Patienten fragen

Ich habe einen mammographisch unklaren Befund in der Brust und soll diesen demnächst punktiert bekommen. Soll ich dies durchführen lassen oder gibt es auch noch andere Möglichkeiten der Diagnose in einer solchen Situation?

Zunächst einmal würden wir Ihnen zusätzliche Verfahren wie Ultraschall und Kernspintomographie zur weiteren Abklärung empfehlen, Eine Studie, die von renommierten Wissenschaftlern durchgeführt wurde, regt zum Nachdenken an, die bisherige Praxis von Nadelbiopsien bei Brustkrebs neu zu überdenken. In dieser Studie mit insgesamt 676 Patientinnen (Durchschnittsalter 58 Jahre) wurde untersucht, ob die Nadelbiopsie die nachfolgende Ausbreitung von Tumorzellen in die Wächterlymphknoten beeinflusst. Dabei wurden 126 Patientinnen einer Feinnadel-Biopsie und 227 einer Dicknadel-Kernbiopsie unterzogen. 323 der Patientinnen hatte den Tumor durch Exzisionsbiopsie oder Lumpektomie (chirurgische Entfernung eines kleinen Brustkrebsknotens unter Erhaltung der Brust) im Ganzen entfernt bekommen. Das erstaunliche Ergebnis: Die Frauen, die eine Nadelbiopsie erhielten, waren einer um 50% höheren Wahrscheinlichkeit ausgesetzt, Krebs in den Wächterlymphknoten zu entwickeln, als die Frauen, deren Tumor chirurgisch per Exzision (Herausschneiden der ganzen Krebsgeschwulst) entfernt worden war. Die Autoren bemerken, dass gegebenenfalls das mechanische Zerreißen des Tumors durch die Biopsiennadel dafür verantwortlich sein könnte, dass es zu einer Verschleppung von Tumorzellen und zu einer Zunahme des Befalls der regionären Lymphknoten kommt.
Ob dieses Phänomen auch bei anderen Entnahmemethoden, wie z.B. der Vakuumbiopsie auftritt, kann nicht bestätigt werden, da hierüber keine Studien vorliegen. Allerdings kommt es auch hier zu einer Manipulation am Tumor, so dass eine Tumorzellstreuung in die Lymphknoten nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann.
Berücksichtigt man, dass Patientinnen mit Lymphknotenbefall als weiter fortgeschritten eingestuft werden und daher eine weitaus ausgeprägtere Behandlung erhalten als Patientinnen ohne Lymphknotenbefall, so sind die Ergebnisse dieser Untersuchung besorgniserregend, da ein Großteil der Lymphknotenmetastasierung durch andere diagnostische Methoden (s.o.) vermieden werden könnte. Und schließlich kann auch durch eine einfache Tumorexzision (eine komplette chirurgische Entfernung der Krebsgeschwulst) festgestellt werden, ob der Tumor bösartig ist oder nicht.