Patienten fragen

Ich habe Brustkrebs und mein Arzt rät mir, Bisphosphonate einzunehmen, da diese das Risiko senken würden, Metastasen zu bekommen. Was können Sie dazu sagen?

Bisphosphonate sind Medikamente, die zur Behandlung von Osteoporose (Knochenschwund) und darüber hinaus zur Behandlung von Knochenmetastasen eingesetzt werden. Bekannt ist, dass durch die Gabe von Bisphosphonaten die Beschwerden durch Knochenmetastasen wirksam gelindert werden können. Seit einiger Zeit wird diskutiert, ob die Behandlung mit Bisphosphonaten auch vorbeugend wirksam ist.
In Studien zeigte sich jedoch nur eine Verbesserung des krankheitsfreien Überlebens. Bisher konnte nicht eindeutig belegt werden, dass die
Frauen auch tatsächlich länger lebten (sogenanntes Gesamtüberleben). So untersuchte eine österreichische Studie (ABCSG-12: Gnant M/N
Engl J Med 2009), ob eine Verabreichung von Bisphosphonaten als Infusion auch zur Vorbeugung wirksam ist. Auch wenn hier die Autoren
von einer Verbesserung des Gesamtüberlebens sprechen: Tatsächlich verbesserte das Bisphosphonat die 4-Jahres-Überlebensrate von
absolut 90,8 auf 94 %!
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die amerikanische Zo-Fast-Studie (Brufsky AM/Clin Breast Cancer 2009). Hier erhielten 1.065 Patientinnen zusätzlich zu einem Aromatasehemmer entweder von Anfang an eine Infusion mit Zoledronat (Zometa®) oder erst bei einer zu geringen Knochendichte. Dabei verbesserte die sofortige Gabe von Zoledronat® das krankheitsfreie Überleben nach fünf Jahren um absolut 3,6 % (88,3 % gegenüber 91,9 %).
Tendenziell zeigte sich nur dann ein Überlebensvorteil, wenn wechseljahrsbedingt niedrige Östrogenspiegel vorlagen. Auch in den Auswertungen der sogenannten AZURE-Studie zeigte sich ein Vorteil nur bei den Patientinnen, deren Menopause schon fünf Jahre zurücklag oder die über 60 Jahre alt waren (Coleman R/Cancer Res 2009). Nach einer aktuellen Metaanalyse der Early Breast Cancer Trialists' Collaborative Group (EBCTG), veröffentlich im Lancet 2015, konnte das Risiko für Knochenmetastasen um 2,2 Prozent (6,6 versus 8,8 Prozent) und die Brustkrebssterblichkeit um 3,3 Prozent (14,7 versus 18,0 Prozent) reduziert werden. An den Studienergebnissen sieht man, dass der Einfluss marginal ist und vor allem das Verhindern von Knochnemetastasen betrifft. Auf Lokalrezidive hatten Bisphosphonate keinen Einfluss. Außerdem zeigte sich in der aktuellen Metaanalyse: Bei Frauen vor der Menopause waren Bisphosphonate nutzlos. Lediglich bei Frauen nach den Wechseljahren zeigten sich oben genannte Einflüsse auf Knochenmetastasen und Brustkrebssterblicheit.

Unsere Empfehlung: Aufgrund der aktuellen Studienlage kann momentan noch nicht eindeutig beantwortet werden, ob Frauen mit Brustkrebs
vorbeugend mit Bisphosphonaten therapiert werden sollten. Noch völlig ungeklärt ist insbesondere, wie lange eine prophylaktische Gabe und mit
welchen Präparaten (ob als Infusion oder Tablette) erfolgen sollte. Wir raten daher, gerade auch in Anbetracht der selten auftretenden Komplikation
von schweren Knochenschädigungen des Kiefers, die Entscheidung individuell abzuwägen beziehungsweise vor Beginn einer Bisphosphonattherapie immer eine zahnärztliche Untersuchung und gegebenenfalls Sanierung durchführen zu lassen. Wichtig ist auch die Durchführung eines Zahn-Panorama-Röntgenbildes vor der Gabe von Bisphosphonaten.