Patienten fragen

Vor kurzem wurde ich mit der Diagnose eines Brustkrebses konfrontiert. Ich soll nun schon vor der Operation eine Chemotherapie erhalten, um den Tumor zu verkleinern, damit dieser brusterhaltend operiert werden kann. Kennen Sie andere Verfahren, die meinen Körper weniger belasten?

Um auch größere Brusttumoren brusterhaltend operieren zu können, wird seit einigen Jahren eine präoperative, sog. neoadjuvante Chemotherapie durchgeführt. Dies geschieht oft schon ab einer Tumorgröße von etwa 2 Zentimetern. Durch diese Chemotherapie vor der Operation soll der Tumor so verkleinert werden, dass eine schonende und brusterhaltende Operation durchgeführt werden kann. Inwieweit auch bei kleineren Tumoren die mittlerweile immer öfter präoperativ angewandte Chemotherapie Sinn macht, ist gegenwärtig eher mit Skepsis zu beurteilen.
Zur Vermeidung der systemischen Nebenwirkungen und damit zur Entlastung des Gesamtstoffwechsels, ist diese sog. neoadjuvante Chemotherapie neuerdings auch in Form einer regionalen Chemotherapie möglich. Unter regionaler Chemotherapie versteht man die örtliche, also auf eine Körperregion beschränkte Chemotherapie. Das Medikament wird dabei stets über die den Tumor oder die Tumorregion versorgende Arterie zugeführt. Dies führt wiederum zu einem konzentrationsbedingt höheren Übertritt der Zytostatika in die Tumorzellen und folglich zu einer besseren Wirkung vor Ort bei einer gleichzeitigen Minderung der Nebenwirkungen auf den gesamten Organismus. Vermeiden lassen sich Schäden am Blutbild, Schleimhautentzündungen und Haarausfall.
Dass diese Therapieform auch bei Patientinnen mit Brustkrebs vor einer Operation erfolgreich eingesetzt werden kann, hat eine deutsche Studie von Prof. Aigner zeigen können (Aigner KR/Cancer Therapy 2008). Dabei erhielten 53 Patientinnen über ein spezielles Port-System 6 Zyklen einer Kombination aus verschiedenen Chemotherapeutika. Ergebnis der Behandlung: In sämtlichen Fällen konnte die Brust erhalten werden; bei 26% der Patientinnen war bei der feingeweblichen Untersuchung kein Tumorgewebe mehr nachweisbar; und bei 48% war der Tumor stark verkleinert. Auch die Langzeitergebnisse waren erfreulich: So traten innerhalb einer 16-jährigen Nachbeobachtungsphase nur 17% Rezidive auf. Und es lebten nach demselben Zeitraum noch 87% der Patientinnen. Außerdem wurde die Behandlung von den Patientinnen gut vertragen, wobei die meisten Patientinnen zwischen den Behandlungszyklen voll arbeitsfähig waren.
Unser Rat: Lassen Sie sich vor der Chemotherapie beraten, ob eine regionale Chemotherapie auch bei Ihnen möglich ist und fragen Sie gezielt nach Ansprechpartnern über Ihre örtliche Selbsthilfegruppe oder die GfBK.