Forschung / Studien

Borchmann S, Cirillo M, Goergen H, Meder L, Sasse S, Kreissl S, Bröckelmann PJ, von Tresckow B, Fuchs M, Ullrich RT, Engert A. Pretreatment Vitamin D Deficiency Is Associated With Impaired Progression-Free and Overall Survival in Hodgkin Lymphoma. Journal of Clinical Oncology 2019 37:36, 3528-3537

Ziel einer Studie von Kölner Forschern war, herauszufinden, ob ein Vitamin-D-Mangel bei Hodgkin-Lymphom-Patienten mit einer schlechteren Tumorkontrolle und mit einem schlechteren progressionsfreien Überleben und Gesamtüberleben verbunden ist.
Dazu untersuchten die Wissenschaftler 351 Patienten mit Hodgkin-Lymphomen über einen Beobachtungszeitraum von 13 Jahren. 50% der Patienten hatten vor der geplanten Chemotherapie einen Vitamin-D-Mangel (<30 nmol / l). Dabei galten in dieser Studie folgende Referenzbereiche: Ausreichend: ≥ 50 nmol/l, unzureichend: ≥ 30 und < 50 nmol/l, und mangelhaft: < 30 nmol/l.
Ergebnisse: Patienten mit Progression oder Rückfall wiesen signifikant niedrigere Vitamin-D-Spiegel auf, als Patienten ohne Rückfall (21,4 vs. 35,5 nmol/l). Sie hatten außerdem häufiger einen Mangel an Vitamin D (68 vs. 41%). Diesen Effekt beobachteten die Wissenschaftler konstant über alle Krankheitsstadien hinweg.
Die Zusammenschau der Ergebnisse ergab, dass Patienten mit einem Vitamin-D-Mangel eine Beeinträchtigung des Gesamtüberlebens und damit auch ein deutlich höheres Sterberisiko aufwiesen. Konkret bedeutete dies, dass nach zehn Jahren 81,8 Prozent der Patienten ohne Vitamin-D-Mangel progressionsfrei überlebten. Patienten mit Vitamin-D-Mangel überlebten jedoch nur zu 64,2 Prozent ohne Progression. Hinsichtlich des Gesamtüberlebens lebten nach zehn Jahren noch 87,2 Prozent der Patienten ohne Vitamin-D-Mangel. Von den Patienten, die einen Vitamin-D-Mangel hatten, waren es nur 76,1 Prozent.
Aufbauend auf der Hypothese, dass der Vitamin-D-Status für die Chemosensitivität von Hodgkin-Lymphomen, wichtig sein könnte, führte die Forschergruppe Laborversuche mit Zellen und Mäusen durch, um besser verstehen zu können, warum die Patienten mit niedrigen Vitamin-D-Spiegeln ein höheres Progressionsrisiko und Sterberisiko hatten. Dabei wurden Hodgkin-Lymphom-Zelllinien mit physiologischen Dosen von Vitamin D ergänzt. In Kombination mit einer Chemotherapie waren die antiproliferativen Effekte größer als ohne Vitamin D. Dies galt für den Versuch mit Zellen und Mäusen gleichermaßen.

GfBK-Kommentar: In dieser Studie hat ein Vitamin-D-Mangel das Risiko erhöht, am Hodgkin Lymphom zu versterben. Auch andere Studien zeigten bereits einen möglichen Zusammenhang mit Lymphomen. Zuletzt konnte Bittenbring anhand der RICOVER-60 Studie zeigen [7], dass ältere Patienten mit B-Zell-Lymphomen, die Rituximab erhielten, ein schlechteres 3-Jahres ereignisfreies Überleben (59% vs. 79%) und ein schlechteres 3-Jahres Gesamtüberleben (70% vs. 82%) aufwiesen, wenn ein Vitamin-D-Mangel vorlag (definiert als ≤ 8 ng/ml).
Die Rituximab-vermittelte zelluläre Zytotoxizität (RMCC) stieg übrigens in dieser Studie bei sieben von sieben Personen mit Vitamin-D-Mangel nach Substitution und Normalisierung ihrer Vitamin-D-Spiegel signifikant an. Schon damals schlussfolgerten die Forscher, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel ein Risikofaktor für ältere Patienten mit Lymphomen ist, die mit Rituximab behandelt werden.
Wir vermuten, dass die verbesserte Wirkung der antikörperabhängigen Zytotoxizität durch Vitamin D auch unter Trastuzumab bei Brustkrebs und anderen Antikörpertherapien eine Rolle spielt. Insofern sollte die Bestimmung der 25(OH)-Vitamin-D-Konzentration im Blut und eine daraufhin abgestimmte Substitution bei jedem Krebspatienten zur täglichen Routine gehören.
Interessant ist auch, dass in diesen Studien der Grenzwert von Vitamin D als sehr niedrig angesetzt wurde. Und zwar waren dies teilweise Werte, die inzwischen mit unter 8 ng/ml als sehr schwerer Mangel einzuschätzen sind. Werte über 8 ng/ml gelten dabei keinesfalls mehr als normal. Bei Vitamin D sollten die Werte (gemessen als 25-OH-Vitamin D) über 40 bzw. zwischen 50 und 70 ng/ml liegen. Bereits mit unter 30 ng/ml liegen die Patienten im Mangelbereich.
Beispielhaft eine Studie aus dem Jahr 2016: Ein Vitamin-D-Spiegel über 40 ng/ml senkt das Risiko für Brustkrebs im Vergleich zu unter 20 ng/ml um 67 % [8], ein Wert über 60 ng/ml um mehr als 80 % [9]. Je höher der Vitamin-D-Wert im Serum, desto niedriger war das Risiko für Brustkrebs.
Wichtig zu wissen: Da Vitamin D eng mit Vitamin K, Calcium und Magnesium zusammenarbeitet, sollten auch diese Nährstoffe ausreichend aufgenommen werden. Da Magnesium für die Aktivierung von Vitamin D benötigt wird, könnte eine Vitamin-D-Gabe ohne ausreichend Magnesium sogar nutzlos sein [10].

Literatur
[7] Bittenbring JT, Neumann F, Altmann B Achenbach B et al. Vitamin D deficiency impairs rituximab-mediated cellular cytotoxicity and outcome of patients with diffuse large B-cell lymphoma treated with but not without rituximab. J Clin Oncol 2014; 32(29): 3242-8
[8] McDonnell SL, Baggerly C, French CB, Baggerly LL, Garland CF, Gorham ED, Lappe JM, Heaney RP. Serum 25-Hydroxyvitamin D Concentrations >/= 40 ng/ml Are Associated with >65% Lower Cancer Risk: Pooled Analysis of Randomized Trial and Prospective Cohort Study. PLoS One 2016; 11(4): e0152441.
[9] McDonnell SL, Baggerly CA, French CB, Baggerly LL, Garland CF, Gorham ED, Hollis BW, Trump DL, Lappe JM. Breast cancer risk markedly lower with serum 25-hydroxyvitamin D concentrations >/=60 vs <20 ng/ml (150 vs 50 nmol/L): Pooled analysis of two randomized trials and a prospective cohort. PLoS One 2018; 13(6): e0199265.
[10] Uwitonze AM, Razzaque MS. Role of Magnesium in Vitamin D Activation and Function. J Am Osteopath Assoc 2018; 118(3): 181-189.