Forschung / Studien

Chemotherapeutika können als Nebenwirkung eine Leukämie auslösen. Dass diese therapiebedingten akuten myeloischen Leukämien (tAML) eher selten auftreten, zeigt eine Untersuchung des US-Krebsregisters, die Daten von 426.068 Erwachsenen untersuchte, die zwischen 1975 und 2008 eine Krebschemotherapie erhalten hatten, und darunter nur 801 tAML-Diagnosen fand (Morton LM et al./ Blood 2013). Vor allem in den letzten Jahrzehnten sei das Auftreten der therapiebedingten tAML rückläufig. Vor allem betrifft dies Mammakarzinome, auf das ein Drittel aller tAML entfiel. Die Epidemiologen der Studie führen als Ursache für diesen Rückgang den Wechsel auf Cyclophosphamid-basierte Chemotherapien in den 80er Jahren an. Ähnlich sei die Situation beim Ovarialkarzinom, seitdem kein Melphalan mehr eingesetzt wird. Heute wird Melphalan vor allem zur Behandlung des Multiplen Myeloms eingesetzt, weswegen dort das Auftreten der tAML noch sehr häufig ist.
Bei anderen Krebserkrankungen wie zum Beispiel dem Non-Hodgkin-Lymphom ist es zu einem Anstieg gekommen, da sich hier die Prognose der Patienten verbessert hat und die Wahrscheinlichkeit größer geworden ist, eine tAML noch zu erleben. Auch bei Ösophagus-, Anal-, Zervix-, Endometrium- und Prostatakarzinomen tritt die tAML häufiger auf. Verantwortlich hierfür ist der immer häufiger werdende Einsatz von Chemotherapien.

GfBK-Kommentar: In dieser Studie wird auch erwähnt, dass das Risiko, an tAML zu erkranken, nicht immer auf die ersten 10 Jahre nach der Diagnose beschränkt sei. Vor allem bei Hodgkin-Lymphomen, Non-Hodgkin-Lymphom und multiplen Myelomen muss auch später noch mit dem Auftreten einer tAML gerechnet werden, wobei das Risiko mit der Dosis und der Dauer der Chemotherapie ansteigt. Für die Patienten nur ein schwacher Trost, da gerade diese Tumorarten am ehesten auf eine Chemotherapie ansprechen. Bei allen anderen vor allem fortgeschrittenen Tumorarten kann man hieraus die Überlegung ziehen, dass auch hier weniger Chemotherapie mehr ist. Wenn man berücksichtigt, dass besonders bei fortgeschrittenen Tumoren Patienten nicht immer darüber informiert werden, dass die meisten Krebserkrankungen durch eine Chemotherapie nicht geheilt werden können (Weeks JC et al./N Engl J Med. 2012), sind die Ergebnisse zu Langzeitfolgen besonders brisant.