Patienten fragen

Ich bin 57 Jahre alt und wissentlich von keiner Krebserkrankung betroffen. In meiner Familie gab es bisher keine Krebserkrankungen. Dennoch stehe ich vor der Frage, ob ich eine Darmspieglung durchführen lassen soll. Ich bin verunsichert, da in der Öffentlichkeit regelmäßige Darmspiegelungen zunehmend propagiert werden. Wie stehen Sie dazu und wie risikoreich ist eine solche Untersuchung?

Durch öffentliche Kampagnen mit bekannten Größen aus Show und Sport wird verstärkt auf Darmspiegelungen als Mittel zur Früherkennung von Darmkrebs hingewiesen. Wissenschaftlich ist jedoch nicht erwiesen, ob vermehrte Darmspiegelungen tatsächlich die Darmkrebssterblichkeit senken. Allerdings sind Nebenwirkungen der Untersuchungsmethode bekannt, auf die nur selten hingewiesen werden. Wir möchten Ihnen daher empfehlen, dass vor einer Darmspiegelung immer zwischen Notwendigkeit und möglichen Nebenwirkungen abgewogen werden sollte. Die Schätzungen, wie sehr die Darmspiegelung die Heilungschancen erhöhen, sind widersprüchlich. Gegenwärtig ist noch unklar, wie viele Tumore sich entwickeln, ohne dass sie vorher als Polypen (Veränderungen der Darmschleimhaut) zu erkennen sind. Bekannt ist, dass Koloskopien, so die medizinische Bezeichnung für Darmspiegelungen, auch Risiken bergen. So können bei einer Koloskopie Blutungen und Beschädigungen der Darmwand auftreten. Die Vorbereitung und die Untersuchung selbst können gerade bei älteren Menschen Komplikationen hervorrufen: So kann es insbesondere bei dieser Altersgruppe beim vorhergehenden Abführen zu Kreislaufbelastungen kommen; die ausbleibende Nahrungsaufnahme und medikamentöse Ruhigstellung während der Untersuchung kann zu einer körperlichen Schwächung führen. Wichtig ist es auch, sich einen Arzt zu suchen, der diese Art der Untersuchung regelmäßig durchführt, um Komplikationen zu vermeiden. Selbstverständlich macht bei einer familiären Disposition, Ängsten vor einer Krebserkrankung oder bei einem Verdacht eine Darmspiegelung Sinn. Das gilt natürlich auch für Menschen, die von einer Darmkrebserkrankung betroffen waren.
Bei großen Aufklärungskampagnen sollte es auch darum gehen, die Achtsamkeit der Menschen für Vorgänge in ihrem Organismus zu stärken und sie damit ein Stück unabhängiger von technischen Untersuchungen zu machen. So helfen verschiedene Faktoren, das Erkrankungsrisiko zu minimieren. Wichtig ist auch, auf das, was im Darm geschieht, zu achten: Verstopfungen oder andere Funktionsstörungen sind Warnsignale, auf die reagiert werden muss. Zudem hilft regelmäßiger Sport und eine ausgewogene Ernährung, das Erkrankungsrisiko zu minimieren. Pflanzliche Kost wie Obst, Gemüse und Getreide neutralisiert Schadstoffe und stärkt die körpereigenen Abwehrkräfte gegen entartete Zellen. Positiv auf das Darmmilieu wirken außerdem milchsaure, vergorene Produkte wie Sauerkraut, Gemüsesäfte oder Joghurt.