Patienten fragen

Ich bin an Brustkrebs erkrankt und würde gerne mehr darüber erfahren, inwieweit Umweltgifte eine Rolle spielen und was ich selbst zur Vermeidung eines Rückfalls tun kann?

Krebs ist immer als eine multifaktorielle Erkrankung anzusehen. Das bedeutet, dass im Laufe des Lebens verschiedene Belastungsfaktoren zusammenkommen, die dann eine Krebserkrankung auslösen können, wenn das Gleichgewicht im Organismus zunehmend verschoben ist und das sprichwörtliche Fass überläuft. Was viele nicht wissen: Familiäre genetische Belastungen sind nur für einen geringen Anteil aller Brustkrebserkrankungen (fünf bis zehn Prozent) verantwortlich.

Um Rückfällen vorzubeugen, können Sie all das, was diesen Krebs verhindern hilft, für sich einsetzen: Die Statistik zeigt beispielsweise, dass schlanke und körperlich aktive Frauen seltener an Brustkrebs erkranken. Auch haben bereits erkrankte Frauen, die auf ihr Gewicht achten und sich regelmäßig bewegen, größere Chancen, wieder gesund zu werden. Brustkrebs-Patientinnen, die sich drei bis viermal pro Woche 40 Minuten oder länger bewegen hatten nach fünf Jahren deutlich weniger Rückfälle.

Ferner scheint eine Kost mit hohem Obst- und Gemüseanteil sowie reichlich Vollkornprodukten bei begrenzter Fettzufuhr mit einer günstigeren Prognose verbunden zu sein. Zum Beispiel vermindern hohe Carotinoid-Spiegel im Blut das Brustkrebsrisiko. Carotinoid-reich sind insbesondere gelbe bis orangefarbene Obst- und Gemüsesorten (Karotten, Paprika, Süßkartoffel, Kürbis, Aprikosen, Papaya, Mango, Pfirsiche, Sanddorn, aber auch Tomaten) und grünes Gemüse (Spinat, Brokkoli, Kresse, Endivien etc.). Zahlreiche Studien belegen auch die Bedeutung einer ausreichenden Vitamin D-Konzentration im Blut für die Minimierung des Brustkrebsrisikos und die Vermeidung von lokalen Rückfällen und Tumorabsiedlungen. Eine Berechnung aus den U.S.A. ergab, dass die Anhebung des Vitamin D-Spiegels durch die Gabe einer Dosis von 2000 I. E. (= Internationale Einheit) täglich jedes Jahr etwa 58.000 neue Fälle von Brustkrebs verhindern könnte.

Brustkrebszellen werden in ihrem Wachstum entscheidend durch Hormone beeinflusst. Hormonelle Faktoren spielen daher bei der Brustkrebsentstehung eine wichtige Rolle. So schützen ein spätes Eintreten der ersten Regelblutung und ein früher Eintritt in die Wechseljahre vor Brustkrebs, da der weibliche Organismus dann nur wenige Jahre einem Hormoneinfluss ausgesetzt ist. Dies erklärt auch, warum die zusätzliche Einnahme von Geschlechtshormonen in den Wechseljahren das Brustkrebsrisiko erhöht: Die Brustzellen erhalten einen zusätzlichen Wachstumsimpuls durch die Hormone. In großen Untersuchungen stellte sich heraus, dass vor allem die Gabe von weiblichen Hormonen (= Östrogene) gegen Wechseljahresbeschwerden das Brustkrebsrisiko um bis zu 45 Prozent erhöht.

Es wird diskutiert, ob die sogenannte Östrogendominanz am Anfang der Wechseljahre, die oft kombiniert mit einem Progesteronmangel ist, die Entstehung und das Wachstum von Brusttumoren fördern kann. Experten vermuten, dass dabei auch der Einfluss von Umweltschadstoffen eine Rolle spielt, da diese häufig östrogene Eigenschaften besitzen. Histologische Untersuchungen ergeben oft, dass Brustkrebsgewebe mit Schadstoffen, vor allem mit Pestiziden und Schwermetallen überlastet ist. Außerdem kommt es darauf an, wann die Aufnahme von Umweltschadstoffen erfolgte. Besonders die sensiblen Phasen der vorgeburtlichen Entwicklung und der Pubertät gelten als besonders gefährlich.

Auch andere Substanzen in der Umwelt können schädigend auf den Menschen einwirken. Erst vor kurzem hat die International Agency for Research on Cancer (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die gesundheitlichen Gefahren durch Dieselabgase neu bewertet und stuft sie eindeutig als krebserregend ein. Immer wieder erscheinen Pressemeldungen, dass Pestizide unerwartet im menschlichen Organismus nachgewiesen werden konnten. Besonders bei den Umweltschadstoffen sieht man, dass es zunehmend kompliziert wird, das Störungspotential genau einzukreisen, da inzwischen unüberschaubar viele Umweltfaktoren auf die Menschheit einwirken oder auf frühere Generationen eingewirkt haben.

Dieser umweltmedizinische Aspekt kann für betroffene Frauen wichtig sein, da er eine andere Färbung in die Diskussion um die Krankheitsentstehung einbringt. Schließlich gibt es immer mehr Frauen, die trotz gesunden Lebensstils an Brustkrebs erkranken. Aus epigenetischer Forschung weiß man inzwischen, dass wir nicht nur das sind, was wir beispielsweise momentan essen, sondern auch durch das beeinflusst werden, was unsere Mütter oder Großmütter gegessen haben.

Übrigens enthalten auch vermeintlich gegen die Erkrankung wirkende Medikamente zweifelhafte Stoffe. Werfen wir einen Blick auf die sogenannten Hilfsstoffe der marktüblichen Antihormone. Was für die Krankenkassen vordergründig billiger ist, hat möglicherweise einen hohen gesundheitlichen Preis: Manche Präparate enthalten Farbstoffe, z. B. E 102, die in früheren Jahren verboten waren, da sie Nebenwirkungen vor allem bei Kindern haben und Krebs fördern sollen. Aufgrund der EU-Gesetzgebung wurde diese wieder zugelassen. Sie sehen, dass es auch hier wichtig ist, die verschriebenen Präparate zu hinterfragen und genauer nachzuschauen.

Übrigens: Bei allen negativen Meldungen zu potentiellen Umweltschadstoffen ist es wichtig, dass wir eine gesunde Balance im Umgang mit dem Thema finden. Jede Form von Fanatismus schadet. Lassen Sie sich den Genuss beim Essen nicht verderben! Denn auch die Psyche trägt entscheidend dazu bei, wieder gesund zu werden. Wenn Sie fortan bei jedem Apfel ängstlich oder misstrauisch darüber nachdenken, ob er mit Schadstoffen belastet sein könnte, ist das Ihrer Gesundheit auch nicht zuträglich.