Patienten fragen

Immer wieder lese ich Ihre interessanten Informationen, was man durch die Ernährung selbst dazu beitragen kann, nicht an Krebs zu erkranken oder davon zu gesunden. Eine Frage hätte ich dazu, die wahrscheinlich auch andere Menschen interessiert: Was halten Sie von den neuen Zuckerersatzsstoffen wie Stevia & Co.?

Dass Zucker krank machen kann, weiß inzwischen fast jeder. Deswegen steht die Frage immer dringlicher im Raum, welcher Zucker denn nun besser ist und ob natürliche Zuckerersatzstoffe als Alternative taugen.
Recherchiert man intensiv zu dem Thema, dann kommt man zu dem Schluss, dass sich selbst Experten nicht einig sind. Klar ist nur, dass schon ein gemäßigter Zuckerkonsum vor allem aus Haushaltszucker (Glucose, Saccharose), aber auch aus Fruchtzucker (Fructose) von Forschern als kritisch eingestuft wird. Und wir wissen auch, dass künstliche Süßstoffe, wie Aspartam, Saccharin und Co., dick machen und Tumoren fördern können.
Agavendicksaft. In dem Bestseller „Das Anti-Krebs-Buch” schreibt Servan-Schreiber über Agavendicksaft. Er bezieht sich auf ein Forscherteam der Universität Sydney und erklärt, dass Agavendicksaft einen glykämischen Index hat, der vier bis fünf Mal niedriger ist als der von Honig. Der glykämische Index misst, wie schnell nach dem Verzehr eines Nahrungsmittels die Zuckerkonzentration im Blut ansteigt. Auch wenn Agavendicksaft und Apfeldicksaft sicherlich gesünder sind als herkömmlicher Haushaltszucker, bestehen sie fast ausschließlich aus Fructose. Daher sind sie nur eingeschränkt zu empfehlen. Menschen mit Übergewicht, Fettleber oder Fructoseintoleranz sollten sie eher meiden. Etwas empfehlenswerter als Dicksäfte sind Ahornsirup und Limettensirup bzw. Dattelsirup, deren Fructoseanteil geringer ausfällt. Datteln selbst enthalten viele wertvolle Mikronährstoffe.
Honig. Beim Honig handelt es sich um ein naturbelassenes Produkt. Im Gegensatz zu Dicksäften und Sirups wird Honig nicht erhitzt. Er enthält neben Fructose und Glucose sowie Mehrfachzuckern auch noch einige Vitamine, Mineralien und Enzyme. Außerdem sind in der Literatur über die Inhaltsstoffe von Honig antiproliferative und immunstimulierende Wirkungen beschrieben. Honig wird unter anderem erfolgreich bei der lokalen Behandlung von schwer heilenden Wunden und bei Mundschleimhautentzündungen angewendet. Studien belegen derzeit am besten die vorbeugende und therapeutische Wirkung von Honig für Mundschleimhautentzündungen, die in Zusammenhang mit der Bestrahlung von Kopf-Hals-Tumoren entstanden sind. Dennoch sollte Honig wie alle anderen Zuckerarten nur in sehr geringen Mengen verzehrt werden.
Birkenzucker. Immer wieder diskutieren Experten über einige neuere bzw. wiederentdeckte Süßungsmittel: Stevia, Xylit oder Kokosblütenzucker. Xylit wird oft auch Birkenzucker genannt. Er kommt in Beeren und in Birkenholz vor. Das Süßungsmittel soll vor Karies schützen, weshalb es in Zahnpflegekaugummis enthalten ist. Xylit (auch als E 967 bezeichnet) gehört ähnlich wie Sorbit (E 420) zu den Zuckeraustauschstoffen bzw. Zuckeralkoholen in „zuckerfreien” Bonbons oder „zahnschonenden” Süßigkeiten. Der Nachteil ist, dass Xylit ähnlich wie Sorbitol leicht abführend wirkt und schon allein deswegen nur in geringen Mengen verzehrt werden kann.
