Patienten fragen

Ich bin Brustkrebspatientin und bei mir ist ein Wächterlymphknoten befallen. Nun sollen mir alle Lymphknoten entfernt werden. Ich habe jedoch Angst vor Folgebeschwerden. Ist die komplette Entnahme aller Lymphknoten wirklich noch zeitgemäß?

Eine große aussagekräftige Studie an 891 Frauen mit Brustkrebs (Giuliano / J Clin Oncol 2010) zeigte kürzlich, dass Patientinnen mit günstigem Gesamtrisikoprofil keine Vorteile durch die zusätzlich durchgeführte Lymphknotenentfernung nach positiver Wächterlymphknotenbiopsie haben, da die Heilungschancen dadurch nicht verbessert wurden.
So betrug nach 6 Jahren Beobachtungszeit die 5-Jahres-Lokalrezidivrate ( Krankheitsrückfall direkt in einer Brust ) 3,7%, wenn alle Lymphknoten entfernt wurden und 2,1%, wenn nur der Wächter-Lymphknoten entfernt wurde. Das 5-Jahres-Gesamtüberleben unterschied sich ebenfalls praktisch kaum: So betrug es 91,9%, wenn alle Lymphknoten entfernt wurden und 92,5%, wenn nur der Wächter-Lymphknoten entfernt wurde. Angesichts der Erfahrung, dass eine radikale Lymphknotenentfernung Patientinnen in vielfältiger Weise belasten kann, raten wir dazu, genau hinzuschauen, welches Tumorstadium vorliegt und dies gemeinsam mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. Denn inzwischen haben diese Studienergebnisse Eingang in die Empfehlungen der deutschen Fachgesellschaften gefunden und sollten eigentlich bei allen Patienten umgesetzt werden. So wird empfohlen, bei Frauen, die brusterhaltend therapiert werden und die nachfolgende Tumorkonstellation aufweisen (cT1-2, cN0, 1-2 befallene Sentinel-LK, tangentiales Bestrahlungsfeld der Brust) auf eine komplette Lymphknotenentfernung zu verzichten.