Patienten fragen

Ich habe Brustkrebs und habe gehört, dass Pflanzenhormone aus Saaten bei dieser Erkrankung sinnvoll sein sollen. Können Sie das bestätigen?

Aufgrund ihrer Erkenntnisse aus vielen Untersuchungen der letzten Jahre schreiben Tumorexperten den Phytoöstrogenen, Pflanzeninhaltsstoffen mit hormonähnlicher Wirkung, krebshemmende Eigenschaften zu. Mit Ihrer Frage meinen Sie vermutlich die im Jahr 2011 veröffentlichte Studie von Buck im Journal of Clinical Oncology. Bruck konnte erstmals anhand von Biomarkern zeigen, dass Pflanzenhormone aus Saaten (z. B. Leinsamen, Sesam und Kürbiskernen) das Überleben von Brustkrebspatientinnen positiv beeinflussen. Dabei nahmen die Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg zwischen 2002 und 2005 Blutproben von 1140 Frauen. Die Teilnehmerinnen der Studie waren nach den Wechseljahren an Brustkrebs erkrankt. Aus dem Blut bestimmte man die sogenannten Enterolaktone; das sind die Stoffe, die nach dem Verzehr von Leinsamen & Co. im Darm gebildet und aufgenommen werden. Das erstaunliche Ergebnis: Die Teilnehmerinnen mit den höchsten Enterolakton-Spiegel hatten im Vergleich zu den Frauen mit den niedrigsten Blutwerten ein um 40 Prozent geringeres Sterblichkeitsrisiko. Berücksichtigten die Wissenschaftler zusätzlich das Auftreten von Metastasen und Zweittumoren, kamen sie zu einem ähnlichen Resultat. Frauen mit den höchsten Enterolakton-Werten hatten bessere Chancen auf einen in dieser Hinsicht günstigeren Krankheitsverlauf. Besonders profitierten von dem erhöhten Enterolakton die Patientinnen mit hormonrezeptornegativen Tumoren. Das könnte bedeuten, dass Lignane den Schutz vor Krebs nicht nur über ihre hormonartige Wirkung vermitteln. Es ist bekannt, dass durch Pflanzenstoffe vielfältige Reaktionen im Organismus ausgelöst werden können, die krebsvorbeugend wirken. So können sie den Zelltod von Tumorzellen (Apoptose) und das Aussprießen neuer Blutgefäße (Angiogenese) zur Versorgung des Tumors hemmen. Besonders bei Brustkrebspatienten empfehlen wir daher die regelmäßige Einnahme von Leinsamen, die neben viel Lignanen auch wertvolle Ballaststoffe, Vitamine und vor allem Omega-3-Fettsäuren enthalten, die ebenfalls wichtig für die Gesunderhaltung sind.