Patienten fragen

Als Brustkrebspatientin nehme ich Tamoxifen ein und frage mich, ob ich parallel Mariendistel zur Leberstärkung verwenden sollte. Was meinen Sie dazu?

Es gibt keine Hinweise darauf, dass Mariendistel die Wirkung von Krebsmedikamenten negativ beeinflussen kann. Zwar hat Silybin, der Hauptinhaltsstoff von Mariendistelfrüchten, im Laborversuch bestimmte Stoffwechselenzyme gehemmt. Dieser Effekt konnte aber im menschlichen Organismus nicht reproduziert werden.
Experten kommen zu dem Schluss, dass die gängigen Medikamente aus der Pflanzenheilkunde in Bezug auf ihre Wechselwirkungen mit Tamoxifen Unschuldslämmer sind. Eine Ausnahme davon bildet das Johanniskraut, welches sozusagen der „böse Bube” unter den Phytopharmaka ist. Bemerkenswert
ist die gute Kombinierbarkeit in der Praxis vor allem deshalb, weil In-vitro-Daten mitunter anderes vermuten lassen (www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=64238).
Mariendistel und ihr Wirkstoff Silymarin sind bei Krebserkrankungen und den damit verbundenen Therapien hilfreich, um möglichen Leberschädigungen entgegenzuwirken. Das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gezeigt. Silymarin stabilisiert die Leberzellmembran und verhindert,
dass toxische Substanzen aufgenommen werden. Es entfernt Toxine aus der Zelle, noch bevor Schaden entstehen kann (Boh M, Breakspear I / www.anpa.asn.au).
Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Zubereitungen aus Silybum marianum möglicherweise die Wirkung einer Chemotherapie mit Cisplatin und Doxorubicin an
Ovarial- und Mammakarzinomzellen verstärken (Scambia G et al. / Eur J Cancer 1996).
Tyagi et al. zeigten in einer In-vitro-Studie an menschlichen Mammakarzinomzellen, dass in Kombination mit Silibinin die Dosis von Doxorubicin, Cisplatin und Carboplatin reduziert werden konnte. Das Zellwachstum wurde mit rund der halben Dosis (!) chemischer Mittel und dem pflanzlichen Wirkstoff ebenso stark gehemmt (Tyagi AK et al. / Oncology Reports 2004).
Zur Anwendung von Silybum marianum bei Patienten während einer Chemotherapie gibt es bislang nur wenige qualitativ hochwertige Studien. So untersuchten Ladas et al. (Ladas EJ et al. / Cancer 2010) die Wirkung von Silybum marianum bei Kindern mit akuter lymphatischer Leukämie, bei denen es unter Chemotherapie zu einem Anstieg der Leberwerte (ALT, AST, Bilirubin) gekommen war. In der Nachbeobachtungsphase waren die AST-Werte in der Behandlungsgruppe am Tag 56 signifikant niedriger und zeigten einen Trend zu niedrigeren ALT-Werten im Vergleich zur Placebogruppe.