Forschung / Studien

Wer viel in der Sonne ist, hat ein geringeres Melanomrisiko. Diese Aussage mag manchem in Anbetracht des Zusammenhanges von UV-Exposition und Hautkrebs paradox erscheinen. Doch die Problematik ist bei genauerem Hinsehen wohl doch komplexer. Zumindest zeigen dies die Studiendaten von Dermatologen der Unikliniken Ulm und Dresden, die in einer Fall-Kontroll-Studie 291 Melanompatienten, 212 Basalzellkarzinompatienten sowie knapp 330 Patienten ohne dermatologische Erkrankungen (Kontrollgruppe) nach ihrer Sonnenexposition und einer weiteren Risikofaktoren befragt haben (Kaskel P et al./ JEADV 2014).
Nach Auswertung der Patientendaten scheint eine chronische Sonnenexposition mit einem geringeren Melanomrisiko einherzugehen, während eine sporadische Bestrahlung – also etwa ein Badeurlaub mit weißer Haut – das Melanomrisiko erhöht. Vor allem Sonnenbrände in der Kindheit erhöhen das Melanomrisiko (um 84%). Bezeichnend war außerdem, dass sich Patienten ohne Melanom vor 20 Jahren viel häufiger im Freien bewegten als Melanomkranke. Und auch in der Kindheit waren die Patienten ohne Melanom viel häufiger draußen gewesen. Bergwandern in der Kindheit geht zum Beispiel nach den Berechnungen der Forscher mit einem etwa 70% geringeren Melanomrisiko einher.
So gar nicht ins Bild passt da schon eher das in derselben Studie gezeigte um 90 Prozent reduzierte Melanomrisiko durch häufigen Solariumbesuch, da es andere eindeutige Studiendaten gibt, die ein erhöhtes Melanomrisiko ergaben.
Ein reduziertes Melanomrisiko ließ sich aus den Patientenangaben für einen dunklen Hauttyp und Träger brauner Augen bestätigen. Erstaunlich ist auch ein 65% reduziertes Risiko für Patienten mit einer Atopie. Die Autoren um Huber vermuten bei der Atopie krebshemmende Effekte einer gesteigerten Mastzellaktivität. Kein erhöhtes Risiko für Melanome hingegen ergibt sich für Vollzeitbauern.
Ganz anders sieht es bei Basalzellkarzinomen aus, die durch langjährige Sonnenexposition vermehrt ausgelöst werden. Hier zeigen die Daten ein erhöhtes Erkrankungsrisiko, wenn sich viel im Freien aufgehalten wurde. Bei Vollzeitbauern erhöht sich dabei das Risiko, an einem Basalzellkarzinom zu erkranken bis um den Faktor vier.

GfBK-Kommentar: Interessant ist auch eine andere Aussage dieser Studie, dass nämlich der häufige Gebrauch von Sonnencreme mit einem erhöhten Melanomrisiko einhergeht. Dies könnte eine Ursache darin haben, dass durch den intensiven Gebrauch von Sonnencreme kein Vitamin D in der Haut mehr gebildet wird. Problematisch ist dies vor allem deshalb, da inzwischen zahlreiche Studien belegen, dass eine gute Versorgung mit Vitamin D vor Krebserkrankungen schützen kann. Auch in der Rezidivprophylaxe könnte das von Bedeutung sein. So zeigte eine Untersuchung an 872 Hautkrebspatienten, dass bei höheren Vitamin-D-Werten dünnere Tumore, ein geringeres Rückfallrisiko und ein verbessertes Gesamtüberleben auftraten (Newton et al. / J Clin Oncol 2009).
Zusammenfassend regen die Ergebnisse dieser Studie an, unsere bisherigen Vorstellungen zu Melanomen und Sonnenexposition zu überdenken. Es lohnt sich vor allem, auch über unsere Lebensweise nachzudenken, ob wir wirklich in abgedunkelten Büros sitzen und uns mit Sonnenschutzmitteln eincremen müssen, sobald wir mal nach draußen gehen.