Ein französisches Team untersuchte, ob eine sogenannte metronomische Chemotherapie als palliative Behandlungsoption wirksam ist. Eine metronomische Chemotherapie ist eine häufige, oft tägliche Gabe einer niedrig dosierten Chemotherapie. In einer kleinen Studie mit 88 Patienten wurde diese in ihrer Wirksamkeit mit der Gabe von Megestrolacetat verglichen (Penel N/Brit J Cancer 2010). Dabei erhielt die eine Hälfte der Patienten oral metronomisches Cyclophosphamid (50 mg zweimal täglich), die andere Megestrolacetat (160 mg täglich). Zu Beginn wurde als Voraussetzung für eine Wirksamkeit festgelegt, dass mindestens fünf von 44 Patienten nach zwei Monaten progressionsfrei sein sollten.
Ergebnis: Der metronomische Arm erreichte die progressionsfreie Rate nach zwei Monaten (9 von 44 Patienten waren progressionsfrei); nach vier Monaten waren 5 von 44 Patienten progressionsfrei. Der Megestrolacetat-Arm erreichte dieses Ziel nicht (4 von 44 nach zwei und 1 von 44 Patienten nach vier Monaten). Das mediane Gesamtüberleben betrug unter metronomischem Cyclophosphamid 195, unter Megestrolacetat 144 Tage. Zwei Patienten in jeder Gruppe (4%) erlitten Nebenwirkungen vom Grad 3 oder 4. Im Megestrolacetat-Arm kam es zu einem Todesfall durch Thrombose.

GfBK-Kommentar: Diese Studie bestätigt die von Therapeuten und in anderen Studien gemachte Erfahrung, dass eine niedrig dosierte metronomische Chemotherapie in der palliativen Therapie sinnvoll eingesetzt werden kann. Im Gegensatz zu herkömmlichen Chemotherapien richtet sich die metronomische Chemotherapie nicht nur gegen den Tumor selbst, sondern vor allem gegen die Wechselwirkung zwischen Tumor und dem umgebenden Gewebe, in dem durch entzündliche Reaktionen und Förderung der Angiogenese das Tumorwachstum aufrechterhalten wird. So werden z.B. durch eine metronomische Chemotherapie Gegenspieler des Gefäßwachstumsfaktors VEGF hochreguliert und regulatorische T-Zellen, die bei Tumoren häufig stark vermehrt sind, vermindert. Auch völlig andere Wirkstoffe werden inzwischen von erfahrenen Therapeuten in die metronomische Chemotherapie integriert, so z.B. die Gabe von COX-2-Hemmern, Glucocorticoiden und Interferon-a. Mit diesen ursprünglich für andere Indikationen zugelassenen Substanzen erhofft man sich vor allem, die Entzündungsreaktion, den programmierten Zelltod (Apoptose) und die Redifferenzierung entarteter Tumorzellen beeinflussen zu können. Da es bisher keine randomisierten Studien mit großen Teilnehmerzahlen zu dieser interessanten Therapieform gibt, wären weitere Untersuchungen wünschenswert.