbesondere bei jungen Frauen mit genetischer Vorbelastung und dichtem Brustdrüsengewebe ist alternativ eine diagnostische Abklärung mittels Ultraschall oder Kernspintomographie zu empfehlen.

Weniger Darmpolypen durch Kalziumgabe

Die Bildung adenomatöser Polypen, Vorstufen zu Darmkrebs, kann durch die Gabe von Kalzium reduziert werden. Das hat die Metaanalyse dreier prospektiver, placebokontrollierter Studien gezeigt (Shaukat / Am J Gastroenterol 100, 2005), in die Patienten nach Entfernung adenomatöser Polypen 1200 bis 2000 mg Kalzium erhalten hatten. Anhand von Kontrollendoskopien zeigte sich, dass das Rezidivrisiko durch Kalziumsupplementierung um 20 Prozent gesenkt werden konnte.

GfBK-Kommentar: Da in diesen Studien auch die Ernährungsgewohnheiten mit berücksichtigt wurden, sind die Ergebnisse als klinisch relevant anzusehen. Unserer Meinung nach sollte zukünftig diskutiert werden, ob nicht zumindest bei Patienten mit bekannter Neigung zur Bildung von Darmpolypen eine Kalziumsupplementierung empfohlen werden sollte. Lediglich bei Hyperparathyreoidismus und bei Menschen, die dazu neigen, Nierensteine aus Kalziumoxalat zu bilden, ist von einer dauerhaften Kalziumeinnahme abzuraten.

Aussagekraft der Mammographie ist von vielen Faktoren abhängig

Bisher gab es nur wenig zuverlässigen Daten, ob der Lebensstil, hormonelle Faktoren oder andere Faktoren die Aussagekraft der Mammographie beeinflussen. Dies wurde unter anderem in der Million Women Study an 122355 Frauen im Alter von 50-64 Jahren untersucht (Banks / BMJ 329, 2004). Dabei wirkten sich folgende Faktoren negativ auf Sensitivität und Spezifität der Mammographie aus: Hormonersatztherapie, vorangegangene Brustoperationen, Körpergewicht (d.h. schlanke Frauen mit einem BMI < 25). Alle anderen evaluierten Faktoren, wie Alter, familiäre Vorbelastung, sportliche Aktivität, Rauchen oder Alkoholkonsum hatten dagegen keinen Einfluss auf die Aussagekraft.
Jedoch selbst das wesentlich genauere und strahlungsfreie Verfahren, die Magnetresonanzmammographie, die besonders bei dichtem Brustgewebe und bei unübersichtlichen Situationen (z. B. bei prothetisch versorgten Mammae) oder starken Vernarbungen, empfohlen wird, ist nicht bei jeder Patientin geeignet. So konnte in einer anderen Untersuchung (Denis / Eur J Surg Oncol 30, 2004) gezeigt werden, dass die Vorbehandlung mit Taxanen zu einer fehlerhaften Einschätzung der Resttumorgröße (zu klein!) führen kann. Dies ist insbesondere bei Patientinnen von Bedeutung, bei denen aufgrund einer neoadjuvanten Chemotherapie die Operationsplanung mittels MRT erfolgt.

GfBK-Kommentar: Der fragliche flächendeckende Nutzen des Mammographie-Screenings wird durch diese Untersuchungsergebnisse bestätigt. Selbstuntersuchung ist gegenwärtig – bis zur Einführung eines zuverlässigen Screening-Verfahrens – am ehesten geeignet, einen Tumor frühzeitig zu erkennen. Bei Frauen, die jünger als 50 Jahre alt sind, ist unserer Ansicht nach von einem Mammographie-Screening eher abzuraten. Bei begründetem Verdacht auf eine Brustkrebserkrankung ist jedoch die Mammographie sinnvoll. Wichtig dabei ist, dass zwei Wochen vor der Untersuchung keine Hormonersatzpräparate verabreicht werden sollten.

Süßstoffe stören die Darmflora

Künstliche Süßstoffe, die Diäten erleichtern und Diabetes vorbeugen sollen, hatten in tierexperimentellen Studien (Suez J/Nature 2014) einen gegenteiligen Effekt. Die Mäuse, denen über das Trinkwasser Saccharin (E 954), Sucralose (E 955) oder Aspartam (E 951) verabreicht wurde, nahmen an Gewicht zu, und ihr Blutzucker stieg an. Grund für diese paradoxe Wirkung soll eine Dysbiose der Darmbakterien sein, die die Forscher durch gezielte Antibiotikagabe bei den Tieren unterbinden konnten. Durch Stuhltransplantation der Mäuse, die mit Süßstoffen gefüttert worden waren, auf die Mäuse, die keimfrei aufgezogen wurden und niemals künstliche Süßstoffe erhalten hatten, konnte die Störung der Glukosetoleranz sogar übertragen werden, was den endgültigen Hinweis lieferte.
Nachfolgende Untersuchungen an der Darmflora ergaben, dass die Süßstoffe die Darmflora tatsächlich verändern. So kam es zu einer Zunahme von Bakterien, die vermehrt Kohlenhydrate abbauen. Der dabei entstandene Zucker könnte, so die Forscher, dann vom Darm aufgenommen und die Glukoseintoleranz induziert haben. Verstärkt wurde übrigens der Effekt der Glucoseintoleranz noch dadurch, dass durch die Bakterienstämme auch die Bildung von kurzkettigen Fettsäuren erhöht war. Möglicherweise könnten Süßstoffe deshalb die Wirkung einer zucker- und fettreichen Nahrung noch verstärken und zu einer Gewichtszunahme führen.

GfBK-Kommentar: Auch wenn dies „nur” ein Tierversuch ist, so ist der Versuchsaufbau schlüssig gewählt und belegt recht eindrücklich, wie es zu einer Veränderung der Darmflora unter der Gabe von künstlichen Süßstoffen kommen kann.
Problematisch ist dabei vor allem eins: Süßstoffe werden nicht nur als leicht vermeidbarer Zuckerersatz für den Kaffee oder Tee angeboten. Sie bilden auch die Grundlage für kalorienfreie Süßgetränke und werden Fertignahrungsmitteln zugesetzt (als Zusatzstoffe im Bereich von E 950 bis 962). Obwohl sie als unbedenklich gelten, da sie in der Regel nicht vom Darm resorbiert werden, muss man doch aufgrund der Beeinflussung der Darmflora mit langfristigen Folgen rechnen. Wir halten Süßstoffe für völlig unnötig und möchten dazu raten, auf Zuckerersatzstoffe, wie z. B. Stevia auszuweichen bzw. insgesamt den Zuckerkonsum auch durch versteckte Zucker zu reduzieren.
Übrigens, am Ende des Tierversuches haben die Forscher ihre Ergebnisse auch klinisch überprüft. Sie analysierten die Daten von 381 nicht-diabetischen Teilnehmern einer laufenden ernährungsphysiologischen Studie und konnten aufzeigen, dass Teilnehmer, die Süßstoffe benutzten, mehr wogen, höhere Nüchternblutzucker- und HbA1c-Werte aufwiesen und eine veränderte Darmflora hatten. Außerdem konnte die Veränderung der Darmflora auch bei einem Teil der gesunden Teilnehmer induziert werden, indem diese täglich eine Woche lang Saccharin in der von der FDA erlaubten Höchstmenge erhielten.

Mammographie-Screening in der Kritik

Nutzt das Mammographie-Screening überhaupt Frauen unter 50 Jahren? Um diese Fragestellung zu beantworten, wurden 160.921 Frauen im Alter zwischen 39 und 41 Jahren rekrutiert (Moss / Lancet 2006). Diese randomisierten die britischen Forscher im Verhältnis 2:1 in eine „Mammographiegruppe" (jährliche Mammographie bis ins 48. Lebensjahr) und eine Kontrollgruppe. Nach einem medianen Follow-Up von 10,7 Jahren ergab sich in der „Mammographiegruppe" ein 17% niedrigeres relatives Brustkrebs-Mortalitätsrisiko, ohne allerdings statistische Signifikanz zu erreichen. Auch der Vorteil von Frauen, die sich tatsächlich regelmäßig untersuchen ließen (24%ige Reduktion des relativen Brustkrebs-Mortalitätsrisikos), war statistisch nicht signifikant. Das würde bedeuten, dass 2512 Frauen dieser Altersgruppe sieben bis neun Jahre lang einmal jährlich mammographiert werden müssten, um einen Brustkrebs-Todesfall in 10 Jahren zu verhindern.

GfBK-Kommentar: Diese Untersuchung bestätigt die Zweifel, die bisher am Nutzen des Mammographie-Screenings bestehen. Insbesondere die Frage, ob Mammographie-Screening tatsächlich zu einer Abnahme der Brustkrebssterblichkeit führt, wird in der Öffentlichkeit zunehmend kontrovers diskutiert und unterschiedlich beurteilt. In Anbetracht des dichteren Drüsenkörpers bei jüngeren Frauen und der dadurch schlechteren Beurteilbarkeit durch die Mammographie, ist der Nutzen eines Mammographie-Screenings bei Frauen unter 50 Jahren als fragwürdig anzusehen.
Aber auch bei Frauen über 50 sieht es bei genauerer Betrachtung nicht viel besser aus. Insbesondere die unerwünschten Folgen wie strahlungsinduzierter Brustkrebs, Überdiagnosen und falsch-positive Resultate bleiben meist unberücksichtigt. So erfahren 5 bis 10 von 100 Frauen Beunruhigung durch Mammographie-Screening, die sich wegen falsch positiver Befunde weiteren Untersuchungen unterziehen müssen. Von 1000 Frauen, die sich 10 Jahre lang einem Mammographie-Screening unterziehen, müssen etwa 200 mit einem falsch positiven Ergebnis rechnen; bei etwa 60 Frauen erfolgt eine Biopsie, obwohl kein Brustkrebs vorliegt. Nachteile haben auch jene Frauen, bei denen die (frühere) Diagnose von Brustkrebs zu keiner Verbesserung oder sogar zu einer Verschlechterung der Lebensprognose führt. Die Überdiagnosen von Brustkrebs können so zu unnötigen Operationen, Strahlenbehandlungen und Chemotherapien führen.

Eine hohe glykämische Last erhöht das Brustkrebsrisiko

Erhöht eine ballaststoffarme Ernährung mit leicht aufschließbaren Kohlehydraten das Brustkrebsrisiko? Diese Fragestellung wurde im Rahmen einer Kohortenstudie an 61.433 Frauen aus der Region Uppsala in Schweden untersucht (Larsson C / International Journal of Cancer 2009), die in den Jahren 1987/1990 zusammen mit der Einladung zur Brustkrebsfrüherkennung auch einen Fragebogen zu ihren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten erhielten. Ergebnis der Auswertung: ein hoher glykämischer Index und eine hohe glykämische Last waren in den Folgejahren (17,4 Jahre Nachbeobachtung) mit dem vermehrten Auftreten von östrogenrezeptor-positiven Tumoren assoziiert. Das Fünftel der Frauen mit der höchsten glykämischen Last erkrankte dabei zu 81 Prozent häufiger. Für die Autoren blieb allerdings unklar, warum der Effekt in dieser Studie auf ER+/PR-Tumoren beschränkt war.

GfBK-Kommentar: Es ist schon länger bekannt, dass Diabetikerinnern (Typ-2-Diabetes) ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben (Larsson / Int J Cancer 2007). Auch in einer anderen Arbeit konnte gezeigt werden, dass der Insulinspiegel sowie der endogene Estradiolspiegel positiv mit dem Brustkrebsrisiko assoziiert sind (Gunter et al., J Natl Cancer Inst 2009).
Der glykämische Index misst, wie schnell nach dem Verzehr eines Nahrungsmittels die Glukosekonzentration im Blut ansteigt. Die glykämische Last berücksichtigt zusätzlich noch den Kohlenhydratgehalt. Ein Beispiel: Der Blutzuckereffekt von 100 g Baguettebrot ist (wegen seines hohen KH-Gehalts) demnach trotz identischem glykämischen Index etwa 6 mal so groß wie der von 100 g gekochten Möhren.
Eine hohe glykämische Last geht postprandial mit einer vermehrten Ausschüttung von Insulin einher. Insulin wiederum reguliert nicht nur den Blutzucker, es ist auch ein Wachstumshormon (Verwandtschaft mit dem insulin-like growth factor-1) und stimuliert die Zellproliferation sowohl in Zelllinien von normalem Brustgewebe als auch von Brustkrebszelllinien, weshalb eine ungesunde Fast-Food-Ernährung ohne Ballaststoffe auf Dauer die Entstehung von Krebserkrankungen begünstigen kann.
Vielleicht spielt in diesem Zusammenhang auch die Tatsache eine Rolle, dass bei hohem Ballaststoffgehalt der Nahrung weniger östrogenartige Hormone durch den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden können. Dies könnte auch ein Grund sein, warum in einer anderen Studie durch eine hohe Ballaststoffaufnahme das Brustkrebsrisiko gesenkt werden konnte (Cade / Int J Epidemiology 2007).

Koloskopien bei Älteren doch nicht so ungefährlich?

Perforationen der Darmwand sind eine bekannte, seltene, aber lebensgefährliche Komplikation der Darmspiegelung. Insbesondere bei über-75-Jährigen steigt laut einer Studie des weltweit größten Endoskopie-Zentrums in Bangkok (Lohsiriwat / BMC Gastroenterology 2009) das Risiko für eine Darmperforation an. Dabei war der wichtigste Risikofaktor in dieser Studie nicht die Unerfahrenheit des Arztes, sondern das Alter des Patienten. So kam es bei über-75-Jährigen mehr als sechsfach häufiger zu einer Darmperforation. Vorsicht geboten ist außerdem beim Abtragen größerer Polypen. Nach therapeutischen Endoskopien kam es fast dreifach häufiger zu einer Darmperforation. Der Studienleiter vermutet, dass auch eine Sedation das Risiko erhöhen könnte, da es dem Arzt nicht mehr möglichst ist, auf Schmerzreize des Patienten zu reagieren.

GfBK-Kommentar: Diese Untersuchung zeigt, dass unter bestimmten Bedingungen eine Darmspiegelung nicht ungefährlich ist. Da inzwischen durch öffentliche Kampagnen mit bekannten Größen aus Show und Sport immer wieder verstärkt auf Darmspiegelungen als Mittel zur Früherkennung von Darmkrebs hingewiesen wird, ist es umso wichtiger, auch auf die möglichen Nebenwirkungen aufmerksam zu machen, damit keine unnötigen Komplikationen auftreten. Schließlich sind die Schätzungen, wie sehr die Darmspiegelung die Heilungschancen erhöhen, widersprüchlich.
Außerdem sollte es bei großen Aufklärungskampagnen auch darum gehen, die Achtsamkeit der Menschen für Vorgänge im eigenen Organismus zu stärken. Wichtig ist auch, auf das, was im Darm geschieht, zu achten: Verstopfungen oder andere Funktionsstörungen sind Warnsignale, auf die reagiert werden muss. Zudem hilft regelmäßiger Sport und eine ausgewogene Ernährung, das Erkrankungsrisiko zu minimieren. Pflanzliche Kost wie Obst, Gemüse und Getreide neutralisiert Schadstoffe und stärkt die körpereigenen Abwehrkräfte gegen entartete Zellen. Positiv auf das Darmmilieu wirken außerdem milchsaure, vergorene Produkte wie Sauerkraut, Gemüsesäfte oder Joghurt.

Mammographie in Dänemark ohne Wirkung?

Die Einführung des Mammographie-Screenings hat in Dänemark entgegen früheren Untersuchungen doch nicht zu einem Rückgang der Brustkrebssterblichkeit geführt. Das geht aus einer Studie des Nordic Cochrane Institute im Britischen Ärzteblatt (Jørgensen K et al. / BMJ 2010) hervor.
In Kopenhagen wurde die Brustkrebsfrüherkennung mittels einer Röntgenuntersuchung der Brust bereits 1991 eingeführt. Vor fünf Jahren kamen Anne Helene Olsen von der Universität Kopenhagen und Mitarbeiter zu dem Ergebnis, dass die Brustkrebssterblichkeit seither um 25 Prozent gesunken ist (Olsen A et al. / BMJ 2005).
Der Vergleich mit der Zeit vor Einführung der Mammographie übersieht nach Ansicht von Karsten Jørgensen und Peter Gøtzsche vom Nordic Cochrane Centre in Kopenhagen jedoch die langfristige Entwicklung zu einer sinkenden Sterberate am Mammakarzinom. In ihrer Untersuchung vergleichen sie deshalb die Entwicklung in Kopenhagen und Fünen (wo ebenfalls ein Brustkrebsscreening angeboten wird) mit anderen Regionen des Landes, wo dies nicht der Fall war. Für die gescreenten Regionen ermitteln sie einen Rückgang der Brustkrebssterblichkeit um ein Prozent pro Jahr, die aber nicht das Ergebnis der Früherkennung sein könne, da in den Regionen ohne Screening die Brustkrebssterblichkeit im gleichen Zeitraum um zwei Prozent pro Jahr abgenommen habe.
Am deutlichsten war der Rückgang in den Altersgruppen, die für ein Screening zu jung waren: Unter den 35- bis 54-Jährigen ging die Brustkrebssterblichkeit in den Screening-Regionen um fünf Prozent und in den Kontrollregionen um sechs Prozent pro Jahr zurück. Bei älteren Frauen, denen nicht zur Mammographie geraten wird, ist die Brustkrebssterblichkeit gleich geblieben.
Für Jørgensen und Gøtzsche sind die Ergebnisse ein weiterer Beleg für die Fragwürdigkeit der Mammographie. Den beobachteten Rückgang der Sterblichkeit führen sie auf eine Änderung der Risikofaktoren und eine Verbesserung der Therapie zurück.

