Patienten fragen

Wie schätzen Sie den Verzehr von Grapefruit bei einer Therapie mit Tamoxifen bzw. Letrozol ein? Sind potenzielle Wechselwirkungen zu befürchten?

Wenn Sie Medikamente einnehmen und dabei täglich Grapefruit verzehren wollen, ist das grundsätzlich problematisch. Denn die Grapefruit und ihr Saft hemmen das Stoffwechselenzym CYP3A4. Werden bestimmte Medikamente gleichzeitig eingenommen, ist deren Bioverfügbarkeit erhöht, da die Regulierung durch das Enzym entfällt. Das gilt für Zytostatika ebenso wie für Blutdrucksenker und Statine, Psychopharmaka und Mittel gegen Herzrhythmusstörungen und auch für das Immunsuppressivum Cyclosporin.
Bei den meisten Patienten treten deutlich mehr Nebenwirkungen auf. Beim Tamoxifen besteht das Risiko, dass kein wirksames Endoxifen (4-hydroxy-N-Desmethyl-Tamoxifen) gebildet wird, sodass die Wirkung des Arzneimittels beeinträchtigt werden kann.
Daher ist es in der Tat ungünstig, während einer Behandlung mit diesen Medikamenten Grapefruit oder deren Saft zu verzehren. Das betrifft bereits kleine Mengen (ein Glas Saft), und der Effekt hält sogar mehrere Tage lang an. Solche Wechselwirkungen sind auch für einige andere Früchte bekannt, wie z.B. für falsch gelagerte Sellerie oder Pastinakenknollen (mikrobielle Belastung) sowie speziell für die Seville-Orange, jedoch nicht für die bei uns übliche Apfelsine/Orange.
Letrozol wird hauptsächlich über CYP3A4 und CYP2A6 in ein inaktives Stoffwechselprodukt umgewandelt. Von daher kann die Grapefruit auch die Verstoffwechselung von Letrozol beeinflussen. Eindeutige Untersuchungen zu dieser Fragestellung liegen bisher jedoch nicht vor. Generell würden wir aus diesen Erkenntnissen heraus von dem Verzehr von Grapefruit unter einer onkologischen Therapie eher abraten.