Forschung / Studien

de Groot S, Lugtenberg RT, Cohen D, Welters MJP, Ehsan I, Vreeswijk MPG, Smit VTHBM, de Graaf H, Heijns JB et al; Dutch Breast Cancer Research Group (BOOG). Fasting mimicking diet as an adjunct to neoadjuvant chemotherapy for breast cancer in the multicentre randomized phase 2 DIRECT trial. Nat Commun 2020; 11(1):3083. doi: 10.1038/s41467-020-16138-3

Ein Kurzzeitfasten vor einer neoadjuvanten Chemotherapie bei Brustkrebs kann helfen, die Ansprechrate verbessern. Dies zeigen Ergebnisse der holländischen DIRECT-Studie, an der 131 Frauen mit einem nicht metastasiertem HER2-negativen Brusttumor im Stadium II/III teilnahmen. Alle Frauen erhielten entweder eine neoadjuvante Chemotherapie mit Doxorubicin, Cyclophosphamid und Docetaxel oder eine Chemotherapie mit 5-FU, Epirubicin, Cyclophosphamid und Docetaxel. 65 Frauen wurden in die Therapiegruppe randomisiert, bei der die Patienten drei Tage vor jedem Therapiezyklus eine sogenannte Fasten-imitierende Diät (fasting mimicking diet, FMD) mit einem geringen Proteinanteil und einem hohen Anteil an komplexen Kohlenhydraten (Xentigen®/L-Nutra) erhielten. Die Ernährung bestand zu einem großen Teil aus Suppen, Brühen und Tees. Am ersten Tag bekamen die Frauen rund 1200 Kilokalorien, an den folgenden beiden Tagen sowie am ersten Therapiezyklustag noch etwa 200 Kilokalorien.
Ergebnisse: Bei der Toxizität der Chemo gab es keine größeren Unterschiede zwischen beiden Gruppen, obwohl, um die Wirkung der Diät nicht negativ zu beeinflussen, bei der FMD-Gruppe auf Dexamethason verzichtet wurde.
Eine radiologisch vollständige oder teilweise Remission trat bei Patientinnen mit FMD häufiger auf, 89 Prozent mit FMD, aber nur 73 Prozent mit der normalen Diät erreichten radiologisch eine komplette oder partielle Response. Darüber hinaus zeigte sich, dass die pathologische Reaktion von Miller & Payne 4/5, die auf einen Tumorzellverlust von 90-100% hinweist, bei Patienten mit FMD wahrscheinlicher war. Insgesamt ergab sich eine klare Dosisabhängigkeit: Je mehr Zyklen die Frauen mit FMD absolvierten, umso höher war der Anteil mit einem Regressionsgrad von 4 oder 5.
Aber: Nur ein Drittel in der FMD-Gruppe hielt das Fasten über vier, nur ein Fünftel über sämtliche Chemotherapiezyklen durch. Zusammenfassend ist es daher schwierig, aufgrund der sehr kleinen Patientenanzahl dieser Studie wirklich belastbare Aussagen zu treffen.

GfBK-Kommentar: Schon länger wird vermutet, dass kurzzeitiges Fasten Krebstumore schrumpfen lassen kann. Prof. Valter Longo, Direktor des „Longevity Institute“ an der Universität von Südkalifornien in Los Angeles, beforscht dies mit seinem Forscherteam schon einige Jahre. So hat er in Versuchen an Mäusen festgestellt, dass bei den Mäusen, die jeweils zwei bis drei Tage vor einer Chemotherapiegabe nichts zu fressen erhielten, die Chemotherapie besser wirken konnte [9].
Warum kurzfristiges Fasten einen negativen Einfluss auf Krebszellen haben könnte, begründen die Forscher mit der sogenannten differenzierten Stressresistenz, einem Begriff von Valter Longo, der beschreiben soll, dass durch kurzfristiges Fasten die starken Stoffwechselveränderungen dazu führen, dass Tumorzellen rascher absterben, weil sie sich weniger gut an veränderte Umweltbedingungen anpassen können.
Unklar ist jedoch, ob sich diese Beobachtungen auch auf den Menschen übertragen lassen. Interessant sind in diesem Zusammenhang die Ergebnisse einer Studie von Berliner Forschern um Professor Andreas Michalsen, die untersuchte, welchen Effekt Kurzzeitfasten bei 29 Patientinnen mit einem Brust- oder Eierstockkrebs während der Chemotherapie auf die Lebensqualität hat [10]. Die Fastenphase begann 36 Stunden vor Beginn der Chemotherapie und endete 24 Stunden nach Ende der Chemotherapie. Während des Fastens war es den Frauen erlaubt, Wasser, Kräutertee sowie 2 x 100 ml Gemüsesaft und Gemüsebrühe mit einer täglichen Zufuhr von maximalen 350 kcal zu sich nehmen. Das Ergebnis war, dass in der Fastengruppe die Lebensqualität weniger stark beeinträchtigt war.
Allerdings kann man festhalten, dass Fasten nicht für jeden Krebskranken gleichermaßen sinnvoll ist. Schließlich hängt die Durchführbarkeit des Fastens bei Krebserkrankungen von vielen verschiedenen Faktoren ab, insbesondere der körperlichen Befindlichkeit und Belastbarkeit. Bei stark ausgeprägter körperlicher Schwäche und Gewichtsabnahme ist vom Fasten eher abzuraten. Manche Ärzte raten hier zumindest 36 Stunden vor und 24 Stunden nach Chemotherapie zu einer veganen Ernährung als mögliche Alternative zum Fasten.

Literatur
[9] Lee C, Raffaghello L, Brandhorst S, Safdie FM, Bianchi G, Martin-Montalvo A, Pistoia V, Wei M, Hwang S, Merlino A, Emionite L, de Cabo R, Longo VD. Fasting cycles retard growth of tumors and sensitize a range of cancer cell types to chemotherapy. Sci Transl Med 2012; 4(124): 124ra27. doi: 10.1126/scitranslmed.3003293
[10] Bauersfeld SP, Kessler CS, Wischnewsky M, Jaensch A, Steckhan N, Stange R, Kunz B, Brückner B, Sehouli J, Michalsen A. The effects of short-term fasting on quality of life and tolerance to chemotherapy in patients with breast and ovarian cancer: a randomized cross-over pilot study. BMC Cancer 2018; 18(1): 476. doi: 10.1186/s12885-018-4353-2