Feinstaub, Schwermetalle, Pestizide, Weichmacher oder hormonaktive Umweltgifte in Plastikflaschen und Kosmetika. Umweltschadstoffe sind an der Entstehung von Krebs beteiligt. Welche Stoffe bergen welche Gefahren? Und was können wir als Bürger und Verbraucher tun? Lesen Sie den Beitrag von Dr. med. Nicole Weis.

Die Forscher Doll und Peto haben vor mehr als 35 Jahren postuliert, dass etwa zwei Drittel der Krebserkankungen auf das Rauchen und die Ernährung zurückgeführt werden kann und nur 4% auf Umweltgifte am Arbeitsplatz und 2% auf andere Umweltfaktoren (Doll R, Peto R. The causes of cancer: quantitative estimates of avoidable risks of cancer in the United States today. J Natl Cancer Inst 1981; 66(6): 1191-1308). Der seither beobachtete Trend der zahlenmäßig stark ansteigenden Krebsneuerkrankungen ist unserer Ansicht nach nur zum Teil auf bessere Diagnostik zurückzuführen. Neben genetischen Faktoren und dem Lebensstil, wie zum Beispiel Bewegung und Ernährung, können zunehmend auch Umweltschadstoffe eine Rolle bei der Entstehung von Krebserkrankungen spielen.

Allein die Menge an potentiellen Umweltschadstoffen kann einen schwindelig machen: So registrierte die amerikanische American Chemical Society seit dem 8. September 2009 über 50 Millionen chemische Substanzen. Und Greenpeace listete im Jahr 2010 allein 451 weltweit eingesetzte Pestizide auf, die besonders gesundheits- und umweltgefährdend sind und von denen rund ein Drittel davon auch in der europäischen Lebensmittelproduktion zugelassen ist (https://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/pestizide).

In einer aktuellen Studie aus dem Jahr 2015 machten Forscher um Professor Philip J. Landrigan vom Mount Sinai Hospital in New York deutlich, dass Umweltverschmutzung mehr als neun Millionen Menschen jährlich vorzeitig das Leben gekostet hat (Landrigan PJ et al. The Lancet Commission on pollution and health. The Lancet, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(17)32345-0). Demnach sei Umweltverschmutzung für mehr als 16 Prozent aller Todesfälle weltweit verantwortlich, das seien dreimal mehr Todesfälle als durch AIDS, Tuberkulose und Malaria zusammen. Todesursache seien meist Herzerkrankungen, Schlaganfälle und Lungenkrebs. In Deutschland gehen die Forscher davon aus, dass Umweltverschmutzung zu mehr als 62.000 Todesfällen beigetragen hat. Das sind 20-mal mehr als die Anzahl der Verkehrstoten im Straßenverkehr in Deutschland im Jahr 2016.

Umweltschadstoffe können natürlichen Ursprungs sein (z.B. Sonnenlicht, UV, Radon). In den meisten Fällen handelt es sich aber um Einwirkungen infolge von Aktivitäten des Menschen. Durch Verkehr, Industrie und Haushalte gelangen diese über die Luft, über Abwasser und Abfälle in die Umwelt. Dort können sie umgewandelt und angereichert werden und gelangen zum Beispiel über die Atemluft, die Nahrung oder das Trinkwasser in den menschlichen Organismus. Schon länger kennt man den Zusammenhang von Expositionen gegenüber Feinstaub einschließlich Dieselruß und Lungenkrebs. Auch die Exposition gegenüber Schwermetallen kann das Krebsgeschehen beeinflussen.

Bei der Einwirkung von niederfrequenten Magnetfeldern, etwa von Hochspannungsleitungen, ist ein möglicher Zusammenhang mit kindlicher Leukämie zu berücksichtigen, bei hochfrequenten Feldern, die von Radarstationen, Rundfunk- und Fernsehsendern sowie Mobilfunkbasisstationen ausgehen, ist die Faktenlage noch nicht ausreichend, um festzustellen, ob und welche Karzinome betroffen sein könnten. Der Zusammenhang mit bestimmten Hirntumoren (Gliome und Akustikusneurinome) und Mobiltelefonnutzung ist jedoch relativ gut gesichert (Kundi M. Umwelt und Krebs – Eine Bestandsaufnahme. DZO 2016; 48(01): 4-12).

