Patienten fragen

Ich habe Brustkrebs, der gut örtlich operiert werden konnte. Meine Lymphknoten waren nicht befallen. Ich möchte keine Bestrahlung durchführen lassen. Gibt es irgendwelche Erkenntnisse, welche Frauen wirklich von einer Strahlentherapie profitieren?

Nach brusterhaltender Operation und Bestrahlung beträgt das Risiko für einen erneuten Tumor in der gleichen Brust in den folgenden zehn Jahren ungefähr zehn Prozent. Sind die Lymphknoten nicht befallen, wird durch die Bestrahlung das Rückfallrisiko zwar um 30% gesenkt, die Überlebensrate verbessert sich dadurch aber nicht. Rezidive sind nach einer Strahlentherapie schwerer zu behandeln. In vielen Fällen ist dann eine Entfernung der Brust erforderlich. Auch können Spätfolgen auftreten: Frauen, die zwischen 1970 und 1996 eine Strahlentherapie erhielten, litten 10 Jahre später wesentlich häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wenn die linke Seite bestrahlt worden war. Und laut einer Schweizer Studie leben Brustkrebspatientinnen mit einem erhöhten Risiko, an verschiedenen Zweittumoren zu erkranken, insbesondere an Sarkomen im Bestrahlungsgebiet. So genannte Prognosefaktoren, welche Patientinnen eher an einem Lokalrezidiv erkranken, sind vielfältig: z. B. junges Alter bei der Diagnose, Operationsränder ohne Sicherheitsabstand zum Krebsgewebe und die Dichte des Brustgewebes.
Schon länger ist bekannt, dass die durch Mammographie bestimmte Dichte des Gewebes einen Einfluss auf die Brustkrebsentstehung hat. Nun konnte eine aktuelle Studie belegen, dass auch das Rezidivrisiko davon beeinflusst wird. Ist die Dichte hoch, steigt auch das Risiko für einen Rückfall nach der Operation – insbesondere dann, wenn nicht bestrahlt wurde. Dagegen profitieren Patienten mit einer geringen Brustdichte eher wenig von einer Strahlentherapie. Zukünftig könnte also die Bestimmung der Brustdichte eine einfache Entscheidungshilfe sein, um vorherzusagen, welchen Patienten die Strahlentherapie voraussichtlich nutzt. Fragen Sie Ihren Arzt daher nach der Brustdichte.
Neuere und innovative Bestrahlungsmethoden können helfen, die Belastung für den Patienten zu minimieren. So bieten rund zehn Prozent der zertifizierten Brustzentren in Deutschland die so genannte intraoperative Strahlentherapie (IORT) an, z. B. Heidelberg, Mannheim, München, Berlin, Frankfurt. Die Bestrahlung erfolgt dabei direkt nach der Tumorentfernung noch während der Operation. Im Vergleich zur herkömmlichen Bestrahlung soll die Rückfallrate wesentlich verringert werden. Es lohnt sich also, vor der Operation nachzufragen, welche Kliniken diese Behandlungsmethode anbieten.