Forschung / Studien

Eine Metaanalyse von 19 zuvor bereits veröffentlichten Vitamin E-Studien (Miller / Ann Intern Med 142, 2005) führte jüngst in der Öffentlichkeit immer wieder zu Meldungen, hoch dosiertes Vitamin E sei schädlich und nicht empfehlenswert. In diesen Studien mit teils unterschiedlicher Zielsetzung wurde der Einfluss von Vitamin E auf eine Reihe chronischer Krankheiten wie kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs, altersbedingte Augenerkrankungen, Morbus Parkinson und Morbus Alzheimer hin untersucht. Schwerpunkt der Metaanalyse war die Frage nach der Mortalität bei Personen, die Vitamin E erhielten. 18 dieser 19 Studien wiesen keinen statistisch signifikanten Anstieg der Mortalität auf. In der Mehrzahl, nämlich 11 der analysierten Studien, nahmen Patienten überwiegend im Alter von über 60 Jahren hochdosiertes Vitamin E (von den Autoren als 400 IE und mehr definiert) ein. Die Analyse der Subgruppen ergab, dass hochdosiertes Vitamin E (≥ 400 IE/Tag) die Sterblichkeit erhöht (34 zusätzliche Todesfälle auf 10.000 Personen), während Vitamin E in niedrigeren Dosierungen das Mortalitätsrisiko senkt (33 Todesfälle weniger auf 10.000 Personen).

GfBK-Kommentar: Leider wurden die Ergebnisse der Metaanalyse in der Öffentlichkeit überbewertet. Es gibt eine Reihe von Kritikpunkten und Mängeln, die die Schlussfolgerung, hoch dosiertes Vitamin E sei schädlich, fragwürdig erscheinen lassen.
So wurden für die Subgruppenanalyse laut Angaben der Gesellschaft für angewandte Vitaminforschung e.V. bestimmte statistische Modelle verwendet, die das Risiko gegenüber dem Nutzen höher bewerten. Außerdem wurden sämtliche Studien an Personengruppen durchgeführt, die unter chronischen Krankheiten litten, und eine Vielzahl von heterogenen Faktoren, wie Co-Morbiditäten, medikamentöse Begleittherapien und weitere antioxidative Supplemente konnten nachträglich nicht mehr berücksichtigt werden. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass die Mortalitätsrate in keiner der 19 Studien als Studienendpunkt vorgesehen war. Dies führt zu der Einschätzung, dass diese Metaanalyse nicht dazu beitragen kann, das klinische Wirkungspotential von Vitamin E zu untersuchen, zumal andere Metaanalysen keinen negativen Effekt von Vitamin E auf die Überlebensrate feststellen konnten und auch andere kleinere Studien die positive Wirkung von Vitamine E in der Vorbeugung von Krebserkrankungen (v. a. Prostatakrebs) bestätigen.