Patienten fragen

Als Brustkrebspatientin frage ich mich, ob Umweltgifte zur Entstehung meiner Krank heit beigetragen haben könnten. Kennen Sie dazu irgendwelche Forschungsergebnisse?

Ihre Frage berührt ein wichtiges Thema, das noch viel zu wenig im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen ist. In der Tat gibt es neue Forschungsergebnisse zur Frage nach der Bedeutung von Umweltschadstoffen für die Entstehung von Krebs.
Laut der Forschergruppe um Barbara Cohn vom Public Health Institute in Berkeley, Kalifornien, erkranken Frauen, die im Mutterleib einer erhöhten Konzentration des Pestizids DDT ausgesetzt waren, im Erwachsenenalter viermal häufiger an Brustkrebs (Cohn BA et al. / JCEM 2015).
Das Pestizid DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) wurde in den USA bis in die 1960er-, in Europa sogar noch bis in die 1970er-Jahre eingesetzt. Es gehört zu den ersten Umweltgiften, für die eine hormonartige Wirkung belegt werden konnte. Als sogenannter »endokriner Disruptor « kann es in kleinster Menge die fetale Frühentwicklung stören. In der Studie wurde untersucht, welche Auswirkungen es später auf die Töchter hatte, wenn ihre Mütter vor oder während der Schwangerschaft dem Gift ausgesetzt waren. Die Forscher analysierten Daten von 20.754 Frauen. Sie hatten in den Jahren 1959 bis 1967 an den Child Health and Development Studies teilgenommen. Ihre Blutproben waren damals archiviert worden. Insgesamt 9.300 Teilnehmerinnen gebaren während dieser Zeit ein Mädchen. Zum Zeitpunkt der Studie waren die Kinder bis zu 52 Jahre alt. Einige von ihnen waren an Brustkrebs erkrankt. Die Forscher setzten die Konzentration eines DDT-Metaboliten im Blut der Mutter mit der Brustkrebsrate bei den Töchtern in Beziehung. Die Ergebnisse zeigten, dass eine erhöhte DDT-Exposition in der Gebärmutter das Brustkrebsrisiko der Töchter fast um den Faktor vier erhöht. Bei 83 Prozent der Tumoren handelte es sich um ein Östrogenrezeptor-positives Mammakarzinom, was die ursächliche Bedeutung des Pestizids bestätigt.
Außerdem zeigte die Studie, dass die Pestizidbelastung mit dem Tumorstadium zusammenhing. Frauen, die im Mutterleib einer höheren DDT-Konzentration ausgesetzt waren, erkrankten häufiger an schnell wachsendem Krebs. Ihre Tumoren waren auch häufiger HER2-positiv. Das passt zu den Ergebnissen aus experimentellen Studien der Wissenschaftlerin Barbara Cohn: Sie stieß ebenfalls darauf, dass DDT die Bildung des HERProteins fördern kann. 
Diese Erkenntnisse belegen eindrucksvoll, dass das Krebsrisiko steigt, wenn der Fötus im Mutterleib Umweltgiften ausgesetzt ist.
In der Vergangenheit konnten schon andere Studien aufzeigen, dass viele Schwangere gleich mit mehreren Chemikalien verseucht sind, die ihren heranreifenden Nachwuchs schädigen können (Tracey J et al. / Environ Health Perspect 2011). Dazu zählen Polychlorierte Biphenyle (PCB), Pestizide, FluorKohlenstoffVerbindungen (PFC), polybromierte Diphenylether (PBDE), Phthalate, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH) und Perchlorate. Selbst DDT, das seit 1972 in den USA verboten ist, wurde in dieser Untersuchung immer noch nachgewiesen. Bisphenol A (BPA) ist in Plastik und Epoxydharzen enthalten. Die Substanz wurde in einigen Ländern für Babyflaschen verboten. BPA war bei 96 Prozent der Schwangeren nachweisbar. Also waren fast alle Kinder schon vor ihrer Geburt mit BPA belastet. Umweltschadstoffe sind biologisch nicht gut abbaubar. Deshalb kann man momentan nur zwei Dinge tun: entweder politisch aktiv werden und/oder bestimmte Haushaltsprodukte meiden. Dies sind vor allem beschichtetes Kochgeschirr, Plastikwaren und Körperpflegemittel, die schädigende Chemikalien enthalten.
Billig kann hier – wie so oft – letztlich ziemlich teuer werden. Und selbst kostspielige Nobel-Marken sind nicht automatisch auch gesund. Achten Sie auf das Siegel der geprüften Naturkosmetik. Bei der Auswahl Ihrer Körperpflegeprodukte helfen zudem Testberichte von Stiftung Warentest und Öko-Test. Beim BUND gibt es eine kostenfreie »ToxFox-App«, damit Kosmetikprodukte mit hormonell wirksamen Schadstoffen nicht mehr im Einkaufskorb landen. Angesichts der hohen Resorptionsfähigkeit der Haut gilt grundsätzlich: Tragen Sie nur das auf, was Sie auch essen würden. Diesen Grundsatz haben wir bei der Grande Dame der Naturkosmetik, Dr. med. Ita Wegmann, entliehen.