GfBK-Kommentar: Diese Untersuchung unterstreicht die bisherigen Erkenntnisse zur Sinnhaftigkeit des Mammographie-Screenings und kommt zu dem Ergebnis, dass das Mammographie-Screening in Dänemark zu keiner Ergebnisverbesserung geführt hat - im Gegensatz zur früheren Annahme, dass mit einer 25%igen Senkung der Sterblichkeit zu rechnen ist. Ein Ergebnis, das unserer Meinung nach eigentlich dazu führen sollte, die bisherige Praxis des Screenings neu zu überdenken, da eine Abnahme der Brustkrebssterblichkeit durch das Screening mehr als fragwürdig ist. Denn schließlich zeigt diese Untersuchung eindrucksvoll, dass auch andere Faktoren für eine Abnahme der Brustkrebssterblichkeit verantwortlich sein können.

Kann Vitamin K2 das Krebsrisiko senken?

Die in Tierexperimenten gemachte Beobachtung, dass Vitamin K vor Krebs schützen könnte, konnte nun durch die Ergebnisse der Heidelberger Kohorte der EPIC-Studie bestätigt werden. In dieser Untersuchung werden 24.340 Teilnehmer zwischen 35 und 64 Jahren seit 1994 prospektiv untersucht und bis 2008 im Hinblick auf Krebsinzidenz und Krebsmortalität aktiv nach verfolgt. Die Aufnahme von Vitamin K mit der Nahrung wurde mit Hilfe von Fragebögen geschätzt (Nimptsch K et al./ Am J Clin Nutr 2010).
Die Gruppe der K-Vitamine untergliedert sich in Phyllochinone (Vitamin K1), die vor allem in grünem Gemüse, Fleisch und Milchprodukten vorkommen, während die Menanchinone (Vitamin K2) vor allem in Käse vorkommen.
Dabei war nur die Aufnahme von Menanchinonen invers mit der Gesamt-Krebsinzidenz korreliert. Zwischen der Aufnahme von Phyllochinonen und der Krebsinzidenz – bzw. mortalität konnte kein Zusammenhang festgestellt werden. Wie schon andere Studien bei anderen Vitaminen beobachtet hatten, war die Reduktion des Krebsrisikos durch eine hohe Aufnahme von Menanchinonen bei Männern stärker als bei Frauen ausgeprägt und betraf vor allem das Auftreten von Prostatakrebs und Lungenkrebs.

GfBK-Kommentar: Diese Studie gibt einige Hinweise auf die schützende Wirkung von Menanchinonen, kann jedoch nicht endgültig beweisen, dass Vitamin K wirklich krebsvorbeugend wirkt, zumal das Gesamtergebnis statistisch nicht signifikant war und nur bei Männern eine deutliche Risikoreduktion bei bestimmten Krebsarten vorlag. Man muss sich auch fragen, inwieweit es möglich ist, anhand von Ernährungsfragebögen wirklich Zusammenhänge feststellen zu können, zumal dieses Instrumentarium nicht überprüfbar ist und daher auch erheblichen Schwankungen unterliegen kann. Da Phyllochinone ubiquitär vorkommen, muss auch die Frage gestattet sein, inwieweit nicht andere Ernährungs- oder Lebensstilfaktoren hierbei eine Rolle gespielt haben.

Selen schützt möglicherweise doch vor Prostatakrebs

Eine aktuelle Untersuchung gibt Hinweise, dass Selen doch vor Prostatakrebs schützen kann und dass dieser Effekt vom gemessenen Selenspiegel abhängt. Dies zeigen die Ergebnisse britischer Forscher, die in einer Metaanalyse zwölf Studien mit insgesamt über 13.000 Teilnehmern ausgewertet haben (Hurst R et al./Am J Clin Nutr 2012; 96: 111-122).
Das Ergebnis: Innerhalb des Bereichs zwischen 60 und 170 ng/ml nahm das Erkrankungsrisiko mit steigenden Selenwerten um bis zu 25 Prozent ab. Das relative Risiko betrug beispielsweise bei 135 ng/ml 0,85 und bei 170 ng/ml 0,75.
Wurden nur die Daten zum fortgeschrittenen Prostatakarzinom in den Fokus genommen, wurde der Zusammenhang noch deutlicher: Hier sank das relative Risiko bei einer Selen-Konzentration von 135 ng/ml auf 0,60 und bei 170 ng/ml um 0,5 gegenüber dem niedrigsten Plasma-Selen-Wert.
In der Metaanalyse von Hurst wurde der Selenspiegel übrigens neben der Bestimmung im Plasma und Serum vor allem anhand der Konzentration des Spurenelementes in den Zehennägeln gemessen, eine bei uns eher unübliche Bestimmung. Der optimale Bereich von 140 bis 170 ng/ml in den Zehennägeln soll dabei etwa 120 bis 150 ng/ml im Plasma entsprechen.

GfBK-Kommentar: Spätestens seit Abbruch der SELECT-Studie ist vielen Therapeuten klar, dass eine Zufuhr nur dann Sinn macht, wenn man diese dem wirklichen Versorgungszustand anpasst. Bei an Krebs Erkrankten gelten Selenspiegel zwischen 130 und 150 ng/ml als optimal. Zu niedrige aber auch zu hohe Selenwerte können langfristig einen negativen Einfluss auf die Gesundheit haben. Am besten ist es daher, wenn vorher der Selenspiegel im Vollblut gemessen wird. Bei Prostatakrebs kann zusätzlich die Bestimmung der Genvariante Superoxiddismutatse SOD-2 wichtig sein, da hier durch eine Selengabe die Aggressivität des Tumors gesteigert wird.
Es muss übrigens nicht immer ein Nahrungsergänzungspräparat sein: In der Nahrung sind Kokosmilch, Kokosflocken, Kokosfett, Sesam und Paranüsse die beste Quelle für Selen.

Grüner Tee zur Krebsvorbeugung

Eine spanische Forschergruppe (Navarro-Peran / Cancer Res., 2005) hat eine Begründung für die vielfach beobachtete prophylaktische Wirksamkeit bei Krebserkrankungen geliefert: Der in grünem Tee hoch konzentrierte Polyphenol, das Epigallocatechingallat (EGCG) fördert unter anderem die Apotose von Karzinomzellen. Dies mag auch erklären, warum frühere Studien zeigten, dass grüner Tee das Risiko für verschiedene Krebsarten verringern kann.
In einer aktuellen Meta-Analyse konnte auch gezeigt werden (Can-Lan / Carcinogenesis, 2005), dass bei einem hohen Konsum von grünem Tee, das heißt von mindestens fünf Tassen täglich, sich das Risiko für Brustkrebs um 22 Prozent verringerte. Dies mag neben regelmäßigem Sojaverzehr auch eine Ursache dafür sein, dass bei europäischen Frauen Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung ist, während Brustkrebs in asiatischen Ländern eher selten vorkommt.

GfBK-Kommentar: Bemerkenswert an der Metaanalyse von Can-Lan ist insbesondere, dass für schwarzen Tee keine Risikosenkung festgestellt werden konnte. Dies mag darauf zurückzuführen sein, dass grüner Tee etwa 30 bis 40 Prozent Polyphenole enthält, während der fermentierte schwarze Tee nur noch 3 bis 10 Prozent dieser wichtigen sekundären Pflanzenstoffe enthält.
Allerdings dürften hierzulande nur wenige Menschen die Menge von täglich fünf Tassen grünem Tee trinken. Ob eine Nahrungsergänzung mit Extrakten aus grünem Tee eine Alternative darstellt, kann derzeit mangels ausreichender Studienlage nicht eindeutig beantwortet werden. Wichtig bei der Auswahl des Tees ist insbesondere, dass Rückstandskontrollen auf Pestizide erfolgen und dass der grüne Tee nicht mit Milch getrunken wird, da sonst eine Wirkungsabschwächung erfolgt.


Magenkrebs

Kein Vorteil für adjuvante Chemotherapie bei fortgeschrittenem Magenkrebs

Eine italienische Studiengruppe untersuchte an 274 Patienten mit Magenkarzinom und Lymphknotenbefall oder T3-4-Tumoren den Nutzen einer adjuvanten Chemotherapie nach erfolgter Gastrektomie (Buzzoni / Br J Surg 2006). Nach Randomisierung in zwei Gruppen erhielten die Patienten entweder keine oder eine Kombinationschemotherapie mit Etoposid, Doxorubicin und Cisplatin. Der Unterschied bezüglich der Gesamtüberlebensrate war in beiden Gruppen nicht signifikant. Auch die Raten für das Auftreten von lokalen Rezidiven oder Metastasen unterschieden sich nicht, so dass die Patienten keinen Vorteil von einer adjuvanten Chemotherapie hatten.

GfBK-Kommentar: Generell ist bei Magenkarzinomen das Ansprechen auf eine zytostatische Behandlung als eher gering einzuschätzen. So wird der zusätzliche Nutzen von mehreren Metaanalysen auf lediglich 3-5% bei den 5-Jahres-Überlebensraten eingeschätzt. Daher kann derzeitig aus unserer Sicht die adjuvante Chemotherapie Patienten mit Magenkarzinomen nicht empfohlen werden. Bei Magenkrebspatienten halten wir insbesondere eine biologische Nachbehandlung mit dem Ziel empfehlenswert, das Immunsystem zu stärken, eine Kachexie zu verhindern und dadurch die Heilungschancen zu verbessern.

 


Leberkrebs

Tumorimpfung auch bei hepatozellulärem Karzinom erfolgreich

In einer taiwanesischen Studie (Lee / J Immunotherapy 2005) konnte die klinische Wirksamkeit einer autologen Tumorimpfung mit dendritischen Zellen nachgewiesen werden. Dazu wurden 31 Patienten mit fortgeschrittenem hepatozellulärem Karzinom die durch autologes Tumorgewebe aktivierten dendritischen Zellen als Infusion bzw. zusätzlich als Booster verabreicht. Bei den Patienten, die zusätzlich eine Boosterung erhielten, waren die Ergebnisse am besten: 63 Prozent der Patienten überlebten mindestens 1 Jahr lang. Die Autoren sehen darin einen im Vergleich zu anderen konventionellen Therapieverfahren deutlichen Überlebensvorteil.

GfBK-Kommentar: In anbetracht der Tatsache, dass nicht-resektable HCC-Patienten im Median nur 6-10 Monate überleben, sind diese Ergebnisse viel versprechend zu bewerten und geben Anlass zur Hoffnung, das die Tumorimpfung in Zukunft eine aussichtsreiche Behandlungsmöglichkeit bei dem schlecht therapierbaren HCC darstellen wird. Allerdings sind bisher keine 3- bis 5-Jahres-Überlebensraten bekannt (diese liegen bisher bei < 10%); dies sollte dringend in weiteren Studien mit mehr Patientenzahlen überprüft werden.

Lebertumoren: Radiofrequenzablation besser als Alkoholverödung

In einer randomisierten kontrollierten Studie der Universität Taipeh konnte an insgesamt 157 Patienten mit hepatozellulären Karzinomen gezeigt werden, dass die perkutane Radiofrequenzablation der Verödung mit Äthanol überlegen ist (Lin / Gastroenterology, 2004). Die Vorteile der Radiofrequenzablation waren dabei für lokale Tumorprogression, Gesamt- und tumorfreies Überleben signifikant. Die mediane Beobachtungszeit betrug 24,3 Monate. Außerdem waren in der Radiofrequenzgruppe weniger Sitzungen erforderlich.

GfBK-Kommentar: Diese Ergebnisse unterstreichen die im deutschen Sprachraum gängige Praxis, dass schon seit einiger Zeit immer häufiger die Radiofrequenzablation zur Behandlung von kleinen Lebertumoren (< 4 cm) eingesetzt wird. Die Alkoholverödung hingegen wird nur noch von wenigen Zentren und vor allem zur Behandlung von eher kleineren Lebermetastasen bis zu 2,5 Zentimeter Größe durchgeführt.
Die Radiofrequenzablation bietet mehrere Vorteile. Die Behandlung dauert nur etwa eine Stunde und kann unter lokaler Betäubung durchgeführt werden. Wegen der geringen Belastung durch die Therapie können auch ältere oder geschwächte Patienten behandelt werden. Außerdem kann die Behandlung bei einem Neuauftreten von Metastasen jederzeit wiederholt werden. Allerdings ist die Methode nicht anwendbar, wenn die Leber mit mehr als fünf Metastasen befallen ist. Hier wäre dann die Durchführung einer regionalen Hyperthermiebehandlung anzuraten.

Radiofrequenzbehandlung bei primärem Leberkrebs

Stellt die Radiofrequenzablation bei primärem Leberzellkarzinom eine effektive Alternative zur Operation dar? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine prospektive randomisierte Studie mit insgesamt 180 Patienten (Chen / Ann Surg 2006), deren hepatozelluläres Karzinom bei Erstdiagnose nicht größer als 5 cm war. 71 Patienten erhielten eine Radiofrequenzablation, 21 zusätzlich perkutane Ethanolinjektionen und 2 Patienten zusätzlich eine transarterielle Chemoembolisation. Von den 90 Patienten, bei denen eine segmentale Resektion des Leberherdes durchgeführt wurde, erhielten 2 Patienten zusätzlich eine perkutane Ethanolinjektion. Untersucht wurden das krankheitsfreie Überleben und die 4-Jahres-Überlebensraten. Beide Male konnte kein signifikanter Unterschied festgestellt werden. Allerdings waren schwerwiegende Komplikationen nach chirurgischer Intervention häufiger als nach Radiofrequenzablation (50 von 90 versus 3 von 71 Patienten). Die häufigsten Komplikationen nach Operation waren Aszites und persistierender Ikterus. Bei der Radiofrequenzablation wurden leichte Verbrennungen der Haut und temporäres Fieber beobachtet.

GfBK-Kommentar: Auf der Hyperthermie basieren neue Behandlungsmethoden mit extrem hohen Temperaturen. Durch perkutanes Einführen von Sonden können Lebertumoren regelrecht „verkocht“ werden. Diese Methode bietet mehrere Vorteile. Die Behandlung dauert nur etwa eine Stunde und kann unter lokaler Betäubung durchgeführt werden. Und wegen der geringen Belastung durch die Therapie können auch ältere oder geschwächte Patienten behandelt werden. Dass nun durch diese Studie bestätigt werden konnte, dass die Radiofrequenzablation von primären Lebertumoren durchaus eine Alternative zur Operation sein kann, bestätigt die bisherigen Erfahrungen, die auch bei Lebermetastasen gemacht werden konnten. Allerdings dürfen auch hier die Leberherde nicht größer als 5 cm sein.

Außerdem raten wir von biologischer Seite bei Lebertumoren zu einem vorbeugenden Leberschutz mit Mitteln, die der Leber bei der Entgiftung von Schadstoffen helfen und die zu ihrer Regeneration und vollen Funktionsfähigkeit beitragen. Die Entgiftungsfunktion der Leber wird insbesondere durch Präparate aus der Mariendistel oder Mittel mit dem Wirkstoff Ornithinaspartat gefördert.

 


Auslöser von Krebs

Risiko durch Vitamin E?

Eine Metaanalyse von 19 zuvor bereits veröffentlichten Vitamin E-Studien (Miller / Ann Intern Med 142, 2005) führte jüngst in der Öffentlichkeit immer wieder zu Meldungen, hoch dosiertes Vitamin E sei schädlich und nicht empfehlenswert. In diesen Studien mit teils unterschiedlicher Zielsetzung wurde der Einfluss von Vitamin E auf eine Reihe chronischer Krankheiten wie kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs, altersbedingte Augenerkrankungen, Morbus Parkinson und Morbus Alzheimer hin untersucht. Schwerpunkt der Metaanalyse war die Frage nach der Mortalität bei Personen, die Vitamin E erhielten. 18 dieser 19 Studien wiesen keinen statistisch signifikanten Anstieg der Mortalität auf. In der Mehrzahl, nämlich 11 der analysierten Studien, nahmen Patienten überwiegend im Alter von über 60 Jahren hochdosiertes Vitamin E (von den Autoren als 400 IE und mehr definiert) ein. Die Analyse der Subgruppen ergab, dass hochdosiertes Vitamin E (≥ 400 IE/Tag) die Sterblichkeit erhöht (34 zusätzliche Todesfälle auf 10.000 Personen), während Vitamin E in niedrigeren Dosierungen das Mortalitätsrisiko senkt (33 Todesfälle weniger auf 10.000 Personen).

