Patienten fragen

Ich habe Knochenmetastasen und bekomme zur Knochenstärkung sogenannte Bisphosphonate als Infusionen. Meine Information bis jetzt war, dass diese Bisphosphonate nebenwirkungsarm sind. Nun habe ich aber gehört, dass Bisphosphonate Kieferentzündungen auslösen können. Bin ich nun gefährdet, eine Schädigung des Kieferknochens zu bekommen? Sollte ich die Präparate mir lieber nicht mehr geben lassen?

Bisphosphonate (synthetische Phosphorverbindungen), die häufig in der Behandlung, aber auch zur Vorbeugung von Knochenmetastasen eingesetzt werden, können Knochenentzündungen und -defekte im Kieferbereich hervorrufen. Inzwischen warnen die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und das BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) vor Knochenschädigungen des Kiefers in Verbindung mit Bisphosphonaten, vor allem von Pamidronat (Aredia) und Zoledronat (Zometa), die als Infusionen verabreicht werden.
Die schwer therapierbaren Defekte treten häufig nach zahnmedizinischen Eingriffen auf und zeigen sich beispielsweise als lokale Entzündung mit freiliegendem Kieferknochen oder Knochenhautentzündung. Erstmals fiel Ärzten einer New Yorker Klinik für Mund- und Kieferchirurgie eine Häufung von Patienten mit hartnäckigen, teilweise schwerwiegenden Knochenentzündungen und -defekten unter einer Therapie mit Bisphosphonaten auf, die einem Krankheitsbild nach einer Bestrahlung des Kiefers glichen. Während diese so genannten Osteoradionekrosen (Knochenschäden infolge der Bestrahlung) mit ein bis zwei Erkrankungsfällen pro Jahr normalerweise eher selten auftreten, wurde bei 63 Patienten unter Bisphosphonattherapie innerhalb von zweieinhalb Jahren eine Knochennekrose des Kiefers beobachtet, ohne dass bei diesen Patienten eine Bestrahlung des Kiefers durchgeführt worden war. Eine deutsche Fallstudie aus Rostock und weitere Studien bestätigten schließlich die Beobachtungen aus den U.S.A., dass es bei Patienten in seltenen Fällen (5-10%) unter Bisphosphonatgabe zu entzündlichen, teilweise auch mit Antibiotika nicht beherrschbaren Schwellungen im Kieferbereich kommen kann (Steiner B/DMW 2005). Das Risiko dafür ist erhöht, wenn das Immunsystem sehr geschwächt ist, gleichzeitig Behandlungen mit Chemotherapie oder Cortison nötig sind oder wenn bereits Entzündungen im Mundraum bestehen.
Seit Bekanntwerden dieser Studien wird daher eine zahnärztliche Untersuchung vor Therapiebeginn empfohlen. Außerdem sollten unter der Behandlung mit Bisphosphonaten zahnmedizinische Eingriffe möglichst vermieden werden. In der Frage, ob die Bisphosphonat-Therapie nach dem Auftreten von Kiefernekrosen fortgeführt werden kann, muss stets individuell Risiko und Nutzen für den Patienten abgewägt werden, da Bisphosphonate Monate bis Jahre, eventuell lebenslang im Knochen verweilen können und in seltenen Fällen die Ausbildung weiterer Nekrosen trotz Absetzens beobachtet wurde.