Folgende Umweltschadstoffe wurden durch die internationale Krebsagentur (IARC) der WHO als Umweltkanzerogene eingestuft: Radon, Ionisierende Strahlung, Sonnenstrahlung, niederfrequente Magnetfeldern, hochfrequente Felder, Arsen, Blei, Cadmium, Chrom, Nickel, Kobalt, Methylquecksilber, Treibstoffabgase, Pestizide, Lösungsmittel, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Passivrauchen, Aflatoxine, Formaldehyd.

Hier einige Beispiele für die Quellen, aus denen wir Umweltschadstoffe aufnehmen können:

  • aus der Luft (Feinstaub, Autoabgase, Tabakrauch), auch Hausstaub und Laserdrucker
  • aus Kleidung und Schuhen (Schwermetalle, Weichmacher, sog. Phthalate)
  • aus Nahrungsmitteln (Pestizide, Lebensmittelzusatzstoffe, Konservierungsstoffe, Plastik- und Metallbehälter, Antibiotika aus der Tierhaltung)
  • aus Zahnfüllungen (Amalgam, Gold, Titan)
  • aus Impfstoffen, Drogen und Medikamenten (Quecksilber, Formaldehyd, Weichmacher, Titan, Aluminium)
  • aus Kosmetika wie z.B. Cremes, Deos, Parfüms, Lippenstifte, Nagellacke, Zahnpasta, Duschgele, Shampoos; hier besonders die hormonaktiven Umweltgifte und Weichmacher
  • aus Wohngiften (Formaldehyd, Lösungsmittel, Quecksilber (Energiesparlampen)), auch Putzmittel
  • aus Spielzeug (Weichmacher)

In der letzten Zeit hören wir vor allem vom Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, das weltweit eingesetzt wird, und im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Obwohl Glyphosat gerade in „aller Munde” ist, ist die Diskussion über das krebserregende Potential von Umweltschadstoffen noch viel zu wenig im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen. Dabei gibt es nicht erst seit der Aufdeckung der Einflussnahme des Saatgut- und Gentechnik-Konzerns Monsanto zum vermeintlich harmlosen Pestizid Glyphosat schon seit einigen Jahrzehnten immer wieder brisante Forschungsergebnisse zur Frage, inwieweit Umweltschadstoffe krebserregend sind.

So konnte zum Beispiel belegt werden, dass hormonbelastete Ernährung und hormonell wirksame Schadstoffe die Entstehung von Brustkrebs begünstigen (Übersicht unter: http://www.bcaction.de/bcaction/brustkrebs-heilen-ist-gut-vermeiden-ist-besser/). Schwangerschaft und Pubertät sind hierbei besonders kritische Zeitfenster.

Außerdem weiß man, dass sich Pestizide im Fettgewebe von Menschen und Tieren anreichern, weil diese und übrigens auch viele andere Umweltschadstoffe fettlöslich sind. Dies führt zu hohen Schadstoffkonzentrationen im Organismus vor allem bei Lebewesen, die am Ende der Nahrungskette stehen. Ein Beispiel ist das bis in die 70iger Jahre eingesetzte Pestizid DDT, das sich noch heute im Blut der meisten Menschen nachweisen lässt. Es gehörte zu den ersten Umweltgiften, für die eine hormonartige Wirkung belegt werden konnte.

Endokrine Disruptoren sind Substanzen, die das Hormonsystem im Organismus und die fetale Frühentwicklung stören, das Erbgut verändern und im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Die Liste der endokrinen Disruptoren, die oft in sehr geringer Konzentration in das Hormonsystem von Menschen und Tieren eingreifen, ist lang. Neben Schwermetallen wie Quecksilber zählen auch Pestizide wie DDT dazu, oder Triclosan, das in Zahnpasta und Seifen verwendet wird. Bisphenol A, das als Bestandteil von Kunststoffen (z.B. Plastikflaschen und Dosen) an die Nahrung abgegeben wird, steht ebenso im Verdacht, und auch Parabene, die als Konservierungsmittel in Kosmetika verwendet werden. Betroffen sind also Parfums, Kosmetika, medizinische Geräte, PVC-Kunststoffe und Regenkleidung.