Kokosblütenzucker. Er ist echtem Rohrohrzucker ähnlich. Allgemein gilt: Je weniger der Zucker behandelt wurde, desto mehr Mineralstoffe und Vitamine sind noch darin enthalten, die bei der Zuckerverdauung helfen. Zu Kokosblütenzucker existiert nur eine etwas dubiose Studie aus dem Erzeugerland, die zu dem Ergebnis kommt, dass Kokosblütenzucker einen niedrigen glykämischen Index haben soll.
Erythrit. Bitte beachten Sie bei Ihrer Auswahl, dass es zu keinem der neuen Süßungsmittel eine Studie gibt, die deren Unbedenklichkeit belegt. Auch zu dem neueren Erythrit, einem Zuckeralkohol, der durch Fermentation von Traubenzucker hergestellt wird, gibt es keine Langzeitstudien. Ein Versuch deckte auf, dass Erythrit eine insektizide Wirkung auf Fliegen hat. Die Frage, ob einen das ermuntert, auf diesen Ersatzstoff umzusteigen, mag jeder für sich selbst beantworten.
Stevia. Stevia ist eine süß schmeckende Pflanze aus Südamerika. Sie wird seit 40 Jahren in Japan u.a. in Softdrinks verwendet. Stevia scheint uns bisher am ehesten geeignet, den herkömmlichen Haushaltszucker zu ersetzen. Einhundert Jahre, nachdem der Naturwissenschaftler Moises Bertoni von den Guarani-Indianern in Paraguay vom „süßen Kraut” erfuhr, mit dem sie ihren Mate-Tee süßten, wurde nach einigen Hürden seit Dezember 2011 der Zuckerersatzstoff aus Steviolglycosiden als E 960 in Europa zugelassen. Allerdings stammt diese Pflanze nicht mehr aus Südamerika, sondern wird zur Herstellung des weißen Pulvers in China angebaut. Auch wenn Stevia immer noch ein Natur-Image anhaftet: Mit der ursprünglichen Pflanze haben die neuen Züchtungen nicht mehr viel zu tun. Und bei der Herstellung des Pulvers, das durch ein komplexes chemisches Verfahren entsteht, sind viele Chemikalien im Spiel (z. B. Aluminiumhydroxid), erklärt der Agrarwissenschaftler Udo Kienle von der Universität Hohenheim in dem Buch von Hans-Ulrich Grimm „Wie uns die Zucker-Mafia krank macht”.
Trotzdem sehen wir für die Menschen, denen das Süßen von Speisen einen Gewinn an Lebensqualität in gesundheitlich ohnehin stark beeinträchtigten Zeiten bringt, Zuckerersatzstoffe wie Stevia als eine gute Alternative an. Voraussetzung ist, dass die empfohlene Tagesdosis nicht überschritten wird. Sie beträgt maximal 4 Milligramm Stevia pro Kilogramm Körpergewicht. Mehr können Sie nur dann zu sich nehmen, wenn Sie sehr viele mit Stevia gesüßte Softdrinks in sich hineinschütten. Wer es ganz natürlich mag, kauft sich Steviablätter oder Steviapulver im Onlinehandel und kann hieraus in kochendem Wasser eine süße Flüssigkeit ziehen.
Austauschen oder weglassen. Bei der Diskussion um das Für und Wider von Zuckerersatz durch Stevia wird eines deutlich: Bevor man über Zuckeralternativen nachdenkt, kann man auch überlegen, an welcher Stelle man die Süßung ganz weglässt. Die WHO empfiehlt maximal 50 Gramm Zucker pro Tag. Diese Menge erreicht man bereits, wenn man einen halben Liter Apfelsaft trinkt. Der Konsum von Süßigkeiten, Getränken und Backwaren ist kritisch zu hinterfragen. Wenn man noch weiter gehen möchte, lohnt sich auch ein Blick aufs Etikett, da vielen Lebensmitteln Zucker zum Beispiel in Form von Fructose zugesetzt wird.
Wichtig ist auch hier: Die Dosis ist entscheidend. Der gesündeste Süßgenuss ist immer noch ein Stück Obst. Die darin enthaltenen Ballaststoffe verzögern die Zuckeranflutung stark, sodass man sich nicht überisst. Für den Einzelnen kann auch ungeschwefeltes Trockenobst eine gute Alternative sein.