Patienten fragen

Ich habe gehört, dass Patienten nun auch vor und nach Chemotherapie fasten sollen. Ist das sinnvoll oder gefährdet das eher den ohnehin schon geschwächten Körper?

Schon länger wird vermutet, dass kurzzeitiges Fasten Krebstumoren schrumpfen lassen kann. Prof. Valter Longo, Direktor des „Longevity Institute“ an der Universität von Südkalifornien in Los Angeles, untersucht dieses Thema mit seinem Forscherteam seit einigen Jahren. Sie fanden bei Tierversuchen heraus, dass Chemotherapie bei Mäusen wirksamer war, wenn sie zwei bis drei Tage vorher nichts zu fressen bekamen (Lee C et al. / Science Translational Medicine 2012).
Richtet man den Blick auf die Völker der Welt, deren Lebenserwartung am höchsten ist, dann fällt auf, dass ihre Lebensweisen in einigen Punkten übereinstimmen: Sie bewegen sich viel, versorgen sich optimal mit Vitalstoffen in Form von Vollkorn, Gemüse, Obst, Samen, Nüsse und Hülsenfrüchten und gleichzeitig nehmen sie weniger Kalorien zu sich als in westlichen Ländern üblich (Buchtipp: John Robbins – Gesund bleiben bis 100).

Stoffwechselveränderungen. Auch Studien mit menschlichen Probanden deuten zunehmend an, dass kurzfristiges Fasten einen positiven Einfluss haben könnte. Der Effekt geht vermutlich darauf zurück, dass das Fasten sich auf verschiedene Biomarker und auf den Stoffwechsel positiv auswirkt. So zeigte eine Studie von Valter Longo, dass durch längeres nächtliches Fasten der Spiegel des C-reaktiven Proteins, eines Entzündungsmarkers, gesenkt werden kann.
Dass Krebszellen durch Fasten angreifbarer werden, liegt vermutlich an der „differenzierten Stressresistenz“. Das ist ein Begriff, den Valter Longo geprägt hat. Er soll beschreiben, dass die starken Stoffwechselveränderungen beim kurzfristigen Fasten zum raschen Absterben von Tumorzellen führen, weil diese sich weniger gut an veränderte Umweltbedingungen anpassen können.

Kurzzeitiges Fasten während Chemotherapie. Eine Studie mit 13 Brustkrebspatientinnen aus dem Jahr 2015 zeigte, dass das kurzzeitige Fasten sicher ist und dass es sogar Nebenwirkungen am Blutbild abschwächen kann. Bei den fastenden Frauen erholten sich die Erythrozyten und Thrombozyten schneller (de Groot S et al. / BMC Cancer 2015). Einen Effekt auf andere Nebenwirkungen, wie z. B. Müdigkeit – der in einer anderen Studie an 10 Patienten belegt worden war (Safdie FM et al. / PLoS One 2012) –, ergab sich hier jedoch nicht.
In einer aktuellen Studie untersuchten Berliner Ärzte um Stephan P. Bauersfeld und Professor Andreas Michalsen, welchen Effekt Kurzzeitfasten bei 29 Patientinnen mit einem Brust- oder Eierstockkrebs während der Chemotherapie auf die Lebensqualität hat (Bauersfeld S et al. / BMC Cancer 2018). Die Fastenphase begann 36 Stunden vor Beginn der Chemotherapie und endete 24 Stunden nach Ende der Chemotherapie,
Während des Fastens war es den Frauen erlaubt, Wasser, Kräutertee sowie 2 x 100 ml Gemüsesaft und Gemüsebrühe mit einer täglichen Zufuhr von maximalen 350 kcal zu sich nehmen. Das Ergebnis war, dass in der Fastengruppe die Lebensqualität weniger stark beeinträchtigt war.

Intermittierendes Fasten. In der Naturheilkunde hat sich das Fasten als Heilfasten im Sinne einer Reinigung bewährt. Es kann auch als Umstellung auf eine gesunde Ernährung sinnvoll sein, auch und gerade für Krebspatienten – vorausgesetzt es liegen keine Kontraindikationen vor. Vom reinen Obstfasten würden wir wegen der belastenden Fruchtsäure abraten und eher ein Gemüsesuppenfasten, das Fasten nach Buchinger oder ein Basenfasten empfehlen.
Außerdem scheint das intermittierende Fasten - nicht nur bei Krebspatienten - sehr empfehlenswert zu sein. Dies ist eine sanftere Methode des Fastens, bei der es darauf ankommt, am Tag eine oder mehrere Mahlzeiten auszulassen, so z. B. das Frühstück oder das Abendessen. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass ein Intervall von 14:10 ausreichend ist, d.h. 14 Stunden (idealerweise über Nacht) wird auf Essen verzichtet.
Interessant sind hier die Ergebnisse von Forschern aus San Diego. Sie untersuchten zwischen 1995 und 2007 in der „Women’s Healthy Eating and Living“-Studie 2413 Brustkrebspatientinnen (Marinac CR et al. / JAMA Oncol 2016): Frauen, die länger schlafen und mehr als 13 Stunden nüchtern sind, hatten im Frühstadium ein um 36 Prozent reduziertes Risiko, erneut an Brustkrebs zu erkranken.

Grenzen des Fastens. Nicht für jeden eignet sich das Fasten gleichermaßen. Wer an Krebs erkrankt ist, sollte beachten, dass es von vielen verschiedenen Faktoren abhängt, ob ein Fasten durchgeführt werden kann; insbesondere von der körperlichen Befindlichkeit und Belastbarkeit. Bei stark ausgeprägter körperlicher Schwäche oder Gewichtsabnahme ist vom Fasten eher abzuraten. Fragen Sie im Zweifelsfall Ihren behandelnden Arzt oder den ärztlichen Beratungsdienst der GfBK.
Eine Fastenkur, die länger als 4 Tage dauert, bedarf auch bei Gesunden einer professionellen Begleitung, bei Krebspatienten natürlich erst recht. Bitte vermeiden Sie auf jeden Fall eine allzu drastische Gewichtsabnahme durch das Fasten. Im Rahmen einer Chemotherapie oder Bestrahlung nehmen viele Patienten ohnehin zu viel an Gewicht ab. Im Rahmen der Erholungsphase ist eher ein substanzieller Aufbau anzustreben.
Um eine Entgiftung des gesamten Organismus zu erreichen, können alternativ auch andere Maßnahmen durchgeführt werden. Beispiele sind die Ausleitung mit homöopathischen Komplexmitteln, eine Säure-Basen-Regulation und darmregulierende Maßnahmen.

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