GfBK-Kommentar: Leider wurden die Ergebnisse der Metaanalyse in der Öffentlichkeit überbewertet. Es gibt eine Reihe von Kritikpunkten und Mängeln, die die Schlussfolgerung, hoch dosiertes Vitamin E sei schädlich, fragwürdig erscheinen lassen.
So wurden für die Subgruppenanalyse laut Angaben der Gesellschaft für angewandte Vitaminforschung e.V. bestimmte statistische Modelle verwendet, die das Risiko gegenüber dem Nutzen höher bewerten. Außerdem wurden sämtliche Studien an Personengruppen durchgeführt, die unter chronischen Krankheiten litten, und eine Vielzahl von heterogenen Faktoren, wie Co-Morbiditäten, medikamentöse Begleittherapien und weitere antioxidative Supplemente konnten nachträglich nicht mehr berücksichtigt werden. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass die Mortalitätsrate in keiner der 19 Studien als Studienendpunkt vorgesehen war. Dies führt zu der Einschätzung, dass diese Metaanalyse nicht dazu beitragen kann, das klinische Wirkungspotential von Vitamin E zu untersuchen, zumal andere Metaanalysen keinen negativen Effekt von Vitamin E auf die Überlebensrate feststellen konnten und auch andere kleinere Studien die positive Wirkung von Vitamine E in der Vorbeugung von Krebserkrankungen (v. a. Prostatakrebs) bestätigen.

Verschmutzte Luft als Risikofaktor für Lungenkrebs

Schon länger werden als besonders gesundheitsgefährdend Rußpartikel eingestuft, die als Feinstaub eingeatmet werden. In einer Analyse konnte nun gezeigt werden, dass bestimmte Konzentrationen an Feinstaub mit einem maximalen Partikeldurchmesser von 10 µm oder 2,5 µm mit einem erhöhten Risiko für Adenokarzinome der Lunge assoziiert sind. Dies ergaben Berechnungen an 17 Studien mit fast 313.000 Menschen, die in zwölf unterschiedlich dicht besiedelten Regionen Europas wohnen, etwa in Oslo, London, Rom, aber auch in Umeå in Schweden und in der Region Vorarlberg (Raaschou-Nielsen O et al./ The Lancet Oncology 2013). Dabei wurde errechnet, dass im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne Feinstaubbelastung die Steigerung des relativen Risikos für Lungenkrebs 22% betrifft. Besonders besorgniserregend ist dabei die Feststellung der Autoren, dass Lungenkrebs auch unterhalb der festgelegten Grenzwerte ausgelöst werden könne. Quelle für Feinstaub sind vor allem Straßen- und Flugverkehr, Industrieanlagen und häusliche Heizanlagen.

GfBK-Kommentar: Auch wenn die Berechnungen nur annähernd stimmen sollten, so zeigt es doch die weitreichende Problematik, die dahinter steckt und die für den Einzelnen nur schwer fassbar ist, da inzwischen so viele Umweltfaktoren auf die Menschheit einwirken, dass es immer schwieriger wird, das Störungspotential genau einzukreisen. Es zeigt aber auch, dass wir viel Potential haben, um im Kleinen darauf einzuwirken: angefangen von am besten erst gar nicht Rauchen über weniger Autofahren bis hin zu einem Bewusstsein, dass man auch darauf achten kann, woher die Lebensmittel eigentlich kommen. Schließlich müssen es ja im Herbst nicht unbedingt die Äpfel aus Argentinien sein. Oftmals ist weniger eben genau das Gegenteil: nämlich mehr.

Fischöl potentiell kanzerogen?

Eine Fall-Kontrollstudie aus den U.S.A. kommt zu dem Ergebnis, dass mehrfach ungesättigte Fettsäuren die Bildung von Prostatakarzinomen fördern können (Brasky M et al./ JNCI J Natl Cancer Inst 2013). Bei der Auswertung von Daten aus der SELECT-Studie zeigte sich, dass hohe Serumspiegel von EPA, DPA und DHA – drei in fettigen Fischen enthaltenen und häufig in Nahrungsergänzungsmitteln verwendeten Omega-3-Fettsäuren – mit einem erhöhten Prostatakrebsrisiko assoziiert waren. Männer im obersten Quartil waren zu 43 Prozent häufiger an einem Prostata¬krebs erkrankt, und das Risiko auf einen aggressiven High-Grade-Tumor war um 71 Prozent erhöht.

GfBK-Kommentar: Dies ist die nicht erste Studie, die auf mögliche Risiken der lange Zeit positiv bewerteten Omega-3-Fettsäuren hinweisen. Auch andere Wissenschaftler stellen die protektive Wirkung von Fischölkapseln in Frage. So zeigte die DART-Studie, dass der Effekt bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht viel besser ist, indem der der anfängliche Nutzen nach längerer Einnahme durch eine erhöhte Schlaganfallrate und andere Komplikationen wieder aufgehoben wurde (Ness AR/Europ J Clin Nutr 2002). Auch bei den Eskimos kommt es durch ihre fischreiche Ernährung entgegen weit verbreiteter Meinung nicht zu einem erhöhten Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Ebbesson SOE et al./ Int J Circumpolar Health 2005), sondern zu einer höheren kardiovaskulären Mortalität.
Jedoch sind es meistens retrospektive Studien, bei denen die Auswertung störanfälliger ist, so dass es Studien gibt, die zu anderen Ergebnissen kommen: So senkte zum Beispiel eine fischreiche Ernährung bei Patienten mit Prostatakrebs das Sterblichkeitsrisiko um 63 Prozent (Konrad M et al. / American Journal of Clinical Nutrition 2010) und eine omega-3-haltige fettarme Diät reduzierte die Teilungsrate von Prostatakrebszellen (Aronson W et al. / Cancer Prevention Research 2011, wir berichteten).
Dass Omega-3-Fettsäuren schlechter sind als ihr Ruf, könnte vor allem daran liegen, dass DHA und EPA aufgrund ihrer ungesättigten Doppelbindungen sehr oxidationsempfindlich sind und damit auch potentiell kanzerogen wirken können. Bei Omega-3-Fettsäure-reichen Ölen ist es daher (z. B. Leinöl, Hanföl, Rapsöl, Walnußöl) besonders wichtig, diese nicht zu hell, zu warm oder zu lange zu lagern oder sie sogar zum Braten zu verwenden; denn dies erzeugt wiederum krebserregende Stoffe, wie zum Beispiel Lipidperoxide.

Milchkonsum erhöht das Fraktur- und Sterberisiko

Die günstige Wirkung von Milch auf die Knochen, die durch ihren hohen Gehalt an Kalzium vor einer Osteoporose im Alter schützen soll, stellt eine Kohorten-Studie aus Schweden infrage, in der 61.433 Frauen und 45.339 Männer Ernährungsfragebögen beantwortet haben und 11 Jahre lang nachbeobachtet wurden.
Den Ergebnissen der Studie zufolge könnte ein hoher Milchkonsum sogar das Risiko von osteoporotischen Frakturen erhöhen (Michaëlsson K et al./ BMJ 2014). Für jedes tägliche Glas Milch nahm das Frakturrisiko um 2 Prozent zu; bei den Hüftfrakturen betrug der Anstieg 9 Prozent. Bei den Männern, die eher seltener an einer Osteoporose erkranken, war das Knochenbruchrisiko dagegen nicht signifikant erhöht.
Außerdem erhöhte der Milchkonsum die Mortalitätsrate: In der Gruppe der Frauen, die weniger als ein Glas Milch pro Trag tranken, starben pro Jahr 10,7 von 1000 Teilnehmerinnen. Bei den Frauen, die pro Tag ein bis zwei Gläser Milch tranken, waren es 12,6. In der Gruppe, die zwei bis drei Gläser tranken, waren es 15,4. In der Gruppe mit dem höchsten Milchkonsum (mindestens drei Gläser beziehungsweise 600 Milliliter pro Tag) gab es pro Jahr 17,7 Todesfälle von 1000 Teilnehmerinnen. Für die Gesamtsterblichkeit ermittelten die Autoren der Studie einen Anstieg für Frauen um 15 Prozent und für Männer um drei Prozent pro Glas Milch (etwa 200 ml).
Dass der Milchkonsum mit einer erhöhten Mortalität assoziiert war, führen die Autoren auf eine oxidative Wirkung von Galaktose zurück. Dabei berufen sich die Autoren auf tierexperimentelle Studien und eigene Untersuchungen, in denen gezeigt wurde, dass Galaktose schon in geringen Mengen Entzündungsreaktionen fördere und Alterungsprozesse beschleunigen kann (Parameshwaran K et al. / Rejuvenation Res 2010 und Hao L et al. / Neurosci Lett 2014). Dieser mögliche Zusammenhang wurde in der Studie auch dadurch bestätigt, dass der Verzehr von vergärten Milchprodukten, wie z.B. Joghurt und Käse, die nur einen geringen Anteil an Galaktose enthalten, nicht mit einer erhöhten Sterblichkeit und dem vermehrten Auftreten von Frakturen assoziiert war.

GfBK-Kommentar: Diese Studie ist nicht die erste, die zeigt, dass Milchkonsum keinen schützenden Effekt auf die Entwicklung einer Osteoporose ausübt. Bereits im Jahr 2013 war in der Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-up Study aus den U.S.A. kein positiver Effekt auf die Knochendichte nachweisbar, wenn Frauen in der Kindheit und Jugend regelmäßig Milchprodukte verzehrten (Feskanich D / JAMA Pediatr. 2014). Dies würde auch die Beobachtung erklären, warum Asiaten mit ihrer traditionellen Ernährung kaum Osteoporose kennen und ihren Kalziumbedarf mit pflanzlicher Ernährung und vor allem mit Sesam decken.
Außerdem haben sich die Zusammensetzung und damit die Qualität der Milch in den letzen Jahrzehnten stark verändert. Während vor 60 Jahren eine Kuh bis zu 10 Liter Milch gab, produzieren die heutigen Hochleistungs-Milchkühe täglich bis zu 50 Liter Milch. Untersuchungen zeigen auch, dass Milch aus industrieller Milchproduktion (d. h. ca. 95% der gekauften Milch!!) hormonaktive Östrogenderivate enthält (Milksymposium, Harvard study: Pasteurized milk from industrial dairies linked to cancer, 2/2012). Forscher der Harvard-Universität weisen darauf hin, dass die geänderte hormonelle Zusammensetzung der Milch dazu führen könnte, dass das Risiko für Eierstockkrebs und andere hormonbezogene Krebsarten erhöht wird. Dass diese Auswirkungen sehr wahrscheinlich sind, zeigen mehrere Studien. So wurde in einer Studie an 25.892 Norwegerinnen festgestellt, dass das Brustkrebsrisiko von Frauen, die täglich mehr als 750 ml Vollmilch konsumierten, im Vergleich zu Frauen mit einem Konsum von weniger als 150 ml Vollmilch um 191 % höher war (Gaard et al. / Int J Cancer 1995). Diesen Zusammenhang bestätigt auch eine groß angelegte Studie (Ganmaa D, Sato A / Med Hypotheses 2005), in der die Ernährungsgewohnheiten von 40 Ländern in Augenschein genommen wurden. Es zeigte sich eine stark positive Korrelation zwischen dem Konsum von Milch, Fleisch und der Brustkrebsinzidenz. Insofern möchten wir die gängige Praxis, Milch zur Vorbeugung von Osteoprorose zu empfehlen, deutlich infrage stellen. Wir empfehlen, lieber zu pflanzlichen „Milch-Alternativen“ zu greifen, die es in unterschiedlichsten und schmackhaften Varianten gibt, wie z.B. Hafer-, Dinkel-, Mandel-, Reis-, oder Sojamilch. Viel Kalzium steckt übrigens auch in grünem Gemüse, Blattsalaten und Kräutern.

Schützt viel Sonne vor Melanomen?

Wer viel in der Sonne ist, hat ein geringeres Melanomrisiko. Diese Aussage mag manchem in Anbetracht des Zusammenhanges von UV-Exposition und Hautkrebs paradox erscheinen. Doch die Problematik ist bei genauerem Hinsehen wohl doch komplexer. Zumindest zeigen dies die Studiendaten von Dermatologen der Unikliniken Ulm und Dresden, die in einer Fall-Kontroll-Studie 291 Melanompatienten, 212 Basalzellkarzinompatienten sowie knapp 330 Patienten ohne dermatologische Erkrankungen (Kontrollgruppe) nach ihrer Sonnenexposition und einer weiteren Risikofaktoren befragt haben (Kaskel P et al./ JEADV 2014).
Nach Auswertung der Patientendaten scheint eine chronische Sonnenexposition mit einem geringeren Melanomrisiko einherzugehen, während eine sporadische Bestrahlung – also etwa ein Badeurlaub mit weißer Haut – das Melanomrisiko erhöht. Vor allem Sonnenbrände in der Kindheit erhöhen das Melanomrisiko (um 84%). Bezeichnend war außerdem, dass sich Patienten ohne Melanom vor 20 Jahren viel häufiger im Freien bewegten als Melanomkranke. Und auch in der Kindheit waren die Patienten ohne Melanom viel häufiger draußen gewesen. Bergwandern in der Kindheit geht zum Beispiel nach den Berechnungen der Forscher mit einem etwa 70% geringeren Melanomrisiko einher.
So gar nicht ins Bild passt da schon eher das in derselben Studie gezeigte um 90 Prozent reduzierte Melanomrisiko durch häufigen Solariumbesuch, da es andere eindeutige Studiendaten gibt, die ein erhöhtes Melanomrisiko ergaben.
Ein reduziertes Melanomrisiko ließ sich aus den Patientenangaben für einen dunklen Hauttyp und Träger brauner Augen bestätigen. Erstaunlich ist auch ein 65% reduziertes Risiko für Patienten mit einer Atopie. Die Autoren um Huber vermuten bei der Atopie krebshemmende Effekte einer gesteigerten Mastzellaktivität. Kein erhöhtes Risiko für Melanome hingegen ergibt sich für Vollzeitbauern.
Ganz anders sieht es bei Basalzellkarzinomen aus, die durch langjährige Sonnenexposition vermehrt ausgelöst werden. Hier zeigen die Daten ein erhöhtes Erkrankungsrisiko, wenn sich viel im Freien aufgehalten wurde. Bei Vollzeitbauern erhöht sich dabei das Risiko, an einem Basalzellkarzinom zu erkranken bis um den Faktor vier.

GfBK-Kommentar: Interessant ist auch eine andere Aussage dieser Studie, dass nämlich der häufige Gebrauch von Sonnencreme mit einem erhöhten Melanomrisiko einhergeht. Dies könnte eine Ursache darin haben, dass durch den intensiven Gebrauch von Sonnencreme kein Vitamin D in der Haut mehr gebildet wird. Problematisch ist dies vor allem deshalb, da inzwischen zahlreiche Studien belegen, dass eine gute Versorgung mit Vitamin D vor Krebserkrankungen schützen kann. Auch in der Rezidivprophylaxe könnte das von Bedeutung sein. So zeigte eine Untersuchung an 872 Hautkrebspatienten, dass bei höheren Vitamin-D-Werten dünnere Tumore, ein geringeres Rückfallrisiko und ein verbessertes Gesamtüberleben auftraten (Newton et al. / J Clin Oncol 2009).
Zusammenfassend regen die Ergebnisse dieser Studie an, unsere bisherigen Vorstellungen zu Melanomen und Sonnenexposition zu überdenken. Es lohnt sich vor allem, auch über unsere Lebensweise nachzudenken, ob wir wirklich in abgedunkelten Büros sitzen und uns mit Sonnenschutzmitteln eincremen müssen, sobald wir mal nach draußen gehen.

Endometriumkarzinom durch zu viel Limonade?

In Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 11.000 Frauen mit einem Altersgipfel zwischen 65 und 85 Jahren erstmals an einem Endometriumkarzinom. Mit circa 75 bis 80 % stellt das Typ-I-Karzinom die häufigere Variante dar, welche histologisch als endometrioides Adenokarzinom klassifiziert wird. Zu den Risikofaktoren zählt beim östrogenabhängigen Typ-I-Karzinom außer dem metabolischen Syndrom mit Adipositas die Langzeiteinnahme von Östrogenen ohne Gestagenschutz.
Etwa 10 bis 15 % der Endometriumskarzinome gehören zum Typ II, welche meistens als seröse oder klarzellige Karzinome beschrieben werden, wobei die Patientinnen mit einem Typ-II-Karzinom häufig schlank sind und nicht die typischen Risikofaktoren einer Östrogendominanz aufweisen.
Frauen nach den Wechseljahren, die häufig gesüßte Softdrinks konsumieren, erhöhen möglicherweise ihr Risiko, an einem Endometriumkarzinom vom Typ I zu erkranken, und das unabhängig von Risikofaktoren wie Rauchen, BMI und Diabetes. Dies zeigen Daten der prospektiven Iowa Womenʾs Health Study mit mehr als 23.000 Frauen, die von 1985 bis 2010 nachbeobachtet wurden, wobei sich vor allem darauf konzentriert wurde, wie viele Getränke mit und ohne Zucker, Fruchtsäfte, Süßigkeiten, Stärke und Zucker konsumiert wurden (Inoue-Choi M et al./ Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2013).
Die Auswertung ergab, dass Frauen, die angaben, mindestens viermal (bis zu 60mal) pro Woche Softdrinks zu konsumieren, im Vergleich zu Frauen, die auf solche Getränke verzichteten, ein um 72% erhöhtes Risiko für ein Typ-I-Endometriumkarzinom hatten. Die Risikoerhöhung zeigte sich jedoch nicht für Typ-II-Karzinome, so dass die Forscher annehmen, dass der übermäßige Konsum von Softdrinks zu einer Veränderung des Östrogenstatus führt und im Zusammenhang mit einer Adipositas (dem Hauptrisikofaktor für Typ-I-Karzinome) steht.

