Patienten fragen

Ich habe Hormonrezeptor-positiven Brustkrebs und nehme seit einigen Monaten Tamoxifen ein. Seitdem habe ich erheblich mit Nebenwirkungen zu kämpfen. Soll ich Tamoxifen weiternehmen oder zu einen sogenannten Aromatasehemmer wechseln, der besser verträglich sein soll?

Zwar zeigen Studienergebnisse für die antihormonelle Therapie gewisse positive Resultate, dennoch ist neben dem so genannten Rezeptorenstatus die Indikation im Einzelfall streng zu prüfen: Es gilt, persönlich abzuwägen, ob eine oft eindeutige Verschlechterung der Lebensqualität wie bei Ihnen die wahrscheinliche Verlängerung der Überlebenszeit um manchmal nur einige Monate rechtfertigen. Neben den geringen positiven Wirkungen birgt die Einnahme des am häufigsten verordneten Antihormons Tamoxifen erhebliche Risiken für die Gesundheit der Frau: Die Entstehung von Krebs der Gebärmutterschleimhaut wird gefördert, Netz-  und Hornhautschäden am Auge können entstehen, die Chance von gefährlichen Thrombosen, Schlaganfällen und Lungenembolien nimmt zu und der Abbau des Antihormons stellt eine Belastung für die Leber dar. Außerdem ist bekannt, dass der Körper Resistenzen gegen das Antihormon bilden kann, die mit zunehmender Therapiedauer zu einer Wirkungsabschwächung des Präparates führen. Dazu kommen die subjektiven Beschwerden in Form einer Verschlimmerung der Wechseljahre-Symptomatik: Schweißausbrüche, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Nachlassen der Lust auf Sex und Gewichtszunahme.
Auch die neue Generation der Antihormonpräparate, die Aromatasehemmer, verursachen Nebenwirkungen, allerdings anderer Art wie das Tamoxifen, die aber für die Betroffenen genauso belastbar sein können. So nehmen unter Einnahme von Aromatasehemmern Muskel- und Gelenkbeschwerden deutlich zu. Auch das Osteoporoserisiko wird erhöht.
So ist Ihre Frage auch nicht pauschal, sondern nur individuell zu beantworten. Denn der Wunsch von Frauen nach Brustkrebs, alles zu unternehmen, um einem Rezidiv vorzubeugen, ist verständlich und nachvollziehbar. Somit ist es die mündige Patientin, die im Optimalfall zusammen mit ihrem behandelnden Arzt eine Entscheidung für ihre Zukunft fällt.
Wird bei einem positiven Rezeptorstatus eine antihormonelle Therapie gut vertragen, und vermittelt sie ein Gefühl der Sicherheit, dann würden wir die Anwendung nicht zur Diskussion stellen. Für den Fall einer starken Einschränkung der Lebensqualität und einer inneren Ablehnung der antihormonellen Präparate halten wir jedoch ein kritisches Überdenken der Notwendigkeit für gerechtfertigt, da in diesem Fall die negativen Wirkungen wahrscheinlich überwiegen. GfBK-Info „Antihormonelle Therapien”