Patienten fragen

Ich habe einen östrogenabhängigen Brustkrebs und habe neun Jahre lang in den Wechseljahren Hormone genommen. Inwieweit kann die Entstehung des Brustkrebs auf die Hormongabe zurückgeführt werden?

Inzwischen weiß man durch die Ergebnisse einer groß angelegten amerikanischen Studie, dass sich bei einer Hormonersatztherapie mit Östrogenen und Gestagenen über mehr als 5 Jahre das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, erhöht. Umgerechnet erkrankten 8 von 10000 Frauen unter Hormontherapie mehr an Brustkrebs als Frauen, die keine Hormone eingenommen hatten. Weitere Nebenwirkungen einer Hormontherapie sind die Gewichtszunahme und negative Effekte auf das Herz-Kreislaufsystem (vor allem Herzinfarkte!). Wegen der erhöhten Brustkrebsrate und anderen Komplikationen (erhöhtes Thromboserisiko und Häufung von Herz-Kreislauferkrankungen) wurde diese Studie im Jahr 2002 abgebrochen. Ob reine Östrogenpräparate ähnliche Risiken bergen, wurde in einer aktuellen Studie untersucht. So zeigte sich, dass bei Frauen, die nur weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) einnahmen, das Auftreten von Herzinfarkten im Vergleich zur Placebogruppe nicht erhöht war; allerdings wurden vermehrt Schlaganfälle beobachtet. Ein vermehrtes Auftreten von Brustkrebs konnte in dieser Studie mit reinen Östrogenpräparaten ebenfalls nicht festgestellt werden. Die tägliche Anwendung von Östrogenen und Gestagenen steht somit stärker im Verdacht, das Brustkrebsrisiko zu erhöhen. Auf Grund der Studien der letzten Jahre sollte man Frauen insbesondere darüber aufklären, dass ein noch unentdeckter Brustkrebs unter einer Hormontherapie schneller wachsen kann und unter einer kombinierten Langzeittherapie mit Östrogenen und Gestagenen mehr zusätzliche Brustkrebsdiagnosen festgestellt wurden. Diese Studienergebnisse hatten zwischenzeitlich zur Folge, dass von deutschen Fachgesellschaften eine hormonelle Therapie von Wechseljahrsbeschwerden wie Schlaflosigkeit, Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen nur bei Wechseljahresbeschwerden empfohlen wird, wenn diese Beschwerden die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken und naturheilkundliche Maßnahmen nicht geholfen haben.