GfBK-Kommentar: Leider wird in der Studie nicht näher nach den Ursachen geforscht. So sind neben einer möglichen Triggerung des metabolischen Syndroms durch Softdrinks auch die teilweise zugesetzten Süßstoffe, z.B. Aspartam als Auslöser denkbar. So zeigte eine andere große Studie (Schernhammer ES et al./ Am J Clin Nutr. 2012), dass der Konsum von süssstoffhaltigen Softdrinks das Risiko von Leukämien bei Männern und Frauen erhöht. Dieser Effekt zeigte sich bereits ab einer Diät-Limo täglich. Im Vergleich zu Personen, die keine Diät-Limos tranken, zeigte die Auswertung ein um 42 Prozent höheres Risiko für Leukämien bei Männern und Frauen, ein um 102 Prozent höheres Risiko für multiple Myelome (Knochenmarkskrebs) bei Männern und ein um 31 Prozent höheres Risiko für Non-Hodgkin-Lymphome bei Männern. Wir sind der Ansicht, dass diese Ergebnisse in der Bevölkerung viel mehr Beachtung finden sollten.

Wie Kohlenhydrate Darmkrebs auslösen

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 23.000 Männer und 28.000 Frauen an Darmkrebs, wobei in den letzen Jahrzehnten die Erkrankungsrate in den westlichen Ländern stark zugenommen hat. Mehr als bei anderen Krebserkrankungen gelten Fehler in der Ernährung als Ursache – zu viel Fett und Fleisch, zu wenig Gemüse und Ballaststoffe. Außerdem konnten US-Forscher zeigen, dass vor allem Darmkrebs¬patienten und hier vor allem Adipöse, deren Ernährung eine hohe glykämische Last aufwies, häufiger ein Rezidiv bekamen (Meyerhardt JA et al./ JNCI 2012).
Ein Forscherteam aus Kanada konnte nun zeigen, warum eine Ernährung mit einfachen Kohlenhydraten das Darmkrebsrisiko erhöhen könnte. Und zwar produzieren Darmbakterien aus Kohlenhydraten Butyrat, das bei Mäusen die Bildung von Polypen förderte (Belcheva A et al./ Cell 2014). Die Mäusen, denen die Gene APC und MSH2 fehlen, sind anfällig für Darmkrebs, der sich meist aus Polypen bildet. Die Bildung von Darmpolypen konnte bei den Tieren sowohl durch die Gabe von Antibiotika als auch durch eine kohlenhydratarme Ernährung gesenkt werden.
Außerdem wiesen die Forscher nach, dass sich unter der kohlenhydratarmen Ernährung die Darmflora veränderte. Gerade die Bakterienpopulation, die Kohlenhydrate in Butyrat verstoffwechseln, wurde seltener nachgewiesen.

GfBK-Kommentar: Dass die Darmflora eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Krebserkrankungen und auch von Darmkrebserkrankungen hat, ist unter Naturheilkundlern nichts Neues. Umso wichtiger sind diese Ergebnisse, da sie offenkundig zeigen, dass unsere Ernährung die Verteilung der Darmbakterien beeinflusst und dies wiederum Auswirkungen hat, ob ein schützendes oder schädigendes Millieu entsteht.

Hirntumore durch Handygebrauch in ländlichen Regionen

Wer mit seinem Handy viel in ländlichen Gegenden telefoniert, ist offenbar einem erhöhten Hirntumor-Risiko ausgesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung von 1.400 Hirntumor-Patienten zwischen 20 und 80 Jahren in Schweden. Es zeigte sich, dass vor allem der Wohnort und die Art des Telefons in Zusammenhang mit der Diagnose standen. Bei Nutzern, die länger als drei Jahre ausschließlich ein Mobiltelefon benutzen, steigt demnach das Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken, im Vergleich zum innerstädtischen Handy-Telefonieren offenbar um das Dreifache (Hardell / Occupational and Environmental Medicine 2005).
Die Autoren vermuten, dass die starke Eigenstrahlung der Handys für den schädlichen Effekt verantwortlich ist. Sie liege auf dem Lande höher, weil die Sendestationen der Funknetze dort weiter auseinander stünden als in den Städten. Die Gefährdung besteht der Studie zufolge nicht für analoge Handys, sondern sie gehe von dem seit 1991 üblichen digitalen GSM-Standard aus. Die mit diesem weit verbreiteten Standard funktionierenden Handys verfügen über eingebaute Signal-Verstärker, die je nach Hersteller und Typ unterschiedlich starke Strahlung abgeben.

GfBK-Kommentar: Die Forscher aus Schweden warnen zu Recht, dass intensiver und langfristiger Gebrauch der digitalen GSM-Funknetze die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung an einem Hirntumor erhöht. Wir raten, Handys mit geringer Eigenstrahlung bevorzugt zu benutzen.

Nachtschichten verursachen Krebs

Dass Nachtschichten für ein erhöhtes Tumorrisiko verantwortlich sind, zeigte eine Auswertung von kanadischen Forschern, die die Daten einer älteren Fall-Kontroll-Studie ausgewertet haben (Parent M-E et al./Am. J. Epidemiol 2012; 176: 751-759). In dieser waren zwischen 1979 und 1985 die Teilnehmer auch zu ihrem Berufsprofil und Schichtarbeit bzw. Nachtschichten befragt worden waren. Dabei galt als Schichtarbeit, wenn die Teilnehmer insgesamt mindestens sechs Monate lang nachts zwischen ein und zwei Uhr gearbeitet hatten. Analysiert wurden die Daten von knapp 3200 Männern mit einer ersten Krebsdiagnose und von 512 gleichalten Männern ohne Krebsdiagnose.
Es fiel bei der Auswertung auf, dass Männer mit Krebs deutlich häufiger angegeben hatten, in der Vergangenheit Nachtschichten gemacht zu haben. Die Wissenschaftler errechneten nach Herausrechnung bekannter Risikofaktoren, dass Schichtarbeiter ein etwa dreifach erhöhtes Risiko für Prostatakrebs, ein 2,3-fach erhöhtes Risiko für Non-Hodgkin-Lymphome und Pankreaskarzinome, ein doppelt so hohes Risiko für Kolon- und Rektalkarzinome sowie ein 1,8-fach erhöhtes Risiko für Lungen- und Blasenkrebs hatten. Dagegen schien das Risiko für Magen-, Leber- und Ösophagustumoren sowie Melanome nicht oder nur geringfügig erhöht zu sein.
Paradox war jedoch die Beobachtung, dass das Tumorrisiko nicht steigt, je länger Nachtschichten gemacht wurden. Dies lies für die Autoren den Schluss zu, dass möglicherweise andere Faktoren die Ergebnisse verzerrt haben könnten.

GfBK-Kommentar: Schichtarbeit kann eine karzinogene Wirkung haben. Dieser Zusammenhang ist nicht neu, weshalb in Dänemark Brustkrebs bei Frauen, die regelmäßig in Schichtarbeit arbeiten, als Berufskrankheit anerkannt ist. Ursächlich wird angenommen, dass durch Nachtarbeit weniger Melatonin gebildet wird. Melatonin wiederum unterdrückt das Tumorwachstum und hemmt die Produktion von Östrogenen. Ältere Untersuchungen bestätigen diesen Mechanismus: In einer prospektiven Studie (Schernhammer ES et al./J Natl Cancer Inst 2001; 93) zeigte sich, dass Wechselschichten über ein bis vierzehn Jahre mit einem erhöhten Risiko von 8% einhergingen. Bei Frauen vor den Wechseljahren erhöhte sich das Mammakarzinom-Risiko unter Wechselschichten sogar um 23%. Schernhammer konnte in einer nachfolgenden Untersuchung sogar nachweisen, dass Nachtschwestern deutlich weniger Melatonin und mehr Brustkrebs fördernde Östrogene im Blut haben. Ein Grund mehr, auf einen ausgeglichenen Tag-Nacht-Rhythmus zu achten.

Dieselabgase lösen Krebs aus

Im Jahr 2012 hat die International Agency for Research on Cancer (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die gesundheitlichen Gefahren durch Dieselabgase neu bewertet und stuft Dieselabgase eindeutig als krebserregend ein. Grundlage sind mehr als 35 Studien, die aktuellste eine Untersuchung an Bergarbeitern (Silverman DT/J Natl Cancer Inst 2012), in denen mehrere Störfaktoren (Nikotinabusus etc.) heraus gerechnet werden konnten. Nach Angaben der IARC gilt der Zusammenhang mit der Entstehung von Lungenkrebs als nachgewiesen; ein Zusammenhang mit Blasenkrebs wird vermutet.
Zusammenfassend kann man feststellen, dass in den 35 Studien ein um bis zu um 40 Prozent höheres Lungenkrebsrisiko auftrat, im Vergleich zu Arbeitern, die sehr niedrige oder gar keine Dieselabgase eingeatmet hatten. Die Studien untersuchten neben Bergarbeitern auch Bahnarbeiter, Hafenarbeiter und LKW-Fahrer.
Auch für Brustkrebs wird ein Zusammenhang zu Autoabgasen vermutet. So konnte in einer Fall-Kontroll-Studie nachgewiesen werden, dass Brustkrebspatientinnen häufiger in Regionen mit hohen NO2-Konzentrationen in der Luft wohnen (Crouse DL/Environmental Health Perspectives 2010).

GfBK-Kommentar: Dass Dieselabgase Krebs auslösen, vermutete man schon seit 1955, weil die die Abgase polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe wie Benzo(a)pyren enthalten, die an ultrafeine Partikel gebunden bis tief in die Atemwege eindringen und dort kanzerogen wirken können. Eigentlich unvorstellbar, wie lange es braucht, bis bereits in mehreren Studien nachgewiesene Zusammenhänge zwischen dem Aufreten von Lungenkrebs und der Exposition mit Benzo(a)pyren öffentlich anerkannt werden.
Die Anzahl der potentiell Betroffenen lässt aufhorchen: So sind Schätzungen der WHO zufolge in Europa etwa drei Millionen Arbeiter regelmäßig Dieselabgasen ausgesetzt. Andere Schätzungen der Deutschen Krebsgesellschaft gehen davon aus, dass sich in Deutschland durch Rußfilter für Dieselfahrzeuge etwa 1100 bis 2200 Lungenkrebstodesfälle pro Jahr vermeiden lassen.
Dass dies nicht nur den KFZ-Verkehr, sondern auch die Abgase des Schiffsverkehrs betrifft, wurde jüngst am 11.07.2012 in der Plusminus-Sendung der ARD deutlich. Nach deren Recherchen sterben in Europa jährlich 50.000 Menschen alleine durch die Abgase aus dem Schiffsverkehr. Ein Beispiel wurde auch genannt: ein Kreuzfahrtschiff stößt so viel Schwefeldioxid aus wie 376 Millionen Autos. Auf Nord- und Ostsee stößt allein der Schiffsverkehr, obwohl dort schärfere Grenzwerte gelten, pro Jahr 1,5 Millionen Tonnen Stick- und Schwefeloxide aus. Das ist fast so viel, wie jährlich von allen Haushalten, der Industrie und dem Straßenverkehr auf dem deutschen Festland verursacht wird!


Chemotherapie

Palliative Chemotherapie kann schaden

In einer prospektiven Studie des Weill Cornell Medical College in New York wurden zwischen 2002 und 2008 insgesamt 661 Patienten mit metastasierten Karzinomen unterschiedlicher Organe, deren Lebenserwartung die Ärzte auf maximal sechs Monate einstuften, untersucht (Prigerson HG et al. / JAMA 2015). Dabei wurde der Allgemeinzustand bestimmt und gefragt, ob die Patienten eine palliative Chemotherapie durchführten. Kurz nach dem Tod wurden die engsten Betreuer der Patienten nach der Lebensqualität der Patienten in der letzten Lebenswoche interviewt. 58% der Patienten starben noch innerhalb der Beobachtungszeit von durchschnittlich 3,8 Monaten. 50,6% der Patienten erhielten eine Chemotherapie.
Das ernüchternde Ergebnis: Die palliative Chemotherapie, die in den letzten Lebensmonaten die Lebensqualität der Patienten verbessern und eventuell die Lebensphase verlängern sollte, erreichte diese Ziele nicht. Im Gegenteil: Vor allem bei Patienten mit gutem Allgemeinzustand (ECOG 0 oder 1, das entspricht einem Karnofsky-Index von mindestens 70 Prozent) verschlechterte sich die Lebensqualität, ohne dass eine Lebensverlängerung erkennbar war.

GfBK-Kommentar: Obwohl die hier vorliegende Studie ihre Schwächen hat (Interviewbefragung zur Erfassung der Lebensqualität, keine Angaben zur Art der Chemotherapie, ältere Daten) stellt sie doch eine entscheidende Frage, ob Patienten in den letzten Wochen überhaupt zu einer Chemotherapie geraten werden sollte. Unserer Ansicht nach kann dies nur in einem intensiven und wertschätzenden Gespräch mit dem Patienten und dessen Angehörigen geklärt werden, in dem die Vor- und Nachteile einer Chemotherapie gemeinsam abgewogen werden.
Eines sollte im Rahmen dieser Studie klar geworden sein: Eine Garantie, dass eine Lebensverlängerung eintritt, gibt es nicht. Bevor die Wirksamkeit einer Chemotherapie womöglich überschätzt wird, sollte eher auf Maßnahmen aus der Palliativmedizin zurückgegriffen werden, zumal eine frühzeitig begonnene palliative Therapie in einer randomisierten Studie (Temel J / New England Journal of Medicine 2010) bei Patienten mit nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom nicht nur die Lebensqualität verbessert, sondern auch die Überlebenszeiten um mehrere Wochen verlängert hat. Eine frühzeitige palliative Begleitung unterstützen auch die Kommentatoren dieser Studie, Charles Blanke und Erik Fromme von der Oregon Health and Science University in Portland, die schreiben, dass die letzten sechs Monate eines Lebens nicht mit weitgehend ineffektiven Therapien und deren Nebenwirkungen verbracht werden sollten.

Fatigue-Syndrom: Levocarnitin hilft

Gestörte Stoffwechselprozesse infolge Chemotherapie und/oder Tumorerkrankung sind die häufigste Ursache für das Fatigue-Syndrom. Mit Carnitin, einem Aktivator des Energiestoffwechsels in den Mitochondrien, wurden 50 Patienten behandelt, die entweder eine Chemotherapie mit Cisplatin oder Ifosfamid erhielten (Graziano F et al. / Brit J Cancer 86, 2002). Alle Patienten hatten niedrige Plasma-Carnitin-Spiegel, litten unter Fatigue, waren aber nicht anämisch. Nach einer Woche täglicher Gabe von 4g Levocarnitin p.o. besserten sich die Symptome des Fatigue-Syndroms bei 45 Patienten. Dieser deutlich gebesserte Allgemeinzustand konnte bis zu Beginn des nächsten Chemotherapiezyklus aufrechterhalten werden.

GfBK-Kommentar: Bei Cisplatin und Ifosfamid, die zu einer Dysfunktion des Carnitin-Systems mit erniedrigten Plasma-Spiegeln führen, scheint Levocarnitin eine sinnvolle Maßnahme zu sein, um die Nebenwirkungen einer Chemotherapie, wie das Fatigue-Syndrom zu verringern. Inwieweit Levocarnitin bei anderen zytostatischen Therapien ebenso wirksam ist, müssen weitere plazebokontrollierte Studien zeigen.

Chemotherapie bis zum Progress bringt keine Vorteile

Eine Studie aus England hat jetzt bestätigt, dass es sinnvoll ist, eine erfolgreiche Chemotherapie nach einigen Monaten, meist 4-6 Zyklen, zu unterbrechen. Untersucht wurde dies an 354 Patienten mit fortgeschrittenen kolorektalen Tumoren (Maughan et al. / Lancet 361, 2003). Die Patienten, die eine kontinuierliche Chemotherapie erhielten, litten stärker unter den Therapienebenwirkungen als die Patienten, bei denen die Chemotherapie pausiert wurde. Das krankheitsfreie Intervall war unter kontinuierlicher Chemotherapie nur unwesentlich verkürzt (einen Monat!), und es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in der Gesamtüberlebenszeit. Bemerkenswert war auch, dass 47% der Patienten, bei denen die Therapie nach drei Monaten beendet wurde, auf eine erneute Behandlung wieder ansprachen.

