Forschung / Studien

Eine Untersuchung vom John-Wayne-Krebsinstitut in Kalifornien und renommierten Wissenschaftlern wurde in der Vergangenheit leider viel zu wenig beachtet, regt aber dazu an, die bisherige Praxis von Nadelbiopsien bei Brustkrebs neu zu überdenken (Nora M / Arch Surg. 2004).

In dieser Studie mit insgesamt 676 Patientinnen (Durchschnittsalter 58 Jahre) wurde untersucht, ob die Nadelbiopsie die nachfolgende Ausbreitung von Tumorzellen in die Wächterlymphknoten beeinflusst. Dabei wurden 126 Patientinnen einer Feinnadel-Biopsie und 227 einer Dicknadel-Kernbiopsie unterzogen. 323 der Patientinnen hatte den Tumor durch Exzisionsbiopsie oder Lumpektomie im Ganzen entfernt bekommen.

Ergebnis: Die Frauen, die eine Nadelbiopsie erhielten, waren einer um 50% höheren Wahrscheinlichkeit ausgesetzt, Krebs in den Wächterlymphknoten zu entwickeln, als die Frauen, deren Tumor chirurgisch per Exzision entfernt worden war.

Die Autoren bemerken, dass evt. das mechanische Zerreißen des Tumors durch die Biopsiennadel ein Grund dafür sein könnte, dass es zu einer Verschleppung von Tumorzellen und zu einer Zunahme des Befalls der regionären Lymphknoten kommt.

GfBK-Kommentar: Eine Studie, die zum Nachdenken anregt, da bisher bei den meisten Patientinnen zur Diagnosesicherung eine Nadelbiopsie durchgeführt wird. Dass dadurch maligne Zellen auf die Lymphknoten übergreifen können, ist bedenklich, und stellt die Sinnhaftigkeit dieser Methode in Frage. Schließlich kann auch durch eine einfache Tumorexzision festgestellt werden, ob der Tumor bösartig ist oder nicht.

Ob dieses Phänomen auch bei anderen Entnahmemethoden, wie z.B. der Vakuumbiopsie  auftritt, kann nicht bestätigt werden, da hierüber keine Studien vorliegen. Allerdings kommt es auch hier zu einer Manipulation am Tumor, so dass eine Tumorzellstreuung in die Lymphknoten nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann.

Berücksichtigt man, dass Patientinnen mit Lymphknotenbefall als weiter fortgeschritten eingestuft werden und daher eine weitaus ausgeprägtere Behandlung erhalten als Patientinnen ohne Lymphknotenbefall, so sind die Ergebnisse dieser Untersuchung besorgniserregend, da ein Großteil der Lymphknotenmetastasierung durch andere diagnostische Methoden (s.o.) vermieden werden könnte.