Forschung / Studien

Eine kanadische Studie ging der Frage nach, ob die Resektion des Primärtumors bei Darmkrebspatienten im metastasierten Stadium auch das Überleben beeinflusst (Ahmed S et al./ Cancer 2013). Dabei wurden 1378 Patienten mit einem kolorektalen Karzinom im Stadium IV in einer Kohortenstudie untersucht.
Bei 944 Patienten der durchschnittlich 70 Jahre alten Patienten wurde der Primärtumor chirurgisch entfernt. Die 30-Tage-Mortalität in der OP-Gruppe lag bei 6,6 Prozent. In dieser Gruppe betrug die durchschnittliche Überlebenszeit nach Diagnose 10,6 Monate - ein deutlicher Vorteil gegenüber den nicht operierten Patienten, die im Schnitt nur drei Monate überlebten. Wer sich zusätzlich einer Chemotherapie auf 5-Fluorouracil-Basis unterzog, lebte durchschnittlich noch 18,3 Monate (gegenüber 8,4 Monate mit einer Chemotherapie allein). Patienten, die Chemotherapeutika der zweiten Generation (Cetuximab oder Panitumumab und/oder Oxaliplatin oder Irinotecan) erhalten hatten, überlebten im Durchschnitt 24,6 Monate, wenn sie vorher operiert worden waren, dagegen nur 11 Monate, wenn dies nicht der Fall war.
Bei 40 Prozent der Patienten lagen Beschwerden durch eine Obstruktion vor. Etwa 60 Prozent der Patienten hatten bei Diagnosestellung noch keine oder nur minimale Beschwerden. Selbst hier machte sich der Nutzen der Tumorresektion bemerkbar: Die Lebenserwartung lag in dieser Untergruppe bei 8,4 Monaten, wenn die Behandlung sich auf die Chemotherapie beschränkte; sie stieg auf 18,3 Monate an, wenn zusätzlich der Primärtumor entfernt wurde. Bemerkenswert ist auch, dass der chirurgische Eingriff die Überlebenschancen im Beobachtungszeitraum fast im selben Maße wie eine Chemotherapie verbessert, nämlich um 51 Prozent.

GfBK-Kommentar: Gänzlich unbekannt ist das Phänomen, dass sich eine Entfernung des Primärtumors auch auf das Überleben auswirkt, ja nicht. So weiß man besonders vom Nierenzellkrebs, dass ein Entfernen des Primärtumors Rückbildungen von Metastasen zur Folge haben kann. Die Autoren diese Studie vermuten, dass der Primärherd im Darm Zytokine produziert, die das Tumorwachstum fördern und das Ansprechen auf zytotoxische Substanzen beeinträchtigen kann.
Fazit: Ob bei einem metastasierten kolorektalen Karzinom der Primärtumor entfernt werden sollte, ist eine Fragestellung, die man nur im individuellen Gespräch mit dem Patienten klären kann. Klar ist, dass bei den Patienten, die lokale Probleme durch Obstruktion, Perforation oder Blutung haben, man eher einen Eingriff empfehlen wird. Dass auch andere Patienten von einem Eingriff profitieren können, zeigt diese Studie. Interessant ist auch die von den Autoren gemachte Beobachtung, dass vor allem jüngere Patienten (um die 65) mit einem guten Performance-Status sowie Patienten, bei denen der Tumor nur an einen Ort gestreut hatte, von einer operativen Tumorentfernung profitieren.