Patienten fragen

Ich habe Bauchspeicheldrüsenkrebs mit Lebermetastasen und würde gerne wissen, was außer einer Chemotherapie noch getan werden kann?

Eine Heilung ist bei metastasierendem Bauchspeicheldrüsenkrebs selten möglich. Die Erfolge einer Chemotherapie sind begrenzt und verbessern nur in Einzelfällen auch tatsächlich das Überleben. Auch der Einsatz neuer Chemotherapeutika, wie z. B. Irinotecan und Oxaliplatin erzielen keine Verbesserung der Überlebenszeit (Conroy T / NEJM 2011), haben jedoch meistens erhebliche Nebenwirkungen. Insofern sollte vor dem Einsatz von belastenden schulmedizinischen Therapien sorgfältig zwischen voraussichtlicher Lebenserwartung und Beeinträchtigung der Lebensqualität durch Nebenwirkungen abgewogen werden. Es gibt zwei Naturstoffe, die für Menschen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs besonders interessant sind: L-Carnitin und Sulphoraphan. L-Carnitin ist eine vitaminähnliche Substanz, die aus Aminosäuren gebildet wird und vor allem in Fleisch (besonders in rotem Fleisch, insbesondere in Schaf- und Lammfleisch) enthalten ist. Aktuelle Studienergebnisse der Universität Greifswald (CARPANStudie) zeigen, dass bei Patienten mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs die orale Gabe von L-Carnitin die Lebensqualität verbessert und sogar zu einer Verdoppelung der Überlebenszeit führen kann. Laut der Forschergruppe sind die Ergebnisse, die mit L-Carnitin erzielt wurden, durchaus mit dem Erfolg einer Chemotherapie vergleichbar. Durch L-Carnitin erreichten die Patienten in dieser Studie trotz des weit fortgeschrittenen Tumorstadiums eine Prognose, die mit der nach Entfernung des Tumors vergleichbar ist. Auch wenn es das 5-Jahres-Gesamtüberleben nicht verbessern konnte, empfehlen wir die Gabe von L-Carnitin mit dreimal einem Gramm zusätzlich zur Chemotherapie, da die Patienten so eine deutlich bessere Lebensqualität hatten. Der andere Naturstoff, das Sulphoraphan, ist ein Wirkstoff aus Kohlgewächsen, besonders in Brokkoli enthalten. Forschungsergebnisse des Deutschen Krebsforschungszentrums aus Tierexperimenten zeigen, dass diese Substanz widerstandsfähige Tumorstammzellen von Bauchspeicheldrüsenkrebs mehr schwächen kann als herkömmliche Krebsmedikamente (Herr I / DZO 2009). Jetzt soll geprüft werden, welche Wirkung Sulphoraphan beim Menschen hat. Dazu wird ein Schrot aus gefriergetrockneten Keimlingen (Grünkohl, Brokkoli, Rosenkohl) verwendet, welche auf einen besonders hohen Gehalt an Glukosinolaten hin gezüchtet wurden. Ein solcher Extrakt bzw. Tabletten gibt es zum Beispiel von der Firma Agrinova (www.agrinova.biz) oder von der Firma Supersmart (www.supersmart.com, »Broccoli Sprouts Extract«). Eine gute Alternative ist der Verzehr von Brokkolisprossen (in Feinkostläden und Bioläden erhältlich). Setzen Sie neben Brokkoli auch andere Kohlgewächse wie Blumenkohl, Rosenkohl, Grünkohl, Wirsing, Rotkohl, Kohlrabi, Chinakohl sowie Kresse, Senf, Rettich, Radieschen, Meerrettich und Raps (Rapsöl!) häufig auf Ihren Speiseplan.