Patienten fragen

Ich bekomme eine Chemotherapie und würde gerne wissen, welche Wechselwirkungen mit Stoffen aus der Nahrung auftreten können.

Gut, dass Sie danach fragen. Wechselwirkungen (lat. Interaktionen) können zwischen verschiedenen Arzneimitteln auftreten. Sie entstehen aber auch durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und von Substanzen, die in unserer Nahrung enthalten sind. Am Häufigsten entstehen sie dadurch, dass bestimmte Wirkstoffe genauso wie Krebsmedikamente von gleichen Enzymsystemen in der Leber ab oder umgebaut werden, zum Beispiel vom Cytochrom P450. Bekanntestes Beispiel ist das Johanniskraut, das während einer Chemotherapie eigentlich immer gemieden werden sollte.

Die Ausstattung mit Enzymen ist genetisch bedingt von Mensch zu Mensch verschieden. Gleiche Substanzen werden daher unterschiedlich umgewandelt und vertragen. Also ist es schwierig vorherzusagen, wie der Körper reagieren wird. Das konnten bislang auch Studien leider nicht wirklich klären. Je nach Zytostatikum wird außerdem die Wirkung bei einer Chemotherapie verstärkt, bei einer anderen abgeschwächt.

In der Ernährung gibt es auch Bestandteile, die in Verdacht stehen, sich auf die Verstoffwechselung von Krebsmedikamenten auszuwirken: Das ist besonders die Grapefruit, aber auch Zwiebeln, Knoblauch, Kohlgemüse, Pfeffer sowie Gerbstoffe aus grünem und schwarzem Tee können problematisch sein. Relevante Wechselwirkungen sind vor allem durch den übermäßigen Verzehr zu erwarten. Und wiederum hängt es vom konkret verabreichten Medikament ab, ob das Nahrungsmittel auch tatsächlich zu Wechselwirkungen führt.

In einem Laborversuch wurde festgestellt, dass grüner Tee die Wirksamkeit von Bortezomib (Velcade) herabsenkt. In welchem Umfang dieser Effekt sich auch im menschlichen Körper zeigt, ist noch nicht endgültig geklärt. Bekannt ist jedoch, dass Gerbstoffe von grünem und schwarzem Tee in Kombination mit oral eingenommenen Medikamenten zu schwer löslichen Komplexen im Magen-Darm-Trakt führen können. Wenn Sie ein Krebsmedikament oral einnehmen, empfehlen wir einen Abstand von mindestens 4 Stunden, um mögliche Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten.

Eine sehr häufige Wechselwirkung betrifft auch den Verzehr von Milch mit oral eingenommenen Medikamenten. Das darin enthaltene Casein beeinträchtigt nicht nur die Wirksamkeit von Antibiotika, sondern auch von Psychopharmaka und Bisphosphonaten.

Widersprüchliche Ergebnisse zeigen sich im Labor für Curcumin: Einerseits verstärkt es die Wirkung der Chemotherapie mit Platinderivaten und Taxanen. Andererseits wird davon berichtet, dass es den zytostatischen Effekt von Camptothecin, Doxorubicin und Cyclophosphamid verringert.

Die Wechselwirkung mit pflanzlichen Medikamenten wurde erforscht. Vorsicht ist besonders geboten, wenn man parallel zu den Krebsmedikamenten Johanniskraut einnimmt oder Grapefruitsaft trinkt bzw. Grapefruit isst. Bei der Grapefruit kommt noch hinzu, dass ein zeitlicher Abstand nichts bringt, da der Effekt tagelang anhält und das selbst bei geringsten Mengen.

Wechselwirkungen mit Ginkgo, Ginseng, Echinacin, Baldrian, Traubensilberkerze und Süßholz (in Lakritze) sind ebenfalls möglich. Allerdings ist noch unklar, wie diese zu bewerten sind.

Übrigens, nicht nur Naturstoffe treten in Wechselwirkung mit Krebsmedikamenten. Das Rauchen halbiert (!) beispielsweise den Effekt von Erlotinib (Tarceva). Und auch bei schulmedizinischen Medikamenten kann es über das Cytochrom-P450-System in der Leber zu Wechselwirkungen kommen. Betroffen sind z.B. bestimmte Antikrampfmittel, Antidepressiva, Antibiotika und auch Kortison, wenn es über einen längeren Zeitraum in hoher Dosis eingenommen wird.
Verschiedene oral eingenommene Krebsmedikamente (z.B. Tyrosinkinasehemmer) benötigen einen möglichst niedrigen Magen-pH-Wert, damit sie gut aus dem Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden können. Wird ein Protonenpumpenhemmer (z.B. Pantoprazol) eingesetzt, kann dadurch die Aufnahme dieser Krebsmedikamente um fast die Hälfte reduziert werden.

Auch Folsäure kann Wechselwirkungen herbeiführen. Folsäure findet man in vielen Multivitaminpräparaten. Bei gleichzeitiger Einnahme von Folsäure und Capecitabin (Xeloda) können Gewichtsverlust, Erbrechen, schwere Durchfälle, Knochenmarkund Blutbildschäden sowie herzschädigende Effekte auftreten.

An diesen Beispielen können Sie sehen, dass die Wechselwirkungen zwischen einzelnen Substanzen wirklich komplex sind. Die meisten Erkenntnisse beruhen auf Laborversuchen. Eine Übertragung der Ergebnisse auf den Menschen ist oft schwierig. Es lohnt sich aber, zumindest auf die hier dargestellten Wechselwirkungen zu achten und eine gleichzeitige oder übermäßige Einnahme zu vermeiden.

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