GfBK-Kommentar: Diese Ergebnisse stehen im Gegensatz zu der häufig geübten Praxis, Patienten bis zum Krankheitsprogress einer Chemotherapie zu unterziehen. Der Argumentation, dass es gefährlich sei, eine wirksame Behandlung zu unterbrechen, stehen eine geringere Nebenwirkungsrate und damit bessere Lebensqualität gegenüber, ohne dass man Nachteile hinsichtlich einer Lebenszeitverlängerung riskiert.

Chemotherapie trotz schlechter Lebensqualität?

In den Niederlanden wurde bei 203 Patienten, die ambulant eine Chemotherapie erhielten, untersucht, ob die Lebensqualität eine Rolle bei der Therapieentscheidung in der palliativen Erkrankungssituation spielt (Detmar et al. / J Clin Oncol 20, 2002). Die Untersucher kamen zu einem erstaunlichen Ergebnis: Bei 70 % der Patienten, bei denen es zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der Lebensqualität gekommen war, wurde die Chemotherapie trotzdem wie geplant fortgesetzt.

GfBK-Kommentar: Das Untersuchungsergebnis deckt sich mit unserer Erfahrung, dass trotz großflächig angelegter Aufklärung über das Fatigue-Syndrom viel zu viele Patienten palliativ chemotherapiert werden, obwohl aufgrund von Therapienebenwirkungen die Lebensqualität erheblich eingeschränkt wird, so dass eine normale Lebensführung meist nicht möglich ist. Aus unserer Sicht gibt es nur eine Möglichkeit: statt dogmatisch an der Chemotherapie festzuhalten, sollte vor jeder Therapieentscheidung Raum zum Gespräch gegeben werden, um den Patienten daran teilhaben zu lassen. Und vor allem auch, um rechtzeitig entscheiden zu können, wann der Patient an der Chemotherapie und nicht an seinem Tumor zu leiden beginnt.

Elektrische Felder gegen Haarausfall wirksam?

Neuseeländische Forscher untersuchten in einer Pilotstudie mit 13 nach dem CMF-Schema behandelten Brustkrebspatientinnen den Einfluss von elektrischen Feldern auf den Haarverlust (Benjamin / Psychoncology 11, 2002). Dabei wurden mittels Plattenelektroden zweimal wöchentlich gepulste elektrische Felder zwölf Minuten lang lokal appliziert. Anhand Haarzählungen im Kamm und anhand von Fotographien wurde der Erfolg dokumentiert. Ergebnis: Zwölf der dreizehn Probanden hatten nur wenig bis gar keinen Haarverlust unter CMF-Chemotherapie. Die Autoren folgern, dass durch gepulste elektrische Felder der zytostatisch bedingte Haarverlust minimiert werden kann.

GfBK-Kommentar: Der Haarverlust unter Chemotherapie stellt für viele Patienten eine erhebliche psychische Belastung dar. Da diese Therapie mit elektrischen Feldern praktisch nebenwirkungsfrei ist und bisher nur wenige erfolg versprechende Therapien gegen zytostatisch bedingten Haarverlust existieren, sollten schnell weitere Studien mit größeren Patientenzahlen folgen, um Behandlungsstandards zu entwickeln. Bisher kann man Betroffenen nur den Rat geben, auf künstliche Tönungen bzw. Färbungen zu verzichten, hautfreundliche Pflegemittel zu verwenden und ggf. eine homöopathische Entgiftungstherapie begleitend durchzuführen.

Vitamine verringern Nebenwirkungen der Chemotherapie

In einer US-amerikanischen Studie mit 49 Brustkrebspatientinnen (Branda / Cancer 101, 2004) konnte gezeigt werden, dass bei Frauen, die Nahrungsergänzungsmittel während laufender Chemotherapie eingenommen hatten, die Neutrophilen weniger stark absanken. Dabei gaben die Patientinnen an, welche Nahrungsergänzungsmittel sie einnahmen; dies waren vor allem Präparate mit Multivitaminen, Vitamin E und Kalzium. Im Blut wurden vor und nach dem ersten Behandlungszyklus die Konzentrationen von Folsäure und Vitamin B12 und in wöchentlichen Abständen die Neutrophilenzahl bestimmt. Als Toxizitätskriterien dienten der Abfall der Neutrophilen und das Ausmaß der Mukositis. Ergebnis: Nahmen die Frauen Nahrungsergänzungsmittel ein, war der Abfall der Neutrophilen weniger stark ausgeprägt. Ein Einfluss auf die Mukositis zeigte sich nicht. Allerdings sanken bei Frauen mit hohen Folsäurespiegeln die Neutrophilen stärker ab. Die Autoren empfehlen daher, Folsäurepräparate während einer Chemotherapie zu vermeiden.

GfBK-Kommentar: Da der Bedarf Bedarf an Antioxidantien (d.h. Vitaminen und Spurenelementen) während belastender Therapien ansteigt, ist die Einnahme von Antioxidantien bei operativen Eingriffen und bei belastenden Therapien (wie z.B. Strahlentherapie oder Chemotherapie) empfehlenswert. Entgegen immer wieder getätigter Aussagen in der Presse konnte in klinischen Studien eine Beeinträchtigung der Wirksamkeit von schulmedizinischen Therapien durch Gabe von Antioxidantien nicht nachgewiesen werden.
Dass in dieser Untersuchung 71 Prozent der Frauen insgesamt 165 verschiedene Präparate einnahmen und die Beobachtung, dass bei Frauen, die relativ viel Folsäure eingenommen hatten, der Neutrophilenabfall stärker ausfiel, zeigt aber auch, wie wichtig die Abstimmung einer Nahrungsergänzungstherapie mit dem behandelnden Therapeuten ist. Studienmängel waren die unterschiedliche Einnahme von verschiedenen Vitaminpräparaten, der Vergleich mit historischen Kollektiven und die geringe Patientenzahl, so dass bessere Studiendesigns zu dieser wichtigen Thematik wünschenswert wären.

Die Tageszeit beeinflusst die Ausprägung von Chemotherapienebenwirkungen

Bei Versuchen mit Mäusen haben Wissenschaftler herausgefunden, dass die Ausprägung von Nebenwirkungen einer Chemotherapie davon abhängt, wann die Chemotherapie verabreicht wird (Gorbacheva / PNAS 102, 2005). Dazu wurde Mäusen Cyclophosphamid verabreicht. Es zeigte sich, dass dieses Zytostatikum morgens viel schlechter als am späten Nachmittag vertragen wurde. In nachfolgenden Versuchen konnte nachgewiesen werden, dass die zirkadiane Rhythmik bei der Entstehung dieser Beobachtung wohl eine wesentliche Rolle spielt. So trat bei den Mäusen, bei denen die innere Uhr durch Erbgutmanipulationen in ihrer morgendlichen Phase angehalten wurde, eine deutlich stärkere Reaktion auf die Chemotherapie auf als bei den Tieren, die auf „nachmittags“ programmiert waren.

GfBK-Kommentar: Die zirkadiane Rhythmik spielt bei der Chemotherapie eine wichtige Rolle, sowohl was die Nebenwirkungen als auch die Wirksamkeit betrifft. Ob durch diese im Tierversuch gewonnen Erkenntnisse die zytostatische Therapie verbessert werden kann, müssen weitere Forschungen insbesondere mit anderen zytostatischen Substanzen zeigen. Denn es ist zu erwarten, dass die verschiedenen Zytostatika in der optimalen Einnahmezeit stark voneinander abweichen, so dass allein aufgrund dieser Versuchsanordnung eine Übertragbarkeit auf andere Chemotherapieregime nicht möglich ist. Zukünftig sollte die Tageszeit bei der Verabreichung von Zytostatika eher berücksichtigt werden, wohl aber auch etablierte komplementäre Therapieverfahren, die die Nebenwirkungen auf biologische Art minimieren helfen.

Leukämie durch Chemotherapie

Chemotherapeutika können als Nebenwirkung eine Leukämie auslösen. Dass diese therapiebedingten akuten myeloischen Leukämien (tAML) eher selten auftreten, zeigt eine Untersuchung des US-Krebsregisters, die Daten von 426.068 Erwachsenen untersuchte, die zwischen 1975 und 2008 eine Krebschemotherapie erhalten hatten, und darunter nur 801 tAML-Diagnosen fand (Morton LM et al./ Blood 2013). Vor allem in den letzten Jahrzehnten sei das Auftreten der therapiebedingten tAML rückläufig. Vor allem betrifft dies Mammakarzinome, auf das ein Drittel aller tAML entfiel. Die Epidemiologen der Studie führen als Ursache für diesen Rückgang den Wechsel auf Cyclophosphamid-basierte Chemotherapien in den 80er Jahren an. Ähnlich sei die Situation beim Ovarialkarzinom, seitdem kein Melphalan mehr eingesetzt wird. Heute wird Melphalan vor allem zur Behandlung des Multiplen Myeloms eingesetzt, weswegen dort das Auftreten der tAML noch sehr häufig ist.
Bei anderen Krebserkrankungen wie zum Beispiel dem Non-Hodgkin-Lymphom ist es zu einem Anstieg gekommen, da sich hier die Prognose der Patienten verbessert hat und die Wahrscheinlichkeit größer geworden ist, eine tAML noch zu erleben. Auch bei Ösophagus-, Anal-, Zervix-, Endometrium- und Prostatakarzinomen tritt die tAML häufiger auf. Verantwortlich hierfür ist der immer häufiger werdende Einsatz von Chemotherapien.

GfBK-Kommentar: In dieser Studie wird auch erwähnt, dass das Risiko, an tAML zu erkranken, nicht immer auf die ersten 10 Jahre nach der Diagnose beschränkt sei. Vor allem bei Hodgkin-Lymphomen, Non-Hodgkin-Lymphom und multiplen Myelomen muss auch später noch mit dem Auftreten einer tAML gerechnet werden, wobei das Risiko mit der Dosis und der Dauer der Chemotherapie ansteigt. Für die Patienten nur ein schwacher Trost, da gerade diese Tumorarten am ehesten auf eine Chemotherapie ansprechen. Bei allen anderen vor allem fortgeschrittenen Tumorarten kann man hieraus die Überlegung ziehen, dass auch hier weniger Chemotherapie mehr ist. Wenn man berücksichtigt, dass besonders bei fortgeschrittenen Tumoren Patienten nicht immer darüber informiert werden, dass die meisten Krebserkrankungen durch eine Chemotherapie nicht geheilt werden können (Weeks JC et al./N Engl J Med. 2012), sind die Ergebnisse zu Langzeitfolgen besonders brisant.

Fischöl während Chemotherapie - Kontrovers

Forscher aus Amsterdam warnen aufgrund eigener Forschungsergebnisse vor einem unbedachten Umgang mit Fischölen während Chemotherapie (Daenen L/JAMA Oncology 2015), da der Konsum von fetthaltigen Fischen oder die Gabe von Fischöl-Kapseln den Effekt bestimmter Chemotherapien abschwächen könnte. Grundlage für diesen Warnhinweis sind in-vitro Daten am Mausmodell, anhand derer gezeigt wurde, dass Therapien mit Cisplatin, Oxaliplatin oder Irinotecan durch die Öle unwirksam wurden. Bereits kleine Mengen der Omega-3-Fettsäuren sollen dabei die Proliferation von speziellen Makrophagen aus der Milz anregen, die sogenannte Lysophospholopide sezernieren, die wiederum die Wirkung der Therapie aufheben sollen. Da Fischöle den Therapieeffekt möglicherweise beeinflussen könnten, empfehlen die Forscher zumindest an den Chemotherapietagen auf den Konsum zu verzichten.

GfBK-Kommentar: Ob Daten aus dem Mausmodell wirklich dafür ausreichen, zu belegen, dass Omega-3-Fettsäuren die Wirkung einer Chemotherapie abschwächen können, muss bezweifelt werden. Hier werden zwei Dinge zusammengerührt, von denen wir gar nicht wissen, ob sie so zusammengehören: Mögliche Beeinträchtigung einer Chemotherapie durch einzelne in Fischöl enthaltene Fettsäuren im Mäusemodell plus Erreichen entsprechender Spiegel bei vielen Krebspatienten.
Wie bei jedem anderen Tierexperiment sollte man auch hier fragen: Trifft das Mäusemodell auch für den Menschen zu? Selbst wenn es zuträfe, ist der Schaden dann größer als der Nutzen?
Immerhin gibt es Ergebnisse aus klinischen Studien, die zu anderen Ergebnissen kommen: So konnte bei Prostata-Ca-Patienten gezeigt werden, dass zusätzliche Fischöl-Supplemente die Teilungsrate der malignen Zellen hemmen (Aronson WJ/Cancer Prevention Research 2011) und dass eine fischreiche Ernährung das Sterblichkeitsrisiko um 63 Prozent senken konnte (Konrad M/American Journal of Clinical Nutrition 2010).
Widersprüchlich sind da allerdings die Ergebnisse einer Fall-Kontrollstudie, in der mehrfach ungesättigte Fettsäuren die Bildung von Prostatakarzinomen eher gefördert haben (Brasky M/JNCI J Natl Cancer Inst 2013).
Eines sollte in der Diskussion um Fischöle klar sein: Dass Omega-3-Fettsäuren potentiell kanzerogen wirken können, könnte vor allem daran liegen, dass DHA und EPA aufgrund ihrer ungesättigten Doppelbindungen sehr oxidationsempfindlich sind. Bei Omega-3-Fettsäure-reichen Ölen ist es daher (z. B. Leinöl, Hanföl, Rapsöl, Walnußöl) besonders wichtig, diese nicht zu hell, zu warm oder zu lange zu lagern oder sie sogar zum Braten zu verwenden; denn dies erzeugt wiederum krebserregende Stoffe, wie zum Beispiel Lipidperoxide. Hier zeigt sich wieder einmal, wie wichtig eine korrekte Verwendung und eine gute Qualität sind. Ferner ist für eine regelmäßige und ausreichende Zufuhr von Antioxidantien zu sorgen, da ansonsten die unerwünschte Oxidation der ungesättigten Fettsäuren auch im Körper geschieht.

Palliative Chemotherapie – eher Schaden als Nutzen?

Ob eine palliative Chemotherapie einen Nutzen hat, untersuchten US-amerikanische Forscher mithilfe der "Coping with Cancer"-Studie (Wright AA/ BMJ 2014). Dazu wurden die Daten von 386 Krebspatienten ausgewertet, die zwischen 2002 und 2008 in die Studie aufgenommen worden und im Verlauf gestorben waren. Alle Patienten hatten eine metastasierte Erkrankung, und bei allen prognostizierten die behandelnden Ärzte eine Lebenserwartung von noch maximal einem halben Jahr.
Bei Aufnahme in die Studie erhielten insgesamt 56 Prozent der Patienten eine palliative Chemotherapie. Zwei Wochen vor dem Tod waren es nur 6,2 Prozent, vier Wochen vor dem Tod waren es zwischen 20 und 50 Prozent; und acht Wochen vor dem Tod waren es sogar 62 Prozent der Patienten, die eine Chemotherapie erhielten.
Die chemotherapeutisch behandelten Patienten gestanden sich mit 35 im Vergleich zu knapp 50 Prozent deutlich weniger häufig ein, unheilbar krank zu sein. Nur 37 Prozent gaben an, dass sie mit ihren Ärzten darüber gesprochen hätten, wie sie sich ihr Lebensende wünschten. Bei Patienten ohne palliative Chemotherapie war das dagegen bei fast jedem Zweiten der Fall.
Schließlich starben wesentlich mehr Patienten mit Chemotherapie während des Aufenthaltes auf einer Intensivstation (11 versus 2 Prozent) und weniger zu Hause (47 versus 66 Prozent).
Außerdem ging es den Patienten mit Chemotherapie am Lebensende deutlich schlechter als den Patienten ohne Chemotherapie. So waren in der letzten Lebenswoche bei den Patienten mit Chemotherapie häufiger Reanimationsmaßnahmen, Beatmungen oder beides erforderlich (14 versus 2 Prozent). Und: Deutlich mehr Chemotherapiepatienten brauchten eine Ernährungssonde (11 versus 5 Prozent). Schließlich wurden in der Chemotherapie-Gruppe mehr Patienten erst sehr spät - nämlich in der letzten Lebenswoche - an Hospizeinrichtungen überwiesen (54 versus 37 Prozent). Hinzu kommt, dass Patienten mit palliativer Chemotherapie nicht länger als Patienten ohne palliative Chemotherapie lebten.

