Patienten fragen

Durch die schulmedizinische Behandlung - insbesondere der Chemotherapie - leide ich zunehmend an Schwäche und Müdigkeit. Mein Arzt hat mir wegen einer Blutarmut zusätzlich die Anwendung von Erythropoetin verordnet. Was halten Sie davon? Und was kann ich von biologischer Seite her zusätzlich tun?

Leiden Krebspatienten unter Schwäche, Müdigkeit und Erschöpfung, so liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit das sog. Fatigue-Syndrom vor. Dieses bezeichnet keine eigene Krankheit, sondern eine Vielzahl an Beschwerden. So unterschiedlich die verschiedenen Tumorerkrankungen und Behandlungsformen sind, so individuell werden auch die Beschwerden geäußert. Viele Betroffene fühlen sich schon nach kleinen Anstrengungen, wie Duschen, Treppensteigen oder beim Essen nachhaltig erschöpft. Andere wiederum können sich schlecht konzentrieren und bringen selbst zum Lesen, Telefonieren oder sogar zum Zähneputzen keine Kraft auf.
Das Fatigue-Syndrom kann durch viele Faktoren begünstigt werden. Als Hauptursache gilt die Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff. Belastende Therapien, wie Chemo– oder Strahlentherapie aber auch die Tumorerkrankung selbst stellen den häufigsten Auslöser dar. Es kommt zu einem Mangel an roten Blutkörperchen (Anämie), wodurch der Körper nur noch mangelhaft mit Sauerstoff versorgt werden kann. Aber auch andere Therapiefolgen wie Übelkeit, Appetitlosigkeit und Mundschleimhautentzündungen führen durch verringerte Nährstoffaufnahme zum Nachlassen der Kraftreserven. Chronische Infektionen, Funktionsstörungen der entgiftenden Organe (Leber, Niere), Schmerzen und Mangel an körperlichem Training können ebenfalls Müdigkeit und Erschöpfung auslösen. Von großer Bedeutung ist auch die psychische Anspannung angesichts der Diagnosestellung und den damit verbundenen existentiellen Sorgen und Ängsten.
Schulmedizinisch konzentrieren sich die meisten Behandlungen darauf, den durch Blutarmut hervorgerufenen Sauerstoffmangel zu beheben. Neuerdings wird alternativ zu Bluttransfusionen ein körpereigenes Hormon eingesetzt: Erythropoetin, kurz EPO genannt. Es regt im Knochenmark die Bildung von roten Blutkörperchen an, die den Sauerstoff im Körper transportieren. Weltweit bekannt wurde das Hormon, seit Sportler es als Dopingmittel missbrauchten. Ein Maß für die Menge an roten Blutkörperchen ist das Hämoglobin (roter Blutfarbstoff). Dieses kann im Blut durch den sog. Hämoglobinwert - Abkürzung „Hb-Wert" - bestimmt werden. Grundsätzlich sollte bei der Behandlung mit Erythropoetin der Hämoglobin-Wert jedoch nicht auf über 12 g/dl angehoben werden, insbesondere da einigen Studien zufolge durch zu starkes „Doping" mit Erythropoetin die Überlebenchancen von Krebspatienten verringert werden können (z.B. Lappin T/Oncologist 2007 und Wright JR/J Clin Oncol 2007). Nachgewiesen ist dies bei Patienten mit Brustkrebs, Kopf-Hals-Tumoren und großzelligem Lungenkrebs. Ursache für diese Beobachtung könnte sein, dass der isoliert gegebene Wachstumsfaktor Erythropoetin auch das Wachstum von Tumorzellen anzuregen vermag. Wir raten deshalb, Erythropoetin nicht allein zur Hb-Wert-Korrektur, sondern nur bei zusätzlich vorliegenden, auf die Anämie zurückzuführenden Beschwerden einzusetzen.
Was man als Patient selbst tun kann, um mehr Sauerstoff ins Gewebe zu bringen, sind Spaziergänge an frischer Luft, Atemgymnastik sowie sportliche oder gymnastische Übungen. Auch die von ganzheitlich arbeitenden Therapeuten angewandte Sauerstoff-Therapie, z.B. als Inhalation, bringt in der ambulanten Behandlung schnelle Erfolge. Bei der Blutbildung wird Eisen gebraucht, daher können Eisenpräparate (pflanzliche bevorzugen), Folsäure oder Vitamin B12 zusätzlich helfen. Am besten ist es, man lässt vom Arzt bestimmen, ob ein Mangel vorliegt. Auch Rote-Beete-Saft, Brennnesselsaft oder roter Traubensaft sollen die Blutbildung fördern. Damit das Eisen aus der Ernährung besser aufgenommen wird, hilft Vitamin C oder einfach nur ein frisch gepresster Orangensaft. Außerdem sollten Nährstoffdefizite ausgeglichen, Entgiftungsorgane gestärkt und die Darmschleimhaut regeneriert werden. (siehe GfBK-Infos: Darmregulation, Ausleitung und Entgiftung wie auch Vitamine) Bei weiteren Fragen wenden Sie sich gerne an den ärztlichen Beratungsdienst unserer Gesellschaft.