Laut der Forschergruppe um Barbara Cohn vom Public Health Institute in Berkeley, Kalifornien, erkranken Frauen, die im Mutterleib einer erhöhten Konzentration des Pestizids DDT ausgesetzt waren, im Erwachsenenalter viermal häufiger an Brustkrebs (Cohn BA et al. DDT Exposure in Utero and Breast Cancer. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 2015; 100(8): 2865–2872). In dieser Studie wurde untersucht, welche Auswirkungen es später auf die Töchter hatte, wenn ihre Mütter vor oder während der Schwangerschaft dem Gift ausgesetzt waren. Die Forscher analysierten Daten von 20.754 Frauen. Sie hatten in den Jahren 1959 bis 1967 an den Child Health and Development Studies teilgenommen. Ihre Blutproben waren damals archiviert worden. Insgesamt 9.300 Teilnehmerinnen gebaren während dieser Zeit ein Mädchen. Zum Zeitpunkt der Studie waren die Kinder bis zu 52 Jahre alt. Einige von ihnen waren an Brustkrebs erkrankt. Die Forscher setzten die Konzentration eines DDT-Metaboliten im Blut der Mutter mit der Brustkrebsrate bei den Töchtern in Beziehung. Die Ergebnisse zeigten, dass eine erhöhte DDT-Exposition in der Gebärmutter das Brustkrebsrisiko der Töchter fast um den Faktor vier erhöht. Bei 83 Prozent der Tumore handelte es sich um ein Östrogenrezeptor-positives Mammakarzinom, was die ursächliche Bedeutung des Pestizids bestätigt.

Außerdem zeigte die Studie, dass die Pestizid-Belastung mit dem Tumorstadium zusammenhing. Frauen, die im Mutterleib einer höheren DDT-Konzentration ausgesetzt waren, erkrankten häufiger an schnell wachsendem Krebs. Ihre Tumore waren auch häufiger HER2-positiv. Das passt zu den Ergebnissen aus experimentellen Studien von der Wissenschaftlerin Barbara Cohn: Sie stieß ebenfalls darauf, dass DDT die Bildung des HER-Proteins fördern kann. Diese Erkenntnisse belegen eindrucksvoll, dass das Krebsrisiko steigt, wenn der Fetus im Mutterleib Umweltgiften ausgesetzt ist.

In der Vergangenheit konnten schon andere Studien aufzeigen, dass viele Schwangere gleich mit mehreren Chemikalien belastet sind, die ihren heranreifenden Nachwuchs schädigen können (Tracey JW et al. Environmental Chemicals in Pregnant Women in the United States: NHANES 2003–2004. Environ Health Perspect 2011; 119(6): 878–885). Dazu zählen Polychlorierte Biphenyle (PCB), Pestizide, Fluor-Kohlenstoffverbindungen (PFC), polybromierte Diphenylether (PBDE), Phthalate, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH) und Perchlorate. Selbst DDT wurde in dieser Untersuchung immer noch nachgewiesen, obwohl es schon längst verboten ist. Bisphenol A (BPA) ist in Plastik und Epoxydharzen enthalten. Die Substanz wurde in einigen Ländern für Babyflaschen verboten. BPA war jedoch bei 96 Prozent der Schwangeren nachweisbar. Also waren fast alle Kinder schon vor ihrer Geburt mit BPA belastet.

Dass Umweltschadstoffe über Jahrzehnte hinweg weltweit vorkommen und sich anreichern können, zeigt auch sehr gut das Beispiel der Schwermetalle. Durch die intensive Ausnutzung fossiler Brennstoffe ist der Mensch mit einer Vielfachbelastung mehrerer verschiedener Metalle konfrontiert. Mögliche Quellen für Metallbelastungen umfassen Wasser, Luft, Lebensmitteldünger (Gülle, Mineraldünger), Nahrungsmittel (z.B. Fisch, Hühnereier, Wildfleisch, Innereien, Fruchtsäfte), Genussgifte (Zigarettenrauch, Alkohol), Kosmetika, exotische Kräuter (Indien, China), Medikamente und Lebensmittelzusatzstoffe (E-Nummern). Fische reichern zum Beispiel das Quecksilber aus dem Wasser der Umgebung um den Faktor 1 Million an.