GfBK-Kommentar: Dass eine Chemotherapie am Ende des Lebens keine Überlebensverlängerung bewirkt, sondern die Wahrscheinlichkeit erhöht, auf einer Intensivstation zu versterben, macht diese Studie deutlich. Auch eine andere US-amerikanische Studie kam an mehr als 25.000 Patienten mit Pankreas-Karzinom zu dem Ergebnis, dass im ungünstigsten Fall die zusätzlich gewonnene Zeit ausschließlich im Krankenhaus verbracht wird (Boyd CA/ Annals of Surgical Oncology 2012).
Diese Ergebnisse unterstreichen das Kommunikationsdefizit über den reellen Nicht-Nutzen einer palliativen Chemotherapie. So wissen die meisten Patienten nicht, dass eine Heilung nicht mehr möglich ist. Viele Onkologen scheuen das Gespräch über das Lebensende und verfallen lieber in Aktionismus als darüber aufzuklären, was sich mit einer palliativen Chemotherapie überhaupt noch erreichen lässt und nachzufragen, was die konkreten Wünsche der Patienten sind. So betonen die Autoren dieser Studie angesichts der Ergebnisse, dass „auch wenn es schwierig sei, die Patienten danach zu fragen, wo und wie sie sterben wollen, dieses Gespräch geführt werden müsse”.

Intraperitoneale Chemotherapie verbessert bei Ovarialkarzinom die Behandlungsergebnisse

Erfolgt zusätzlich zur intravenösen Gabe von Paclitaxel auch eine intraperitoneale Gabe von Paclitaxel und Cisplatin, kann die progressionsreie Zeit um mehr als fünf auf fast 24 Monate und das Gesamtüberleben um fast 16 Monate auf fast 66 Monate verlängert werden. Diese Ergebnisse zeigte eine US-amerikanische Studie mit 429 Ovarialkarzinompatientinnen (Armstrong / N Engl J Med 2006), bei denen nach erfolgter Operation noch ein Resttumor von maximal einem Zentimeter verblieben war. Verglichen wurden die Erfolge der intraperitonealen Therapie mit einer Verumgruppe, in denen die Frauen nur intravenös Paclitaxel und Cisplatin erhielten.

GfBK-Kommentar: Die Ergebnisse dieser Untersuchung geben Anlass, die bisherige Praxis einer rein intravenösen Verabreichungsform bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom zu überdenken. Allerdings ist die intraperitoneale Gabe aufwendiger und wird in Deutschland nur von wenigen Zentren qualifiziert durchgeführt. Leider wurde in dieser Studie nicht untersucht, ob Frauen auch von einer rein intraperitonealen Gabe (ohne intravenöses Paclitaxel) profitieren. Insbesondere sollte in weiteren Untersuchungen geprüft werden, ob auch Frauen mit größeren Resttumoren von der intraperitonealen Gabe profitieren. Durch den zusätzlichen Einsatz der Hyperthermie dürfte sich der beobachtete Behandlungserfolg noch optimieren lassen, da Hyperthermie die Wirkung von Zytostatika verstärkt und die Chemotherapieresistenz verringert.

Therapiepausen während Chemotherapie

In einer groß angelegten Studie bei Patienten mit fortgeschrittenem Darmkrebs wurde u.a. auch die Möglichkeit einer intermittierenden Therapie untersucht (OPTIMOX). So konnte man in der ersten Studie (OPTIMOX 1) bereits zeigen, dass Patienten ohne Einbuße an Effektivität nach sechs Zyklen FOLFOX auf eine Oxaliplatin-freie Therapie mit 5-FU/FS umgestellt werden können. In OPTIMOX 2 wurde nach sechs Zyklen FOLFOX sogar eine völlige Therapiepause eingelegt. Die Effektivität wurde dadurch nicht beeinträchtigt: Die Zeit der Tumorkontrolle war mit 11,7 Monaten ähnlich lang wie im Vergleichsarm mit der OPTIMOX1-Strategie (12,9 Monate); auch die Ansprechraten und die mediane Überlebenszeit waren vergleichbar.

GfBK-Kommentar: Eine Untersuchung, die endlich den Wunsch des Patienten nach Therapiepausen bestärkt, um sich von therapiebedingten Nebenwirkungen zu erholen und die Lebensqualität zu verbessern. Denn Chemotherapiepausen bei fortgeschrittenem Darmkrebs sind möglich und haben keinen Einfluss auf die Ansprechrate und das Überleben. Dieses Vorgehen sollte daher allen Patienten, die nicht unter einer kurativen Zielsetzung chemotherapiert werden, angeboten werden. Es ermöglicht neben längeren Erholungsphasen für die Patienten auch die Chance auf eine weitere Therapieoption, da die Patienten auch nach längerer Therapiepause erneut mit einem Ansprechen auf die Chemotherapie rechnen können.

Antioxidantien während Chemotherapie?

Eine Auswertung mehrerer randomisiert durchgeführter Studien, die Antioxidantien während Chemotherapien eingesetzt hatten, zeigte den Nutzen einer Therapie mit Antioxidantien (Keith / Cancer Treatment Reviews 2007). Hierbei wurden insgesamt 19 Studien mit mehr als 1554 Krebspatienten einbezogen, bei denen der Einfluss auf den Tumor und/oder die Überlebensraten dokumentiert waren. In den untersuchten Studien wurde die Wirksamkeit verschiedenster Antioxidantien untersucht, darunter Glutathion, Melatonin, Vitamin A, N-Acetylcystein, Vitamin E und Vitaminkombinationen. Die Ergebnisse zeigten, dass Antioxidantien die Wirksamkeit einer Chemotherapie nicht beeinträchtigten und in einigen Fällen die Wirkung der Chemotherapie sogar noch verbessern halfen. Außerdem vertrugen die Patienten die Chemotherapie mit Antioxidantien besser als die Patienten, die keine Antioxidantien erhalten hatten.

GfBK-Kommentar: Die von vielen Schulmedizinern pauschale Ablehnung von Antioxidantien ist in Anbetracht dieser Studienergebnisse nicht nachvollziehbar. So gibt es bezüglich dieser kontrovers diskutierten Thematik einen weiteren interessanten Übersichtsartikel, in dem gezeigt wurde, dass wahrscheinlich der Stoffwechsel der Tumorzelle über die antioxidative oder oxidative Wirkung eines Antioxidans mitentscheidet (Sagar / Focus on Alternative and Complementary Therapies 2004). Es kann daher nicht pauschal gefolgert werde, dass die antioxidative Wirkung von Vitaminen der Wirkung einer Chemotherapie oder Strahlentherapie entgegenwirkt. So weiß man durch Studien, dass z.B. durch die Gabe von Selen gesunde Zellen vor Strahlung geschützt, Tumorzellen hingegen strahlensensibler werden.
Wir können daher der Empfehlung nicht folgen, unter laufender Therapie keine Antioxidanzien einzunehmen. Vorsicht gegeben ist lediglich bei der Einnahme von hochdosierten Gaben von Vitamin B12 aber auch Folsäure während laufender Chemotherapie, da Vitamin B12 und Folsäure an Zellteilungsprozessen beteiligt sind und dadurch sich schnell teilende Zellen, wie z.B. Blutzellen oder Krebszellen unterstützen kann. In den hier in Deutschland erhältlichen Nahrungsergänzungspräparaten sind Vitamin B12 und Folsäure aber meist nur in niedrigen Dosierungen enthalten. Unterstützt werden sollte die Gabe von Vitaminen außerdem durch eine vitalstoffreiche Ernährung bevorzugt mit Vollkorngetreide und -produkte (nicht zu grob!); Rohkost (in kleinen Mengen); Biogemüse; naturbelassene pflanzliche Öle und Fette (insbesondere Olivenöl und Leinöl).

Vitamin E lindert Neurotoxizität

Eine neuroprotektive Wirkung von Vitamin E konnte vor allem bei Cisplatingaben festgestellt werden. In einer randomisierten Studie mit 32 Patienten wurde untersucht, inwieweit Vitamin E auch unter Taxol neuroprotektiv wirksam ist (Argyriou / J Pain Symptom Manage 2006). Dazu erhielten die Patienten entweder ausschließlich eine taxolhaltige Chemotherapie oder zusätzlich 2 x täglich 300 mg Vitamin E. Um den Therapieeffekt zu überprüfen, wurde während und drei Monate nach der Chemotherapie neurologische Untersuchungen durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass bei den Patienten, die täglich 600 mg Vitamin E erhielten, deutlich weniger periphere Neuropathien als im Placeboarm auftraten (18,7 versus 62,5%).

GfBK-Kommentar: Bestimmte Chemotherapeutika (z.B. Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin, Taxol, Taxotere) können eine Polyneuropathie auslösen, die die Lebensqualität der Betroffenen bis hin zu stechenden Schmerzen erheblich einschränken können. In der Schulmedizin werden zur Behandlung von Polyneuropathien vor allem Schmerzmittel, aber auch Antidepressiva und Antikonvulsiva eingesetzt, die wiederum ihre Nebenwirkungen haben. Umso erfreulicher sind die Ergebnisse dieser Studie mit Vitamin E einzuschätzen, da effektive Therapieoptionen zur Behandlung der zytostatika-induzierten Polyneuropathie bisher kaum zur Verfügung stehen. In der komplementären Medizin haben einige Ärzte ebenfalls gute Erfahrungen mit der Anwendung von Magnesium, B-Vitaminkomplex, L-Carnitin und alpha-Liponsäure gemacht. Diese können je nach Ausprägung der Beschwerden auch miteinander kombiniert werden. Eine große Bedeutung haben auch krankengymnastische Maßnahmen, z.B. Massagen und Wechselbäder. Und schließlich kann auch die lokale Anwendung eines Peelings schmerzlindernd sein.

Orale Leukoplakie: Chemoprävention mit Tee-Extrakt

Ein Extrakt aus grünem Tee hat in einer klinischen Phase-II-Studie die Remission einer oralen Leukoplakie begünstigt und die Zeit bis zum Auftreten eines Mundbodenkarzinoms verzögert. Dies berichten US-Forscher (Tsao et al. / Cancer Prevention Research 2009), die 41 Patienten über 12 Wochen mit dem Extrakt in drei unterschiedlichen Dosierungen oder mit Placebo behandelt haben. Die in dem Getränk enthaltenen Polyphenole hatten bereits in zahlreichen präklinischen Studien eine Karzinogenese verhindert, weshalb die Forscher nun eine klinische Prüfung durchführten, um die optimale Dosis beim Menschen zu ermitteln. Gleichzeitig lieferte die Studie erste Hinweise auf eine Wirksamkeit des Extrakts: Bei 58,8 Prozent der Teilnehmer kam es (ab einer Dosis von 500 mg/m2) zu Remissionen der Leukoplakie, was im Placeboarm nur bei 18,2 Prozent der Fall war. Auch die Histologie der Läsionen (sie wurden vor und nach der 12-wöchigen Therapie biopsiert) besserte sich bei 21,4 Prozent gegenüber 9,1 Prozent in der Placebogruppe.

GfBK-Kommentar: Die weißen, nicht abwischbaren Effloreszenzen auf der Mundschleimhaut, die als orale Leukoplakie bezeichnet werden, sind zumeist Folge eines langjährigen Alkohol- und Nikotinabusus. Sie bilden den Boden für ein späteres Karzinom und sind schwer zu behandeln. Umso erfreulicher, dass sich jetzt erste Hinweise auf die Wirksamkeit von Grünem Tee auf diese Krebsvorstufe gezeigt haben. Weitere klinische Studien müssen nun folgen. Der wichtigste Ratschlag, den Genussmittelkonsum von Alkohol und Zigaretten auf grünen Tee umzustellen, kann man aber jedem betroffnen Patienten schon jetzt empfehlen.

Ingwer gegen Brechreiz

Eine Studie aus Neu-Dehli untersuchte den Einfluss von Ingwer gegen Brechreiz und Erbrechen während zytostatischer Therapie bei Kindern und Jugendlichen (Pillai AK / Pediatr Blood Cancer 2011). Dabei wurden 31 Kinder und Jugendliche im Alter von 8-18 Jahren, die wegen malignem Osteosarkom mit Cisplatin und Doxorubicin behandelt wurden, eingeschlossen. Zusätzlich zur Basis-Prophylaxe mit Ondansetron und Dexamethason erhielten die Patienten entweder Ingwerpulver oder Stärkepulver (als Placebo). Bei Patienten, die weniger als 40 kg wogen, betrug die tägliche Dosis 1 g; bei Patienten mit mehr als 40 kg Körpergewicht 2 g. Die Tagesdosis wurde am Tag 1-3 nach Chemotherapie verabreicht und auf drei Einzelportionen am Tag verteilt.
Ergebnis: „Akuter" Brechreiz unmittelbar nach der Chemotherapie trat bei 56 versus 95 Prozent (Verum versus Placebo) auf und „verzögerter" Brechreiz bei 26 versus 73 Prozent der Patienten. „Akutes" Erbrechen trat bei 33 versus 77 Prozent auf und „verzögertes" Erbrechen bei 15 versus 47 Prozent der Patienten auf. Damit zeigte sich ein deutlicher Vorteil der Gabe von Ingwerpulver zusätzlich zur antiemetogenen Standardmedikation.

GfBK-Kommentar: Dass Ingwer bei Brechreiz wirkungsvoll ist, ist schon seit längerem bekannt. Die Ergebnisse von bisherigen Studien zu diesem Thema waren jedoch teilweise widersprüchlich, so dass mit dieser Studie nun erneut der Nutzen von Ingwer zur Emesis-Prophylaxe während Chemotherapie bei Kindern und Jugendlichen bestätigt werden konnte.

Metronomische Chemotherapie als ernst zu nehmende Option

Ein französisches Team untersuchte, ob eine sogenannte metronomische Chemotherapie als palliative Behandlungsoption wirksam ist. Eine metronomische Chemotherapie ist eine häufige, oft tägliche Gabe einer niedrig dosierten Chemotherapie. In einer kleinen Studie mit 88 Patienten wurde diese in ihrer Wirksamkeit mit der Gabe von Megestrolacetat verglichen (Penel N/Brit J Cancer 2010). Dabei erhielt die eine Hälfte der Patienten oral metronomisches Cyclophosphamid (50 mg zweimal täglich), die andere Megestrolacetat (160 mg täglich). Zu Beginn wurde als Voraussetzung für eine Wirksamkeit festgelegt, dass mindestens fünf von 44 Patienten nach zwei Monaten progressionsfrei sein sollten.
Ergebnis: Der metronomische Arm erreichte die progressionsfreie Rate nach zwei Monaten (9 von 44 Patienten waren progressionsfrei); nach vier Monaten waren 5 von 44 Patienten progressionsfrei. Der Megestrolacetat-Arm erreichte dieses Ziel nicht (4 von 44 nach zwei und 1 von 44 Patienten nach vier Monaten). Das mediane Gesamtüberleben betrug unter metronomischem Cyclophosphamid 195, unter Megestrolacetat 144 Tage. Zwei Patienten in jeder Gruppe (4%) erlitten Nebenwirkungen vom Grad 3 oder 4. Im Megestrolacetat-Arm kam es zu einem Todesfall durch Thrombose.

GfBK-Kommentar: Diese Studie bestätigt die von Therapeuten und in anderen Studien gemachte Erfahrung, dass eine niedrig dosierte metronomische Chemotherapie in der palliativen Therapie sinnvoll eingesetzt werden kann. Im Gegensatz zu herkömmlichen Chemotherapien richtet sich die metronomische Chemotherapie nicht nur gegen den Tumor selbst, sondern vor allem gegen die Wechselwirkung zwischen Tumor und dem umgebenden Gewebe, in dem durch entzündliche Reaktionen und Förderung der Angiogenese das Tumorwachstum aufrechterhalten wird. So werden z.B. durch eine metronomische Chemotherapie Gegenspieler des Gefäßwachstumsfaktors VEGF hochreguliert und regulatorische T-Zellen, die bei Tumoren häufig stark vermehrt sind, vermindert. Auch völlig andere Wirkstoffe werden inzwischen von erfahrenen Therapeuten in die metronomische Chemotherapie integriert, so z.B. die Gabe von COX-2-Hemmern, Glucocorticoiden und Interferon-a. Mit diesen ursprünglich für andere Indikationen zugelassenen Substanzen erhofft man sich vor allem, die Entzündungsreaktion, den programmierten Zelltod (Apoptose) und die Redifferenzierung entarteter Tumorzellen beeinflussen zu können. Da es bisher keine randomisierten Studien mit großen Teilnehmerzahlen zu dieser interessanten Therapieform gibt, wären weitere Untersuchungen wünschenswert.


