Forschung / Studien

Bei 351 Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren wurde in einer randomisierten placebokontrollierten Studie geprüft (Henke et al. / Lancet 362, 2003), ob eine Anämiebehandlung mit Erythropoetin beta die Ergebnisse einer kurativen postoperativen Strahlentherapie verbessern kann. Zwei Wochen vor Strahlentherapie und währenddessen erhielten die Patienten entweder Erythropoetin beta (300 IU/kg) dreimal wöchentlich oder ein Placebo. Obwohl durch die Gabe von Erythropoetin der Hb-Wert bei 82% der Patienten effizient über 14 mg/dl angehoben werden konnte, erlitten im Erythropoetinarm signifikant mehr Patienten ein lokales Fortschreiten oder starben als unter Plazebogabe (64,4% versus 53,8%). Dies betraf vor allem Patienten mit Tumoren, die nicht vollständig reseziert werden konnten. Als Ursache wird der bekannte antiapoptotische und wachstumsfördernde Effekt von Erythropoetin angeführt. Die Autoren raten dringend, weitere kontrollierte Studien zu diesem Thema durchzuführen. Eine andere Studie mit Mammakarzinom-Patientinnen musste inzwischen wegen erhöhter Sterblichkeit im Erythropoetin-Arm abgebrochen werden (Leyland-Jones et al / Lancet 4, 2003); allerdings erschweren Probleme im Studiendesign, konkrete Schlussfolgerungen aus dieser Studie zu ziehen.

GfBK-Kommentar: Insgesamt Ergebnisse, die nachdenklich stimmen sollten, da Erythropoetin zur Behandlung einer Anämie inzwischen immer häufiger eingesetzt wird. Es wird vermutet, dass die Ursache dafür eine Frage der Dosis und der Dauer der Behandlung ist. Bis zur Klärung raten wir, Erythropoetin nicht allein zur Hb-Wert-Korrektur, sondern nur bei zusätzlich vorliegenden auf die Anämie zurückzuführenden Beschwerden einzusetzen.