Forschung / Studien

Die strahleninduzierte Mukositis und Diarrhöe bestimmt in hohem Maß die Compliance von Patienten unter einer Radiotherapie. Neben anderen Faktoren scheint der Zeitpunkt der Bestrahlung für Häufigkeit und Ausprägung dieser subjektiv sehr belastenden Nebenwirkung relevant zu sein. Dies wurde anhand einer Studie an 229 Patientinnen mit einem Zervixkarzinom, die eine externe Strahlentherapie erhielten, prospektiv untersucht (Shukla P et al. / Cancer 2010).
Dabei wurden die Patientinnen in zwei Gruppen randomisiert, einmal für die Bestrahlung am Vormittag zwischen 08:00 und 10:00 Uhr (Arm 1) sowie abends zwischen 18:00 und 20:00 Uhr (Arm 2). Die Mukositis-Inzidenz bestimmten die Autoren anhand des Schweregrads von Diarrhöe.
Die Gesamtinzidenz von Diarrhöe war in Arm 1 signifikant erhöht (87,39 gegenüber 68,18%), beim Schweregrad 3–4 waren es 14,3 vs. 5,5% (p < 0,05). Am Vormittag behandelte Patientinnen entwickelten auch signifikant häufiger andere strahleninduzierte Toxizitäten. Hingegen ergaben sich keine Unterschiede im Ansprechen auf die Therapie zwischen den Gruppen.

GfBK-Kommentar: Hier zeigt sich: die zirkadiane Rhythmik beeinflusst das Auftreten einer strahlenassoziierten gastrointestinalen Mukositis Dabei treten höhergradige Diarrhöen signifikant häufiger nach Bestrahlung in den Morgenstunden auf. Dies konnte bereits in Tierversuchen gezeigt werden und gibt nun Anlass, den Ablauf der bisherigen Bestrahlungspraxis zu überdenken. Es wäre im Sinne der Patienten sicherlich wünschenswert, wenn diese Erkenntnis dazu beitragen könnte, Radiotherapien mit einem deutlich verringerten Risiko für eine gastrointestinale Mukositis zukünftig anders zu planen, anstatt teure Medikamente gegen diese unerwünschten Nebenwirkungen einzusetzen.