Operation

Fischöl intravenös ist günstig nach OP

Ob Omega-3-Fettsäuren immunologisch günstig wirken, wenn sie intravenös in Form von Fischöl bei Patienten mit gastrointestinalen Tumoren nach einer Operation gegeben wurden, untersuchte eine randomisierte Studie. Dabei erhielten 103 Patienten als Kontrollgruppe postoperativ Infusionen mit Sojaöl, während in der Interventionsgruppe (100 Teilnehmer) 0,2 g Fischöl und 1,0 g Sojaöl (insgesamt ω-3-FS/ω-6-FS: 1:3) über jeweils 7 Tage gegeben wurden (Jiang et al. / Brit J Surg 2010). Als primäre Zielparameter wurden die Anzahl an postoperativen infektiösen Komplikationen und das Auftreten eines systemischen Entzündungssyndroms (sog. SIRS) festgelegt.
Ergebnis: Innerhalb von acht Tagen waren in der Kontrollgruppe zwölf Komplikationen wie Wundinfektionen, Infekte der Atemwege, des Harntrakts und der Haut aufgetreten. Bei der Interventionsgruppe war dies mit nur vier Fällen deutlich weniger der Fall. SIRS wurden im Kontroll-Arm bei 13, im Interventions-Arm lediglich bei vier Patienten beobachtet. Der mittlere stationäre Aufenthalt war in der Interventionsgruppe mit 15 gegenüber 17 Tagen kürzer. Außerdem war unter der Gabe des Fischölpräparats ein schnellerer Anstieg des Verhältnisses von CD4/CD8-T-Lymphozyten nach der Operation zu verzeichnen gewesen.

GfBK-Kommentar: Mehrfach ungesättigtes Omega-3--haltiges Fischöl in der postoperativen intravenösen Ernährung führt zu einem signifikanten Abfall systemischer Entzündungssyndrome und einer verminderten Rate an postinfektiösen Komplikationen. Dies wundert nicht, da schon lange bekannt ist, dass mehrfach ungesättigte Omega-3- Fettsäuren wie Eicosapentaen- oder Docosahexaensäure die Immunfunktion verbessern und Entzündungsreaktionen abschwächen helfen.
Da die intravenöse Gabe für die meisten Patienten schwierig durchzuführen sein dürfte, sollten unserer Meinung nach Studien folgen, die die Frage beantworten helfen, ob diese Effekte auch bei oraler Gabe auftreten. Bis diese Frage geklärt ist, ist es unserer Ansicht nach auch bereits jetzt empfehlenswert, oral Fischölpräparate vor und nach Darmkrebsoperationen einzunehmen. Achten sollte man hierbei auf eine ausreichende Menge (optimal wären mindestens 2 g pro Tag).

Kopf-Hals-Tumoren: Fragliche Lymphknotenausräumung

Eine komplette Lymphadenektomie durch Neck-Dissection ist bei fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren mit Lymphknotenbefall nicht unbedingt sinnvoll. Dies zeigte eine prospektive randomisierte Studie an 654 Patienten mit N2- oder N3-Status und ohne Metastasen (Mehanna H et al. / N Engl J Med 2016). Dabei bekamen die Patienten nach Radiochemotherapie entweder gleich eine Neck-Dissection oder erst, wenn 12 Wochen nach Abschluss der Radiochemotherapie im PET-CT ein Rezidiv diagnostiziert wurde. Der primäre Endpunkt war das Gesamtüberleben. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 36 Monate.
Wurden die Patienten nur mit PET/CT beobachtet, wurde seltener eine Neck-Dissection durchgeführt (54 versus 221). Das 2-Jahres-Überleben lag in der Überwachungsgruppe bei 84,9 Prozent und in der Operations-Gruppe bei 81,5 Prozent. In der Lebensqualität unterschieden sich die beiden Gruppen nicht voneinander.

GfBK-Kommentar: Diese Studie bestätigt die Erkenntnis, dass eine Radikalität in der Ausräumung von Lymphknoten nicht unbedingt die bessere Wahl ist. Da eine Neck-Dissection erfahrungsgemäß die Patienten deutlich belastet, sollte man das Vorgehen bei Kopf-Hals-Tumoren zukünftig individueller angehen. Hier wäre eine abwartende Strategie eindeutig die bessere Wahl.
Um das erhöhte Rezidivrisiko bei Kopf-Hals-Tumoren zu minimieren, sind von naturheilkundlicher Seite vor allem die Gabe von Präparaten denkbar, die direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Außerdem zeigte eine aktuelle Studie, dass Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren über die Aktivierung von Entgiftungsgenen eventuell von Brokkoliextrakt profitieren: Bauman J et al / Cancer Prevention Research 2016. Weitere Pflanzenstoffe, die für die Rezidivvorbeugung bei Kopf-Hals-Tumoren interessant sein könnten, sind Grüner Tee und Curcuma.

Endometriumkarzinom besser laparoskopisch operieren

Eine australische Arbeitsgruppe begann 2005 mit einer Studie, um die Ergebnisse einer totalen laparoskopischen Hysterektomie mit denen einer totalen abdominalen Hysterektomie bei frühem Endometriumkarzinom zu vergleichen. Die ersten Ergebnisse, wie es mit der Lebensqualität und den Komplikationsraten aussieht, wurden im Jahr 2010 veröffentlicht (Janda M/Lancet Oncol 2010).
Dabei konnte an 332 Patientinnen gezeigt werden, dass sich für die laparoskopische Hysterektomie (n = 190) gegenüber der totalen abdominalen Hysterektomie (n = 142) signifikante Vorteile bezüglich der Lebensqualität sechs Monate nach der Operation ergaben.
Auch bei dem Vergleich der postoperativen Komplikationen war die laparoskopische der totalen abdominalen Hysterektomie überlegen. So traten postoperativ nach der Laparoskopie in 11,6 % der Fälle Komplikationen auf; in der Gruppe mit Laparatomie waren es mit 23,2 % mehr als doppelt so viele. Auch die Rate der schweren postoperativen Ereignisse wie Blutungen, Wunddehiszenz, pulmonale oder kardiale Ereignisse zeigte sich in der Laparatomie-Gruppe mit 19,0 gegenüber 7,9 % um mehr als um das Zweifache erhöht.

GfBK-Kommentar: Die Ergebnisse diese Studie unterstreichen die Erfahrungen bei anderen Tumorentitäten (Darmkrebs, Nierenkrebs), dass eine Laparoskopie in puncto Lebensqualität und Komplikationsrate besser abschneidet. Voraussetzung ist allerdings, dass die Operation von einem darin erfahrenen Operateur durchgeführt wird. Außerdem bleibt abzuwarten, wie die Ergebnisse zum krankheitsfreien bzw. Gesamt-Überleben in dieser Studie nach fünf Jahren ausfallen werden, deren Veröffentlichung noch aussteht.

Lokalrezidivrisiko nach laparoskopischer Operation?

In der Urologie untersuchte erstmals eine Forschergruppe, inwieweit durch die laparoskopische Entfernung urologischer Malignome Lokalrezidive oder Metastasen an der Punktionsstelle hervorgerufen werden können (Rassweiler J / J Urol 169, 2003). Die in Heilbronn durchgeführte Studie umfasste 1098 laparoskopische Eingriffe an vorwiegend urologischen Tumoren. Davon waren 450 radikale Prostatektomien, 478 Entfernungen von Beckenlymphknoten, 80 Entfernungen von retroperitonealen Lymphknoten, 45 radikale Nephrektomien, 22 radikale Nephroureterektomien, 12 partielle Nephrektomien und 11 Adrenalektomien. Nach einer mittleren Nachbeobachtungsdauer von 58 Monaten wurden acht Lokalrezidive beobachtet, was einem Anteil von 0,73% insgesamt bzw. 1,41% der histologisch gesicherten Fälle entsprach. Bei allen 8 Patienten wurden die Tumoren als aggressiv und/oder lokal fortgeschritten eingestuft.

GfBK-Kommentar: Diese Untersuchung zeigt ein geringes Rezidivrisiko bei laparoskopischer Entfernung urologischer Malignome. Insbesondere bei fortgeschrittenen oder aggressiv wachsenden Tumoren ist das Rezidivrisiko nach laparoskopischem Eingriff als etwas höher, aber mit 0,73% als insgesamt sehr gering einzuschätzen. Leider fand in diese Studie kein direkter Vergleich mit konventionellen Operationsmethoden statt. Zusammenfassend überwiegen die Vorteile von laparoskopischen Eingriffen: Diese Operationsmethoden erfordern zwar meist eine etwas längere OP-Dauer, sind aber dafür mit einer geringeren Krankheitsdauer und einem geringeren Blutverlust verbunden.

Erfahrung des Chirurgen als prognostisch relevanter Faktor

Die Schlussfolgerungen einer großen Kohortenstudie mit 7257 Patienten (Hodgson DC / J Natl Cancer Inst 95, 2003) untermauern die Bedeutung der Erfahrung des Chirurgen bezüglich der Tumorkontrolle nach operiertem Rektumkarzinom und der Lebensqualität der Betroffenen. So konnte gezeigt werden, dass Patienten, die an Kliniken mit geringeren Patientenzahlen operiert wurden, mehr künstliche Darmausgänge erhielten, sowie eine höhere postoperative Mortalität und ein niedrigeres 2-Jahres-Überleben aufwiesen, als Patienten, die an Kliniken mit hohem Patientenaufkommen operiert wurden.

GfBK-Kommentar: Die in den letzten Jahrzehnten zu beobachtende Zunahme der Resektabilität und Reduzierung der Sterblichkeit bei Resektionen kolorektaler Karzinome scheint nicht allein eine Folge des Medizinfortschrittes, sondern insbesondere durch die Erfahrung des Chirurgen und damit verbundener Qualitätssicherung entscheidend mit bedingt zu sein. Ob allerdings die Ergebnisse dieser amerikanischen Studie auch auf deutsche Verhältnisse übertragbar sind, bleibt abzuwarten.


Strahlentherapie

Erythropoetingabe kontrovers

Bei 351 Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren wurde in einer randomisierten placebokontrollierten Studie geprüft (Henke et al. / Lancet 362, 2003), ob eine Anämiebehandlung mit Erythropoetin beta die Ergebnisse einer kurativen postoperativen Strahlentherapie verbessern kann. Zwei Wochen vor Strahlentherapie und währenddessen erhielten die Patienten entweder Erythropoetin beta (300 IU/kg) dreimal wöchentlich oder ein Placebo. Obwohl durch die Gabe von Erythropoetin der Hb-Wert bei 82% der Patienten effizient über 14 mg/dl angehoben werden konnte, erlitten im Erythropoetinarm signifikant mehr Patienten ein lokales Fortschreiten oder starben als unter Plazebogabe (64,4% versus 53,8%). Dies betraf vor allem Patienten mit Tumoren, die nicht vollständig reseziert werden konnten. Als Ursache wird der bekannte antiapoptotische und wachstumsfördernde Effekt von Erythropoetin angeführt. Die Autoren raten dringend, weitere kontrollierte Studien zu diesem Thema durchzuführen. Eine andere Studie mit Mammakarzinom-Patientinnen musste inzwischen wegen erhöhter Sterblichkeit im Erythropoetin-Arm abgebrochen werden (Leyland-Jones et al / Lancet 4, 2003); allerdings erschweren Probleme im Studiendesign, konkrete Schlussfolgerungen aus dieser Studie zu ziehen.

GfBK-Kommentar: Insgesamt Ergebnisse, die nachdenklich stimmen sollten, da Erythropoetin zur Behandlung einer Anämie inzwischen immer häufiger eingesetzt wird. Es wird vermutet, dass die Ursache dafür eine Frage der Dosis und der Dauer der Behandlung ist. Bis zur Klärung raten wir, Erythropoetin nicht allein zur Hb-Wert-Korrektur, sondern nur bei zusätzlich vorliegenden auf die Anämie zurückzuführenden Beschwerden einzusetzen.

Spätfolgen nach Bestrahlung der Brust

Frauen, die zwischen 1970 und 1996 eine Strahlentherapie erhielten, zeigten nach 10 Jahren eine deutliche Erhöhung der kardiovaskulären Erkrankungsrate, wenn die linke Thoraxhälfte bestrahlt worden war (Darby / BMJ 326, 2003). Dies analysierten Epidemiologen am Karolinska-Institut in Stockholm an Daten von 90.000 Brustkrebspatientinnen. Laut einer Schweizer Studie leben Brustkrebspatientinnen mit einem erhöhten Risiko, an diversen Zweittumoren, insbesondere Sarkomen im Bestrahlungsgebiet, zu erkranken (Levi / Ann Oncol 14, 2003).

GfBK-Kommentar: Diese Untersuchungen zeigen, dass eine Bestrahlung auch in Zeiten moderner Bestrahlungstechniken nicht als nebenwirkungsarm zu bezeichnen ist. Die praktische Erfahrung zeigt, dass das Auftreten von Spätfolgen und chronischer Toxizität bisher zu wenig in Aufklärungsgesprächen angesprochen wird. In anbetracht neuer Behandlungsstrategien, insbesondere dem Einsatz von herzschädigenden Anthrazyklinen räumen inzwischen selbst Fachgesellschaften die noch ungeklärten kardiovaskulären Risiken ein.

Radionuklidtherapie sinnvoll bei diffusen Knochenmetastasen

Die häufig auftretenden und stark beeinträchtigenden Schmerzen bei diffuser Knochenmetastasierung lassen sich durch den Einsatz einer systemischen Radionuklidtherapie deutlich reduzieren. Diese Ergebnisse ergab eine Untersuchung mit insgesamt 46 Patienten und diffus metastasiertem Mamma- oder Prostatakarzinom (Liepe / J Cancer Res Clin Oncol 2005). Dabei wurden über einen Beobachtungszeitraum von 12 Wochen die Parameter Schmerzen, Lebensqualität und durch Blutbildentnahme auch die Knochenmarksfunktion beurteilt. Durch die Radionuklidtherapie konnten im Verlauf die Schmerzen reduziert sowie die Lebensqualität verbessert werden, ohne dass eine Beeinträchtigung der Knochenmarksfunktion auftrat.

GfBK-Kommentar: Diese Studie mit allerdings nur kleiner Fallzahl bestätigt die Ergebnisse von mehreren Multicenterstudien, dass die Radionuklidtherapie bei 80% der Patienten zu einer Schmerzlinderung führt, wovon 25% der Patienten sogar schmerzfrei werden. Experten empfehlen deswegen eine frühzeitigen Einsatz bei Patienten mit osteoblastischen Skelettmetastasen und einem Karnofsky-Index größer als 40 Prozent.
Da diese Therapie einmalig durchgeführt wird, die Therapie bei Wiederholung nicht an Wirksamkeit verliert und die Nebenwirkungen als gering einzuschätzen sind, halten wir deren Durchführung gegenüber herkömmlichen systemischen, meist nebenwirkungsreichen Chemotherapien für besser geeignet. Weitere Untersuchungen halten wir allerdings für notwendig, um zu zeigen, welche Patienten mit welchen Tumorentitäten besonders profitieren und wie lange der Behandlungserfolg anhält.

Selen reduziert Nebenwirkungen einer Strahlentherapie

Durch die zusätzliche Gabe von Selen lässt sich bei gynäkologischen Tumoren die Häufigkeit von strahlenbedingten Durchfällen senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine deutsche Forschergruppe um den Strahlentherapeuten Mücke aus Lemgo (Muecke et al. / International Journal of Radiation Oncology Biology Physics 2010).
Mücke und Kollegen hatten von 2001 bis 2006 insgesamt 81 Patienten mit Gebärmutterhals- oder Gebärmutterkörperkrebs in die Studie eingeschlossen. Alle Patientinnen erhielten im Anschluss an die Operation eine Strahlentherapie. An den Tagen der Bestrahlung erhielten die 39 Patientinnen der Selengruppe jeweils 500 Mikrogramm Selen als Trinkampullen, an den bestrahlungsfreien Tagen jeweils 300 Mikrogramm. Auffällig war, dass der Selenspiegel im Vollblut, der zu Behandlungsbeginn in beiden Gruppen etwa gleich war, während der Behandlugn in der Selengruppe von 65,5 Mikrogramm je Liter Vollblut auf 86,9 anstieg, während er sich bei der Kontrollgruppe leicht verringerte. Gleichzeitig traten in der Selengruppe nur bei 20,5 Prozent der Patientinnen schwerere Durchfälle auf. In der Gruppe der nicht mit Selen behandelten Patientinnen war davon 44,5 Prozent der Patientinnen betroffen. Die Gabe von Selen hatte außerdem keinen negativen Einfluss auf die Wirksamkeit der Strahlentherapie. Die 5-Jahres-Überlebensrate der mit Selen behandelten Frauen lag leicht, wenn auch nicht signifikant über der Überlebensrate der Kontrollgruppe (94,1 versus 86,1 Prozent).

GfBK-Kommentar: Eine Strahlentherapie bei gynäkologischen Tumoren verursacht häufig Nebenwirkungen, zu denen Durchfall gehört. In dieser Studie konnte nicht nur gezeigt werden, dass mithilfe einer zusätzlichen Gabe von Selen das Auftreten von Durchfällen infolge der Beckenbestrahlung gesenkt werden kann. Es konnte erstmals auch klinisch nachgewiesen werden, dass die Selengabe die Wirkung einer Strahlentherapie nicht negativ beeinflusst, wie von Strahlentherapeuten gegenüber den Patienten leider allzu häufig behauptet wird. Insofern sollte eine zusätzliche Selengabe zur Standard-Begleittherapie während Strahlentherapie gehören.

