Patienten fragen

Ich habe Krebs im fortgeschrittenen Stadium und erhalte seit einigen Monaten zusätzlich zur Chemotherapie einen Antikörper. Nun äußerte mein Arzt Bedenken bezüglich der bei mir durchgeführten Misteltherapie und den anderen naturheilkundlichen Therapien (Vitamine, Enzyme), die ich ergänzend einsetze. Ist es tatsächlich unbedenklich, diese miteinander zu kombinieren?

Zu den sogenannten Antikörpern zählen ganz verschiedene Substanzen, die sich entweder gegen spezifische Zielstrukturen auf den Tumorzellen richten, die gezielt in den Stoffwechsel der entarteten Zellen eingreifen oder anti-angiogenetisch wirksam sind, d. h. die eine Gefäßneubildung im Tumorgewebe hemmen. Diese neuen Arzneistoffe werden in der Schulmedizin zunehmend eingesetzt.
Die von Schulmedizinern geäußerten Bedenken, dass durch Mistel, Enzyme oder Vitamine z. B. eine Wirkabschwächung hervorgerufen würde, entsprechen theoretischen Überlegungen. Eine Wirkungsabschwächung konnte in der Praxis bisher nicht nachgewiesen werden. Da viele in der biologischen Krebsbehandlung eingesetzten Substanzen ebenfalls über die Hemmung von Gefäßneubildungen wirksam sind oder den natürlichen Zelltod (sog. Apoptose) von Tumorzellen fördern, ist es im Umkehrschluss auch durchaus denkbar, dass diese die Wirksamkeit der Therapie mit Antikörpern unterstützen.
Außerdem müsste die von Ihnen zitierte Befürchtung Ihres Arztes, durch die Gabe von biologischen Präparaten bei gleichzeitiger Antikörpertherapie den Erfolg dieser neuen Arzneimittel zu gefährden, theoretisch für jede Kombination – also auch für die parallele Verabreichung einer Chemotherapie – gelten.
Vorsicht ist lediglich bei entzündlichen Nebenwirkungen dieser neuen Substanzen wie Fieber, Schüttelfrost, Gelenkschmerzen und Überempfindlichkeitsreaktionen geboten, insbesondere dann, wenn gleichzeitig direkt das Immunsystem beeinflussende Substanzen, wie Mistel oder Thymuspräparate, gegeben werden. In diesen Fällen empfehlen Experten so lange abzuwarten, bis diese Nebenwirkungen abgeklungen sind.