Patienten fragen

Aus einem Zeitungsartikel habe ich von einem neuen bildgebenden Verfahren gelesen: von der Positronen-Emissions-Tomografie, kurz PET. Sie wird wohl zur Diagnose von Tumorerkrankungen angewendet. Der Bericht besagt, dass damit auch die Wirksamkeit einer Chemotherapie beurteilt werden kann. Stimmt das?

Das PET-Verfahren ist schon seit einigen Jahren im Einsatz, also nicht mehr ganz neu. Es handelt es sich um eine Verfeinerung der Computertomografie (CT): Vor der Untersuchung wird dem Patienten eine radioaktive Zuckerverbindung injiziert. Der Zucker verteilt sich im Körper. Durch die radioaktive Markierung wird sichtbar, wo der Zuckerumsatz im Stoffwechsel (Metabolismus) erhöht ist. Das Bild wird in diesen Regionen geschwärzt. In Tumorzellen reichert sich der Zucker deutlich mehr an als in normalen Zellen. Darauf beruht der Effekt dieser Methode. Allerdings kommt es in bestimmten Organen auch im gesunden Zustand aus physiologischen Gründen zu einem geschwärzten Bild, z. B. in den Nieren und in der Blase. Denn ein Teil des Zuckers wird zügig mit dem Urin ausgeschieden. Außerdem verdeckt die Blase mitunter ein Stück des Enddarms, wodurch die Darstellung in diesem Bereich ungenau sein kann. Wie bei allen anderen bildgebenden Verfahren kommt es nicht nur auf das Gerät an, sondern auch darauf, dass ein erfahrener Mediziner die Ergebnisse bewerten kann. Die PET-Untersuchung kommt in verschiedenen Phasen einer Krebserkrankung zum Einsatz. Ärzte suchen mittels PET nach dem Krebsherd. Sie gewinnen über dieses Verfahren auch Erkenntnisse darüber, ob der Tumor bösartig ist, und erhalten Hinweise, die ihnen zum Bestimmen des Krankheitsstadiums dienen. Der Erfolg von Bestrahlungen oder Chemotherapie lässt sich mithilfe einer PET schon während oder unmittelbar nach der Behandlung feststellen. In der Nachsorge ermöglicht sie, Rückfälle und Metastasen frühzeitig zu erkennen. Heute ist es üblich, die PET-Untersuchung in Kombination mit einer Computertomografie (CT) zu nutzen. Dadurch kann die Position des Tumors anatomisch genau zugeordnet werden. Eine PET ist auch sinnvoll, um einen Primärtumor aufzuspüren (beim CUP-Syndrom). Aktuell wird diese Methode vor allem bei Lungenkrebs eingesetzt, um festzustellen, wie weit sich die Erkrankung im Organismus ausgebreitet hat. Auch bei anderen Tumoren kann es hilfreich sein, mittels PET nach Metastasen Ausschau zu halten. Das kann den Betroffenen unter Umständen unnötige Operationen ersparen. Denn wenn Tochtergeschwulste in anderen Körperregionen vorliegen, muss ohnehin über eine systemische Therapie nachgedacht werden. Durch die PET-Untersuchung könnte die Wirkung einer Chemotherapie bei vielen Tumoren schon nach wenigen Zyklen bewertet werden. Ist die Therapie wirksam, dann sinkt der Zuckerverbrauch in den Tumorzellen. Dennoch wird das Verfahren derzeit nicht in der Verlaufskontrolle von Krebserkrankungen eingesetzt. Die Kosten einer solchen Untersuchung liegen etwa bei 1.400 Euro. Sie werden leider selten als Kassenleistung anerkannt. Im Interesse der Patienten sollte hier dringend geforscht werden, damit wissenschaftliche Ergebnisse die Nützlichkeit der Methode dokumentieren.