Bei DCIS reicht die Teilbrustbestrahlung

Beim Duktalen Carcinoma in situ der Mamma, das mit einer sehr guten Prognose verknüpft ist, stellt sich die Frage, welche Therapie geeignet ist, um eine lokale Tumorkontrolle ohne zu viele Nebenwirkungen zu erreichen. Zur Klärung, ob eine sog. Teilbestrahlung der Brust (APBI) ausreicht, haben amerikanische Kollegen 194 Patientinnen mit DCIS aus der ASBS-Studie mit historischen Kontrollen verglichen (Keisch M et al. / Am J Surg 2009). Das Ergebnis der 4-Jahres-Subanalyse zeigte, dass die klinischen Ergebnisse der Patientinnen unter Teilbrustbestrahlung mit denen vergleichbar sind, bei denen die ganze Brust bestrahlt worden ist.

GfBK-Kommentar: Da das DCIS der Mamma auch von Schulmedizinern nicht als invasiver Tumor angesehen wird, stellen viele naturheilkundliche Ärzte zu Recht die Frage, ob ein DCIS daher nicht auch ohne invasive Behandlungsmethoden therapierbar ist. Denn bei einem DCIS haben die Zellen nicht die Eigenschaft, sich im Körper zu verteilen und Absiedelungen zu bilden. Dies spiegelt sich auch in den Aussagen der Patientenleitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft wieder. So haben laut DKG bei Brust erhaltend operiertem DCIS nur jüngere Frauen, die als besonders gefährdet gelten (mit Hochrisiko-Läsionen und knappen Resektionsrändern), den größten Gewinn. Wir empfehlen daher als wichtigste Maßnahme eine sorgfältige Resektion im Gesunden. Dies ist auch nach Expertenmeinungen die wichtigste Vorraussetzung, um örtliche Rezidive wirksam zu verhindern.
Inzwischen gibt es übrigens neben der Teilbrustbestrahlung auch andere Methoden, die die Belastung durch eine Strahlentherapie minimieren helfen, da sie während der Operation angewandt werden. So bieten rund zehn Prozent der zertifizierten Brustzentren in Deutschland die sog. intraoperative Strahlentherapie (IORT) an, z. B. Heidelberg, Mannheim, München, Berlin, Frankfurt. Dabei erfolgt die Bestrahlung direkt nach der Tumorentfernung noch während der Operation. Im Vergleich zur herkömmlichen Bestrahlung soll damit die Rückfallrate wesentlich verringert werden. Dies konnte in größeren Studien bereits belegt werden.

Risiko einer strahleninduzierten Mukositis ist tageszeitabhängig

Die strahleninduzierte Mukositis und Diarrhöe bestimmt in hohem Maß die Compliance von Patienten unter einer Radiotherapie. Neben anderen Faktoren scheint der Zeitpunkt der Bestrahlung für Häufigkeit und Ausprägung dieser subjektiv sehr belastenden Nebenwirkung relevant zu sein. Dies wurde anhand einer Studie an 229 Patientinnen mit einem Zervixkarzinom, die eine externe Strahlentherapie erhielten, prospektiv untersucht (Shukla P et al. / Cancer 2010).
Dabei wurden die Patientinnen in zwei Gruppen randomisiert, einmal für die Bestrahlung am Vormittag zwischen 08:00 und 10:00 Uhr (Arm 1) sowie abends zwischen 18:00 und 20:00 Uhr (Arm 2). Die Mukositis-Inzidenz bestimmten die Autoren anhand des Schweregrads von Diarrhöe.
Die Gesamtinzidenz von Diarrhöe war in Arm 1 signifikant erhöht (87,39 gegenüber 68,18%), beim Schweregrad 3–4 waren es 14,3 vs. 5,5% (p < 0,05). Am Vormittag behandelte Patientinnen entwickelten auch signifikant häufiger andere strahleninduzierte Toxizitäten. Hingegen ergaben sich keine Unterschiede im Ansprechen auf die Therapie zwischen den Gruppen.

GfBK-Kommentar: Hier zeigt sich: die zirkadiane Rhythmik beeinflusst das Auftreten einer strahlenassoziierten gastrointestinalen Mukositis Dabei treten höhergradige Diarrhöen signifikant häufiger nach Bestrahlung in den Morgenstunden auf. Dies konnte bereits in Tierversuchen gezeigt werden und gibt nun Anlass, den Ablauf der bisherigen Bestrahlungspraxis zu überdenken. Es wäre im Sinne der Patienten sicherlich wünschenswert, wenn diese Erkenntnis dazu beitragen könnte, Radiotherapien mit einem deutlich verringerten Risiko für eine gastrointestinale Mukositis zukünftig anders zu planen, anstatt teure Medikamente gegen diese unerwünschten Nebenwirkungen einzusetzen.

Palliative Bestrahlung nicht immer sinnvoll

Eine Radiotherapie kann bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen Schmerzen lindern, so die Überzeugung vieler Ärzte. Ob dies tatsächlich stimmt und inwieweit eine Radiotherapie durch Nebenwirkungen auch Leid verursachen kann, dieser Frage gingen Radioonkologen der Universitätsklinik Düsseldorf nach. Dabei setzten sich die Ärzte kritisch mit den Ergebnissen ihrer eigenen Arbeit auseinander und haben diese prospektiv ausgewertet (Gripp S et al. / Cancer 2010).
In das prospektive Protokoll wurden alle 216 Patienten im Endstadium einer Tumorerkrankung aufgenommen, die zwischen Dezember 2003 und Juli 2004 eine palliative Radiotherapie erhalten sollten. 33 von ihnen (15,3 %) starben binnen 30 Tagen. Sie wurden als spezielle Studienpopulation auserwählt. Im Mittel waren diese Patienten 65 Jahre alt und starben nach 15 Tagen. 39 % von ihnen hatten ein Lungenkarzinom, 18 % ein Mammakarzinom. Metastasen fanden sich bei 94 % der Patienten – unter anderem in Gehirn (36 %), Knochen (24 %) und Lunge (18 %). Bekannte Faktoren für eine schlechte Prognose (Dyspnoe, Leukozytose, Hirnmetastasen, Laktatdehydrogenase-Spiegel) trafen auf die früh Gestorbenen in besonderem Maße zu. So lag der Karnofsky-Performance-Status bei 91 % von ihnen unter 50 %.
Dennoch schätzten die Ärzte das Überleben der Patienten nur in 16 % der Fälle korrekt ein. Für 31 der 33 Patienten lagen zwei oder drei Schätzungen von verschiedenen Medizinern vor. Jeder fünfte hätte demnach statt der 30 Tage sogar noch mehr als sechs Monate zu leben gehabt. 91 % der früh verstorbenen Patienten waren noch bestrahlt worden, in neun von zehn Fällen mit mindestens 30 Gy in Fraktionen von 2–3 Gy. Die Hälfte der Patienten verbrachte mehr als 60 % ihrer verbleibenden Lebenszeit unter der Therapie. Nur bei 58 % der Patienten wurde die Radiotherapie vollendet. Anhaltende Beschwerden wurden bei 52 % festgestellt, eine Palliation brachte dies nur bei 26 %.

GfBK-Kommentar: Hier spiegelt sich sehr offenkundig die Problematik wieder, dass Ärzte selbst am Ende des Lebens die Lebensspanne kaum vorhersehen können. Die Folge dieser Fehleinschätzung ist in der Praxis oft die, dass Patienten zu aggressiv und zu lange stationär behandelt werden und dass dadurch der Lebenszeitgewinn letztendlich noch viel kleiner ausfällt. Insofern sollte man sich als Therapeut bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung immer fragen, ob die empfohlene Therapie tatsächlich Leiden lindert oder das Leiden durch Übertherapie nicht noch vergrößert. In dieser hier vorliegenden Studie profitierte jedenfalls etwa die Hälfte der Patienten nicht von einer Bestrahlung, obwohl sie den größeren Teil des ihnen verbliebenen Lebens unter der Therapie verbrachten. Ein Signal, das zum Nachdenken anregen sollte, ob nicht die alleinige Durchführung von biologischen Therapiemaßnahmen oft die geeignetere Wahl in der palliativen Situation wäre.


Blasenkrebs

Brokkoli zur Prävention bei Blasenkrebs

Eine Untersuchung aus Texas (Zhao / International Journal of Cancer 2007) zeigt, dass Nahrungsmittel, wie Brokkoli, Rettich, Brunnenkresse und Radieschen der Entstehung von Blasenkrebs vorbeugen können. Die in diesen Gemüsesorten enthaltenen Senföle, auch Isothiocyanate genannt, sollen für den Schutzeffekt verantwortlich sein. Dabei inaktivieren Isothiocyanate im Körper u.a. Enzyme, die an der Aktivierung krebsauslösender Substanzen beteiligt sind. In der Untersuchung von Zhao wurden 700 Blasenkrebspatienten und ebenso viele gesunde Personen über ihre Ernährungsgewohnheiten befragt. Im Durchschnitt hatten die Blasenkrebspatienten weniger senfölhaltige Nahrungsmittel zu sich genommen. Statistisch ermittelten die Forscher ein um 29 Prozent verringertes Risiko für Blasenkrebs, wenn viele senfölhaltige Nahrungsmittel verzehrt wurden. Der schützende Effekt zeige sich, so die Forscher, deutlicher bei Menschen über 64 Jahren, bei Männern sowie bei starken und langjährigen Rauchern.

GfBK-Kommentar: Dieses Ergebnis bestätigt die Vielzahl vorliegender Studien, die zeigen konnten, dass sekundäre Pflanzenstoffe in der Lage sind, entweder die Tumorentstehung zu verhindern oder das Tumorwachstum zu hemmen. Auch der Entstehung anderer Krebsarten kann durch eine Ernährung, die reich an Obst und Gemüse ist, vorgebeugt werden. Allerdings sollte man wissen, dass nur durch schonende Zubereitung eine Gemüsemahlzeit auch wirklich ihre positive Wirkung entfalten kann. So werden bis zu 75% aller Substanzen, die vor Krebserkrankungen schützen können, durch das Kochen zerstört. Deswegen bei der Zubereitung immer daran denken, Kohl und andere Gemüsesorten nur kurz zu braten, schonend im Dampf zu garen oder roh zu essen.

Brokkoli mehr als vier Mal pro Woche beugt Blasenkrebs vor

Eine Metaanalyse von Studien aus den USA und Europa zeigt, dass der regelmäßige Verzehr von Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler, z.B. von Brokkoli, Blumenkohl und Rosenkohl das Risiko für Blasenkrebs senkt. Dabei wurden von den chinesischen Forschern für die Auswertung insgesamt zehn Studien berücksichtigt, fünf davon Fallkontrollstudien und fünf Kohortenstudien (Liu B/World J Urol 2012). Allerdings kommt der schützende Effekt nach Auswertung der zehn Studien vor allem dann zum Tragen, wenn sehr viel Kohlgemüse verzehrt wird, im Durchschnitt vier Mal pro Woche.

GfBK-Kommentar: Schon länger ist bekannt, dass der Verzehr von Kohlgemüse eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von Krebserkrankungen spielt. Grund für den schützenden Effekt soll vor allem der hohe Gehalt an Glucosinolaten sein, der in Kohlgemüse und vor allem in Brokkoli enthalten ist. Die Studie zeigt aber auch, dass vor allem größere Mengen einen schützenden Effekt bewirken. Damit die Wirkstoffe besser im Darm aufgenommen werden können, sollte man bei der Zubereitung darauf achten, Brokkoli-Sprossen, Senf, Meerrettich, Rucola oder Brunnenkresse dazuzugeben (Cramer JM/Br J Nutr 2011).

Blasenkrebs: Erhöhtes Metastasenrisiko durch transurethrale Resektion?

Schwedische Forscher gingen in einer Studie dem Verdacht nach, ob durch die transurethrale Resektion von Blasentumoren (TURBT) vermehrt Krebszellen in den venösen Blutkreislauf gelangen und dadurch das Metastasierungsrisiko erhöht wird. So wird bei der transurethralen Resektion die Blase unter erhöhten Druck gesetzt, um Tumorbestandteile besser entfernen zu können. Da der Druck über dem in venösen Gefäßen liegt, könnte es zum vermehrten Übertritt von Tumorzellen in den Blutkreislauf mit Dissemination von Mikrometastasen kommen.
Um diese Hypothese zu überprüfen, wurden 16 Patienten mit Verdacht auf einen muskelinvasiven Blasentumor einer TURBT unterzogen (10 Tumoren stellten sich bei der Operation tatsächlich als muskelinvasiv heraus). Dabei wurde den Patienten ein Venenkatheter gesetzt, um vor und während der Operation Blutproben aus der Vena cava inferior zu entnehmen. Die Proben wurden anschließend auf zirkulierende Tumorzellen untersucht (Engilbertsson H et al. / The Journal of Urology 2014).
Wie sich herausstellte, ließen sich bei neun Patienten Tumorzellen im Blut nachweisen, wobei acht der Patienten einen muskelinvasiven Tumor hatten. Dagegen hatten von den sieben Patienten ohne Tumorzellen im Blut fünf einen nichtinvasiven Tumor.
Nicht nur bei Muskelinvasivität war die Zellzahl im Blut erhöht. Auch die transurethrale Resektion scheint hierauf einen Einfluss zu haben. So konnten in sieben intraoperativ gewonnenen venösen Blutproben vermehrt Krebszellen nachgewiesen werden. Bei sechs davon war die Anzahl deutlich höher als bei der präoperativen Bestimmung: Wurden bei den Patienten mit präoperativem positiven Nachweis von Tumorzellen in der Vena cava durchschnittlich 5,6 Zellen entdeckt, so waren es bei denen mit intraoperativem Befall 15,3 Zellen - also fast dreimal mehr.

GfBK-Kommentar: Da Blasenkrebs eine schlechte Prognose hat, ist diese Studie bei der Entscheidungsfindung, wie und ob eine TURBT durchgeführt wird, wichtig zu berücksichtigen. Auch wenn die Studie nur eine kleine Patientenzahl aufweist, scheint es doch die Hypothese zu bekräftigen, dass die TURBT die Streuung von Tumorzellen begünstigt.
Es lohnt sich daher, darauf hinzuweisen, den Blasendruck bei der Operation besser nicht zu stark zu steigern. Außerdem sollte die TURBT bei Patienten mit starkem Verdacht auf einen Muskelbefall nach Ansicht der Forscher nur zur Probeentnahme und nicht zur kompletten Tumorresektion angewandt werden. Evt. können hier vorbeugend auch andere naturheilkundliche Aspekte wie die Gabe von antiinflammatorischen Substanzen (z.B. Selen und Enzyme oder Cimetidin wie bei Darmkrebspatienten) vor und nach der Operation eine wichtige Hilfe sein.

Blasenkrebs mit Kochsalz behandeln

Eine prospektive, randomisierte Studie ging der ungewöhnlichen Frage nach, ob eine kontinuierliche Blasenspülung mit Kochsalz (CSBI) nach einer transurethralen Resektion eines Blasentumors (TURBT) aufgrund eines nicht muskelinvasiven Blasenkrebses mit geringem bis intermediärem Risiko gegenüber einer einzigen Installation mit Mitomycin (MMC) Vorteile hat (Onishi T et al. / BJU Int 2016). Hierfür wurden 227 Patienten randomisiert, wobei nach einer TURBT 114 Patienten eine kontinuierliche Blasenspülung mit Kochsalz (2.000 ml/h in der ersten Stunde, 1.000 ml/h für 2 Stunden und 500 ml/h für 15 Stunden) und 113 Patienten eine einmalige Installation mit Mitomycin erhielten.
Der primäre Studienendpunkt war das rezidivfreie Überleben, der sekundäre Endpunkt war u.a. das Auftreten von Nebenwirkungen. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 37 Monate.
Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass eine kontinuierliche Blasenspülung mit Kochsalz mit ähnlichen Effekten und weniger Nebenwirkungen assoziiert war als eine einzige sofortige Instillation mit Mitomycin C. Die rezidivfreie Überlebensrate nach 5 Jahren lag bei 62,6 % mit CSBI gegenüber 70,4 % mit MMC. Eine Kaplan-Meier-Auswertung des rezidivfreien Überlebens wies keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen auf (p = 0,53). Außerdem ergaben sich keine Unterschiede in Bezug auf Tumorprogressionsrate und die mittlere Zeit bis zum ersten Rezidiv.

GfBK-Kommentar: Auch wenn dies nur eine monozentrische Studie mit kleiner Kohorte ist, so zeigt sich hier, dass auch eine Spülung mit Kochsalz ähnliche Effekte wie eine Mitomycin-Installation haben kann. Limitierend für dieses neue Konzept wird die recht aufwändige Spülung über insgesamt 18 Stunden sein. Gerade für Patienten, die einer Mitomycin-Installation skeptisch gegenüber stehen, könnte auch eine lokale Instillation mit einem Mistelextrakt eine Alternative sein. Dies wird gerade unter der Kurzbezeichnung TIM (Therapeutische Instillation eines Mistelextraktes) in einer deutschen Phase-3-Studie geprüft, die erstmals den Erfolg einer Mistel-Instillation mit der etablierten Mitomycin-Instillation vergleicht.