Patienten fragen

Wie verträgt sich eine Misteltherapie mit den neuen Immuntherapien (MAB/CPI)? Kann beides parallel verabreicht werden?

Inzwischen gilt die Misteltherapie als wissenschaftlich gut erforscht. Es gibt eine sehr gute Evidenz (LoE 1a) dafür, dass die Behandlung mit Mistelpräparaten zur Steigerung der Lebensqualität, zur Verringerung von Schwäche (Fatigue) und zu einer besseren Verträglichkeit von schulmedizinischen Tumortherapien führt. In einer systematischen Übersichtsarbeit von 2009 wurden Lebensqualität, Überleben, Tumoransprechen und Sicherheit untersucht (Kienle GS et al. / J Exp Clin Cancer Res. 2009). Insgesamt 19 randomisierte klinische Studien, 16 nichtrandomisierte klinische Studien und 11 Kohortenstudien fanden in der Analyse Berücksichtigung. Günstige Auswirkungen auf das Überleben wurden in zwölf der 22 Studien dokumentiert. Auch eine aktuelle Arbeit bestätigt den positiven Einfluss der Misteltherapie auf das Gesamtüberleben bei Lungenkrebspatienten (Schad F et al. / PLoS One 2018). Die spektakulärsten Daten wurden in Zusammenhang mit Bauchspeicheldrüsenkrebs veröffentlicht. In einer Studie wurden 240 Patienten untersucht, die an Bauchspeicheldrüsenkrebs im Stadium IV erkrankt waren. Durch die Kombination von Chemotherapie und Mistel verlängerte sich das Gesamtüberleben von 7,3 (Chemo ohne Mistel) auf 12,1 Monate (Axtner J et al. / BMC Cancer 2016).

Neue Medikamente aus der Klasse der monoklonalen Antikörper oder die Checkpointinhibitoren werden zunehmend im Sinne einer onkologischen Immuntherapie eingesetzt. Ihre Frage ist berechtigt, ob sie mit einer Misteltherapie kombiniert werden können.
Für die schon länger gebräuchlichen monoklonalen Antikörper (wie Trastuzumab, Bevacizumab etc.) zeigt sich diese Kombination als unproblematisch (Schad F et al. / Integrative Integr Cancer Ther 2018).
Anhand weiterer Daten können wir sagen, dass die Kombination mit Checkpointinhibitoren ebenfalls unproblematisch ist (Thronicke A et al. / BMC Complementary and Alternative Medicine 2017). Mehr als die Hälfte der Patienten, die parallel zu den neuen schulmedizinischen Immuntherapien Mistel erhalten hatten, konnten die Therapie mit einem Antikörper oder einem Checkpointhemmer fortsetzen, wobei Teilnehmer*innen aus der Gruppe ohne Mistel viel häufiger abbrechen oder umgestellt werden mussten.

Bedenken zu möglichen Wechselwirkungen zwischen Mistel und einer herkömmlichen Chemotherapie konnten weder in Zell- noch in Tierversuchen bestätigt werden. Auch bei der HER2-positiven Brustkrebszelllinie SK-BR-3 führte die Hinzunahme der Mistel nicht zu einer Abschwächung der Trastuzumab-Wirkung. Im Gegenteil: Sie brachte verstärkende Effekte (Weissenstein U et al. / BMC Complement Altern Med. 2016).
Einzig bei hämatologischen Erkrankungen (Leukämien, Lymphome) ist es eher nicht ratsam, die Mistel einzusetzen. Bei allen anderen Tumorarten ist eine Misteltherapie zeitgleich mit anderen Immuntherapien möglich. Wenn während der Behandlung Infektionen und Fieber auftreten, sollte die Mistelgabe gestoppt bzw. unterbrochen werden. 1–2 Wochen nach Abklingen der Symptome kann sie fortgesetzt werden. Außerdem ist bei Autoimmunerkrankungen Vorsicht geboten, z.B. bei Hashimoto-Schilddrüsenentzündung, Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.