Forschung / Studien

Eine komplette Lymphadenektomie durch Neck-Dissection ist bei fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren mit Lymphknotenbefall nicht unbedingt sinnvoll. Dies zeigte eine prospektive randomisierte Studie an 654 Patienten mit N2- oder N3-Status und ohne Metastasen (Mehanna H et al. / N Engl J Med 2016). Dabei bekamen die Patienten nach Radiochemotherapie entweder gleich eine Neck-Dissection oder erst, wenn 12 Wochen nach Abschluss der Radiochemotherapie im PET-CT ein Rezidiv diagnostiziert wurde. Der primäre Endpunkt war das Gesamtüberleben. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 36 Monate.
Wurden die Patienten nur mit PET/CT beobachtet, wurde seltener eine Neck-Dissection durchgeführt (54 versus 221). Das 2-Jahres-Überleben lag in der Überwachungsgruppe bei 84,9 Prozent und in der Operations-Gruppe bei 81,5 Prozent. In der Lebensqualität unterschieden sich die beiden Gruppen nicht voneinander.

GfBK-Kommentar: Diese Studie bestätigt die Erkenntnis, dass eine Radikalität in der Ausräumung von Lymphknoten nicht unbedingt die bessere Wahl ist. Da eine Neck-Dissection erfahrungsgemäß die Patienten deutlich belastet, sollte man das Vorgehen bei Kopf-Hals-Tumoren zukünftig individueller angehen. Hier wäre eine abwartende Strategie eindeutig die bessere Wahl.
Um das erhöhte Rezidivrisiko bei Kopf-Hals-Tumoren zu minimieren, sind von naturheilkundlicher Seite vor allem die Gabe von Präparaten denkbar, die direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Außerdem zeigte eine aktuelle Studie, dass Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren über die Aktivierung von Entgiftungsgenen eventuell von Brokkoliextrakt profitieren: Bauman J et al / Cancer Prevention Research 2016. Weitere Pflanzenstoffe, die für die Rezidivvorbeugung bei Kopf-Hals-Tumoren interessant sein könnten, sind Grüner Tee und Curcuma.