Demensprechend ist auch unbestritten, dass jeder Mensch in Europa jeden Tag mit mehreren Metallen in Kontakt kommt. So wird beispielsweise die Zahl der Kinder, die in Europa jährlich mit einer potentiell gesundheitsschädlichen Quecksilberbelastung geboren werden, auf 1,8 Millionen geschätzt (Bellanger M, Pichery C, Aerts D, et al. DEMO/COPHES. Economic benefits of methylmercury exposure control in Europe: monetary value of neurotoxicity prevention. Environ Health 2013; 12: 3). Dass eine Aluminiumexposition mit aluminiumhaltigen Deos das Brustkrebsrisiko erhöht, ist spätestens in den letzten zehn Jahren definitiv erkannt worden (Farasani A, Darbre PD. Effects of aluminium chloride and aluminium chlorohydrate on DNA repair in MCF10A immortalised non-transformed human breast epithelial cells. J Inorg Biochem 2015; 152: 186–9 und Bakir A, Darbre PD. Effect of aluminium on migration of oestrogen unresponsive MDA-MB-231 human breast cancer cells in culture. J Inorg Biochem 2015; 152: 180–5). Während man früher ob dieser Aussage noch belächelt wurde, werben inzwischen die meisten Hersteller mit aluminiumfreien Deodorantien. Aber Aluminium ist nicht nur in Deos enthalten:

So warnt die Toxikologin Prof. Monika Schäfer-Korting vom Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin, dass die Aufnahme von Aluminium in Deutschland weit über den empfohlenen Grenzwerten liege. Neben dem natürlichen Vorkommen in der Erdkruste und der Belastung von Trinkwasser, wird das Leichtmetall auch als Zusatzstoff bei Lebensmitteln, Arzneimitteln (z. B. Impfstoffen) und Kosmetika eingesetzt. Allerdings kann schon ein Muffin mit 28 mg Aluminium den empfohlenen Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation um mehr als das Dreifache überschreiten, so Prof. Schäfer-Korting auf der 25. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie in München 2016. Neben Süßigkeiten, Käse und Salz sind Backwaren oft am meisten belastet, was an den verwendeten Backblechen liegt, die unter Hitze Aluminium freisetzen. Auch in Kombination mit Säure wird Aluminium für den menschlichen Organismus leichter resorbierbar. Säure ist aber Bestandteil vieler Lebensmittel und Kosmetika und damit ein Hauptgrund für die Aluminiumanreicherung in Cremes aus Alu-Tuben oder wenn Zitrusfrüchte bzw. Aprikosenkuchen in Alufolie eingewickelt werden.

Bei der Abschätzung der Belastung mit Umweltschadstoffen ist vor allem wichtig, dass es ja nicht nur zu einer Ablagerung von einem einzelnen Umweltgift kommt, sondern dass eine Vielzahl an Schadstoffen in den Körper gelangt und wir nicht wissen, wie sich dieser Cocktail in Anbetracht der individuellen Entgiftungskapazität bei jedem einzelnen auswirkt. So wissen wir zwar viel über einzelne Substanzen, aber noch sehr wenig über das Risikopotential niedriger Mengen von Vielstoffgemischen. Das zeigt sich auch in der Diskussion um Grenzwerte. Zwar existieren für die meisten einzelnen Substanzen Grenzwerte. Jedoch werden die Wechselwirkungen mit anderen Stoffen darin nicht berücksichtigt. Ob eine Exposition mit Umweltgiften krank macht, lässt sich daher nicht pauschal beantworten, da auch Stress, eine jahrelange ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel den Organismus schwächen und damit die genetisch bedingte Entgiftungskapazität weiter herabsetzen können.

Was können Sie also tun? Umweltschadstoffe sind biologisch nicht gut abbaubar. Deshalb kann man momentan nur drei Dinge tun: Vermeiden, vermeiden und vermeiden. Auch für das sensible Ökosystem und die Artenvielfalt ist dies unerlässlich. Oder haben Sie gewusst, dass im Nordpazifik ein Pastik-Müllteppich die Größe Mitteleuropas erreicht hat und sogar einen eigenen Namen hat: great pacific garbage patch.

