Patienten fragen

Vor einigen Jahren hatte ich Brustkrebs.Nun hat meine Tochter (25 Jahre) ein Fibroadenom in einer Brust diagnostiziert bekommen. Habe ich ihr möglicherweise eine Veranlagung für Krebs vererbt? Und was kann sie tun, damit sie gesund bleibt?

Ein Fibroadenom lässt sich meistens sehr gut im Ultraschall sehen und damit auch leicht diagnostizieren. Wenn der Befund eindeutig ist, brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Fibroadenome sind gutartige Gewebsknoten. Sie treten vor allem bei Frauen zwischen dem 20. Und dem 40. Lebensjahr auf. Hormonelle Faktoren, wie die Einnahme der „Pille“ oder eine Schwangerschaft, begünstigen das Entstehen von Fibroadenomen. Mit zunehmendem Alter bilden sie sich meistens zurück. Normalerweise reicht es, wenn der Befund in regelmäßigen Abständen vom Frauenarzt kontrolliert wird. Eventuell wird der Gynäkologe Ihrer Tochter aufgrund Ihrer Vorerkrankung einen Gentest empfehlen – unabhängig vom Fibroadenom. Ihr Brustkrebsrisiko steigt nicht durch diesen Knoten. Auch ein chirurgisches Eingreifen ist in der Regel nicht notwendig. Fibroadenome sollten erst entfernt werden, wenn sie größer werden oder wenn ihr Umfang mehr als 2 cm Umfang beträgt. Zur Vorbeugung vor Brustkrebs halten wir es für wichtig, bestehende Lebensstilfaktoren zu hinterfragen, vor allem wenn andere Veränderungen in den Brüsten Ihrer Tochter erkennbar sein sollten, wie z. B. eine Mastopathie. Studien zeigen immer wieder: Mit Bewegung und Ernährung lässt sich das Brustkrebsrisiko wirksam senken. Ratsam ist es, drei bis fünf Mal die Woche 30 Minuten Sport zu treiben. Ein gesunder Speisenplan enthält wenig tierisches Fett und tierisches Eiweiß, reichlich Gemüse, Früchte, Omega-3-Fettsäuren und Leinsamen. Auch milchsauer vergorene Gemüsesäfte bzw. Kanne Brottrunk können hilfreich sein. Empfehlenswert ist außerdem das „Budwig-Müsli”. Dafür mischt man einen Esslöffel Leinöl und Milch, 100 Gramm Magerquark, einen Teelöffel Honig und einen Esslöffel frisch geschrotete Leinsamen. Wer mag, gibt frisches Obst dazu. Falls vor der Periode immer wieder Brustschmerzen auftreten, sind die Brüste vermutlich wegen Wassereinlagerungen geschwollen. Dann kann versuchsweise der Konsum von Koffein und Alkohol reduziert werden. Bei starker Wassereinlagerung helfen Tee oder Frischsaft aus der Brennnessel sowie die Einnahme von proteolytischen Enzymen. Generell ist allen Frauen von aluminiumhaltigem Deodorant abzuraten. Behutsame Massagen der Brüste können gesunde ebenso wie vormals erkrankte Frauen selbst durchführen. Ihre wohltuende Wirkung wird leider oft unterschätzt. Verwenden Sie nach Ihrem Geschmack ein Öl aus Wildrosen, Johanniskraut, Ringelblumen oder Löwenzahn. Auch Lymphdiaral-Salbe oder Schüßlersalz-Salben sind für die sanfte Massage geeignet. Neben der körperlichen Wirkung trägt solch eine Selbstmassage dazu bei, ein freundliches Verhältnis zum Körper zu gewinnen und einen entspannten Umgang mit der eigenen Weiblichkeit zu finden. Verspannungen oder Verhärtungen lösen sich nicht nur im Körper, sondern auch im seelischen Bereich. Und noch ein wichtiger Hinweis zu guter Letzt: Ihre Tochter ist erwachsen und darf selbst entscheiden, welche Maßnahmen sie ergreifen möchte, um ihre Gesundheit zu erhalten. Für uns als Mütter ist das oft ein Balance-Akt, den jungen Frauen in dieser Situation ihren berechtigten Freiraum zu lassen. Die Gefahr ist groß, dass wir unsere Ängste auf sie übertragen und deshalb mit Druck versuchen, auf ihr Verhalten einzuwirken. Auf der Seelenebene braucht sie Sie vor allem als Mutter, nicht als medizinische Ratgeberin. Auch eine gesunde Mutter-Tochter-Beziehung ist krebsvorbeugend. Deshalb bleiben Sie – so gut Sie können – entspannt. Bieten Sie Informationen an und akzeptieren Sie, dass Ihre Tochter selbst wählt, was für sie persönlich passt. Manchmal trägt es zur Harmonie in der Familie bei, wenn man das Thema an außenstehende Experten abgibt. Selbstverständlich berät der ärztliche Beratungsdienst der GfBK auch Ihre Tochter gerne.