Forschung / Studien

Künstliche Süßstoffe, die Diäten erleichtern und Diabetes vorbeugen sollen, hatten in tierexperimentellen Studien (Suez J/Nature 2014) einen gegenteiligen Effekt. Die Mäuse, denen über das Trinkwasser Saccharin (E 954), Sucralose (E 955) oder Aspartam (E 951) verabreicht wurde, nahmen an Gewicht zu, und ihr Blutzucker stieg an. Grund für diese paradoxe Wirkung soll eine Dysbiose der Darmbakterien sein, die die Forscher durch gezielte Antibiotikagabe bei den Tieren unterbinden konnten. Durch Stuhltransplantation der Mäuse, die mit Süßstoffen gefüttert worden waren, auf die Mäuse, die keimfrei aufgezogen wurden und niemals künstliche Süßstoffe erhalten hatten, konnte die Störung der Glukosetoleranz sogar übertragen werden, was den endgültigen Hinweis lieferte.
Nachfolgende Untersuchungen an der Darmflora ergaben, dass die Süßstoffe die Darmflora tatsächlich verändern. So kam es zu einer Zunahme von Bakterien, die vermehrt Kohlenhydrate abbauen. Der dabei entstandene Zucker könnte, so die Forscher, dann vom Darm aufgenommen und die Glukoseintoleranz induziert haben. Verstärkt wurde übrigens der Effekt der Glucoseintoleranz noch dadurch, dass durch die Bakterienstämme auch die Bildung von kurzkettigen Fettsäuren erhöht war. Möglicherweise könnten Süßstoffe deshalb die Wirkung einer zucker- und fettreichen Nahrung noch verstärken und zu einer Gewichtszunahme führen.

GfBK-Kommentar: Auch wenn dies „nur” ein Tierversuch ist, so ist der Versuchsaufbau schlüssig gewählt und belegt recht eindrücklich, wie es zu einer Veränderung der Darmflora unter der Gabe von künstlichen Süßstoffen kommen kann.
Problematisch ist dabei vor allem eins: Süßstoffe werden nicht nur als leicht vermeidbarer Zuckerersatz für den Kaffee oder Tee angeboten. Sie bilden auch die Grundlage für kalorienfreie Süßgetränke und werden Fertignahrungsmitteln zugesetzt (als Zusatzstoffe im Bereich von E 950 bis 962). Obwohl sie als unbedenklich gelten, da sie in der Regel nicht vom Darm resorbiert werden, muss man doch aufgrund der Beeinflussung der Darmflora mit langfristigen Folgen rechnen. Wir halten Süßstoffe für völlig unnötig und möchten dazu raten, auf Zuckerersatzstoffe, wie z. B. Stevia auszuweichen bzw. insgesamt den Zuckerkonsum auch durch versteckte Zucker zu reduzieren.
Übrigens, am Ende des Tierversuches haben die Forscher ihre Ergebnisse auch klinisch überprüft. Sie analysierten die Daten von 381 nicht-diabetischen Teilnehmern einer laufenden ernährungsphysiologischen Studie und konnten aufzeigen, dass Teilnehmer, die Süßstoffe benutzten, mehr wogen, höhere Nüchternblutzucker- und HbA1c-Werte aufwiesen und eine veränderte Darmflora hatten. Außerdem konnte die Veränderung der Darmflora auch bei einem Teil der gesunden Teilnehmer induziert werden, indem diese täglich eine Woche lang Saccharin in der von der FDA erlaubten Höchstmenge erhielten.