Forschung / Studien

Im Rahmen der sog. Prostate Cancer Intervention versus Observation Trial (PIVOT) wurden von 1994 bis 2002 insgesamt 731 Männer mit lokalisiertem Prostatakarzinom (mittleres Alter 67 Jahre, mittlerer PSA-Wert 7,8 ng/ml) untersucht. Dabei wurden die Patienten randomisiert und zwei Gruppen zugeteilt: 364 Männer erhielten eine radikale Prostatektomie, und 367 Männer wurden im Rahmen einer „Wait and see"-Strategie begleitet (Wilt TJ/NEJM 2012).
Das Ergebnis: Die radikale Prostatektomie bringt bei einem im PSA-Screening entdeckten lokalisierten Prostatakarzinom keinen signifikanten Vorteil im Vergleich zur „Wait and see"-Strategie. In Zahlen ausgedrückt starben innerhalb einer mittleren Beobachtungszeit von zehn Jahren 171 Patienten (47 Prozent) der OP-Gruppe (davon starben jedoch nur 5,8 Prozent an der Prostata-Ca-Erkrankung) und 183 Patienten (50 Prozent) der Wait-and-See-Gruppe (davon starben 8,4 Prozent an der Prostata-Ca-Erkrankung).
Man sieht daran, dass die Operation die prostatakrebsspezifische Mortalität um 2,6 Prozentpunkte senkte, jedoch ohne statistische Signifikanz zu erreichen. Studien mit mehr Patientenzahlen wären hier notwendig, um die Fragestellung endgültig klären zu können.

GfBK-Kommentar: Das Prostata-Karzinom ist die häufigste Tumorerkrankung des Mannes. Im Jahr 2008 wurde es in Deutschland ungefähr 70.000-mal diagnostiziert. Noch höher dürfte allerdings die Zahl derer sein, bei denen es nicht entdeckt wird und die damit bis ans Lebensende ohne ernsthafte Beschwerden leben.
Es ist für Patienten und Therapeuten nicht leicht, den schmalen Weg zwischen radikaler oder abwartender Behandlung und der Erhaltung einer guten Lebensqualität zu finden. Einerseits gilt das Prostatakarzinom im Frühstadium bei älteren Männern oft als relativ harmloser „Alterskrebs" - andererseits kann es vor allem bei jüngeren Männern schnell fortschreitend sein.
Umso wichtiger ist es, schnell wachsende von langsam wachsenden Karzinomen unterscheiden zu können. Hier hilft vielleicht die Subgruppenanalyse der obigen Studie weiter, in der gezeigt werden konnte, dass eher Männer mit einem PSA-Wert über 10 ng/ml, einem Gleason-Score über 7 und einem mittleren bis hohen Risiko nach den Kategorien von d'Amico von einer Operation profitierten.
Bei den vorliegenden Zahlen drängt sich ähnlich wie bei dem so heftig propagierten Mammographiescreening die Frage auf, ob durch ein frühzeitiges Entdecken von gewissen Tumoren durchschnittlich der Volksgesundheit wohl mehr geschadet als genutzt wird. Unbenommen von dieser Aussage sind natürlich Einzelfälle, in denen ein Nutzen der frühzeitigen Diagnose gegeben ist.