Patienten fragen

Eine Fernsehsendung hat über das Kontrastmittel Gadolinium berichtet. In dem Beitrag wurden detailliert meine Beschwerden beschrieben, unter denen ich nach Chemotherapie und vielen Nachuntersuchungen leide. Über die letzten Jahre verteilt hatte ich mehr als ein Dutzend MRT-Untersuchungen mit Kontrastmittel. Wie soll ich mich verhalten? Was wissen Sie über die Nebenwirkungen von Gadolinium?

Das Metall Gadolinium wird in der Medizin als Kontrastmittel bei MRT-Untersuchungen (Magnetresonanztomografie eingesetzt. Lange galt Gadolinium als unbedenklich, doch jetzt geht man davon aus, dass es sich im Körper ablagert. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat nun auch offiziell bestätigt, dass sich nach Anwendung von gadoliniumhaltigen Kontrastmitteln geringe Mengen Gadolinium im Gehirn ablagern.
Welche langfristigen Risiken mit einer Gadoliniumablagerung im Gehirn einhergehen, ist unbekannt. Daher empfahl die EMA, die Zulassungen für intravenöse lineare gadoliniumhaltige Kontrastmittel in der EU ruhen zu lassen. Die als stabiler geltenden sogenannten makrozyklischen Kontrastmittel sind nach wie vor auf dem Markt, obwohl sie ebenfalls Gadolinium enthalten. Studien zeigen, dass auch bei diesen Verbindungen Rückstände des giftigen Schwermetalls im Gehirn und in den Knochen gefunden wurden.
Von anderen Metallen weiß man, dass bereits geringe und noch unter den Grenzwerten liegende Mengen durchaus zu Vergiftungssymptomen führen können. Deshalb stufen wir den Einsatz von Gadolinium als problematisch ein.
Auf der Internetplattform www.gadolinium-vergiftung.de beschreiben die Betroffenen sehr eindrücklich ihre Beschwerden. Oft klagen Patient*innen nach MRT-Aufnahmen – wie auch bei anderen Kontrastmitteluntersuchungen – über Schlappheitsgefühl bzw. Körperschmerzen, die ein paar Tage andauern. Bisher unbekannt war, dass diese Symptome noch nach Wochen bis Monaten chronifizieren können. Beschrieben werden dabei Schmerzen (ähnlich einer Fibromyalgie), Muskelschwäche, Schwellungen, Missempfindungen, Krämpfe, Atemprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Hautveränderungen, Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen, Sprachprobleme und Sehstörungen. Es soll außerdem zu einem Anstieg der Leberenzyme sowie der Herzenzyme und zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion kommen können.
Wenn Sie den Verdacht hegen, an einer Gadoliniumvergiftung zu leiden, lassen Sie Ihren Gadoliniumwert bestimmen. Labore, die diese Untersuchung durchführen, sind z.B. https://microtraceminerals.de/ (Microtrace Minerals Hersbruck), http://www.mlhb.de (Medizinisches Labor Bremen), http://www.imd-berlin.de (IMD Labor Berlin-Potsdam). Bei erhöhten Werten wenden Sie sich an einen Arzt oder eine Ärztin für Umweltmedizin.
Immerhin haben deutschlandweit viele Radiologen umgedacht. Sie verwenden gadoliniumhaltige Kontrastmittel nur noch dann, wenn es aus ihrer Sicht unvermeidbar ist, das heißt, wenn sie wichtige diagnostische Informationen mit einer Magnetresonanztomografie ohne Kontrastverstärkung nicht gewinnen können. Fragen Sie trotzdem im Vorbereitungsgespräch vor jeder MRT-Untersuchung nach, ob ein Kontrastmittel gespritzt werden soll, und entscheiden Sie vor Ort, ob Sie dem zustimmen. Alternativen zu diesen Kontrastmitteln gibt es leider noch nicht.
Übrigens: Die Patient*innen scheiden das Gadolinium über ihren Urin aus, sodass es dem Abwasser zugeführt wird. In unseren Kläranlagen kann das Metall Gadolinium nicht vollständig abgebaut werden. Es ist inzwischen in unserem Trinkwasser nachweisbar, wie der Geochemiker Professor Michael Bau aus Bremen zeigte. Diesen Umstand halten wir ebenfalls für bedenklich, auch wenn Forscher davon ausgehen, dass Gadolinium im Trinkwasser keine gesundheitliche Gefahr darstellt, sondern nur ein Indiz für die zunehmende Verschmutzung unserer Umwelt ist.