Forschung / Studien

Forscher aus Amsterdam warnen aufgrund eigener Forschungsergebnisse vor einem unbedachten Umgang mit Fischölen während Chemotherapie (Daenen L/JAMA Oncology 2015), da der Konsum von fetthaltigen Fischen oder die Gabe von Fischöl-Kapseln den Effekt bestimmter Chemotherapien abschwächen könnte. Grundlage für diesen Warnhinweis sind in-vitro Daten am Mausmodell, anhand derer gezeigt wurde, dass Therapien mit Cisplatin, Oxaliplatin oder Irinotecan durch die Öle unwirksam wurden. Bereits kleine Mengen der Omega-3-Fettsäuren sollen dabei die Proliferation von speziellen Makrophagen aus der Milz anregen, die sogenannte Lysophospholopide sezernieren, die wiederum die Wirkung der Therapie aufheben sollen. Da Fischöle den Therapieeffekt möglicherweise beeinflussen könnten, empfehlen die Forscher zumindest an den Chemotherapietagen auf den Konsum zu verzichten.

GfBK-Kommentar: Ob Daten aus dem Mausmodell wirklich dafür ausreichen, zu belegen, dass Omega-3-Fettsäuren die Wirkung einer Chemotherapie abschwächen können, muss bezweifelt werden. Hier werden zwei Dinge zusammengerührt, von denen wir gar nicht wissen, ob sie so zusammengehören: Mögliche Beeinträchtigung einer Chemotherapie durch einzelne in Fischöl enthaltene Fettsäuren im Mäusemodell plus Erreichen entsprechender Spiegel bei vielen Krebspatienten.
Wie bei jedem anderen Tierexperiment sollte man auch hier fragen: Trifft das Mäusemodell auch für den Menschen zu? Selbst wenn es zuträfe, ist der Schaden dann größer als der Nutzen?
Immerhin gibt es Ergebnisse aus klinischen Studien, die zu anderen Ergebnissen kommen: So konnte bei Prostata-Ca-Patienten gezeigt werden, dass zusätzliche Fischöl-Supplemente die Teilungsrate der malignen Zellen hemmen (Aronson WJ/Cancer Prevention Research 2011) und dass eine fischreiche Ernährung das Sterblichkeitsrisiko um 63 Prozent senken konnte (Konrad M/American Journal of Clinical Nutrition 2010).
Widersprüchlich sind da allerdings die Ergebnisse einer Fall-Kontrollstudie, in der mehrfach ungesättigte Fettsäuren die Bildung von Prostatakarzinomen eher gefördert haben (Brasky M/JNCI J Natl Cancer Inst 2013).
Eines sollte in der Diskussion um Fischöle klar sein: Dass Omega-3-Fettsäuren potentiell kanzerogen wirken können, könnte vor allem daran liegen, dass DHA und EPA aufgrund ihrer ungesättigten Doppelbindungen sehr oxidationsempfindlich sind. Bei Omega-3-Fettsäure-reichen Ölen ist es daher (z. B. Leinöl, Hanföl, Rapsöl, Walnußöl) besonders wichtig, diese nicht zu hell, zu warm oder zu lange zu lagern oder sie sogar zum Braten zu verwenden; denn dies erzeugt wiederum krebserregende Stoffe, wie zum Beispiel Lipidperoxide. Hier zeigt sich wieder einmal, wie wichtig eine korrekte Verwendung und eine gute Qualität sind. Ferner ist für eine regelmäßige und ausreichende Zufuhr von Antioxidantien zu sorgen, da ansonsten die unerwünschte Oxidation der ungesättigten Fettsäuren auch im Körper geschieht.