Vermeiden Sie daher neben Plastikwaren beschichtetes Kochgeschirr und Körperpflegemittel, die schädigende Chemikalien enthalten. Billig kann hier – wie so oft – letztlich ziemlich teuer werden. Und selbst kostspielige Nobel-Marken sind nicht automatisch auch gesund. Achten Sie auf das Siegel der geprüften Naturkosmetik. Bei der Auswahl Ihrer Körperpflegeprodukte helfen zudem Testberichte von Stiftung Warentest und Öko-Test. Beim BUND gibt es eine kostenfreie „ToxFox-App”, damit Kosmetikprodukte mit hormonell wirksamen Schadstoffen nicht mehr im Einkaufskorb landen.

Meiden Sie vor allem Getränke in Plastikflaschen und Lebensmittel aus Dosen, da deren Innenwände mit Plastik beschichtet sind, das BPA enthält. Diese kann in geringen Mengen in das Lebensmittel entweichen und im Körper eine hormonähnliche Wirkung entfalten. Außerdem scheint Bisphenol A nicht nur krebserregend zu sein, sondern Brustkrebszellen gegenüber Chemotherapie resistent zu machen (La Pensee EW, Tuttle TR, Fox SR, Ben-Jonathan N. Bisphenol A at low nanomolar doses confers chemoresistance in estrogen receptor-positive and -negative breast cancer cells. Environ Health Perspect 2009; 117(2): 175–180). ). Und nicht zuletzt hat eine aktuelle Untersuchung des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Münsterland-Emscher-Lippe gezeigt, dass vor allem Plastik-Mehrwegflaschen Mikroplastik-Partikel abgeben (https://www.cvua-mel.de/index.php/aktuell/138-untersuchung-von-mikroplastik-in-lebensmitteln-und-kosmetika).

Die komplexe Problematik zeigt auch, dass nicht nur Bisphenole, sondern auch andere, noch nicht identifizierte Stoffe eine hormonähnliche Aktivität in Plastikflaschen auslösen können. Dies zeigte eine Forschergruppe um Martin Wagner vom Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Frankfurter Universität, die in ihren Untersuchungen auch zeigen konnten, dass die Belastung in Wasser aus PET-Flaschen etwa doppelt so hoch ist wie in Wasser aus Glasflaschen (Wagner M et al. Endocrine disruptors in bottled mineral water: total estrogenic burden and migration from plastic bottles. Environmental Science and Pollution Research 2009; 16(3): 278–286 und Wagner M et al. Endocrine disruptors in bottled mineral water: Estrogenic activity in the E-Screen. The Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology 2011; 127(1-2): 128-135). Meiden Sie daher wenn möglich Getränke aus Plastikflaschen, besonders wenn diese zu lange hohen Temperaturen ausgesetzt waren, da dann Stoffe aus dem Kunststoff leichter in den Inhalt der Flasche übergehen können. Übrigens, die Deklaration „BPA-frei“ ist zwar Bisphenol-frei, jedoch werden anstelle dessen oft andere Stoffe eingesetzt, wie z.B. Tritan, von dem man letztendlich noch nicht weiß, ob es unschädlich und damit besser ist.

Die Tatsache, dass inzwischen auch Bioprodukte Umweltschadstoffe enthalten können, zeigt uns auf, dass diese Stoffe inzwischen überall, also ubiquitär, vorkommen, in den Böden, im Grundwasser und in Verpackungen. In letzteren können Mineralölrückstände (sog. MOAH) vorhanden sein, die dann wiederum auch in das Nahrungsmittel übergehen können. Bio-Hersteller versuchen inzwischen, solche potentiellen Verunreinigungsquellen zu vermeiden. Ganz sicher gehen können Sie, wenn Sie versuchen, verpackungsfrei einzukaufen, oder sich bei den Testergebnissen der Zeitschrift Öko-Test und der Stiftung Warentest informieren. Und meiden Sie konventionelle Lippenstifte, bei denen mehr MOAH anfallen als aus Nahrungsmitteln. So fand die Stiftung Warentest in Lippenstiften bis zu 15.000mal mehr Mineralölrückstände als in Lebensmitteln (https://www.test.de/thema/lippenstifte/tests/)! MOAH sind übrigens auch ein Beispiel dafür, dass für manche Stoffe noch keine Grenzwerte existieren, weil unklar ist, ob und welche Gesundheitsrisiken auftreten können. Das kann aber trotzdem bedeuten, dass bei ständiger Zufuhr einer geringen und vermeintlich niedrigen Dosis eines speicherbaren, potentiell gesundheitsschädlichen Stoffes seine Giftigkeit mit der Zeit und zunehmender Konzentration im Organismus ansteigt.

