Patienten fragen

Ich bin 65 Jahre alt, hatte vor mehr als 10 Jahren Krebs und bin heute tumorfrei. Ich nehme seit längerem zur allgemeinen Kräftigung ein Präparat, das Vitamin B12 enthält. Soll ich es weiternehmen?

Vitamin B12 ist vor allem bei der Entwicklung aller Körperzellen von Bedeutung. Im Verbund mit Folsäure wird es für die Intaktheit und Reparatur der Zellmembranen benötigt. Bei Vitamin B12-Mangel kann es zu Blutarmut und Störungen im Nervensystem kommen. Vitamin B12 ist ebenfalls an Zellteilungsprozessen beteiligt und kann dadurch sich schnell teilende Zellen, wie z. B. Blutzellen beeinflussen. Da die Krebszellen ebenfalls rasch wachsen und damit durch Vitamin B12 in ihrer Vermehrung unterstützt werden könnten, wurde die Anwendung von Vitamin B12 bei Krebs in der Vergangenheit oft kontrovers diskutiert. Eine bedarfsgerechte Zufuhr von Vitamin B12 ist bei Krebspatienten oder ehemalig Erkrankten aber wichtig, damit der Körper nicht zusätzlich durch einen Nährstoffmangel geschwächt wird. Insbesondere bei vegetarischer Ernährung kann es zu einem Mangel kommen, da Vitamin B12 v.a. in tierischen Produkten (Rindfleisch, Filet, Kalbsleber, Hühnerei, Lachs) enthalten ist. Wir raten daher dazu, erhöhte Dosierungen von Vitamin B12 (ab 100µg pro Tag) langfristig bei Krebserkrankten nur dann einzusetzen, wenn im Blut ein Vitamin B12-Mangel vorliegt. Bestimmen lässt sich dies zum Beispiel anhand der Marker Holotranscobalmin und/oder Methylmalonsäure. Fragen Sie Ihren behandelnden Therapeuten danach.