Patienten fragen

Ich habe während meiner Chemotherapie jeden Tag Grapefruit gegessen. Leider musste ich die Therapie wegen schlechter Verträglichkeit nach vier Zyklen abbrechen. Nun habe ich gehört, dass dies an der Grapefruit liegen kann. Stimmt das?

Ja, das stimmt. In der täglichen Ernährung ist besonders der Verzehr von Grapefruit problematisch. Die Grapefruit und ihr Saft hemmen ein bestimmtes Stoffwechselenzym, das sogenannte CYP3A4. Werden bestimmte Medikamente, wie Zytostatika, gleichzeitig eingenommen, ist deren Bioverfügbarkeit erhöht, da die Regulierung durch das Enzym entfällt. Es treten dann bei den meisten Patienten deutlich mehr Nebenwirkungen auf. Daher ist es in der Tat ungünstig, während einer Behandlung mit Zytostatika diese Früchte oder ihren Saft zu verzehren. Das betrifft bereits kleine Mengen (ein Glas Saft), und der Effekt hält sogar mehrere Tage lang an.
Solche Wechselwirkungen sind auch für einige andere Früchte bekannt, wie z.B. für falsch gelagerte Sellerie oder Pastinakenknollen sowie speziell für die Seville Orange, jedoch nicht für die bei uns übliche Apfelsine/Orange. Übrigens ist von Grapefruit nicht nur in Zusammenhang mit einer Chemotherapie abzuraten, sondern auch dann, wenn andere Medikamente oral, das heißt als Tablette, eingenommen werden, wie z.B. Tamoxifen, Blutdrucksenker, Psychopharmaka, Statine, Antiarrhythmika oder das Immunsuppressivum Cyclosporin.

Vorsicht ist auch bei Gerbstoffen aus grünem und schwarzem Tee sowie Kaffee geboten. Denn diese können in Kombination mit oral eingenommenen Medikamenten (z.B. Tablettenchemo) zu schwer löslichen Komplexen im Magen-Darm-Trakt führen, sodass weniger Wirkstoff aufgenommen wird. Hier empfehlen die Hersteller, einen Abstand von 2–3 Stunden einzuhalten.
Ähnliches gilt auch für das in Milchprodukten oder Vitaminpräparaten enthaltene Kalzium. Man sollte das Mineral besser nicht mit Antibiotika einnehmen, um die Aufnahme des Wirkstoffs nicht zu stören.
Auch Magenschutzmedikamente können die Bioverfügbarkeit von anderen Arzneimitteln unter eine therapeutisch wirksame Dosis bringen. So senkt z.B. die Einnahme von Omeprazol die Aufnahme von Erlotinib um 50%. Hier ist es ähnlich wie beim Kaffee besser, einen zweistündigen Abstand zu anderen Medikamenten einzuhalten.
Selten denken Ärzte daran, ihre Patienten darüber zu informieren, dass auch das Rauchen die Wirksamkeit von Krebsmedikamenten einschränkt. Der Körper nimmt deutlich weniger Erlotinib oder Irinotecan auf, wenn die Patienten weiter ihrer Nikotinsucht frönen. Falls Sie Capecitabine erhalten, sollten Sie außerdem auf Folsäure verzichten, da sie in Kombination mit diesem Mittel zu erheblichen Nebenwirkungen führen kann. Sie sehen also: Die Ernährung kann den Genesungsprozess nicht nur unterstützen, sondern auch die Wirksamkeit von Arzneien beeinflussen. Gut, dass Sie gefragt haben.