Patienten fragen

Ich habe über die positiven Wirkungen von Curcuma gelesen. Nun würde ich gerne wissen, ob ich Curcuma auch während einer Chemotherapie einnehmen kann.

Curcuma oder volkstümlich Gelbwurz ist eine medizinische Heilpflanze (Curcuma longa). Sie zählt botanisch zu den Ingwergewächsen. Der gemahlene Wurzelstock der Heilpflanze verleiht einem der wichtigsten Gewürze in Indien und Südostasien die charakteristische Gelbfärbung. In unseren Breitengraden ist Curcuma vor allem als farbgebender Bestandteil des Curry-Pulvers bekannt.
Curcuma wirkt durch seine fettlöslichen Bestandteile, die sogenannten Curcuminoide, vor allem durch das Curcumin. Curcumin fördert die Gesundheit des Menschen hauptsächlich durch seine antioxidativen, proapoptotischen und entzündungshemmenden Eigenschaften. Aufgrund dieser Wirkungen wird angenommen, dass Curcumin auch in der  Krebstherapie genutzt werden kann (Aggarwal BB / Cancer Biol Ther 2011 und Prasad S / Cancer Res Treat 2014). Möglicherweise kann Curcumin die Wirksamkeit von klassischen Chemotherapeutika wie Platinderivaten und Taxanen verstärken und eine Chemoresistenz durchbrechen (Park W / Cancer Prev Res (Phila) 2013 und Wang YT / Int J Food Sci Nutr 2014). Die Curcumin-Tagesdosierungen in den klinischen Studien schwanken zwischen 2 und 8 g. Bis dato ist noch nicht geklärt, ab welcher Dosis der Darm genügend Curcumin aufnimmt, sodass der Stoff seine Wirkung im menschlichen Organismus entfalten kann.
Auch negative Wechselwirkungen mit bestimmten Chemotherapeutika sind nicht ganz auszuschließen. In Laborversuchen und am Tiermodell wurden Hinweise darauf beobachtet, dass Curcumin die Wirkung von Camptothecin, Mechlorethamin, Doxorubicin und Cyclophosphamid vermindern könnte (Somasundaram S / Cancer Res 2002 und Turrini E / Expert Opin Drug Metab Toxicol 2014). Inwieweit dies auch auf den Einsatz des Wirkstoffs beim Menschen zutrifft, ist schwierig zu beurteilen. Es gibt dazu keine aussagekräftigen Untersuchungen, teilweise widersprechen sich die Ergebnisse auch. Zum Beispiel zeigt eine andere Studie, dass Curcumin die Wirksamkeit von Doxorubicin und 5-FU auch verstärken kann (Goel A, Aggarwal BB / Nutr Cancer 2010).
Zur Dosis ist bekannt, dass mindestens 3,6 g Curcumin täglich verzehrt werden müssen, um überhaupt einen therapeutischen Effekt zu erzielen. (Sharma RA / Clin Cancer Res 2004). Forscher schließen daraus, dass die Minimaldosis von Curcumin bei oraler Anwendung zwischen 3,6 und 4 g pro Tag liegen sollte, wenn man das Mittel als Krebspatient nutzen will.
Als Nebenwirkungen von Curcumin können vereinzelt Symptome auftreten: Hautrötungen, Durchfälle, Verstopfung, Blähungen, Magenbeschwerden, Übelkeit, Bauchschmerzen und gelber Stuhl. Für Menschen mit Gallenwegsverengungen ist Curcuma nicht geeignet, da es die Gallensekretion fördert und so zu einem vermehrten Rückstau von Gallenflüssigkeit führen kann. Curcuma sollte außerdem nicht bei fortgeschrittener Hepatitis oder bei Metallspeichererkrankungen (Hämochromatosis, Wilson-Erkrankung) angewandt werden.
Schon seit Längerem versucht man, die Bioverfügbarkeit von Curcumin durch geeignete Rezepturen zu steigern. Insbesondere Phospholipidkomplexe und Mizellenpräparate sollen nebenwirkungsfrei dazu beitragen, dass Curcumin besser im Organismus aufgenommen werden kann. Schwarzer Pfeffer (Piperin) verfügt ebenfalls über diese Eigenschaft. Allerdings können größere Mengen an Pfeffer die Verstoffwechselung von Medikamenten verändern (z.B. Gurley BJ / Planta Med 2012), sodass Therapeuten vor allem während einer Chemotherapie davon abraten.
Insgesamt ist Curcumin ein zunehmend wichtiges Therapeutikum in der ganzheitlichen Krebsbehandlung. Während einer Chemotherapie sollte der individuelle Einsatz immer mit dem behandelnden Onkologen abgesprochen werden, um Wechselwirkungen zu vermeiden.