Forschung / Studien

Gagliato Dde M et al. Clinical impact of delaying initiation of adjuvant chemotherapy in patients with breast cancer. J Clin Oncol. 2014; 32(8):735-44

Um herauszufinden, wann eine adjuvante Chemotherapie bei frühem Mammakarzinom beginnen sollte und ob eine Wartezeit das Überleben verschlechtert, untersuchte eine retrospektive Studie die Daten von 6.827 Frauen, die durchschnittlich etwa fünf Jahre nachbeobachtet wurden.
39,8% der Patientinnen hatten innerhalb eines Monats nach der Operation mit der Chemotherapie begonnen, 43,8% nach 31–60 Tagen und 16,4% nach 61 oder mehr Tagen. Zu Studienende waren 21% der Frauen gestorben, 31,3% hatten ein Rezidiv und 28,2% hatten Fernmetastasen.
Das Ergebnis: Die verschiedenen Gruppen zeigten keine Unterschiede in den 5-Jahres-Überlebensraten. Das heißt, es machte keinen Unterschied, ob die Patientinnen frühzeitig oder eher spät mit der Chemotherapie begonnen hatten. Dies galt jedoch nicht für Frauen mit triple-negativen Tumoren oder HER2-positiven Tumoren. Bei diesen Patientinnen stieg bei spät einsetzender Chemotherapie (nach ≥ 61 Tagen) die Sterberate um die Hälfte bzw. um das Dreifache an. Auch bei Patientinnen mit Brustkrebs im Stadium III (T1-T4, N2-N3, M0, d.h. Tumor größer als 5 cm und Lymphknotenbefall oder Tumor mit Ausdehnung bis zur Brustwand oder Haut oder fixierte axilläre Lymphknoten oder Lymphknoten entlang der inneren Brustarterie) war die Risikoerhöhung deutlicher. Hier war eine Verzögerung um mehr als 60 Tage mit einem 36%-igen Anstieg der Fernmetastasen und einem um 76% erhöhten Sterberisiko verbunden.

GfBK-Kommentar: Vielen Frauen wird nach der Operation empfohlen, eine vorbeugende (sogenannte adjuvante) Chemotherapie durchführen zu lassen, um eventuell im Körper gestreute Tumorzellen zum Absterben zu bringen. Viele Frauen sind mit einer Entscheidung schlichtweg überfordert. Es wird jedoch immer deutlicher, dass die Brustkrebserkrankung bei jeder Frau so individuell ist wie sie selbst und dass hier zunächst statt Hektik eher Ruhe von Nöten ist, um die nächsten Schritte zu überdenken. Auch Patientinnen, die sich durch eine möglichst schnelle Einleitung der Chemotherapie unter Zeitdruck gesetzt fühlen, werden durch diese Studiendaten bekräftigt, dass bis zu Beginn der Chemotherapie genügend Zeit ist, um eigene Wege im Umgang mit der Erkrankung zu finden. So hat eine ältere dänische Studie gezeigt [5], dass ein früher Beginn der Chemotherapie innerhalb der ersten drei Wochen nach der Operation keinen Überlebensvorteil für die Patientinnen bedeutet. Auch diese aktuelle Studie zeigt, dass erst nach 61 oder mehr Tagen die Sterberate vor allem bei triple-negativen oder HER2-positiven bzw. weit fortgeschrittenen Tumoren ansteigt.

Literatur

[5] Cold S, Düring M, Ewertz M, Knoop A, Møller S. Does timing of adjuvant chemotherapy influence the prognosis after early breast cancer? Results of the Danish Breast Cancer Cooperative Group (DBCG). Br J Cancer. 2005; 93(6): 627-32