Patienten fragen

Ich bin 34 Jahre und leide seit einiger Zeit an einer Mastopathie (chronisch entzündliche Veränderung meiner Brustdrüse). Meinem Frauenarzt kam der Befund verdächtig vor und er überredete mich zu einem operativem Eingriff. Dabei wurde eine Vorstufe eines ca. 5 mm großen Ca, ein sogenanntes DCIS (einer bestimmten harmloseren Art bzw. Vorstufe des Brustkrebses) festgestellt und im Gesunden entfernt; die Lymphknoten waren nicht befallen, der Tumor erwies sich als hormonabhängig. Prophylaktisch wurde mit für die Dauer von 5 Jahren eine antihormonelle Therapie mit dem Präparat Tamoxifen vorgeschlagen. Ist das nach Ihrer Meinung sinnvoll ?

Die von Ihnen beschriebene Vorstufe einer Krebserkrankung, ein sog. DCIS (Duktales Carcinoma in situ) ist nicht als invasiver Tumor anzusehen. Daher ist dieses Krankheitsbild unserer Ansicht nach im Anschluß an den operativen Eingriff meist auch ohne konventionelle Behandlungsmethoden therapierbar. Der Sinn einer Nachbehandlung mit Tamoxifen wird vielfach inzwischen auch von Schulmedizinern in Frage gestellt.  Dem geringen Therapieeffekt bei einer Vorstufe eines Mamma-Karzinoms stehen Nebenwirkungen (klimakterische Beschwerden) und potentielle Risiken (Thromboembolien - Blutgerinnungsstörungen, Endometriumkarzinom  -  Krebserkrankung der Schleimhäute in der Gebärmutter, Leberschäden, Augenschäden) gegenüber, deren langfristige Folgen nicht abzuschätzen sind. Bei einem DCIS sollte daher einer intensiven biologischen Nachbehandlung ohne antihormonelle Therapie der Vorzug gegeben werden. In der großen UK/ANZ-DCIS-Studie (Cuzick J/Lancet Oncology 2011) konnte dies bestätigt werden: Lokale Rückfälle wurden in dieser Studie nicht durch Tamoxifen, sondern nur durch eine Strahlentherapie verhindert.