Patienten fragen

Ich frage mich als Brustkrebspatientin, ob nicht auch weniger Chemotherapiezyklen ausreichen. Gibt es hierzu Untersuchungen?

Zur Frage, wie lange eine vorbeugende Chemotherapie dauern soll, gibt es tatsächlich eine aktuelle Untersuchung. Sie wurde 2012 von der Cancer and Leukemia Group B (CALGB 40101) im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht. Betrachtet wurden die Krankheitsverläufe von 3171 Frauen mit operablem Brustkrebs, 90 Prozent von ihnen hatten keinen Lymphknotenbefall. In der Zeit von 2002 bis 2008 erhielten die Patientinnen entweder vier oder sechs Zyklen von vier verschiedenen Chemotherapieprotokollen. Die wichtige Essenz dieser Studie: Weder die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall noch das Gesamtüberleben waren am Ende der Untersuchung (nach durchschnittlich 5,3 Jahren) von der Therapiedauer beeinflusst.
Die Autoren der Studie resümieren daher, dass eine Verlängerung der Chemotherapie von vier auf sechs Zyklen Frauen mit operablem Mammakarzinom und maximal drei positiven Lymphknoten erspart werden kann. Leider haben diese Erkenntnisse bisher nicht dazu geführt, die übliche Behandlung dahingehend zu verändern. Wir möchten den Patienten Mut machen, ihre Therapieentscheidung individuell zu treffen, auch was die Anzahl der Chemozyklen angeht. Schon in 2002 ergab eine Analyse (Colleoni M et al./Brit J Cancer 86), dass bei drei Zyklen und bei sechs Zyklen CMF kein Unterschied im rückfallfreien 5-Jahres-Überleben besteht. Die Gefahr, dass sich therapieresistente Zellen entwickeln, nimmt jedoch mit der Dauer der Chemotherapie zu. Mehr Therapie bedeutet also nicht unbedingt mehr Wirksamkeit. Vor allem Frauen, die unter starken Nebenwirkungen leiden, kann daher geraten werden, eine belastende Chemotherapie auch früher zu beenden.