Patienten fragen

Ich bin an einem Glioblastom, einem bösartigen Hirntumor erkrankt und würde gerne Mistel spritzen. Ich bin mir allerdings unsicher, ob dies wirklich sinnvoll ist, da ich mehrfach gehört habe, dass eine Mistelgabe bei Hirntumoren Hirnödeme auslösen kann. Wie beurteilen Sie die Gabe von Mistel bei Hirntumoren?

Bei Hirntumoren lassen sich in der Praxis die Bedenken, dass eine Misteltherapie bei Hirntumoren Hirnödeme bzw. Hirndrucksteigerungen hervorrufen könne, bisher nicht bestätigen. So ist bisher noch nie festgestellt worden, dass die Misteltherapie zu einer Hirndruckerhöhung geführt hat, sondern dass vielmehr Hirntumore diesen erhöhten Hirndruck bewirken. Außerdem gibt es keine Veröffentlichungen, in denen Hirndrucksteigerungen nach Anwendung einer Misteltherapie bei Hirntumoren beschrieben worden sind. Die bisherigen Studie zur Misteltherapie bei Glioblastomen fanden diesbezüglich ebenfalls kein erhöhtes Risiko (zum Beispiel Lenartz D/Anticancer Res 2000 und Augustin M/Arzneim-Forsch/Drug Res 2005).
Auch die für die Zulassung der Mistelpräparate zuständige Kommission C beim ehemaligen Bundesgesundheitsamt hatte aufgrund der vorliegenden ärztlichen Erfahrungen Hirntumoren nicht als Kontraindikation in die Fachinformationen der Hersteller mit aufgenommen. So kann man zusammenfassend feststellen, dass man aus den leider nur spärlich vorliegenden Veröffentlichungen nicht den Schluss ziehen kann, dass eine Misteltherapie bei Hirntumoren nicht angewandt werden sollte.
Selbstverständlich gibt es Patienten mit schnell wachsenden Hirntumoren, bei denen auch die Beschwerden durch den Hirndruck krankheitsbedingt zunehmen und die dann behandelt werden müssen. Die Hirndruckzeichen sind dann aber nicht unbedingt eine Kontraindikation für die Misteltherapie, sondern nur eine Indikation für eine adäquate Behandlung mit Kortison und/oder Weihrauch. Außerdem ist es wichtig, dass Sie die Misteltherapie von einem in dieser Therapieform erfahrenen Therapeuten durchführen lassen.