Auch wenn einen das glauben machen kann, dass man sowieso nichts mehr tun oder essen kann, gilt es gerade hier, nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Denn man kann auch mit kleinen Dingen, wie zum Beispiel einer simplen Kaufentscheidung, viel bewirken. Sich bewusst zu machen, dass es nicht nur um einen selbst geht, sondern auch um die Zukunft, in der unsere Kinder und Enkelkinder leben werden, um den globalen Zusammenhalt, um Solidarität mit Menschen, die noch gar nicht geboren wurden, kann uns klein machen oder stark, je nachdem welchen Weg wir wählen. Ich persönlich wähle lieber den optimistischen Weg und vertraue dem Motto: Groß ist der, der Kleines bewirkt, in dem Vertrauen, dadurch Großes verändern zu können. Oder, um es mit dem Philosophen Edmund Burke zu sagen: Niemand begeht einen größeren Fehler als jener, der nichts tut, nur weil er wenig tun könnte.

Entgiftungsmaßnahmen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) - Diese täglichen Gewohnheiten helfen beim Entgiften:

  • Sorgen Sie für ausreichend Schlaf. Ernähren Sie sich überwiegend aus naturbelassenen, biologischen, regionalen und pflanzlichen Quellen. Sorgen Sie für genügend Bewegung und Entspannung. Trinken Sie ausreichend Wasser und Kräutertee.
  • Vermeiden Sie, zu oft zu starke Gewichtsabnahmen bzw. Gewichtszunahmen (Jo-Jo-Effekte), da beim Abbau von Fettgewebe gespeicherte Gifte freigesetzt werden können. Eine Gewichtsabnahme bei starkem Übergewicht sollte immer naturheilkundlich begleitet werden.
  • Da giftige Stoffe nur sehr langsam ausgeschieden werden, sollte die Entgiftung langfristig angelegt werden. Wichtig ist auch eine optimale, an den Blutspiegel angepasste Versorgung mit den Mikronährstoffen Vitamin D, Selen und Zink. Mit Schüßler Salzen kann der Mineralstoffhaushalt aufgefüllt werden.
  • Um die Voraussetzungen für eine effektive Entgiftung zu schaffen, ist eine Stärkung der Ausleitungsorgane Leber, Niere und Darm unerlässlich. Es gilt der Grundsatz: Erst stärken, dann entgiften.
  • Vor der Therapie steht immer eine konkrete Diagnostik bei einem Umweltmediziner. Um zum Beispiel Schwermetallbelastungen feststellen zu können, werden Chelatbildner (DMPS, DMSA, EDTA) verwendet und dann die Ausscheidung im Urin gemessen. Die Kosten für einen solchen Mobilisationstest liegen zwischen 200 und 350 Euro. Auch in der Therapie werden Chelatbildner eingesetzt, um Schwermetalle auszuleiten (Adressen finden Sie unter „Hilfreiche Links“).
  • Oft wird auch eine Ausleitung mit Chlorella, Bärlauch und Koriander empfohlen, die jedoch in puncto Schwermetallausleitung deutlich schwächer wirken als Chelate. Insbesondere bei der Auswahl von Chlorella-Präparaten sollte man nach Rückstandskontrollen fragen, da Algen Schadstoffe speichern können. Zeolithe und Heilerde unterstützen die Entgiftung über den Darm. Beide sollten allerdings nicht mit säurehaltigen Nahrungsmitteln (Obst, Vitamin C, Fruchtsäfte) eingenommen werden, da das in Zeolithen und Heilerde natürlicherweise vorkommende Aluminium durch Einwirkung von Säuren aufgenommen werden könnte.

Korrespondenzadresse: Dr. med. Nicole Weis, Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V., Voßstraße 3, 69115 Heidelberg, Tel: 06221-138020, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Bücher zum Weiterlesen:

  • Bunk, Annliese und Schubert, Nadine. Besser leben ohne Plastik. Oekom Verlag.
  • Jennrich, Peter. Schwermetallentgiftung als Basistherapie bei chronischen Erkrankungen. Aurum Verlag.
  • Held, Monika. Tatort Gifte im Körper. Held Verlag.
  • Mutter, Joachim. Lass Dich nicht vergiften. GU Verlag.

Hilfreiche Links: